Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. Anfang Juli/11.7./13.7./14.7./15.7./16.7.1808 (Frankfurt/M.)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. Anfang Juli/11.7./13.7./14.7./15.7./16.7.1808 (Frankfurt/M.)
(KN 11,3, Brieforiginal 3 B 4°12 S.)
(Verhältniß Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

[Kein Absendeort und -tag]

Mein Herzensguter, lieber Bruder;

Ich könnte Dir zwar zuerst Deinen letzten, so brüderlichen Brief beantworten, welches mir auch sehr vieles Vergnügen machen würde, da mir derselbe so viel Gelegenheit giebt im Andenken und in der Erinnerung an Deine Brüderliche Liebe zu leben; allein ich will mir jene Freude noch aufsparen, und Dir gleich die Ursache sagen warum Du jetzt schon wieder einen Brief von mir erhältst.
Du hast mein Bruder schon so viele, und unter so mancherlei Umständen an Dich geschriebene Briefe von mir erhalten, wovon jeder streng genommen, wenn auch nicht für den Augenblick, Gutes und Angenehmes für mich mit sich führte; <daß> wenn er auch den Gegenwart noch so brausend zeigte, doch für die Zukunft gewiß den Kaim zu etwas Angenehmen Guten, ja wohl gar zu meinem Glück in sich trug; Allein ich habe die feste Überzeugung, daß dieser unter allen Briefen, welche Du bis jetzt von mir erhalten hast, in Hinsicht dessen, was er Dir von dem verkündet, was ich von der Zukunft zu hoffen habe, der wichtigste ist.
Doch ohne Einleitung und Umschweif höre und urtheile selbst:
Der Vater meiner Zöglinge ist, wie von einen höhern bessern Genius angetrieben, beinahe so gut als fest entschlossen: seine 3 Söhne in Zukunft von mir in Yverdun, unterstützt von dem Pestalozzischen Institute erziehen zu lassen. So erziehen zu lassen, daß die Kinder zwar unter meiner besondern Leitung bleiben, ich aber wenn es angeht,- mit den Kindern in dem Gebäude des Institutes wohnen und den <Tisch> erhalten werde diese <Kinder> aber <   > allen Elementar Unterricht im Institute erhalten werden und ich nur dem ältesten, höhern, zum wissenschaftlichen Unterrichte auf Universitäten vorbereitenden Unterricht geben werde. Drei bis 4 Jahr werde ich mit dem Kindern im Institute bleiben und nach Verlauf dieser Zeit den ältesten Zögling auf Universitäten begleiten um daselbst seine Studien zu leiten und ihm rathender Freund zu seyn.
Dieß theilte mir der Vater gestern als seinen Entschluß mit, und trug mir auf: sogleich nach der Schweiz zu schreiben, und von dort her die nöthigen Erkundigungen einzuziehen, und wegen dem Wohnen von uns im den Gebäuden des Institutes, nachzufragen. Sein Plan wie ich auch nach dieser Zeit bei der höhern Ausbildung seines jüngsten Sohnes Antheil nehmen sollte ging noch weiter, aber so weit, daß ich jetzt gar nicht Willens bin, darauf Rücksicht zu nehmen.
Nun Bruder, ließ noch einmal, das vom H. v. Holzhausen Ausgesprochene mit Ruhe und /
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Aufmerksamkeit durch, und sage mir, spricht sich nicht daraus für mich das günstigste Verhältniß aus, welches ich mir nur immer selbst hätte wählen, <    > können?-
Ich glaube zwar, daß Dir die Vorzüglichkeit dieses Antrags, und die günstigen Verhältniße, welche für mich aus demselben hervorgehen, < > sehr leicht einleuchtendes seyn wird, allein ich will doch, wenn Du es mir erlaubst, dieß näher auseinander setzen.
Die Eltern wünschen daß Karl, der älteste der jetzt in sein 15tes Jahr geht, allen höhern, zum Unterrichte auf Universitäten vorbereitenden Unterricht von mir erhalte. Da hierzu von meiner Seite eigene große Vorbereitung - und günstige Muße zum Selbststudium nöthig ist; deßhalb sollen meine Zöglinge, zum Institute ganz in demselben Verhältniß stehen, in welchen alle andern Zöglinge auch stehen nur sollen sie noch unter meiner besondern Leitung stehen, besonders was den Gang ihres Unterrichts rc betrift und bei mir in einer Wohnung wohnen, damit ich, durch ihr Verhältniß zu dem Institute gleich den andern Schülern Zöglingen, Zeit und Muße zum Selbststudium erhalte. Damit ich diese Muße nicht verliehre so werde ich nie mehr als höchstens 3 Stunden Unterricht geben; im Anfang wohl gar nur eine, dieß wird deutsche Sprache seyn. Dagegen aber ist die, von mir eingegangene Forderung an mich gemacht worden: daß ich - ehe Karl auf Universitäten geht, mich in der Lateinischen Sprache so perfectionire, daß ich sie leicht und ohne Mühe zu sprechen im Stande bin.- Diese Forderung aber, weil sie einen langen schulichen Wunsch in mir befriedigt, ist es eben, was mich, da ich Muße dazu erhalte, so glücklich macht.- In ökonomischer Hinsicht werde ich für immer wenigstens in demselben Verhältniß bleiben, das ist, in Yverdun u. auf Universitäten bis auf die Wäsche alles frei und jährl 700 Rhnl oder 416 Rth. Rudolstädter Währung, Salär erhalten.
