Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 8.3./13.3./21.3.1808 (Frankfurt/M.)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 8.3./13.3./21.3.1808 (Frankfurt/M.)
(KN 11,1, Brieforiginal 7 B 4° 27 S., mehrfach teiled./zit.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Auf der Öde bei Frankfurt a/M am 8 März 1807 [sc.: 1808] /:

Mein guter geliebter Bruder!
Recht freundlichen herzlichen Dank sage ich Dir für die lieben und angenehmen Geschenke die Du mir in den letzt vergangenen Wochen gemacht hast. Dein Brief war ein sehr lang und heis gewünschter schriftlicher Besuch von Dir mein Bruder darum sage ich Dir auch nochmals meinen Dank dafür, aber verzeihe mir die kleine Freude, über das Vergeltungs Recht welches ich <  > erkannte als ich in Deinem Briefe las, daß mein langes sehnliches Warten auf einen Brief von Dir, mit einiger Unruhe, welche Du beim Wiederdurchlesen meines letzten empfunden, gerächt worden sey. Doch ich bin ja schon daran gewöhnt, und ich will recht innig froh seyn wenn ich alle halbe - höchstens alle 3/4tel Jahre Nachricht von Dir erhalte.
Dein Brief hat mir - so manches Unangenehme er auch enthält doch viel ja sehr viele Freude gemacht.- Noch ein Knabe - und noch überdieß ein gesunder starker Knabe der einst zu einem Manne heranwachsen wird ist dem Garten Deiner Liebe ent<  >sproßen! Bruder ich wünsche Dir mit volle Seele Glück - so herzlich Glück als Dir bei Gott wohl kaum jemand Glück gewünscht haben kann. Knaben und Jünglinge braucht in Menge die jetzige Welt, daß die künftige Männer erhalte. Die Mutter die sie derselben gebiert ist eine glückliche Mutter und der Vater der sie derselben erzieht ist ein Gesandter Gottes und ein gesegneter des Herrn.- Bruder Du bist reich - sehr reich ich muß Dir offen gestehen daß ich schon oftmals gewünscht habe an Deinem Reichthum Antheil nehmen zu können; Um mir gleichsam ein Recht dazu zu verschaffen wollte ich Dich vor der vermutheten Niederkunft Deiner guten Frau immer bitten mich zum Pathen Deines zu hoffenden Kindes wenn es ein Knabe wäre zu wählen, da ich aber näher darüber nachdachte fielen mir so vieles ein was man wohl gegen meine Bitte sagen könnte, z.B. daß es blos ein flüchtiger Gedanke von mir gewesen sey, ohne daß ich ernstlich die Pflichten eines solchen Verhältnißes durchdacht hätte,- oder daß ich mich dadurch zu Pflichten verbände die zu erfüllen mir mein Geschick verböthe rc, daß ich mich endlich überwandt meinen Wunsch zu unterdrücken. Nicht wahr, mein mich schon früh sehr liebender Bruder, wenn mir einst einmal meine Verhältniße es erlauben sollten, so wirst Du mir gerne Zutrauensvoll einige von Deinen Vatersorgen ab mit Dir theilen laßen?- Sei versichert mein Bruder ich weiß es wie hoch ein empfindender Vater denjenigen schätzt, mit dem er in das Band mit einschlingt, welches wechselseitig Vater und Kind umschließt und bindet.-
Deine Knaben sind gesund an Geist und an Körper und an beiden stark, ein köstlich Geschenk - sey besorgt väterlich besorgt mein Bruder daß sie diese Himmelsgabe, jenes das Eingebind Gottes, dieses das Pathengeschenk der Natur ungeschwächt besitzen behalten. Gieb ihnen alle Gelegenheit, daß beides erstarke.- Nicht durch lernen, wie die Welt es lernennt, der Mensch erlernt nichts. Können die Sonnenstrahlen des Geistes des Vaters nicht die liebliche Knospe - das Kind bescheinen, und kann es nicht üben am Arme des Vaters - die Kraft des eigenen unversuchten Armes, dann übergebe der Vater das Kind seinen treuesten Pathen - GOTT und der Natur und diese werden eingedenk ihrer göttlichen und natürlichen Pflichten mehr thun, als der durch so viele 100 Verhältnisße beschränkte im Wirken beschränkte Vater, der nur ein Sohn Gottes und der Natur ist.-
Gott und Natur lehren nichts böses, diesen übergieb unbesorgt Deine Kinder - Dein Lokal eignet sich sehr dazu - aber sorge, daß auch nicht ein Blick der /
[1R]
Menschen in diese ewige Erziehungs Anstalt schaue - Jeder Blick gebiehrt Sünde Deinen Kindern - Sünde, die ihnen am Herzen nagt ewig, und der sie die Hälfte ihres Lebens widmen müßen um sich davon zu reinigen.- Bruder sichere die Reinheit ihrer Seele bewache die Diener derselben Sinnlichkeit Einbildungskraft und Phantasie, daß sie nicht mißgeleitet werden, denn diese sind auch später die Diener des Geistes, die ihn zu Gott ihrem seinem Vater führen. Bruder Du kannst mir glauben ich spreche in jeder Hinsicht aus eigner Erfahrung; ich habe wenig - nichts in meinem Knabenalter gelernt, aber meinem Geist und meinem Körper wurde Zeit gegeben zu erstarken, mein Geist bildete erstarkte sich in sich freilich konnte er wenig von sich geben denn er war formenlos für die Welt, und deßhalb mußte er sich - in seinem ersten Jünglings Alter oft den Beinahmen der großen Beschränktheit, ja ich denke noch oft daran andern von seinem Alter zur Unterhaltung dienen, welches Loos mir oft in Jena wurde. Dem Bruder werden Auftritte davon noch im Gedächtniß seyn. (Ich erwähne dieß blos geschichtlich) Hätte ich aber jene Jugend nicht verlebt - würde ich Kräfte genug gehabt habe[n] die Forderung zu erfüllen die später im Jünglings- und jetzt im Manns Alter an mich gemacht werden. [?] zu Auch die Erfahrungen die ich an andern Kinder, besonders an meinen Knaben seit ich Erzieher bin gemacht habe bestätigen dieß.- Der älteste meiner Knabe[n] hat bis zu der Zeit wo ich ihn erhielt u zum 11ten Jahre ungeheuer viel gelernt, ein Stück egiptische - griechische Geschichte - Geographie der ganzen Erde, Naturgeschichte durch alle Klassen, alle Fabeln von La Fontaine die lateinisch u. französische Gram[m]atik und Gott mag wissen was noch alles - alles wahrhaft gelernt, das heißt hübsch methodisch auswendig,- jetzt weiß er nichts auch total gar nichts - sein Verstand, seine Vernunft und seine Urtheilskraft sind unausgebildet, und sein Herz, ja das weiß man gar nicht mehr zu finden, seit 2 Jahren wo ich nun bei ihm bin, weiß ich mit Bestimmtheit keine Seite auf dasselbe zu wirken.- Seine Brüder dagegen sind gesund munter und froh, kennen mehreres lieben alles was schön ist und hatten nach Verschiedenheit wenig oder nichts gelernt.- Zum 2ten keine Belege, glaube mir aber wäre nicht <für> gerade auf meine Phantasie und Einbildungskraft los gestürmt worden, viele heftigen Kämpfe, manchen Kummer, manche Verir[r]ung würde ich weniger gefühl aber manche hohe reinere Freude manches göttlich himmlische - manches rein menschliche Gefühl mehr gehabt haben und so besser geworden sein, als ich nun wohl werde werden können.
Ich denke jetzt wieder an das zurück was ich am Eingang dieses Briefes über das Geschenk sagte, welches Knaben - einst Männer der Welt sind, ich will Dir hier einige Gedanken Jean Paul Fr. Richter<s> auf den letzten Tag des Jahres 1807 hersetzen, vielleicht sprechen die Worte eines andern besser aus als die meinigen was in meiner Seele liegt.
"Laß uns seltsames Jahr ein Neujahrs Geschenk zurück, sagt er ¸ ¸ ¸ /
[2]
Laß uns, wie die Erde, nach den Donnermonaten des Krieges endlich Reife und Früchte zeigen! Und auf die Gräber der Schlachtfelder, laß uns lebendige Ehrenbildniße stellen heilig- und deutscherzogene Kinder.-
Ferner sagt er[:]
Erzieht deutsche Kinder sagt das Jahr, und ihr habt nur euch verlohren, erzieht euch und ihr habt nur Zeit verlohren.-
Mein Glaube, meine Hoffnung, der Grund meines liebenden Sinnes möge zu Dir sprechen aus einer Stelle eines Gedichts von Conz
"Wir suchen in der Ferne was nahe liegt;
das Heiligste, das Höchste der Menschheit spricht
In unsern Kindern um uns. Werdet
indlich wie Kinder, so seit ihr göttlich[."]
Früh, sehr frühe zieht zwar aus Menschen, wenn wir noch Kinder sind, und unter Blumen, auf lachend grünen Grasmatten, heiter und von Hoffnung belebt wie unser Gemüthe, unsere Seele ein Wehmüthig frohes Sehnen, davon unser ganzes Wesen schon im Vorgefühl des uns erwartenden Glücks vor Freuden erbebt und erzittert, zu Gott hin von dem Sie ein Kind ist, aber es betarf das die Seele glücklich berührt, und so zum Bewußtseyn seines Glückes ein Kind Gottes zu seyn, gebracht werde, es bedarf eines Leiters eines Conductors.-
Das
Das kindliche Gemüth bedarf Religion; glücklich ist das Kind,
und ein gesegnetes des Herrn, dessen Gemüth sie frühe erfüllte
um es nie zu verlaßen.

Die Rosenknospe.
Ein Knabe stand neben einem Rosenstrauch voll Knospen und blühender Rosen. Mit geschäftiger Freude betrachte er bald diese bald jene Rose, dann ein Blüthenblatt, dann eine Knospe. Der Vater belauscht ihn von ferne. Er stand in der schattigen Laube und mit inniger Liebe und mit eigner Empfindung hing sein Aug' an dem Liebling seines Herzens. Ist es mir nicht sprach er zu sich selbst, als ob aus dem Rosenbusch eine göttliche Propheten Stimme zu mir redete, die in seinen Knospen und Blüthen mir das Glück künftiger Vaterfreuden zeigte?- Oder was macht mir das Kind so wunderschön und theuer am blühenden Rosenstrauch?-
----------
Also der Vater: der Knabe aber ward nicht müde zu schauen und sich zu verwundern. Die Bewunderung des Schönen wecket den Sinn für das Wahre.- Er wollte erforschen auf welche Weise sich die Knospe zur Rose entwickelte. Er schlug die Ärmchen zusammen und sahe mit verwandten Sinn Blick auf die Knospe hin. Der Vater lächelte.- So mögen höhere Wesen lächeln wenn sie einen Weisen der Erde seine bewaffneten Auge auf einen Stern oder in den innern Bau eines Feuerwürmchen richten sehen[.]
----------
Der Knabe fand bald, daß alle sein Streben vergeblich sey. Er pflückte nun eine Knospe brach sie auf und betrachtete das Innere mit großer Aufmerksamkeit. Da trat der Vater hinzu. Wem sinnest Du denn so ernsthaft nach mein Kind? fragt er. O mein Vater sagte der Kleine ich möchte so gerne es wissen, wie die Rose Knospe es macht, daß sie eine Rose wird und deßhalb habe ich sie gepflückt und aus einander gefaltet. Aber ich sehe nur kleine unansehnliche Blättchen voll Falten u. Runzeln. Möchte ich sie nur nicht verletzt haben. /
[2R]
Das schadet nichts mein Kind erwiederte der Vater die Natur hat für Überfluß gesorgt. Sie bedachte nicht nur unsere Bedürfnisse sondern auch unsere Freuden u. Wißbegierde[.] Du hast doch wenigstens gelernt, daß es nicht so leicht sey in ihre Geheimniße einzudringen[.]
Aber ich bin um nichts verstandiger geworden sagte der Knabe.
Wenn auch nicht, Du hattest doch den aufrichtigen Wunsch Dich zu belehren. Ein Guter Vorsatz ist schon an und für sich etwas Gutes. Der Erfolg hängt nicht immer von dem Menschen ab. Und gelingt auch dieser so bleibt doch der Gute Wille immer das Beste[.]
----------
Nach einer Pause sagte der Knabe mit bescheidner Wißbegierde: So sage mir es denn lieber Vater wie die Knospe es macht, daß sie zur Blume sich bildet.
Da antwortete der Vater, mein Kind ich kann Dir nur in 3 Worten sagen was geschieht. Die Knospe nimmt an Größe Schönheit u. Anmuth zu bis zu ihrer Vollendung alles andere weiß ich so wenig als Du!-
Die Natur giebt uns das vollendete Schöne aber sie verbirgt die Hand mit welcher sie es hervorbringt und darreicht.
----------
Da nahm der Knabe von neuem das abgebrochene Knospchen und sagte zum Vater, Wenn die Knospe sich selbst so schön zu bilden vermag, schöner als alles was die Menschen machen, warum kann sie sich denn nicht einmal gegen den schwachen Finger eines Kindes schützen? Warum vermag sie zugleich so viel und doch auch so wenig?-
Sollte sie wohl sich selber gebildet haben Wilhelm? sagte der Vater und sahe den Knaben mit freundlichem Ernst an.
O gewiß antwortete der Knabe - die Blumen haben wohl auch wie ich eine Mutter und einen Vater, der sie nähret, verpflegt und auferzieht!
Einen Vater mit uns, antwortete gerührt der Vater des Knaben, aber wir sehen ihn nicht, wir empfinden nur seine Macht und seine Liebe im uns um her!
----------
So sprach er, Da ward es dem Knaben eigen im Gemüthe, denn der Vater hatte ihm ein Kleinod in das Herz gelegt,
Und von nun an betrachte er die Blumen des Feldes als stille brüderliche Wesen, und nahm zu an Größe Weißheit und Anmuth.
