Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 16.12./20.12.1808 (Yverdon)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 16.12./20.12.1808 (Yverdon)
(KN 11,9, Brieforiginal 3 B 4° 12 S., ed. Hoffmann, in: Die Sammlung 1952, 318-328)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Yverdun am Neufchater See am 16ten Xbr 8.
Schon drei Monate beinahe in Yverdun in der Nähe des für Menschenwohl rastlos liebenden Greises, des ehrwürdigen Pestalozzi dem jeder Vater Bruder, jede Mutter, Schwester ist, und dem geliebten Bruder, dem liebenden Vater geliebter Kinder noch nicht geschrieben zu haben, dieß scheint wohl kaum recht, dieß scheint wohl kaum zu verzeihen. Aber dennoch hatte es seine drüftigen Gründe, seine erwogenen Ursachen, ich wollte dem theuern, erwartungsvollen Bruder kein Urtheil schreiben, was nicht das Resultat einer anhaltenden ernsten ruhigen Prüfung, sey was nicht des Mannes würdig sey.
Nicht unbekannt kam ich mit der Idee den Grundsätzen der P-schen Methode nicht unbekannt kam ich mit den Mitteln zur Realisiru[n]g derselben hierher; vor drei Jahren hatte ich mit dem feurigsten Enthusiasmus aus der Quelle geschöpft die nun folgenden drei Jahre hatte ich oft unter den widrigsten niederdrückendsten Lagen nach den Grundsetzen [sc.: Grundsätzen] Unterricht gegeben die ich als die besten erkannte unabgesehen ob ich sie von mir oder von außen erhielt, ob sie Pestalozzi's oder eines andern Namen, oder ob sie keinen führten, das Einfache das Naturgemäße war mir das Wahre abgesehen von jeder persönlichen Authorität, die mich nie bestimmen konnte (:noch je bestimmen wird:) ich hatte vieles geprüft, vieles angewandt, vieles verworfes [sc.: verworfen], vieles als gut anerkannt, vieles der Prüfung der Zukunft aufgehoben, weil meine Zeit mich jetzt drängte, ich und ich doch in vielem etwas gutes ahndete. Lichtstrahlen, einzelne, blitzten manchmal zu mir in meinen Wirkungskreis, einzelne Ideen Andeutungen, wurden mir von einzelnen gegeben, die persönlich Zeuge dessen gewesen waren was in Yverdun vorging, allein meine Zeit war zu beschränkt jene Andeutu[n]gen zu verfolgen, jene Ideen in ihren Dedailen [sc.: Detailen] zu beschaut [sc.: beschauen]. Meine Kraft wurde zu vielseitig zu verschieden ununterbrochen in Anspruch genommen, als daß es mir möglich gewesen wäre ein stetiges Ganze[s] auf dem Wege der Natur darzustellen; dennoch that ich mein möglichstes und mit glücklichstem Erfolge, so lernte ich immer mehr Methode des Unterrichts kennen meine Grundsätze darüber und ihre Darstell[un]g achten. So stand ich als ich nach Yverdun kam. Wer aus einsamer Klause in dieses unendliche unaussprechliche Drängen und Treiben kommt was hier in P- Kreis herrscht läuft entweder Gefahr, sein freies Urtheil augenblicklich zu verliehren [sc.: verlieren], oder nie zu einem Urtheil zu kommen. Ich kannte die Wirkung des hier wehenden Geistes, deßhalb hatte ich mich fest bestimmt mich nicht durch den Eindruck, mich durch den Gehalt, dem Wahren bestimmen zu lassen. Die Ersten Wochen sahe hörte und prüfte ich blos, ohne eignes Urtheil da ich blos die Thatsachen sprechen ließ. Später machte ich mich mit einem und so nach und nach mit mehreren Theilen des Unterrichts in seinen [sc.: seinem] Detail bekannt. Welches Licht, welche Klarheit, welche Einfachheit u. Natürlichkeit strahlte mir da mit jedem Schritte heller wärmer entgegen, den ich weiter forwärts [sc.: vorwärts] that, solche Einheit, solche Einfachheit, solchen innern natürlichen Zusammenhang wie ich in mehreren Theilen der Methode jetzt klar und unwiderlegbar erkannte hatte ich mir nicht erwartet, ich hatte ihre Existenz nicht geahndet. Man ist in manchen Theilen zu einer natürlichen Einfachheit gekommen, die unaussprechlich ist; und dennoch führt diese Einfachheit zu einem Umfassenden, dessen Grenzen sich nicht absehen lassen. Schon sehr /
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oft war ich hingerissen mich unbedingt dem allseitigen Wirken für die gute Sache hinzugeben. Aber dann rufen mich Pflicht und Beruf als Erzieher zurück und be in mein beschränktes Wirken, und will ich rechtschaffen will ich treu meinem Versprechen daß [sc.: das] ich den Eltern meiner Zöglinge that, handeln muß ich folgen. Aber namenlos drängt und treibt es mich in einem größeren weit eingreifenderen Kreis aufzutreten und durch That u. Kraft für die gute Sache zu handeln, al[l]gemein und öffentlich zu beweisen - durch That zu beweißen [sc.: beweisen]: - Was man im allgemeinen von der P-schen Unterrichts[-] geschweige von Pest. ErziehungsMethode weiß - ist nichts, ist Schatten gegen dem [sc.: das] was man jetzt in Yverdun darstellt, wie weit man jetzt in der Anschau[un]g u. Darstell[un]g der Idee gekommen ist. Ich habe Dir geliebter Bruder ehe ich von Frankfurth weg ging manches von dem mitgetheilt, was Wirkung meines Wirkens war; Es ist wahr es enthält Andeutu[n]gen von dem was hier geschieht, es ist gearbeitet in dem Geiste der hier alles Handeln belebt, aber wie weit steht es im Zusammenha[n]g in der Vollend[un]g u. Klarheit gegen dem [sc.: das] zurück was hier ist. Jeden Tag wünsche ich mich zu Dir, nehme 20-30 Bauernknaben zusammen und arbeite in Gedanken in Deiner Gegenwart, Gott aber was helfen Wünsche, meine Pflicht hält mich hier. Aber dennoch darf diese Zeit nicht unbenutzt verfließen sie ist kostbar, sie muß gewecktnutzt werden. Mag ich so wenig für die Ausbreitu[n]g der Guten Sache thun können, sei meine Kraft, meine Zeit sei sei alles noch so beschränkt, ich muß wirken was und wie ich thun kann.