Habe ich Recht Bruder: daß ich diesen Brief in Bezug auf die Zukunft den wichtigsten nenne, welchen Du noch je von mir erhalten hast?-
Freust Du Dich nicht mir mir lieber Bruder?- o! freue Dich mit mir, denn Deine Freude Deine Theilnahme wird sehr wohlthätig auf mich wirken, denn ich muß Dir nur sagen: so gewiß auch alles das ist, was ich Dir hier schreibe, so kann ich es kaum glauben das es so ist. Zwar ist das was jetzt geschieht lange mein Wunsch gewesen, allein da ich gar nicht die Erfüllung desselben hoffen konnte, so kömmt mir jetzt alles so unerwartet, daß ich mich noch nicht einmal habe fassen, und so wie es doch mein Verhältniß verdiente darüber hätte recht innig freuen können? Wärest Du jetzt bei mir geliebter Bruder wie glücklich wäre ich: Große Freude und großes Leid allein zu tragen fällt beides sehr schwer.- Durch diesen Plan des Vaters bin ich jetzt sehr wieder auf eine andere Weise, theils für mich, theils für den Zweck des H. v. Holzhausen /
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sehr beschäftigt. Ich habe, se seit ich diesen Entschluß vom Vater gehört habe zwei für mich sehr angreifende Briefe einen nach der Schweiz und einen 2ten wovon ich auch bald zu Dir sprechen werde schreiben müssen. Diesen an Dich wollte ich mir zur Erholung schreiben, da mein Geist so außerordentlich befangen ist; allein ich fühle doch, daß ich ihn jetzt nicht beendigen, kann, sondern abbrechen muß.

Am 11ten Jul[i] Wirst Du mein Bruder! Dich nur einen Augenblick in meine Lage versetzen und sie nach ihren verschiedenen Richtungen aufmerksam ins Auge fassen, so wirst Du mit mir finden, daß die Handlungsweise der Eltern und ihr Plan, da (:was eine Hauptsache ist:) der Vater und die Mutter ihre Kinder - jedes nach seiner Weise und auf seine Art und nach dem StandPunkt seines Erkennens und seiner Überzeugung die beide unter sich freilich, beinahe als Gegensatz verschieden sind außer ordentlich lieb hat, und die Mutter das Wohl ihrer Kinder, herzlich gerne mit den größten persönlichen Aufopferungen begründen würde, daß bei diesen Stehen der Eltern, die Handlungsweise und der Plan derselben ein sehr hohes geprüftes Zutrauen derselben in mich voraussetzt; dieses Zutrauen hat auch noch überdieß die Mutter sehr oft bestimmt gegen mich und erst kürzlich mit den Worten ausgesprochen:- "Ich vertraue Ihnen mein Alles, meine Kinder
"an; Sie wissen wie lieb ich meine Kinder habe; nehmen Sie dieses Zutrauen hoch in
"sich auf; ich sage Ihnen dieses nicht weil ich im mindesten daran zweifle, denn
"dieß wäre ein Widerspruch mit meinem Handeln, und ich weiß wie sehr sie [sc.: Sie]
"mein Zutrauen würdigen, sondern ich spreche es blos gegen Sie aus, weil ich es
"für Mutterpflicht halte gegen Sie aussprechen zu müßen."
Wenn Du zurückblickst auf die Zeit wo ich nach Frankfurt ging, und mein Stehen in jeder Rücksicht Dir zurück führen willst, so wirst Du gewiß einsehen, daß ich mir dieses Zutrauen der Eltern, nur durch Ungesäumte Benutzung der sich mir zu meiner Ausbildung darbiethenden günstigen Umstände und Verhältniße, in wissenschaftlicher Hinsicht nur dadurch verschaffen konnte: daß ich mir die besten Hülfs Mittel zu Gebote die zu meinem jedesmaligen Zwecke nöthig waren zu Gebote und zu meinem freien unbeschränkten Gebrauch machte; und daß ich die mir zum Eigenthum verschaften Hülfs Mittel, wenigstens mit Fleiß und Anstrengung so gut benutzte, als mir meine so sehr in Anspruch genommene Zeit erlaubte. Es ist wahr, die literarischen und wissenschaftlichen Bedürfnisse welche meine Lage besonders bei meinem Seyn nöthig machte, überstieg in den ersten Jahren meine Kraft; überstieg diese Kraft um so mehr, da meine ökonomische Einrichtung: meine Versorgung mit Wäsche und Kleidungsstücken aller Art, diese so beträchtlich in Anspruch nehmen mußte; allein dieses ist und war nun einmal nicht zu ändern, wollte ich mir ein solches - in anderer Hinsicht - so selten günstiges Verhältniß und /
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hältniß und Lage, ohne welche ich nie meinen Zweck: höhere Ausbildung erreichen würde, herbei führen, so mußte ich unumgänglich für die Gegenwart jene Unannehmlichkeiten, welche die, <  > die Einnahme für den Augenblick übersteigenden Ausgaben mit sich führte, übernehmen. Ohne das eine war das andere unmöglich. Dieß wirst Du mir bestimmt zugeben. So lange ich in Frankfurt auf dem Gute des Herrn von Holzhausen lebte, war diese Unannehmlichkeit sehr leicht zu tragen. Meine Abreise von Frankfurt, macht, da ich <  > auch von dieser Seite <meinen> alles vermeiden will, was meine Lage weniger günstig, und das Zutrauen der Familie Holzhausen in mich schwächen könnte, nöthig, daß ich diese Unannehmlichkeit ganz beseitige. Ich habe dieß auf folgende Weise, die ich Dir zur Prüfung vorlege versucht.