(Krummacher Parabeln 1tes
Bändchen 2te Aufl. 1808.[)]
Hier an der Hand der Natur zu wandeln bist Du glücklicher, weit glücklicher als ich Wie ich mich bewege stoße ich an die große - grausend verstümmelte Welt, habe ich nun lag lange ein Pflänzchen ein Blütchen gepflegt, stößt mir ein <Stümmerl> derselben alles ab.- Überdies - Thränen des Mitleides < > mögte ich weinen bewegt sich unter uns in unsern engen Kreis, wo doch so oft die Liebe aus dem Himmelblauen Augen der beiden jüngern spricht, und durch Lippe und sanftes Betasten seine Gegenwart < > zu erkennen gieb, ein träge eisige Masse, lieblos wie der Nordwind und mit schallender Zunge ohne Herz, wie die Glocke - der älteste meiner Zöglinge und verdirbt mir was ich sorgend bewahre an seinen jüngern Brüdern.- Hier bist Du glücklicher, weit glücklicher als ich. /
[3]
Nun, nach Maßgabe Deines Briefes einen Schritt weiter im Leben des Kindes - zum
Zeitpunkt der Entfaltung der Entwickelung des Geistes - zum Lernen wie man zu
sagen pflegt - der Zeitpunkt den wir vorher vor Augen hatten, war im Gegensatz
dieses, der - der Erstarkung der Physischen Kraft, und der des Geborenwerdens, oder
des Sichtbarwerdens, des Heraustretens des Geistes.
[Randbemerkung Fröbels zu den vorausgehenden 5 Zeilen:]
Diese 5 Zeilen kannst Du auch unbeschadet des folgenden überschl[agen] da sie eine mir selbst noch etwas dunkle Idee bezeichnen sollen die mir in diesem Augenblick durch den Kopf ging.- Ja es wird mir lieb seyn wenn Du sie als nicht dastehen[d] betrach[te]tes[t], weil Du sonst glauben könntest daß alle meine Grundsätze über Erziehung, noch eben so dunkel und unausgebildet in mir liegen, - welches erstlich einmal bestimmt nicht wahr ist, welches mir aber auch nicht einmal wünschte daß Du es von mir ahnden könntest.-
Freude - viel Freude hat mir die Stelle Deines Briefes gemacht wo Du mir schreibst
          "Seit einigen Wochen habe ich mich wieder mehr mit Pest: Meth. beschäftigt
          "und ich muß sagen daß ich nach u. nach manches in einem ganz andern Lichte
          "sehe als vorher."
Lieber Bruder!- Es werden doch jetzt schon beinahe 3 Jahre daß ich erst blos Rechnen, jetzt Rechnen, Schreiben, deutsche Sprache, Geographie, Geometrie, Zeichnen wenn Du willst Botanik u. jetzt Mineralogie lehre im Geiste Pestalozzis lehre - Du kennst meinen Geist, der sich nicht gerne Feßeln anlegen noch weniger seine Denkkraft und Denkfreiheit beschränken, läßt noch weniger sich an todte trockne Formen binden läßt die seinem Streben nach Vorwärts im Wege stehen und ein Hinderniß werden könnten müßten, Du kennst - wenn Du das Wort nicht im zu ausgebreiteten Sinne nimmst, nein doch ich will dieses Wort gar nicht schreiben - mein liebendes, kindliches Gemüth; und mein Herz schlägt mir jetzt noch fühlbar hoch, mein Blut läuft mir jetzt noch schneller, mein Gesichte glüht, und mein Auge funkelt, und ich fühle jetzt noch eine namenlose Kraft in Muskel Sinnen und Geist, alles belebt mich jetzt noch mit der glücklichsten Jünglingsstimmung, wenn ich den Gedanken als zu realisirend denke einst noch ganz und nicht so beschränkt als jetzt, im Geiste Pestalozzis, auch Unterricht geben zu können.
Und Bruder! mit dieser Stimmung meines Gemüths, mit dieser Überzeugung meiner Vernunft sollst Du die Verhältniße kennen in denen ich wirke, die Hinderniße mit denen ich zu kämpfen habe, von Seiten meiner beiden ältesten Zöglinge und von Seiten des Vaters. Der älteste meiner Zöglinge war < > so überbildet daß er sich klüger, weißer und verständiger als ich glaubte, der mit Wort über vieles sprechen wollte und nichts konnte und konnte, der mich gleichsam als eine Art Bedienung dachte die ihm sein Vater zu seiner Bequemlichkeit hielt, der mir z.B. einmal sagte: ich hätte ihm nichts zu befehlen - dann wenn ich ihn wegen Unaufmerksamkeit strafte sagte: der Himmel kann da Achtung geben, Sie lehren uns aber auch alles anders als wir früher gelehrt worden sind - der, da ich ihm (was eigentl[ich] zwar nicht hieher gehört, was aber seine Denkungsweise zeigt) - der da ich ihm zum eigenen Arbeiten zum Federschneiden u. Bücherheften anhielt sagte: - ich werde mir wohl noch gar das Brod selbst backen müßen der so eilt eitel war, daß er mir später bejahete, er hätte geglaubt der Hofmeister müße es sich zur Ehre schätzen mit einem Knaben <des Adels> ihm da er ein Adlicher Knabe sey, spazieren zu gehen, - der da ich seiner Eitelkeit nicht schmeichelte seinen Bruder einen gutmüthigen Knaben mit blonden lockenkopf u. blauen Augen bereden wollte, mir nichts mindeste mehr zu Gefallen zu thun, und gar nichts weiter mit mir zu sprechen als was der Unterricht nöthig mache, - der wenn ich ihm strafte nicht nur, desperat schrie sondern damit es der Vater hören möge, (der doch 250 Schritt davon in einem anderen Hause wohnt[)] sondern der mir beim geringsten Verweiß sagte: nun laße ich Sie aber a[uch] ganz gewiß gehn.
Hier zur bei diesen Umständen zur Unterstützung einen Vater, der /
[3R]
wenn auch nicht kenntnißlos, doch höchst oberflächl[ich] gebildet ist, deßen Hauptkenntniß höchstens wohl nur im Lateinischen bestehet, welches er aber nicht versteht, der nicht die minteste Idee von dem hatte was Erziehung und Unterricht sey, dem gabe ich und aber doch über beides für mich bestimmend sprechen wollte, der als ich zu so <   > kaum die Erziehung übernommen hatte wünschte ich möchte schon Geschichte u. Physik lehren; - der im Anfang. - am Geist und Kraft und Kenntnißen viel zu Schwach, direkte, frei u. offen über meine Le Unterrichtsweise mit mir zu sprechen - (so wie er überhaupt um seine Schwächen zu decken sehr still und versteckt ist-) überm meine UnterrichtsMethode persiflirte, plaisantirte, satyrisirte, der einst bei einer gewißen Gelegenheit sagen konnte
"Wär doch mir die Fürstinn - (:es machte eine < > Fürstin eine Visitte) ins Lehrzimmer
"gegangen, so hätte sie doch auch die Gänsefüße an der Tafel gesehen."
Es standen näml[ich] an der Tafel Stufenfolgen geom: Fig: aus einer bestimmten Anzahl lienien [sc.: Linien] gebildet die sich in gewissen Punkten durchschnitten; Figuren dieser Art. [*4
  Zeichnungen*] Figuren worinne die schönsten kürzesten und bündigsten Beweise von der Gleichheit der Wechsel- und Geg Ergänzungs Winkel rc liegen.
Bruder, unter diesen Umständen und Hindernissen (wo es immer hieß die Kinder lernen nichts, weil mann das was die Kinder wußten, und wie sie es wußten nicht beurtheilen konnte:) in dieser Lage mit Liebe und Muth, Ausdauern im Geiste einer Methode unterricht zu geben die so allgem: verschrien war mußte wirklich ein höheres Geschäft seyn, ein Geschäft aus dem ein höherer lebendiger liebender Geist heraus sprach ein Geschäft welches sich selbst belohnte.
Aber Bruder die Zeit des Winters, die Zeit des Sturms, der Aprilischen Eisregen scheint vorbei zu seyn, es scheint sich mir jetzt die Zeit der Blüthe zu nahen der ruhige Himmel, die zufriedenere ja sehr zufriedene Stimmung der Gemüther scheint mir einen angenehmen Genußvollen Lenz und Frühling zu versprechen.-
Durch das Betragen des Ältesten Knaben lies ich mich nicht aus meinem gleichformigen festen Handeln bringen, und wo ich konnte suchte ich ihn liebevoll, streng und mit Ernst eines bessern zu belehren, dadurch gewann ich ihm so, daß er mir dann oft gestand<en> und noch mehr jetzt mit Bestimmtheit durch Wort und That ausspricht, daß er mich und meine Handels Weise liebt - und worauf es hier besonders ankommt, daß ihm die Unterrichts Stunden die er von mir erhält unter allen andern die er von andern Lehrern (- nach voriger Weise-) erhält die liebsten sind.- Der mich jetzt dh mich vor einiger Zeit als ich einmal wor [sc.: für] nöthig fand zu sagen, daß ich meine Stelle abgeben würde, <  > innigst und dringendst bat doch ja bei ihm zu bleiben der mir noch jetzt täglich sagt thun sie alles mit mir damit ich nur anders werde der - da ich oft weil er <fast> einst einige Zeit beim Sprachunterricht nicht achtung gab zu ihm sagte - nun gut wenn Du nicht achtung giebst gebe ich Dir diesen Unterricht wie gewöhnl[ich] mit der Grammatik - mich bat dieses ja nicht zu thun, denn man müßte bei mir besser achtung geben, dieß machte Vergnügen und er thäte es gerne, denn, man lernte doch da auch etwas, man lernte doch auch seinen Kopf brauchen.-
Auch der Vater - (:Mit dem ich aber manchen harten Kampf hatte denkt jetzt ganz anders. Unter mehreren Bekehrungs Mitteln - schriftl[ich] u. mündlich die [ich] versuchte habe ich denn zu letzt den der augenscheinl[ichen] Belehrung gewählt, wo ich gleichsam dem Vater selbst Unterricht gab. Ob mir gleich dieses nur zweimal gelang bei der Geographie u. bei der Anschauung der ästhtetischen Elementarformen und ob es mir gleich nur dann und wann möglich wurde ihm, die Kennt- /
[4]
niße der Kinder im Rechnen vorzuführen, und ihm die allgem: und allseitige Nutzbarkeit des A.B.C. der Anschauung der Maaßverh[ältnisse] deutl[ich] zu machen, und ihm durch die Kinder Beweise ihrer Fortschritte im Zeichnen u. Schreiben einhändigen zu lassen, so hatt er doch jetzt - was bei seinem Charakter, seiner Denk- und Handlungs Weise sehr viel ist - sich mit Bestimmtheit für das was ich geleistet habe, und wie ich es geleistet habe auch erklärt, aber nicht allein durch sein Betragen erklärt sondern sogar ausgesprochen. Von der Geographie hat er die er als Politiker u. Zeitungsleser am besten beurtheilen kann hat er geäußert, daß ich sie vorzügl[ich] lehre vorzüglicher - dieß sind seine Worte kann sie wohl nicht gelehrt werden, wa es ist alles was m[an] nur verlangen kann".- Von den Zeichnungen hat er gesagt: daß sie (ein Theil davon ist ähnl[ich] denen im Türk:) daß sie ausgezeichnet schön seyen und setzte er hinzu - ohn aus freyer Hand. Von den Zeichnungen des Mittleren; Fritz sagte er, daß sie zu einem hohen Grad der Ausbildung führen könne. Ich
Dir habe ich hierbei nur zu sagen, daß diese Äußerungen größtentheils nicht unmittelbar mir gegeben worden sind, also noch größeren Werth haben.
Bis Jetzt habe ich hauptsächl[ich] von den Wirkungen des Unterrichts im Geiste Pestalozzis - bei Kranken und Vernachlässigten gesprochen, wo sie Arzenei war, jetzt muß ich Dir doch auch noch etwas von ihren Wirkungen bei an Geist und Körper Gesunden Knaben sagen.
Ich spreche hier von meinem jüngsten Eleven dem muntern, etwas dunkelblond <und> nur etwas gelockt und wenig stark haarigen, blauäugigen Adolph.
(Ich führe die Haare u. Augen an, weil mann davon ohngefähr auf das Seyn schließen will.) Dieser Adolph ein Knabe von 8 Jahren ist das glücklichst organisirte Kind welches ich kenne, alle Kräfte sind ausgezeichnet stark, Alle Anlagen vorzügl[ich] gut, so daß er verspricht einst ein sehr vollkommner Mann zu werden.
Diesen im Unterricht zu sehen ist eine wahre Lust. Rechnen auf der Tafel Maaßverhaltniß wo wir in den d[urc]h senkrechte u. wagrecht getheilten [*Zeichnung: Quadrat*] sind sind seine Wonne, er hüpft u. kann sich oft vor Freude gar nich bergen wenn er eine schwere Aufgabe erkrübelt hatt.
Es ist aber auch gar schwer, sagt er mit einem ganz eigen lustigen gutmüthigem Thon, welches ohngefähr heißen soll: Nun seinen Kopf muß man dabei brauchen wenn manns erklügeln will - wenn ich ihm eine aufgabe gebe, oder wenn er eine <aus>gerechnet hat. Helfen läßt er sich nie gerne - sondern sagt dann immer: o! laßt seyn sie Stille, daß [sc.: das] muß ich selbst finden, oder: warten sie nur ich hab's gleich, u. während er dies spricht, rechnet er immer. Er giebt seinen Brüdern Räthsel auf (wie er es nennt daß [sc.: das] sind Exempel zum Rechnen:) Beim flachen [?] vor einigen Tagen, antwortet er mit solcher Präcicion, und war dabei so heiter daß mir tr dabei die Freuden Thränen in die Augen traten. Er fand da wieder ein Räthsel - welches wirkl[ich] sehr versteckt war, u welches er der Mutter aufgeben wollte - nach einigem Nachsinnen sagte er: ach es ist auch gar zu leicht die Mutter findet es gleich.
