Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 13.8.1808 (Frankfurt/M.)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 13.8.1808 (Frankfurt/M.)
(KN 11,7 Brieforiginal 1 B 4° 4 S.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Auf der Öde am 13ten August 1808/.·.


       Mein lieber Bruder;

Ohne Einleitung will ich Dich sogleich mit der HauptUrsache meines abermals so baldigen Schreibens an Dich bekannt machen; es ist die Frage:
"ob Du, seit Du meinen letzten Brief empfangen, "einen Brief an den Herr[n]
"Onkel in Nette geschrieben; und ob Du in demselben meiner Bitte an ihn
"erwähnt, und sie unterstützt hast?-
Zu dieser Bitte an di Frage an Dich, mit der ich Dich wirklich recht ungern belästige bestimmt mich das Schweigen des He. Onkels in Nette; denn schon sind es beinahe 5 Wochen, daß mein Brief an ihn abgegangen ist, und ich habe noch bis jetzt keine Antwort auf denselben.
Ich muß aufrichtig gestehen, daß ichm dieses Schweigen des He. Onkels, nicht geahndet habe, denn im Fall auch, derselbe meine Bitte nicht erfüllen kann so habe ich doch ganz bestimmt, und auf diesen Fall eine baldige Antwort erwartet. Sollte der He: Onkel mir vielleicht gar nicht antworten? - Dieß könnte ich mir doch kaum aus dem frühern Betragen desselben erklären; doch beunruhigt mich dieser Gedanke, ob ich gleich keinesweges erwarte daß er Gewißheit werden wird.
Die Zeit meiner Abreise von hier rückt mit schnellen Schritten herbei, denn die Abreise sie ist so ziemlich auf den 16 bis 20sten des nächsten Monats festgesetzt und schon zu Ende dieses Monats werden die Effekten der Kinder, und die meinigen von hier abgeschickt um solche, sogleich bei unserer Ankunft in Yverdun vorzufinden[.] Du < > kannst nun einsehen wie drückend mir die Ungewißheit seyn muß in der ich jetzt lebe, und wirst mir glauben wenn ich Dir sage, daß es mir lieber sey, bestimmt die abschlägliche Antwort von dem He. Onkel zu wißen als so wie jetzt zwischen Furcht und Hoffnung zu schweben, denn wenn das erstere wäre, könnte ich doch auf andere Weise für meinen Zweck thätig seyn und Mittel zur Erreichung desselben aufsuchen, da ich jetzt die mir so kostbare Zeit unbenutzt vorbei streichen lassen muß.
Meine Bitte an Dich lieber Bruder, ist daher:
"mir obige Frage, so bald als nur möglich, und wenn es seyn kann,
"schon mit allernächster Post zu beantworten;
Da ich so bald ich von Dir Antwort erhalten habe, sogleich wieder an He. Onkel in Nette schreiben und ihn um bestimmte Antwort bitten will; sie mag auch bejahend oder verneinend seyn.
Keinesweges lieber Bruder, ergeht durch obige Frage, und durch vorstehende Bitte, an Dich die besondere Bitte meinetwegen, direkte, und blos um meinetwillen an He. Onkel zu schreiben; denn ich sage Dir aufrichtig, daß ich dieß nicht einmal wünsche, da es den Anstrich hat, als wollte ich einen Entschluß zu Gunsten meiner erzwingen; <   > aber auch um Deinetwillen /
[1R]
lieber Bruder wünsche ich dieß nicht, da ich mich sehr leicht an Deine Stelle versetzen, und das so sehr Unangenehme fühlen kann, welches mit dem Schreiben eines solches Briefes verknüpft ist; nochmals gesagt: der Wunsch, daß Du blos meinetwegen nach Nette schreiben solltest, lag und liegt noch jetzt gar nicht als Wunsch in meiner Seele; dagegen wünsche ich recht sehr, und bitte Dich nochmals, die beim Eingang dieses Briefes an Dich gethane Frage recht bald wenn auch nur mit ein paar Worten zu beantworten. Vergieß diese Bitte ja nicht.
Die zweite Ursache dieses Briefes ist, daß Dir zu schreiben daß ich gestern ein mit schwarzer Kreide gezeichnetes Portrait von Pestalozzi für Dich auf die Post gegeben habe. Leider kam ich zu spät, und es wird nun erst nächsten Mondtag von hier abgehen.
Dieses Portrait ist mir kürzlich von der Fr: v. Holzhausen übergeben worden um es Dir, mit der Versicherung Ihrer Hochachtung für Dich, und mit Ihrem herzlichen <Komzliment> zu überschicken.
Daß ich mich über diesen Auftrag recht innig gefreut habe, brauche ich Dir gewiß auf keine Weise zu versichern.
Das Original zu dieser Zeichnung ist von einem sehr geschikten Portraitmahler der Schweiz in gleicher Größe gemacht worden. Da jener Mahler sich ganz in das Seyn und Wesen Pestalozzi einstudirt hat um ihn,- wenn ich so sagen darf für die Ewigkeit zu mahlen, so kannst Du schon deßhalb überzeugt seyn, daß diese Zeichnung sehr treu ist, ich kann Dir aber noch versichern, daß die Original Zeichnung frappant ist, und gleichsam das Leben und die Seele Pestalozzi sich daraus ausspricht. Die Kopie ist von geschickter Hand, und beinahe nicht vom Original zu unterscheiden.
Ich wünsche daß Du diese Zeichnung unverdorben erhältst und daß sie Dir Vergnügen macht.
Theils um diese Zeichnung vor Einwirkungen während des Transportes, zu sichern, theils um Dir etwas im Geiste der Pestalozzischen und neuen verbesserten Unterrichts Methode Dargestelltes für Dich, und zum Gebrauch für andere zu schicken habe ich sie in Bruch- und einzelne abgerissene Stücke über und im Geiste dieser Methode dargestellten eingepakt.
Nächstens über den Gebrauch und die Andeutung des Ganzen woraus sie abgerissene Stücke sind mehr; jetzt ist mir die Zeit dazu zu kurz.
Da sich die Zeichen und SchreibMethode - wenn Du Dich hütest sie die Psche zu nennen - sich in Deiner und in Stadtilms Untern-Schulen einführen lassen könnte, so werde ich Dir aus der Schweiz darüber weitläuftig schreiben, bis dahin mußt Du Dich gedulten mehr von mir zu hören. Ich freue mich daß Du etwas in Händen hast worauf ich mich dann beziehen kann. Vielleicht sende ich Dir vor meiner Abreise noch ein /
[2]
solches Päkktchen, wenn Du Dir dieß nicht wegen den zu theuern Postporto nicht verbittest, denn leider kann ich es nicht weiter als Hirschfeld frankiren.
Daß ich Dir so viele von denen, für meine Zöglinge geschriebene Vorschriften mitschickte that ich aus der Ursache weil ich glaubte daß Du diese vielleicht am ersten brauchen könntest. Die Federn sind von den Schreiblehrern in Yverdun geschnitten und zeigen wie <  > dieselben nach der verschiedenen Größe der Schrift geschnitten seyn müssen.
Du wirst fragen wie die auf schwarzem Papier befindlichen Zeichnungen von meinem Zöglinge Adolph verfertigt sind. Zur Antwort:
Die Zeichnungen selbst sind mit Schiefergriffeln ganz aus freier Hand auf eine schon geglättete Schiefertafel gemacht worden; um sie bleibend für mich und doch gleichsam von dem Knaben selbst gezeichnet, für mich zu kopiren, habe ich schwarzes Papier so lange durch Wasser gezogen bis es das Wasser angezogen hatte, dann habe ich es auf die Schiefer Tafel platt aufgelegt und mit einer Art Druckerballen fest angedrückt, auf diese Art habe ich von jeder Zeichnung 2-3 ganz bis zu jeder Beugung akkurate Kopien erhalten, wo ich von <jenen> einigen ein Exemplar Dir überschickt habe. Einige dieser Zeichnungen habe ich nach her noch, wie Du selbst siehst mit weiser Kreide überfahren, auf andern Blättern sind sie noch so wie sich der Schieferstaub abgedrückt hat.
Nun noch eine Bitte, alles was von Schweizern kommt und von meinen Zöglingen kommt bitte ich mir auf zu heben, so wie die beiden < > Fragmente Über Sprachen Erlernung (eigentl[ich] Lesenerlernen) mit dem was von mir kommt kannst Du jeden beliebigen Gebrauch machen und also auch ganz weggeben. Theile diese, wenn auch wenige, doch sprechenden Beweise für die Psche Methode, ob sie gleich hier nur auf niedere, doch wahrhaft elementarisch jedem Menschen nöthige Zweige des Unterrichts angewendet ist, mehrern Deiner unterrichtenden u. lehrenden Bekannten mit.
Sende mir vor meiner Abreise alle die Briefe die Du bisher von mir erhalten hast, ich will sie Dir aus der Schweiz reichlich durch bessere ersetzen.- Es könnte seyn daß ich Sie in der Schweiz brauch-
te, da in denselben mehreres angedeutet ist, worüber ich hoffe mi[t] /
[2R]
Pestalozzi sprechen zu können.
Adieu; schreibe mir bald. Ich grüße alle die uns beiden durch die Bande des Blutes theuer u. werth sind.
August Fröbel

