Historische Bildungsforschung Online

Abhandlung: 
Dietmar Haubfleisch/ Klaus-Peter Horn/ Jörg-W. Link/ Christian Ritzi
Internet und bildungsgeschichtliche Forschung [1]


 Bei dem Versuch, eine Abhandlung über das Internet, seinen Sinn und Zweck und die Grenzen seines Nutzens zu verfassen, stößt man schnell auf ein kaum aufzulösendes Dilemma. Einerseits müßte man die Strukturen und Funktionsweisen des Internet all jenen, die noch keine nähere Kenntnis des Netzes haben, detailliert erläutern. Andererseits kann genau diese Erläuterung bei denen, die schon eigene Erfahrungen gesammelt haben, zu Abwehrreaktionen führen. Beide Male besteht die Gefahr, daß über dem Technischen die inhaltliche Seite aus dem Blick gerät. Auch wir haben mit diesem Problem umzugehen. Eine Lösung könnte darin bestehen, die folgenden Abschnitte zu indexieren, d.h. für bestimmte Lesergruppen als überflüssig oder notwendig zu kennzeichnen. Hierbei drohte nun wieder die Gefahr, daß sowohl die technisch Versierten als auch die technisch noch nicht so Versierten die eher technischen Abschnitte überspringen. Darum haben wir den - angesichts des Themas dieser Abhandlung - naheliegenden Weg gewählt, die Informationen, die Anfänger benötigen, um die ersten Schritte im Internet gehen zu können, nur in der elektronischen Fassung dieses Textes im Internet zu präsentieren. 
Bevor wir uns den für die bildungsgeschichtliche Forschung relevanten Informationen zuwenden, wollen wir zur Einführung dennoch knapp allgemeine Informationen über das Internet aufbereiten.[2]  

Das Internet ist aus einem in den 60er Jahren für Verteidigungszwecke in den USA geschaffenen Computernetzwerk entstanden, wurde in den 80er Jahren als nationales Wissenschaftsnetz ausgebaut und in den 90er Jahren zivilisiert und fand seitdem weltweit Beachtung und Nutzer. Parallel zu den US-amerikanischen Netzen entstand auch in Europa ein Computernetz, das ebenfalls in das Internet einbezogen wurde (HORVATH 1997, S. 27 ff.). Das Internet besteht also im Prinzip aus Verknüpfungen von vielen Computernetzen und Computern rund um den Globus. Es sind vor allem zwei Leistungen, die das Netz auszeichnen: Zum einen kann man im World Wide Web, kurz WWW, die Seiten der Anbieter von mehr oder weniger interessanten und nützlichen Daten und Informationen abrufen, zum anderen kann man über das Netz mit anderen Nutzern kommunizieren, entweder durch das sogenannte Chatten oder per elektronischer Post, dem E-Mail. Für die Informationssuche benötigt man ein Programm, das als Web-Browser bezeichnet wird. Die bekanntesten Programme in der PC-Welt sind der im Internet kostenfrei erhältliche NETSCAPE-NAVIGATOR der Firma Netscape Communications Corporation und der INTERNET-EXPLORER von MICROSOFT, den man beim Kauf des Betriebssystems WINDOWS 95 bzw. WINDOWS 98 automatisch erwirbt.[3] Mit dem Web-Browser kann man im Netz "surfen", d.h. sich über Hyperlinks, kurz auch als Links bezeichnet, von Seite zu Seite bewegen. Das WWW besteht aus einer Unmenge von Seiten, die oft durch Links verknüpft sind. Dazu wird in einem speziellen Code die Adresse der jeweiligen Seite angegeben und optisch durch Unterstreichungen oder eine bestimmte Farbgebung hervorgehoben. Wenn man die hervorgehobene Adresse mit der Maus "anklickt ", gibt man zugleich den Befehl, zu der angegebenen Seite zu wechseln. An einem Beispiel soll dies kurz illustriert werden. Oben haben wir schon erwähnt, dass im Rahmen des Internet-Angebotes HBO eine Seite mit allen Links, von denen wir einige auch in in diesem Beitrag aufführen, gestaltet ist. Diese Seite hat die Adresse http://www.bbf.dipf.de/hbo/links.htm. Diese Adresse gibt es im Internet nur einmal, sie ist eindeutig zugeordnet (im Englischen als URL, Uniform Ressource Locator bezeichnet). Die Adresse setzt sich folgendermaßen zusammen:  

  • http (hypertext transfer protocol) bezeichnet das Übertragungsprotokoll für die Daten, d.h. die allen im Netz verbundenen Rechnern gemeinsamen Regeln der Übermittlung von Daten.[4] 
  • www ist die Abkürzung für World Wide Web. Die Angabe www ist nicht obligatorisch, wird aber üblicherweise verwendet. 
  • Die Angabe bbf.dipf.de gibt den Server, also den Netzrechner an, auf dem die Informationen, die man sucht, liegen. Diese Angabe muss von rechts nach links gelesen werden. de steht für Deutschland[5], dipf für das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung, bbf für die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, die ein Teil des DIPF ist. Es handelt sich also um einen Server, der in Deutschland steht und zum DIPF, Abteilung BBF gehört. Dass hier nicht nur eine Ziffernfolge, wie bei der IP-Adresse (im Falle der BBF wäre dies 193.175.194.61), steht, sondern eine Bezeichnung, mit der man als Nutzer etwas anfangen kann, verdankt sich dem Umstand, dass man sich lange Ziffernfolgen weniger gut einprägen kann als bedeutungshaltige Buchstabenkombinationen, anhand derer man auch intuitiv suchen würde, wenn man die genaue URL nicht kennt.[6] Bis hierhin hat man nun die Adresse der Homepage, d.h. der Hauptseite der BBF vor sich. Von hier aus gelangt man auch zu allen Unterseiten der Homepage. 
  • Diese Unterseiten sind durch einen Schrägstrich von der Hauptseite abgetrennt. Die erste Unterseite, die angesteuert wird, ist hbo. Dieses Kürzel steht für Historische Bildungsforschung Online, ein Projekt der Sektion Historische Bildungsforschung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft und der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (vgl. unten Abschnitt 3). Hinter hbo stehen durch weitere Schrägstriche abgetrennt weitere Unterseiten. Die Angabe hbo/links.htm gibt genau die Unterseite an, auf der sich der Text befindet, den Sie gerade lesen. 
 Bevor wir uns nun den E-Mails zuwenden, noch eine wichtige Information zu den WWW-Browsern. Die genannten Programme bieten die Möglichkeit, einschlägige Seiten als Lesezeichen (bookmarks) in ein Verzeichnis bzw. in thematisch aufzubauende Unterverzeichnisse aufzunehmen, so dass man nicht jedesmal neu die Adresse eintippen oder gar suchen muss. Diese Möglichkeit sollte man nutzen, gelegentlich aber auch überprüfen, ob die Adressen noch stimmen. 
 