Doch ich muß hier abbrechen ich könnte Dir hier zum Lobe der Pest: Methode und zu ihrer ächten Würdigung einige Bogen voll schreiben.
Nun nur zwei 3 Worte vom Fritz erstl[ich] zeichnet er nach geom: Körper so schön, daß selbst einem Mahler ihn seine <S ?> Arbeiten sehr wohl gefielen. 2.) Einst beim flachen (Maaßverhältniß) erfand er mir einen so scharfsinnigen Beweis der viel aufmerksamkeit kostete ihn d[urch]h zuführen, was ihm aber glückl[ich] gelang. 3) Die kleinste Schwester erhielt Thiere. mein Fritz nahm diese setzte sich in ein anderes Zimmer Adolph u. Sophie neben sich u. nun ging er diese Thiere sehr streng nach ihren Äußern Kennzeichen durch - er spielte Lehrers. Siehst Du Bruder der Geist /
[4R]
Geist der in der Pest: Methode liegt, tödte nicht, sondern gebiert Geist und Leben - gebiert die Liebe gebiert die Würdigung der Schöpfung.
Wenn ich die Wirkung meiner Unterrichtsweise auf meine Kinder besonders auf die beiden jüngsten sehe, dann kann ich mich < > ist eins mit diesen Gedanken zugleich der an Deine Kinder, gewiß 1000 mahl habe ich dieser schon gedacht, und gewünscht, möchtest Du ich doch auch diese Weise die ich als vorzüglich erkenne auch zum Wohl zum Glück meiner Vettern, Deiner Kinder meines Br geliebten Bruders Kinder wirken. Diese Gedanken haben mich schon lange und viel beschäftigt; und ich werde ihn immer als ein Heiligthum in meiner Seele tragen. Nun wenigstens dieses Geständniß einstweilen als Beweis wie sehr ich Dich und Deine Kinder liebe und wie gern ich auch das Beste gäbe was ich habe.   [*Lücke*]   Doch ruhig, was geschehen soll, geschieht.
Laß Dich wenigstens lieber Bruder nicht zum voreiligen Absprechenden, noch weniger aber zweideutigen achselzuckenden Urtheil über die Pest: Meth: verleiten. Gestehe lieber Du kennst sie noch nicht genau, u. bist Du gezwungen Dein Urtheil zu geben, so sey lieber bestimmt dawider als zweideutig u. mit Achselzucken zu antworten. Laße Dich auch durch alles was andere Menschen, groß oder klein, gelehrt oder ungelehrt, schriftl[ich] oder mündl[ich] dawider sagt nicht am eigenen Urtheile irre machen. <zw> Prüfet alles sagt ja eine ehrwürdige Stimme zu uns. Gegen alles was wider Pest: Methode gedruckt wird und mit Demuth oder mit <  > anmaßender Pathetik schön in Büchern zu lesen ist sey schon im Voraus sehr eingenommen, denn die wenigstens [sc.: wenigsten] von den Herrn die darüber schreiben kennen die Sache, noch weniger aber kennen sie die Wirkung, sondern es ist alles auf eine, auf einen im Sumpf eingepfählten Rost ruhende Spekulation gebaut.- Selbst aber auch wenn man selbst ausübender Lehrer ist so gehört viel dazu ehe man, der Würde der Sache gemäß darüber schreiben kann.- Das Seyn des Menschen spricht für die Sache, der Geist des Menschen bewegt sich frey durch die Sache, folglich muß die einzig wahre Philosophie sie mnenne sich wie sie wolle auch dafür seyn so viel muß für den praktischen Menschen genug seyn. [Für] Eine Philosophie, der Entwickelung des Menschen zu schreiben, die ein brauch die ein einzig Absolutes zur Anwendung aufstellt ist die Zeit noch nicht gekommen, es fehlt dazu noch zu sehr an Faktis.
Doch ich wollte noch das sagen: Hüte Dich aber auch für die, welche sich auf Erfahrung berufen u. sagen die Psche Methode trügt. - wenn Du untersuchen willst so sind sie blinde Nachbeteter, es haben sich diese an die todte Form, den todten Buchstaben gehalten und diesen aus den Buche abgelesen ohne ihn Geist u. Leben zu geben, was sie also wieder gaben mußte geistlos u. todt seyn und entgeistigen u. tödten. Diese Herplapperer der Pschen Formen die sie abkanzeln wie der Diac: Heumann die Predigten von Lehmann diese sind es eben - die gestützt auf ihre Erfahrung der Sache der guten Sache so namenlos schaden.- Der Geist macht lebendig, über wem der nicht kommen ist nahe sich nicht.
Doch noch eins muß ich Dir über dieses Thema schreiben, dann genug. Ein gewißer Torlitz der auf höhern Befehl von Koppenhagen zu Pest: in Burgdorf reisete /
[5]
Schreibt Seite 373 seiner Reisebeschreibungen "Es frägt sich ob geschickte Lehrer bei einer Methode, die jede Mutter mit ihrem Kinde u. beinahe jedes Kind mit dem andern treiben kann - ist dieß ein Vorwurf? - und den Schülern so enge Schranken setzt und den Lehrer nichts zu denken übrig läßt, sondern sie zu Gedanken und Willenlosen Menschen macht auch ihres Lebens froh werden und ihr Amt mit Freuden thun können.  [*Lücke*] Ferner 374 gesteht er sogar selbst, das bei den besten und aufrichtigsten Vorsätzen, ein oft wiederkehrender Anfall des unerträglichsten Überdrußes ihm selbst nicht immer gestattet habe als Lehrer der Methode seine Pflicht zu thun.- Ich schweige nur ärgere ich mich daß dieses in öffentl[ichen] Blättern z.B. d[en] Göttl. gel. Anzeigen abgedruckt ist. Später denke wieder an diese Stelle und sage wer recht hat, der blinde Nachbeter der Formen die er zuerst anbetete oder der, dem der Geist belebt.
So manches ich auch vielleicht jetzt zum Besten der Pestalozzischen M. gesagt haben mag, so bitte ich doch sehr mich nicht mit dem Namen Aner, als Pestalozzianer zu belegen da mir nie etwas <    > schätzbarer war, als Selbstdenker zu seyn, und da ich diese Freyheit nicht um den Nachklang von den Ruhm eines Andern noch um jeden Andern Preis in Feßeln legen lassen kann.
----------

Am 13ten März. Daß es mir höchst unangenehm war als ich las daß Traugotts Heiraths Angelegenheit noch immer nicht beendigt ist brauche ich Dir und ihm woll [sc.: wohl] nicht erst zu sagen[.] Aber das muß ich Dir gestehen, daß ich aus den mir schon im vorigen Briefe [mit]getheilten Äußerungen der Dem Frobing und ihrer Eltern geseh geahndet habe, daß es mit der Heirath nichts werden würde. Dir glaube ich sagen zu dürfen, daß sich der Br:- (wäre seine ökonomische Lage < ? > nicht so drückend) - sich wohl deshalb trösten könne, denn mir scheint aus dem wenig Mitgetheilten zu folgen, daß sie nicht nach Stadtilm, und nicht in seine Verhältniße in denen er lebt gepaßt hätte.- Was besonders die zweite Bewerbung betrift, so würde es mir um des Bruders willen sehr schmerzen, wenn etwas davon bekannt würde weil mich der Bruder dauerte, besonders da ich das unbarmherzige Durchhecheln nicht nur der Stadtilmer feinen Welt - wie z.B. feine engl[ische] Nähnadeln - sondern auch selbst einiger Familien Rudolstadts kenne.
In dem was Du mir über das sich jetzt wieder angeknüpfende Verhältniß des Br[u]d[e]rs <mit> Jettchen Hoffmann schreibst, berührst Du vieles was Du als mir bekannt annimmst wovon ich aber gar nichts weiß. 1) Weiß ich nur ganz im allgemeinsten, das Traugott, wie m[an] sagt Absichten auf Jettchen Hoffm[ann] hatte, ob er um sie warb u. wie weit die Sache gediehe, davon weiß ich nichts daß mindeste 2) ebenso wenig und noch wenig[er] von der - wie Du sie nennst schlechten Behandl[un]g[s]weise des Bruders von Seiten Jettchen Hoffmann u. ihren Stiefeltern dem Kaufm[ann] He. Apt. 3) daß Jettchen Hoffmann nicht mehr Jungfrau sey, war eine für mich höchst unerwartete Folgerung die ich aus Deinem Briefe ziehen mußte. Sie - Jettchen Hoffmann - mag für sich selbst und in sich selbst stehen wie sie will, so thut mir das Verhältniß sehr leid in dem sie nun dadurch steht. Doch vielleicht hat sie dieser Fehltritt von einem größern Fehler vielleicht Tadelsucht, Eitelkeit, einem gewißen Grad von Dünkel, befrei einer gewißen Eingenommenheit von ihren - wer kann wißen von welchem vielleicht klingenden vorzüglichen Eigenschaften befreit, und wer kann es zu teuer bezahlen von einen sich tief festgesetzten Hauptfehler befreit zu werden?-
Nun die Anwendung des letztgesagten <durch> den Bruder. Hat sich der Bruder in Hinsicht seiner Meynung gehörig geprüft, stimmt diese für Jettchen, ist er Überzeugt daß sie von Hauptfehlern besondern dem des häßlichen des Eigenthums, der Rechthaberey und der Herrschsucht, die mit einander so eng verwandt sind befreit ist - so sehe ich nicht - wenn ich mich in sein Verhältniß denke u. versetze, was ihm an einer Verbindung hindern sollte die sonst /
[5R]
manches für sich hat. Traugotts ökonomische Lage ganz übergangen, so muß er einst in der Stadtilmer Welt für immer leben - eine - im allgemeinen, für mich unerträgliche Welt. Jettchen kennt diese, und sollte sie ja, was gar nicht anders möglich ist einige Eigenschaften derselben haben, so verschmilzt dieses weit leichter u. schaf[f]t dem Bruder weit weniger Unannehmlichkeiten als wenn er ein Weib bekämme, die daß < > <einer> unter solchen Menschen nie gelebt hätte. Übrigens - sey nicht böse daß ich hier ganz offen etwas ausspreche, Traugotts Sein und Traugotts Lage, hat wie ich glaube manches Unangenehme, welches ge- und ertragen seyn will, dieses von Seiten den Weibes wie sie nun einmal dem Verhältnißen der Welt nach sind immer aus Stimmung des Herzens, aus Liebe zum Gatten auch Achtung für ihren Stand und aus Gründen der Vernunft zu thun, ist etwas was leider wohl schwer gefunden wird - bei den <Mesresten> bedarf es eines wirklichen materiellen Gegengewichts - vertritt diese Stelle Jettchens Fehltritt, so hat er ja vielleicht auch von dieser Seite sein Gutes.
Was ich über den harmonischen Einklang der zwischen Gatten und Gattin denke, der bei einem glücklichen Leben statt finden muß, liegt mir in dem Sinn der Worte:
Der Mann schafft sich selber das Weib aus der Geliebten und Gattinn freilich muß die Geliebte die Gattin ein unverdorbenes und noch bildsames Herz haben welches ich bei Jettchen Hoffmann voraussetze. In welchem Sinne ich hier das Wort Weib nehme liegt im Ganzen, ich verstehe darunter die gesammt[e] Entwickelung und Ausbildung der im weiblichen Wesen zur höhern Ausbildung liegenden Naturanlagen, welche der Bestimmung des weibl[ichen] Wesens gemäß nur in der engen Verbindung zwischen Gatte und Gattin geschehen kann.
Eine traurige Wirkung könnte freilich Jettchens Verlust für sie und ihren künftigen Gatten gehabt haben, < > die, daß der höhere Sinn die höhere Bedeutung welche in dem Bewußtseyn Mutter - geliebt werdende Mutter zu seyn liegt, ihrem Herzen fremder geworden sey, da das unglückselige Stehen der Welt in das Gemüth einer früher Mutter als Gattin Werdenden, leicht den Wunsch legt und nährt, daß die Frucht ihrer ersten Neigung aus ihren Augen verschwinde, und da dieß wirklich geschehen ist, überdieß stöhren ja die Weltverhältniße bei einem solchen Wesen alle die wehmüthig frohen, die so hochbeglückend schmerzlichen Gefühle welche mit dem erstmaligen Mutterseyn verbunden sind. Freuden und Schmerzen die auf das ganze künftige Sein des Weibes den höchsten Einfluß haben - haben muß - da sie dann ganz alleine steht u. kein liebenden Wesen zur Seite hat, gegen das sie ihre namenlose mit Worten nicht auszudrückende Wonne u. Entzücken aussprechen kann, aber auch keines was sie in ihrem Kummer, ihrer Sorge für die Frucht ihres Leibes, in ihren Schmerzen tröstet und unterstützet.- Ich schreibe dieses um den Bruder zubitt[en] Alles dieses muß ihren Geist, ihre Sinne, ihre Liebe u. ihre Gefühle abstümpfen. Ich schreibe dieses um den Bruder zu bitten, sollte er Jettchen Hoffm[ann] noch als Gattin in sein Haus führen - schonend - sehr schonend gegen sie zu seyn um gut zu machen, was die Welt vielleicht bedarf;- sollte sie ihm mit den Vaterfreuden beschenken, so soll er unendlich dafür sie lieben um sie vergessen zu machen, was sie verlohr - sie wird es nicht vergessen aber sie wird die Liebe des Gatten erkennen, sie wird die Liebe die früher gegen fühlte nun verdoppelt auf dem Geschenk geben welches sie ihrem Gatten brachte: Sie wird gute liebende Mutter werden[.] Sie dazu zu bilden muß die einzige höchste Sorge des Bruders seyn, es ist die einzige Bestimmung des Weibes, u. der Punkt, aus dem, dem Gatten, Vater und Mann alle die höchsten Freuden dieses und des künftigen Lebens entquellen.- /
[6]
Die Sage von Karls Heiraths Gedanken habe ich wirklich mit Bedauern, aber wie ich auch mit gerechtem Unwillen gelesen, und das wie ich glaube mit Recht. Ein Verhältniß wo Ein Thätiger Kraftvoller Geist, dem es - durch welche Umstände es immer sey, möglich wird sich so früh als der des Karls und so mehrseitig, besonders auch schon klassisch gebildet ist, ist auszubilden, ist selten, aber es ist auch Pflicht hohe und unerläßige Pflicht dessen dem dieses wird nicht auf der ersten Stufe stehen zu bleiben, sondern sich seinem höhern Berufe gemäß auszubilden. So viel gutes immer bestimmt das häusliche Leben hat, so muß man Mann seyn wenn man in dasselbe tritt, damit m[an] erstl[ich] dieses Gute nur sehen fühlen erkennen, damit man es aber auch genießen, benutzen anwenden könne. Der Jüngling der junge Mann, besonders der, wie mir Karl erschien früher erschien, gebe sich der Welt, nur dort ist die Schule für ihn nur dort wird er seiner höhern Bestimmung gemäß aus gebildet, thut er dieß nicht wird er Maschiene im häußlichen u. öffentl[ichen] Leben. Kurz daß mir jetzt von Karl mitgetheilte ist mir unzweideutiger Beweis für das was ich schon seit ein[i]ger Zeit glaubte:- Karl versteht nicht mit dem Pfunde zu machen was ihm Gott gab.- Er ist ein Männliches Wesen, und deßhalb muß er, da kein höherer Zweck sein Handeln u. Wirken bestimmt allein stehen wenigstens sind ich u. er von nun an zu Gegenfüßlern bestimmt. Dieß sei genug über ihn er ist Mann bestimmt Mann zu werden u. das Loos desselben ist durch Kampf aus sich selbst hervorzu treten, will er <er> diesen hohen Preis nicht erringen nun so muß er auch mit alle dem zufrieden seyn was ihm vom Schicksal erwiederfährt.
