Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt/M. v. Ende 1806 ( Frankfurt/M.)


F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt/M. v. Ende 1806 ( Frankfurt/M.)
(BN 494, Bl 2-35, Entwurf 17 B fol 67 S. zit. bei Stiebitz 1913, 16. 38f. 41f.; Stiebitz dat. Jahreswende 1806/1807)

[2]
Sie haben mir erlaubt gn. He. Ihnen als Erzieher öfters
meine Bemerkungen über Ihre, mir zur
Erziehung und Ausbildung anvertrauten
Söhne Karl, Fritz u. Adolph mitzutheilen um dann
mit Ihnen als Vater, dem schon durch
die Natur
natürl. die Erziehung ders und das Seyn [der] Knaben weit näher
sind am Herzen liegt als mir, dem blosen Erzieher,
gemeinsam die Mittel zur Vollkom-
mensten Erreichung unseres Zweckes,
der physischen nöthigsten moralischen und wichtigsten intellektuellen Ausbildung
Ihrer Söhne zu erreichen wählen.
Mein Pflichtgefühl mahnte mich
schon längst an der Forderung des Vater[s] Genüge
zu leisten und ich habe deßhalb immer blos
mit innerem Zwange, Ihre väterl. Fragen: Was
machen meine Kinder? - Wie geht's
mit den Knaben? - blos kurz und
abgebrochen beantwortet, weil theils
zu einer zweckerreichenden Mittheilung
meiner der Bemerkungen, und gemeinsamen
Berathung mehr Zeit erforderte als
mir die Umstände immer vergönnten;
und weil ich theils dem Vater und den Knaben durch
ungeprüfte Bemerkungen nicht wehe thun
und nichts, dem Vatergefühl unange-
nehmes Ergreifendes sagen aussprechen
wollte, was nicht das wahre Seyn ders.
- gereinigt vom allem Scheinbaren -
höchst nöthig machte.
Obgleich Karl u. Fritz schon früher als ehe
ich die Erziehung derselben übernahm täglich
einige Stunden unter meiner Aufsicht
waren
[Einfügung wohl hier:] und ich dort schon im Stande war Gelegenheit hatte
mehrere Bemerkungen an ihnen zu machen,
so ist doch das Betragen der von
Knaben Kindern ganz anders gegen
den blosen Stunden Lehrer als gegen den
Erzieher - welcher immer um dieselben
ist und in deren Nähe alle ihre Handlungen /
[2R]
geschehen.
Dieses macht daß ich jetzt manche
Bemerk[un]g an den Knaben machte,
die ich nicht an ihnen zu machen
glaubte, daß ich zum B: in den
Knaben mehr kindisches Seyn glaubte
und nicht ahndete, daß sie schon eine
so große Menge fremdartiges dem
Knabenalter nicht angemessenes
an sich hätten.
Ich bin war daher erst seit dem letzten
Vierteljahr seit dem nun schon die Kin-
der
Ihre Söhne ganz und uneingeschr be-
ständig unter meiner Aufsicht und
mit u. um mir leben im Stande
wiederholt meine Bemerkungen an den
Knaben zu prüfen. Jetzt da ich nun
so viele derselben so oft bestätigt
gefunden habe, daß sie mir das ei-
gentliche wahre Seyn der Knaben zeigen
können, (oder daß ich sie mir als Beweise
für das eigentl. wahre Seyn, für die
wahre Denk[-] und Handl[un]gsweise der
Knaben ge mit Gründen gelten
können:); jetzt ich säume ich daher nun nicht
länger meiner Pflicht Ihren Forderungen als Vater,
zu erfü Genüge zu leisten, zu erfüllen.
Zur bequemeren Übersicht dessen was über
die Knaben zu sagen ist, wird es
wohl gut seyn wenn ich Ihnen erstl.
das meine allgemeinen Bemerk[un]gen
über die Knaben mittheile oder wenn ich Ihnen die Knaben gerade
so schildere wie sie täglich in der Wirkl[ich]k[ei]t
sind, welche
sich aber eigentlich doch blos auf K. u.
Fritz einschränken.
[I. Gesichtspunkt:]
Ich werde zur besten Erreichung meines
Zweckes
1) die Söhne Ew. das Seyn der Knaben im Allgemeinen und das jeden insbesondere
in seinem wahren Seyn wie sie sich tägl. zeigen
zeigen so wie sie sich durch u in ihren Äußerungen
tägl. zeigen schildern.
1) blos die Knaben so schildern im Allgem. und
     speciellen so schildern wie sie sich in ihr
     ihrem täglichen Betragen wirklich ist sind
     dann Ihnen
2ten[s] Ihnen meine aus demselben über
     das Seyn der Knaben abgeleiteten
     Bemerkungen, u. Resultate u. Folgerungen mit-
     theilen [mittheilen] und Ihnen
     3tens meine, mir daraus
     [Einschub:] Zuerst erwähne ich der Knaben gedanken-
     loses Beschäftigen, welches
     2tens aus dem Betragen der Knaben Resultate u. Folgerungen ziehen
     die sie ihres in ihrem wahren physischen, moralischen u. intell[e]k[t]uell[en]
     Seyn darstellen.
3ten[s] die Ursachen dieses Seyn[s] aufsuchen u.
4tens Ihnen meine mir daraus u. aus N 2 für das Wohl
     und meiner Pflicht der Knaben zu
     folgenden Vorschläge wegen der künftigen
     behandlungsweise derselben, meiner
     auf mich genommenen Pflicht getreu
     mittheilen.
Jedem [sc.: Jeder] der die Knaben auch nur kurze
Zeit und nur mit einiger Auf-
merksamkeit sieht - keinesweges
mit dem Beobachtenden Geiste des
Vaters u. Lehrers wird in ihnen
allen Sinn für Selbstthätigkeit
und Selbstbeschäftigung ver-
missen, sondern vielmehr einen
hervorstehenden Hang zur Ge-
dankenlosen Trägheit bemerken,
wenn er sie auch blos was jedem
am leichtesten mögl. ist, und /
[3]
was mir auch gerade in diesem zum
Beobachten am nächsten liegt bei
den Ich will
hierzu was am nächsten liegt, die
Spiele[n] ihres kindischen
Alters nehmen nimmt betrachtet, und untersucht
ob sie diese das was sie seyn sollten,
wirkl. sind ob sie kindlich kindisch sind.
Es ist zwar wahr, daß dasjenige,
was die Knaben den Umständen
nach thun können wenig ist, doch,
erlauben Sie mir, daß ich dasje-
nige, was die Knaben (auch bei
allen Umständen wie sie jetzt sind[)],
thun könnten, mit dem ver-
gleichen [sc.: vergleiche] was sie wirkl. thun.
Sie werden mit mir einsehen
daß die Knaben bei allen Umständen
wie sie jetzt sind, sich in ihren Frei-
stunden mit folgenden Spielen be-
schäftigen könnten.
1) Im Freien.
     Ballenspiel (Wie bald wurden die
     Ballen verlohren [sc.: verloren] die Sie die Gnade
     hat[t]en zu kaufen)
     Jagdspiele (die Sofi u. Adolph doch spielen)
     Bauen im Hof (ich fing die Hütte mit ihnen an,
     aber so bald ich aufhörte war auch
     aller Trieb weg,
     Verstecken, kurz gemeinschaftl.
     Reisespiele, Handwerksspiele, wozu
     nur nöthig in dem Charakter den
     man selbst weh[l]t [sc.: wählt] zu handeln. kurz
[links neben dem vorigen Absatz:]
2ten[s]Auf dem Zimmer
Zeichnen
Kartenhäuserbauen
Bauen mit Hölzern
Wie ich die Kürbisschiffe
machte hatten die Knaben
welche u. ob sie ihnen
gleich viele Freude
machten so ist doch sind
sie doch nicht auf die Idee
gekommen sich diese Freude
selbst zu machen.
Pflanzentrocknen
(etwas ernster Zweck[)]
und im Zimmer und im Freien eine Menge anderer gemein-
schaftl. Spiele.
Allein Sie werden mit mir alle gemeinschaftl. Spiele wobei, weil
sie gemeinschaftl. sind zu denken
nöthig ist werden sie bei den Knaben
vermissen so wie längst schon das Pflanzentrocknen liegt; sogar das Spazie-
rengehen, wobey sie gezwungen sind
sich mit den Gegenständen zu be-
schäftigen die ihnen der Weg darbietet
- ist ihnen eine Last, weil sie sich auch dabei nicht nach ihrer Bequemlichkeit
bewegen können, dagegen /
[3R]
gegen werden sie lauter solche Be-
schäftigungen finden die der Trägheit
des Geistes und Körpers schmeicheln
Angeln,
Herumgehen u. mit der Peitsche <knallen>
höchstens Viehtreiben, wozu wobei aber
doch auch wenig zu denken ist,
sich auf den <Wiesen / Wasser> fahren zu lassen,
Frösche fangen u. sie wieder ins
Wasser zu werfen, ohne auch nur
einmal auf die Idee zu kommen einen
nur etwas zu betrachten[.]
Ja sie werden sogar finden
daß jeder seinen Weg geht ohne
auch im mindesten ein Zeichen von
sich zu geben, daß er auf das was
ihn umgebe achte u. es zu kindischen
Vergnügen ein benutze. -
Blumen mögen um ihnen herum blühen
und es wird keiner rufen: kennen
sie die schöne Blume, - die Sonne
mag noch so frey erhebend auf- und
untergehen noch noch so herrliches Farben[-]
spiel in den Wolken hervorbringen
es wird wahrhaft keinem nicht
einfallen sie zu bemerken sich über
sie zu freuen - und kindischen rein[en] Frohsinn
bemer findet entdeckt man gar nicht
an ihnen den doch sonst schon ein Kind
von 1½ Jahr äußert.
Wenn ich die Knaben so gehen sahe
bin ich oft zu ihnen gegangen u. habe
sie gefragt: womit beschäftiget
ihr euch denn, woran denkt ihr
denn oder woran hast Du gedacht
und ich habe dann sehr häufig
zur Antwort erhalten ich habe
mich mit gar Nichts beschäftiget
ich habe an nichts gedacht - und
we g. He. sagen sie mir selbst
wenn man in der Jugend wo doch
Lebenskraft Phantasie so thätig
ist, und wo man nur auf das was
uns Vergnügen macht, Ursache hat auf[-]
merksam zu seyn wenn man da sich gewöhnt
gedankenlos zu seyn, was soll
werden wenn man älter wird
wo so vieles und ma[n]cherlei un-
sern Verstand und unsere
Denkkraft in Anspruch nimmt
wie sollen wir dan[n] das viele was wir zu denken bekommen gehörig
bearbeiten können. Doch ich sehe daß ich hier schon etwas auf- /
[4]
sage was ich erst beim 2ten
2ten Gesichtspunkt bei Betrachtung
der Knaben bei ihren den Beschäftig[ung]en die mehr
den Verstand u. Geist in Anspruch
nehm[en], hätte sagen sollen.
Ich berühre hier beim 2ten Gesichtspunkt erstlich der Knaben
Seyn, wenn sie sich allein ge-
gen überstehen, oder doch ihr Betragen dann
wenn sie sich so stellen, als stän-
den sie blos allein
sich gegen[-]
über, welches bei ihrer Achtlosig-
keit auf alles was Unterricht
heißt, oft geschieht.
[links neben dem vorigen Absatz:]
Ehe ich dahin übergehe berühre ich
nur noch der Knaben drückend
langsames Bewegen ihres
Körpers, sie gebrauchen z.B. fürchterl.
oft Sonntags 2 Stunden Zeit zum Ankleiden, Und treibe ich - drohe ich mit Wegfall[un]g Verlust
des Frühstücks, so geschieht entweder mehreres
was geschehen soll nicht, oder es geschieht doch
sehr schlecht, z.B. Zähneputzen, Nägel
abschneiden bei Tisch
essen sie sogar - ob wir gleich weit früher
als die Knaben sonst gewohnt waren
von Tisch aufzustehen, die Esszeit beendigen -
so essen doch die Knaben sogar so la[n]gsam
das es ärgerl. ist sie zu sehen. Noch
mehr bemerkbar ist die Trägheit bei
Dienstleistungen oder nach dem Ruf
irgend einer Person.
Sobald sich die Knaben, ohne Unter-
schied, selbst gegen über, das h.
ohne eine bestimmtes Geschäft
mit dem Achtsamkeit verbunden ist,
sind, oder so bald sie sich allein
mit sich selbst beschäftigen, z.B. beim Waschen, Frühstück, in der
Zwischenzeit von einer Stunde zur
andern, bei Tische, und Schlafengehen wird
nichts als fades gedanken- und
herzloses Geschwätz dem alles
kindliche, kindische fehlt ihre Unter-
haltung ausmachen; in ihrem [sc.: ihren] Gesprächen
wird blos die Sprache, der Satyre
Medisance [= Verleumdung, Schmähsucht] der Persiflage herrschen
und ihre Betragen Geberden [sc.: Gebärden] werden immer mit Frazen[-]
macherey und Grimassen vermischt seyn, was doch
wahrlich weder das Betragen, noch
die Sprache des kindischen Geistes
ist, wie nur einige der nachsteh-
stehenden Beispiele zeigen werden,
die welche lange noch nicht die auffallend[-]
sten sind, und und vielleicht, so wie sie da
auf dem Papiere stehen noch weniger
auffallend sind - da ihm die schneidenden /
[4R]
Krimassen [sc.: Grimassen] fehlen mit denen sie
verbunden sind, sondern blos als
todte Worte Buchstaben da stehen:
[links neben dem vorherigen Absatz:]
von bis in
- Wenns Winter wird kommt He. <Hohn>
wegen dem schlechten Wetter in der
Kutsche gefahren, He. K. u He. B.
holen wir auf dem Schubkarren.
