Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 16.5.1801 (Jena)


F. an Johann Jacob Fröbel in Oberweißbach v. 16.5.1801 (Jena)
(KN 9,6, Brieforiginal 1 B 4° 4 S. - Der Bogen enthält außerdem "Nota", wohl des Adressaten; angeschlossen ist außerdem eine v. Friedrich Wahl gezeichnete Quittung.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Jena den 16ten May 1801.
      Lieber Vater;
Endlich kann ich Ihnen das verlangte Instrument in gehöriger Form übersenden; zwar von keinem Vormund unterschrieben, aber doch, durch das hießige akademische Gericht bestätiget; und ich hoffe daß die Überschikkung des Geldes gar keine Schwierigkeiten haben wird.
Was die Annahme eines rechtlichen Vormunds betrifft, so geht dieß gar nicht an, weil der vorige Vormund seinen völligen Consens dazu geben muß, auch muß deßen Rechnung vorher abgehört seyn. Ich habe mehr als 6 hießige große Rechts[ge]lehrte darüber befragt, und alle kamen darinne überein, und sagten wenn mir ein Jurist diesen Rath gegeben hätte, so müßte er ein Erzignorant seyn. /
[1R]
Denn nie könne ein andere[r] Vormund angenommen werden, bis der ersterer völlig seine Vormundschaft gerichtl. niedergelegt habe. Aber der hiesige Consistorialrath und <Amtsr.>
Gruner sagte auch, so wie die übrigen, daß das Instrument von der Akademie bestätigt die nemliche Gültigkeit und Vollwichtigkeit habe, als das von dem Vormund unterschriebene, und auch mehr als durch einem Notar publ. Gees: bestätigtes:
Es folgt daher das verlangte Instrument in völliger Form des Rechtens, und mit dem nämlichen Ausdrücken wie Sie es gewünscht haben.
Ein Student, Wahl aus Waimar, welcher jetzt nach Schwarzburg reißt, will die Güte für mich haben und diesen Brief nebst den Instrument, vollends zu Ihnen überbringen, weil er aus freundschaftlichen Herzen, mich bald befreyt wünscht.
Sie werden mir verzeihen,und besonders die liebe Mutter, daß ich Ihnen diesen Menschen über den Hals schikke; aber /
[2]
da mir einmal das Geld durch einen Expreßen überschikt werden mußte, und da es durch diese Gelegenheit am schnellsten zu meinen Händen kommt, und <  > er auch ein sehr gebilde[te]r Mensch ist, so glaube ich werden Sie diesen Schritt mir verzeihen.
Wahl ist der Sohn des Consistorialassesssors aus Waimar, sie können ihm daher das Geld ohne alles Bedenken anvertrauen.
Was die Zweydeutigkeit in dem Brief an Ihnen und dem H.R.C. Hoffman[n] betrifft, so hatte war, da ich Ihren und des H.R.C. Brief geschrieben hatte, Willens den Revers beyzulegen; da ich aber nachher glaubte, daß ich ich denselben doch nicht in gehöriger Form ausstellen könnte, so ließ ich ihn weg, und legte blos die Charta Bianca bey.
Wenn ich Jena verlaßen kann und werde, und wo ich diese Feyertage zu bringen werde kann ich bis jetzt noch nicht sagen, da ich erst meine Sachen hier in Ordnung bringen, und einiges besorgen will. /
[2R]
Wahl hat das Instrument in Händen und wird es Ihnen, so wie eine Quittung überliefern. Was die Liquitation betrift, so kann ich Ihnen nichts melden, der Herr Secretair soll gesagt haben, es hätte Zeit bis ich Geld bekäme. Ich dächte mehr als 1 rth könnte sie nicht betragen?
Die liebe Mutter und die gute Schwester Fiekgen grüßen Sie herzlich, und ich lies recht sehr für I ihre aufrichtige Teilnahme danken.
Mit Schmerzen und Sehnsucht erwarte ich die Hilfe zu meiner Befreyung von Ihnen, und ich hoffe Sie werde[n] Sie mir jetzt ohne Aufschub ertheilen, da ich alles gethan was Sie verlangt, und ich nur zu thun im Stande war.
Aufrichtig und herzlich werde ich Ihnen für die geleistete Hilfe danken und stets werde ich mich bemühen zu seyn
Ihr
dankbarer Sohn
FWA Fröbel

[Randbemerkungen, wohl als Nachschrift auf 2R/2 bzw. 1R:]
Diese Woche wird ein Bekannter von mir nach Osterode reißen und nach Pfingsten zurück kommen, wenn Sie etwa gern Briefe dahin zu haben wünschen, so kann er sie bestellen, wenn sie Wahl mitbringen kann.
Was macht Christophs Hand, und ist er noch in Rudolstadt?