----------
<Da ich heute einen> Auf meinen heutigen Spaziergängen habe ich das überdacht was ich Dir wegen Br[u]der Traugotts Verhaltniß schrieb und ich fand nöthig mich noch über zwei Punkte näher zu erklären. 1) Daß ich keinesweges < > wünsche daß das von mir über Jettchen Hoffmann Gesagte für Traugotten bestimmend werden möge denn ich kenne zu genau die große Verantwortung die man vor andern und in sich selbst zu machen hat wenn man bei einem solchen Schritt bestimmend auf <   > einen der beiden Theile einwirkt. Eigentlich war alles jenes blos für Dich lieber Bruder und blos als freundschaftl[iche] brüderl[iche] Mittheilung meiner Ansicht <bestimmt>, um Dich mit meinen Gesinnungen bekannt zu machen die ich haben werde, wenn der Bruder jene Wahl treffen sollte. 2) Da ich nun einmal in diesen und ich glaube auch in dem vorigen Briefe einiges von dem angedeutet habe was mir in Bezug auf Ehe Überzeugung ist, <  > besonders einige der Empfindungen, der Gefühle, einiges von dem Glauben an die hohen Freuden der Ehe, <   > die in meinem tiefsten bessern Innern wohnen, entquellen und aus mir heraus getreten sind, und dieses - wenn er meine Mittheilungen, so wie sie es verdienen, sind und so wie ich wünsche, einer ernsten Aufmerksamkeit würdigt, - zweierlei Wirkungen auf ihnen machen könne: - Erstlich: daß er vielleicht glaube und hoffe daß diese Freuden der Eheliche Verein zweier an Herzen und Verstand guter Menschen diese hohen Freuden offen und auf planer Hand mit sich führ[e]n, und <sich ge> solche, <und sie> ohne ernstes rechtloses Streben, ohne das schmerzende Gefühl fehlgeschlagener Hoffnungen, ohne Kummer und Sorge an sie ausspende. Zweitens Oder daß er zweitens daß er auf das andere Extrem verfiehle sich zwar innig über sie freue, aber sie weiter keiner näheren Würdigung werth halte, sondern sie für freundliche Träume, lieblicher holder Bilder einer noch unverwundeten, ungestöhrten jugendlichen Phantasie halte, deren Realität mangle und die also blos als solche zu würdigen wären. Beides würde meiner Überzeugung ganz entgegen seyn. Die Freuden, die wahren hohen Freuden, das Glück der Ehe wie ich es kenne, wie mir es wahr ist concentrirt sich eigentl[ich] auf dem Punkt der Vater[-] u. Mutter Freuden von dort gehen sie /
[6R]
aus und dahin deuten sie von dem ersten Feuerblick den der Jüngling liebetrunkene Jüngling mit seinem <obsied > rabenaugen Auge in das blaue freudespendende Auge der holdgestaltigen Jungfrau liebenden Jungfrau thut, bis zur kalten Hand die die scheidende Gattin zum Unterpfand des Wiederfindens <   zur> dem zurückbleibenden Vater ihrer Kinder reicht. Es sind nicht sichtbare Freuden - denn um manche Eltern <  > hüpfen Kinder wie die Engel und sie freuen sich doch nicht - sondern es sind Freuden deren Sitz das Heiligthum des Herzens das Gemüth ist, die ihr Daseyn <  > anzeigen wenn die Empfindung, die Sprache und das Wort zur Flamme wird. Aber je höher diese Freuden sind, desto schwerer sind sie zu erkämpfen, sie verlangen gesammt Wirken beider Theile, erfordern Selbstverleugnung, Aufopferung, Entbehrung niederer Freuden, welches zur alles oft mit vielen Schmerzen verbunden ist, da wir sie als solche, als Freuden niederer Art erst erkennen, wenn wir die höhern erkämpft erkannt und im Besitz derselben sind. Oft auch so gar verstreicht vielleicht auch das selbe ja wohl gar das Leben bis zum Trennungstage ehe sie erscheinen jene Freuden, was soll uns aber dann die lange mühselige mit Kampf zu verlebende umnachtete lebens Reise erheitern, ja was soll unser Herz dann mit jenen so hoch gerühmten Freuden der Ehe erfüllen?- Das Streben nach denselben.- Was soll uns emporhalten, wenn wir vom Kampf entkraftet zu fallen drohen?- Das Hinblicken auf das Ideal was unsere Seele <erhellt> erkennt! und welches sie als zu erreichen strebt. Das Bewußt seyn darnach zu streben, und die noch höhere Überzeugung sich ihm anzunähern. Die Freuden der Ehe gleichen den Feuerstrahlen eines geschliffenen Diamants. Die Gestalt des Diamants im natürl[ichen] Vorkommen ist die äußere Gestalt des ehelichen Lebens, was er in sich verbirgt die höheren Freuden deßelben. So wie sich dieses innere nur nach Ausdauern, Mühe und Jahre langem ununterbrochenem Fleiße in tausendfachen <fachen> Strahlenbrechungen dem Auge darstellt, so sind auch die Freuden der Ehe schwer zu erkämpfen und nur bei hoher Eintracht des Ganzen - Mann und Weib - so wie der Diamant sich nur am Diamant <sch  > seinen Glanz erhält. Hat er aber auch einmal seinen Glanz erhalten, so hat er ihn für immer erhalten und sein Feuer ist unverlöschbar, leuchtet im Dunkeln wie in der finstern Nacht welches von seiner Ächtheit ein Beweis ist, wie am Hellen Mittag, wenn die Könignigl[iche] Sonne tausendfach sich in demselben zeigt - So die Freuden der Ehe die Vater[-] und Mutter Freuden, sind sie einmal im harten Kampf des Lebens im Sturmdrang und Ungemag erkämpft, so sind sie erkämpft für die Ewigkeit erkämpft, und erleuchten mit lieblicher Helle das umnachtete Leben.- Aber auch die Freuden man muß sich nicht deuschen laßen wenn Freuden der Ehe sich mit Diamants Glanz u. Feuer brüsten, nur der Kenner erkennt sie und unterscheiden den ächten Diamant von den falschen Steinen welchem Staniol oder Lahn unterlegt ist, die zwar das Kind erfreuen, aber Gehaltlos sind.-
----------
[7]
Eigentlich wäre es nun auch Zeit zur Beantwortung Deines brüderlichen Briefes überzugehen, allein es liegt mir noch etwas zu sehr auf dem Herzen von welchem ich wünschte, daß es auch dich mit herzlicher Theilnahme erfüllte und welches ich Dir vorher mittheilen muß.-
Während meines Auffenthaltes bei Pestalozzi war es mir der liebste Gedanke und fester Vorsatz und von Pestalozzi Seite Wunsch, daß ich früher oder später in die Lage kommen mögte in Deutschland eine Anstalt zu begründen, die eine ähnliche Organisation der Y in Yverdon [sc.: Yverdun] und gleichen Zweck mit Feuer - nicht blinde Verbreitung und Anwendung der Pestalozzischen, sondern Prüfung dessen was sich als beste Methode des Unterrichts dem denkenden unterrichtenden Mann aufdringt - hätte. Von dieser Anstalt, sollte gleichsam die Anstalt in Yverdon [sc.: Yverdun] gleichsam die Mutter-Anstalt werden. Doch obgleich der Zeitpunkt zur Erreichung dieses großen Ziels schon dortmals noch sehr in der Ferne lag, so hoffte ich doch, in meiner der Stelle als Lehrer an der Musterschule, der ich entgegen ging, zur Verbreitung und Anwendung dessen, was mein ganzes Wesen mit Freude und Wonne erfüllte und was meine Denkkraft erhöhte, etwas thun zu können; Allein ich irrte mich. Unserer Schule sank oder stieg gleich viel wie Du willst, von dem Muster einer Schule (von einer Schule die andern zum Vorbild, Muster, dienen sollte) zur Musterschule wie sie ist herab, das ist zum Muster einer g[an]z gewöhnlichen einer solchen Schule herab, woran jedem erl Uneingeweiheten erlaubt ist zu tadeln und zu mustern folglich auch zu verbessern u. zu flicken. Meine schöne Hoffnung war gedeuscht, mein höherer Sinn, mein Gemüth fühlte sich gekränkt - ich ging! um mir einen Wirkungskreis zu suchen mit wo ich, wenn auch mit mehr Kraft Aufwand doch mit mehr Glück wirken zu können. Ich verließ jetzt zwar diese Öffentl[iche] LehrAnstalt, aber mich verließ mein Vorsatz nicht <           > wenigstens an dem Orte wo ich lebte durch einen Lehrer, welcher ganz und unbeschränkt und rücksichtslos nach den Grundsätzen des adlen Pestalozzi gebildet und in die praktische Anwendung seiner Lehr Methode praktisch eingeweiht sey - den an Herz und Kopf noch unverdorbenen Eltern und Vorstehern an LehrAnstalten es möglich zu machen, sich durch die Anschauung von den Geist und den Zweck - von den Wirkungen des einer naturgemäßen - Unterrichts Art - (jetzt unter dem Prädikat Pestalozzische Methode zusammengefaßt:) - zu überzeugen.
Überzeugt daß es für meine Eleven besonders für den so sehr vernachläßigten Ältesten von wesentl[ichem] Nutzen sey, wenn er oft in Gesellschaft eines feurigen fähigen thätigen unverdorbenen Knaben sey wäre, faßte ich den Vorsatz: zu gleicher Zeit mit ihm einen armen Knaben zu erziehen, einen Knaben den ich wegen seiner großen Fähigkeiten u. schnellen Faßungskraft genau kannte, weil er mir und einem 2ten Collegen während meiner Anstellung an der Schule etwas ähnl[iche]s von dem war, was man bei Professoren famulus nennt. Kurz der ganz bei uns lebte u. wohnte und ihn dann in meinen Freistunden, besonders Sonntags, sehr früh am Morgen rc noch besonders eigentl[ichen] Methodischen Unterricht zu geben, und ihn so meinem Zweck gemäß zu bilden.- Allein die Hinderniße waren zu groß die ich persönlich in Hinsicht meiner Verhältniße zu übersteigen hatte, besonders waren seine Eltern zu wenig elterlich (er hatte eine Stiefmutter) ich und sie zu arm - kurz auch dieser Plan, wo ich ganz bestimmt auf zwei Seiten gut, für meinen ältesten Zögling aber gewiß vorzüglich gewirkt, und so mit Nutzen meiner Pflicht als Erzieher gemäß gehandelt hätte - mußte aufgegeben werden denn ich brauchte außer mir, in und bei andern Menschen beistand und Unterstützung, brauchte die Einwilligung des Vaters meiner Zöglinge, für dem die Gründe auf dem geraden Weg zu hoch - im jetzigen und künftigen Glück seiner Kinder - lagen und um krumme zu gehen war mir die Sache zu gut.
Von jener Zeit an bis jetzt hat mein Wunsch in mir ruhen müßen, allein jetzt scheinen sich günstige Umstände zur Realisirung, und zur Vorzüglichen Realisirung desselben zu finden[.] /
[7R]
Die Familie des Herrn von Holzhausen besteht außer den 3 Knaben, deren Erziehung ich ausschließend übernommen habe noch aus 2 Mädchen wovon die jüngs älteste auch Unterrichtsfähig ist und schon seit einem Jahre und länger Unterricht erhalten hat. Der Lehrer welchen <      > daß ich dieses Mädchen bis jetzt hat ist ein Appenzeller, und war früher Unterlehrer in der Anstalt Pestalozzis; das Mädchen - Sophie heißt sie, ist daher auch bis jetzt dem Verlangen und Forderungen der Mutter gemäß nach Pestalozzi Grundsätzen im Rechnen, im Sprechen und im Lesen unterrichtet worden.- Dieser Lehrer der Sophie,- der zugleich angestellter Lehrer an der Musterschule ist, ist jetzt genöthigt, oder was uns gleichviel ist, will bis Ostern diese Stunden abgeben.