 Ist das Surfen im WWW v.a. eine angesichts der Fülle und Vielfalt der Daten oft anstrengende informationsaufnehmende Tätigkeit, bietet das Internet mit der elektronischen Post auch die Möglichkeit zum kommunikativen Austausch.[7] Auch wenn die Form der elektronischen Post manchmal zu wünschen übrig lässt, bietet sie doch aufgrund ihrer Geschwindigkeit und weil sie für institutionelle Nutzer bislang sehr preisgünstig ist, erhebliche Vorteile gegenüber der als "snail mail", also als "Schneckenpost " bezeichneten traditionellen Postzustellung und auch gegenüber dem Telefon, zumindest dann, wenn man mit Freunden und Kollegen außerhalb Deutschlands in Kontakt bleiben will. Während sich bei den Browsern zwei Programme weitgehend durchgesetzt haben und einander Konkurrenz leisten, gibt es für die Nutzung von E-Mails eine größere Auswahl. In den genannten Browsern sind E-Mail-Programme enthalten, daneben sind als bekannteste die Programme EUDORA und PEGASUS zu nennen. Beide Programme sind, wie im übrigen auch der NETSCAPE-NAVIGATOR, im Internet frei erhältlich, man kann sie sich herunterladen, "downloaden", wie es im eingedeutschten Internet-Englisch heißt.Auch für die E-Mail gibt es eindeutige Adressen, die von den Providern bzw. von den Universitätsrechenzentren vergeben werden. Wenn man den Autoren dieses Beitrags schreiben will, kann man dies über die untengenannten E-Mail-Adressen tun oder über folgende Anschrift: hbo@bbf.dipf.de 
  • Das Kürzel hbo ist inzwischen als bekannt vorauszusetzen, ebenso die Angabe bbf.dipf.de. 
  • Dazwischen steht das Zeichen @, gesprochen "at ", im Deutschen zu lesen im Sinne von "bei, in ". 
Die Adresse hbo@bbf.dipf.de bedeutet also nichts anderes als: an HBO in Deutschland im DIPF in der BBF. An diese Anschrift erbitten wir Rückmeldungen, Kritik, Lob und Anregungen. Eine weitere nicht zu unterschätzende Möglichkeit bieten E-Mails dadurch, dass man mit ihnen bzw. an sie angehängt als "attachment " Dateien verschicken kann, was für Autoren, die an einem gemeinsamen Text arbeiten bzw. Texte an Herausgeber schicken wollen, eine Alternative zur traditionellen Post darstellt. Allerdings erhöht sich dadurch auch die Gefahr der Übertragung von Viren. Man sollte also Vorsicht walten lassen, wenn Dateien unbekannter Herkunft per E-Mail auf dem PC landen. Problematisch ist allerdings auch der Übertragungsweg. Die unverschlüsselten E-Mails können jederzeit von Kennern des Netzes gelesen werden. Dies führte zur Entwicklung des Programms pgp (pretty good privacy), dessen Verschlüsselung selbst vom amerikanischen Verteidigungsministerium nicht entschlüsselt werden konnte und darum gesetzlich verboten werden sollte. Der Gesetzentwurf in den USA scheiterte, das Programm ist ebenfalls im Internet erhältlich, doch scheint es uns für den Normalnutzer (noch) nicht nötig, mit verschlüsselten E-Mails zu arbeiten. Der kommunikative Aspekt der E-Mails wird in Newsgroups und Mailing-Listen mit dem Informationsaspekt verbunden. Newsgroups sind thematisch orientierte für alle Nutzer offene, meist nicht-moderierte Foren, in denen Nutzer ihre Meinung äußern, Fragen stellen, Antworten geben und strittige Punkte diskutieren können. Solche Newsgruppen gibt es in allen Sprachen, wobei auch hier das Englische dominiert. Doch sind auch eine Reihe deutscher bzw. deutschsprachiger Newsgruppen aktiv, oft zu speziellen Computerfragen, zu Hard- und insbesondere zu Software. Wer sich allerdings eine Weile in solchen offenen Newsgroups umsieht, merkt bald, dass sie oft eher dem Selbstdarstellungstrieb einzelner Nutzer dienen und randständige Themen bearbeiten.[8] Mailing-Listen sind meist moderierte, d.h. von einer oder mehreren Personen betreute Diskussionsforen und/oder Informationsvermittler zu bestimmten Themen. Nutzer müssen sich anmelden (subskribieren) und bekommen alle Nachrichten, Anfragen und Informationen, bisweilen durch die Redaktion der Liste gefiltert, automatisch zugeschickt.[9] Mailing-Listen können über zentrale Rechner organisiert sein (LISTSERV oder MAJORDOMO), aber auch über jeden anderen Mailserver eingerichtet werden. Auf das Thema Mailing-Listen werden wir im vierten Abschnitt bei der Vorstellung einiger bildungshistorisch relevanter Listen zurückkommen. 

Unsere weitere Darstellung ist viergeteilt. Im ersten Abschnitt gehen wir auf die Möglichkeiten ein, sich mit Hilfe von Suchmaschinen bildungshistorisch relevante Informationen im Internet zu beschaffen (1). Danach stellen wir einschlägige Informationsangebote von Institutionen, Archiven und Bibliotheken (2) sowie thematisch fokussierte Angebote (3) vor. Der vierte Teil widmet sich den kommunikativen Möglichkeiten des Internet, konzentriert auf Diskussionsforen, die für die historische Bildungsforschung bedeutsam sind (4). 
 
 1 Suchmaschinen zur Recherche im Internet 
 
 Wie kommt man im Internet an die Daten und Informationen, die man braucht? Hier lassen sich zwei Verfahren unterscheiden: Zum einen gibt es Suchmaschinen, mit denen man das Netz durchforsten kann, zum anderen gibt es Listen, Indizes, Meta-Indizes, also Listen über Listen, mit einschlägigen Informationen. In diesem Abschnitt stellen wir zunächst einige der am häufigsten verwendeten Suchmaschinen vor. 
Suchmaschinen sind Programme, die das WWW durchsuchen. Diese Suche findet bei einzelnen Suchmaschinen nicht in dem Augenblick statt, in dem man seine Suchanfrage eingegeben hat, sondern kontinuierlich im Hintergrund. Millionen von WWW-Seiten werden automatisch durchsucht, in Stichwortlisten klassifiziert und auf entsprechende Suchanfragen relativ schnell ausgegeben. Zu den bekanntesten Suchmaschinen zählen u.a.: 

