Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Heinrich Pestalozzi in Yverdon v. 26.7.1808 (Frankfurt am Main)


F. an Johann Heinrich Pestalozzi in Yverdon v. 26.7.1808 (Frankfurt am Main)
(Zwei Entwürfe, BN 588, Bl 15-16 1.Entwurf undat. 1 B 8° 4 S., BN 588, Bl 17 2. Entwurf dat. 1 Bl fol 2 S.)

[1.Entwurf]

Verzeihen Sie mir Hochverehrtester He. Pestalozzi, daß
Sie schon wieder einen Brief von mir erhalten, allein die
da der Herr von Holzhausen
sich unerwartet schnelle günstige veränderten Umstände haben sich unerwartet
schnell
Seyn Sie ja nicht böse hochverehrter He. P-zi schon wieder
[Einfügung v. 16R:] ohne Ihre Antwort auf meinen ersten Brief abzuwarten
einen Brief von mir zu erhalten, die Ursache davon
liegt in der gegenwärtigen günstigen Lage der Dinge welche die Gegenwart,- um so mehr hoffe ich Ihre Verzeihung [-]
zur baldigen Erfüllung meiner herzlichsten Wünsche
bei sich führt.
Der Herr von Holzhausen hat sich näml. nun fest bestimmt ent-
schloßen, die Kinder und mich, wenn ihre Güte es uns seinen Söhnen
erlaubt in Yverdun wohnen das Glück werden
zu lassen, sie - wenn ihre Güte es erlaubt
in ihrem Institute erziehen zu lassen, und es
nicht ist nun gewiß, daß wenn dieses mir Sie die Kinder
als Zöglinge ihres Institutes auf[-] und annehmen
wollen, daß die Eltern mit ihre[n] Kinder[n] in 2ter
Hälfte des Sept[em]bers zu ihnen nach Yverdun
abreisen werden. Die nöthigen Vorkehrungen
welche sich jetzt schon besorgen lassen z.B.
in Hinsicht der Wäsche und Bette rc. werden
mit Ernster [sc.: Ernst] betrieben
schon besorgt und ich habe daher damit
alle Hinderniße aus dem Wege geräumt
werden, den Auftrag, unter der Voraus-
[letzte Zeile, ohne Zusammenhang, Tinte:] <eile dich> /
[15R]
setzung einer gütigen Antwort von Ihnen
auf meinen ersten Brief
Hoch v[erehrter] P[estalozzi] den Auftrag mich zuerst,
1) mir von ihnen die Nummer auszu-
    bitten, mit welche[r] die Effecten der Kinder
    zu bezeichnen sind.
2) anzufragen ob sie uns nicht
    a) einen Weg u eine Art vorschlagen können auf
        welchem die Sachen am Schnel[l]sten
        nach dem Yverdun kommen
    b) ob die Effecten in Yverdun an ein
        besonderes Hande[l]shaus adreßirt
        werden müßen,
    c) da wenn es möglich, ist die Effecten
        bis Basel auf dem Rhein gehen
sollen so wünschte der H. v. H.
      α) die Addresse in Basel
ein[es] Hande[l]shauß[es] an welches
die Sache[n] geschickt, werden, und
welches die Sache weiter nach
Yverdum [sc.: Yverdun] auf der Aare [= Rheinzufluß bei Basel] spedirte /
[16]
     ß) wäre dem Vater sehr viel daran
gelägen, wenn die Effecten auf dem
Wasser Weg nicht visitirt zu
werden braucht[en], sondern wenn
es anginge in Frankfurt ver-
siegelt u. plompirt, u erst
in Yverdun dann geöffnet
u. visitirt würde[n]
Verzeihen Sie ja theuerster He. Pestalozzi
diese Fragen, allein Sie schon dergleichen
Geschäfte aus erfahrung [sc.: Erfahrung] kennen, <dazu weiter>
die Effe dieß die Ursache derselben.
Da aber wenigstens die Effecten 14 Tage
vor unserer Abreise von hier, da
wir dieselbe[n] in der Schweiz zu finden
hoffen, abgehen müssen, so bitte ich
Sie recht sehr hochzuehrender He. Pest:
so bald als nur immer mögl. mir /
[16R]
ein gütige Antwort zu kommen [zu] lassen.
Ich wiederhole nochmals, daß alles
ander[e] im Specielen noch zu Arrangiren[de]
sich am leichte[sten] u besten bei der An-
wesenheit der Eltern besorgen lassen wird.