Von Michaelis angerechnet bekomme ich in 1 ½ Jahre bestimmt 96 Carolin oder 624 rth Gehalt. Wenn ich von dem reinen Gehalte des ersten Jahres oder von 64 Carolins - das 3tel zurücklege - behalte ich 21 Carolins; welches leicht ist, da meine Garderobbe in vollkommen guten Stand ist und alle großen Ausgaben für Bücher und Hülfs Mittel vor jetzt vor über sind, und ich außer der Wäsche, auch in der Schweiz alles frei habe, und doch immer für jenes Jahr 43 Carolins - oder 280 Rth Rud: Währung zu meinem Gebrauche bleiben. Von dem Gehalte des nächsten halben Jahres, von 32 Carolin lege ich, da ich in diesem noch weniger Bedürfnisse <hab> für Kleider und Wäsche habe, die Hälfte zurück, sind 16 Carolins.- Diese 16 und jene 21 Carolins machen 37 Carolins und daher 2 Carolins mehr aus als ich jetzt zu bezahlen schuldig bin; Ich habe mir nun vor einigen Tagen dem guten Muth gefaßt, in einem Briefe, in welchem ich meine Lage und mein Verhältniß, meinen Zweck rc auf das möglichste treu <   > und einfach und ruhig ohne für dasselbe im Mindesten einnehmen zu wollen schildere, den Onkel in Nette um Vorschuß jener 35 Carolins gebeten, so daß ich einen Theil Michaelis <  > künftiges Jahr den anderen Theil Ostern des darauf folgenden Jahres zurück zu bezahlen verspreche.- Was ich zur Antwort erhalten werde weiß ich noch nicht[.] Der Brief ist am 8ten Jul. abgegangen.
Schreibst Du ihm vielleicht jetzt eben, so thätes[t] Du mir eine Gefälligkeit wenn Du ihn bätest meine Bitte zu erfüllen, Du kannst dieß ja ohne Sorge thun, da Du weißt worauf sich mein Versprechen gründet. Erhalte ich das Geld, so werde ich dem He. von Holzhausen sagen, daß er mir diese Summen gar nicht nach der Schweiz schicken, sondern gleich zurück behalten soll. Daß ich den He. v. Holzhausen nicht direkte um Vorschuß jener Summe bitten mag, ist natürlich, da ich mich nicht zu ihm in ein, für ihn und mich unangenehmes Verhältniß setzen, und mir nicht seinen Credit und sein Zutrauen schwächen will. /
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schwächen will. Denn die Herren dieser Art, die nur ihren Geldgeschäften u. Rentenberechnungen leben, die sich um nichts weniger, als um die Erziehung und den Unterricht ihrer Kinder in Detail bekümmern, können unmöglich einsehen welches fortgesetztes Studium und welcher besonders welche Hülfsmittel zu einem guten Unterricht nöthig sind. Sie kennen auch nicht das Pflichtgefühl und die Liebe zum Zweck, welchen den Erzieher zu solchen Ausgaben bestimmen können; ja sie erklären sie wohl gar in sich für etwas unnöthiges - und das Pflichtgefühl für etwas übertriebenes. Du siehst also lieber Bruder wohl ein, wie höchst unangenehm es seyn müße, solche Menschen um etwas zu bitten, die die Gründe der Bitte nicht einsehen können.
Außer diesem aber sind noch zwei Gründe warum ich d[en] H. v. Holzh: nicht direkte um Vorschuß bitten kann und mag: Einmal und erstlich würde ich mir höchstens, und was wie gesagt einen sehr üblen Eindruck machen würde, ½ jährigen Gehalt vorschießen lassen können. Mit diesem - da ich doch in der Schweiz an einem ganz fremden Orte, unter solchen Verhältnißen lebe, und also immer auch für mich baares Geld in Händen haben muß,- würde ich nicht alle meine Gläubiger bezahlen können, u. ich doch überdieß auf die Ausgaben jenes Halbenjahres auch Rücksicht nehmen müßte; ich würde dann in dem nächsten halbenjahre wieder in demselben Fall seyn als jetzt, der nun nur noch unangenehmer wäre, da er eine wiederholte Bitte nöthig machte.
Der zweite Grund ist noch wichtiger: die Maaßstäbe nach welchen wir von andern beurtheilt werden sind entweder sie selbst, oder andere in unserm Verhältniße, nicht aber, was doch sein sollte, unser Individuelles Seyn, unser individuelles Verhältniß. Wie sehr ein solcher Maaßstab vom Vorurtheil, in dem Seyn des H. v. Holzhausen sich festgesetzt hat, der mein Handeln, Leben und Wirken ganz in seiner Nähe doch schon länger als 2 Jahren kennt, wirst Du in der Äußerung finden die er kürzlich gegen eine bestimmte Person wörtlich so gethan hat:
Für jetzt ist alles recht gut, wenn mir nur der H. Fr. einst auf Universitäten in Geldsachen keine Dummenstreiche (so seine Worte) macht.
