Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 3.5.1807 (Frankfurt/M.)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 3.5.1807 (Frankfurt/M.)
(BN 435, Bl 3-4 u. KN 10,3, Brieforiginal 1 B 4° 4 S. + 1 Bl 4° 2 S. - Zusammengesetzte Reinschrift aus Archivalien aus BN u. KN, guter Anschluß, mehrfach tw. ed. / zit.)

Auf der Öde am 3ten May 7/:
Du wirst es auffallend finden mein geliebter Bruder; daß Du nach einem so langen Stillschweigen
von mir, nun seit so kurzer Zeit jetzt schon den dritten Brief von mir erhältst. Allein ich glaube das
Auffallende davon wird auch Dir verschwinden, wenn Du Dir auf kurze Zeit das Ganze vor Augen stellst.
- Mein vorhergegangenes langes Stillschweigen, als auch jetzt die kurz nach ein ander an Dich ge-
schriebenen Briefe waren Wirkungen und Folgen meiner Entwickelung und der Art und Weise wie die-
selbe bis jetzt geschahe. - Entwickelung und Bildung sind Effekte des inneren Bildungstriebes und
der zu Gunsten denselben in Thätigkeit setzen[den] äußeren Umstände und Verhältnisse die auf das sich
bildende Individuum einwirken. - Die Ausbildung geht schon als scholche [sc.: solche] verschieden, und wir
können 3 verschiedene Arten derselben annehmen, die aber nie einzeln rein in einem Individuum
vorkommen; die Entwickelung und Ausbildung geschieht 1) entweder unmerklich nach und nach, gleichsam
fließend oder wachsend, oder 2) Schritt vor Schritt, Stufenweis, 3 oder in ungleichen ZwischenRäu-
men. Sprungweis. Aber auch in jedem einzeln[en] Individuum geht die Entwickelung nicht immer
nach einem Gesetzt [sc.: Gesetz] vor sich und die Art der 3 verschiedenen Arten derselben wechseln nach
dem Alter, den Umständen und Verhältnissen in nicht zu bestimmmenden Verschiedenheiten mit ein
ander ab. In Zeiten wo die innere BildungsKraft am stärksten, wo der Bildungstrieb Nahrung erhält
wird der Erkenntnißkreis - /: eigentlich die wahre innere Welt jedes Menschen, die Sphäre in der sich der
Geist eines Menschen bewegt:/ oft wie durch einen Blitzstrahl, manchmal b[l]os durch Anschauung einer
Blume u[nd] d[er]gl[eichen] erweiter[t] eine vorher nicht geahndete Tiefe und Weite erhalten. Aber je die-
fer [sc.: tiefer] und weiter der Erkenntniß-Kreis des Menschen, die Sphäre ist in der sich sein Geist bewegt, desto
gleichmäßiger und ruhiger muß sein Gang, desto bleibender und endlich unverrückbarer muß der
CentralPunkt seiner Sphäre, seines inneren Lebens seyn.--
In jedem meiner vorhergehenden Briefe habe ich mich immer ganz so gegen Dich ausge<sprochen>,
als ich in mir stand und mein Seyn ohne so geschildert als ich es selbst kannte. Mein Bildungstrieb
und das Verhältniß das ich mir als Wirkungskreis gewählt hatte, forderten mir [sc.: mich] zur ununterbroch-
enen Fortbildung auf, daher kam es wohl manchmals, daß mein Erkennen, bei Absendung des
Briefes schon, Manches mehrseitiger erkannte, als beim Niederschreiben meiner Ansicht.
Beinahe dieses, obgleich nur in der Ahndung trat ein, als ich den letzten Brief an Dich auf die Post gab.
Von der Vorzüglichkeit meines Dir mitgetheilten Planes innigst überzeugt, suchte ich nicht nur, währ-
end dem Durchdenken desselben, sondern auch beim Nieder- und Abschreiben des Dir Mitgetheilten, alle
Verhältnisse kennen zu lernen, die mir entweder die Ausführung jenes Planes befördern, oder die
ihn sie hindern könnten. - Meine jetzigen Verhältnisse drängten sich mir je mehr als je auf, und und [*2x*] [ich] mußte
sie, da eine entscheidende Krisis in Bezug auf dieselbe[n] sich mir nahete, sie mehr als je zu erken-
nen suchen. Gleich Als ich den Letztern Brief an Dich ab[g]eschickt hatte trat sie ein, doch mein Muth, meine
Entschlossenheit und meine Standhaftigkeit überstand sie glücklich und ich entfernte alles von
mir, was nachtheilig und meiner Bildung hindernd, so weit in meinen jetzigen Verhältnissen mir es mög-
lich machten
auf mich einzuwirken drohete auf mich einwirken konnte. Alle Einwirkungen auf mich
alle Erfahrungen die ich in und außer mir machte reihete ich an die Ausführung meines Planes, und ich kann [sc.: kam] bald
zu der festen Überzeugung:
daß ich
daß je mehr ich der entsprechenden Ausführung meines Planes und der gehof[f]ten Wirk-
ungen um so sicherer sey, je mehr ich die Kraft und die Mittel, die dazu nöthig sind in
mir vereinigte.