Gott welches Glück wäre es für Stadtilms Schule und für die ganze Stadt würden Schüler Pest. an derselben unterrichten. Wenn ich zurück denke wie ich den Tag in jener Schule zugebracht, was ich gelernt habe, was man und wie man es uns gegeben hat, war es möglich daß ich weniger verwahrlost werden konnte als ich bin, und doch gehörte ich bestimmt nicht zu den unfähigsten nicht zu den schlechtesten die sie besuchte[n]. Ich möchte die Kräfte meines Geistes kennen ich möchte wissen was er im Stande darzustellen zu erkennen zu begreifen wäre, wäre er nach den Grundsätzen P. nach den Grundsätzen der Natur entwickelt worden. Glücklich unendlich glücklich würde ich mich fühlen hätte ich das Bewußtseyn in einem halben in einem Jahren [sc.: Jahre] Lehrer an der untersten Klasse von Stadtilms Schule zu seyn - nicht um Brod [sc.: Brot] nicht um Gehalt und Versorgung willen, denn daß [sc.: das] habe ich besser und mehr als mir ganz Stadtilm, als mir selbst unser Fürst geben kann aber um Gutes zu wirken um allgemein vielseitig gutes zu wirken, um in meinem Vaterlande das ich unendlich liebe, um in der Stadt die mir theuer und werth ist, um in der Nähe meiner Brüder die ich als Brüder innigst liebe zu wirken. - Aber ich kann nicht, mein Wort bindet mich noch auf viele Jahre, und auch Liebe zu meinen [sc.: meinem] Zweck; ich darf mein Wort nicht brechen.
Soll aber die gute Sache so lange für das Vaterland ungenutzt bleiben /
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Soll dem Vaterlande so lange das Gute entzogen werden, welches es beglücken könnte? Nein es darf es nicht und es soll es nicht, so lange ich noch hier in Y- bin muß sich von hier aus Segen über das ganze Unterrichts[-] und Erziehungswesen des Vaterlands verbreiten. Was geschehen muß geschehen kann soll bald geschehen. Das Vaterland hat den Vater verkannt, der es mit ihm redlich meinte, der vielleicht darinne irrte, daß er die Menschen um sich her von Wärme und Eifer fürs Gute wie sich durchglüht glaubte. Den Vater hat der Fürst, den Vater haben die Obern, den Vater haben auch seine Gemeinden verkannt, ich will das Urtheil über den Vater retten, ich sein Sohn ich will dem Vaterland Gelegenheit verschaffen den Weg zu finden zum Mittel seine äußere und innere Kraft zu vermehre[n]. Ich will rechtschaffen und redlich handeln, will Gutes stiften wo ich kann, daß man sehe und sage, so handelt der Sohn, so denkt er, der früh <so> vernachläßigte, (wie muß der Vater gedacht haben, wie würde der gehandelt haben hätte man es ihm erlaubt[)].
Ich überschaue mein ganzes Wesen indem ich dieses schreibe; nichts von dem was ich früher dachte und schrieb ist mir unbekannt; ich kenne meinen persönlichen Zweck, ich sehe das Ziel was ich zu erstreben mir forgesetzt [sc.: vorgesetzt], ich kenne den Zweck, den ich zum als höchstens meines Lebens erkannt habe. Aber mein Geist wird seine Kraft nicht verliehren [sc.: verlieren], sie wird sich durch die That vermehren und so unversiegbar sein. Meine Seele wird ihren liebenden Sinn nicht verliehren [sc.: verlieren], kein Altern wird ihn wie den Geist zu schwächen im Stande seyn, sie wird sich vermehren, weil ihr aus allen Menschen erwärmende Strahlen entgegen fließen.