Du weißt, daß ich einen schriftlichen Vertrag mit dem He. v. H- gemacht habe, und wo ich ausdrücklich blos die Erziehung der Knaben übernommen habe und worinne auch nicht im Geringsten des Unterrichts der Sophie gedacht ist, und wollte ich auch - wie bis jetzt schon von mir geschehen ist, die Sophie in manchen Stunden beschäftigen, so könnte dieß nur im Deutsch und Französisch Schreiben, im Zeichnen, im MaasVerhältniße seyn, je und dieses immer - wie jetzt schon, blos mit Nachtheil für meine Knaben und mit geringem Vortheil ja in mancher Hinsicht wohl gar mit Nachtheil für sie geschehen ist, da dieser Unterricht diese Beschäftigung die sie bei mir erhält nicht im[m]er ihrem Seyn angmeßen ist, sondern sie blos, wie man sagt: nur als Zugabe mitgeht, jenen oben gedachten Gegenstände bin ich gar nicht, wegen der zu großen Beschränktheit meiner Zeit ihr zu geben im Stande. Jener Lehrer Herr <Nanny> erhält jährlich 225 <Rheilfl.> oder 132 Rth. Rudolst[ädter] Währung.- Da die Mutter fordert und wünscht daß Sophie <hinführo>, dem Anfang gemäß, nach den Grundsätzen Pest. [oder: dem Grundsatz Pest.] unterrichtet werde, und in Frankfurt kein Lehrer zufinden ist, der sich dazu verstehen würde und könnte, so habe ich vor einigen Tagen mit He. von Holzhausen gesprochen und ihn gefragt: ob er es mir <  > ganz überlassen wolle einen Lehrer für die Sophie zu besorgen? und er hat es mir überlassen - Ich habe ihm aber bestimmt versichert daß ich noch keinen wiss[e] kenne, auch noch nicht die Art wisse einen zu erhalten.- (:Einstweilen, als nicht hieher zu gehören scheinend, muß ich Dir sagen, daß ich mir wöchentlich einige mal einen jungen Menschen aus der Stadt kommen lasse, der für mich litterärische Notizen oder sonst Verschiedenes schreiben muß, was mir bei der Beschränktheit meiner Zeit nicht selbst zu thun möglich ist, diesen bezahle ich jährlich 60 <Hl.> oder ohngefä[h]r 35 Rth.:)[.]
Die zu besetzenden Lehrstunden bei der Sophie scheinen mir die Ausführung meines Dir eben mitgetheilten Vorsatzes und Wunsches herbeizuführen; ich habe daher folgenden Plan[.] Ich will suchen einen jungen Menschen von 15-20 Jahren <   > welcher sich dem SchulAmt widmen will und der wenigstens bemittelte Eltern, besonders aber ein reines Herz u guten Kopf hat, <   > zu bekommen, einen <Mens[ch]> jungen Mann, dem seine Eltern incl[usive] Kleider jährl[ich] höchstens 130 rth geben können. Diesen jungen Mann will ich nach meinen besten und geprüftetesten Einsichten nach Pestalozzi Grundsätzen praktisch unterrichten theils ganz allein in meinen Freistunden, theils mit meinem ältesten Zögling - oder wie man es sehr trivial nennt - will ihm die: verzeihe mir diese Redens Art - will ihm die Pestalozzische Elementar Methode in ihrem ganzen Umfange lernen.- Zu seiner Unterstützung will ich ihm die Lehrstunden der Sophie übertragen welches bei der Pest: Methode, wenn der Lehrer Kopf u. schnelle Faßungs- und Urtheilskraft hat leicht möglich ist und ihm jene Summe dafür bestimmen, ebenso will ihm herzlich gerne meine 60 <Rhnfl.> bezahlen wenn er sich zu den Geschäften wofür ich sie auszahle - die oft ganz genau mit meinem Unterricht in Verbindung stehen - verstehen will. Dieser junge Mann müßte sich schriftl[ich] verbinden drei Jahre bei mir zu in jenen [sc.: jenem] Verhältnisse zu bleiben, wo ich dann überzeugt bin, daß er mit Geist u. Einsicht ein Schul- und Privatlehrer /
[8]
im wahren Geiste Pestalozzi werden würde.
Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen: warum schreibt mir dieß der Bruder? Dieße Frage soll der Gegenstand des gleich folgenden seyn.-
Einen Jüngling oder jungen Mann wie ich ihn meinen Zweck u. Plan gemäß wünschen und fordern muß, weiß ich in der ganzen hiesigen Gegend nicht zu erhalten. Und < > ob ich gleich auch nicht wüßte, wie ich aus einer andern Gegend als aus meinem Vaterlande einen solchen Mann erhalten sollte, so treibt mich noch überdieß, eine sehr sprechende Vorliebe zu den Menschen meines Vaterlandes dazu diesem Wunsche an, da ich diese Menschen immer Kraftvoll an Geist u. Körper, an [oder: von] guten Herzen und besonders sehr hervorleuchtenden, hohen, gewandten Verstand gefunden habe. Dieses, was mir bis jetzt Überzeugung ist, hat in mir den Wunsch geweckt: entweder vom Thüringer Wald oder aus Deiner Gegend einen solchen Mensch zu erhalten. Da ersteres - ihm vom Thüringer Wald zu erhalten, wegen unsern abgebrochenen Verbindungen daselbst, wohl nicht mögl[ich] seyn möchte, so würde es mir lieb seyn, wenn ich nur einen aus Deiner Gegend erhalten könnte, die sich doch auch schon dem Gebirge sehr nähert.
Zu der Erfüllung dieses Wunsches nun beizutragen, sie mir herbeizuführen ist meine Bitte an Dich und die Ursache der Mitteilung des vorhergehenden. Wenn ich aber diesen Wunsch gegen Dich ausspreche, Dich um die bitte zur Erfüllung desselben, mitzuwirken, der Du doch so schon mit so viel Geschäften und Sorgen überladen bist, so liegt die Ursache in einem höhern Zweck in einer weiter berechneten Wirkung. Diesen höhern Zweck diese h weitere Wirkung auseinander zu setzen soll das diesem soll das nächst folgende bestimmt seyn. Vorher will ich die Gründe die auf mich zurückwirken kurz wiederholen:
1) Erhielt auf diese Weise Sophie einen Lehrer, der sie nach meiner Überzeugung, am zweckmäßigsten unterrichten würde.
2) Würde mir mein Unterrichts Geschäft dadurch erleichtert daß ich eine zwecksmäßige Sonderung meiner Eleven und der Unterrichts Gegenstände machen könnte[.]
3) Würden dadurch meine Kinder incl[usive] Sophie immer zweckmäßig und ununterbrochen beschäftigt seyn können, welches jetzt beides nicht möglich ist, nicht möglich seyn kann.
4) Und, für mich der Hauptgrund, würde ich zur Verbreitung einer bessern Unterrichts Methode beitragen, ich würde mich der Forderung meines Herzens und Verstandes, ich würde mich meines Versprechens gegen Pest- entledigen[.]
Von den wie ich glaube sich selten findenden Vortheilen die auf das Subject zurück wirken, dieß gehört noch nicht hieher, soll aber unten auseinander gesetzt werden.
Die höhern Zwecke die weiteren Wirkungen die mich bestimmen diese Bitte gegen Dich auszusprechen sind folgende[:]
1) Bist Du öffentl[icher] Lehrer und Vorsteher größer des Erziehungs Unterichts Wesens in großen Gemeinden. Als Seelsorger - (:eine herrl[iche] Beinahme:) liegt Dir natürlich viel daran wie (wenn auch nicht jetzt, doch in der Zukunft - ich glaube <a> bei dem Gedanken daß Du es nicht mehr erleben solltest) die Schullehrer Stellen besetzt sin[d], und auf welche Weise der Unterricht in den Schulen worinne die Kinder oder Kindeskinder Deiner Familie Pfarrkinder unterrichtet werden, gegeben wird[.]
Ich muß mich hier über zweierlei erklären. Einmal über Weltenverbesserer dann über ein Mittel derselben Reformation. Erstlich wird zwar der einzelne ein unmittelbar die Ausbild[un]g desr Menschengeschlechter, nicht (gleichsam eine Umschaffung der Menschen wie sie sind, des Menschengeschlechts wie es ist, bewirken können, aber er wird gut, fruchtbar, edel /
[8R]
fruchtbar, edel auf einzelne wirken können, thun dieß mehrere, und jeder von den Gebildeten wirkt wieder gutes, so besteht die Menschheit die ja aus einzelnen Menschen besteht und bildet sich fort. Die Als Reformator auf zu treten haben nur die vom Schicksal Zeit und Umständen begünstigten Geister das Recht, aber Gutes zu wirken, Verbreiter Stifter des Guten zu seyn ist die Pflicht jedes Menschen. <          > Will mann Wirkungen des Guten sehen, so muß das Höhere im Menschen entwickelt werden, dieß geht vom einzelnen aus, <       > das Gute bedarf einen kleinen Punkt, der Pflege im Herzen eines einzigen Menschen um viel Früchte des Seegens für andere zu bringen. Die Wirkung Verbreitung des Guten geht vom Einzelnen aus; darum wecke pflege man im Einzelnen den Funken des Guten. Dieß ist der Einzige Weg auf welchen, das Einzige Mittel wie man jetzt Gutes thun, Gutes stiften kann. Du wirst also sehen mein Bruder daß ich weder als Weltenverbesserer noch als Reformator <auf>treten will sondern, daß ich blos meine Hand dem der sie will, und dem der es mirs erlaubt zum freundschaftlich liebenden Geleite zum allgemeinen Ziel - Vervollkommnung - reichen will.
Diesen Absprung vom Ganzen den ich machen mußte, damit ich richtig von Dir aufgefaßt werde, und damit Du mich in meinem Wollen, nicht verkennst sey auch hinlänglich zum wahren Maaßstab des Gesagten und deßen was ich noch sagen werden.
Ich fahre jetzt in der Aufzählung der Gründe die mich bestimmen mich gegen Dich auszusprechen fort.
2) Ich war selbst bei Pestalozzi in seiner Anstallt, die was den Unterricht betrifft ganz die Einrichtung einer vollkommenen öffentlichen SchulAnstalt nach Pestalozzi Grundsätzen hat; ich habe die Wirkung der <    > Pestalozzischen <    > Unterrichtsweise auf die Schüler gesehen, und war <erstaunt> begeistert, alles lebt als [sc.: alles] ist Thätigkeit Freude Wonne. Drei vierteljahr war ich Lehrer an einer öffentl[ich]en Schule, wo ich freilich den Forderungen meines Herzens und Verstandes gemäß nur wenig handeln konnte - wo ich noch nicht den mehr richtig prüfenden Maaßstab der Erfahrung in mir hatte, daß zufällige von dem absoluten, die <  > Form vom Geiste zu unterscheiden. Ich habe unendlich viel Mißgriffe gethan habe mir und meinen Schülern die Sache oft sauer und wie man sagt trocken gemacht; meine Forderungen an meine Schüler waren unbedingte Ruhe und Aufmerksamkeit ich war unerbittlich streng, und dennoch waren die Kinder in keinen Unterricht lieber als in den Meinigen, die Kinder hatten mich herzlich lieb, und weinten bittere Thränen als ich von ihnen ging. Auch bei meinen Knaben deren Erzieher ich jetzt bin habe ich - ich gestehe es Dir und muß es Dir gestehen habe ich manches - viel versucht manchen Mißgriff gethan. Aber wie mein Unterricht auf sie wirkt hast Du oben gehört; ich glaube also wohl daß mein Urtheil einiges Gewicht hat, daß mein Ausspruch <der> einer strengen Prüfung werth ist - und ich sage mit vollster Überzeugung[:]
Nur der Unterricht im Geiste Pestalozzis - und aber auch der Geist hat seine bestimmte Formen durch welche er sich entweder einzig oder durch welche er sich am besten ausspricht - dieß ist unumstößlich wahr[.] Daher muß m[an] mit Verwerfung oder Verbesserung der Pest: Formen sehr behutsam und sehr prüfend zu Werke gehen. Also nur der Unterricht im Geiste Pestalozzis ist der einzig wahre Naturgemäße, es ist der einzig beste für den öffentlichen und Privat Unterricht. Und vieles von dem was mamn ihr zum Vorwurf macht gereicht ihr gerade zu zur Empfehlung, z.B. daß Zusam[m]en mit einander sprechen, wovon ich in mir Beweise habe. /
[9]
Also das Empfehlende der Pestalozzischen Methode zum öffentl[ichen] und privat Unterricht im allgemeinen, ist der zweite Grund meiner Bitte an Dich. Dieses wende ich
3)tens auf Dich als Volkslehrer und in einen bestimmten Kreise und auf Dich als Vater an. Und hierinnen liegt mein dritter Grund, mein dritter höherer Zweck den ich zu durch meinen die Ausführung und Realisirung meines Planes zu erreichen denke und hoffe. Wirst Du einst die Pestalozzische Methode genau kennen so wird [sc.: wirst] Du als Vorsteher Deiner Schulen und als Vater wünschen Sie anwenden zu können. Zum ersten werden Dir dann die Subjecte, zum zweiten wird Dir die Zeit fehlen. Wie gut wäre es denn, wenn Du einen Mann kenntest, der entweder Dich oder Deinen Schullehrer oder sonst irgend eine Person, gleichviel einen ordentl[ichen] Bauernburschen (:diesen wenigsten in der ersten Elementar Methode:) oder einen jungen Mensch armen - sonst aber gesitteten Menschen aus Stadtilm praktisch unterrichten könnte. Denn praktischer anschauliche Belehrung gehört dazu um sich selbst zum Lehrer dieser Methode zu bilden. Wie beruhend würde es für Dich seyn, wenn Du wenigstens täglich 3 oder auch nur 2 Stunden Deinen Julius mein Thorchen beschäftigt, zweckmäßig gut für das Kind angenehm beschäftigt wüstet. Dieses zu erreichen müßte dann nicht nur möglich, müßte sogar leicht seyn. Könntest Du nun gar diese Methode in Deiner Schule <  > anwenden, welche herrlichen Wirkungen würdest Du davon bei in Deinen Gemeinden sehen. Dieß müßte so recht nach u. nach gesche[he]n; den allerersten Versuch müßtest Du den die Gemeinde liebt, zu dem sie zutrauen hat machen; und zwar mit dem Rechnen erst mit wenigen fähigen Kindern, damit die Vorzüge recht in die Augen springen, - dann mit dem Schreiben, - dann mit dem Lesenlernen endl[ich] mit dem Sprachunterricht, o! daß müßte eine Lust seyn dann in eure Schulen zu kommen, die Freude müßte aus den Augen aller guten Kinder strahlen.- Unsere Schulen im Vaterland glaube ich sind unter vielen die besten, wenigsten[s] die im Pfarrspiel des Vaters - und wenn ich doch daran denke wie viele Kinder oft unbeschäftigt sitzen - wie viele Dum[m]heiten da vorgehen, besonders wo Jungen u. Mädchen zu gleicher Zeit unterrichtet werden, dieses was ließe sich da nicht gutes stiften; denke ich gar an die Stadtilmer schule welches doch eine Stadtschule ist - die man bedenke 3 Lehrer hat und zu meiner Zeit mußte alles der liebe Stock thun, besonde keine Klasse ausgenommen. Die Armen Kinder beim He: Collaborator welche Schläge gabs da. Beim Herrn Mag.- hätten wir de bessere Knaben uns nicht noch manchmal selbst beschäftigt ich gla und hätten wir nicht viel Trieb gehabt etwas zu lernen; ich glaube wir hätten noch weniger gelernt. Wäre in alle diesen Schulen in den Untern Klassen einstweilen der Pestalozzische ElementarUnterricht eingeführt - den große Knaben zu ihrer eigenen gründlichen VerstandesAusbildung - besorgen konnten Welches wesentl[ich]e Gute ließe sich da für die obern Klassen thun.- Du brauchst mir nicht zu sagen, daß dieß in dieser Ausbreitung noch zum frommen Wunsche gehört - ich weis dieß selbst recht gut, allein alles Gute geschähe ja nicht auf einmal, alles Gute war erst frommer Wunsch, ihn zu hegen ward von vielen für abentheuerlich gehalten; die Sache muß erst eingeleitet seyn. Wenn dieß Niemand thut, wenn sich Niemand dazu versteht den Anfang zu machen so bleibt es ewig beim Alten. In Unsern lieben Vaterlande zu mal, wo man dieses Bessere - wie ich glaube noch gar nicht kennt. Wie würde sich da jemals etwas Gutes in dieser Sache thun lassen als ja nur hoffen lassen als durch eine Demonstratio /
[9R]
ad oculos. Glaube mir mein Bruder daß ich dasjenige was ich in fröhlicher Hoffnung niederschrieb, daß ich das erstlich einmal bald, zweitens daß ich das dieß alles so in seiner Ausdehnung ausgeführt sehen will. Beides nicht, das Gemälde, besonders das Gemahlte welches wir von einem geliebten Gegenstand entwerfen trägt für immer das Gepräge der Liebe, die unser Herz dabei erfüllte. Aber mein Bruder sollte ja auch nur unbedeutend wenig sollte es ja nur einen geringen Bezug zur <naturgemäßen> mehrseitigeren Ausbildung Deiner Kinder haben noch wäre dieß nicht Vortheil genug?- Und sollte es auch für unser Auge keinen Nutzen zu haben scheinen,- Schon das gute was wir als Gut einmal erkennen ist mit Kraft darzustellen ist unseren unerläßige Pflicht, und schon das Gute mit Kraft und Aufopferung gewollt wirkt gutes[.]