Dieser Idee darf ich doch keine Nahrung, und keinen Punkt geben, an welche Sie sich anschließen kann. An ehrliche Aufrichtigkeit glauben diese Menschen gar nicht - würde ich ihn also auch meine Lage noch so offen und freimüthig bekannt machen, so würde er doch immer denken, es stäke noch etwas im Hinderhalt, und so weniger Vertrauen zu und auf mich haben, als er jetzt doch wirklich hat.
Überdieß werde ich schon jetzt in der Schweiz jährlich ein[e] beträchtliche Summe von 2500 - 2800 Gulden <Rhnil.> Carol. 11 <rtl.> zu berechnen bekommen. Es ist also bei seiner Denkungsweise bestimmt nöthig, daß er die Überzeugung hat: daß ich wegen mit Besorgung meiner < > ökonomischen Verhältniße, so wie ich von hier abreise in Ordnung bin, und nicht im Mindesten deßhalb in Sorgen bin[.]
Dieß die Gründe meines Gesuches an Dich: daß solltes[t] Du vielleicht bald an H. Onkel in Nette schreiben, bei ihm meiner Bitte <bei> erwähnen, und sie unterstützen mögest.
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Am 13ten Jul[i]
Da ich mich bisher noch gegen Niemand über den Zweck meines jedesmaligen Handelns, als gegen Dich mein geliebter Bruder ausgesprochen habe; und dir die bisherige Reihefolge meiner Briefe, zugleich Stufenleiter meiner Ausbildung ist; so erlaube mir, daß ich mich auch über meinen jetzigen Zweck so gegen Dich ausspreche, als es die Zeit jetzt schon erlaubt.- Ich werde Dir etwas sehr aber doch jetzt schon etwas sehr wichtiges sagen.
Du weißt mein Bruder, bei alle dem was ich immer wollte, war das Ziel der Zweck meines Handelns und Strebens: das Höchste, <    > von dem welches ich jedes mal nach der verschiedenen Ausbildung als solches erkannte zu erreichen, und außer mir durch Handeln und That darzustellen. Dieser Satz ist als Resultat meines Wollens vom ersten Funken meiner Selbstthätigkeit bis jetzt - unwiderlegbar gewiß: immer wollte ich das durch mich und in mir darstellen, was ich auf meiner jedesmaligen Ausbildungs Stufe als <bestes> Höchstes erkannte. Es wäre hier thörich[t] und unnütz alle mein Wollen - welches ich früher gar nicht einmal ausgesprochen habe - durchzugehen, um das Gesagte zu belegen. Du wirst jener Belege nicht bedürfen;<       so>! - Etwas was ich - ich glaube noch nie ausgesprochen habe will ich Dir jetzt aussprechen, Du kannst es mir auf Treue glauben es ist gewiß wahr: Alles was ich erst in mir darstellen wollte, sollte später nach Außen zum Wohl der mich umgebenden Menschen wirken; ich wollte und wünschte sie immer auf die höchste Weise, wie ich es nur selbst in mir erkannte, glücklich. Dieses Wort faßt alles in sich, denn ich hatte und habe die Menschen noch lieb, sehr lieb - nicht einzeln in ihrer Individualität - die Menschen ihrer Bestimmung nach als Menschen. Dieses hat sich auch früher in meinem Seyn und Stehen ausgedrückt, allein mir leider in vieler Hinsicht viele traurige Erfahrungen gegeben.
Ich lernte das Erziehungs Geschäfte kennen, welches mir - so sehr ich auch immer, meiner Erziehung gelebt hatte - doch außer mir ganz fremd ja, was paradox scheint, beinahe unbekannt geblieben war. Wie Sturmwind ergriffs mich; ich wurde beinahe getragen zu dem was ich nun wollte, ich glich vollkommen einen lechzend Durstenden und heiß Hungringen; ich fühle noch wies in mir wogte, und wie, Vorher-noch-nicht-gekanntes, gleichsam in mich hinein strömte; es war als wenn ich erst sehen lernte. Diese Erscheinung wurde aber keinesweges durch, von außen Gegebenes bewirkt, sondern das Äußere war blos die Kraft, durch welche Maßen von Erfahrung Gedanken Ideen, die mir selbst unbewußt, bisher in mir geruht hatten in mir zum Bewußtseyn <  > kamen. - Mein Leben, Denken und Handeln war von nun an der Erziehung gewidmet; denn wie konnte etwas von dem, was ich noch bis jetzt als das Höchste erkannte, sich mit diesem Ziel, mit der Höhe dieses Zwecks - zu und für Erziehung sich zu bilden, meßen? - Der Verstand und das Herz hatten jetzt unbeschreibliche Massen zu verarbeiten.- Die jetzt gehabten Festtage des Geistes und Herzens, mußten zum Arbeitstage werden. Der Stoff und die Materie mußten zur nahrhaften Speise für Verstand und Herz bearbeitet werden und belebt werden, um auch bildend und Nahrung gebend nach Außen zu wirken.