Also gehandelt soll werden, zuerst fürs Vaterland, dann für das was ich als das höchste erkenne. Zuerst für die Gegenwart dann für die Zukunft.
Höre meinen Plan: Gegen das Frühjahr werde ich mich von hier aus selbst persönlich schriftlich an die Fürstin wenden. Ich werde sie bekannt machen mit dem Streben P- u. mit den Mitteln welche er zu seinen [sc.: seinem] Zweck aufgefunden hat; zuerst werde ich so viel mögl. ist meine ich werde ihr zwar meine urtheilsfähigkeit dokumentiren, aber die Sache für sich selbst sprechen lassen. Ich werde die Resultate dessen was bisher geschahe in gedrängter Kürze zusammenstellen. Ich werde zeigen, was man in andern Ländern darüber urtheilt was andere Regierungen dafür thun. Ich werde zeigen welchen Einfluß es auf das Glück des Landes habe. Ostern bietet sich mir zu allen diesen eine günstige Gelegenheit dar. Es kommt bis dahin ein Werk heraus welches die wesentlichsten Zweige der Methode, Maaß Form, Zahl u. Zeichnen in ihrem Zusammenhange darstellt. Dieses Werk werde ich der Fürstin mit den nöthigen [Anmerkungen] begleitet überschicken. Was ich dadurch bezwecken will ist: daß man einen oder 2 junge talendvolle [sc.: talentvolle] gebildete Männer auf ein Jahr hieher schicke die Methode zu erlernen /
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die dann bei ihrer Rückkunft im Vaterlande Probeschulen anlegten und so die Einführung im Ganzen Lande nach und nach möglich machte[n].
Ich bin unbeschreiblich unzufrieden mit Karln der das ihm von Gott geliehene Pfund so vergräbt. Gott er weiß ja ein Weib noch gar nicht zu schätzen und zu behandeln. Was hätten wir beide jetzt gemeinschaftlich wirken können und wollen. Ich möchte weinen über die Verkehrtheit sein[e]s Herzens und seinem [sc.: seinen] Verlust. Wäre ich nur nicht von den jungen Männern die ich achte liebe u. hochschätze so gar weit entfernt. Hätte ich Pfeifern bei mir der jetzt in Warschau ist, wir würden sehr viel leisten. Doch was hilft dieß ich muß benutzen was da ist.
Wesentlich ist zu meinen [sc.: meinem] Zweck, daß Du mich mit unserer Regier[un]g mit ihrem Geiste u. den Hauptpersonen die sie leiten bekannt machst. Prinz Karl soll ein ädler Mann seyn. Sind gar keine Männer im Vaterlande die man mit Interesse für die Sache erfüllen könnte? leider ich kenne keine. Kennst Du keinen Mann den man hieher schicken könnte es muß ein kraftvoller gebildeter Mann mit hellem Geiste und schneller Fassungskraft seyn. Wenn Du nur hieher könntest. Recht oft habe ich Dich darum bitten wollen, wenn Du nur 4 Wochen, ja wenn Du nur 14 Tage hier wärest Du würdest unendlichen Nutzen für Dich als Vater haben.
Das Bildende [von] Pestalozzi's Umgang ist unmögl. auszusprechen. Ihn über seinen Zweck seine Methode sprechen zu hören (er ließt hält jetzt Vorlesungen für alle Erwachsenen über den Geist seiner Methode) ist enthusiasmirend begeisternd, und ist hinreisend [sc.: hinreißend], und doch ist er die Einfachheit und Simpliztät selbst ohne alles was Rednerkunst ist, gesprochen im schlichtesten natürlichen Ton, und doch wirkt es so unaussprechlich. Immer thut es mir, wenn ich aus seinen Vorlesungen gehe weh, daß Du ihn nicht hören kannst. Komme auf 14, ja komme nur auf 8 Tage. Kann und wird mir die Tante nicht einige hundert lehnen, daß ich solche Dir zu dieser Reise geben könnte? -
Vergiß also ja nicht mich recht bald mit den Verhältnißen an unserm kleinen Hofe, mit dem Regierungs Personale u. seinen [sc.: seinem] Character und sonst mit allen [sc.: allem] bekannt zu machen was meinen Zweck befördern könne. Hast Du keine Zeit, so kann es doch gewiß Traugott, der mir in so vielen Jahren kaum einige Zeilen geschrieben hat. Daß über dieses mein Vorhaben nicht das Mindeste auch gar nichts gesprochen werden darf daß es das g blos für euch beide Brüder wißbar ist, ist natürlich u. brauche also deßhalb nichts zu sagen. Was geschehen soll würde seinen Zweck verfehlen hätte man vorher Ahndu[n]g davon. - Auch an den Herzog von Gotha habe ich Plan zu schreiben. Durch den Schwager will ich anknüpfen; durch die Verhältniße meiner Familie die Fr. v. Holzhausen ist eine geb. v. Ziegesar und nahe Verwandte mit Wangenheim /