Die Suchmaschinen zu bewerten, ist nicht ganz einfach. Die Qualität des Suchergebnisses ist abhängig von der Qualität der Suchanfrage, von der Menge der von den Suchmaschinen durchsuchten Seiten und von der Qualität der Seiten selbst. So kommt es nicht selten vor, daß (zu) einfach formulierte Suchanfragen zu Zehntausenden von Ergebnisseiten führen, von denen wahrscheinlich der größte Teil gar nicht einschlägig ist, sondern nur aufgenommen wurde, weil ein Wort irgendwo auf der Seite auftaucht.[10] Die Suchmaschinen bieten aber in der Regel mehr oder weniger komfortable Hilfen für die Formulierung der Suchfragen an. Diese Hilfen sollte man unbedingt in Anspruch nehmen, wenn man nicht angesichts der Flut der gelieferten Seiten verzweifeln will. An einigen wenigen Beispielen sei erläutert, zu welchen Ergebnissen man bei der Suche mit verschiedenen Suchmaschinen gelangt, wobei die folgenden Beispiele lediglich eine kleine Auswahl aus den Recherchemöglichkeiten darstellen, so daß eigene Versuche auch mit anderen Suchmaschinen durchgeführt werden sollten. Recherchiert wurde in den vier genannten Suchmaschinen nach folgenden Begriffen: 1. Bildungsgeschichte; 2. Erziehung im Nationalsozialismus; 3. JOSEF DOLCH. Die Recherchen wurden Anfang Juni 1999 durchgeführt und ergaben erwartbar recht unterschiedliche Ergebnisse.[11] Bei ALTAVISTA erhält man auf die Suchanfragen nicht nur Kurzinformationen zu den einzelnen einschlägigen Seiten, sondern auch einen zahlenmäßigen Überblick über die Gesamtzahl der gefundenen Seiten. Beim Suchwort "Bildungsgeschichte " gibt ALTAVISTA 587 gefundene Seiten an, wovon die ersten drei der Zentralbibliothek bzw. dem Pädagogischen Institut Zürich gelten, von wo aus auf Neuerscheinungen zur Bildungsgeschichte verwiesen wird, die D. HAUBFLEISCH in Marburg listenmäßig zusammengefaßt hat. Danach folgt eine Seite der German Studies an der Cornell University in den USA, den achten Platz nimmt die Linkliste der "The History of Education Site " ein, auf Position 40 folgt die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF), mit der Nummer 195 sind die Inhaltsverzeichnisse der Zeitschrift PAEDAGOGICA HISTORICA auf der Historikerseite H-SOZ-U-KULT zu finden. Beim zweiten Suchbeispiel, das mehrere Wörter beinhaltet, muß die Eingabe in Anführungszeichen erfolgen, damit die Suchmaschine nur nach der genauen Wortkombination sucht. Andernfalls würden alle Seiten aufgelistet, auf denen "Erziehung ", "im " oder "Nationalsozialismus " vorkommen (bei "Nationalsozialismus " ergibt das allein schon die nicht mehr bearbeitbare Anzahl von 11.326 Seiten). "Erziehung im Nationalsozialismus " wird von ALTAVISTA auf 28 Seiten gefunden. Darin sind u.a. enthalten Seiten des Verbandes der Pädagogiklehrer und -lehrerinnen mit entsprechenden Unterrichtsmaterialien, die FernUniversität Hagen mit einschlägigen Kursen, die Homepage eines Abiturienten, der seine Facharbeit zum Thema "Schulbücher im 3. Reich " ins Netz gestellt hat, Literaturnachweise aus Bibliotheken, etc. Die dritte Abfrage nach "JOSEF DOLCH " ergab zwei Seiten mit Hinweisen auf eine Tagung zu DOLCH, die im Juni 1999 in der BBF stattgefunden hat, und eine Seite eines finnischen Didaktikhistorikers, der das Buch "Lehrplan des Abendlandes " von DOLCH in einer Literaturliste aufführt. 
Die zweite der genannten Suchmaschinen ist LYCOS, die hier in der deutschen Fassung gewählt wurde. Zu "Bildungsgeschichte " ergaben sich auch hier mehrere Hundert Seiten als Ergebnis der Recherche. Den Anfang machte eine Linkliste des Österreichischen Archivs für Volkshochschulen, wo u.a. auf die BIBLIOGRAPHIE BILDUNGSGESCHICHTE verwiesen wird, die von der BBF herausgegeben wird. Die nächsten vier Ergebnisseiten galten dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Weiterhin kamen die Universität Zürich, die Universität München und ein Buchverlag zur Nennung mit einschlägigen Publikationen. Schließlich wurde auch die Sektion Historische Bildungsforschung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, gefunden. Zu "Erziehung im Nationalsozialismus " gab es kein brauchbares Ergebnis, weil die Einschränkung, nur nach der genannten Wortkombination zu suchen, nicht akzeptiert wurde. Die Suche nach "JOSEF DOLCH " brachte sechs Fundstellen, neben dem mehrmaligen Verweis auf den Tagungstermin eine Literaturangabe in einem Text zu KARL MAY aus dem JAHRBUCH DER KARL-MAY-GESELLSCHAFT, das an der Universität Bielefeld online vorliegt. Die deutschsprachige Ausgabe der Suchmaschine YAHOO wurde bei "Bildungsgeschichte " lediglich zweimal in der BBF fündig. Zu "Erziehung im Nationalsozialismus " wurden 14 Seiten gefunden: die schon oben erwähnte Abitur-Facharbeit, eine einschlägige Linksammlung auf dem Schulserver der Region Hagen, das Stadtarchiv Bamberg mit einer Veröffentlichung, das Alpha-Forum des Bayerischen Rundfunks, das ein Gespräch mit dem Göttinger Pädagogen HERMANN GIESECKE ausgestrahlt hat, die CD-ROM der Pädagogik, die ein entsprechendes Stichwort aufweist, verschiedene Literaturangaben aus Bibliotheken und Verlagen, Lehrangebote und Forschungsberichte aus Universitäten, die Neuerscheinungslisten von D. HAUBFLEISCH sowie eine Buchbesprechung von G.J. GILES. "JOSEF DOLCH " wurde lediglich einmal in einer Hausarbeit zur Anthroposophie gefunden. Die deutsche Suchmaschine DINO erbrachte bei "Bildungsgeschichte " gerade einen Treffer, die Universitätsbibliothek der FernUniversität Hagen. "Erziehung im Nationalsozialismus " war mit insgesamt zehn Treffern auf den 229.229 redaktionell bearbeiteten Seiten etwas häufiger zu finden. Darunter waren Verweise auf eine Abhandlung zur Waldorfpädagogik im Nationalsozialismus des Saarbrücker Stadtmagazins TAKT, auf eine Diplomarbeit, die von einer Diplom-Arbeiten-Agentur im Internet bestellt werden kann, Lehrangebote und Literaturangaben und die schon mehrfach genannte Abitur-Facharbeit. "JOSEF DOLCH " schließlich wurde viermal gefunden: der Tagungstermin auf der BBF-Homepage, die Lehrbuchsammlung der Universitätsbibliothek Wuppertal, eine Literaturliste auf einer privaten Homepage zur Anthroposophie sowie der Verweis auf DOLCH im JAHRBUCH DER KARL-MAY-GESELLSCHAFT. Wie die Beispiele zeigen, differiert nicht nur die Anzahl der Ergebnisseiten je nach benutzter Suchmaschine, man erhält auch qualitativ sehr unterschiedliche Ergebnisse. Dies hat seine Ursache u.a. in den Suchstrategien. Manche der Suchmaschinen legen eigene Listen mit Stichwörtern an, die dann bei einer Suchanfrage durchsucht werden (z.B. DINO), andere durchsuchen die Internetseiten auf die Suchwörter, so daß selbst auf den ersten Blick verborgene Informationen ans Tageslicht kommen (z.B. ALTAVISTA). Letztlich wird, wer auf diese Weise Informationen sucht, mehrere Suchmaschinen ausprobieren müssen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, interessantes und relevantes Material zu finden. Doch ist man für die Informationssuche nicht auf diese Suchmaschinen allein angewiesen, sondern kann auch die Angebote einschlägiger Institutionen nutzen. 
 