- Unser Vater nimmt Faulthiere vor
die Kutsche mit denen wir in 100
Jahren nach der Stadt galoppiren,
He. Kruzicher wird des Vaters Kutscher
He. <Schneckü> u. He. Gimm werden die Bediens.
u. Gimms Knabe wird Joque [sc.: Jockey ?].
- Haschte dasch Huschderle, Nuspicker, die Knaben Adolph haben näml. eine[n] hölzerne[n]
Nußknacker mit von unmenschl. Äußerem
mit welchem sie den Adolph oft vergl. so be-
grüßten z.B. sehr häufig die älteren
Brüder dem [sc.: den] Adolph oder als er den
Husten hatte, oder
- Aller großmächtigster Kaiser - oder Nuß-
großVater, - General der Nuspicker rc rc
(welcher Beinahmen [sc.: welche Beinamen] die sie sich einander
geben bei unzählige sind[)] wie haben sie geschlafen oder
- He. Pfannenstiel - wie He. v. T. - den A.
einstens genannt hat - was macht ihre
Pfanne (d. s. die Lippen:) sollen wir sie
mit Fett ausstreichen? - Was ist
nun immer das Ende dieser Näckereyn eine
allgemeine Zänkerei, denn A u Fr sagten dann
was machen sie He. Graf - Carl - was
macht ihr Kindchen, da haben sie Seide
nähen sie ihm ein Kleidchen rc - nehmen
sie sich eine Haushälterin oder eine Frau
Gemahlin? - Aber bei diesen Wort-
näckereyen bleibt es selten und es ist schon
sehr oft zu Rau ernstlichen Raufereien gekommen
wo beide Theile beinahe wie wüthend gegen[-]
einander gingen. /
[5]
Wie noch mehr gedank[en]los sich oft
die Knaben unterhalten mag
noch nachstehendes beweisen
z.B. Fritz kann oft eine ganze [Stunde]
singen
- Eierwecke u. Butterweck ist mein
LieblingsEssen.
- Heute gehen wir nach Bonamös
u. essen dort alten Käs.
- Ein Degen an der Seit ein Spägen
an der Nas, um, um, um,
Schneppes, parenges, Dalala.
- He. Rühl, haben sie kühl, heute ists
schwühl
Dieses elende gedankenlose Geschwätz
welches immer noch mit elend
verstellter queckender Stimme
begleitet ist geht ins unendl.
fort, und was das übelste
ist, ist weder auf dem
die Knaben,
denen es gleichsam zur andern
Natur geworden ist, sich blos
so zu unterhalten können sich
auch selbst bei dem Unterricht
und besonders bei ihren Prä-
parationen nicht davon
trennen. In welchem Geiste daher ihre
Präparationen sind möge und
wie die Knaben dem [sc.: den] Unterricht
aufnehmen mögen folgende
Beispiele beweisen:
Fritz sagt zum Beispiel /
[5R]
meine Zeitform ist:
bonem rexem
bonibus rexibus
bonem <Haffellorum>, oder
von Pritschi kommt Pratschi her
Carlapschi ist das Stammwort
und heißt Carlipschi, Carlapschi.
Wer mit solchem sich Sinn sich
beim Unterricht beschäftiget, kann
ohnmögl. Nutzen davon haben. Und
dann, ob sich gleich jeder gern
mit solchen elenden leeren Ge-
schwä[t]z unterhält was wahrhaftig
allen Verstand tödten und dem [sc.: den]
Menschen zum Papageiartigen Schwätze[r]
machen muß, - dann kommen doch immer von
der anhörenden Seite unter steten entsetzlichem Beifalllachen die Ausrufe
Sch[w]ätz doch nicht so elend
Sprech doch gescheut,
das ist goldig
und so geht es oft den ganzen
lieben Morgen. - Ob ich gleich über die Mitte[l]
dieses zu beseitigen unten sprechen wer-
de, so will ich blos sagen, daß sich
diese Geisttödtende Beschäftigung
nicht durch Strenge noch weniger
durch körperl. Strafen be ent-
fernen läßt, denn alles was
man in solchen Augenblicken auf
die Knaben einwirken läßt u.
wie man auch eingreifend einwirken
will, alles wird mit, mir ans
Herz greifenden fürchterl. Lachen /
[6]
aufgenommen. Ein Beispiel mag
folgendes
Und wird das strafende
von den Knaben gefühlt, so wird
es von den Knaben, da sie -
weil sie nichts eigentlich kindisches
kennen sondern nur eine menge
fremdartiges auf eine schneidende
Weise in sich verein[i]gen - erbitterd [sc.: erbittert]
aufgenommen, da sie glauben man
will ihnen eine [sc.: ein] ihrem kindlichen Alter
angemessenes Vergnügen rauben[.]
Ein Beispiel mag folgendes seyn.
An dem Sonntag wo <E:> dem Fuß die
<Cour> machten Beschäftigende [sc.: beschäftigten] sich die
Knaben blos mit einer schneiden-
denden [sc.: schneidenden] Verdreh[un]g dieser Höflichkeits[-]
bezeug[un]g, sie sagten unter Vielem:
heute macht der Schweizer den <gn:>
die <Cour>, u. fragt <ob> er einer
Kuh betraf [sc.: bedarf ?]. Ich unter sagte es,
und verwies sie zur Ruhe sie waren still, nun
glaubte ich die Knaben präparirten
sich ruhig fort, aber was that
Karl, er schrieb das was er nicht
hatte sagen dürfen auf Papier
und zeigte es seinem Bruder
der sich neben ihm präparirte;
wodurch ein großes mit einemmale
alle Ruhe Aufmerksamkeit weg waren[.]
Da ich das Geschriebene dem Karl
weg nahm sagte er erbittert: nun schreibe
ich auch den ganzen Tag nichts als
solches Zeug, und dann gebe ich es /
[6R]
Ihnen doch gewiß nicht. Bei einer andern Gel. sagte Karl <zu> Adolph nun lasse ich sie aber auch gewiß den ganzen Tag gehen. Würde nicht
Strenge hier die Knaben erbittern und entfernen? - Nur gutes
Beispiel kann hier
Erkennen und
Anschauen [von] etwas bessern an an-
deren Knaben von gleichem Alter,
nur gutes Beispiel kann hier
bessern.
Ich komme nun von dem Seyn der
Knaben im allgemeinen zu ihrem

Wie sehr schon dieses schneidende, zänkische Betragen des
K. Fr. u. A. von dem wahrhaft kindischen, kindl.
Betragen anderer Knaben dieses Alters
abweicht und verschieden ist, werden
Sie als Vater gewiß noch weit mehr
fühlen als ich, der ich blos als Erzieher
der Knaben dastehe, doch noch auf-
fallender wird das Betragen mei-
ner Eleven wenn ich sie als Brüder
zu einander stelle und wenn ich ihr Betragen beim Unterrichte zu und
ihrem Erkennen alles dessen was
sie umgiebt betrachte.
Zu dem unfreundlichen Unbrüderlichen
Seyn der Knaben zu einander nur
einige Belege z.B. der eine <kann> gewöhnl. u. fast immer lachet recht der eine recht und oft
freudiges [sc.: freudig] oft aus allen Kräften Lachen <was> einen immer
wenn der andere gestraft wird
wie öfters geschieht, wenn der eine fasten
muß oder wenn er von andern allgem:
Vergnügen ausgeschlossen ist, wo es
dann gewöhnl. heißt: wie hat Dir der
Kuchen, - die Mittags Mahlzeit geschmeckt, es so ins Unendl.
doch diese Art sich Gegenseitige [sc.: gegenseitig] über die
Freude Bestrafung des andern zu freuen
ist zum schildern unmögl. da sie ins Unendl. fortgehen und in Mienen
Bewegungen, einzelnen Worten rc be-
stehen, die nur in der Verbindung ihre
Schneidende Bedeutung haben, daß aus
diesen gegenseitigen Betragen oft
sehr empfindliche thätliche Zänkerereien [sc.: Zänkereien] entstehen
bedarf ich wohl würde ich - da es sich leicht denken läßt - kaum zu erwähnen, wenn nicht die Thätlichkeiten oft sich in
wirkl. gefährl. ernste Raufereien und gefährl. Schlägereien ausarteten.
Und aber äußern auf <der> Können sie aber ihre Schadenfreude
über des andern Strafe auf keine
andere Weise äußern, so schauen die an[-] /
[7]
dern Knaben den gestraften
wenigstens mit spöttisch
lächelnder Mi[e]ne an, der dan[n]
oft mit kreischender Stimme schreit,
komm morgen früh um 2 Uhr,
da kannst Du mich den 2 ganze
Tag Stunden sehen. Lachste Dich halb todt? Ja diese unbrü-
derlichkeit der Knaben geht
sogar so weit, daß sie sich
gegenseitig recht ernstl. bestre-
ben einander Verweise und
Verdruß zu zu ziehen, z.B.
den beständigen Ausruf: schauen
sie den Bruder rc. - Der Bruder
schwätzt eimal gutes Zeug - wäh-
rend sie weg waren z.B. auf den [sc.: dem] Abtritt hat sich der
Bruder gut betragen - wo dann
immer von der andern Seite die
als Entschuldigung die Ausrufe:
warst Du etwas besser; ja, ja
Du warst der gute, Du hast
nich gekrischen; Du hast nicht
so und so gesagt, ne, so nicht
ich hätte so gesagt? - ich sagte
nur - dieses mit anzuhören
und hier an Vatersstelle als Er-
zieher zu stehen ist, wenn man
nicht durch Leidenschaftl. Bestraf[un]g
alles bös machen will, wahrl.
ein schwerer Stand.
Doch jedes Kapitel meiner Bemerk[un]gen das Seyn der Knaben ist so voll von
Belegen von solchen <Gemälden>, daß alles was ich sage
blos Andeutungen sind, doch
<nun> muß ich abbrechen um nicht /
[7R]
gar zu weitschweifig zu werde[n].
Ich komme jetzt zur Schilderung der
Knaben beim Unterricht. Ich
Hier könnte ich sehr leicht fertig
werden wenn ich - wie es
in der Wirkl. ist - blos sagte: das
Betragen der Knaben ist von Morgen
bis Abend das geschilderte; doch
allein es möchte dieses so leicht
den Schein der Wahrheit verliehren [sc.: verlieren]
das [sc.: daß] ich zum Beweis derselben
ohne Wahl einige Beispiele ausheben, wie -
deren wieder unzählige sind, sie beweisen
z.B. wieder die drückende Geist[-] und Seelenlosig[-]
keit der Knaben die höchstens nur
einigen Sinn für mechanische
Beschäftigungen haben, doch sobald
ein etwas ernster Zweck damit
verbunden ist, so fällt auch
dieses weg. Die Seichtigkeit
und oberfläch[lich]keit des Verstandes mit welchem dieselben
alles aufnehmen was man ihnen vorlegt,
z.B. fürchterliches - mich als Lehrer
und Erzieher angreifendes Lachen
über die ernsthaftesten und wich[-]
tigsten Gegenstände für das Knaben-
alters interessantesten Gegen-
stände, so bald der Namen der-
selben durch irgend einen ver-
wandten Laut eine fade vor-
stellung in ihnen berührt, und
dann ist alle Aufmerksamkeit
für die ganze Stunde hin. Die /
[8]
Ursache davon ist: der Knaben
Interesselosigkeit für alles
Wichtige zu dessen Erkennen
einige Aufmerksamkeit ge-
hört. Die Beschäftigung mit
solchen faden Gegenständen geht
so weit, daß sie sich mitten
im Unterricht wie mir K. u.
Fritz selbst mehrmalen gesagt
hat, auch bei gutem Willen nicht davon losreisen [sc.: losreißen]
können. - Nur wenige Beispiele
zu d. Gesagten z.B. in der Natur[-]
geschichte verstell[un]g der Namen, statt
Lamium [= Taubnessel] - Lehmenbrieh. rc rc
in dem Sprach Unterricht geht es
noch ärger wo es oft heißt
der Vater <Nuß> des Sohns
der Stuhl des Großvaters,
der Officir des Kaisers
oder in den Verstandes Ueb[un]gen der
Nußbicker ist ein Kunstprodukt
welches alles in Bezug auf Adolf
ausgesprochen wird, doch ich sehe
daß ich hier meine Schilder[un]g kaum
das Betragen des Knaben andeutet,
welches doch in der Wirkl. für den
Lehrer u. Erzieher so niederdrückend ist
und beinahe nicht zum Aushalten ist.
Vielleicht können sie sich es doch
denken wenn ich Ihnen sage, daß
oft während dem Unterrichts nichts
gesprochen wird, als morgen ist nicht
heut - Hans ist kein Äpfelkrutzen -
stumpf mich nich, - Du hast mich
gestumpft so darf ich Dich wieder stumpfen -
und setze ich sie von einander so heißt es
- schau mich nicht an! - hast Du weiter
nichts zu thun als mich anzugucken -
mach nicht solche Klotzer - (:Benennung
der Augen:) so geht es während dem
Unterricht unaufhörl. fort - und sage
ich seyt ruhi[g], so schreit doch jeder ich
bin gut - ich thue doch nichts - nun
was soll ich den thun - geben Sie mir
eine Hand - ich will ja gut seyn
geben Sie mir einen Kuß, nun so ruh doch Fritz - schwatz doch aber auch nicht
[8R]
[weiter auf 8R, linke Spalte:]
sogar [sc.: so gar] dummes, elendes Zeug mit größter Heftigkeit was geht es Dir an - machst Du bessers - Geben
sie mir doch einen Kuß - Hab' ich
meine Sachen nicht gut gemacht, -
ja wenn's der Karl wäre, und
seyn sie doch gut, stellen sie sich doch
nicht so, haben sie mich denn gar
nicht gerne, ich habe Sie doch noch nicht todt gepissen [sc.: gebissen] und so geht [es] denn
die lieben langen Unterrichtsstunden
hindurch - gewiß hat ist es ihnen schon
als Vater peinigend gewesen nur
dieses zu lesen, wie viel mehr peinigend
muß mir als blosen redlichem Erzieher die
schreckl. Wirkl.keit seyn von der
die todten Worte doch nur Schatten
sind? - Werden sie es sey welcher
es sey wegen ihrer Unaufmerk-
samkeit oder sonst gestraft
so heißt es: jetzt lasse ich Ihnen
auch ganz gewiß gehen - todtschlagen
- wenn ich viel[l]eicht einen kaum nur
mit der Hand auf die Hand geschl.
habe - lasse ich mich nicht, das
brauche ich ja nicht so widrig
wird sehr häufig von allen Knaben
aufgenommen was man ihnen
sagt.