Um mir dieses möglich zu machen untersuchte und prüfte ich genau und streng meine Verhältnisse
/
[3R]
und mich und kam so zu dem Resultat, das bald mir Entschluß und Vorsatz wurde:
noch einige Jahre in meinem jetzigen Verhältniße zu leben, und
Zu diesem Entschluße und Vorsatze dann erst meinen Plan obgleich auf einem etwas ver-
änderten Wege auszuführen.
Zu diesem Entschluße und Vorsatze bestimmte mich folgendes:
1. Veränderten sich nun meine Verhältnisse, so wie ich
längst gewünscht und woran ich immer gearbeitet hatte, daß nämlich nur ich Erzieher mei-
ner Zöglinge wurde, und nicht auch mehr oder weniger die Anverwandten, deren
Einwirkungen im Durchschnitt 3 mal so viel schaden als der Erzieher gut zu machen im Stande
ist. -- Die Art und Weise der Erziehung wurde mir endlich nach der letzten Krise ganz
eingest überlassen. Die widrigen Einwirkung verschwanden so viel als es  sich nur in irgend
einem Verhältniß des Erziehers zum Eltern bei der jetzigen Überbildetheit der Welt mögl.
ist, durch die letzte Bewilligung des Vaters, daß die Kinder nur bei und mit mir leben
können. Kurz ich stehe jetzt als Erzieher so, daß ich - von alle dem was ich thue und von
der Art und Weise wie ich es thue nur mir Rechenschaft zu geben schuldig bin
, und daß
ich in Bezug auf die Kinder alle Rechte des Vater[s] uneingeschränkt habe. (: Daß es Erneu-
erung dieses Rechtes bedarf, daß es bei der Ausübung desselben manchmall Hindernisse und
trübe Gesichter setzt, bedarf keiner Erwähnung; genug wenn das Recht da, und wenn
es ausführbar ist, was schaden kleine Hindernisse.:)
2. Die ausge[ze]ichnet herzliche Liebe meiner Zöglinge zu mir, die besonders bei den beiden jüngsten
so innig so kindlich ist, als nur die eines Kindes zu seinem Vater immer seyn kann.
Alle 3 arbeiten mit sichtbarer Anstrengung und Aufmerksamkeit an ihrer Bildung
und ich habe das Vergnügen jetzt schon, besonders seit der Einwirkung des Frühlings
meine Kinder ganz verändert zu sehen, so daß sie gerechte Hoffnung zu guten
Knaben geben. Der älteste dem die Verhältnisse tief und schmerzlich verwundet,
dem gleichsam der Krebs am Innerste[n] nachte [sc.: nagte], macht mir zwar - da ich ihn wirkl.
liebe vielen Kummer, doch hoffe sollem [sc.: sollen] sich die Folgen seiner Verziehung doch nach
und nach verliehren ob sie gleich immer - wenigstens für den Erzieher und ihn sicht-
bar seyn werden. - Der mittlere Knabe - dessen so herzliche Gutmüthigkeit und
dessen Äußerungen seiner Liebe mich - bei den Verhältnissen worin er lebt - manchmal
wehmüthig stimmt, dieser Knabe der so äußerst zerstreut und oft gedankenlos
beim Unterricht war, hat aus Liebe zu mir, diesen Fehler schon in einem hohen Grade
abgelegt, und ich habe oft das Vergnügen, den Kampf mit sich selbst zu bemerken.
Der jüngste, 7 Jahr alt, ist einer der vollkommendst Organisirten Kinder, die ich
mir denken kann, voll herzl. in[n]igster Liebe, voll Verstand u. innerer Kraft, und gesund
ein Knabe, dessen Äusserung[en] mir oft als die eines Engels erscheinen. Dieser Knabe
verschaf[f]t mir oft in meinen jetzigen Verhältnissen, den reinsten Seelengenuß.