 2 Institutionen, Archive, Bibliotheken und Datenbanken 
 
 Nachdem das Internet in Deutschland Fuß gefaßt hatte, haben einzelne Hochschulen relativ rasch eigene Seiten erstellt, auf denen sie sich und ihre Angebote und Dienstleistungen mehr oder weniger umfangreich darstellen. Inzwischen sind auch fast alle pädagogischen resp. erziehungswissenschaftlichen Fachbereiche, Fakultäten und Institute mit eigenen Homepages im Internet präsent (http://www.bbf.dipf.de/hbo/links.htm). Auf diesen Seiten existieren z.B. Informationen über die vor Ort vorhandenen Studiengänge, die Lehrenden und ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre, die Fachschaften u.v.a.m. Manche Lehrende haben eigene Seiten, die sie zur Vorstellung ihrer Person und ihrer Arbeitsschwerpunkte nutzen. Der qualitative und quantitative Stand der Präsentation ist allerdings von Hochschule zu Hochschule sehr verschieden. Auch außeruniversitäre, wissenschaftsrelevante Institutionen nutzen in entsprechender Weise das Internet. So informiert etwa die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) mittels ihrer Homepage (http://www.educat.hu-berlin.de/dgfe) über die Ziele der Gesellschaft, über ihre Struktur sowie die Möglichkeiten einer Beteiligung. In einem als Datenbank organisierten Adreßbuch lassen sich Anschriften von Personen und Institutionen recherchieren. Darüber hinaus bieten die DGfE-Seiten Informationen zu Tagungen und Kongressen.Die DGfE ist in Sektionen gegliedert, die zum Teil eigene Homepages besitzen. Die Sektion Historische Bildungsforschung präsentiert sich mit Informationen über ihre Aufgaben und Ziele, ihren Vorstand, ihre Aktivitäten und Veröffentlichungen über eine eigene, auf einem Server der BBF liegenden Homepage (http://www.bbf.dipf.de/hk). Parallel kann man die britische Schwestergesellschaft History of Education Society (http://ihr.sas.ac.uk/ihr/education/hoes.html) und die gleichnamige US-amerikanische Gesellschaft (http://www.sru.edu/depts/scc/hes/hes.htm) im Netz finden. Auch die International Standing Conference for the History of Education (ISCHE) ist seit kurzem mit einer eigenen Homepage mit Hinweisen zur Organisation, zu den Veröffentlichungen und Tagungen im Netz vertreten (http://www.newcastle.edu.au/department/far/ische/index.html).Eine andere im Internet präsente außeruniversitäre erziehungswissenschaftliche Institution ist das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) (http://www.dipf.de). Unter den Angeboten des DIPF befindet sich eine Datenbank mit aktuellen Neuerscheinungen als Ergänzung zur laufenden CD BILDUNG sowie die seit vielen Jahren vom DIPF herausgegebene Zeitungsdokumentation Bildungswesen als recherchierbare Datenbank. Per E-Mail können gegen ein geringes Entgelt einzelne Zeitungsartikel bestellt werden.Für die bildungshistorische Forschung sind die Internetangebote der Archive von großem Interesse. Nach langer Zurückhaltung ist inzwischen ein großer Teil der deutschen Archive im Internet vertreten (vgl. die von der Archivschule Marburg erstellte und aktuell gehaltene Übersichtsseite: http://www.uni-marburg.de/archivschule/andarch.html). Den Großteil der Internetangebote der Archive machen Informationen über Standort, Öffnungszeiten, Ansprechpartner u.ä. aus. Allmählich präsentieren sie im Internet aber auch Übersichten über ihre Bestände. Umfassende Findbücher sind bislang jedoch selten und Internetpräsentationen der Bestände (Archivalien) selbst der absolute Ausnahmefall. Ein nicht nur wegen seines Umfanges bemerkenswertes Projekt in diesem Zusammenhang ist die Digitalisierung des Stadtarchivs Duderstadt. Der gesamte Altbestand (bis zum Jahr 1650 zurückreichend) mit insgesamt rund 77.000 Seiten wurde digitalisiert, formal und inhaltlich erschlossen und kann über eine Datenbank durchsucht werden (http://www.archive.geschichte.mpg.de/duderstadt/dud.htm). Nach erfolgreicher Recherche kann man die Archivalien am Bildschirm lesen, ausdrucken oder auf die eigene Festplatte abspeichern.Vergleichsweise früh haben die wissenschaftlichen Bibliotheken die Bedeutung und die Chancen des Internet für sich und den wissenschaftlichen Informationsaustausch erkannt. In mehr oder weniger ausführlicher Weise nutzen sie die Möglichkeit, sich mit einer Homepage zu präsentieren und auf zum Teil umfangreichen, aktuell gehaltenen Informationsseiten auf sich und ihre Dienstleistungsangebote aufmerksam zu machen.Zumindest im Bereich der größeren wissenschaftlichen Bibliotheken ist es inzwischen der Regelfall, daß sie ihre Bestände nicht mehr in diversen konventionellen Zettelkatalogen nachweisen, sondern in über das Internet erreichbaren sog. OPACs (Online Public Access Catalogs). Zum Teil haben sie bereits ihre kompletten Bestände in elektronischer Form verzeichnet, teilweise werden mit nicht unerheblichem finanziellem Aufwand in Retrokonversionsvorhaben die bisher nur in konventioneller Form nachgewiesenen Altbestände in die elektronischen Kataloge eingebracht. Diese elektronischen Kataloge sind im Gegensatz zu den konventionellen Katalogen nicht mehr nur in den Bibliotheken selbst und damit eingeschränkt nur während ihren Öffnungszeiten nutzbar, sondern weltweit und - zumeist - rund um die Uhr von jedem PC mit Zugang zum Internet. Ein weiterer Vorteil der elektronischen Kataloge gegenüber den konventionellen Katalogen ist die verbesserte Recherchemöglichkeit. In der Regel kann nach einzelnen Begriffen innerhalb eines Titels, nach Autoren, Erscheinungsjahren und Sachschlagwörtern gesucht werden und durch Einsatz der sog. Booleschen Operatoren (und, oder, und nicht, oder nicht, größer als, kleiner als) können mehrere Begriffe in nahezu beliebiger Art und Weise miteinander verbunden und somit komplexe Rechercheanfragen durchgeführt werden.Im Regelfall sind die elektronischen Kataloge der größeren wissenschaftlichen Bibliotheken Teile umfangreicherer Datenbanken, in die mehrere Bibliotheken, die sich zu sog. Bibliotheksverbünden zusammengeschlossen haben, ihre Bestände verzeichnen. So ist es möglich, nicht nur in den lokalen (Teil-)Katalogen zu recherchieren, sondern auch in den kompletten Verbundkatalogen. Auf diese Art und Weise sind Recherchen in riesigen Datenbanken möglich. So weisen der elektronische Verbundkatalog in Nordrhein-Westfalen (http://www.hbz-nrw.de) zur Zeit etwa 7 Millionen Titelsätze und die Verbunddatenbank des größten deutschen Bibliotheksverbundes, des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV) (http://www.gbv.de) - dem Bibliotheken der Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen angehören - zur Zeit ca. 15 Millionen Titelsätze nach.Noch umfassendere Recherchemöglichkeiten bietet der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) (http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html), mit dem es möglich ist, in einen Recherchevorgang alle deutschen Verbundkataloge sowie einige ausländische Kataloge, u.a. den Katalog der Library of Congress in Washington D.C. (USA), oder auch deutsche Buchhandelsverzeichnisse u.a.m. einzubeziehen.Üblicherweise wiesen Bibliotheken in ihren konventionellen Zettelkatalogen lediglich Bücher und periodische Publikationen (Zeitschriften, Zeitungen u.ä.), nicht aber in Sammelwerken und Periodika enthaltene Aufsätze nach. Lediglich kleinere bzw. Spezialbibliotheken boten ihren Benutzern eine solche Dienstleistung an. Aus diesem Grund mußten Benutzer, die auf der Suche nach Aufsätzen waren, diese vielfach auf anderem Wege, etwa durch Fachbibliographien, ermitteln und erst in einem zweiten Schritt überprüfen, ob das den gesuchten Aufsatz enthaltene Sammelwerk oder Periodikum im Katalog einer Bibliothek nachgewiesen war.Mit dem Schritt von den konventionellen zu den elektronischen Katalogen hat sich diese Situation zwar noch nicht grundlegend geändert, zumindest im Bereich der neueren Zeitschriftenaufsätze aber deutlich verbessert. Nach wie vor verzeichnen nur relativ wenige Bibliotheken Aufsätze in ihren elektronischen Katalogen, so daß in der Regel noch andere Hilfsmittel wie etwa Fachbibliographien zu Rate gezogen werden müssen, die wiederum häufig von kommerziellen Datenbankproduzenten erarbeitet werden und daher kostenpflichtig sind. Allerdings deutet sich zur Zeit die Entwicklung einer Verknüpfung von bibliographischen Nachweisinstrumenten in elektronischer Form und elektronischen Katalogen an, die diesen Mangel wohl beseitigen werden.So hat zum Beispiel der Gemeinsame Bibliotheksverbund die vom englischen Verlag Chadwyck Healey angebotene Datenbank Periodical Contents Index (PCI), die ca. 9 Millionen Aufsatztitel (und Rezensionen) aus ca. 2.100, überwiegend geisteswissenschaftlichen Zeitschriften aus dem Zeitraum von 1770 bis 1990/91 enthält, mit der Zeitschriftendatenbank (ZDB) verbunden (http://www.gbv.de/cgi-bin/nph-wwwobnmenu). Auf diese Weise ist es innerhalb des GBV möglich, nach den im PCI enthaltenen Zeitschriftenaufsätzen zu suchen und mit dem Rechercheergebnis auch mitgeteilt zu bekommen, in welcher dem GBV angeschlossenen Bibliothek ein gefundener Aufsatz vorhanden ist. Der Zugang zu dieser Datenbank ist allerdings auf Angehörige von Institutionen der genannten Bundesländer beschränkt.Die größte Aufsatzdatenbank in Deutschland wird von Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen betrieben. Es handelt sich um die Zeitschriftenaufsatzdatenbank JADE (Journal Articles DatabasE; http://www.ub.uni-bielefeld.de/library/databases/dbf/jade.htm). Sie beinhaltet Artikel aus bislang rund 24.000 vor allem englischsprachigen Zeitschriften aus den Jahren 1992 bis heute, derzeit sind etwa 5,7 Millionen Artikel verzeichnet.Durch die Möglichkeiten des Internet angezogen, bieten neben den Bibliotheken auch andere Institutionen Literaturdatenbanken an. Insbesondere Verlage und Buchhändler suchen sich neue Märkte zu eröffnen. UnCover stellt ein solches Angebot dar (http://uncweb.carl.org:80/). Es handelt sich dabei um eine Zeitschriftendatenbank von CARL (Colorado Alliance of Research Libraries), einem Netz von Bibliotheken im US-Bundesstaat Colorado, mit dem der Verlag BLACKWELL ein joint venture eingegangen ist. In UnCover wurden seit 1988 etwa 18.000 Zeitschriften ausgewertet. Die frei recherchierbare Datenbank umfaßt knapp 9 Mio. Aufsätze.Während Zeitschriftenaufsätze neueren Datums und Monographien schon relativ gut erschlossen in internetzugänglichen Datenbanken vorliegen, ist die Erschließung von Aufsätzen aus Sammelwerken in Bibliothekskatalogen noch ausgesprochen spärlich. Für die bildungshistorische Forschung gibt es ein entsprechendes Angebot mit dem Online-Katalog der BBF (http://www.bbf.dipf.de/cgi-opac/catalog.pl), der auch formal und inhaltlich erschlossene Aufsätze aus Sammelwerken nachweist, allerdings beschränkt auf bildungsgeschichtliche Literatur und auf die Erscheinungsjahre 1993 ff.Zunehmend fungieren