[8V]
[wieder auf 8V:]
Sie werden hier finden g. He. das [sc.: daß]
hier dem Betragen der Knaben alles
kindische - kindliche fehlt, und daß
man sich hier um der Knaben
willen kaum erlauben darf /
[8R]
einen Vergleich mit andern
Kindern zu machen, deren
Unterricht Freude macht u.
die kein größeres Vergnügen
kennen als einander gegen-
seitig zur Aufmerksamkeit
aufzufordern. - Und doch
wie soll dieses in den Knaben
bei ihrem seichten oberflächlichen
Sinn geweckt werden da all[e]s
gar wenigen Eindruck ma[c]ht
durch ernste Strafe? - wahrhaftig
wieder nicht ernste Strafe
sondern blos durch Anschauen und
selbst erkennen etwas bessern.
Und doch was ist die Folge wenn
die Knaben so bleiben wie sie sind, zumal bei dem sich so auffallend
äußernden Mangel an Selbst-
trieb, Selbstbildung, Selb[st]vervoll-
kommnung, blos
höchst oberfl. Erkennen alles dessen
was sie umgiebt - Aus der Na-
turgeschichte wissen die Knaben
höchstens die Namen, selten die
Kennzeichen und Eigenschaften
der Sachen und so geht es bei der Sprache und durch alle
Klassen des Erkennens hindurch. Und
dennoch glauben Sie mir g. He. von
diesen höchst seichten oberflächlichen Er-
kennen alles dessen was die
Knaben umgiebt hängt auch
ihr seichtes Achten und ihre gleich-
gültigkeit gegen ihre Eltern und
gegen alle diejenigen ab denen
doch die Knaben ab vieles oder wenig verdanken
- und doch sollte das Seyn der
sie liebten [sc.: liebenden ?] Eltern, der Kinder ganzes /
[9]
Wesen ergreifen; nur hieraus
läßt sich die Unfolgsamkeit
und Unaufmerksamkeit der
Knaben auf alles was ihnen
gesagt wird, oder wenigstens
das unzählige und gedanken[-]
lose Wiederhohen [sc.: Wiederholen] eines und
desselben Fehlers erklären,
welches ich nicht durch Bei-
spiele zu Beweisen brauche
da ich ben sie als Vater oft
mich angreifende Erfahrungen
davon gemacht haben.
So ist das Seyn der Knaben im allge-
meinen, die, bei allen diesen
fürchterlichen, schon mein, des blo-
sen Erziehers Herz ergreifenden
Betragen, dennoch sehr häufig
sagen: nun! was thue ich denn
ich bin doch ordentlich! - (Ich habe
mir schon oft die Frage aufge-
worfen: woher kommt denn
dieß und dann immer mir nur die
Antwort geben können, weil
die Knaben gar nichts besseres
in sich kennen, und schon so
weit in sich erschlaf[f]t sind, daß
sie auch nichts besseres ahnden).
[neben das Geklammerte geschrieben] steht wohl zu früh /
[9R]
Obgleich alles bisher im Allgemei-
nen gesagte auch für jeden der Kna-
ben beinahe ohne Einschränkung
gielt [sc.: gilt], so hat doch jeder der
Knaben noch einiges was seine
Individualität charakterisirt,
und was auf zu suchen und dar-
zustellen um so nöthiger ist je
eingreifender und zweckmäßige[r]
die Mittel zur Vervollkommnung
aller seyn sollen.
Ich fange dem Alter nach bei Karl
an, und zeichne demselben [sc.: denselben] erst
wieder wie er ist um auf sein
tägl. Betragen wirkl. Seyn meine Res Bemerk[un]gen u. mei-
ne Resultate zu gründen.
Was bei demselben, wenn man
ihn als Kind betrachtet als
Kind welches seine Eltern sehr
lieben betrachtet, am ersten in
die Augen fällt ist dessen Liebe-
und Achtungs-losigkeit gegen
seine Eltern. - Schon oft sind mir
dessen blos ceremonielle Höflichkeits[-]
formeln die er gegen Seine Eltern
ausspricht herzergreifend gewesen,
Karl spricht seyn: guten Morgen Vater,
Adieu Vater - so gedankenlos aus,
als er sonst immer handelt, und die-
ses sollte wahrhaftig doch nicht
sein. Wenn ein Kind keine Liebe /
[10]
gegen seine Eltern hat, wie soll
er Liebe Wohlwollen gegen andere Menschen
haben; was bei Karln ist d wirklich der
Fall ist, da Karl kein wahrer [sc.: wahres]
Wohlwollen gegen Nichts fühlt gegen seine Eltern hat, so hat er auch vom Lehrer an bis gegen herunte[r]
zu den Thieren zu Gewächsen kein für nicht[s] Wohlwollende Gesinnungen. - Ja
Karl hat - wie so viele Äußerungen
desselben klar beweisen die Idee
alles - seine Eltern und Lehrer zu
durchschauen und sie beurtheilen und meistern zu
können. Und nicht wahr Gn. He. ein Mensch der in der
Welt ohne Wohlwollen für andere
herumwandelt und also auch
unmöglich auf das Wohlwollen
anderer Anspruch machen kann,
ist doch, wie sie mir selbst sagen
werden kein froh und glücklich
lebendes Geschöpf. Ein Beweis
für das Gesagte ist Karls ganzes
Betragen, besonders sein höchst un-
brüderliches und liebeloses
Betragen gegen seine Brüder,
sein unaufhörliches Necken der-
selben und sein Bestreben den-
selben Verdruß und Ärger zu machen oder
sie wenigstens recht zu ärgern,

und dann seine, - ihm oft aus
den Augen leuchtende Freude
über das Gelingen seines Bestrebens, über ihren Ärger und Verdruß.
Setzt sich diese Freude über das die Un-
angenehmen Begegnisse anderer Menschen in
ihm fest, so wird er ganz bestimmt
ein Mensch, der nur von den
gleichen Charakter mit ihm habenden
Menschen geachtet gedultet [sc.: geduldet] - von den übrigen
aber ganz gewiß gemieden
wird. - Und wie kann er dann
glücklich leben? - Mir thut /
[10R]
um Carls willen diesen Gedanken
zu denken sehr wehe, und ich
würde ihn da er dem Vaterherzen
gewiß sehr schmerzend seyn
muß, nicht ausgesprochen haben,
wenn mich nicht meine Pflicht
als Erzieher und meine wirkl.
herzliche Liebe für Karln dazu
aufgefordert hätte. Seine sich
zeigende sehr übele Neigung
von andern Menschen gerne un-
angenehmes zu reden und die, seinen
Brüdern auch schon ganz eigene
Neigung nur das lächerliche an
andern Menschen zu bemerken
über gehe ich - aus Achtung für das
Vatergefühl - ob ich gleich aus
zu allen Gründen und aus dem
Stand der bürgerlichen Verhält-
nisse wie sie jetzt sind, mit Recht
schließen muß, daß die Knaben
wenn diese Neigung nicht früh
durch die Verhältnisse und
Umgebungen in die sie ge-
bracht, unterdrückt und
geschwächt werden unmögl.
glückl. werden können.
Hieran schließ[t] sich bei Karln
eine eben - besonders in seinen
einstigen Verhältnissen sehr
gefährlich werdende Neigung:
es ist die Neigung zur Eitelkeit[.] /
[11]
Nur aus Eitelkeit zeigt Karl
einige Aufmerksamkeit auf
den Unterricht, um dadurch gleich[-]
sam den Lehrer zu zwingen, ihn
über seine Geschwister zu erheben[.]
Die Möglichkeit <daran> zu glauben
und sich dieses einzubilden wird ihm um so leichter, da es
ihm nicht schwer wird, die Worte
als todte Worte nach zu plautern [sc.: plaudern]
ohne jedoch den Sinn derselben zu
fassen. Alle diese Karln schon sehr eigene[n] unglückbringende[n]
Neigungen besonders die ersteren können nur dadurch ge-
tödtet werden, wenn Karl in
günstig auf ihn einwirkende
Verhältnisse gebracht wird[.]
Ich habe schon oben gesagt, daß
die Knaben alle gleich blos Sinn
für d[a]s Oberflächliche und mechanische haben und
daß alles ihr Wissen und Erkennen
nur oberflächlich ist; auch bei Karl
insbesondere habe [ich] dieses schon be-
merkt, da ich eben sagte, daß
Karl fast größtentheils nur die
todten Worte, sich einprägt ohne
dafür den Sinn die Bedeutung derselben zu kennen.
Erlauben Sie mir g. He. daß ich
hier einiges zum Beweis dessen was ich
sagte einig anführe, was ihne
Sie selbst an Karln bemerkt habe[n]
werden[.] /
[11R]
1.) Wenn Karl nicht blos mechanisch
schrieb auch dann wenn er nur schön
schreibt, so wäre es sondern nur etwas bei dem was er schreibt dächte
so wäre es unmögl. daß Karl
nun schon über ¼ Jahr wöchentl.
3 Stunden deutsch u. 3 Stunden
französisch Schreiben könnte ohne
die <noch> die ersteren Grundstriche der
Schriftzüge zu können. Sein
weniges Denken bei allen [sc.: allem] Unterricht
und nun
daß Karl beim den Unter-
richt nicht denkend aufnimmt, son-
dern alles sein Können blos mecha-
nisch und empirisch ist da[nn] auch daß
Karl sich mehreres was er kann durch
die öftere Wiederholung und <Satur> [sc.: Saturation = Sättigung ?]
zu eigen gemacht hat beweißt
seine schlechte Ortographie in
der deutschen Sprache; obgleich
Karl durch He. Köhlein (einen [sc.: einem] sehr
fleißige[n] u. thätigen Lehrer[)] 1 ganzes vier-
tel Jahr hindurch blos etymologischen
Unterricht erhalten hat, so ist
Karl jetzt noch nicht im Stande
die abg[el]eiteten Wörter richtig zu
schreiben, wenn er das Stammwort
hat; und so weiß kann er von zu einer
Menge abgeleiteten Worte die Stammworte
nicht finden wenigstens macht er
oft dagegen auffallende Fehler.
Was ich oben im allgemeinen vom
Unterricht sagte trägt [sc.: prägt ?] auch
ganz Karl. /
[12]
Aber auch bei dem höhern Sprach
Unterricht ist dieses der Fall.
Karl kennt die Worte Syntax
Grammaire, Conjugation, Declina-
tion N. G. D. A. V. A. Modus
,
kurz alle die Termen der Grammatik
ohne ihre Bedeutung und den Sinn
ohne die Natur und das eigentliche Seyn Werth derselben zu ahnden.
Um Ew. Hoch. eine [sc.: ein] richtiges Bild
von Karl u. Fritz zu geben habe ich
auch Stunden mit den Lehrern derselben sehr
ernstl. gesprochen.
He. Keim (ich gebrauche dessen eigene
Worte) vermißt durchgehends
bei Karl Selbstdenken, Achtsam-
und Aufmerksamkeit auf seine
Arbeiten und sagt daß sich
durchgehend in denselben sein schon
sehr erschlaf[f]ter - mechanischer Sinn
äußere.
He. Brifau ist mit Karln im
Ganzen zufrieden welches sich
sehr natürl. ist da doch bei dem ganze[n]
vorigen Unterricht den Karl ge-
noß am mehresten auf das Französische gesehen
wurde.
Ich habe jetzt Karln von seinen
fehlervollen Seiten Ew. gezeigt mein[e]
Pflicht ist nun auch, daß ich Ew.
mit dessen den [sc.: dem] Seiten den ein besseres
hoffen lassenden Seyn desselben
bekannt mache.
Karl hat - wenn er seine Aufmerk-
samkeit ganz auf das richtet was er /
[12R]
erkennen will - eine leichte
Fassungskraft. Er hat einen scharfen
Beobachtungsgeist, welcher aber
ganz falsch geleitet ist und jetzt für
nichts thätigkeit ist als für die Beobach[-]
tung des Lächerl., Auffallenden und Fehler[-]
haften an andern. Sobald Ist aber
einst Karl's Scharfblick und Beobacht[un]gs-
geist für etwas besseres geweckt und
thätig so las ist zu hoffen das Karl
für etwas dem Geist und die Seele
Nahrunggebendes recht noch einst warmes In-
teresse haben könne. Karl
hat oft obgl. kurze Momente wo er wie von
einem guten Geiste belebt wird,
in diesem [sc.: diesen] Augenblicke Momenten zeigt
sich ein Streben der Selbstvervollkomm[nun]g
was den [sc.: dem] Lehrer und Erzieher noch einigen Muth
giebt noch Gutes von ihm mit Grund hoffen zu
dürfen, wo er Muth giebt noch zu hoffen, das [sc.: daß] noch etwas aus ihm zu machen seyn
würde welches daß ihm einst ganz
ein Sinn für etwas besseres beleben
und seine Handlungen bestimmen werde.