[2. Entwurf]

[17]
d. 26sten Jul. 1808/.·.


Innig hochverehrter Herr Pestalozzi.

Verzeihen Sie ja, güte daß ich Sie, ohne
daß ich Ihre Antwort auf meinen
letzten Brief abwarte, schon wieder
einen zweiten von mir erhalten.
Die Ursache davon liegt darinne daß
sich die Gegegenwart [sc.: Gegenwart] so bald günstig
und bestimmt für die Ausführung meines
herzlichsten, jetzt einzigen Wunsches bestimmt
hat.
Der Herr von Holzhausen ist nämlich
nun ganz fest bestimmt, und hat diese
seine Bestimmung und
diesen seinen Ent-
schluß nun ohne Einschränkung ausge-
sprochen, seinen Söhnen das Glück wer-
den zu lassen, sie, wenn Ihre Güte
es erlaubt in Ihrem Institute er-
ziehen zu lassen, und es ist nun ge-
wiß, daß, wenn Sie seine Söhne als
Zöglinge Ihres Institutes auf[-] u. an-
nehmen wollen, daß die Eltern
mit ihren Kindern in der letzten Hälfte
des Septembers von hier nach Yverdun
abreisen werden.
Die nöthigen Vorkehrun Zubereitungen
und Vorkehrungen dazu, welche sich jetzt
schon besorgen lassen, z.B. Wäsche und
Betten rc werden, zu meinem wahren
Vergnügen mit größtem Ernste und Eifer
betrieben und besorgt und vieles ist schon fertig, liegt schon bereit. Die He. Fr von H.
ist auch von d[em] He. v. Holzh. sehr gebeten
worden, die nöthigen Sachen mit mög-
lichster Eile zu besorgen, ich habe daher, da-
mit alle Hinderniße aus dem Wege
geräumt werden, unter der Vor-
aussetzung einer gütigen Antwort
von Ihnen auf meinen ersten Brief
den Auft erfreulichen Auftrag
mir von Ihnen die Num[m]ern aus-
zu bitten mit welchen die Effecten /
[17R]
jedes Knaben zu bezeichnen sind.
Da aber die Effecten wenigstens
14 Tage vor unserer Abreise
von hier abgehen müssen, wenn
wie nöthig ist und wie der He. v. H
wünscht wir die Effecten dieselben in der
Schweiz finden sollen, so bitte ich S
bitte ich Sie HochVerehrungswürdiger
He. P. recht sehr, jene Frage so
ba wie jene uns mir die Beantwortung jener
Frage re
mir jene Frage recht
bald zu beantworten.
Im Auftrage ich wiederhole ich noch-
mals, daß alles andere im Spe[z]iellen
noch zu arrangi[e]rende, sich am
leichtesten u. besten bei der Anwesen-
heit der Eltern besorgen lassen wird.
Die He. u. Fr: v. H. hat geben mir den Auftrag
gegeben Ihnen He. Pest: ihre innigste
Hochachtung und Verehrung zu versichern
und Ihnen zu sagen, daß Sie sich außer
mit hoher Freude der Zeit denke[n] die
sie beglücken würde sich Ihres per-
sönl. Umgangs zu erfreuen.
[rechts neben dem letzten Satz:]
u sie bittet Sie H. He. P. dem He. v. T[ürk]
vorläufig zu sagen, daß der An-
theil
<             > Antheil
den derselbe an dem je[t]z[t] be-
ruhigenden [sc.: beruhigten] Mutter Herzen hat
zum fortlebenden Dank
in Ihrer Seele werden
wird.
Innigst freue auch ich mich der
Zeit, und sehnend erwarte ich dieselbe
welche mir zu ihrem Gelegenheit geben
wird Ihnen hochverehrter He. P. theuer-
ster Vater, die unbegränzte tiefe Ver-
ehrung persönlich bethätigen zu können
die mich für Sie mein ganzes Seyn für Sie erfüllt,
ich achte mich hoch beglückt, von dem
allgewaltigen Geiste, den ihre Gegen-
wart mit sich führt und der Ihr
Institut belebt, ganz durchdrungen
für einen höhern Zweck denken u. handeln zu können.
Mit kindlicher Zuversicht
Hochzu Verehrungswürdigster, theuerst.
     He. P.
     Ihr
Sie hochachtend liebender

     Aug. Fröbel