Meine Erfahrungen, die ich bis her unter so vielen, unter sich verschiedenen Klassen von Menschen, in so mannichfalltigen Verhältnissen gemacht hatte, mußten bei dieser Arbeit oft als Richter, über das Wahre und Falsche über den Schein und die Wirk- /
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und die Wirklichkeit auftreten; und ich <sahe> ahndete endlich: daß alles was man Erziehung nennt, von dem höchsten Standpunkt aus betrachtet in einem Punkt zusammen läuft. Ich ahndete endlich: den harten schreienden, schneidenden Unterschied, den man in der Erziehung (:verstehe mich aber recht): dem Geiste nach: - zwischen
privat - und öffentlicher - zwischen Erziehung zum Menschen und Staatsbürger; zwischen Erziehung für hohe, niedere, mitlere, dann für Erziehung für den Lehr - Wehr - Nähr stand rc rc machte. Wie sehr sich /: verliehre aber ja nicht aus den Augen:/ dem Geiste nach, der sich aus ihnen ausspricht Landschulen - Stadtschulen: hier Bürgerschulen (Winkelschulen öffentl[ich]e Schulen) Lateinische Schulen: hier wieder Gymnasien - Ly[c]ern; endlich Akademien - Universitäten; wie schreiend sich alle diese verschiedenen Erziehungs Arten und Erziehungs Anstalten von einander dem Geiste nach unterscheiden[.]
Dieses lehrte mich einsehen: es giebt einen höhern Punkt in dem sich diese schreienden Unterschiede auflösten. Sage Bruder, um Dir, was ich meine, mit Gegenständen aus der Welt zu sagen: sind denn Rector Magnifizens - und der Schulmeister von der Teube, ein Professor und ein Informator (ob er nun Hofmeister Instructeur Erzieher, Führer rc rc heißt:) ein Prediger und der Papst, der Cardinal und ein Klosterbruder, ein Superintendent und ein SchulInspector, nicht dem Zweck ihres Wirkens nach gleich, sind sie alle etwas anderes als Pfleger des Göttlichen im Menschen? Der Schulmeister kriegt vor Sr Hochwürden im Staub, und Sr Hochwürden sehen im Schulmeister einen Wurm - mehr oder weniger mit oder ohne Zucker dieses <  > Verhältniß in Ausübung gebracht, es findet auch bei denen Statt welche sich Aufgeklärte nennen. Aber woran liegts ? - an dem Geiste der diese Menschen beseelt. - Würden sie alle aus < > Einer <   > Quelle geschöpft haben würde diese Quelle lauter und rein gewesen seyn, so würde es auch ihr Geist seyn, und sie würden sich - um ihres gemeinschaftl[ichen] hohen Zweckes willen, als Brüder, lieben, belehren unterstützen:
Dieß sind Worte, die ich unbefangen und sorglos in das Herz und den Verstand des Bruders niederlege, es sind nur Andeutungen von dem, was mir zwar als unumstößlich gewiß für jetzt und immer, aber dunkel und in der Ahndung in meiner Seele liegt.
Meine Überzeugung nun zu prüfen. Die Dunkelheit in mir zu erhalten, die Ahndung in Gewißheit zu verwandeln, giebt es nur einen Weg, dieß ist tiefes gründliches Studium.
<Ich werde di> Was ich Dir jetzt sage vertraue ich Euch Brüdern nur einzig an, und darf außer Euch Niemand wissen:
Ich werde - wenn sich meine Verhältniße so günstig wie sie es jetzt scheinen für mich entwickeln werden, einst - Theologie studieren. Zu welchem Zweck und in welchem Umfange, kann ich einzig durch die That aussprechen, aber bestimmt aber weder um Seminarist noch Generalsup: weder um H Candidat noch Herr Pfarrer zu heißen.
Der Entschluß ist groß, ich weiß es, ich kenne die Hinderniße, die aufgethürmten die ich aus dem Wege zu räumen habe, aber ich werde ihn ausführen bestimmt ausführen, wenn ich in Verhältniße komme wo ich meine Kraft frei gebrauchen und benutzen /
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kann.

Am 14ten Jul[i] Wie gesagt Bruder ich kenne die Schwi[e]rigkeiten die sich der Ausführung meines Wollens entgegen stellen, glaube mir mein Bruder, ich kenne mich genau, 3 Jahre andere lehren zu wollen, haben mich gelehrt: was ich mir zu lehren habe. Ich weiß wie unaussprechlich arm ich an Hülfskenntnißen bin, ich kenne die Schwere in der Aneignung derselben und ihren Umfang; ich weiß welche Forderung das Fach welchem ich mich widmen will an mich macht. Kleinigkeiten, nur der erste Schritt dazu ist das Studium das tiefe gründliche Studium der alten klassischen Sprachen, und das Verstehen der Orientalischen aber ich will auch die orientalischen Sprachen nicht nur verstehen, ich will sie gründlich verstehen. Das Werk ist groß - aber die Kraft, die in mir mit Bearbeitung des Werkes wachsen wird, ist nicht weniger stark, und was der Kraft jetzt noch fehlen sollte, wird sie aus dem Werke ziehen. Entschloßenheit, Selbstverläugnung, Muth - Ausdauer unermüdlich anhaltender Fleiß. Diese unerlässigen Forderungen kenne ich und will und werde sie erfüllen.