Lieber Bruder verarge mir die Ausströmungen meiner Freude, auf der vorigen Seite nicht, und bes und lasse Dich dadurch an meiner Ruhe nicht irre machen unser Herz muß ein Ideal haben nachdem es strebt, das unsere Handlungen belebt, unseren Geist und Körper mit Kraft stärkt. Allein ich habe es nur gegen Dich gleichsam als meinem zweiten Selbst ausgesprochen. Außer Dir und mir braucht ja niemand nichts davon zu erfahren als da wo es Nutzen schaft.- Glaube mir Bruder - glaube mir auf mein Wort ich bin will gerne recht still recht geräuschlos, recht unbemerkt handeln - ich spreche hier meine tiefste wahrste Empfindung aus, ich bete nichts andern nach - wenn ich nur handelnd - bildend das darstellen kann, was meine Seele erfüllt was mein Geist als wahr erkennt.)- Ein hoher Ernst ein hehre Würde erfü ein fester Glaube an mich erfüllte mein ganzes Wesen als ich dieß niederschrieb. Pestalozzi Worte die er mir zum Abschied u. zum Andenken und zur Erinnerung an unsere Unterhaltungen an meine Versprechungen niederschrieb stehen mit Flammenschrift in meinem Gemüthe.
"Der Mensch bahnt sich mit der Flamme
"des Denkens u. mit dem Funken des Redens
"Den Weg zu seinem Ziel
["]Aber er vollbringt diesen Weg
["]er vollendet sich selber
"nur durch Schweigen u. Thun.-["]
----------
Meine Bitte an Dich ist daher mir durch Deine Bekanntschaft einen jungen Menschen zu obigen Zweck zu verschaffen er müßte in seinen Eigenschaften im Allgemeinen dem <H   > Rudolph - dem der Vater latein: Stunden gab - und dem von Dir unterrichteten jungen Sorgen haben gleichen. Doch diese Eigenschaften näher bestimmt wären sie
1) es müßte ein fäh[i]ger junger Mensch seyn, mit reinem Herzen, den aus dem sich der Bildungstrieb bestimmt ausspreche.
2) er müßte die Knabenschu[h]e ausgezogen und am liebsten ein Alter von 15-20 Jahren haben.
3) er müßte bemittelte Eltern haben die ihm 3 Jahr hindurch mit 100 rth bis 150 Rth Rudolst[ädter] Währung unterstützen könnten, und ihm diese Summe wenigstens Vierteljährig vorausbezahlen könnten.
4) Müßte er die Reisekosten bestreiten können und ohngefähr noch außer dem zur ersten Einrichtung 6- Rth Überschuß haben. /
[10]
5) Müßte er wenigstens so ziemlich orthographisch schreiben können
6.) Je angenehmer sein äußeres, je gefälliger sein Betragen - jemehr er sich in diesen Eigenschaften dem jungen Rudolph oder dem jungen Sorgen nähere desto mehr Glück für ihn und mich, weil ich ihn dann immer um und bei mir haben, könnte weil ich dann durch mein Verhältniß nicht abgehalten würde ihn so nahe mir so nahe als möglich zu stellen.
7) Eine Zugabe die ihm viel nutzen würde - die aber wie sich schon dad[urc]h daß es sie Zugabe ist ohne den geringsten Nachtheil fehlen kann, wäre, wenn er Musik verstände - je weiter er darinne wäre desto besser. Mein ältester Eleve spielt schon ziemlich fertig Violine und übt jetzt <Quardets>. Die Frau von Holzhausen hat einen sehr vorzügl[iche]n Flügel und ich gäbe ihn mein Wort, hätte er die Eigenschaften von Nr 6 daß er denselben benutzen könnte. Er würde sich dadurch besser bilden und würde leicht die Gewogenh[ei]t d[es] He. von Holzhausen verschaffen können der Musik sehr liebt. So wie überhaupt hätte er jene Eigenschaften er bestimmt das Interesse der Frau von Holzhausen für sich haben würde, die sich für jedem jungen Menschen interessirt, dem es ein Ernst ist sich selbst zu vervollkommnen und der einen höhern Zweck, dem er sein Leben weiht, vor Augen hat, der sich besonders der Erziehung und Unterricht widmet.
Ich versichere aber nochmals daß diese Forderung Eigenschaft gar nicht im mintesten wesentl[ich] ist, und ich würde sie gar nicht erwähnt haben fände sie sich besonders auf dem Thüringer Walde nicht so leicht und gewöhnlich.
Nach diesen einzelnen Voraussetzungen theile ich Dir nun meinen Plan in so fern er auf das Sub den jungen Menschen bezug hatt in seinen Theilen mit.
1) Du kennst meine Lage daß ich ganz unabhäng[ig] von der häuslichen Einrichtung der Familie lebe, daß ich gleichsam eine für sich bstehende Haushaltung habe, die blos von dem Hause des He. v. H[olzhausen] aus besorgt wird. Daß ich in einem andern Hause ganz getrennt von der eigentl[ichen] Familie wohne. Daß ich in allen meinen Handlung[en] nur durch die Forderung meines Verstandes bestimmt werde
2) daß ich in Allem was die Erziehung und dem Unterricht betrifft ganz unbeschränkt handeln kann, in so fern die Mittel meine Zwecke zu erreichen in mir, in meiner Kraft und in meinem Wirkungskreise liegen; daß ich über Zeit über Unterrichtsgegenstand über Unterrichts Methode, über Beschäftigung der Kinder wohl bemerkt in so fern ich alles durch mich und d[urc]h die mir zu Gebote stehenden Mittel erreichen kann - frei und unbeschränkt disponieren kann. Daß der Vater nur den Effect als Rechtfertigung meines Handelns annimmt, über die Mittel zu der Erreichung desselben sich alles Urtheils gerne begiebt.
Dieses Dir zwar schon bekannte hier ins Gedächtniß zurück zu rufen war nöthig jetzt kann ich Dir ungehindert meinen speziellen Plan mittheilen.
1. Ich werde ihm nach einem festen bestimmten Plane, wenigstens in der und nach der Pestalozzischen ElementarMethode unterrichten und belehren; dießes wird geschehen
a) entweder theils in eigenen Stunden die ich ihm in meinen Freistunden geben werde
b) dadurch daß ich ihm zugleich mit meinen ältesten Knaben Unterricht gebe deßhalb muß ich
2) Uneingeschränkt über seine Zeit disponiren können. Die Art wie er sich beschäftigt, alles hängt von den Forderungen unseres gemeinsamen Zweckes ab. Er wird deßhalb
a gleich frühe am Morgen zu mir kom[m]en, wo er /
[10R]
Ó) während der Zeit die meine Eleven zur Präparation haben von mir allein Unterricht erhält.
ß in den darauf folgenden Stunden wird er entweder das gelernte für sich wiederholen oder sogleich bei meinen Eleven praktisch anwenden, oder sonst Geschäfte die im Plan liegen besorgen.
b nach Tische wird er beim Spiel meiner Knaben seyn, und mitspielen dieß um mit Kindern frei umgehen zu lernen, welches nöthig ist wenn er einst guter Lehrer werden wird.
Die Benutzung der Nachmittags Zeit <oder der ? ? ? > wird von Umständen abhängen und sich in Unterrichtet werden und unterrichten theilen, in jeder ander[n] Beschäftigung aber übrigens in engsters [sc.: engster] Verbindung mit unserm Zwecke stehen.
c. Die Abendzeit werde ich wieder wenigstens großen Theils ihm widmen; ebenso Stunden am Sonntage oder Festtagen.
d. Auf unsern Spaziergängen werden wir uns unsern gemeinsamen Zweck gemäß unterhalten, so wie überhaupt dieser bei keiner Beschäftigung aus den Augen gelassen werden wird. Beschäftigt er sich für sich, so wird dieß darinne bestehen, daß er die Hauptpunkte des Gelernten und Gehörten niederschreibt, oder daß er sich Vorbereitungen zu den Unterricht Stunden macht.
3) Dieses alles unserm Zwecke gemäß am besten ausüben zu können wäre es sehr gut wenn er zugleich mit auf dem Guthe He. von Holzhausen wohnen könnte, da dieß aber nicht mögl[ich] ist, so wird er wenigstens nicht in der Stadt sondern auf einem Gute oder Garten in der Nähe unseres Gutes wohnen.
4) Seine ökonomische Einrichtung würde ich ihm wohl bemerkt für Frankfurt so wohlfeil als mögl[ich] einrichten. Würde er meinen Wünschen entsprechen, besonders in Hinsicht seines Betragens, <      > so hoffe ich daß es mir sehr leicht werden würde ihm anstatt des Stundengelden, bei mir am Tisch nehmen zu können und ihn mit mir frühstücken lassen zu dürfen. Überhaupt je vollkommner er wäre, jemehr er die Anlagen zu einem guten Lehrer hat zu desto mehr würde ich ihm Hoffnung machen können. Ja ich glaube würde die Mutter mit seinem Betragen und seiner Unterrichts Weise zufrieden seyn können, ich könnte ihm Hoffnung machen, später z.B. nach einem Jahre, daß er außer der oben bestimmten Summe noch bei mir freien Tisch erhalten würde. Je weniger aber seine Person, sein Äußeres, sein Betragen für ihm spräche, desto weniger würde ich ihm ausser meinem persönlichen Wirkungskreise für ihm thun können. Sollte ich es mir nicht erlauben können ihn bei mir an den Tisch zu nehmen zu können so hoffe ich ihm doch alle seine Bedürfnisse durch gedachte 3 Summen bestreiten zu können.
5., Die Eltern des jungen Menschen müßten sich verpflichten ihn wenigstens drei Jahre bei mir zu lassen.