Es hat P scheint daß er noch einige aber sehr kleine Punkte habe
durch welche wie ich bemerkt habe
auf ihn gewirkt werden könne ist, das
heißt, daß er noch einigen Sinn für die Achtung der bessern
Menschen habe; da Karl sich aber ganz
erstaunlich leicht sehr weit ver-
gessen kann, so ist es nöthig
daß um die Anl[agen] in Karls die Anlagen ihn in
ihm <zum> mehr zu wecken auszubilden und zu befestigen,
ihn in solche Verhältnisse und Lagen
zu bringen wo beständig auf seine
guten Seiten eingewirkt wird /
[13]
und wo er immer in einem bessern
Seyn lebt, damit auch er etwas
besseres erkennet, welches ihm
dann - wenn dieses ist, wenn von allen Seiten und beständig etwas gutes und vortheilhaftes auf ihn einwirkt bei seinem
hellen klaren Verstand und bei der
Geistes[-] und Körperkraft die ihn
in ihm obgleich bis jetzt blos schlummernd liegt sehr leicht seyn wird.
Herr Keim - der Karln sehr richtig
auffasst -
sagt - ich gebrauche wieder
dessen eigene Worte:
zu Karln daß er sich
getraue aus Karln vieles zu
machen
hoffe daß noch Gutes aus ihm zu machen sey werde wenn Karln in solche Ver-
hältnisse gebracht werde komme, wo
alles zweckmäßig auf ihn einwirkte.
Auch ich habe zu Karln seinem [sc.: seinen] Anlagen
nach die mehreste Hoffnung unter
allen seinen Brüdern und ich muß
aufrichtig sagen, daß ich - wenn er
mich nicht durch das schneidende seines
Äußeren Betragens - welches ich freil.
mehr als jede andere Person erkennen muß
daß er beständig um mich lebt - oft
wider meinen Willen zurückstösse
daß ich eine auffallende Vorliebe für ihn in Betracht
seiner andern Brüder haben würde.
Ich habe dieses oft schon gegen Ihre
Frau Gemahlin ausgesprochen - die sich
aber nie mit mir vereinigen konnte
welches ich mir sehr leicht erklären konnte
da ich mehr Gelegenheit habe Karln
zu be in seinem Bessern zu beobachten
als ihre Frau Gemahlin.
 /
[13R]
Aber je lieber mir Karl ist, je höhres
Zutrauen ich zu dessen einstigen bessern
Seyn und Erkennen habe, daß ich
ihn desshalb jetzt schon recht herzl.
lieben möchte, je mehr und inniger
wünsche ich für Karln und dessen
Vervollkomm[nun]g und Ausbildung alles
gebrauchen und benutzen zu können,
damit Karl in meinen Handlungen
für ihn
einst den redlichen Erzieher
finden möge, vor der gegen ihn zu seyn ich
jetzt nur das Wollen haben kann.
Doch ich breche bei Karln ab; Ich
hoffe Sie gn. He. werden mir
verzeihen daß ich Sie so lange mit von
demselben unterhalten gesprochen habe,
allein sein Alter und seine Anl[a]ge[n]
und seine einstige Bestimmung ver-
dienen mehr diese Rücksicht als und Aufmerk[-]
samkeit sehr.
Fritz:
Fritz ist weit schwächer an Körper und
Geist an [sc.: als] Karl; bei demselben
äußert sich der blose Sinn für das
oberflächliche und empirische Erkennen
noch weit auffallender als beim
Karl. Aber obleich Fritz weniger
Sinn für gründliches Erkennen hat
als Karl, so hat Fritz mehr richtiges
Gefühl einen gewissen Tackt [sc.: Takt] in dem
Erkennen dessen was er soll. Er
faßt die Gestalten und Formen beim
Schreiben und Zeichnen weit richtiger /
[14]
auf als Karl, allein ohne
sich Rechenschaft
davon abzulegen
ohne zu wissen und ohne zu erkennen
warum er dieses so und nicht
anders macht. - Fritz hat -
da er schwächer an Körper und
Geist ist als Karl weit mehr Gut-
müthigkeit als jener welche oft
ins Weichlichkeit übergeht. Auf
Fritz wirkt alles weit leichter
ein als auf Karln, allein er leistet
selbst bei dem besten Willen, wegen
seiner zu großen Schwäche weit
ja weniger als seine Brüder, ja
oft unglaubl. wenig. - Bei Als
Folge seiner Schwäche ist Fritz sehr ver-
gessen und über alle Begriffe und
Beschreibung zerstreut. Wenn
Fritz zu B. bei dem Kopfrechnen
das 2te Wort gesagt hat, ist
das erstere schon vergessen.
Er sagt mir z.B. weil 2 Schuhe
ein paar Schuhe sind sind 15 Schu[h]e
14 Paar Schuhe oder weil 3 mal 1
1 mal 3 ist, ist 15 mal 1 - 7 mal 2.
oder 11 mal 1 sind deswegen 3 mal 3
und 2/3 von 3 weil 1 der 3te Theil
von 3 ist.
Im SprachUnterricht ist es noch
auffallender und er verwech-
selt dann oft die entgegengesetzte[s]ten
Begriffe und Sachen miteinander.
Daß Fritz bei allem was er thut
gar nicht denkt beweißt er sehr /
[14R]
in den deutschen Lesübungen
er hat mehrmalen gelesen und
dann wenn ich ihn auf der
Stelle über das was er gelesen
hatte examinirte wußte
er auch gar nichts. - Fritz
geht in seiner Unaufmerk-
samkeit so weit daß er oft
Buchstaben und Worte statt
der dastehenden setzt wodurch
oft ein ganz anderer und sehr
widriger queriger Sinn entsteht - ohne z
das Widersinnige von dem was
er liest zu bemerken. Eine Hauptursache dieser allzugroßen
Zerstreutheit ist seyn ewiges Be-
schäftigen mit abgeschmakten [sc.: abgeschmacktem] faden
Zeug und sein beständiges herplau-
dern Sinn[-] und gedankenloser Worte.
Dieses sinn gedankenlose Beschäftigen mit einer Me[n]ge
sinnlosem Zeug alle dem Geist alle
Kraft u. Thätigkeit raubendem
Zeuge geht so weit daß mir
Fritz - wenn ich recht ernstl.
mit ihm darüber gesprochen und
deßhalb gestraft habe - selbst ge[-]
stand, daß er ihm auch bei dem
besten Wille
sich recht gerne
von dem elenden Geschwä[t]z los
reisen [sc.: losreißen] möchte, allein es sey ihm
ganz unmögl.
He. Keim sagt vom Fritz, daß er
unglaublich unachtsam und zerstreut
sey, höchstens 5 Minuten bemerke
man das Streben in ihm aufmerk-
sam zu seyn, und daß er nur
die Arbeit am besten mache die
am mehresten mechanisch sey.
He. Brifau sagt: Fritz weis [sc.: weiß] morgen
nicht mehr was heute gesagt worden
ist, er versteht sehr oft das
Gesagte ganz falsch, und dieses
kommt daher, daß sich Fritz oft
während dem Unterricht mit an e[i]ner [sc.: eine]
Menge lächerl. Zeug denk[t] und sich nur
damit beschäftiget. Sachen wo
er am wenigsten zu denken hat
gefallen ihm am meisten; er möchte nur die
ganze UnterrichtsStunde blos /
[15]
lesen, und hauptsächlich besonders gefallen
ihn [sc.: ihm] Comödien.
Alles dieses beweißt - wie sehr
am Tage liegt für Fritzens Geistes[-]
schwäche, und es ist daher nicht
höchst nöthig den Unterricht und
die Umstände die auf ihn Ein-
wirkend sind so zu wählen und
zu stellen, daß er gezwungen
wird zu denken, daß er in
Verhältnissen lebt wo nichts auf-
genommen wird was nicht
auch der Verstand klar und
deutl. erkennt.
Daß Gefühl der Schwäche macht
dem [sc.: den] Fritz, wenn er gereitzt [sc.: gereizt] wird
wüthend, doch ist tritt zeigt sich wenn die
leidenschaftl. Aufwall[un]g vorbei
ist, leicht seine Gutmüthigkeit
wieder. - Also au Doch ist
seine Leidenschaft so stark
daß er auch gar im minte-
sten [sc.: mindesten] nicht weiß was er
thut. - Also auch um dieser
Willen, da besonders Fritz
einst unter andern Menschen
und mit denselben leben
muß und sich durch seine aufbrausende Hitze sehr
schaden kann ist es sehr nöthig seinem
Geist und Körper mehr Kraft zu verschaffen.
Fritz verdient wegen seiner
sonstigen Gutmüthigkeit wodurch er sich leicht andere Menschen
für sich gewinnt viel
Aufmerksamkeit auf seine
Ausbild[un]g; und ich läugne [sc.: leugne] nicht /
[15R]
daß ich um seinetwillen und um sehr
wünschte
meiner Pflicht als Erzieher
willen sehr wünschte alles für
ihn zu gebrauchen und zu benutz[en]
was mir Verstand und Gründe
als das beste für sein künftiges
Wohl erkennen lassen[.]
Adolph.
In Adolph äußert sich noch seine
ungeschwächte Geisteskraft, doch
hat er schon viele Fehler mit
seinen Brüdern gemein einmal
seinen unbändigen Jähzorn und Heftig[-]
keit und was beides unmittelbar damit
verbunden ist ein zänkisches, unbrüderl. höchst widerspändiges, und dann ein auffahrenden [sc.: auffahrendes] pruda-
les [sc.: brutales] höchst widerspenstiges Betragen bei Verweisen. Diese
Fehler sind um so gefährlicher
da er sie mit seinen Brüdern mit denen er gemeinschaftl. lebt theilt.
Doch giebt es oft Tage wo dieselbe[n]
wie verschwunden scheinen besonders
da er sehr großes und wirklich
herzerfreuenden Sinn für allen und besonders für gründlichen
mit die Denkkraft in Anspruch
nehmenden Unterricht bezeigt.
Adolph ist jetzt aber gerade in den
Jahren wo alles für die Zukunft
in ihm begründet werden muß,
wo er so wohl in hinsicht seiner
Behandlung im allgemeinen als
auch in Hinsicht seines Unter-
richtes eine sehr gewählte und
zweckmäßige Behandlung erfordert
und ganz bestimmt habe nöthig /
[16]
hat, wenn daß aus ihm wer-
den soll was er vermög aller
seiner Anlagen zu werden
verspricht. -
Ich habe Ihnen nun gn. He. meiner
Pflicht
Ihre Söhne meiner Pflicht
- als Erzieher derselben - gemäß
so vorgeführt wie sie bis jetzt
täglich vor mir wandeln
und wie sie sie gewiß selbst
oft gefunden haben und noch finden werden
wenn sie in Ihrer Nähe handelten
und noch handeln werden. Er-
lauben Sie mir nun noch daß ich
II) Aus dem Betragen der Knaben
     Folgerungen und Resultate ihrer
     eigenthümlichen wahren Seyn ziehen
     darf um darauf meine Vor-
     schläge zu gründen. Betrachte
     Bei genauem Aufmerken auf die
     Knaben finde ich in denselben
A in physi[s]cher Hinsicht
a) Hervorstechende Trägheit im Gebrauch
ihres Körpers und ihrer Körper-
kräfte und eine bis zu einem hohen und Mangel an körperl. Selbst-
thätigkeit Grade schon gediehene Erschlaf[f]theit.
b) einen erschlaffenden Mißbrauch
derselben durch schneidende Krim-
massen [sc.: Grimassen].
B, in intellektueller Hinsicht
a) Erschlaf[f]theit der geistigen
Selbstthätigkeit und der Geistes
Denkkraft. /
[16R]
b.) Mißgeleitetes Erkenntniß[-]
      und Urtheils-Vermögen in allem was die
      Knaben umgiebt und falsche
      Anschauung des Menschen und
      seines Seyn[s].
      c.) Geschwächtes oder wenig-
      stens nicht gewecktes Er-
      inners-Vermögen und des
      Gedächtnisses.
      d.) ungezügeltes und ungere-
      geltes BegehrungsVermögen.
III) [sc.: C] In Moralischer Hinsicht
a.) Mangel an liebevollem
wohlwollenden moralischem kindlichem
Sinn, und was daraus folgt
Mangel an Achtung gegen
Eltern gegen Geschwister und
gegen Jedermann, ja sogar
gegen Thiere, vielmehr
b.) hämischer, Schadenfroher alles
klügeln und meisternder Cha-
rakter.
c) großer Hang zur peisenden [sc.: beißenden],
alles Gute an den Menschen
verkennenden, und alles nur
von der lächerlichen Seite be-
trachtenden Satyre, und was
unmittelbar damit verbunden
ist[.]
d) Abgestümpftes wenigstens nicht
gewecktes Sittl. und Moralisches /
[ 17R]
(17R vor 17)
      Gefühl. - Gefühllosigkeit gegen
      alles Gute, Angenehme und
      Schätzbare, sowohl an Menschen
      als in der Natur - Gefühllosig-
      keit gegen das Schickl. u. Unschickl.
      Erlaubte und Unerlaubte,
      e.) herrschende Leidenschaft des
      Jähzorn, die oft sich selbst ver-
      gessende, gegen sich selbst wü-
      thende Wuth wird, auffahrendes
      zänkisches Betragen gegen ein-
      ander und gegen Lehrer.
Dieses ist das Seyn der Knaben
wie sie bis auf die oben gedachten Einschränkungen vor mir stehen und
anders kann wie ich sie auch bei aller
liebe zu ihnen, und zu den Eltern
und bei allem Wunsche etwas an-
genehmes für mich zu erkennen
nicht sehen muß nur sehen kann sehen muß.
Ehe ich meine Gedanken über die Art und Weise, wie dieses
jetzige Seyn der Knaben gebessert ausgebi[l]det
und zu die Anlagen derselben zur
Erreichung einer sich belohnenden Erzieh[un]g
benutzt werden können, ehe ich dieses
die künftige Ausbildung und die Art
und weise derselben
mittheilen
kann ist es nöthig, daß ich III wenigste[n]s
ein[i]ges aufsuche wodurch das jetzige
Seyn der Knaben bewirkt wor-
den ist.