Aber ich weiß es auch, und dieses Bewußtseyn thut mir schmerzlich leid, das die Realisirung meines Wollens, vom Verhältniß abhängig ist; <  > um diese Überzeugung nicht haben zu müßen, müßte ich nicht schon so alt seyn als ich bin - ich weiß es, und es ist mir leider nur zu feste Überzeugung - nur dann, wenn der Vat ich die Erziehung meiner Kinder in der Schweiz beendige, nur dann wenn ich mit dem ältesten nach Göttingen oder Erlangen gehen kann, kann ich mein Wollen realisiren. Von der Bestimmung des Vaters für seine Kinder, hängt alles ab. Wird der Vater nicht den Entschluß den ihm jetzt sein bester Genius ins Herze gelegt hat nicht ausführen, wird er die guten Gedanken die jetzt dann und wann wie Feuerfunken und Blitzstrahle in seiner Seele spuken nicht pflegen und warten, wird er sie auslöschen und unterdrücken so darf ich auch nie, an die Ausführung meines Entschlußes denken; es wäre Tollkühnheit überspannte Anmaßung ihn dann nur noch in mich zu dulten, geschweige zu nähren und in mir zu unterhalten. Wie ich jetzt wünsche, daß mein Entschluß mein ganzes Wesen durchdringe, so werde ich dann daran arbeiten ganz zu vergeßen: daß ich ihn je gehabt habe. Ich werde mir dann einen Wirkungskreis wählen welchen ich meinen Kenntnißen nach gewachsen bin. Ich werde mich bemühen Lehrer an einer niedern Lehr- oder Schulanstalt zu werden. Hoch würde ich mich als dann freuen könnte ich Schullehrer auf dem Lande werden, wenn ich auch die dazu erforderlichen Musikalischen Kenntniße in mir besäße.
Mein ernster unverbrüchlicher Vorsatz ist, mich nie in meinem Leben zu einen Wirkungskreis <  > als Lehrer und Erzieher zu bestimmen, dem ich nicht vollkommen und ohne Einschränkung gewachsen bin, denn ich habe die feste Überzeugung, daß man, besitzt man nicht diese Vollkommenheit - auch bei dem festen Willen mehr Schaden als Nutzen schafft, und seine Geistes[-] und Körperkraft dabei aufreibt.-
Andere Überzeugungen als diese, werde ich nie haben; andere Überzeugungen als diese, werden nie mein Handeln von nun an bestimmen, sie werden mir zur Regel für mein ganzes künftiges Leben werden.- /
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Jetzt zur Beantwortung Deines Briefes. Daß ich es vergeßen haben sollte Pathe bei Deinem Dorchen zu seyn konnte Dir wohl blos vorübergehender Gedanke seyn. Der Mann steht immer den Knaben weit näher, als der Mann dem Mädchen, und so umgekehrt das Weib dem Mädchen näher als dem Knaben. Von der Natur ist jedem Geschlecht einzig die Erziehung seines Geschlechts bis zu einem gewissen Alter angewiesen worden. Später wechseln die Rollen. Der Mann erzieht das Weib - das Weib erzieht den Mann; ja man kann vielleicht noch bestimmter sagen der Jüngling erzieht sich das Weib, die Jungfrau erzieht sich den Mann.
Du wirst nun hoffendlich nichts böses darinne finden wenn ich Dir sage, ein Knabe steht mir näher als ein Mädchen -, ich wünschte daher - weil ich <sehr> nahe mit Deiner Familie verbunden seyn wünschte, der Pathe einer Deiner Söhne zu seyn; denn nochmals gesagt, für einen Knaben kann der Mann mehr handelnd thun, als für ein Mädchen. Hierinn der Grund meines Wunschen [sc.: Wünschens]. Es wird noch Zeit seyn ihn zu erfüllen und ich freue mich darauf wenn es geschieht. Übrigens bedürfen ja so die jüngern Knaben fremder Unterstützung noch mehr als die ältern. Laß Dir etwa ja aus dem Gesagten nicht folgen, daß ich je gegen eines Deiner Kinder fremd stehen werde, ich werde <j> alle gleich lieben, aber ein gewisses geheimes Band als das des Pathen zum Pathen[kind] ist, thut dem Herzen wohl und bringt in gewissen Verhältnißen herrliche Früchte. Ich werde also auch nie vergeßen, daß ich schon Pathe Deines Dorchen bin.

Am 15ten Jul[i] Ich möchte Euch wohl recht gerne sagen daß ich mich recht innig über die Nachricht von der Verheirathung des Bruder Traugotts freue; aber diese Worte klingen nur so leer gegen die Freude, die ich darüber empfinde, und die Freude liegt so tief und so in Masse in meiner daß ich dieselbe gar nicht auszusprechen im Stande bin. Ich wünsche ihm vom Grunde meiner Seele das beste Eheliche Glück.- Mit Freuden denke ich daran daß nun so manche Leiden für ihn beendigt sind. Aber auch - freilich mit wehmüthiger Freude denke ich daran, daß er einen so harten Stand der Prüfung verleben mußte. Segnen wird er aber gewiß mit mir denselben - wenn er nun die ehelichen Freuden hat wahrhaft würdigen, sie suchen und ihnen leben <gelernte   >. Es wird eine unaussprechliche Freude für mich seyn, wenn ich Ihn einst einmal besuche und ihn glücklich finde. So innig liebend als ich jeden meiner Brüder und < > ihre Hälften und Kinder liebe, eben so liebe ich den Bruder Traugott und sein Weib, denn große Macht liegt in ihrem Seyn, ihrem Handeln den <    > zu beglücken einen Mann zu beglücken und dieser Mann ist ja mein Bruder.
