Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 12.8./14.8.1799 (Jena)


F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 12.8./14.8.1799 (Jena)
(KN 9,2, Brieforiginal 1 ½ B 4° 6 S., tw. ed. Halfter 1930, 48-50; zit. Kuntze 1952, 16. - Dem Brief lag ein weiterer F.-Brief für einen Onkel in Königsee bei (wohl ein Bruder von F.s leiblicher Mutter), den Johann Jacob Fröbel weiterleiten soll. In diesem Brief bittet F. den Onkel offenbar um die Einwilligung, das mütterliche Erbe für ein weiteres Studienjahr in Jena zu verwenden. - Der Briefteil vom 14.8. setzt den Eingang eines Briefs Johann Jacob Fröbels am 13.8.voraus, der an F. und wohl auch an Traugott Fröbel gerichtet war und zwischen dem 1.8. und dem 12.8.1799 geschrieben worden sein muß.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Jena d. 12ten Aug. 799.


           Liebster Vater;

Sie werden sich wundern, daß ich, ohne Antwort auf meinem Brief abzuwarten, Ihnen schon wieder schreibe; allein eine Veränderung, die seit jener Zeit vorgefallen, macht es nöthig.
In meinem letzten Brief schrieb ich Ihnen, daß ich bey d.  He. D. v. G[.], in die topografische Zeichenstunde, und mit demselben, gewöhnlich wöchentl. 3 mal auf d. Feld gehe. Noch bis jetzt setze ich dieses fort, und erst gestern waren wir auf demselben; wo eine krittische Sache zu entscheiden war. Auch zeigte er mir vorher geom: Arbeiten, die entweder er, oder seine Schüler hatten machen müßen, entweder zur Legitimation oder zum Exertitio [sc.: Exercitio], od[.] auch, weil sie ihnen zum Untersuchen anvertraut war. Auch zeigte er mir mehrere Berichte, über einige bey d. Gerichten vorgfallene geom: Arbeiten, zugleich mehrere in d. gerichtl. Mathem: und bürgerl. Bauk[un]st gehörige Sachen. Gegen dieses und mehreres, mußte ich daher meine Kenntniß prüfen; fand daher ebenfalls nur zu viel Bestätigung und Beweiß, daß sie /
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sich so auf keinem Fall zu denen bilden können, die man sich jetz[t] v. solchen Männern verspricht, als ich einer zu werden mich entschloß, u. daß wen[n] ich, jetzt mit meinem Kenntnißen mich der Welt zeigen will, ich mir wenig Ehre, davon versprechen werde können, denn blos die Zahl des größten Haufens werde ich vermehren. Will und muß ich mich ja entschl[ießen] unter dieser Classe, und als Empiriker zu leben, so werde ich viell. einige Jahre leidl. existiren können allein diese Wissenschaft steigt, und hebt sich augenscheinl. Empor; Allein wie kann ich mit derselben steigen, meine Kenntniß besitzt keine Gründe, Theorie habe ich gar nicht, und nun kann ich weder zum Nutzen des menschln Lebens, noch mir zur Ehre leben. Werde ich dann zurück auf diese Zeit sehen, wo es noch in meinen Händen stund, mir gründl. mathem: u: öko[no]mische Kenntniß zu verschaffen; niemand würde ich dann die Schuld, als mir selbsten geben können, wenn ich dann beschämt der Welt vor Augen stehe, und anstatt, daß es in meinem Händen stehest <künftig> Achtung zu ärndten, dann Verachtung mein Loos seyn wird.
Daher gerieth der schon längst geheegte, und /
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gegen d. Bruder in Eyba geäußerter, auch viell. Ihnen bekannte Entschluß, das v. der verstorb: Mutter mir hinterlaßene Vermögen, zu[r] Erwerbung der noch nothwendigen Kenntniß anzuwenden zur Festigkeit. Freyl[.] wird dieser Entschluß viele Gründe wie wider sich haben, die ihn bedrohen unausführbar zu bleiben. Allein oft wurde mir gesagt, was ein paar hundert wären, wenn man sich auf sie ohne Hof[f]nung auf Nahrung stützen wollte, und ich fühle es selbst; wende ich es daher zu diesen Entzweck an, so besitze ich doch Kenntniß die man, u. daher auch mich suchen muß. Und gewiß war der Seeligen ihr stummer Wunsch, daß es jeder v. uns nützl. anwenden möge, und ich glaube gewiß den gemäß [sc. demgemäß] zu handeln, wenn ich dadurch meinem Entschl[u]ß ausführen werde. [*Lücke*] Daher bitte ich Ihnen theuerer Vater, ob d[a]ß Sie mir erlauben, noch für dasselbe noch 1 Jahr studiren zu dürfen, denn von der Erfüllung dieser Bitte hängt mein ganzes Glück die lange Lebenszeit hindurch ab. Gewiß wird Ihr wohlmeinendes Vater-Herz meinen Wunsch erfüllen, daher überlaße [ich] ganz Ihrer für unser Wohl bestrebten Gesinnung /
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die Entscheidung; sollte dieselbe für mich günstig ausfallen, welches ich nur zu gewiß überzeugt bin, da Ihnen unser Wohl zu nahe am Herzen liegt; so hielt ich es dann auch für Schuldigkeit d. He[.] Onkel in Königsee um seine gütige Einwilligung zu bitten, ich habe daher im Voraus, damit es so bald als mögl. zur Gewißheit kommen möchte, so gleich einen Br[ie]f an dems: bey gelegt; mit dem Sie Ihrer gütgen Entscheidung gemäß verfahren werden.
Doch dürfte ich Ihnen theurer Vater bitten, diese Sache, so bald es Ihren Geschäften mögl. zu berüchtigen [sc.: berücksichtigen ?] damit, wenn das Glück mir günstig, und meine Hoffnung nicht scheidern sollte, ich [mich] noch bis Michaeli mit einigen Vorkenntnißen, so viel als mögl. bekannt machen könnte[.]
Wenn daher dieser mein sehnlichster Wunsch erfüllt wird, und ich <noch> 1 Jahr hier bleiben dürfte, so glaube ich, würde es auch sehr gut und dienlich seyn, wenn ich auch noch diese Zeit bis Michaeli hier zu bringen könnte, damit ich mir einige sehr nützliche Vorkenntniße verschaffen könnte; besonders da ich auch noch bis dahin noch von den H. D[.]  v. G. verschiedenes wegen des Feldmessens und d. topografischen Zeichnung profitiren könnte /
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wo ich dann täglich 1 Stunde <nehnlich> [sc.: nehmen ?] würde, weil den Winter über, die Zeit dann zu kurz seyn mögte, und diese Art Zeichnung anfangs auserordentlich viel Uebung bedarf. Da aber dann der Monat 2 Lbrth kostet; so wollte ich gehorsamst bitten, mich in den Stand zu setzen, noch bis dahin diese Zeit dazu nutzen zu können.