Ich finde hier
      a) das das bisherige viele Leben
      der Kinder unter schon erwachsenen
      Menschen - die bei nicht bemerkten
      daß Kinder in ihrer Nähe waren
      und das öftere Leben derselben /
[17]
derselben in der conventionellen
Welt, die sie noch nicht nach
ihrem wahren Werth achten und
würdigen konnten, und wo
sie von den Handlungen derselben
blos den oberflächlichen Ein-
druck aufnahmen, ohne den
Sinn, die Bedeutung und die
große des Art der Anwendbarkeit
derselben zu kennen, noch einen
Begriff von dem Kreis und
der Größe desselben zu haben
in welchem sie gebraucht werden
können sehr viel dazu beigetragen hat. Sie verlernten so die eigenthüml. Handlungs[-]
weise ihres kindischen Alters, die
nun einmal jedes Alter hat. Hierzu scheint mir
noch ein zu großes Getrenntseyn
der Kinder Knaben von andern
Kindern zu kommen, wodurch die
Übung und
der, dem Körper und
Geist Kraftgebende kindliche
kindische Sinnes [sc.: Sinn] hätte geübt genährt und immer
mehr geweckt werden können.
Nochmehr aber hatt aber wohl
Vielleicht hat Nochmehr oder wenigstens eben so viel
hat wohl die Behandlung des bisherigens
Lehrers beigetragen, die wie es mir scheint oft leidenschaftl.
inkonsequent und von sehr vielen
persönlichkeiten bestimmt gewesen ist,
doch ich habe nicht das Recht und kann
sie auch wirklich nicht untersuchen - Ihnen
als Vater, in deren Nähe er handelte
kommt dieses zu und sie werden
Urtheilen ob ich in dem was ich
andeutete zu voreilig unbillig war.
Man that noch überdieß von Seiten des Erziehers die - für
das [sc.: die] Knaben mir schreckl. erscheinende
Forderung an die Knaben sich streng
nach den Regeln der Convenienz zu
betragen - wodurch ihr Körper ihre
Unbehülflichkeit und Gez[w]unge[ne] Steif-
heit erhielt. /
[18]
Worüber ich mir aber mehr
erlauben darf etwas zu sagen
ist der Unterricht den die Knaben
früher genossen haben da ich hier
blos das ausheben darf was
klar lag. Um möglichst kurz
zu seyn daß sage ich blos daß ders.
1.) ein bloser todter Namenunter-
     richt ohne Kenntniß von
     Sachen war, die Knaben lernten
     zwar schon hier, aber noch mehr
2.) beim vielen Auswendiglernen Worte
     ohne Bedeutung sprechen. Eine
     Bedeutung muß man mit einem
     Worte verbinden sonst kann es
     der menschl. Geist nicht fassen,
     da also den Knaben keine Be-
     deutung dessen was sie lernten
     gegeben wurde, so machten
     sich gaben die Knaben selbst den Worten Be-
     deutung - natürl. aus ihrer
     freilich aber wieder fremdartigen
     Welt, und so entstand daß
     jetzt die Knaben so tyrannisirende
     Wortverdrehen, und die daraus
     entspringende Zerstreutheit beim
     Unterricht. - Aus diesem, nur
     Wenigen über die frühere Behand[lun]gs[-]
     weise der Knaben Gesagten
     leuchtet ein, daß ihre künftige Behand[-]
     lungsweise das entgegenge- /
[18R]
gesetzte der früheren war
seyn müsse. Nach dieser Voraus[-]
setzung gehe ich zu dem mir am
nächsten liegenden Kreis, zu der
Zeit über seitdem ich der Erzieher
v. Karl Fritz u. A[.] bin, um [zu betrachten ob,] die
Umstände Verhältnisse und Lagen
die jetzt auf die Knaben einwir-
ken, dem, was sie jetzt bei den
Knaben bewirken sollen, ange-
messen und entsprechend sind, und
in wiefern sie nöthigen eine Ver-
ände
zu wünschen daß manches
anders auf die Knaben einwir-
ken möge. Ich unterwerfe
hier erst dem [sc.: den] Unterricht nach
Maaßgabe des obengesagten
einer Prüfung, daß dieses der
Theil des Unterrichtes ist,
wodurch die Geisteskraft des
Menschen nicht nur geweckt,
sondern auch genährt und ge-
stärkt wird. - Hier hebe ich
wieder zu erst den SprachUnter-
richt aus, da dieses einmal
ein nöthiger Theil des Unterrichtes
ist, und da er 2tens einen bedeu-
tenden Theil von dem Unter-
richte ausmacht welchen die
Knaben gerade jetzt, und ihrem
Alter nach in Zukunft beständig erhalten /
[19]
werden. Der SprachUnterricht ist
wie wir schon oben fest setzten einer von den Zweigen des Unter-
richtes
[Randformulierung, wohl alternativ:]
kann einer von den Zweigen
des Unterrichtes werden
welcher, die Gei bei einer
zweckmäßigen Art desselben die
Geisteskraft des Menschen wähkt
in Anspruch nimmt, - aber so sehr
er auch bei einer zweckmäßigen
Behandlung dieses zu werden im
Stande ist, eben so leicht kann
er das ganz entgegen[ge]setzte davon
bewirken wenn er falsch u. fehlerhaft getrie-
ben wird.
Sprache - selbst die sogenannten
todten Sprachen - ist ein Mittel
der Mittheilung, und als solches
erstlich etwas aus dem Leben
der Menschen abstrahirtes und
2tens lebendes und belebendes.
Der Unterricht in den Sprachen muß
also 1.) um den Zweck der Sprachen-
kenntniß - um der Mittheilung
willen, selbst lebend und
belebend seyn; 2tens deßhalb
da er Kindern gegeben wird,
welche blos Sinn für Leben, das
heißt für die Gegenden haben
welche sich im Leben der Kinder
um sie her bewegen. Ein guter
Sprachunterricht soll er von den Kindern gut aufgenommen
und soll er früchtebringend werden muß
also an das Leben des Kindes
selbstlebend - angeknüpft werden. soll /
[19R]
Nicht alleine Todt, sondern sogar
den Geist des Kindes tödtend ist
aber der SprachUnterricht welcher den
Kindern blos todte Worte ohne die
Bedeutung derselben giebt, denn
um eine Menge todter Bedeutungs[-]
loser Worte zu fassen gehört eine
sehr große Kraft Geisteskraft,
eine Kraft welche die Geisteskraft
des Kindes übersteigt - da nun alle
zu große Anstrengung erschlaffend
ist, so muß alle ist natürl. das
ein solcher SprachUnterricht den
Geist des Kindes tödtet. - Und
ich setze den seltenen Fall, das
Kind hat den eine so große
Lebhaftigkeit des Geistes das
es den todten Worten Sinn
und Bedeutung gebe so ist
gar nicht[s] anders möglich als
daß es ihm oft mit den Worten
sehr oft einen ganz falschen Sinn verbinde,
und welcher große Schaden für
die Zukunft daraus entsteht kann
jeder entscheiden, der selbst
Sprache studirte, oder der solchen
gelehreten Knaben SprachUnter-
richt gab. - Jeder solcher Wörter
Spra Unterricht - den eigentl. Sprach
Unterricht kann man es unmögl. nennen,
ist ohne viel Auswendig lernen einer Menge von Regeln zu geben unmöglich. und Hier
muß das /
[20]
Gedächtniß mit einer Menge
von Sachen angefüllt werden
wovon es von vielen den
Nutzen nicht ahndet ja nicht ahn-
den kann und wovon eine Menge wieder
verschwindet ohne ehe, es ge-
braucht werden kann; daß
Kind muß in diesem Fall auch jede lebhafte
Äußerung des G kindlichen
Geistes [vermeiden] damit der im Gedächt-
niß liegende Wortvohrrath [sc.: Wortvorrat]
nicht unter einander geworfen
werde und damit das Gehirrn [sc.: Gehirn]
des Kindes nicht zu einer
Gerümpelkammer werde. Aber
Ich setze nun 1) den Fall das Kind
gehorcht und vermeidet jede
Bewegung des Geistes, was ist
der Fall davon, der Kindl. so
einst so kräftig wirkend [sc.: wirken] sollen[-]
de kindliche Geist wird erstickt,
und verschwindet endlich und
so wird das Kind zur Maschine.
Ich setzte nun den 2ten Fall,
das Kind hat so große Lebhab-
haftigkeit die es unmögl. un-
terdrücken kann, was geschieht
es wirft mit einem male
das ganze mit so vieler Mühe
aufgebauete Regeln Gebäude
überhaufen, und wo ist nun
in beiden Fällen der Nutzen
von dem so wessentl. [sc.: wesentlich] nöthigen
SprachUnterricht? - /
[20R]
Aber ganz anders sieht es mit
dem SprachUnterricht aus wenn
er an das Leben und in das
Seyn des Kindes verwebt wird,
daß he wenn das Kind die
Sprache durch den Gebrauch lernt,
d.h. wenn die Sprache dem
Kinde in einer gewählten
Stufenfolge vom leicht zu erkennenden bis zum
erkennen des Verwickelnden übergehend vorgeführt wird,
daß das Kind sich selbst in der
Sprache findet und sich dieselbe
so nach und nach ganz zu eigen
macht, welches durch die be-
ständige Anwendung und den
Gebrauch leicht möglich ist. - Alles
was ich bis jetzt sagte gielt [sc.: gilt] vom
Sprach Unterricht der lebenden
Sprachen so wohl als der sogen. todten
Sprachen: denn die todten
Sprachen sind eben so gut
wie die lebenden Sprachen ein
Mittheilungs Mittel obgl. nur
für eine kleinere Menge von
Menschen. -
Doch das Geisttödtende eines
fehlerhaften SprachUnterric[h]ts
ist sind nicht aller Nachtheil den
derselbe bringt, sondern ein
2tes Uebel das er mit sich
führt ist, daß die Kinder
bei demselben sich sehr
häufig alleine gegen über sind, denn /
[21]
zu vieles allein und nur sich gegen über seyn des Kindes, das noch
nicht versteht sich mit dem zu
b
was es umgiebt zu beschäftigen
schaf[f]t entweder ein vieles
Unheil bringendes Beschäftigen
mit sich selbst oder es schaf[f]t
Stumpfsinnigkeit und gedanken-
loses herumlaufen. Dieses allein gegenüber seyn der
Kinder findet bei dem zu frühen Präpa-
rations Unterricht statt, welcher
bei einem guten Elementar
Unterricht - der Vorläufer eines
des höhern Unterrichts - so wie das Auswendiglernen nicht statt
finden sollte, da aus dem [sc.: den] ange-
führten Gründen alles Auswendig[-]
lernen und alle Präparationen
bei einem Knaben wo die Geistes[-]
kraft noch nicht gehörig geweckt
und thätig ist, dieselbe schwächt
und unterdrückt.
Erlauben Sie mir nun gnädiger
He. daß ich das Gesagte auf
den jetzigen Unterricht der
Knaben anwendte.
Karl u. Fritz bekommen Untericht
in der Lateinischen u. französischen
Sprache. Er ist wie aller dieser
Unterricht ein Vorgeben und vor-
legen [von] einer Menge SprachRegeln
die die Knaben merken und sich
ins Gedächtniß einprägen müssen
aber kein nicht was er doch seyn sollte: ein Selbstauffinden kein
ein Selbstabstrahiren dieser Regeln.
Er ist nicht nimmt keine andere
Geistesthätigkeit am Menschen
als das Gedächtniß in Anspruch
und in so fern er dasselbe
überladet und zu sehr an-
greift ist er wie ich oben bewies schadend. - H. K.
sagt ja selbst von Karln daß er
bei dem was er thut nicht selbst
denken könne sondern es blos
mechanisch gut mache. - /
[21R]
Daß Karls den SprachUnterricht nicht
die Denkend kraft in Anspruch sich aufnimmt
sondern ders. bei ihm blose Wortkenntniß ist beweißt [sc.: beweist] würde er wenn man
ihn über die Bedeutung der W
Grammatikalischen KunstAusdrücke
examinirt, wo er kennt zwar
die Namen Mod. Imper. Declinatio
passiv. activ neut. Gerundium Supinum und vielleicht auch
die gleichen deutschen Namen Beugen
Befehlende Art rc. ohne jedoch eigentl.
den Sinn dies und besonders den Nutzen
dieser Worte zu kennen, woher
kommt dieß, daß man ihm nicht
die Sprache nicht in ihrem wahren Seyn vor-
führte und ihm nun - als noth-
wendiges Hilfs Mittel zur ge-
nauen Kenntniß der Sprache ihrer
Theile und deren richtigen Ver-
bindung, diese Worte kennen
lernte. Beim Karl der nun schon
sich in seinem Gedächtniß einen
sehr großen Vorrath von Worten
und mechanischen empirischen Tackt [sc.: Takt] im Ge-
brauch der Worte hat ist dieses
nicht so auffallend als beim
Fritz.