die elektronischen Kataloge der Bibliotheken nicht nur als Nachweisinstrumente vorhandener Literatur. Einmal schaffen sie in wachsendem Maße einen unmittelbaren Zugang zu den in den Bibliotheken in immer größerem Umfange vorhandenen elektronischen Medien, indem von den Katalogisaten durch Links eine direkte Verbindung zu den elektronischen Medien selbst hergestellt wird. Zum anderen werden die Kataloge in zunehmendem Maße mit Bestellkomponenten versehen, so daß es möglich ist, von einem PC innerhalb und zum Teil auch schon außerhalb einer Bibliothek (sofern man dafür eine Berechtigung besitzt) Literatur zur Benutzung bzw. Ausleihe (auch im Rahmen der Fernleihe) zu bestellen.Der zur Zeit bekannteste Dokumentenlieferdienst ist SUBITO (http://www.subito-doc.de). Dieser kostenpflichtige Dokumentlieferdienst ist das Ergebnis der Bund-Länder-Initiative zur Beschleunigung der Literatur- und Informationsdienste und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Hier können wie auch beim ebenfalls kostenpflichtigen JASON (Journal Articles Sent On demaNd; http://dbserver1.bibl.uni-essen.de/netahtml/schnell1.htm) Aufsätze aus Zeitschriften online bestellt werden.Neben SUBITO und JASON gibt es weitere Aufsatzbestelldienste von Bibliotheken. Aus der Vielzahl der Angebote ist für die historische Bildungsforschung der Aufsatzbestelldienst der BBF hervorzuheben. Im Unterschied zu anderen vergleichbaren - teilweise oben genannten - Dienstleistungen lassen sich hier nicht nur Aufsätze aus Zeitschriften, sondern auch aus in der BBF vorhandenen Sammelwerken bestellen.In zunehmendem Maße stellen Bibliotheken elektronische Medien selbst über das Internet zur Nutzung bereit. Seit Anfang der 90er Jahre haben in deutschen Bibliotheken Diskettendienste und CD-ROM-Datenbanken Einzug gehalten. Sie enthielten zunächst elektronische Allgemein- und Fachbibliographien, Buchhandelsverzeichnisse u.ä. und könnten an einzelnen PCs in den Bibliotheken genutzt werden. Später wurden lokale Netzwerke aufgebaut, die Datenbanken auf lokale Server gelegt und über diese innerhalb der lokalen Netze nutzbar gemacht.Seit einiger Zeit verändert sich der Trend etwas. Zum einen werden die Datenbanken verstärkt um sog. Volltextdatenbanken ergänzt, die teilweise komplette Werkausgaben einzelner Autoren enthalten und insbesondere wegen ihrer Recherchemöglichkeiten entsprechenden gedruckten Ausgaben deutlich überlegen sind; für den Bereich der historischen Bildungsforschung ist hier vor allem die vom Pestalozzianum in Zürich erstellte CD-ROM mit der kritischen Werkausgabe sämtlicher Werke und Briefe Johann Heinrich Pestalozzis zu nennen. Sodann werden Datenbanken in zunehmendem Maße nicht mehr über lokale Netzlösungen, sondern über das Internet zur Nutzung bereitgestellt. Und drittens deutet sich an, daß die Datenbanken zunehmend weniger als CD-ROM-Datenbanken (geschweige denn als Diskettendienste) vertrieben und auf lokalen Bibliotheksservern, sondern auf zentralen Servern - etwa der Hersteller oder einer Bibliothek innerhalb eines regionalen Bibliotheksverbundes - installiert werden und von diversen Hochschulen oder Bibliotheken ein sog. Fernzugriff ermöglicht wird.Gemeinsam ist diesen Datenbanken, daß sie - etwa im Gegensatz zu den elektronischen Katalogen der Bibliotheken, die ja deren eigene Produkte sind, im Regelfall nicht kostenlos zu haben sind. Vielmehr müssen diese Datenbanken von Bibliotheken für teilweise sehr hohe Beträge erworben werden. Bei der Erwerbung wird vertraglich der Nutzerkreis festgelegt, der Zugang zu dem erworbenen Produkt haben darf. So kann zum Beispiel eine Nutzung an einem PC innerhalb einer Bibliothek, an allen PCs innerhalb einer Universität oder aber an allen Universitäten eines Bundeslandes festgelegt werden - wobei die zu zahlenden Summen teilweise dramatisch ansteigen können, je größer ein Nutzerkreis wird.Seit einigen wenigen Jahren drängen in verstärktem Maße auch elektronische Zeitschriften und Datenbanken auf den Markt. Diese existieren zum Teil originär in elektronischer Form, zum Teil parallel zu einer Printausgabe. Teilweise sind die elektronischen Zeitschriften über das Internet (noch) frei und kostenlos verfügbar, teilweise müssen sie ebenso wie die gedruckten Zeitschriften abonniert werden. Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB), die an der Universitätsbibliothek Regensburg in Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Bibliotheken aufgebaut und gepflegt wird (http://www.bibliothek.uni-regensburg.de/ezeit/ezb.phtml), bietet eine umfangreiche Sammlung der zur Zeit existierenden wissenschaftlichen elektronischen Zeitschriften verbunden mit einer durchdachten und benutzerfreundlichen Nachweis- und Zugangsmöglichkeit.Gegenwärtig liegt der Schwerpunkt der Produktion elektronischer Zeitschriften eindeutig im Bereich der Naturwissenschaften und Medizin. Im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften im allgemeinen und der bildungshistorischen Forschung im besonderen beschränken sich die Verlage in der Regel noch darauf, Inhaltsverzeichnisse von Zeitschriften, abstracts, ggf. auch einzelne Zeitschriftenausfätze, nicht aber komplette Zeitschriftenhefte bzw. -jahrgänge im Internet anzubieten (vgl. aber die Online-Ausgaben von Rezensionen aus der Zeitschrift "Internationales Archiv für die Sozialgeschichte der Literatur" http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/liste.htm). Es sieht noch nicht danach aus, als ob sich dies in nächster Zeit grundlegend ändern sollte.Neben kommerziell produzierten und vertriebenen elektronischen Publikationen gibt es ein rapide anwachsendes Angebot an frei zugänglichen digitalen Dokumenten. So entstehen an den Hochschulen immer mehr elektronische Texte, die über das Internet bereit gestellt werden sollen. Zum Teil handelt es sich hier um Texte, die parallel oder im Anschluß an eine Printpublikation, zum Teil als originär in elektronischer Form bzw. für eine Präsentation im Internet bereit erstellt werden. Teilweise legen Mitglieder der Hochschule solche von ihnen erarbeitete Texte auf ihre persönlichen Internetseiten. Zu finden sind diese Texte zum einen durch Links, die etwa von einer persönlichen Homepage eines Hochschulangehörigen auf die Texte gelegt werden, zum anderen durch die (oben bereits erwähnten) Suchmaschinen.Diese Verfahrensweise der "Ablage" und Präsentation der Texte ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Zum einen ist das Auffinden so "veröffentlichter" Texte - insbesondere bei thematischer Suche - nicht gerade einfach, zum anderen kann es, hat ein Internetnutzer einen solchen Text einmal gefunden und möchte ihn in einer eigenen (konventionellen oder elektronischen) Publikation zitieren, zu heftigen Irritationen bzw. Problemen kommen: Jeder Autor kann seine auf seinen eigenen Internetseiten liegenden Texte jederzeit löschen (so daß die Texte im Internet nicht mehr existieren); er kann sie mit einer anderen Internetadresse versehen (so daß sie unter ihrer früheren URL nicht mehr zu finden sind); auch kann er sie jederzeit nach Belieben ändern (so daß ggf. eine in einem anderen Text zitierte Passage nicht mehr existiert oder aber völlig verändert wird).Um die elektronischen Publikationen dauerhaft zu archivieren gehen einige Bibliotheken daran, elektronische Textarchive bzw. Archivserver aufzubauen. Sie beginnen damit, elektronische Texte zu sammeln , langfristig zu speichern (archivieren), und streben an, die Texte mit einer dauerhaft gültigen Adresse (URL) zu versehen, die die inhaltliche Unveränderbarkeit (Integrität und Autentizität) der Texte garantiert. Darüber hinaus werden die Dokumente mit Zusatzinformationen, sogenannten Metadaten (Dublin Core), versehen, mit deren Hilfe sie durch Suchmaschinen leichter aufzufinden sind. Zudem werden die Texte - zusammen mit konventionellen und anderen elektronischen Medien in die elektronischen Bibliothekskataloge verzeichnet und per Link aus den Katalogen selbst direkt zugänglich gemacht.Einen weiteren Typ elektronischer Publikationen, die von Bibliotheken archiviert und zur Nutzung über das Internet angeboten werden, stellen konventionelle Ressourcen dar, die von den Bibliotheken digitalisiert werden. Dies können Quellen sein, die sich im Bestand einer digitalisierenden Bibliothek befinden, aber auch andere, ggf. verstreut existierende Bestände, die durch die Digitalisierung virtuell  zu geschlossenen Beständen zusammengeführt werden.[12]1997 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Programm "Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen" gestartet, um Digitalisierungsvorhaben durch finanzielle Förderung voranzutreiben (http://www.sub.uni-goettingen.de/ebene_2/2_rdfpro.htm).Zwei für die bildungshistorische Forschung besonders relevante, von der DFG geförderte Digitalisierungsprojekte sind, - die Digitalisierung farbig illustrierter Kinder- und Jugendbücher des 19. Jahrhunderts aus Braunschweiger und Oldenburger Beständen (http://www.bis.uni-oldenburg.de/medien/retrodig/retro01.html)- die retrospektive Verfilmung und anschließende Digitalisierung von über 40 pädagogischen Zeitschriften und 7 bildungshistorisch einschlägigen Nachschlagewerken aus dem Zeitraum 1760-1870 durch die BBF (http://www.bbf.dipf.de/retro-digit0.htm).Aber nicht nur gedruckte Medien werden im Rahmen des DFG-Programms digitalisiert. Bibliotheken haben immer schon mehr oder weniger umfangreiches archivalisches Material (Nachlässe u.a.) gesammelt. Auch diese Materialien finden bei Digitalisierungsvorhaben Berücksichtigung. So wird zum Beispiel zur Zeit der in der UB Marburg lagernde Nachlaß des Juristen Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) digitalisiert (http://archiv.ub.uni-marburg.de/diub/1997/0001/).Ein für die bildungshistorische Forschung besonders vielversprechendes Projekt dieses Typus dürfte das in Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Angewandte Erziehungswissenschaft und Allgemeine Didaktik der Universität Hildesheim und der BBF mit Unterstützung der DFG geplante virtuelle Bildarchiv zur Bildungsgeschichte sein, in dem im Verlauf der nächsten zwei Jahre rund 25.000 Abbildungen zur Bildungsgeschichte digitalisiert, in einer Datenbank systematisch erschlossen und per Internet zur Nutzung angeboten werden sollen. Andere Bildarchive finden sich z.B. bei den Kunsthistorikern an der Humboldt-Universität zu Berlin (http://www.arthist.hu-berlin.de/arthistd/imago/imago.html), wo auch Verweise auf weitere Bilddatenbanken zu finden sind, oder im Bildarchiv Foto Marburg, das Teil des Kunstgeschichtlichen Instituts im Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften der Philipps-Universität Marburg und 1960 vom Wissenschaftsrat als bundesdeutsches Zentrum für kunstgeschichtliche Dokumentation benannt worden ist (http://www.fotomr.uni-marburg.de/). 
 