6,
----------
Ich habe zwar oben versprochen, daß ich weiter unten von den wesentlichen Vortheilen sprechen wollte, welche auf die Person, die sich mit mir zu jenem Zweck' verbände besonders mit dieser Verbindung verknüpft währ wären, allein ich finde jetzt daß alles in dem bis her Gesagten liegt und ich jetzt nur noch hinzu zu setzen habe, daß ich dem jungen Mann, der sich entschließen würde zu mir zu kommen - wenn er den Forderungen unseres gemeinsamen Zweckes /
[11]
Zweckes entspräche, und mehrere von den nöthigen, im vorigen bestimmten Eigenschaften in sich vereinige - recht herzlich und wahrhaft brüderlich lieben würde, und daß ich ihm, in meinem Betragen zu ihm nie anders als liebend belehrender Freund erscheinen würde. Diesem meinem innern Stehen zu ihm gemäß würde ich gerne alle die Aufopferungen übernehmen, die ich durch < > eigene Kraft ohne fremde Beihülfe zu übernehmen im Stande bin; ich würde weder Fleiß noch Mühe, weder Arbeit, noch Anstrengung Hindernisse aus dem Wege zu räumen scheuen um unsern gemeinsamen Zweck zu erreichen. Für alles das - was die Welt nicht aber ich - worüber ich mich gleich erklären werde uneigenützige Aufopferungen nennt würde ich keinen andern Dank kennen als die Erscheinung daß ich in dem Gemüthe des jungen Mannes ein Kraft u. Thatvolles Streben zu einem bessern höheren Zweck, zur eignen und zur Vervollkommung anderer rege.
Ich habe gesagt, daß ich bei alle dem, was ich mit Anstrengung für jenen jungen Mann thun werde nicht uneigenützig handle; und es ist wahr! viel sehr viel Gutes und sehr viel Vortheil würde auf mein persönliches Seyn zurück würken. Dieses Dir aufrichtig zu gestehen ist meine Pflicht.
Mein Verhältniß führt eine strenge Abgeschiedenheit von allen persönlich freundschaftl[ichen] Verbindungen mit sich; so daß ich beinahe alle jene freundschaftliche Mittheilung, alle jene Aussprache des Herzens, jenen Umtausch der Gedanken und Ideen, die zur Gesundheit und staten [sc.:steten] gleichformigen Wirksamkeit des Geistes so wesentlich erforderlich ist - ganz und gar entbehre.- Mein Verhältniß - wo ich die Personen der Eltern und die des Erziehers in mir vereinen muß, da ich vom Aufstehen bis zum Niederlegen meine Eleven um und mit mir haben muß und ununterbrochen ihnen leitend führend rc rc seyn muß haben mich genöthigt alle und jede persönliche freundschaftl[ich]e Verbindung in der Stadt abzubrechen da ich mich weder von meinen Kindern entfernen, noch andern zu Muthen kann, zu ihrer Erholung zu mir in den Kreis meiner Kinder zu kommen der doch eine freie unbeschränkte Mittheilung des männlichen Geistes und Herzens, besonders wie die Kinder jetzt sind - unmöglich macht; ich sehe daher in diesem Sinne genommen beinahe das ganze Jahr hindurch nur die Stunden lehrer meiner Eleven und diese natürlich dann wenn ich selbst beschäftigt bin, überdieß führt ja ihr der Zweck warum sie kommen schon ihre bestimmte Beschäftigung mit sich die nur mit dem Moment aufhört, wo sie gehen; dazu kommt noch daß dieses zwar in ihrem bestimmten Wirkungskreise gute Männer aber nicht Männer zur freundschaftl[ichen] Unterhaltung seyn können. Natürlich daß ich nun gerad[e] in den Zeitpunkten wo ich eine des Morgens, Mittags - Abends, wo ich eine persönliche Unterhaltung benutzen könnte ganz allein bin; gerade in Zeitpunkten wo ich sie am meisten bedürfte, denn Du wird [sc.: wirst] mir leicht glauben, daß wenn man den ganzen Tag nur im Kreise von 4 Kindern lebt worunter auf jedes schon - nach Verhältniß mehr oder weniger die Verdorbenheit der sogenannten feinern Welt gewirkt hat; daß es da manchen unangenehmen, ja manchen niederdrückenden niederschlagenden Auftritt giebt, besonders wenn man seine Zöglinge liebt und die Forderungen seines Berufes erkennt. Man hat da oft alle Kraft Anstrengung nöthig um sich nur wieder zu sammeln um seinen den Zweck seines Handelns und die Forderungen dieses Zwecks scharf in die Augen zu fassen damit man nicht durch eigenes <  > verdrießliches zur Unzeit strafendes heftiges Betragen, selbst alles das wieder verderbe, was man in der vorigen Zeit vielleicht wieder gut gemacht hat; und nun hat man alle Kraft zur eigenen Beruhigung - gleichsam zur eigenen Erziehung anwenden müßen, /
[11R]
woher soll nun die Kraft zu den nächsten Bildungs- und Unterrichts Stunden seiner Zöglinge kommen?- Zwingt man doch den letzten Rest derselben die etwa im Geist und Körper verbreitet ist auf diesem Punkt zusammen, so ist die natürl[iche] Folge davon natürlich Entkraftung und Abspannung des Geistes. Zwar gewährt die Unterhaltung mit der Mutter meiner Eleven hohen Genuß, allein sie ist eine Dame vom Stand, und die Verhältnisse der Welt stellen sie daher mir ferner als sie als Mutter, zu dem Erzieher ihrer, von ihr geliebten Kinder stehen sollte. Überdieß erfordert einmal die Achtung für sie als <  > Dame nicht zu ihr zu kommen, wenn mein Geist erschöpft ist, dann ist ja natürlich daß ich gegen sie als Weib nicht jede Idee die mich - vielleicht gerade sehr ernst beschäftigt, wenigstens nicht in ihrer Allseitigkeit aussprechen darf, denn das feine weibliche Gemüth kann unmöglich an den Sektions- und an den Anatomischen- an den tödtungs chemischen tödtungs und Zerlegungs Processen des männlichen Geistes Vergnügen finden. Auch liegen ihr ja die Mittheilungen und Gespräche über das Seyn ihrer Kinder, die Auseinandersetzung meiner der Gründe zu meiner Behandlungsweise derselben als liebreicher Mutter weit näher als jedes andere Gespräch; allein dieß sind nicht Gespräche der Erholung sondern der noch größern Anstreng[ung], da sie ein geordnetes Zusammenfassen aller Erscheinungen und Forderungen meines Berufes voraussetzen und ein gewähltes Aussprächen erfordern. Die Ansichten des Vaters über Erziehung und Unterricht knüpfen sich nur an den Effect, und dringen nie in den Geist ein durch welchen jener Effect bewirkt wird. überdieß ist seine das - was man seine Theorie der Erziehung und des Unterrichts nennen kann ein Gegenfüßler meiner Grundsätze.-
Was mir also Dank, Belohnung Ersatz für meine Mühe und Anstrengung die ich gerne zum Vortheil eines sich zum Lehrer Amte bildenden jungen Mannes anwenden will seyn und werden soll, spricht so wie daß meine Handlungsweise nicht den Beinahmen der uneigenützigen verdient, - welcher Beinahme wenigstens für mich immer sehr viel abschräckendes hat und Zutrauen beraubendes hat - <  folge> liegt und spricht sich im Vorigen aus. (:ich fürchte mich schrecklich für den der gegen mich uneigenützig handeln will, denn es ist wider die Natur des Menschen - Eigenutz - und liege er blos in dem Gedanken Gut edel zu handeln weil ich will liegt jede ist die Triebfeder zu jeder guten Handlung, :) und ich gebe mich gerne dem hin, der mir sagt zu welchem Zweck er sich mit mir verbindet:)
Was mir ferner Ersatz auch wenn es nöthig wäre für große Auft Aufopferungen seyn würde, liegt in dem Bewußtseyn, der Pflicht und den Forderungen des übernommenen Amtes treu gehandelt zu haben. Ich habe nun einmal die Erziehung wenigstens der Knaben mit dem festen Versprechen - welches ich erst noch jüngst < > erneuert habe - sie zu beendigen übernommen. Für die Erziehung der Mädchen habe ich zwar nur der Mutter als Freund, also ohne für die Welt gebunden zu seyn, aber doch ernst versprochen so wirksam zu seyn, als es im Kreise und Seyn des Mannes liegt zur Erziehung der Mädchen beizutragen; ich habe also als Erzieher und Lehrer Kinder von verschiedenen Alter und verschiedenen Fähigkeiten, <will ich sie richtig und <   >mäßig unterrichten, so müssen sie fast in allen UnterrichtsStunden getrennt werden> ich bedarf also auf jeden Fall einen Gehülfen, gleichsam einen Mitlehrer, Soll etwas gutes aus unserm Handeln kommen so müssen wir über die Grundsätze unser desselben einig seyn zu suchen. Einen solchen Gehülfen zu <sehen> auch mit Aufopferungen zu erhalten muß mir Pflicht seyn, das Bewußtseyn ihn gefunden zu haben führt zum Ersatz das Bewußtseyn seine Pflicht erfüllt zu haben mit sich.- /
[12]
Daß Du, mein guter Bruder! nun, zur Erreichung meines Zweckes nach dem Dir Mitgetheilten beitragen wirst, was Du kannst, bin ich von Dir überzeugt. Ich habe Dir aus gutem Vorbedacht alles wenigstens angedeutet, was in meiner Seele deßhalb liegt, um Dich in den Stand zu setzen, <d > frei und uneingeschränkt meinem Wunsche gemäß für mich und meinen Zweck handeln zu können. Es würde mir lieb seyn, wenn es Dir Deine Geschäfte erlauben sollten, diesen Brief wenigstens noch einmal durchzulesen. Daß Du von dem Dir Mitgetheilten nur das Nöthigste gegen andere aussprichst, brauche ich nicht zu erinnern; dagegen aber wird er mir lieb seyn, - sollte sich in dem Kreis Deiner Bekanntschaft kein junger Mensch für mich finden wenn Du meinen Wunsch gegen Bekannte, besonders bekannte Geistliche, die zur Erfüllung desselben beitragen könnten, aussprichst. Auch in Willingen und jener Gegend soll es sehr fähige Menschen geben. Traugott - dieß fällt mir in diesem Augenblick ein, könnte vielleicht - bei seiner großen Bekanntschaft besonders im <Paulinzeller> Amt am <z   > fruchtbarsten für mich thätig seyn. Am liebsten ist mir zwar immer ein junger Mensch aus dem Bauernstande, Bauer- oder Pachter-Sohn, <               >, doch würde mir eben so lieb der Sohn eines Schulmeisters seyn, wenn die Pedanterie des Vaters sich nicht auf ihm übergetragen hatte.
So große Vortheile aus der Erfüllung meines Wunsches auf mich übergehen, so bin ich doch fest überzeugt, daß ich einem jungen Menschen dieser Art ein vorzügliches Verhältniß antrage, ein Verhältniß wie es sich selten findet. Wenigstens ich würde mich hoch beglückt gehalten haben, wäre es mir noch nachdem ich von Jena zurück gekommen war, möglich gewesen in ein solches Verhältniß zu treten,
Welcher herzlicher und brüderl[ich]er Dank euch aber von mir werden würde kannst Du, könnt ihr euch selbst sagen, wenn ihr die Darstellung meines Gesellschaft Lebens nochmals lesen, oder Euch wenigstens des Gelesenen erinnern wollt. Es ist zwar wahr eine vorzügliche Gesellschaft leistet uns eine gut gewählte Bibliothek, und man findet oft in der Bücherwelt einen Freund, Theilnehmer, Tröster, allein man muß da wenigstens in der Stimmung seyn sie aufzusuchen. und auch diese verläßt uns ja leider so oft,
Ehe ich meine Mittheilungen über diesen Gegenstand schließe, muß ich Dich recht sehr bitten: mir so bald als nur möglich ist, nur mit ein paar Worten zu schreiben ob Du die wenigstens Wahrscheinlichkeit hast etwas für mich hoffen zu können. Vergieß und übersieh nicht, daß in dieser Bitte blos die Mittheilung der Wahrscheinlichkeit liegt, übrigens liegt mir an dieser Mittheilung schon sehr viel
----------

Am 21sten März. Jetzt nun endlich zurück zur Beantwortung Deines Briefes.
Zu erst danke ich dir brüderl[ich] für die Schenkung Deines Antheils an der A.W.H. Die andern Brüder werde ich meinem Versprechen gemäß so bald als mögl[ich] befriedigen früher als Michaelis wird aber der Bruder keine Rechnung darauf machen dürfen. Den Verlust den Deine Knaben, d[urc]h mein Eigenthums Recht auf die A.W.H. erleiden werde ich ihnen auf welche Weise es immer sey, später zu ersetzen, werde ich mir zur Pflicht machen, denn jetzt schon schafft mir der Gedanke: mich vielleicht einst auf eine ähnl[iche] Weise zu ihnen zu stellen, als mein väterlich gesinnter liebreicher Onkel sich zu mir gestellt hatte.
So viel ich mich erinnere wurden nach dem Tode des Vaters in dem Bücher- /
[12R]
kasten noch Theile der Allgem: W: H gefunden die noch ungebunden waren, sind diese nach der Hand gebunden worden und sind sie unter den erhaltenen Büchern oder wie ist es mit denselben; schreibe mir doch in dem nächsten Briefe Briefe etwas darüber; auch beantworte mir die Frage: wird die A.W.H. fortgesetzt, und ist es wohl der Mühe und des Geldes werth sich die Fortsetzung anzuschaffen?- Vergieß es nicht mir diese beiden Fragen zu beantworten.
Zugleich fällt mir jetzt ein, daß ich noch keine Nachricht von Dir erhalten habe: ob das Capital welches ich an den He. Onkel in Willersleben zu bezahlen habe abgetragen ist, oder ob Du es noch fortdauernt verzinsest; Es kann mir dieß zwar gleichgültig seyn, es war dieß daher blos eine Frage um zu wissen wie es damit steht.
----------
Da Du dieses Frühjahr und Sommer in Deinem Garten ziemlich zu arbeiten hast so bitte ich Dich mir die Erfüllung Deiner Bitten um Weinfresser (:wie sie hier heißen) und um Pfropfreiser bis künftiges Jahr zu erlassen, mehreres nöthigt mich diese Bitte an Dich zu thun, dann soll sie aber auch im vorzügl[iche]n Grade erfüllt werden - ich und ich werde gewiß Wort halten.
