Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 19.7.1808 (Frankfurt/M.)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 19.7.1808 (Frankfurt/M.)
(KN 11,5, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S.)

Auf der Öde am 19ten Jul 1808 [von anderer Hand:] /: erhalten d.26ten


Liebster Bruder;

Gestern Abend hat mir der Herr von Holzhausen seinen festen Entschluß, wegen dem künftigen
Aufenthalt in Yverdun, und in Rücksicht meines Verhältnißes in die Zukunft zu seinem ältesten
Sohne mit den folgenden Worten mitgetheilt:
"Richten sie sich nun dazu ein und bringen sie ihre Sachen in Ordnung um in der Mitte des 7brs
"mit den Kindern nach der Schweiz reisen zu können; denn ich bin nun fest entschloßen, mit den
"Kindern die Reise dann zu machen, wenn mich kein großes Hinderniß welches ich jetzt weder
"ahnde noch wünsche, davon abhält."........
       "Ich wünsche daß sie dann in der Schweiz bei Ihren Studien besonders darauf Rücksicht
"nehmen was in Hinsicht des Unterrichtes Karl wenn er älter ist, bes und in der Zukunft beson-
"ders bedarf, und daß die Lateinische Sprache ihr HauptStudium sey."
Ich darf also ganz bestimmt darauf rechnen daß ich Karln <einst oder: sinst> auf eine Universität be-
gleiten werde? -
"Natürlich, dieses ganz bestimmt, und es ist mein ernster Wunsch, daß sie sich hauptsächlich in der Schweiz
"auf jene Zeit vorbereiten, um dann mit ihm diejenigen Collegia welche er zu hören nöthig
"hat zu Hause repitiren zu können."
/:Gespräche über meine literarischen Bedürfniße in der Schweiz, über die Masse der mitzunehmenden
Bücher und die Art der Transportirung derselben <rc.>:/
Da ich später von ihm ging fragte ich nochmals: /:denn ich muß gestehen, das ich durch sein bisheriges
Betragen etwas schwergläubig geworden bin :/
Ich kann also dasjenige, was sie mir mitgetheilt haben als bestimmten Entschluß von Ihnen auf-
nehmen? - Und er versicherte mir dieses wie vorher. Übrigens besprach er sich auch mit mir
über eine Menge der Spezialia der Kinder welche dann zu beseitigen und zu besorgen nöthig sind; auch hat
die Frau von Holzhausen gestern schon so viel zur Besorgung des Weißzeuges der Kinder einge-
kauft, daß es also Zweifelsucht wäre, länger an der best gewißen Ausführung des Dir mitge-
theilten Planes zu zweifeln, ob es gleich wahr ist; daß ich, und jeder Mann, der in sich in sich
fest steht und mit sich und dem was er will im Reinem ist, sich und seinen Entschluß ganz
anders aussprechen
, und für sich selbst ganz anders: fest bestimmt, ohne den Mindesten Schein
des Schwankenden Ungewißen zu äußern da stehen würde - als d[er] Herr von Holzhausen. Aber wie ist es
möglich daß jemand, der in sich selbst nicht bestimmt steht, sich bestimmt äußern könne? -
Mir ist von einem praktischen Menschenkenner gesagt worden: daß die Art und Weise,
wie der He. von Holzhausen sich jetzt äußerte und sich ausspräche, die bestimmteste wäre, in
welcher sich solche Menschen äußern könnten

das man aber an die Ausführung dessen, für welches sie sich so bestimmten, gewiß und fest rechnen
glauben könne.-
So viel ist aber gewiß, mir ist noch
kein Mann von so schwankenden, unbestimmten Wesen vorgekommen als der He. v. H. ist.
Daß ich dir das - was seit dem Abgang des letzten Briefes vorgefallen jetzt schon mittheile hielt
ich für nöthig.
Daß ich dir es gerade so mittheilte, wie es vorgefallen ist, liegt in dem Wunsche, dich so genau
als möglich mit der Wirklichkeit meines Verhältnißes bekannt zu machen; damit es dir möglich
ist, dich richtend und urtheilend über mein Denken und Handeln hinzustellen. Ich grüße herzlich
die geliebten Glieder unserer Familie. ------ Dein
treuer Bruder

August Fröbel

Den letzten so höchst unvollkommenen Brief habe ich unter den heftigsten
Kopfweh an dich geschrieben; ich habe ihn in einer freien Stunde nachher wieder
durchgedacht und gefunden, daß er mit mehr Gleichförmigkeit und Würde geschrieben, auch mehr ein Ganzes seyn sollte.