 3 Thematisch fokussierte Informationsangebote 
 
 Die aufgrund der rasant anwachsenden Datenmengen und der ungeheuren Entwicklungsdynamik existierende Unüberschaubarkeit des Internet erschwert - insbesondere für Internet "anfänger " - den gezielten Zugang bzw. die Selektion der relevanten Informationen. Es liegt daher nahe, daß einzelne sich im Internet präsentierende Einrichtungen - wie zum Beispiel die wissenschaftlichen Bibliotheken - nicht nur sich selbst darstellen, sondern auch Seiten erstellen, auf denen sie für einzelne Themenbereiche relevant erscheinende Internetressourcen als sog. Linksammlungen als thematische und qualitativ gewertete Einstiegshilfe in die Datenflut des Internet anlegen.Es darf jedoch - nachdem zahlreiche Einrichtungen umfangreiche Erfahrungen mit der Erstellung, der Pflege und auch der Nutzung solcher Fachinformationsseiten gemacht haben - bezweifelt werden, ob es sinnvoll sein kann, daß beispielsweise in jeder deutschen Universitätsbibliothek jeder Fachreferent für das Fach Germanistik eine Fachinformationsseite anlegt auf der etwa jeweils ein Link zur Homepage des Literaturarchivs in Weimar legt und jeder der Fachreferenten wöchentlich auf seiner Seite überprüft, ob der Link zum Literaturarchiv noch aktuell ist.Sinnvoller wäre es wohl, wenn lokale Einrichtungen auf fachlich geordneten Linkseiten einen Überblick über ihre spezifischen lokalen elektronischen (und konventionellen) Ressourcen und darüber hinaus (lediglich) Hinweise auf von einzelnen Institutionen überregional gepflegte umfassendere Linklisten zu entsprechendem Themenbereichen geben könnten (ein schönes Beispiel für Fachinformationsseiten mit starker Betonung auf lokale Ressourcen und gezielten Links zu externen Ressourcen bietet die Universitätsbibliothek Freiburg (http://www.ub.uni-freiburg.de/referate/)."Überregionale " Linklisten existieren gleichwohl, allerdings für einzelne Themenbereiche in quantivativ wie in qualitativ sehr unterschiedlicher Weise. Für die Erziehungswissenschaft ist ein umfassendes Angebot in Deutschland im Aufbau begriffen. Im Rahmen eines von Bund und Ländern unterstützten Projekts wurde in den letzten Jahren der Deutsche Bildungsserver (DBS) aufgebaut (http://www.dbs.de/). Träger des Projekts sind der DBS in der Humboldt-Universität zu Berlin, das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung und das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht /FWU)Als Zielsetzung wird ein Metaservice für die komfortable Suche nach bildungsrelevanten WWW-Inhalten (ob Lehr-/Lernmaterialien, Datenbanken oder wissenschaftliche Volltexte etc.) angestrebt. In einem Konzeptpapier werden folgende Aufgaben des DBS anvisiert:1. die Erschließung und qualitative Bewertung von bildungsrelevanten Medien sowie die kontinuierliche Pflege von Meta-Daten (wie Adressen, Statistiken, Studienordnungen, Erlasse) durch dafür Verantwortliche (Redaktionsgruppen, Fachgesellschaften, Behörden u.a.), so daß Verläßlichkeit, Aktualität, Integrität und Qualität wichtiger Web-Angebote gesichert sind;2. die Verknüpfung der Informationen über die vorhandenen Dokumente und Daten hinsichtlich Autor, Institution, Fundstelle im Web (URL) und anderer Merkmale, die es dem Benutzer ermöglicht, schnell und effizient qualitativ hochwertige Informationen über einen einzigen Einstiegspunkt ( "Meta-Server ") abzurufen. 3. Die sukzessive Integration von spezifischen netzbasierten Kommunikations- und Kooperationsmitteln für Lehrende und Lernende.Hinsichtlich der Nutzung zielt der Bildungsserver auf Lehrer, Schüler und Studenten, Bildungsforscher, Bildungsplaner, Bildungsverwalter, Bildungspolitiker, Journalisten und die bildungspolitisch interessierte Öffentlichkeit. Dabei werden die Hauptnutzer in der Bundesrepublik Deutschland selbst und im deutschsprachigen Raum gesehen, ihnen sollen neben den nationalen Angeboten auch wichtige, aufbereitete Informationen insbesondere aus dem europäischen Ausland angeboten werde. Darüber hinaus ist der Bildungsserver auch als Einstiegspunkt für ausländische, auch fremdsprachige Nutzer vorgesehen. Gerade weil die Bundesrepublik Deutschland für Ausländer wegen ihrer föderalen Bildungslandschaft und den dezentralen Strukturen von Bildungsangeboten und Bildungsforschung sehr schwer überschaubar ist, liegt eine Aufgabe darin, einen zentralen Einstiegspunkt zu bieten, über den ausländische Nutzer - zunächst auf Englisch und Französisch - an diejenigen Informationen heran geführt werden, die sie suchen (vgl. Konzept KMK-Konsortium "Deutscher Bildungsserver " vom 21.11.1998).Für die historische Bildungsforschung besonders relevant erscheinen zur Zeit drei Internetangebote. Zu nennen ist das Angebot von H-SOZ-U-KULT (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de), das sich für sozialgeschichtliche Fragen in Deutschland zum zentralen Anlaufpunkt im Internet entwickelt hat. H-SOZ-U-KULT gehört als einziges deutschsprachige Forum zum H-Net, zum Humanities-Net (http://www.h-net.msu.edu) und bietet Informationen über Tagungen, Kongresse und Ausstellungen sowie Rezensionen von Neuerscheinungen und betreibt auch eine eigene Mailingliste (s.u.).Das bislang umfassendste bildungsgeschichtliche Angebot bietet "The history of education site" (http://www.socsci.kun.nl/ped/whp/histeduc/). Im Namenszusatz wird in aller Kürze die Intention des Machers angedeutet. Die Homepage, die von Henk van Setten, Associate Professor of the Philosophy and History of Education an der Universiteit Nijmegen, NL, aufgebaut wurde und betreut wird, ist ein "international archive of links and source materials about the history of education & history of childhood ". Das heißt, es wird vor allem eine Sammlung von kommentierten Links zu bildungsgeschichtlich relevanten Internetangeboten aus aller Welt - mit einem Schwerpunkt auf Westeuropa und den englischsprachigen Ländern - angeboten; es handelt sich also um eine Clearingstelle, die an einem Ort qualitativ und quantitativ sehr unterschiedliche Internetquellen nachweist.Topics sind u.a. "educators ", "childhood and play ", "school ", "USA ", "women in education ", "curriculum ", etc. Unter "school, countries  Germany " finden sich z.B. zahlreiche Links zu relevanten Texten für die deutschsprachige bildungshistorische Forschung. Darunter sind nicht nur bildungsgeschichtliche Aufsätze unterschiedlichen Umfangs, sondern ebenso Volltext-Datenbanken mit bildungshistorischen Quellen und Links zu Institutionen, die für die Forschung hilfreich sein können. Beispielsweise findet sich darunter ein Link zur UB Bielefeld, wo alle 58 Originalbände der von 1783 bis 1811 erschienenen Zeitschrift "Die Berlinische Monatsschrift " als Faksimile benutzt werden können. Die einzelnen Links sind kommentiert und mit einem Icon versehen, das den Informationsgehalt, nicht die inhaltliche Qualität der angezeigten Seite(n) bewertet."The history of education site " ist damit so etwas wie eine Bibliographie, die auf Dokumente zum gewählten Themenbereich verweist, ohne diese veranlaßt zu haben. Einen Schritt weiter geht das Konzept von "Historische Bildungsforschung Online " (HBO; http://www.bbf.dipf.de/hbo), denn im Rahmen dieses Projektes sollen auch Texte entstehen, die für HBO geschrieben wurden. HBO ist ein Produkt der Kooperation zwischen der Sektion Historische Bildungsforschung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft und der BBF. Da die Autoren dieses Beitrags diesen bildungshistorischen Informationsdienst konzipiert haben und betreuen[13], soll er im Folgenden etwas ausführlicher vorgestellt werden.Historische Bildungsforschung Online ist ein Forum für deutschsprachige bildungshistorische Informationen und Berichte im WWW. Historische Bildungsforschung wird dabei verstanden als ein Forschungsgebiet, in deren Zentrum die Erforschung der Geschichte von Erziehung und Bildung, ihrer Institutionen und des pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Denkens steht und in dem sich erziehungs- und geschichtswissenschaftliche Fragestellungen begegnen. Dabei ist sie methodisch offen, interessiert an interdisziplinärem Austausch und berücksichtigt auch angrenzende Forschungsbereiche. Das Angebot von HBO gliedert sich im einzelnen in folgende Bereiche: In der Rubrik Forschung werden insbesondere neue Forschungsprojekte vorgestellt sowie über die laufende Arbeit bildungshistorischer Projekte berichtet. Die Rubrik Beiträge beinhaltet zum einen Quellentexte für die Historische Bildungsforschung, die als Volltexte zur Verfügung stehen. Zum anderen finden sich dort auch Abhandlungen, die über Forschungsberichte hinaus aktuelle bildungshistorische Themen aufgreifen oder spezielle Forschungsfragen thematisieren. Ebenso finden sich bei den Beiträgen Rezensionen neuer, bildungshistorisch relevanter Literatur. Als weiteren Service bietet HBO einen Terminkalender mit aktuellen bildungshistorischen Terminen. Ein zentraler Bestandteil von HBO ist die eigene Mailingliste PAED-HIST-L, die weiter unten kurz vorgestellt wird. Außerdem verweist eine kommentierte Sammlung ausgewählter Links auf andere bildungshistorisch relevante Angeboten im WWW. Die Linksammlung umfaßt Verweise auf Bibliographien, Bibliotheken, Archive und Museen, auf Forschungseinrichtungen und die pädagogischen Institute der deutschen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, sowie auf Verlage und Zeitschriften, die entweder komplett online oder zumindest mit den Inhaltsverzeichnissen verfügbar sind.[14] 
 