----------
Für Deinen der und der guten Schwägerin Schattenriß, welchen Du mir zum Geschenk gemacht hast danke ich Dir sehr, den Zweck zu dem Du sie beigelegt hast, werden sie nie verfehlen, so lebhaft übrigens das Andenken ist mit welchem ich mich Eurer erinnere.- Mir scheint die Zeit seit ich Euch nicht gesehen habe erstaunlich lang so schnell sie übrigens die <let> verflossen ist, denn bedenke in wenigen Monaten werden es schon 3 Jahre daß ich von Euch abgereiset bin. Ich sehne mich recht oft nach Euch besonders möchte ich Eure Kinder gerne einmal sehen; Thorchen muß ein hübsches Kind seyn. Deine Knaben Du welche Du als Knaben Jungen von deutschem Schlage schilderst möchte ich gerne kennen lernen. Grüße Thorchen von mir, und sage ihr, daß ich sie recht sehr lieb hätte.
----------
Auch für die mir überschickten Pappiere vom Vater danke ich Dir; ich habe mich Glücklich geprießen der Sohn eines so rechtschaffenen biederen Vaters zu seyn. Lieb ist es mir ob gleich der Vater schon mehr als 6 Jahre nicht mehr wirkt, daß ich die Verhältnisse genauer kennen gelernt habe, in welchen er, und wie er in denselben gewirkt hat.- Die Akten des Streites mit den Medizinhändlern, haben mir ihn sehr edel geschildert, heiße Thränen haben mir bei Durchlesung der Berichte des Vaters in den Augen gestanden, und diese und die Briefe an den G. Sup. Jahn, haben meine Vorsätze: immer gerad, aufrichtig u streng nach dem was mir die Pflicht gebietet zu handeln - unerschütterlich gemacht.- Diese Briefe wund jene Akten werde ich mir noch lange aufheben; man studirt ja wohl die Lebensgeschichte anderer Menschen um sich gegen die Widerwärtigkeiten u. Drangsalen des Lebens die man auch bei den besten Zwecken, erfährt, zu stählen, warum sollten uns nicht die Ungerechtigkeiten noch mehr das ruhig standhafte Betragen des Vaters mit dem er die ihm zugefügten Ungerechtigkeiten ertrug - Mit Ausdauern u. Muth erfüllen?
Auch die Verhältnisse, in denen der Vater lebte waren mir Beweiß für das was C. W. Snell sagt in seinem Buche Über Sittlichkeit in Verbindung mit der Glückseligkeit einzelner Menschen u. ganzer Staaten B[eweis] [.] /
[13]
Wenn ein Mann von Hellem Geiste und edlem Herzen, sein Wirkungskreis sey ein Staat, ein Dorf oder eine Familie, es einsieht, daß ohne wichtige und tiefeingreifende Veränderungen der Menschheit nimmer mehr könne aufgeholfen werden - den schönen rühmlichen Vorsatz faßet an seinem Theil, was in seinen Kräften stehet zu thun um wenigstens einige seiner Mitmenschen ihrer hohen Bestimmung näher zu führen, die Summe des Glücks auf Erden zu vermehren, und des Elendes weniger zu machen: - o wer zählet dann die Schwierigkeiten, die der thätige Menschenfreund zu überwinden, wer die Gefahren denen er Trotz zu bieten hat? wod[urc]h Tausende, bei wirklich reinen und starken Regungen für das Gute und Edle doch abgeschreckt werden richtige Versuche zur Vervollkomm[n]ung der Menschheit zu wagen.
----------
Wie kommt es mein Bruder daß Du mir mit den Büchern meine letzten Briefe, besonders aber den Dir im vorigen Frühjahre oder Herbste mitgetheilten Plan nochmals auf einer Universität zu studiren - nicht mit zurück geschickt hast? Du hast es wohl vergeßen nicht wahr?- Nun muß es bleiben bis sich einmal eine schickliche Gelegenheit dazu findet; nur bitte ich Dich, <he> mir dieselben aufzuheben.
----------
Der Schwager in Kochberg schreibt mir in einem Brief vom 24 Felbr [sc.: Febr.]
"daß Karl ein Bräutigam mit Mademelle Scheibin rc ist, das ist Ihnen
"wohl noch eine Neuigkeit; w[ann] Hochzeit werden wird ist noch nicht bestimmt.
"es ist ein reiches Mädchen und soll auch prav seyn; die Mutter ist sehr mit
" dieser Mariage <sehr> zufrieden."
Ist denn der Karl klug - ein Büchergelehrter und im 21sten Jahre eine Frau ich will nicht niederschreiben was ich darüber denke, aber mit Ruthen sollte man ihn doch den Übermuth bestrafen, denkt denn der junge Mensch, Gatte Hausvater, Vater Erzieher seiner Kinder zu seyn ist, wenn man Geld hat nur ein Possenspiel. Mann seyn - gehört unerlässig dazu um Gatte und Vater zu seyn. Aus dieser Heirath wird was gutes werden!- ich sehe es kommen so <eine>. Mögte <Wirthschaft> was meine große Freude ist. Ich kenne doch kaum etwas was mehr ärgerlich ist als ein Mann mit flaumen Barte. Gut ich will ihm und der Mutter ihre Freude weder mißgönnen noch stöhren, am allerwenigsten sie bald mit ihnen theilen.- Übrigens bin ich fest überzeugt die Mutter ist an diesen unüberlegten Schritt Karls Schuld; wenigstens hätte sie ihn nimmer dulten sollen; aber sie wird gewiß glauben, Karln den Himmel auf die Erden und sich dadurch in den Himmel gebracht zu haben; dafür aber hat sie auch zu verantworten was daraus folgt.- Mir ist der Schritt Karls ein wahres Ärgerniß-
Dir mein Bruder gestehe ich aufrichtig, daß ich Karln eines Thaten vollen Lebens fähig hielt, daß ich hoffte die Schule der Welt, der er sich übergeben würde würde aus ihn zum Manne bilden; ich hoffte wir würden aus Brüdern Freunde werden und uns gemeinsam zu einem höhern Zwecke verbinden, da unsere beiderseitigen Kenntnisse - so ahndete ich, vereint (wenigsten später) ein vollkommnes Ganze bilden würden. Ich hatte im Stillen den Plan aber mehr ausgebreiteter mit ihm, den ich Dir jetzt in Bezug auf einen andern jungen Menschen mitgetheilt habe; doch ich erinnere mich eben daß Du dieß schon weißt. - Gewiß aus Karln hätte noch etwas gutes werden können hätte er mehr Zutrauen zu sich gehabt /
[13R]
gehabt und ohne Eitelkeit Anmaßung, hätte er mir gefolgt, jetzt ist er für immer für etwas besseres verlohren, es ist doch Schade für ihm, und er dauert mich, denn zu einer höheren Weltansicht wird er sich nun schwerlich emporschwingen. Ich glaube ich wollte lieber die Nachricht von seinem Tod als von seiner Verheirathung hören.
----------
Ferner schreibt mir der Schwager und fast gleichlautend mit ihm der Bruder in Osterode:
daß er herzlich wünsche daß ich bald in eine Lage kommen möge die
mir dauerhaftere Aussichten verspricht, und daß ich bald festen Fuß
fassen möge.
Ich halte es für nöthig darüber etwas darüber, besonders gegen Dich zu sagen, damit Du, sollte Dir vielleicht auch dieser Wunsch mitgetheilt werden weißt, was Du darauf zu antworten hast.-
Erstlich bin ich wenigstens für die ersten zehen Jahre fest an meine Stelle durch mehrmalige Versprechen gebunden, also <fe> vor Verlauf dieser Zeit ist an sogenanntes festes Fuß fassen nicht zu denken; Zweitens werde ich nie in Dienste eines Staats oder Fürsten treten, sondern ich werde immer ein freyes privat Leben führen. Wie meine jetzige Lage mich dazu führen soll ist freilich nicht leicht abzustehen, denn gleich mein Salar [sc.: Salär] von vorigem Johanni an um 140 <?> erhöht worden ist und ich nun jährl[ich] gerade 700 <?> ohngefähr 412 rth stehe, und dieses Salar in einigen Jahren um ein namhaftes erhöht werden muß, so lassen sich dabei besonders bei den literarischen und wissenschaftl[ichen] Bedürfnissen die ich habe doch nicht die mintesten Schätze < ? > sammeln, allein - doch dieses spreche ich einzig nur gegen Euch beide Brüder, Dir und Traugotten aus, ohne daß ich jedoch sonst <ge> außer dem historisch factischen etwas gegen andere erwähne; in den ersten Häußern Frankfurths ist es eingeführt, daß die Erzieher welche die Erziehung ihrer Eleven beendigen, einen großen Theil ihres Salars als jährliche lebenslängliche Pension behalten, die sie dann gebrauchen können wo und wie sie wollen; auch mir scheint es als wenn ich mir Hoffnung machen könne, nach Beendigung der Erziehung meiner Eleven, meine Salar als jährl[iche] lebenslängliche Pension zu behalten, da es mir dann möglich würde unbeschränkt zu leben und ich mich einst entweder dem höhern Lehrgeschäfte oder einer größeren ErziehungsAnstalt widmen werde, so siehst Du leicht ein, <wie> daß es mit der dauerhafteren Aussicht und mit dem festen-fuß-fassen vor der Hand wohl sein Bewenden haben müße. Ubrigens bitte ich Dich recht sehr, daß Du von der Hoffnung die ich mir mache jegen [sc.: gegen] niemand etwas aussprichst, weil andere Leute über so etwas immer gern Brief u. Siegel habe, welches ich aber gar nicht liebe.- Und wenn auch alles nicht wäre, so macht <mir> meine jetzige Lage, wie wohl selten eine andere, mir leicht möglich mir einen für mich gewählten G literarischen und wissenschaftlichen Apparat anzuschaffen. Einen schönen Beitrag dazu - dieß muß ich hier doch erwähnen - habe ich an Weihnachten erhalten wo mir mit <Heerens> Handbuch der Geschichte der Staaten rc, u. dessen Ideen
über den Handel und das Verkehr der Alten, - dann mit der Reise
des jungen Anacharses übersetzt von Barthelemi, und als eine Fortsetzung der alten Geschichte in der-
selben Alexander der Eroberer von Dr Peßler, zusammen 11 Bände
in sehr geschmackvollen S grünen Saffian Bande ein Geschenk gemacht wurde ein Geschenk von beinahe 100 <?>. /
[14]
Ich habe jetzt eben nochmals Deinen Brief durchgelesen, und fühle mich auf neue vielfach verpflichtet für alles dasjenige was Du für mich zur Erhaltung der Allg: W. H. und Luthers Werke gethan hast, ich danke Dir brüderl[ich] für alle die Mühe und Geschäfte die Du deßhalb übernommen hast; aber wie kommt es, daß ich mir keine Schuld für Luthers Werke angerechnet finde, die zu bezahlenden 30 rth sind ja blos für die A. W. Historie?- Hast Du wie ich glaube, den Preis v[on] L[uthers] W[erken] anzurechnen vergessen, so melde mir an d wem von Euch ich den Betrag derselben zu zahlen habe.
----------
Ob ich mit der Anrechnung der Kiste statt der wenig ausgelegten Groschen für Roderich rc zufrieden bin?- wie kannst Du fragen da ich dadurch 3fach bezahlt werde. Deine brüderliche Uneigennützigkeit erfüllt mich wahrhaft mit Freude.
----------
Auch für die Mühe die Du Dir wegen einer WirtschaftsMamsell gegeben hast danke ich Dir, so wie Dir auch die Fr: v. Holzhausen ihren Dank sagen läßt.
----------
Ich habe in meiner frühern Adresse meine Eleven die Holzhausischen Kinder genannt, als ich aber Deinen letzten Brief erhielt ist mir dieser Fehler aufgefallen es muß heißen Holzhausenschen Kinder - weil der Vater Holzhausen heißt. Ich erwähne dieß blos <be> weil man vielleicht über diesen Fehler einmal könnte, was ich gerne vermeide.
----------
Lebe recht wohl mein guter lieber Bruder, ich grüße herzlich Deine Frau und Kinder und dem Bruder in Stadtilm und wünsche Euch inneren Frieden und Freuden des Herzens, für die man ja wohl etwas in der äußern Welt erdulten kann. Doch ich freue mich innigst über Deine ruh[i]ge Denkungsweise darüber, sie soll mir daher auch immer Ziel und Leitstern seyn. Dem Bruder Traugott wünsche ich besonders recht bald eine Frau, die er wahrhaft recht nöthig bedarf, um sich nicht zu früh für größere Anstrengung zu schwächen. Ist er mit sich eins und sucht er die Freuden mehr im häußlichen Kreis, mehr in als außer sich, so bin ich mit Dir überzeugt, daß er sich über das Glauben anderer Menschen leicht wegsetzen kann. Grüße ihm recht brüderlich und versichere ihm meiner besten Wünsche für sein Wohl wenn er sich bald verheirathen soll, und - wenn er es mir erlaubt den innigsten Antheil an seinen Häuslichen Begegnisssen.- Besucht er Euch zum erstenmal mit <Euer> Seiner Verlobten, so versichert dieser von mir die aufrichtigsten brüderlichen Gesinnungen, und bittet sie diese Gesinnungen immer gegen mich zu erwiederm.
Ich bin mit innigster Liebe zu Dir dein aufrichtiger
                       Bruder
August Fröbel
Geschlossen am 21sten Febr März 1808 /
Bei der Absendung dieses Briefes muß ich noch zweierl[ei] bemerken, erstlich die unangenehme Dir bekannte Eigenschaft von mir: daß es mir unmögl[ich] ist etwas was ich niedergeschrieben habe, bald nach dem dieß geschehen ist, wieder durch zulesen Du erhälst also auch diesen Brief ohne daß dies gesche ihn wieder gelesen zu haben; dann daß ich den größten Theil in Gegenwart der Umgebung meiner Eleven, und zu sehr verschiedenen Zeiten niedergeschrieben habe; ich muß Dich deßhalb also bitten; Wiederholungen, und Ungleichheiten die von der Stimmung abhängen zu verzeihen und zu übersehen.