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ist hoffe ich Eingang und Unterstützung zu finden. Nicht persönliche Unterstützung die suche ich nicht; alle[i]n Eingang und Unterstützung der guten Sache. In vielen der ersten und jetzt größten Länder Europas Deutschlands fühlt man das dringende Bedürfniß der Erziehungs Verbesserung und suchet auf König[lich]e Befehle den Rath, die Hülfe und Unterstützung Pestalozzi's, soll unser Vaterland das letzte seyn dem sie wird? - Der König von Preußen hat sich durch einem gewissen Schröter an Pestalozzi gewandt und künftiges Frühjahr werden 2 bis 4 der ausgesuchtesten jungen Menschen hieher geschickt werden um in einem Jahre die Methode zu erlernen sich im Umfange mit den Grundsätzen Pestalozzis und Ihrer Darstellung vertraut zu machen. Pestalozzi ist beauftragt sich Subjecte zu wählen wie er sie wünscht. Das preußi. Ministerium bemerkt und sucht jetzt jeden vorzüglichen, in die Grundsätze Pestalozzis und ihre Darstellung eingeweihten jungen Mann auf um ihn in ihr Land zu ziehen. Mann würdigt Pestalozzi[s] zu Bestreben der höchsten Aufmerksamkeit.- Joh. v. Müller hat wegen der Organisation von Probe[-] und Musterschulen im Königreiche Westphalen (keine Frankfurthischen:) an Pestalozzi geschrieben und ihn um seine Unterstützung und Rath gebeten. - Mit dem größten Eifer wird jetzt in Würtenberg für die Einführung der Pestalozzischen UnterrichtsMethode auf höchstem Befehl gearbeitet. Ein gewisser Zeller (der vom König v. Preußen nach Königsberg zur Einführ[un]g der Pschen Methode berufen worden war, aber vom König v. W[ürttemberg] nicht die Erlaubniß erhielt diesen Ruf anzunehmen, sondern ihm einen Wirkungskreis zum Besten seines Vaterlandes anwies) bekommt 100 Kinder aus den Schulen zu Heilbron[n], ein geräumiges Lokal mit allen äußern Unterstützu[n]gen, er bekommt ganz freie Hand die Psche Methode anzuwenden wie er will. Es werden die dortigen SchulLehrer verpflichtet die Psche Methode zu erlernen, und unter Z. Anleit[un]gen auch in ihren Schulen anzuwenden. Es ergeht ein Aufruf an alle Schullehrer des Reichs, und es wird ihnen bekannt gemacht; daß sie in Heilbronn Gelegenheit haben die Psche Methode zu studiren, und Erlaubniß sie in ihren Schulen anzuwenden. Zeller hat auch die Sonntags Schulen unter sich, Niemand soll ihn hindern und nichts.
Eine eigene Schulkommission (aus würdigen und für die Sache interessevollen Männern) soll die Aufsicht führen.
Nach einem halben Jahre ungestöhrter [sc.: ungestörter] Arbeit soll dann untersucht werden
1) wie die Methode gewirkt habe auf die Kinder, und zwar
       α) auf rohe   ß) schon in der Schule gewesene /
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2) auf Erwachsene und zwar
       α) rücksichtlich des eigenen Wissens   ß) rücksichtlich der Lehrfähigkeit.
Die Resultate sollen entscheiden, ob die Methode allgemein durch positive Gesetze einzuführen, und wie die Schulen des katholischen und nicht katholischen Reichs organisirt werden, sollen und welche Sphäre Zellers Fähigkeit angewiesen werden solle. Die gute Sache ist also für Würtenberg so gut als gerettet. (Preußisch[e] und Würt[t]embergische Minister v. Schröder und v. Wangenheim waren hier um die Psche Methode kennen zu lernen.) Auch in München wird dafür gearbeitet, der Kronprinz war im letzten Sommer selbst hier. (Nebensache ist: daß dieser jetzt einen Künstler hier[her] geschickt hat um Pestalozzi[s] Büste in cararischen Mamor zu hauen; es zeigt nur von Interesse:) Soll dem [sc.: denn] unser Vaterland das letzte seyn in welches der Strahl der bessern Erkenntniß fällt. Wenn ich an die OW. [Oberweißbacher] Schulen, daß [sc.: die] doch bestimmt die besten waren denke, wie oft haben die Kinder halbe Stunden unbeschäftigt geseßen und die Wände angeschaut. Mir wird heiß ums Herz, und was haben die Kinder gelernt? Zum Pfarrer mußte man die Kinder schicken um einen Casum zu setzen (ich habe in meinem Leben nicht verstanden was das heißt auch da nicht da die Mutter einmal zu mir sagte: ja nicht einmal einen Casum kann er setzen.:) meine Zöglinge auch der 9jährige Adolph beschämen mich oftmal, der weiß jetzt was es heißt: zwar nicht einen Casum setzen, aber richtig durch die Wort[-] und Schriftsprache das Verhältniß bezeichnen in welchem die Gegenstände zu einander stehen, handelnd oder leidend rc. er kennt kein Mensa keinen Nom. u. Dativ aber er kennt die Gegenstände ihre Eigenschaften ihre Verhältnisse rc und weiß diese zu durch die Schrift[-] u. Wortsprache zu bezeichnen. Die Briefe die dieser Knabe an seine Eltern schreibt sind für mich Muster; sie sind bestimmt kurz, sie sind natürlich. Es ist mir noch nicht eingefallen ihm lebendiger Briefsteller zu werden, und wie könnte ich, denn es ist wahr ich habe mir schon einigemal gestehen müssen: diesen Brief hättest Du nicht schreiben können.