3. Da den Verhältnissen, in den[en] meine Zöglinge leben, gemäß, unaussprechlich viel auch sie
Ruinirendes und Verderbendes auf sie einwirkt, dem sie ohnmöglich wiederstehen, sondern
das sie vielmehr auf immer ergreifen und im Abgrund des Verderbens ziehen würde,
da auch mein das Verhältniß der Erzieher dieser Kinder in diesen Verhältnissen zu seyn
so viel Abschre[c]kendes in sich hat, daß sich nicht leicht, ein Mann, mit Liebe und An-
strengender Aufopferung derselben [annehmen] würde, und also die Erziehung meiner Eleven
höchstens /
[4]
        ein solcher übernehmen würde, der die Erziehung der Kinder anderer, als Handwerk und Broder-
werb betrachten, kurz in alle dem was er thäte, als ein, um klingenden Lohn Arbeitender
handeln würde, so hat mich die Mutter meiner Zöglinge sehr gebeten, die Erziehung ihrer Kinder
nicht aufzugeben, sondern sie [so] weit als nur immer möglich zu beendigen, und ich bekenne Dir
als meinem Bruder, daß diese herzliche Bitte der Mutter, und die Erkennung des hohen Zutrauens, der hohen
Achtung meiner, und der Würdigung als Erzieher welches mir durch die herzvolle Bitte der
Mutter wurde, mich sehr bestimmte die angefangene Erziehung wenigstens so lange als möglich
fortzusetzen.
4. So bald ich dem Wunsche der Mutter reiferes Nachdenken gegeben hatte, schien es mir doch, als daß, wenn
ich meinem Plan auf die Dir mitgetheilte Weise ausführen wollte, ich mich, wenn ich auch die
berechnete Unterstützung erhielte, - ich mich doch in ein Labyrinth von ökonomischen Sorgen
verwickeln würde, aus denen ich mich schwer würde heraus finden können. - Einmal
würden mir nächste Michaelis immer noch eine Quantität von vielleicht 100 rth. Schulden bleiben.
Zweitens wäre die Unterstützung des Bruders doch blos auf die nächsten 2 Jahre, und
dann wenn ich am nöthigsten Geld zur Errichtung meines eigenen Herdes brauchte, wäre
ich nicht nur Geldleer, sondern auch die noch letzte Quelle einiges zu erhalten wäre erschöpft,
und es konnte also dann noch immer seyn daß mein Plan, wenn auch nicht eher doch am
Ende scheiderte [sc.: scheiterte]. Dagegen habe ich das Ver
5. das Versprechen erhalten, daß von nächste Joh: an mein Gehalt bis zu 60 Carolins
oder 240 Laubthaler erhöht werden soll, da ich in diesem Jahr blos 50 Carolins oder 200 Laubthaler
hatte, (Bei dieser Summe muß ich jedoch meine Wäsche bestreiten, die mir jährl. ohngefähr 6 Carolins kostet.)
Durch diese Erhöhung meines Gehaltes habe ich nicht nur die Hoffnung mit nächste Ostern ganz
und gar schuldenfrey zu werden, sondern sogar einiges Geld baar in die Casse zu er-
halten. -- Eben so sehr als alles dieß bestimmte mich noch
6. unser die ökonomische Lage von uns Brüdern sämtlich, besonders aber Deine Sorgen für die Re-
gulirung und Verbesserung von Traugotts Verhältnissen. - Ich ahndete daß Du jetzt sehr damit
beschäftig[t] seyn müßten [sc.: müßtest] und daß Du manche Kummervolle Nacht haben würdest, wenn Du ihn
nicht so helfen und seine Lage nicht so verbessern könntest als Du wünschest. Ich ahndete und
dachte mir, daß Dir jetzt mein Brief nebst seinen mancherliche[n] Bitten, besonders meine
Ansprüche an Deine Verwendtung und Unterstützung - besonders aber die vorhabende
Veränderung meiner Lage, durch die alles dieses hervorgebracht würde - sehr zu[r] unrechten