[Randeinfügung wohl hierhin:]
Dennoch hat Karl bestimmt noch keinen
Begriff von den eigentl. Seyn [der] Parti[zi]pien und der
so wichtigen Präpositionen[.]
jetzt dessen Doch ehe ich
zum Fritzens SprachUnter[r]icht
übergehe nur noch etwas über
diese Unterrichts Methode mit welcher beim Karl.
jetz Karl hat doch jetzt schon
einen großen vielleicht den größten
Theil der Sprachregeln im Ge-
dächtniß, Karl hat schon mehre-
re Jahre Unterricht in beiden /
[22]
Sprachen erhalten und Karl
hat noch keine Ahndung von dem [sc.: den]
Eigenthümlichkeiten der franz[.]
u. lateinischen Sprache, und
da er jetzt die Verschiedenheiten
der Sprachen nicht denkend auf-
faßt wie soll er einst dem
Genius - daß [sc.: das] heißt den Geist
die Vorzüge der Sprache fühlen
und sich davon Rechenschaft geben
können. - Und wie kann die
Sprache eine [sc.: ein] Mitteilungs Mittel
höhere[r] Art werden wenn die-
ses nicht ist. -
Fritz hat jetzt Unterricht in der
lateinischen Sprache, er hat schon
eine ziemliche Quantität
Formen über die Deklination
geschrieben und gn. He. fragen
Sie einmal dem [sc.: den] Fritz warum
man nicht durch alle Casus penna
sagt, und, da er die lateinische
Bedeutung nie mit der deutschen
Bedeutung vergleicht, so wird er
pennae mit die Feder übersetzen
wie penna u. mensam mit der Tisch
wie mensa, und wenn er
auch lernte mensa der Tisch mensa
des Tisches mensae
          rc.
so würde er doch sagen dem Tische ist
ja kein Deutsch, denn es ist ihm nie
gesagt sagt worden in welcher
Verbindung man
so würde er doch nicht
den Unterschied zwischen mensa
u. mensam fühlen. Ich will /
[22R]
nochmehr zurück gehen. Fritz
lernte 5 Formen oder Deklination[en]
ken[n]en und wußte nicht welchen
Begriff er mit dem [sc.: den] Worten De-
klination und Formen verbinden
sollte; ehe sich da Sie können
mir vielleicht darauf antworten
Wortbeugung, Veränderung heißt
Deklination, aber beides sind dem
Knaben todte Worte wenn er
nicht durch eine Menge Bed die nöthigen Er-
fahrungen sich den Namen vor-
her gemacht hat und nun
dasjenige was ihm die Erfahrung
bemerken ließ mit den Kunst[-]
ausdrücken benennen lernte,
jetzt gewinnt der Knabe die
KunstAusdrücke lieb und be-
hält sie, denn sie erleichtern
ihm eine Menge Erfahrungen
mit an einemm in sich aufzub[e]wahren
und zu gebrauchen, da sie sich
alle an in einem einzigen - natürl.
passendem [sc.: passenden] Namen vereinigen. -
Hingegen durch die jetzige Unterri Methode des
SprachUnterrichtes wird den
Knaben - wegen des vielen aus-
wendiglernen und der Präpara-
tionen das S Erlernen der Sprache
verleidet. - Auch die Beweise
für das ebengesagte sehe und
fühle ich nur zu gut, denn
die Präparations Stunden bei
Karl u. Fritz sind für mich die Knaben
größtentheils, ja fast immer wahre /
[23]
Leidens- und PeinigungsStunden
und nur höchst selten bereite
präpariren sich die Knaben ohne
inneren Widerwillen. Wie
kann daraus - wenn das Ganze
Seyn nicht der Knaben nicht beim
Erlernen von irgend etwas er-
griffen ist, wie kann daraus
wohl etwas gutes kommen? -
Fritz sagt: soll ich denn wenn es
zum Formenschreiben geht: soll
ich denn schon wieder kritzele
soll ich denn den ganzen Tag kritzele; und wenn
ich recht ehrlich seyn soll ver-
denken kann ich es [e]igentl. dem
Knaben nicht.
Sie können mich hier gn. He. fragen,
eine nähere Erklärung als die einstige mündl. war von mir verlangen,
warum ich nicht, wie ich doch erstl.
bei mir zwar ohne es auszusprechen Willens war, den französischen
SprachUnterricht bei allen, und den
wozu ich mich doch mündlich und schriftl. verpflichtete Unterricht in der Lateinischen Sprache
beim Fritz übernommen habe.
Meine Beweggründe dazu waren folg-
ende, wovon die triftigsten sich
jetzt noch mehr bestätigen.
1) Sprach ich mit Ihnen gn. He. mehr-
     malen über die französische Aus-
     sprache, sie äußerten da einmal, d
     Ihre sehr gegründete Überzeugung wie sehr viel bei der fr. Spr.
     auf eine gute und richtige Aus-
     sprache ankomme, und wie es, auch bei /
[23R]
dem besten Willen einem Deutschen
ohnmögl. sey sich eine richtige und gute
französische Aussprache zu eigen zu
machen, sie äußerten dieß auf eine
so bestimmte Weise daß ich ohnmögl. die früher
gehegte Idee, den Knaben deutsch u.
französischen SprachUnterricht zugleich
zu geben, sehr leicht aufgab; denn,
nur diese Idee konnte ich haben da
wenn ich äußerte den Knaben
französischen Unterricht zu geben
da ich sahe im Voraus sahe wie sehr
das Seyn und die Behandlungsweise der Knaben auch außer
den
Unterrichtsstunden meine
Kräfte in Anspruch nehmen würde,
und wie wenig es mir sonst so
mögl. werden würde (mir an jedem Tage)
die nöthigen Kräfte zum den Arbeiten des jedes
Tages zu behalten. Daß ich aber
diesen Idee Gedanken um so leichter
verschwinden ließ lassen konnte dazu

Eine 2te Ursache außer Ihrer daß
ich diesen Gedanken leicht fahren
lassen konnte war außer Ihrer Äußer-
ung daß ich bei den Knaben, besonders
bei dem Karl weitere in der Kennt-
niß der in der französischen Sprache ahnde-
te, und ich sahe es unter diesen
Umständen selbst für einen Gewinn
für die Knaben an, wenn sie von
einem Franzosen Unterricht er-
hielten. /
[24]
Daß ich den Un late[i]nischen Unter-
richt bei dem Fritz einem andern
übertrug - den Karln l. Spr. Un[-]
terricht zu geben konnte mir nie
im Sinn kommen - dazu bewog
mich Ew. Hochw. so oft geä
so ernstl. geäußerter Wunsch
daß die Knaben besonders im Latein
große Fortschritte machen möchten.
Ich wollte diesen väterl. Wunsch in dem
mir nur immer möglichen Umfa[n]g
erfüllen, und freute mich sehr - da ich den Fritz
die Geistesthätigkeit des Fritz nicht glaubte in so hohem
Grad erschlaf[f]t glaubte, - sehr diesen
Unterricht einem Manne übertragen
zu können, dessen Studium Sprachen im
allge. u. bes. lat. spr. war. Ich
war um so vergnügter - und
einem solchem [sc.: solchen] Manne diesen Unter-
richt übertragen zu können - und ich
hätte um mein Streben die Wünsche
des Vaters zu erfüllen gern da einige
Aufopferungen gemacht - da ich nicht
wünschte daß Ew. wenn Fr. nicht
die
weniger Fortschritte machte die
Ursache in mir und in mei
der angewendeten Unterrichts-
Methode finden mögten. Diese
Gründe bewogen mich den Unter-
richtsPlan zu so zu entwerfen wie
ich ihn Ew. übergab. -
Nach diesem Abschweig [sc.: Abschweif] komme ich zurück
und untersuche die Wirkung meines
Unterrichtes auf die Knaben, und /
[24R]
das Seyn derselben während demselben.
Der Zweck, den ich bei allen [sc.: allem] meinen
dem Knaben bis jetzt gegebenem [sc.: gegebenen]
Unterricht vor Augen hatte, war:
ihre Denkkraft und Geistesthätig[-]
keit zu wecken, ihren Verstand,
ihre Erkenntniß- und Urtheilskraft
zu üben und zu stärken; und ihr
Interesse für etwas Nützliches
und gutes zu wecken, und sie von
ihren faden läppischen gedankenlo-
sen Seyn und Beschäftigungen
abzuziehen.
Daß ich diesen obgleich Zweck zwar in etwas
erreicht habe bin ich fest überzeugt
obgleich für das was und wie es sein sollte
und werden muß kaum wirklich und wird jeder mit mir ein-
sehen, der die Knaben in ihrem
vorigen Seyn nur etwas genau kannte, oder
wer ihr sonstiges Betragen während
dem Unterricht und in den Frei-
stunden wo sie doch sehr soldatisch streng
behandelt wurden, mit der Knaben jetzigem
Betragen unpartheiisch vergleicht,
wo sie jetzt doch - wie es scheint
so zwanglos behandelt werden.
Die Knaben antworten doch jetzt
bestimmt nicht mehr, oder wenigstens
äußerst selten auf die Fragen
der Lehrer während dem Unter-
richte ihr unbewußtes: was? -
no! - jä, jä, jä! ich weis [sc.: weiß] es!
was haben sie gefragt? - wie?
Aber dennoch bleibt zu dem was
die Knaben - besonders dem Alter /
[25]
nach seyn sollten, - wie ich schon
oben sagte viel o! Gn sehr viel
zu wünschen übrig wenn nicht
alles was wenigstens ein sehr großer Theil von dem was geschehen ist und noch
geschieht: Kräfte- Zeit[-] und Geld-
Aufwand fruchtlos seyn soll;
denn ich habe das, was Ihnen
oben über die Zerstreutheit, Un-
aufmerksamkeit der Knaben
niedergeschrieben [ist] wieder mehr-
malen durchgelesen und habe,
wenn ich es mit der Wirklich-
keit vergleichen habe immer ge-
funden, daß diese schriftl. Schilderung
das wahre Seyn der Knaben in man-
chen Stunden, kaum andeutet.
Wenn ich die Ursachen dieses Seyns
der Knaben aufsuche, so ist es
1.) die allgem. Erschlaf[f]theit der Knaben wodurch während dem Un
2.) die Menge angewöhnter - den Knaben schon gleichsam
     zur andern Natur gewordenen -
     fremdartigen [sc.: gewordener - fremdartiger] Maniren und Grimas[sen]
3.) Eine Stumpfsinnigkeit für etwas
     besseres und doch kein Ahnden einer
     kindlichen Gutheit.
4.) daß beständige zusammen und
     gegen einander über sein der
     Knaben welche dazu noch
5.) von so verschiedenem Alter,
6.) von so verschiedenen Anlagen und
7.) von so verschiedener Fassungskraft
     sind.
Die ersteren 4 Ursachen des nicht Gut[-]
seyns der Knaben machen in mir
zum Wohl derselben, meiner Pflicht als Erzieher getreu,
den Wunsch recht lebhaft in mir,
daß die Knaben dieses wie sie
sein sollten einsehen und fühlten /
[25R]
und sich durch Selbstfinden und Selbst-
erkennen, durch Selbst Anschauen
des etwas besseren an Knaben ihres Alters, d.h. durch vieles Zusammenseyn mit solchen bilden könnten. - Beispiel
thut mehr als Worte, wirkt
schneller, sicher und bestimmter,
dieses zu wünschen macht besonders
die allgemeine Heftigkeit des Charakters der
Knaben nöthig. Da diese Heftigkeit
an allen drei Knaben wie ich schon oben
sagte oft zur blinden Wuth wird
so ist es höchst gefährlich, und die
Heftigkeit mehr weckend und vermehrend, wenn nur
lauter solche Personen Menschen sie
immer zusammen und sich einander
gegen über leben. - Durch Vermisch[un]g
mit Knaben von anderen Charaktern
aber, wird die Heftigkeit weniger
geweckt und schleift sich nach und nach
ab.
Die 4 letzteren Ursachen des jetzigen
Seyns der Knaben da machten nöthig
daß die Knaben bei einigen Unter-
richtsgegenständen - dieses sind be-
sonders die als Uebungen des Ver-
standes dienenden Gegenstände,
Rechnen, ElementarMathematik
und höherer SprachUnterricht getrennt
werden könnten, damit der Unter-
richt der Form und den Gegenständen
nach der Fassungskraft und dem
Alter der Knaben angemessener
gewählt werden könne. Hier-
durch würden Anregung und Auf-
munterung auf die Knaben ein-
wirken können, welche jetzt bei
der allgemeinen Erschlafftheit
nicht stattfinden kann, und durch
dieselbe dasjenige Gute was in jedem
einzelnen Knaben noch liegt sogar
noch getödtet wird, denn wegen des
Spezielle besondere[n] Seyn[s] jedes Knaben
müssen sie ungleich und nachtheilig
auf einander wirken, denn, um
nur etwas zum beweiß [sc.: Beweis] dessen zu
sagen - der Knabe von 12 Jahren
empfindet fühlt und denkt schon ganz
anders als der von 7 Jahren der eine hat Sinn für etwas
ganz anderes als der andere, er
hat ganz andere Spiele rc, er hat
schon weit weniger spielenden kindischen Geist als jener, wenn
also 2 solche so verschiedene Kna-
 /
[26]
ben beständig gleichsam durch die
Nothwendigkeit zusammen ge-
spannt sind, so müssen sie
nachtheilig auf einander wir-
ken es ist beinahe ohnmögl. das
es anders seyn kann.
Diese Betrachtung der Ansicht
führt mich unmittelbar zur
Betrachtung der Knaben auße in
ihrem jetzigen Seyn außer dem
Unterricht und zur Untersuch[un]g
wie die Frei- und Spielstunden und die möglichen Beschäftigungen in denselben
auf die Knaben einwirken sollten[.]
Daß die Knaben den lokalen Ver-
hältnissen gemäß in dem [sc.: denen] sie ge-
genwärtig leben - ihre Freistunden
jetzt wenig zweckmäßig ohngeachtet
dessen was ich oben über das was sie thun könnten sagte - benutzen
können, habe ich gegen Ew. Hochwohl.
schon mündl. berührt.