Ist denn gar kein Mann, kein ädler Mann im ganzen Vaterlande, der aber auch Kopf u. Herz und Kraft hat, den man mit der Sache bekannt machen könne. Was ist zum Herrn Substitut Hoffmann? - Wenn doch der Onkel noch lebte! Von einem Assessor Schwarz hast Du ja einmal mit Wärme gesprochen! Sei nicht böse, zu Bam- /
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berg habe ich kein Zutrauen, hat denn alle die Ersten unseres Landes die Hofluft angesteckt? - Man möchte vergehen; ich sinne und denke und finde keinen kraftvollen jungen Mann unter alle meinen Bekannten im Vaterlande die ich hier wünsche, alle hat die Form des Hofes erdrückt. Du hast mir einmal gesagt - dieß fällt mir eben ein, und erhöht mein Streben noch mehr - daß so viele alte Schullehrer gestorben wären. Gott welch ein glücklicher Augenblick lauter junge kraftvolle Leute. Wie gerne käme ich auf ein Jahr nach Hause, ich wollte gerne keinen Heller Gehalt haben, denn Du würdest mir ja zu essen geben, aber ich kann auch bei dem besten Willen ich kann und darf nicht, weil sich das Zutrauen der v. H-schen Familie zu mir immer mehr erhöht und sie mir jetzt einen Beweiß desselben gegeben hat, den [sc.: dessen] ich mich würdig bezeigen muß. Ich schreibe gerne, aber was läßt sich an jemand schreiben der die Sache nicht durch die Anschauung kennt. Eine ganze Woche und noch länger könnte ich schreiben und es wäre todt und nützte nicht so viel als ein halber Tag Anschauung. Und dann bin ich auch so unaussprechlich beschäftigt daß ich mich nicht dazu verstehen kann; ich arbeite oft bis 2-3 des Morgens und stehe um 6 oder 7 schon wieder auf wenn Posttag ist esse ich oft nicht zu Mittage und kann mich doch durch die Masse meiner Geschäfte nicht hindurch arbeiten, weil mir mein Verhältniß als Erzieher außerordentlich viel Zeit nimmt, und ich den Eltern jede Woche sehr weitläufig über alles schreiben muß was in Bezug auf ihre Kinder steht. Auch das nothwendige Übel, (besonders hier wo alles französisch spricht), die französische Sprache, raubt mir hier wieder Zeit und Geld 16 Stunden 2 Große Thaler, Täglich sollte ich für mich, 3 Stunden, zu einer Stunde Lection verwenden, aber so glücklich, dieß zu können bin ich alle Woche einmal, und dann muß ich mir die Zeit von höhern Geschäften abbrechen. Du siehst also [wie] wenig ich durch schriftliche Mittheilung thun kann. Aber wären junge Leute hier ich wollte sie unterstützen wo ich könnte, besonders da ich sagen darf daß mich Pestalozzi achtend liebt, als Sohn liebt. (Doch über mein Verhältniß weiter unten:)
Ich habe der Frau v. Holzhausen versprochen, und hätte ich es ihr nicht versprochen, so müßte ich es mir selbst zur strengsten Pflicht machen, ihr zur Unterstützung bei dem Unterrichte ihrer ältesten (7jährigen) Tochter alle für jetzt und für die Zukunft alle die Hülfsmittel die ich als zweckmäßig erkenne zu zu schicken. Zwei kleine Transporte habe ich davon nach Frankfurth geschickt und ich arbeite mit Eifer an der Fortsetzung. Ich kann der Fr. v. Holzh. nicht zu muthen jene Sachen, die zum Neujahr noch mit vielen Arbeiten der Knaben über /
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alle ihre Unterrichts Gegenstände die sie jetzt haben, vermehrt [darüber: wenn] werden jetzt schon aus der Hand zu geben, deßhalb möchte ich Dich sehr bitten nächsten Frühjahr eine Reise zu Frau v. Holzhausen nach Frankfurt zu machen, sie wird vieles bei ihrem Kinde anwenden oder anwenden lassen wenn sie Dir auch von dem was sie thut nicht Rechenschaft ablegen kann - (denn das sollen die Mütter nie) - so würdest Du bemerken wie sie es macht, würdest selbst sehen welchen Effect ihr Wirken hervorgebracht hat, und würdest Dich hauptsächlich mit alle den Hülfsmitteln bekannt machen welche ihr zu Gebote standen und noch zu Gebote stehen. Kurz ich muß dieß Dich nochmals als Bruder zu jener Reise auffordern. Hast Du aber vielleicht diesen Winter sehr viele Zeit um mit Musse Dich mit dem Studium der Pschen Methode abzugeben, so schreibe mir bald und ich bitte die Fr. v. Hzsen Dir mehreres zu schicken, besonders über Rechnen Maß- und Formen- und Zeichenlehre, bei welchen Unterrichts Gegenständen man sich jetzt zu einer unglaublichen Freiheit der Geistesthätigkeit erhoben; die Schranken der ehemaligen Bestimmten Grenzen sind zerbrochen und der Geist wandelt frei und ungehindert in jedem Gebiet, jede Willkührliche [sc.: willkürliche] Annahme ist aufgehoben nur die absolute Nothwendigkeit ist in allen die allgewaltige Gesetzgeberin. - Wenn Du diese Unterrichts Gegenstände einst kennen wirst Du wirst erstaunen über die Freiheit des Geistes, über die Unbeschränktheit u. Zwanglosigkeit mit der er sich in denselben bewegt, über die höchste Einfachheit ihrer Elemente, erkennbar dem Verstande jedes Kindes jeder Mutter, und die Höhe, zu der sie dem [sc.: den] Geist in seiner Ausbildung und Entwicklung führen. -
-- Mache Dir es möglich selbst zu prüfen. --
Kannst Du nicht schreiben, laß den Bruder Traugott schreiben, so außerordentlich kann er doch nicht beschränkt seyn daß er Dich nicht durch das Schreiben eines Briefes unterstützen könnte.