Zeit kommen müßte, und daß Du Dich unter diesen Umständen schwer dafür bestimmen
noch weniger aber mir Hoffnung zur Bruder Christ[ian] Unterstützung machen würdest und
könntest; Auf der andern Seite traute ich Dir doch auch - so vielseitig Du auch in Anspruch ge-
nommen und beunruhigt wirst - doch Partheilosigkeit genug zu, daß Du mein[en] Plan als Plan
gehörig würdigen und ihn in seiner Vorzüglichkeit erkennen würdest, aber um so mehr glaubte
ich aber auch daß es Deiner brüderlichen herzlichen Liebe zu mir sehr wehe thun müsse, mich in
einem Zeitpunkt, der dem Anschein noch voll so herrlicher Folgen für mich seyn würde ohne
Unterstützung zu sehen. Habe ich mir wohl zu viel gesagt, wenn ich mir dachte daß dieß,
wenn auch nicht Deine Sorgen vermehren würde könnte, doch Dich sehr schmerzen müßte? -
Dir also jene Sorgen zu entfernen, und Dir kein schmerzliches Gefühl zu verursachen, eilte ich zur
Mit[t]heilung meines Entschlußes. Doch vernichtet und zerstöhrt dieser keines weges meinen Plan, son-
dern modifizirt nur die Art der Realisirung desselben etwas, und setzt das Ziel der vollendeten
Ausführung und Realisirung vielleicht um etwas hinnaus [sc.: hinaus]. Wie ich jetzt darüber denke u. was ich
mir jetzt darüber sage ist folgendes[:] /
[4R]
Ob gleich meine Zeit zu meiner eigenen Fortbildung gegenwärtig beinahe durch das Seyn mei-
ner Eleven beinahe ganz eingeschränkt ist, so sammle ich mir doch eine Menge von Er-
fahrungen über Erziehung und Unterricht, und so wird doch mein Urtheil über die mein-
ung und Vorschläge anderer immer mehr freyer, und es wird mir dadurch leichter möglich
von einer Menge scheinbarem Guten das wahre Gute zu unterscheiden.
Überdieß soll auch diese Große Beschrän[c]kheit meiner Zeit, nur bis Michaelis höchstens
bis nächste Ostern dauern wo dann der älteste - nach meinem Vorschlag auf das hiesige
Gymnasium kommen soll. Geschieht dieses, so lebe ich dann mehr als die hälfte
leichter, da dieser Knabe meine Kraft durch die ununterbrochene Aufsicht die man auf
ihn haben muß, außerordentl[ich] in Anspruch nimmt. Von jener Zeit an, habe ich mir
vorgesetzt, dann so wie es nöthig ist mir selbst zu leben. Jetzt kann ich freylich, nur
erhaschte Augenblicke zum Fortbilden meiner anwenden; doch auch dieses abgebrochene zertheilte
Arbeiten kann von Nutzen seyn und zur dem Streben nach Vollkommenheit vieles geben, wenn es
ganz im Geiste meiner beständigen Beschäftigung geschieht, und von nichts Fremdartigen
unterbrochen wird -- und dieses kann geschehen so bald ich Sorgenfrei leben kann, und
dieses wird geschehen, so bald die wirkl, für meine jetzige jährliche Einnahme, wenigen
Schulden abgetragen sind, -- dieses zu beschleunigen ist jetzt meine größte Sorge, da
mich nichts mehr zerstreut und meine Geistesthätigkeit nichts mehr hindert, als das
Bewußtseyn, anderen Schuldner zu seyn. -- Wie ich Dir schon oben sagte - da bleibe ich nun
in meinem jetzigen Lage Verhältniß bleibe so habe ich die Gewißheit bis Ostern bis die-
ses Bewußtseyn verschafft zu haben. -- /: Mit welchen verdoppelten Schlägen, schlägt
mir bei diesem Gedanken mein Herz:/ -- Bin ich frei von diesen Ketten -- denn ich kenne kaum
etwas schrecklicheres als Schulden -- so werde ich die Erde in ihrer Schönheit und den Himmel in
mir tragen und unabhängig von Schicksal u. Menschen einher treten können.