Das Knaben Alter ist das Alter regen [sc.: reger]
körperl. Geschäftigkeit, wo diese
sich in ihrer ganzen Kraft nicht äußern
kann und wo sie durch Einwirku[n]g
und Beschränkungen auf manchen Seiten gehemmt wird
bricht sie an stellen und Orten und
zu Zeiten wo sie nicht sollte aus,
und schaf[f]t Unarten, das große Register der Unarten, Ungezogen-
heiten des Knaben Alters. Die
Söhne Ew. Hochwohlgeb. sollten sich
daher, sollen nicht nur eine die Fehler
derselben verbessert, sondern sollen
nicht noch eine Menge Ungezogen-
heiten in denselben nicht geweckt
werden, in ihren Freistunden /
[26R]
freier und angemessener beschäftigen
können, welches nun einmal aber
das hiesige Lokale nicht gewährt,
sie sollten auch bei ihren Spielen
sich nicht immer einander ganz
allein, besonders gegen über
seyn, sondern mit gutartigen Knaben
von ihrem Alter oft in Ver-
bindung und Berührungspunkte
kommen denn Geschäftl. Spiele bilden,
wenn sie gut geleitet werden
den Sinn das Betragen der Knaben für die ein-
stige größere Gesellschaftl. bürgerl. Welt,
für die Welt der bürgerl. Verhältniß[e] und die Welt der Convenienz mehr
als alles <repermantiren hofmeistern>
rc. sie werden dadurch unglaublich abgeschliffen
sie werden verträgl., somit
muthig, dultsam, kurz erlernen
durch gesellschaftl. Spiele - wie ich aber sagte gutgeleitete
Spiele - alle Tugenden welche
die einstigen Verhältnisse der
Knaben nöthig machen und so ernstl[ich]
fördern[.] Alles was ich oben beim Unterricht
von den Unangenehmen Folgen der verschiedenheit des Alters
sagte findet hier auch im ganzen
Umfange statt.
[links zwischen den beiden Absätzen:]
Carl noch besonders]
Ich habe nun Ew. Hoch. Ihre Söhne K.
Fr. u. Ad. in ihrem äußeren Seyn
und in ihrem wahren Seyn und wodurch sie so sind wie sie sind gezeigt, und
sie so g angedeutet wie sie sein
sollten und wodurch sie so wie sie
seyn sollen und müssen, werden
können. Meine Pflicht als
3ter Erzieher ihrer Söhne fordert
nun ernstl. von mir, daß ich
Ihnen die Resultate dieser
Untersuchungen insofern sie
von dem Wohl ihrer Söhne unzer-
trennlich sind mittheile. /
[27]
Das gegenwärtige Seyn der Knaben
in seiner wahren treuen Ge-
stalt aufgefaßt und mit dem
Zweck der Erziehung - Ausbildung
der Körper[-] u. Geisteskräfte in den
Kindern - verglichen, so ist
wohl unmögl. als Resultat dieser
Vergleichung zu etwas anders
auszufinden [sc.: aufzufinden] als:
Sollen die Knaben den Zweck Zeit
und der KraftAufwand der Lehrer und der übrige KostenAufwand
bei der Erziehung der Knaben
nicht gerade zu verschwendet
und verlohren [sc.: verloren] seyn und der Zweck der Erzieh-
ung bei Karl Fr. u. Adolph so
viel als nur immer möglich er-
reicht werden, daß sie einst
gute tüchtige und brauchbare
Menschen an Kopf und Herz
werden und nutzbare Glieder
in der bürgerlichen Gesellschaft
werden, so ist höchst höchst
nöthig das [sc.: daß] die Knaben in hinsicht
ihres Unterrichts so wohl als
ihres Seyns außer demselben in
angemessene zweckerreichende
Verhältnisse gebracht werden.
Und zwar in eine solche Lage
wo immer gleich mit gl. Kraft unab-
lässig auf sie eingewirkt wird
und wo
1) in Hinsicht auf Unterricht
     der Unterricht mehrer der den /
[27R]
Verstand besonders ausbildenden
Gegenstände mehr aufmunter[n]d
und anfeuernd und eingreifend auf
sie einwirkt. (en kann)
2) Wo die Knaben gar keinen Un-
     terricht auch von keinem fremden Lehrer erhalten, der nicht den
     Verstand, die Erkenntniß und
     Urtheilskraft ausbilde; und der wo
3tens das Ged aller auch nicht alleine nichts nicht
     dem Gedächtniß und Errinner[un]gs [sc.: Erinnerungs]
     Vermögen schade, sondern auch
     auch aller Unterricht dasselbe stärke
     und wo
4tens auch aller Unterricht und die
     Einwirk Umgebungen außer dem
     Unterrichte, alles gleich gut
     zur Erweckung moralischer sittl.
     Gesinnungen hinwirke.
     Und wo
2)tens das Leben der Knaben ausser
     den UnterrichtsStunden ihnen
1) beständig angemessene Gesell-
     schaft Geist u Körper stärkende Beschäftigung und und
2) ein Leben unter guten - stre[n]ger
     Aufsicht unterworfenen Knaben
     gewähre.
Diese für das Wohl der Knaben so
nöthigen Forderungen der
Zukunft, können die jetzigen
Lokalen und anderen Verhältniß[e]
den Knaben unmögl. erfüllen, /
[28]
Meine Erzieher Pflicht für das
Wohl der Knaben zu sorgen
dringt mir daher den Wunsch
auf einen andern mit Ihren
Söhnen in einem andern den oben
oben aufgestellten Forderungen
entsprechenden Orte zu wohnen.
Ein solcher Aufenthalts Ort des
Erziehers und seiner Eleven
kann kein anderer seyn,
als ein solcher wo er alles
findet war [sc.: was] er zur Erreichung
seines Zweckes nöthig hat,
und wo er nur gerade das was gerade
für seine Eleven passend ist aus-
heben und zu ihrer Ausbildung
benutzen kann. - Diese Forder-
ungen - an den Wohnplatz des
Erziehers mit seinen Knaben
kann nur ein solcher Ort er-
füllen wo ein sehr gutes Er-
ziehungs Institut ist, weil nur
hier der Erzieher gerade das
zum Nutzen seiner Eleven aus-
heben und einwirken lassen
kann, was gerade für sie brauch[-]
bar ist.
Ich habe um Ew. Hochw. einen solchen
Ort für den künftigen Aufent-
halt Ihrer Söhne mit ihrem Erzieher
den Verhältnissen nach mit /
[28R]
Gründen vorschlagen zu können
mehrere Erziehungs Institute
geprüft, und ich finde keinen
Wohnort für mich und die Kin-
der der den zu machenden For-
derungen und dem Zweck mehr
entspreche als Yverdon am
Neuchater See. Hier ist eines der
vorzüglichsten Erziehungsinstitute
welches die mehresten der deutschen
in mehrerer Hinsicht hin beson-
ders aber in der Unterrichts-
Methode übertrif[f]t. -
Bei meiner übernommenen Pflicht das beste für
die Knaben zu wollen aufzusuchen und Ew
dem Vater - Ew. Hochwohlgeb.
zur Prüfung vorzuschlagen,
kann ich keinen mit den [sc.: dem] Wohl
der Knaben und meiner Pflicht-
erfüllung meh in unmittelbarer genauerer
Verbindung stehenden Wunsch
haben als Ew. Hochwohlgeb.
möchten - nach genauer und
strenger Prüfung des bisher
von mir gesagten - Yve zu den [sc.: dem] künftigen
Wohnwort [sc.: Wohnort] für mich und die Knaben
Yverdon mit mir für nöthig und zweck[-]
mäßig finden. -
Daß Ew. Hochwohlgeb. - als ein
das Beste seiner Kinder wünsch[-]
ender Vater - meinen Vor- /
[29]
schlag, den von dessen Ausführ[un]g mir ich nach meinen Ew.
vorgelegten Gründen als
das einzige[s] nur das Mittel zur Erreichu[n]g
von de
Beste Ihrer Söhne und deren zweckerreichende Erzieh[un]g abhängt
wenigstens einer ernsteren Prüf-
ung unterwerfen werden, bin
ich fest überzeugt, daß es
Ihnen als Vater
der Knaben
jetziges Seyn Leben und die
auf ihre Ausbildu[n]g einwirkenden
Umstände Ew. Hochwohlgeb. als
Vater so wenig als mir dem
Erzieher genügen können, und
das [sc.: da] Sie um das künftige Wohl ihrer Söhne
willen es anders verlangen und
fordern müssen, da die jetzg
da alles dasjenige was in den jetzigen
Verhältnissen auf die Knaben
einwirkt so [sc.: zu] sehr mangelhaft
ist[, um] eine gute Ausbildung und
Erzieh[un]g bewirken zu können.
Was für mich dem Erzieher außer
dem bisherigen die Ausführung
meines Vorschlages noch be-
sonders wünschend macht sind
ist:
1) daß ich die feste Ueberzeugung habe,
daß bei den Knaben in den jetzigen
Einwirkungen wie sie leben, so
wohl ich [sc.: von mir] mit dem besten Willen
und Pflichtgefühl, als auch jeder /
[29R]
andere [sc.: von jedem anderen] an meiner Stelle, wenn
er seine Zöglinge auch eben so
liebt als ich - wenig zu verbessern
möglich ist, da ich
2tens überzeugt bin, daß nichts nach-
theiliger auf die Knaben Erziehung
von Knaben einwirkt als ein
Wechsel der Erzieher mitten in
der Ausbildung. Die In den Jahren die ich
mich zur Erziehung ihrer Söhne
verpflichtet habe, kann ohnmögl.
die Erziehung sämtl. Knaben be-
endigt werden, und ich mir würden
meine Verhältniße wohl nur er-
lauben, so mein die Versprochenen
Jahre hindurch als Erzieher ihrer
Söhne wirken zu können. Mir
als seine Zöglinglinge [sc.: Zöglinge] liebenden
Erzieher könnte nichts beruhigender
seyn, und nicht[s] meinem Streben
und handeln mehr Kraft geben
als das Bewußtseyn meine
Eleven dann immer noch in Verhält[-]
nissen zu wissen die nicht ent-
gegen[ge]setzt sondern meinem Streben
gemäß gleichmäßig auf sie ein-
wirken, und ihnen als Vater
kann nichts erwünschter seyn, als
schon jetzt ihre Söhne an Ve einem
Ort zu wissen wo sie auch einst
wenn den jetzigen Erzieher seine
Verhältnisse abraufen [sc.: abrufen], immer
gleichförmig auf ihre Erziehung gewirkt wird
wegen der künftigen Erziehung ihrer
Söhne, und wo da zumal da
dann, weil dann jene Lehrer am In-
stitut, die Bedürfnisse der Knaben
kennen, auch sonst besonders wegen /
[30]
dem Karl der und Fritz die beide wegen seinem
ihrem Alter, und ihren Kenntnissen
und Seyn nur Unter Leitung
und nach der strengen Prüfung ihres
Erziehers dessen was gerade
ihrem jetzigen Bedürfniß an-
gemessen und gut auf sie
wirkend ist mit Nutzen an einen [sc.: einem]
Orte wohnen können, wo sie
die Vortheile eines Institutes
für sie benutzt und ausge-
wählt werden können, beson-
ders da dann diese Umstände
wegfallen, welche jetzt nöthig
machen, daß die Knaben nur
mit ihrem Erzieher an einen [sc.: einem]
Ort wohnen können, wo sich ein
Institut befindet.
So sehr ich auch hoffe und wünsche, daß
das bisher Gesagte Ew. Hoch. zur
Annahme und Ausführung meines
Vorschlags - meinen Aufenthalt
mit ihren Söhnen künftig Yver-
don
seyn zu lassen - bestimmen
möge, und so wenig ich auch Ursache
zu haben glaube, denselben noch durch mehr künftig noch
etwas
Gründe dafür unterstützen
und geltend machen vertheidigen zu müssen,
so sehr halte ich es doch auch
für meine Pflicht Ew. Hochw.
alles aus dem Wege zu räu-
men was der Ausführung im
Wege stehen könnte. Ich halte es daher für nöthig auch das Ökonomische zu er-
wähnen daß und die Ausgaben
in Yverdon mit den Ausgaben /
[30R]
zu vergleichen welche der jetzige Un-
terricht und die damit verbunde-
nen Umstände verursacht.
Aufwand in
Frankfurt
Aufwand in
Yverdon
Aus diesem Ausgaben Vergleich
folgt wenigstens klar, daß der
Aufwand auf die Erziehung
der Knaben dadurch das [sc.: daß] sie mit
ihrem Lehrer in Yverdon wohnen
nicht vermehrt, sondern eher
um etwas vermindert wird;
daß also der KostenAufwand
der Ausführung meines Vorschlages keinesweges
ein Wege stehe Hinderniß seyn kann.
Da ich von Ew. Hochwohlgeb. väterl.
Gesinnungen, welche nur das
Beste ihrer Kinder wünscht,
überzeugt bin, daß sie mit
mir nichts mehr finden wer-
den, was der Ausführung mei-
nes, Vorschlages nur einzig
das einstige und bleibende Wohl
der Kinder und insofern meine
PflichtErfüllung bezweckenden
Vorschlags, - Hinderniß wer- /
[31]
den könne. In dieser Hoffnung
theile ich Ihnen als Vater mit Beständiger und unablässiger
Rücksicht auf das bis jetzt vom
Anfa[n]g bis jetzt Gesagte mit zugl.
den Plan mit den ich bei der
Erziehung der Knaben ich [sc.: in] Yver-
don
von [sc.: vor] Augen haben würde.