Macht mich bekannt nochmals bitte ich euch mit den Grundsätzen der Regier[un]g unseres Vaterlandes und allem was mir sonst zu wissen nöthig ist. Orientirt mich wo Ihr nur könnt. leitet - (:ohne meines Entschlußes zu gedenken:) ein wo Ihr könnt. handeln will ich, ich suche nichts für mich dieß gibt mir Muth, - erreiche ich auf das erste mal nichts, so untersuche ich die Art wie ich handelte, vielleicht war die Form verfehlt, kommt das 2te und 3te mal wieder bis man hört, ich bin Unterthan des Fürsten ich habe das Recht zu sprechen der Fürst muß mich hören; ich erbitte nichts für mich. /
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Ich habe Dir versprochen noch etwas über mein jetziges Verhältniß zu schreiben, ich halte Wort. Ich bewohne mit meinen Zöglingen eine eigene Woh[nun]g in der Nähe des Schloßes. Hier Arbeiten wir in den Freistunden, schlafen und frühstücken wir. Im Institute essen wir zu Mittag Abend und zu 4 Uhr. Meine Zöglinge werden bis jetzt einzig vom im Institute unterrichtet. Sie genießen alles was jeder andere Zögling auch genießt und habe[n] gleiche Rechte mit jenen, nehmen auch an allem Antheil was jene thun und was für jene geschieht, so bald ich es für sie für gut halte; ob sie gleich unter der Aufsicht ihrer Klassen Lehrer sind, so hängt die Leitung ihrer Thätigkeit doch nur von mir mir ab, überhaupt haben die Eltern unbedingt und uneingeschränkt das Recht in meine Hand gelegt, das Pestalozzische Institute, so wie es für meinen Zweck: die Erziehung ihrer Söhne für gut halte, zu benutzen, uneingeschränkt ist mir die Erziehu[n]g derselben mit dem vollsten Zutrauen anvertraut. Pestalozzi ist mir Rathgeber und Freund und unser aller liebender Vater. Im liebenden thätigen Verein handle ich mit ihm für das Wohl meiner Zögli[n]ge. Ich bin viel um ihm, viel bei ihm, er ist oft bei mir, und bei jeder Begegnung zieht er mich näher zu sich, giebt mir Beweiße seiner vertrauensvollen Liebe und Acht[un]g, seine alte Gattinn [sc.: Gattin] die für mir eine der würdigsten Frauen ist die [ich] kenne, ist für meine Denk- und Empfindu[n]gsweise rührend gütig gegen mich; allein ich schätze sie auch außerordentlich hoch, und es ist mir immer ein Festtag, eine festliche Stunde muß ich sagen, denn ich bin oft des Tages mehrmals auf ihrem Zimmer, wenn ich bei ihr bin und mit ihr spreche.
Alle Lehrer sind sehr freundschaftlich gegen mich und unterstützen mich, wo ich sie bitte und es wünsche. Das [sc.: Daß] Pestalozzi Zutrauen zu mir hat wird Dir beweisen, weil er es mir zur Pflicht gemacht hat frei über alles zu sprechen was die Einrichtung des Institutes (in so fern es auf die Zöglinge wirkt) betrif[f]t um ihn [sc.: ihm] meine Meinung, gleichgeltend sie sey dafür oder dawider zu sagen; doch sage ich dieß nur zum Bruder, es würde anmaßend klingen es in einem größern Kreise auszusprechen. - Auch hat man mir [die] erste (unterste) Klasse im Geographischen Unterrichte angetragen; auch dieß wird Dir Beweiß seines Zutrauens seyn. Gern sehr gerne hätte ich diesen Antr[a]g angenommen erlaubte es mir die Zeit. Täglich kommen 12 Knaben in meine Wohnung (ihre Zahl wird nach und nach Vermehrt werden:) denen ich in Gesellschaft mit meinen [sc.: meinem] Unterricht in Handarbeiten, vor der Hand in Pap[p]arbeiten gebe. Dir als Bruder darf ich es wohl sagen, daß vor wenigen Tagen Pest. ein sehr günstiges Urtheil über mich der Holzhaus seine Zufriedenheit mit meinem Seyn und Betragen der Holzhausischen Familie geschrieben hat. So stehe ich zu Pestalozzi, so zu den Lehrern.