Marheineke ist Prof: in Heidelberg, vielleicht spreche ich ihn auf meiner Reise.- Man spricht von Krieg, heftigen baldigen Krieg zwischen Österreich u. Frankreich. Die ganze Wirtenb: Arme[e] bezieht bis zum 20sten diesen ein - so heißt es <Lustlager> bei Ellwangen. Die anderen Conföderirten so z.B. die Ussinger haben Order nach Mainz. In Ussingisch u. Wirtembergischen Diensten <sind> 2 Brüder der Fr: v. Holzhausen. Daher diese Nachrichten. Vor 2 Tagen Nachts soll die Frankfurther Kaufmannschaft 80 Estaffetten an auswärtige Nord Holländische rc. Handelshäuser abgeschickt haben welches auf eine Veränderung der politschen Lage hindeutet.
Ich bitte Dich recht sehr wende einen Thaler daran um Dir: Fichte Reden an die Deutschen zu kaufen, Du wirst seit langer Zeit nichts Kraftvolleres und dem Manne wohlthuenderes gelesen haben.    Ich bitte Euch Brüder kauft es jeder 12 gl. - man hört wahrlich jetzt sellten einen Mann, besonders als Schriftsteller sprechen, daß ihr euch wohl überwinden könnt jene Summe aufzuwenden.
Nur andeuten will ich noch, daß die Fr: v. Holzhausen recht herzl[ich] gewünscht hat, daß es mögl[ich] seyn möchte daß Du mich vor <  > meiner Abreise hier besuchen könntest; ich sagte <g?> Fr: der nerrus rerum. "Es thut mir leid daß ich nicht im Stande bin in dieser Hinsicht auch ihren Wunsch herbei zu führen." Dieß theile ich Dir so herzl[ich] mit als sie es ausgesprochen hat es bleibt daher unter uns.