Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 24.8.-26.8.1805 (Frankfurt/M.)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 24.8.-26.8.1805 (Frankfurt/M.)
(Veröff. L I,1, 532f., Editionsfragment. -Von dem Brief ist kein Manuskript erhalten; das Editionsfragment ist Selbstzitat F.s in Edition des Briefs an Christoph F. v. 26.3.-11.4.1807. Sperrungen in der Erstedition werden hier unterstrichen wiedergeben; Fettgedrucktes doppelt unterstrichen.)

[532, Anm. *)]
Wie paßt die Anstellung an einer Schulanstalt zu meinem Lebensplan, und erreiche ich denn wirklich den noch letztlich ganz bestimmten Zweck und das ganz fixirte Ziel?-
Der Zweck alles meines bisherigen Strebens und Treibens war: unabhängig und ein freier Mann zu sein. Also ist auch der Zweck meines jetzigen Handelns: Unabhängigkeit, Freiheit oder Freisein.
Unabhängigkeit und frei vom Schicksal und Menschen ist aber nur der Mann, der sich gründlich systematisch und streng wissenschaftlich bildet, in welchem Fache und in welcher Wissenschaft es immer sei. Das Ziel, wo sich der Mann frei glaubt, muß er mit Erwägung seiner natürlichen Anlagen, seiner Geistes- und Körperfähigkeiten und mit Rücksicht auf seinen Charakter und Hauptneigung fixiren. Nach diesem (??) habe ich das Ziel, wo ich Unabhängigkeit und Freisein zu finden hoffte, dahin gesetzt, wo ich gründlich systematischer Mathematiker und Physiker bin und hauptsächlich, wo ich des Namens eines Mathematikers würdig bin.
[...]
[533]
Ich muß Dir aufrichtig sagen, daß es auffallend ist, wiewohl ich mich in meinem Geschäfte befinde. Sie sind mir in der ersten Stunde nicht ein wenig fremd vorgekommen; es war mir, als wäre ich schon längst Lehrer gewesen und eigentlich zu diesem Geschäfte geboren. Ich kann Dir diese Erscheinung an mir gar nicht auffallend genug schildern: es schien mir, als hätte ich nie in einem andern Verhältniß als diesem leben wollen, und doch gestehe ich, daß ich nie geahnt habe, als Lehrer in einer öffentlichen Schul-Anstalt aufzutreten. Ich befinde mich wenn ich in den Unterrichtsstunden bin - mit meinem gewöhnlichen Ausdrucke zu reden: wie in meinem Elemente. Du kannst nicht glauben, wie angenehm mir die Stunden verfließen; ich habe die Kinder alle so herzlich lieb und sehne mich oft zu ihrem Unterrichte.- Du solltest mich manchmal in meinen Unterrichtsstunden sehen, wie seelenvergnügt ich bin, ich bin überzeugt, daß Du Dich von Herzen mit mir freuen würdest. Gewiß! dem Bewußtsein des hohen Zweckes meiner Thätigkeit: der Bildung der Menschen, verdanke ich jenes reine Vergnügen hauptsächlich - obgleich auch wohl der liebevollen und herzlichen Zuneigung der Kinder zu mir.