 4 Diskussionsforen 
 
 Die vorgestellten Seiten bieten zwar Informationen, sind in aller Regel aber überfordert, wenn Anfragen von Nutzern gestellt werden. Henk van Setten etwa klagt, daß Anfragen nach bildungsgeschichtlichen Vorgängen aus aller Welt an ihn gestellt werden, und er macht darauf aufmerksam, daß er in der Regel nicht in der Lage ist, Antworten zu geben. So ist zwar durch die E-Mail-Adresse für Informationssuchende die Möglichkeit gegeben, über die vorhandenen Informationen hinaus Anfragen an die Informationsabieter zu richten, doch können diese Anfragen üblicherweise nur soweit beantwortet werden, wie sie sich auf die Seiten der Anbieter selbst beziehen. Darüber hinaus gehende Anfragen werden darum oft negativ beantwortet. Abhilfe können hier die Diskussionsforen (Mailing-Listen) bieten. Vier solcher Foren sollen kurz vorgestellt werden.Auf die Mailingliste von H-SOZ-U-KULT wurde oben schon hingewiesen. Die Subskribenten erhalten regelmäßig elektronische Post von den Redakteuren der Liste, in der neben Besprechungen neuerer Literatur Forschungsanfragen gestellt und Diskussionen geführt werden. Dies funktioniert nur, weil die Mailingliste H-SOZ-U-KULT die Durststrecke der Anfangsjahre überwunden und mittlerweile viele aktive Subskribenten (mehr als 1.800) hat (vgl. das Sonderheft H-Soz-u-Kult von Historical Social Research/Historische Sozialforschung 24 [1999] 3).Eine weitere Diskussionsliste aus dem H-Net ist H-CHILDHOOD (http://www.h-net.msu.edu/~child/), die sich v.a. der Geschichte der Kindheit widmet. Sie ist zwar sehr stark auf die USA bezogen, weist aber manchmal auch allgemeinere Diskussionen auf, z.b. zu theoretischen Fragen der Kindheitsgeschichte (LLOYD DE MAUSE schickt ab und an Briefe an die Subskribenten von H-CHILDHOOD) oder zu Fragen der Lehre des Faches in den Colleges und Universitäten.Ebenfalls sehr auf die US-amerikanischen Verhältnisse konzentriert ist das Diskussionsforum zur Geschichte der Erziehung der Division F: History & Historiography der American Educational Research Association (AERA-F) (http://www.aera.net/divisions/f/index.html). AERA-F ist eine sehr rührige Liste, mit vielen informativen Beiträgen und Diskussionen auch für Europäer. In den letzten Wochen jedoch gab es eine intensive Debatte darüber, ob die Diskussionliste nicht eine Kooperation mit dem H-Net vornehmen sollte, wodurch der Kontakt zu und Austausch mit den Historikern besser werden soll. Diese Diskussionen entspannen sich auch daran, daß es AERA-F nach Meinung einiger Teilnehmer und Redakteure an aktiven Subskribenten mangele. Viele würden die Informationen nur passiv aufnehmen, nur wenige würden sich aktiv an Diskussionen beteiligen und selbst Informationen bereitstellen. Hier sind also in nächster Zeit Veränderungen zu erwarten.Was die Aktivität der Subskribenten betrifft, steht es bei dem Diskussionsforum von HBO, PAED-HIST-L, ebenfalls noch nicht zum besten. Ein halbes Jahr nach Aufnahme des Betriebs sind zwar 80 Subskribenten (darunter auch acht Kollegen von außerhalb Deutschlands) angemeldet und insgesamt über 70 mails mit Informationen und Anfragen verschickt worden, doch ging die Initiative bislang meist von der Redaktion aus. Dies sind jedoch hoffentlich nur Anfangsprobleme, die zu überwinden sind.Die Redakteure von HBO nehmen für sich gleichfalls nicht in Anspruch, alle an sie gerichteten Anfragen selbst beantworten zu können. Statt dessen gehen sie davon aus, daß die an HBO interessierten Wissenschaftler einen gewaltigen Fundus an bildungsgeschichtlichem Wissen repräsentieren. Dieses Wissen kann durch das Internet virtuell zusammengefaßt werden und die dazu derzeit geeignetste Form ist die Mailingliste. Wie eine Untersuchung der Teilnehmer an pädagogischen Mailinglisten vermuten läßt, gehört der weitaus größte Teil Universitäten, Hochschulen und vergleichbaren Einrichtungen an (MILLER-KIPP/NEUENHAUSEN 1999, S. 12), so daß gerade forschungsrelevante Fragestellungen für das Medium geeignet scheinen. Anfragen zu bildungsgeschichtlichen Fragestellungen werden deshalb nicht an konkrete Personen gerichtet, sondern an das Medium Mailingliste und somit an die Kompetenz der Subskribenten. Ein Beispiel mag das Verfahren illustrieren: von einer englischen Kollegin wurde kürzlich eine Frage nach Unterlagen zweier jüdischer Schulen in Deutschland sowie nach dem Schicksal der Schüler während der NS-Zeit gestellt. Die Problemstellung ging als E-Mail an alle Listenteilnehmer und nach kurzer Zeit trafen zwei Antworten mit weiterführenden Literaturhinweisen ein. Damit war nicht nur der Fragestellerin gedient, sondern andere Listenteilnehmer, die an ähnlichen Themen arbeiten, erhielten unter Umständen ebenfalls nützliche Hinweise.Vielleicht werden auf diese Weise gemeinsame Forschungsschwerpunkte entdeckt, die ein Kontaktaufnahme nahelegen. Eine solche Kontaktaufnahme ist einfach, denn die E-Mails enthalten in der Regel gleich die E-Mail-Adresse des Absenders. Ebensogut kann ein weiterführendes "Gespräch " über die Liste geführt werden, in der Annahme, daß noch weitere Listenteilnehmer daran interessiert sind. Wenn breiter Anklang an einer Thematik erkennbar wird, lassen sich auch ausgedehntere Formen der Kommunikation denken. Bei H-SOZ-U-KULT wurden bereits die ersten Online- "Kongresse " abgehalten. 
 
 5 Ausblick 
 
 Die Nutzungsmöglichkeiten des Internet für die bildungshistorische Forschung sind noch längst nicht ausgeschöpft. Wenngleich wir nicht den Visionen einer vernetzten Welt mit gleichen Möglichkeiten für alle anhängen, sondern auch die Risiken und die Ungleichheit sehen, die sich durch das Internet einstellen, sind wir doch davon überzeugt, daß das Internet sich neben den gedruckten Medien als Informations- und Kommunikationsmedium durchsetzen wird. Dabei ist das Informationsangebot im Internet ebenso kritisch zu bewerten wie das in Büchern oder Zeitschriften. Auch hier gilt, daß man immer schon etwas von dem wissen muß, was man finden will, um die Qualität des Gefundenen beurteilen zu können. Ohne solche Kriterien wird man der Datenfülle, die das Internet bietet, nicht Herr.Die durch das Internet zugänglichen Daten- und Informationsmengen werden immer größer und für den Einzelnen nicht mehr überschaubar. Darum ist es besonders wichtig, daß Schneisen in das Dickicht geschlagen werden, wobei allerdings auf die Qualität dieser Schneisen geachtet werden muß. Erste (bildungs-)historische Sammelstellen im WWW, die die Seiten sichten und die relevanten und einschlägigen Angebote von den irrelevanten zu scheiden versuchen, haben wir vorgestellt. Dazu gehören z.B. HBO, "The history of education site " oder H-SOZ-U-KULT. Die Bewertung der Qualität fällt noch am leichtesten bei den institutionellen Homepages, z.B. von Archiven, Bibliotheken oder Forschungseinrichtungen. Kompliziert wird es bei anderen Netz-Veröffentlichungen, bei denen die Urheber oder die Interessen, die dahinter stehen, nicht klar zu erkennen sind. Um hier den Überblick zu bewahren, ist die gemeinsame Anstrengung der scientific community nötig, da die einzelnen Sammel- und Clearingstellen überfordert wären, wenn man von ihnen einen umfassenden Überblick über die fachlich einschlägigen Angebote erwartet. Helfen können am besten die Diskussionsforen, wenngleich diese Foren v.a. der Diskussion von neueren Publikationen (online oder gedruckt) und Forschungsthemen dienen sollen. Doch auch hier sind die Macher der Diskussionsforen auf aktive Nutzer angewiesen, die sich an der Gestaltung der Foren durch eigene Beiträge beteiligen. Durch das Internet wird also die Kommunikation unter den Beteiligten noch wichtiger, als sie es bislang schon war. 