Um nun aber doch auch in meiner jetzigen Situation die Lücken, die sich in Hinsicht des Erkennens
in mir befinden auszufüllen, werde ich mir eine Handbibliothek von den besten Büchern meines
Fachen [sc.: Faches] und den mit demselben in Verbindung stehenden Zweigen der Wissenschaften anschaffen,
Dich dieses wird mir nicht nur leicht möglich werden, sondern auch für mein künftiges Leben
im eigenen Kreise, sehr, ja wesentlich vortheilhaft seyn, da ich mir dieses meine ökonomischen
Verhältnisse einst doch nicht so wie jetzt erlauben würde[n]. Dadurch werde ich es mir möglich
machen mich
-- wenn aus [sc.: auch] alles mißglücken sollte -- in jedem Verhältnisse, auch dann
wenn es mir nur das tägliche Brod gewährte, fortbilden zu können
. Ich glaube daß
ich diese Wirkung meiner jetzigen Lage sehr zu beherzigen habe. Überdieß giebt mir vielleicht mein
jetziges Verhältniß - obgleich etwas später als sonst geschehen wäre Gelegenheit,
meinem Plan noch ganz so wie ich Dir mittheilte auszuführen. Die Eltern meiner
Kinder wünschen zwar daß ich auch die Erziehung des jüngsten Knaben der 7½ Jahr alt ist, be-
endigen soll, allein da ich mich unmöglich dazu verstehen kann, so ist mir Hoffnung gemacht
worden den ältesten Knaben der jetzt 13 Jahr alt ist, nach 3 oder 4 Jahren auf die Univer-
sität nach Göttingen zu begleiten, da er auf jedem Fall mit einem Erzieher dahin gehen
soll. Dieß sind die Vortheile die mir mein jetziges Verhältniß - wenn ich in dem-
selben bleibe, zur Ausführung meines Planes anbietet und giebt. Das hohe
Interesse das dieser für mich hat und die außerordentliche Liebe mit der ich an seiner Aus-
führung hange, wird mir [sc.: mich] jede Gelegenheit zu dieser benutzen lassen. -- Für Karln
-- dem ich kürzl[ich] einige Winke über die Benutzung seines letztern halbjährigen Aufenthalts in
Jena geschrieben habe -- werde ich, so viel ich nur immer kann besorgt seyn, und
mir die Verbesserung seiner Lage zur Angelegenheit machen, was mir hoffentl. gelingen
wird. /
[Briefschluß KN 10,3:]
Dieß ist die Ansicht meines jetzigen Verhältnisses die ich jetzt habe, und die Bestimmung desses wie ich für
Karln wirksam seyn will. --
Damit ich aber jetzt ungestört und sorgenfrey jeden Augenblick zu meinem Zweck benutzen kann, werde ich an Bruder Christian in Osterode schreiben und ihn um einen Vorschuß
von 100 Laubthalern bitten, -- womit ich alle meine Schu Zahlungsfälligen Schulden nicht nur
tragen und bezahlen kann sondern auch einiges baares Geld für mich be-
halten werde. Daß ich diesen Vorschuß bis nächste Ostern zurück zahlen kann und werde
wirst Du leicht einsehen.
Schreibst Du vielleicht gelegentl[ich] dem Bruder, so sage ihm, daß er mir Du meine
Lage besser kennst als ich im Stande bin sie ihn [sc.: ihm] mitzutheilen, -- daß er mir diese
Bitte, wenn er könne, erfüllen möge.
Ich wundere mich sehr daß dieser Brief der meiner Idee nach nur einige Zeilen ent-
halten sollte, so lange worden [sc.: lang geworden] ist, und ich bitte Dich auch wenig [sc.: wegen] dieser Länge, die Dir
vielleicht läst während dem Lesen lästig war, sehr um Verzeihung! sei nicht böse mit
mir die Absicht war gut ich wollte Dir, zu Deiner Beruhigung und zu Deiner vielleicht
nöthigen Aussöhnung mit mir, blos meinen Entschluß, und die Gründe schreiben, die mich
zu demselben bestimmt haben, damit Dir mein Handeln als das was es ist, als ein
Handeln nach festen bestimmten Grundsätzen, und ja nicht als ein Hin- und -Herschwan-
ken erscheine. --
Dein langes Stillschweigen läßt mir vermuthen, daß Du sehr mit Traugotts Ver-
hältniß beschäftigt bist; ich bin sehr erwartungsvoll, und bitte Dich mir sobald etwas
zu schreiben, als seine künftige Lage bestimmt ist. - Grüße Deine Liebe Frau
und ihn herzl[ich] von mir, bringe mich manchmal bei meinem Patchen ins Gedächt-
niß und erzähle ihnen viel Gutes und ihr kindliches Gemüth mit Freude und Froh-
sinn Stimmendes, von Deinem Dich und sie herzlich liebenden, zufriedenen, und sich
des herrlichen Frühlings in einem Garten voll lieblich blühender und angenehm duftender
Gewächse innigst freuenden Bruders August. --
An meinem dießjährigen 25sten Geburtstag war ich sehr heiter und glückl[ich], denn
meine zwei jüngsten Eleven - der älteste war krank, machten mir mit
ihrer jün[g]sten Schwester sehr viele hohe, recht kindliche Freude. --