Meine Kinder lieben mich noch immer ununterbrochen; ich lerne sie täglich besser kennen und darum werden sie mir tägl. lieber. Auch der älteste hat sich seit er hier ist sehr zu seinem Vortheil entwickelt, er wird nie ein Mann von großen hohen Geisteskräften, doch einfach /
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und natürlich gut werden bei keinem hohen Grad besonders des speculativen Erkennens; diesemnach zu [ihn] einfach gutmüthig zu behandeln, ohne viele Worte aber herzlich ist mein Gesetz. Die beiden andern ist [sc.: sind] jeder in seiner [sc.: ihrer] Art, der eine besonders am Geist der andere am Herzen vorzügliche Knaben. Das Urtheil Pestalozzis und aller Lehrer ist aus unausschließend für meine Knaben die man als selten gute Kinder rein an Geist und unschuldig an Seele erkennt, ohne Falte und ohne Falsch. Ich schreibe Dir dieß damit Du meine Erziehungsfähigkeit beurtheilen kannst welche doch wohl am bestimmtesten sich aus dem ausspricht was ich meine Zöglinge sind. Wären sie auch als ich sie bekam, eben so gut gewesen als jetzt, so war doch 2½ Jahr ein langer Zeitraum um durch eine schiefe Behandlung viel zu verderben, und wenn der Erzieher dieß nicht thut, so ist er gewiß Erziehungsfähig.
Auch die Eltern meiner Zöglinge sind sehr auch mit meiner Handlu[n]gsweise hier in Yverdun zufrieden; noch der letzte Brief versicher sagt mir daß ich als praver [sc.: braver] Mann handle und so zu handeln fortfahren solle. - Sei ja nicht böse daß ich Dir dieß schreibe mein geliebter theurer Bruder es ist nicht die mindeste Eitelkeit, und was hülfe es denn auch wenn das Urtheil für mich noch so günstig wäre und ich erhielte es mir nicht; ich weiß auch recht gut, daß indem ich es gegen Dich ausgesprochen habe meine Aufmerksamkeit auf mich, meine Pflichttreue meine Rechtschaffenheit sich noch erhöhen muß, denn ich würde nur um so tiefer sinken wenn ich es nicht thäte. Also nicht aus Eitelkeit sprach ich es aus, aber ich glaubte es sey Pflicht, es sei Forderung der Liebe, der Bruderliebe, Forderung der Dankbarkeit für die erhaltene Liebe mich dem Bruder - der lange schon mich nicht hat handeln sehen und mich leider noch lange nicht wird handeln sehen, zu zeigen wie ich bin, wer lernt nicht gerne das was man liebt genau bis ins innerste kennen und Du liebst mich ja; wer thut nicht über das jetzige innere Stehen des geliebten Freundes, ist man lange von ihm getrennt gewesen 100 Fragen an sich und wünscht sie sehnend beantwortet.
Ahndung sagte mir, daß Du auch solche Fragen an Dich gedach gethan hättest oder thun mögtest, es schien mir Pflicht sie zu beantworten.
Auch in [sc.: im] ökonomischen Verhältniße stehe ich hier noch so wie in Frankfurth ich erhalte, nebst allen [sc.: allem] bis auf Wäsche frei jährl. 700 Rhnl. Gulden, Du wirst auch hieraus, da ich dem Herrn v. H.- jährlich hier gegen 1200 <fl.> also beinahe 110 Carolins koste, die Verbindlichkeit einsehen, die ich auch blos von dieser gemeinen Ansicht aus betrachtet, gegen ihn habe, und daß ich bei dem Zweck, warum ich bei seinen Söhnen bin, keine Zeit zu meinem Gebrauche mir nicht nehmen kann als ich wirklich thue, und warum ich alles thun muß um auch die Mutter meiner Zögl. bei ihrem /
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Zweck in Frankfurt zu unterstützen.