Literatur

BAUMGARTNER, G./GRAMLINGER, F./NEUSüSS, D.: Internet und Schule? Linz 1998. 
BUSCH, W.H.: Internet für Lehrer. Frankfurt a.M./New York 1998. 
DEUTSCHE FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT: Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen. Berlin 1998. 
DIEPOLD, P./TIEDEMANN, P.: Internet für Pädagogen. Darmstadt 1999. 
DITFURTH, CH. V.: Internet für Historiker. Frankfurt a.M./New York 1997. 
GERTSCH, CH.A.: Lernen und lehren mit Internet. Aarau/Frankfurt a.M. 1999. 
HILDEBRAND, J.: Internet-Ratgeber für Lehrer. 5., neubearb. Aufl. Köln 1999. 
HORN, K.-P.: "Erziehung nach Auschwitz " und das Internet. In: Die Deutsche Schule 90 (1998), S. 278-283. 
HORVATH, P.: Geschichte Online. Neue Möglichkeiten für die historische Fachinformation. (Historical Social Research, Beih. 8) Köln 1997. 
KAUFMANN, D./TIEDEMANN, P.: Internet für Althistoriker und Altphilologen. Darmstadt 1999. 
MILLER-KIPP, G./NEUENHAUSEN, B.: Der pädagogische Diskurs im Internet. Quantitative Beschreibung und erste Analyse. In: Bildung und Erziehung 52 (1999), S. 7-23. 
OHRMUND, A./TIEDEMANN, P.: Internet für Historiker. Darmstadt 1999. 
PASCHEN, H.: Beglaubigungen pädagogischer Diskurse im Internet. In: Bildung und Erziehung 52 (1999), S. 49-63. 
PERROCHON, L.: School goes Internet. 2., aktualis. Aufl. Heidelberg 1999. 
 
Die Autoren dieses Beitrags: 
Dr. Dietmar Haubfleisch  
Leiter der Bibliothek Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg 
E-Mail: haubflei@ub.uni-marburg.de 
Dr. Klaus-Peter Horn 
Institut für Allgemeine Pädagogik der Humboldt-Universität zu Berlin 
E-Mail: kphorn@educat.hu-berlin.de 
Dr. Jörg-W. Link 
Institut für Allgemeine Pädagogik der Universität Potsdam 
E-Mail: link@rz.uni-potsdam.de 
Christian Ritzi  
Leiter der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin 
E-Mail: ritzi@bbf.dipf.de 

Als Kontaktadresse ist auch nutzbar: hbo@bbf.dipf.de 


[1] Diese Abhandlung stellt die erweiterte Fassung unseres Beitrags im Jahrbuch für Historische Bildungsforschung, Band 5, 1999, S. XXX-XXX, dar. Die im Text angegebenen Internetadressen sind zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes (August 1999) in Funktion gewesen. Daß dies ein halbes Jahr oder gar noch später immer noch der Fall ist, können wir selbstverständlich nicht garantieren. 
[2] Einführungen in die Geschichte und Handhabung des Internet sind inzwischen zahlreich auf dem Buchmarkt vorhanden (für Historiker DITFURTH 1997, KAUFMANN/TIEDEMANN 1999, OHRMUND/TIEDEMANN 1999, für den pädagogischen Bedarf und auf die Schule bezogen BAUMGARTNER/GRAMLINGER/NIEDERSüSS 1998, BUSCH 1998, DIEPOLD/TIEDEMANN 1999, GERTSCH 1999, HILDEBRAND 1999, PERROCHON 1999). 
[3] Auf spezifische Besonderheiten der Apple-Nutzer und der Nutzer anderer Betriebssysteme gehen wir im Folgenden nicht ein, da wir davon ausgehen, dass in der weitaus überwiegenden Zahl MS-DOS- bzw. WINDOWS-Rechner genutzt werden. 
[4] Ein anderes, häufig vorkommendes Protokoll ist das ftp, das file transfer protocol, das der Übertragung von Dateien (file) dient. 
[5] Entsprechend steht uk für Großbritanniern (United Kingdom), fr für Frankreich, it für Italien, ch für die Schweiz. US-amerikanische Adressen verzichten auf die Landesangabe, nutzen dafür stärker die sachliche Kennzeichnungsmöglichkeit der Informationsquelle, wobei edu für Bildungseinrichtungen, org für Organisationen, gov für Behörden und com für Unternehmen steht. 
[6] So findet man auch die deutsche Bundesregierung leichter unter der Adresse http://www.bundesregierung.de/ als unter einer Ziffernfolge. 
[7] Auf das Chatten, d.h. die nahezu simultane Kommunikation per Tastatureingabe in sog. Chatforen, gehen wir nicht ein. 
[8] Obwohl es durchaus auch ernstzunehmende Mitteilungen gibt, sind die Newsgroups in wissenschaftlicher Hinsicht unbefriedigend. So herrschte z.B. im Jahr 1998 in einer deutschsprachigen Newsgroup zum Thema Erziehung eine antipädagogische Sichtweise vor, massiv vertreten durch einige wenige Vielschreiber, deren Äußerungen von jeder wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Theme Erziehung vollkommen unbeleckt und entsprechend oberflächlich waren. In politischen und historischen Newsgroups kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen über die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere über die Judenvernichtung, wobei rechtsextreme Ansichten durchaus offen vertreten werden (vgl. HORN 1998). Bei aller Problematik solcher Newsgroups sind sie aber ein Feld für die Beobachtung des historischen oder pädagogischen Wissens im außerwissenschaftlichen Bereich. 
[9] Eine knappe Übersicht über pädagogische Diskussionsforen geben MILLER-KIPP/NEUENHAUSEN 1999. Zur Validierung "pädagogischer Diskurse im Internet " vgl. auch PASCHEN 1999. 
[10] Manche Anbieter setzen auch gezielt unzutreffende Stichwörter in ihre Seiten, um auch bei sachlich anderen Anfragen in der Ergebnismenge verzeichnet zu werden. 
[11] Die von uns gewählten Beispiele beziehen sich auf bildungshistorisch einschlägige Suchfragen. Wir verzichten auf die Nachweise der gefundenen URLs, da die Suchabfragen jeder leicht selbst wiederholen kann. Ein weiteres Beispiel am Rande: Die Suche nach "Eduard Spranger " erbringt deutlich mehr Ergebnisseiten, darunter neben einigen Seiten zur Person und zum Werk SPRANGERs aber auch eine große Zahl an Seiten von Schulen, die diesen Namen tragen. Hier ist eine Grenze der Suchmöglichkeiten erreicht, da eine weitere Spezifikation über den Namen hinaus kaum möglich ist. 
[12] Das weltweit wohl bekannteste Unternehmen auf dem Gebiet der elektronischen Publikationen dürfte das "Project Gutenberg " sein, das bereits 1971 gestartet wurde und derzeit rund 2.000 Titel umfaßt. Das deutsche Gutenberg-Projekt (http://www.gutenberg.aol.de/) bietet mittlerweile auch über 250 Titel an, die als Volltext nutzbar sind (u.a. HEGELS "Phänomenologie des Geistes ", die drei Kritiken KANTs, die "Jugenderinnerungen eines alten Mannes " von WILHELM KüGELGEN, diverse Schriften von KARL MARX und FRIEDRICH ENGELS, den "Anton Reiser " von KARL PHILIPP MORITZ oder den Aufsatz "Schule ", den FRITZ MAUTHNER 1910/11 für das Wörterbuch der Philosophie geschrieben hat). 
[13] Die umfangreichen Arbeiten an der Gestaltung von HBO hat DIRK HERZER, Berlin, besorgt. Die Betreuung von HBO wird von weiteren Mitarbeiterinnen der BBF unterstützt, allen voran SUSANNE BARKOWSKI und CHRISTINE HEINICKE. 
[14] Diese Linksammlung geht ebenso wie die von "The history of education site" weit über das hinaus, was in diesem Beitrag ausgeführt werden kann. 


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Dieser Text kann zu nicht-kommerziellen Zwecken kopiert werden. Bei Übernahme des Textes wird die Angabe von Autor und Ursprungsort erwartet.
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