Den 14ten August.
So weit war dieser Brief fertig, als wir gestern den Ihrigen erhielten, als einen neuen Beweiß Ihrer fortdauernden väterlichen Liebe gegen mich; wofür ich Ihnen jetzt nur dadurch danken kann, daß ich alles anwende um mich dieser väterlichen Liebe immer würdiger und geschickt zu machen, Ihnen einst noch mehr meinen Dank dadurch zu beweisen, daß ich Ihnen d[urc]h meine erworbene[n] Kenntniße Freude mache. Da Sie schon in Ihren jetzigen Brief mir die gütige Erlaubniß geben noch 3 Wochen v. jetzt an hier zu bleiben, so glaube ich um so mehr, daß Sie mir auch die in diesen Brief gethane Bitte gütigst gewähren werden. Die Kosten die ich jetzt noch bis Michaeli verursachte, könnte ja auch wohl noch von den bis jetzt erhaltenen Geschenken bestritten werden, wenn gleich die Ausgabe für das Reißzeug abginge.
Dieß ist alles was ich jetzt zu schreiben hätte und ich überlaße es ganz Ihrem väterl. Woh[l]meinen u. Einsichten, wie Sie entscheiden werden, da ich überzeugt bin, daß Sie ge- /
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wiß das Beste wählen werden. [*Lücke*] Doch noch einiges fällt mir in Ansehung der längern hiesigen Aufenthalts bey. Bruder Tr: will, wenn ich 1 Jahr hieher kommen sollte, mir sein Bette geben, da er für sich mit wenig oder keinen Kosten eines zum Gebrauch haben könnte.
In Ansehung der Stube, werde ich schon sehen, daß ich eine W wohl feile bekomme, denn allein zöge ich auf jeden Fall. Ich wollte Sie daher bitten, wenn Sie nach meinen Wunsch entscheiden sollten, mir die Nachricht nach Möglichkeit bald zu geben, indem ich dann noch vor Mich: eine Stube ein miethen würde. [*Lücke*] Wegen des längern Aufenthalts vor Mich: müste ich, wenn Sie mir ihn erlaubten, bitten, mir das kleine paa [sc.: Paar] lederne Beinkleider, die ich sehr nöthig brauche zu schicken. Sie dürfen sie nur, in ein Päktgen bey Hofrath Conradis schicken, die sie nach nachhero besorgen werden. Montags geht jederzeit wie Sie schon < ? > wissen werden, der Bothe v. Rudolst: hieher.
Die Nachricht Ihres Wohlbefindens war uns die wichtigste und angenehmste, und wir wünschen nur daß die andern Beschwerden nicht v. Folgen seyn mögen[.] Der Mutter empfehle ich mich gehorsamst, u. versichere Ihnen, daß ich mich von Herzen bemühen werde zu seyn
Ihr
dankbar gehorsamer Sohn
FWAFröbel