Grüße den Bruder und sein Weib herzlich von mir, sage ihr daß ich sie hoch lieben und für immer nächst ihrem Gatten ihr treuster Freund seyn werde, wenn sie ihre Pflichten gegen denselben erfüllt, ihn glücklich macht und die Beschwerlichkeiten des Lebens erleichtert.- Ich wünschte sehr lieber Bruder, daß Du dieß der Schwägerin in liebenden Ernst sagtest, Du hast ja ein Recht dazu, und sie muß es ja als einen hohen Beweiß unser[er] aufrichtig brüderlichen Liebe zu ihr und ihrem Gatten aufnehmen.
Bitte Dein[en] Bruder, daß er nun sein Versprechen erfüllen und mir bald schreiben möge. Auch von der Schwägerin wünsche ich einen Brief zu erhalten, um dadurch die Erlaubniß zu bekommen ihr schreiben zu dürfen.
Solltest Du vielleicht durch die Familien Verbindung in welche jetzt der Br[uder] getreten ist Gelegenheit erhalten, die Stiefschwester von dessen Frau, die Justiz Räthin N.N. aus Weisensee zu sprechen, so sage ihr mein freundschaftl[iche]s Compliment, und die /
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und meine ununterbrochen fortdauernde Hochachtung. Dem <  > H. Justitzrathe sage daß ich mich mit vielem Vergnügen der und Dankbarkeit der gütevollen Freundschafts Bezeigungen erinnere, die mir vor mehreren Jahren bei meiner Durchreise durch Weisensee, von ihm geworden waren sind.
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Jetzt zur Beantwort[un]g des Hauptpunktes unserer letzten Briefe. In wenig Tagen sind zwar die 4 Wochen in welchen Du mir wieder zu schreiben versprochen hast verfloßen;; ich könnte daher erst Deine Antwort abwarten, ehe ich diesen Brief an Dich abschickte, allein da Dich Umstände an der Erfüllung Deines Versprechens hindern könnten, so will ich lieber keine Zeit verlieren.
Auf dem Fall, daß Deine brüderlichen Bemühungen, für die ich Dir meinem besten Dank sage, die und die mir einen neuen außerordentlichen Beweis Deiner treuen Bruderliebe gegeben haben - belohnt seyn sollte, und sich eine solche Person, wie ich wünsche gefunden hätte - welches mich in mehrerer Hinsicht recht sehr freute, so hebt die Veränderung meines Wohnorts <so> <    > <wie> die Verhandlungen die geschehen sind, keinesweges auf; im Gegentheil glaube ich daß diese Veränderung meines Wohnorts, der Ausbildung und dem Unterricht jenes Subjects nur noch günstiger wäre.
Vorläufig habe ich folgende Idee.
Ich habe in den früher gemachten Bedingungen festgesetzt, daß der junge Mensch drei Jahre mir überlassen bleiben und ich glaube jedes Jahr einen bestimmten Zuschuß von Hause bekommen sollte. Wie groß jener Zuschuß weiß ich zwar nicht mehr bestimmt, dieß ist auch zu dem was ich vorschlagen will so bestimmt nicht nothwendig.-
Was der junge Mensch in Hinsicht der Methode u.s.w. bei mir in meinem Wirkungskreis und in meinem Verhältniß hier auf der Öde in 3 Jahren gewonnen hätte, würde er bestimmter und besser in 1 ½ Jahr in der Schweiz gewinnen. Ich persönlich würde auch dort, so <   > in demselben Verhältniß zu ihm stehen als [ich] versprochen habe. Sollte es nun den Eltern, dem Consistorium, den Vorstehern des Seminariums, wirklicher wahrer Ernst seyn, einen jungen Menschen zu einen vollkommenen Schullehrer bilden zu lassen, und sollten sich besonders die Vorsteher des Seminariums bestimmen, die von mir früher ausgesetzte Summe, für einen Senimaristen aus bezahlen zu wollen, so könnte jene Summe dann ja für 1 ½ Jahr bezahlt werden, welches dem Senimarium <nicht> gleich gültig seyn könnte, da der Zögling nun an der Quelle schöpfte, und Behandlung der Kinder in jeder Hinsicht und in jedem Alter kennen lernte, und die Menge andern Vorschläge [*Ergänzung: -theile*] gar nicht zu gedenken, der junge Mensch würde dann wahrhaft für seinen Stand aus gebildet werden.
Mir wird wahrhaft warm ums Herz wenn ich an die Vorzüge dieses Vorschlags denke; Von meiner Seite würde ich um der guten Sache und um deren Verbreitung willen, und aus liebe zum Vaterland alles thun was ich nur thun könnte. Ich würde mich bemühen ihm in der Schweiz jede Unterstützung zu verschaffen, welches mir gewiß möglich seyn würde, da jetzt 2 neue Anstalten in Yverdun sich befinden errichtet werden. Eine vom H. von Türk [we]lcher [au]s Oldenburg dahin gezogen ist, und eine zweite Erziehungs An- /
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Anstalt von Pestalozzi selbst für Arme Kinder.
