Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 29.4.1801 (Jena)


F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 29.4.1801 (Jena)
(KN 9,5, Brieforiginal 1 B 4° 3 S. - Der Bogen enthält außerdem Bemerkungen, wohl Antwortentwurf, des Adressaten über die Form der Verzichtleistung.)

Jena den 29sten Aprill 1801.

Aus denen an den Bruder in Eyba erlaßenen
Briefen, sehe ich mit Vergnügen die Erfüllung
meiner Bitte; Und da es mir ganz gleichgültig
ist, wem und wie ich das Geld verzinse und bezahle,
so gebe gehe ich ohne weitere Umstände diese Verschreibung
oder Verzichtleistung, wie Sie es nennen, unter denen
von Ihnen selbst bestimmten Ausnahmen, ein. Was
zweitens die Entsagung alles ferneren Erbes von dem
Grosvater, der Mutter ec: betrifft, so kann und werde
ich diese aufs feyerlichste thun, denn ich habe ja eben-
falls gar nicht anders gewußt, als der H. Onkel in
Königsee hat seine unbeschränkte Erlaubniß ge-
geben. Wegen beyden, habe ich meinen Entschluß
so wohl dem H. Vormund in Königsee, als auch dem
Bruder in Eyba entgeschrieben, und sie um bal-
[1R]
digste Ausübung meines Entschlußes gebeten. Zu diesen Behuf
habe ich schon die Verzichtleistung und Verschreibung aufgesetzt, und
an den H. Onkel in Königsee zu gehöriger Bestätigung nebst
gedachter Bitte geschikt. Im Fall aber gedachtes Instrument
nicht die gehörige Form hätte, so habe ich noch einen Bogen, nebst
meiner Namensunterschrift beygelegt, damit die Verzicht-
leistung darüber gesetzt werden kann.
Da ich nicht glaubte, daß ich so lange hier auf dem Carzer
zubringen würde, und folglich so viel mehr Geld verzehrte, so
richtete und berechtnete ich auch meine Forderung nicht so groß.
Da ich aber wohl einsehe, daß ich vor dem 11ten May, also
fast unter 14 Tagen, nicht von diesen Ort entfernt werde,
so sehe ich mich genöthigt, noch um einen Carolin mehr zu
bitten, und ich bin von Ihrer Güte zu sehr überzeugt, als daß
ich glauben sollte, daß Sie mir diese Bitte abschlügen.
Aufrichtig, und wahrlich aufrichtig danke ich für Ihre
väterliche Güte, womit Sie mich aus dieser schlechten Lage
und von diesen verdammten Ort errettet haben. Aber bey Gott
durch schlechtes Verhalten und Betragen so wenig als durch Ver-
schwendung habe ich es mir zugezogen.
Sollte der H. Onkel in Königsee vielleicht schon künfti-
gen Sonnabend, bey Uebersendung dieses Briefs, das Instrument
Ihnen überschicken, so könnte, wenn sich Montags Christoph
unterschrieb, und da besonders Traugott bey Ihnen ist, ich
vielleicht noch künftige Woche das Geld erhalten; und dieses /
[2]
würde uns außerordentlich angenehm seyn. Auf
keinen Fall aber darf ich es durch die Post erhalten,
weil sie sonst bey der Academie eine ziemliche Liqui-
tation machen würden, welche ich nachher, wenn das
Geld durch die Post geschickt würde, bezahlen müßte.
Im entgegengesetzten Fall aber wird sie gestrichen.
Am besten wär es daher, wenn Sie mir das Geld d[urc]h
einen Expreßen-Bothen schikten, sollte ich es aber künf-
tige Woche noch nicht erhalten können; so geht Montags
als d. 11ten May, der Rudolstädter Bothe herunter,
welcher es dann ebenfals an mich besorgen könntes, oder
Carl Sonntags Mittags, an demselben g besorgte; Oder
Madam[e] Conradi bät, es in I ihres Sohns Kasten
an mich bey zu legen! Im ersten Fall aber müßte
mich der Bothe, bey dem Fo[r]stgärtner Dietzel alhier
ertragen. Dieser wohnt gleich neben meinem Carzer
und er würde es das Geld sogleich an mich befördern. Am [sc.: Um]
den Bothen das viele Fragen zu ersparen, so melde ich
das gedachten H. Dietzel, [der] bey der Anatomie ohnweit
dem Löwenthöre wohnt.
-------------------
Von Herzen wünsche ich, daß Ihre, sich wieder von neuem
gezeigte Krankheit, bald heben möge und daß die Kur
Traugotts Sie ganz davon befreyen, und Sie uns noch /
[2R]
mehrere Jahre schenken möge[n];
Dir liebe Mutter und Siekgen [sc.: Sophie] grüße ich herzl.
Indem ich mich Ihrer treuen väterlichen Liebe
empfehle, l verbleibe ich
Ihr
gehorsamer Sohn

         WA Fröbel