Um die Knaben beständig um mich
und unter meiner Aufsicht
zu haben und um mich von ihren beständigen
Thun und Seyn unterrichten zu können würde ich mit ihnen
zugleicher Zeit im Institut
wohnen. -
In der erstern Zeit unseres
Aufenthaltes im Institut würde
ich den Knaben durchgehends
Antheil an allen dort den Ele-
mentar Unterricht Antheil
nehmen lassen der dort gegeben
wird; ausgenommen daß ich Karln
vielleicht höhern allgemeinen SprachUnterricht
geben würde. - In dieser
Absicht würde ich In den ersteren Tagen meines
Dortseyns in Yverdon würde ich
den Unterricht in den [sc.: der] Verschiedenen
Gegenständen und Klassen nach
den
in Bezug auf die Bedürfnissen meiner Eleven
prüfen um jeden in den Gegen-
stand und [die] Klasse einzuführen anzuweisen
welche ich für seiner Fassung[s]kraft
am angemessendsten finde. -
Während der Zeit wo die Knaben
den erstern ElementarUnter-
richt erhalten würde ich nicht
nur ihre Lehr- und Unterrichts-
stunden besuchen, um sie in
denselben zu leiten und um
sie ihrem Bedürfnisse nach weiter
zu führen und um sie ihre Fähigkei-
ten genau zu prüfen, sondern
ich würde diese mir dadu nun
werdenden Freistunden besonders
dazu benutzen um mich zu den [sc.: dem]
höhern Unterricht auf dem [sc.: den] Karl /
[31R]
wegen seines Alters und wegen
seiner Verhältnisse nun doch sehr bald
Anspruch machen kann und machen muß, so vorzu[-]
bereiten, daß ich der Erreichungs [sc.: Erreichung] meines Zweckes - eine
vollkommene Erziehung und Aus-
bildung ihrer Söhne versichert
wäre, da mann [sc.: man] nur dann
guter Lehrer und Erzieher wer-
den kann wenn man die Sache in die man seine Zöglinge einführen
soll nicht nur weiß, sondern auch
habituell zum beständigen Augen-
blickl. Gebrauch besitzt.-
Ich würde also Karln zuerst
und dann den Knaben meinem
Plane gemäß und zwar Karln
zuerst nach Maaßgabe seiner
Fortschritte in dem Elementar-
Unterrichte, wo und wenn sie
durch diesen zu den höhern Unter-
richte gehörig vorb[er]eitet wären
[links neben dem vorigen Absatz:]
Den höheren Unterr
Den höheren Unterricht würde
ich also meinem Plane gemäß
bei ihren Söhnen einzig selbst über-
nehmen, da man nur bei einem
privat Unterricht demselben [sc.: denselben] ganz
zweckmäßig und, den Forderung[en] und den
Verhältnissen der Eleven gemäß
wählen u. ertheilen kann. Ich würde also
Diesen höheren allgemeinen Unterricht würden
ihre Söhne nach <und nach> von halbJahr zu halb Jahr nach, von halb Maaßgabe ihrer
Fortschritte in den [sc.: dem] Elementar-
unterrichte und wenn wie sie durch diesen zu
den höhern Unterrichte jenem gehörig
und so vorbereitet wären daß
sie denselben mit Nutzen be-
komm[e]n können und zwar Karl
wegen seinem Alter, zuerst

von mir erhalten. Karl
würde wegen seinem Alter
diesen /
[32]
höhern Unterricht zuerst, und
wie ich schon oben sagte viel-
leicht gleich mit unser im
Anfang unseres Seyns in Yver-
don
den höhern Sprach Unter-
richt erhalten. So da Sobald
Karln in den Cursus des Vor[-]
bereitungs oder Elementar
Unterricht dann beendigt haben
würde würde er in der letzteren Zei[t] allen höhern
Unterricht dan
blos von mir
Unterricht erhalten, den Unterricht in der Naturge-
schichte nach ihren Zweigen und
Naturlehre, die Erdbeschreibung
nach ihren Verschiedenen
. Und so würden
die andern ihren Fortschritten
und Alter nach bis zu der Zeit nachfolgen. -
Dieß ist der vo Die Unter
Mein letzter Unterricht den die
Knaben erhielten würde dann
der Natur Gemäß in einem
zusammenhängenden Ganzen, den
Unterricht in der Naturgeschichte
und ihren Zweigen, der Naturlehre,
der Erdbeschreibung nach ihren
verschiedenen Rücksichten und
die von diesen Gegenständen
unzertrennliche Völker[-] und Mensch[-]
engeschichte und was sich hier anschließt,
Sprachen und Kenntniß der alten
Klassiker u. neuern klassischen
Schriftsteller enthalten, und sich
so als ein Ganzes schließen. Religions
Dieses ist der von mir Unterricht
würden die Knaben im Institut
erhalten; da er
Dieses ist der Erziehungsplan, den
ich bei genauer Prüfung des dafür
und dawieder [sc.: Dawider], nur mit Gründen /
[32R]
für Ihre Söhne als Gut und zweck-
mäßig erkennen kann und als solchen meiner
Pflicht gemäß zur ernsten
und strengen Prüfung
empfehlen muß; und der
sich [sich] aber auch blos in seinem Umfange nur beim Leben mit den
Knaben mit in Yverdon ausführen
läßt, da ich keinen Or sonst 1)
nicht mögl. ist der Knaben seyn
ohne Umgang mit gutartigen Knaben zu
bessern, weil kein guter Erzieher
Frankf. leid gerne sehen wird die Knaben
mit seinen Zögl. in Verbind[un]g
zu bringen - denn nur ausge-
wählte Gesellschaft kann bessern
da hingegen andere immer ver-
schlimmern muß - und weil
ich 2tens keine Erziehungs An-
stalt in Deutschl. kenne wo der Elemen-
tar Unterricht besser und zweck-
erreichender wäre als in Yver-
don
, denn von einem Vergleich
mit Schulen und besonders mit
den Schulen Frankfurths kann
hier gar nicht die Rede seyn.
Nachdem was ich bisher sagte kann
von der Zeit in der dieser Plan
auszuführen sey, gar nicht
mehr die Rede seyn, da aus
allen dem was ich bisher sagte
nur mit zu sehr großer Gewißheit her-
vorgeht, daß jede Zeit,
die bis zur Ausführung ver-
flöß[e], Schaden und Unheil
bringend für ihre Söhne seyn /
[33]
würde seyn müßte. - Kaum glaube
ich daß ich nun noch nöthig habe
Ew. Hoch. den Wunsch aus[-]
zusprechen wenigstens zu
müssen, daß das ganze schon
in dem nächsten Monat aus[-]
geführt werden mögte. Wäre
es nicht indiscret von mir,
so möchte ich diesen Wunsche
gerne so sehnl. aussprechen,
als er um des Wohls ihrer
Söhne meiner Liebe zu ihnen willen und um meiner
Pflichterfüllung willen, in mei-
nem Innern liegt, liegen muß.
Ich bin nun fertig u. habe jetzt gar nichts mehr
zu dem was ich Gesagten hinzu-
zufügen als daß mir durch dieses Ew. Hochw. [gemachte] Mittheilung
verschaffte das frohe mich beruhigende Bewußt[-]
seyn verschaf[f]t meine, als
Erzieher Ihrer Söhne übernommene
Pflicht - durch das was ich Ihnen
jetzt überreicht habe
so weit
erfül[l]t zu haben als mir jetzt
mögl. wurde.
Glücklich schätze ich mich - durch
dasjenige was ich jetzt Ew. H.
überreicht habe ein Dokument
in den Händen zu machen haben
wodurch ich mich einst - wenn
auch Ew. Hochw. meine Gründe
nicht wichtig genug finden sollten
meinen Erziehungs Plan für
Ihre Söhne zu billigen - wodurch /
[33R]
ich doch wenigstens einst Doku-
ment in
Ihren Söhnen wenn
sie mich - wegen ihres Seyn[s]
als gewesen[er] Erzieher zur
Verantwortung ziehen sollten,
dokumentiren kann, das
ich ihre [sc.: ihr] Bestes wünscht[e] u. wollte u. alle
die Mittel die ich dazu in
Händen hatte benutzte. -
Ew. Hochw. Von hoffe ich durch alles das
bisher gesagte die Uebe[rzeu]gung
gegeben zu haben, daß ich
daß ich [sc.: des in] mich gesetzte[n] Zu-
trauen[s] der mir die Er-
ziehung ihrer Söhne zu über-
tragen würdig bin u. ver-
diene. -
Mit innigster und vollkommendster
Hochacht[un]g für den Vater mei-
ner Eleven, empfehle ich
mich Ew. Hochwohlgeb. un-
terthänig.
[darunter hochkant:]
August Fröbel
Frö /

[34]
[linke Spalte:]
Gn. He. lassen Sie sich ja nicht durch die
Bogenzahl dessen was ich Ihnen hier
übergebe abschrecken, lesen sie es durch,
lesen sie es ja ganz u. bald durch.
Was es betrif[f]t nichts W ist sehr wichtig es ist das Wohl ihrer Söhne.
legen sie es nicht aus der Hand ohne es ganz gelese[n]
zu haben.
So sehr aber auch schon das allgemeine
Seyn der Knaben ernstlich und unaus-
weichlich den Wunsch aufdringt sie
in andere eingreifender[e] und den
Forderungen ihres Seyn[s] gemäß
eingreifendere
angemessnere
Verhältnisse zu bringen, so fordert
dieses noch ernster und dringender
das Seyn und Wesen vom Karl.
Sehr leid thut es mir, um meinet
willen, daß ich hier etwas erwäh-
nen muß, was ich lieber übergehen
würde, wenn mich nicht mein Ver-
sprechen für das Künftige Wohl von
Karl wie für mein eigenes
zu sorgen, ernstlich dazu aufforderte
es ist das persönliche Betragen
und Seyn Karl's gegen seine Lehrer Erzieher
und die ihm eigene Idee die er von
demselben [sc.: denselben] hat, und wie er sich zu ihnen
stellt.
Ich habe zwar schon oben S:..... dar-
auf hingedeutet und ich glaubte
um meinet und Karls Willen eine[r]
nähere[n] Auseinandersetzung über-
hoben zu seyn, allein die tägl. Erfahr[un]g[en]
leiden es nicht.
Erstlich hat Karl ein einer kürzl. Un-
terhaltung die ich mit ihm hatte, bei-
nahe so deutl. wie es hier steht
ausgesprochen: daß er glaube es gereiche
einem Erzieher zur besondern persönl.
Ehre ihm [sc.: ihn] zu erziehen zu dürfen - ja er
ging sogar so weit, daß er gar nicht die Mei Vorwurf Anklage widerlegte sagte er
sein Erzieher müsse sich besonders geschmeichelt
fühlen öffentl. in Karls persönl. Gesell- /
[34R]
schaft zu seyn, z.B. mit ihm dem
Karl spazieren gehen zu können.
Dieser Gedanke liegt so durchdacht und
Klar im Karl, daß er fest glaubt
es werde, durch seines lieben Ichs
Gesellschaft ein Strahlenkranz um
seinen Erzieher verbreitet.
Wie sehr schwer schon bei solchen Gedanken
des Zögling[s] dem Erzieher das Erziehung[s]
Geschäft wird hoffe ich nicht aus-
sprechen zu dürfen, doch läßt
dieses hoffen nicht allen Muth ver-
liehren [sc.: verlieren]. - Aber wie steht der
Erzieher zum Zögling wenn ihm dieser
sagt, - wie Karl mir mehrmalen theils sehr
oft, theils letzlich sagte sagte.
[links neben dem vorigen Absatz:]
Wenn sich der Zögl. Vergleiche seines Erziehers
erlaubt, die ihn als einen gemeinen Menschen
wenigstens als einen sehr tadelhaften Erzieher
darst[ellen]
Ich bin doch wohl mein eigner Herr,
ich kann doch wohl thun was ich will,
strafen will ich mich nun eben nicht
lassen - mich todtschlagen zu
lassen daß brauche ich nun eben
nicht - ich will nun aber dieses
thun und sie können mir es doch
nicht verwähren [sc.: verwehren] - Nun sie
lassen mich doch gewiß gehen,
lassen sie mich gleich den Augen-
blick los, alles dieses wird
nicht nur mit einem Geberden [sc.: Gebärden]
ausgesprochen die oft Verachtung
und ich mag gar nicht ausprechen
was alles bezeichnen, nein er
kann sich geht so weit daß er /
[35]
seine Gesinnungen durch Thaten be-
zeugt - Schlagen und stoßen nach mir
ist eine gewöhnl. Äußerung seiner
Unzufriedenheit mit meiner Hand-
lungs weise, allein er ist letzl.
so gar so weit gegangen, daß
er mich so in den Arm piß [sc.: biß] daß
der Geifer und die Zähne auf
meinem Rock standen; da ich mich
bei diesen Äußerungen gewöhnl. immer
ganz kalt bezeige, so wird er
nur noch wüthender, und das
Ende von allen solchen Scenen [sc.: Szenen]
ist immer daß er mich mit
grintzender Stimme und schrecklich
verzerrtem Gesicht anschreit <nun>
lasse ich Ihnen aber auch ganz
gewiß gehen kommen nur nicht
wieder zu mir. -
Daß Was hier wo es in des Zöglings Seele so aussieht so wohl ich mein als jedem
andere[n] Lehrer einzelnen Erzieher[s] ebenfalls bestes Wollen wenn es [sc.: er] ganz allein und beständig immer
mit den Knaben lebt und gar
nichts anderes auf letzteren einwirkt,
daß hier das beste Wollen jedes
einzeln stehenden Lehrers und und wahrhaft,
wenn er die humanität und
die Män[n]lichkeit selbst ist wäre noch thun
kann wo es in des Zöglings Seele
so aussieht ist wohl nichts was
einger Rücksicht verdient und
was Kraft- Zeit- und Willen-
Aufopferung werth wäre

wenig, und nur höchst unvollkomm[ene]s wenigstens gegen daß was er
thun sollte
- leisten kann bedarf
wohl keiner Auseinandersetzung[.]
Die Ursache warum ich dieses noch sage ist blos keine andere als
die um zu beweisen wie wenig ein einz in jetziger
Lage auf Karln und auf sämtl. einzuwirken <nocl.> [sc.: noch mögl. ?] ist[.]
[Text bricht ab]