Herr von Türk hatte bei seiner Durchreise, auch einen jungen Mann bei sich der ihm von dem Waisenhause in Hamburg mitgegeben worden war um in der Schweiz selbst die Methode zu lernen - und diesem jungen Mann war vom Waisenhause nur ein halbes Jahr verstattet worden in Yverdun zu bleiben; zwar ist dieser junge Man[n] 20 Jahre alt und hat sich schon etwas mit Unterricht beschäftigt und wer kennt nicht die Forderungen des Waisenhauses in Hamburg an ihre Lehrer? aber es beweist doch, daß ein junger Mensch der auch weit jünger, 15-16 Jahre alt wäre, sich in 1 ½ Jahr zu seinen Zweck und zum Unterricht anderer recht gut und vollkommen <  > mit der Methode des Unterrichts und der Behandlungsweise der Kinder bekannt machen könnte. In der Schweiz geben junge Leute von 15-18 Jahren schon erwachsenen 30-40 jährigen Fremden Unterricht in der Methode.
Wenn also mit irgend jemand eine Verhandlung angeknüpft ist, so brich sie ja nicht ab - schreibe mir bald das Nöthige, und so bald alles unveränderlich fest von Seiten des Vaters meiner Zöglinge bestimmt ist, schreibe ich dann selbst an die Behörte die Du mir anweisen wirst; damit Du der beschwerlichen Unterhandlung dann überhoben bist.
Hat sich aber noch nichts angeknüpft so bemühe Dich auch nicht weiter, da doch vielleicht meine unpartheiische, und von meiner Seite mit Aufopferungen verknüpfte Handlungsweise verkannt werden könnte.
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Ich hoffe bald von Dir eine Antwort zu erhalten.- Auf jeden Fall erhälst Du längstens bis 3 Wochen einen 2ten Brief von mir, worinne ich Dir bestim[m]t die Zeit unserer Abreise (wenn sie noch statt findet) melden werde. Viel früher als 3 Wochen wirst Du aber jenen Brief nicht erhalten, da ich erst morgen (Sonnabends den 16 Jul[i]) oder Mondtags (den 18ten Jul[i]) über 14 Tage Antwort auf die gemachten Anfragen aus der Schweiz erhalten werde.
Unsere Abreise wird ohne Zweifel in die letzte Hälfte des Septembers dieses Jahres fallen. Der Vater meiner Zöglinge scheint zwar in sich fest entschlossen zu seyn - er kann es aber - da sein Hauptkarakter die drückendste Unbestimmtheit für alles was außer dem gewöhnlichen Geleise ist, ist - nicht über sich gewinnen einen festen bestimmten Ausspruch zu thun.- Wer ihn aber kennt <                    > weiß auch das Unbestimmte seiner Äußerungen zu deuten, daher werden auch hier schon vorläufige Anstalten zur Abreise gemacht, und schon manches wegen der Wäsche angeordnet.
Der Himmel gebe, daß es sich recht bald und günstig entscheide, denn ich lebe jetzt in einer drückenden Ungewißheit.
Lieber Bruder, wenn es anginge daß Du Dich bei dem Herrn Onkel in Nette für mich verwendetest, so geschähe mir ein großer Gefalle, denn <ich weiß der> Du wirst aus der Darstellung meiner Verhältniße selbst einsehe[n], daß es mich in eine bedeutende Verlegenheit setzen würde, wenn mir der H. Onkel mein Gesuch abschlüge.
Übrigens thue was Du für recht und gut hältst, und was Dir besonders Deine beschränkte Zeit u. Lage zu thun erlaubt.
D[em] H. Onkel habe ich nichts von meinem Vorsatz geschrieben aber bestimmt gesagt, daß ich mich zum Lehrer einer höhern Unterrichts Anstalt ausbilden wollte. /
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Seit 3/4tel Jahren lerne ich Griechisch jede ich habe wöchentl[ich] 3 Stunden, jede Stunde kostet 45 <Tr>.
H. Pfarr[er] Bettmacher mache meine Empfehlung, und sage ihm dasjenige von mir was Du bei seiner Ansicht der Welt und in seiner jetzigen Lage ihm zu sagen für gut hältst.-
Ich grüße Dich und Deine Kinder und Deine liebe Frau, dieser hätte ich seit langer Zeit gerne einmal geschrieben, allein meine Zeit ist gar zu beschränkt. Wenn ich nach der Schweiz kommme will ichs nachholen und auch auf die Briefe die ich an Dich schreibe mehr Sorgfalt verwenden.
Dein

Dich immer treu liebender Bruder

        August Fröbel.

Nachschrift am 16 Jul[i]
Ich habe heute den Brief an Dich durchgelesen. Kaum aber war ich ihn zu lesen im Stande, so schlecht ist er geschrieben; ich habe selbst an den Wörtern buchstabiren müßen. Verzeihe mir nur noch dießmal, es soll nicht wieder gesche[he]n. Allein ich habe mir die Zeit dazu wirklich rauben müssen. Daß er so ungleich gehalten ist kommt daher weil ich in so verschiedenen selten günstigen Stimmungen an demselben schreiben mußte.
Heute ist die Hoffnung zur Abreise sehr groß; es werden schon die Überschläge zu dem gemacht was die Kinder mitnehmen sollen.
Es ist doch höchst drückend mit Menschen zu leben die sich gar keinen festen Entschluß - und die Aussprache deßselben über sich gewinnen können.
Schreibe mir, wenns möglich ist, recht bald.