Auch die Gegend in der ich lebe ist sehr angenehm. Yverdun liegt 5 Minuten hinder [sc.: hinter] dem Neufchateler See ½ Stunde vom Fuße des herrlichen Jura. Der Neuburger See hat das ihm [sc.: ihn] von allen andern Schweizer Seen unterscheidende, daß er seine Farbe vom dunkelsten Schwarz durch alle Abstufungen herab bis zum hellsten Grasgrün verändert durch die Brechung der Lichtstrahlen, deren Mannigfaltigkeiten durch den Wind und die Umgebungen noch vermehrt werden, verändert. Rechts am See eine Stunde von Yverdun bis auf die Spitze ist ein ziemlich hoher Berg, von dem man bei den hellen Tagen die genußvollste Aussicht nach den Alpen, von den Berner Alpen bis nach den Savoischen hat. Einige der Merkwürdigsten sind das Schreckhorn, die Wetterhörner, das finstere Aarhorn, die Jungfrau, der innere und äußere Eiger (am Thuner See) rc rc Aiguille d'Argentier und Mont blanc rc. Vor einigen Wochen habe ich diese nur in drei verschiedenen Ansichten (drei Blicken) absehbare Gebirgsreihe in ihrem höchsten Abendglanz gesehen. Es macht einen unaussprechbaren Eindruck, diese Massen weiß und sanft wie das Gefieder des Schwans bis zum höchsten schönsten Rosenroth, dann zur reinen Feuergluth und dann zu grauen Schatten sich verändern zu sehen. Mit der innigsten Rührung und feierlichsten Sti[mmu]ng kann man sich nur von ihnen trennen. Mich zieht immer ein unbeschreibl. Sehnen nach ihnen; Wie hochbeglückt werde ich mich fühlen, wird [sc.: wenn] mir einst das Glück werden wird, unter zwischen u. auf ihnen zu wandeln.
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Was machst Du mit Deinem Weibe u. Kindern? Bist Du wohl? Was macht Traugott und seine Braut, denn ich höre von Osterode daß er noch nicht verheirathet, und daß seine Braut krank gewesen ist, ich grüße beide brüderlich.
Am 12 Decbr habe ich einen Brief aus Osterode vom 24sten Novb erhalten einen ausgezeichnet brüderlich liebenden Brief. Er schreibt mir das obige und daß er lange keine Nachricht von Euch habe, und daß sein ihm am 30sten August gebohrner Knabe Ferdinand Traugott ein sehr wackrer gesund[er] Knabe sey. Ich gratulire dem Bruder herzlich zu demselben, denn ich hab ihm lange sehnl. in Gedanken einen Knaben gewünscht; ich freue mich innig darüber. Was machen Deine Knaben sind sie noch gesund, wohl? Ich fühle mich fast reich daß ihr beiden Brüder nun schon 3 Knaben habt, es werden einst düchtige [sc.: tüchtige] Menschen werden. Auch Deines Mädchens denke ich mit Liebe, ich möchte wohl mit meinem Pathchen plaudern, das Mädchen muß Dir jetzt viele Freude machen.
Der Bruder in Osterode ist gesund und wohl mit seiner Familie und fühlt sich als Gatte und Vater recht glücklich und heiter. Auch von Euch hoffe ich recht bald zu hören, daß Ihr gesund seyd. /
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Schreibe mir einer von Euch recht bald und recht viel, es ist jetzt schon ¼ Jahr daß ich nichts von Euch gehört habe. Ihr könnt mir den Brief unter der euch bekannten Addresse [sc.: Adresse] nach Frankfurth schicken. Nimm nicht so gar dickes Papier zum Schreiben, damit Du mir recht viel schreiben kannst, siegle den Brief mit Oblaten zu. Wenn Du den Brief über Fra nach Frankfurth schickst hast Du gar nichts zu bemerken, denn man schickt mir ihn von dort mit Einschluß. Schickst Du mir ihn unter der hier beigefügten Addresse [sc.: Adresse] so wirst Du den Brief vielleicht bis Mühlhausen frei machen müssen, da man von hier aus alle Briefe nach dem nördl. Deutschland bis Mühlhausen frei machen muß.
Was macht die Tante von Willersleben [sc.: Wüllersleben], wo lebt sie? was denkt, was urtheilt sie von mir. Empfiehl mich ihr, und sage ihr daß ich mich oft Stadtilm[s] und Willersleben[s] als Knabe erinnere.
Nochmals bitte ich Dich grüße Dein Weib und Deine Kinder, mein Pathchen von mir und sage ihnen daß ich mich unaussprechlich in ihre Nähe sehne. Bruder Traugott und seine Braut, wenn sie noch nicht sein Weib ist welches ich sehr wünsche grüße ich brüderlich. Sage dem Bruder daß es mich schmerzt daß er mir so lange nicht schreibt. Ist er unzufrieden böse mit mir? - In meiner Seele liegt nicht der Schatten eines unbrüderlichen Gedankens.
Liebt mich Traugott und sein Weib noch wie reich u. glücklich bin ich Du und Deine Kinder die mich kennen Nich[t] wahr auch Dein Weib liebt mich? Bruder Christian schr giebt mir schriftlich die unzweideutigsten beweise seiner, seines Weibes und seiner Kinder höchsten innigsten Bruderliebe. Ich bin glücklich und heiter, drum muß ich auch rechtschaffen seyn u. andere Menschen Glücklich machen. Unterstütze Du mich dazu.
Dein Dich mit Herzensfreude liebender
Bruder
         August Froebel
Abgeschickt den 20sten Xbr. Nachmittags.      ----

A Monsieuer
Monsieur Froebel
Gouverneur des fils de Mr de Holzhausen
par Schaffhausen a Yverdun au Lac de Neufchatel