Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Eyba v. 29.4.1801 (Jena)


F. an Christoph Fröbel in Eyba v. 29.4.1801 (Jena)
(BN 435, Bl 1-2, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Jena den 29sten Aprill 1801.


Lieber Bruder.

Die Nachricht von dem Tode Deines herzlich geliebten
Julius schmerzte mich sehr, und aufrichtig be-
weinte ich dessen Verlust mit Dir, denn so wenig ich
zwar mit ihm umgegangen war, so konnte ich
doch bey dieser Nachricht mir einiger Thränen <nicht>
enthalten. Doch ich breche ab, um Deinen Schmerz
nicht zu erneuern, zumal da Du mir ohne viel
Wortgepränge glauben wirst, welchen herzlen
Antheil ich an Deinen [sc.: Deinem] Verlust nehme. Ihn
bedauere jedoch nicht; denn unsern Grundsätzen
zufolge ist er glücklich, oder wird es wenigstens
werden. Froh sey derjenige der glücklich ist.
Kein anderer Wunsch entschlüpfe seinen Lippen.
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Was den Vorschlag meines Vaters betrifft, so ist er ganz
so, wie ich mir denselben vermuthtete. Und was d[en]
Entschluß, auf die nochmalige unzweydeutige Erlaubniß
des H. J. C. H [sc.: Herrn Johann Christoph Hoffmann] zu Hebung des Mütterln und andern Ver-
mögens zu dringen, anbelangt, so habe ich ja auch
nicht anders gewußt als er hat sie gegeben. Folglich
haben die Briefe des Vaters in dieser Hinsicht keinen
Eintruck auf mich gemacht, da ich nichts anders er-
warten konnte. Ich gebe daher unbedingt und
ganz unbeschränkt, und auf das herzlichste meinen
völligen Consens zu des Vaters Vorschlag. Und
ich werde nie, unter keinerley Vorwand diesen /
[1R]
meinen Consens und mein Wort zurück neh-
men, dieß habe ich so wohl dem H. J. C. H [sc.: Herrn Johann Christoph Hoffmann], als
auch meinem Vater versichert. Ich thue daher
unter des Vaters, selbst gemachten Einschränkung-
en, völlig auf alles von meinem Vater, wie
es auch kommen haben mag verzicht. Daher
kannst Du diesen Brief um fernere Streitig-
keiten zu vermeiten, aufheben.
In dieser Hinsicht hat des Vaters Brief nicht
den mintesten Eintruck auf mich gemacht, aber
da derselbe in einem derselben mir mit Enter-
bung droht, dieß war mir schrecklich ausfallend.
Aber wahrl[ich] nicht aus Furcht; Nein - aber das
Geschick das ich ich bey Lesung dieser Worte empfand
kann ich nicht schildern; Denn diese Drohung hatte
ich nicht verdient. Der Vater schreibt "u[n]t[er] An-
"führung seines g[an]z[e]n irregulairen Verhaltens
"von seinen [sc.: seinem] Aufenthalt in Stadtilm bis auf
"seine Incarierirung und seinen letzten
"an mich erlaßen[en] Brief völlig enterben."
Was mein irregulaires Verhalten in Stadt
betrifft, so finde ich nichts bey Zurükkruf-
ung der verflossenen Jahre, nichts das mir
Erröthen, geschweige Gewißenpiße [sc.: Gewissensbisse] verursacht
hätte. Ich breche aber hiervon jetzt ab, doch
noch so viel, scheint hat der Vater Ursache über
mich zu klagen zu haben, bey Gott so habe ich
mehr Ursache über ihn zu klagen; nur in
Betracht der Vernachläßigung meiner /
[2]
Erziehung. Doch ich breche ab. Was aber die Anfüh-
rung des letzten Briefes von mir betrifft, so bin
ich mir keines Verbrechens in demselben bewußt,
als daß [ich] ihn [sc.: ihm] nicht mit tief gefühlter Reue ge-
schrieben habe. Doch dieß war mir unmöglich, da ich
mir keines Verbrechens bewußt war; besonders
da ich dem [sc.: den] Vater nicht unmittelbar um Unter-
stützung bat. Ja ich gestehe sogar aufrichtig, d[a]ß
mir einige Ausdrükke in demselben einige Ueber-
windung gekostet haben, sie zu schreiben. Den[n]
ich fand in meinen Verhalten <(öts> [sc.: nichts] worüber ich
hätte Reue empfinden sollen; eben so war ich
mir wegen meines sonstigen Verhaltens <(öts> [sc.: nichts]
schlechtes bewußt.
Um meine Befreyung zu befördern habe
ich selbst die Verzichtleistung aufgesetzt, und
im Fall daß sie nicht die gehörige Form hätte
nebst einen andern Bogen mit meines Namens
Unterschrift an dem [sc.: den] H. Onkel nach Königsee geschickt
da<[mit]> er sie bestädigen kann; oder sie in anderer
Form darüber setzen kann. Ich hoffe, Du wirst
alles mögl[iche] dazu beytragen damit ich bald
befreyt werde; denn jetzt sitze ich schon 9-10
Wochen, und sollte ich noch länger sitzen so
würden die Kosten sehr hoch hinauf laufen.
Sollte der Vater, Dich um die Bestellung des /
[2R]
des Geldes an mich bitten, so muß ich Dich bit-
ten, mir es ja auf keinen Fall durch die Post,
sondern durch einen Expreßen zu überschikken.
Weil sonst von der Academie aus eine schriftl[iche]
Liquitation gemacht wird. Doch der Vater
wird Dir dann das Nähere schreiben. Ich hoffe
doch nicht, daß der Vater das Instrument erstl[ich]
von dem Bruder in Osterode unterschrieben ha-
ben will ehe er mir das Geld auszahlt?-
Wenn das wäre, so käme ich wahrl[ich] unter 6
Wochen, noch nicht herunter, und was noch da-
zu kommt, so ist das Carzer eine verdammt
teuere Wohnung; und ist also ganz wieder [sc.: wider] des
Vaters Wille, mir mehr zu geben. Bey alle-
dem muß ich Ihn jetzt um 1 Carol mehr bitten
also anstatt 25 Carol. 26 Carol, von ihn [sc.: ihm] erhalten.
______________
Grüß Deine liebe Fr[au] herzl[ich] u. aufrichtig v. mir
u. sage Ihr meinen brüderln Dank für Ihre
herzl[iche] Theilnahme an meiner Fatalität, und
für Ihren neuen Beweis Ihrer schwesterln Liebe.
Dir wünsche ich baldigste Erlösung von
Deinem Uebel, und recht frohen Sinn, um
dieß prächtige Frühjahr recht genießen zu können.
Leb wohl, ich bin     Dein
treuer Br[uder] FWA Fröbel

[am linken Rand:]
Der Eintritt in mein 20stes Jahr ist sonderbar, wie wird das Ende seyn ???-