Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 31.7.1799 (Jena)


F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 31.7.1799 (Jena)
(KN 9,1 Brieforiginal 1 B 4° 2 ½ S. - Der F.-Text scheint an einigen Stellen nachträglich von anderer Hand orthographisch korrigiert worden zu sein. Der Rest des Bogens (untere Hälfte von 2V und 2R) enthält einen Brief (aufgrund des Inhalts und Umfangs keine Nachschrift zum F.-Brief) von Traugott Fröbel an Johann Jacob Fröbel, wohl vom selben Tag.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Jena den 31sten Jul. 799.


Theuerster Vater,

Ihrer gütigen Erlaubtniß gemäß, und da ich mehreres hier provitiren, und nutzen kann, habe ich mich entschloßen, so lange, als Sie es erlauben, hier zu bleiben. Was ich bis hier besonders nutzen kann ist folgendes: erstl. Zeichnen, zweitens, Tuschen, drittens reine Mathematik bey den He: Prof: Stahl, vierten[s] angewandte Mathesis bey ebendemselben, fünftens Feldmessen, sechstens topografische Zeichnung, und siebentenes topografische Aufnahme der Gegenden, letztes dreyes bey den He: D: von Gerstenbergk. Da aber der He: D v. G: in sehr elenden Umständen, und daher genau ist; Ihnen aber, und mir besonders, viel an letzten 3 St Übungen gelegen war, so war unumgänglich nöthig, eine Stunde bey demselben zu nehmen; welches topografische Zeichnung ist, die monatlich, tägl wöchentlich 3 Stunden 1 Lbthlr kostet.
Ich habe daher, von Ihrer väterlichen Güte zu sehr überzeugt, als daß Sie mir die Gelegenh[ei]t versagten, diese für mich, würklich sehr wichti- /
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ge Stunde zu genießen, auf 14 Tage pränumerirt, welchen ½ Lbthlr mir der Bruder vorgeschossen hat; Wollten Sie daher so gütig seyn und ihn denselben mit Gelegenheit ersetzen, den[n] entbehren wird er ihn wohl nicht können. Oder dürfte ich bitten, daß Sie so gütig wären, und mir erlaubten, außer diesen, noch 14 Tage von d. angeführten hier profitiren zu können, u. bey d. He. D. v. G. die topografische Stunde fortzuführen mich im Stand setzten. Doch ich bin zu sehr überzeugt, als daß Sie mir dieses abschlagen sollten; da es von zu großer Wichtigkeit für mich ist.
In Ansehung des Reißzeuges habe ich mit den He. D. v. G[.] geredet, und er hat mir die nöthigsten und wichtigsten Werkzeuge vorgeschlagen, da ich nun das Ganze mit dem Saalfeldischen verglich so fand ich freyl. den gewaltigen Unterschied, in Betracht des compendiösen, u. der Schärfe, ich habe daher mit den hiesigen Mechanikus accordirt und er verlangt 2 Carolin, welches ich auch versprochen habe, zu geben; und es wird Ihnen hoffentl. auch nicht zu viel seyn, wenn Sie es gegen das Saalfeldische vergleichen, welches 7 Lbthlr kosten soll. Auch habe ich mir bey einen hiesigen /
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Tischer ein Anschlaglineal mit rechtwinklichten Dreyeck bestellen müßen, [we]lch[e]s 12 gl. kosten wird. Da das Reißzeug u. dießes auf künftige Woche fertig wird, so muß ich bitten, daß Sie so gütig sind und mir dassselbe mit ersterer Gel: schicken. Der theuern Mutter empfehle ich mich gehors: und bin mith stether Hochachtung
Ihr
kindl. gehorsamer Sohn
Fr: Fröbel