Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 15.1./20.1./8.2.1809 (Yverdon)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 15.1./20.1./8.2.1809 (Yverdon)
(KN 12,1 Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S., mehrfach zit.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Yverdun am 15 Januar 1809


Guter, geliebter Bruder;

Wie unendlich sehnt sich mein Herz nach Euch lieben Brüder, und nach dem Leben in Eurem Kreis[.] Mir wird hier viel Liebe, vieles Zutrauen, Pestalozzi der ehrwürdige Greis, der Mann der Liebe des Vertrauens schenkt mir seine Liebe, sein Zutrauen; allein je mehr Liebe jemehr Zutrauen mir von andern wird, desto höher steigt meine Liebe zu Euch, meine Sehnsucht nach Euch nach Dir theurer geliebter Bruder, nach Deinen Kindern nach Deiner Familie. Ich fühle dann das Glück des Lebens mit Euch, zu leben die Wonne Dir, dem Bruder zu helfen zu dienen doppelt; wenn schon das Leben der Liebe mit jedem Menschen so heilbringend ein so hohes würdiges Leben ist, wie viel höher würdiger muß nicht das Lebens mit den Brüdern seyn. Und nirgends im Lebens nirgends in dem menschl[ichen] Verhältnissen findet sich doch das Herz besser zum Herz, werden die Gefühle, Empfindungen des Herzens leichter richtiger verstanden, als im Verhältniß der Familie. Wenn ich mir diesen Kreis dann gemischt von Kindern denke, welche Wonne! Alles ist Vater, alles Mutter, alles ist Kind alles ist Bruder, Schwester; der Bruder des Vaters, der Bruder der Mutter, die Schwester des Vaters, Schwester der Mutter, Kind des Bruders, Kind desr Schwestern, des Vaters Bruder, der Mutter Bruder.
Mit diesen Worten steigt der Genius der Liebe, des Friedens vom Himmel in den Kreis der Familie, ihn selbst zum Himmel zu bilden. Ein Zweck ein Streben belebt alle, dieser Zweck, dieses Streben belebt alle. Alles erzieht, alles wird erzogen jeder erzieht, jeder wird erzogen, so steigen die Glieder dieser glücklichen Familie empor zu ihrer Würde zu Kindern des Vaters aller im Himmel.
O! anders ganz anders ist doch das Wirken außer jenem glücklichen Kreis und nicht als Glied; als Vater- Mutter- Kindesr- Bruder- Glied, dieses Kreises, er ist fremd (:ein schauerlich frostiges Wort, soll der Mensch je dem Menschen fremd seyn?:) er wird durch dieses Fremde, sein Herz und sein Gefühl mag sich dagegen sträuben wie es will - ein Söldner. Alles was man in diesem Verhältniße sagt, erstarrt, durch das enfernt stehen, ehe es das Herz des andern trif[f]t zu Eis, anstatt es zu öffnen jenes Herz verschließt es dasselbe noch mehr, warum weil es erst durch die dicke kalte Masse vom Nebel der <Convenirenz> hindurch muß ehe es zu jenem Herzen gelangt.
Ich liebe meine Zöglinge sehr, ich achte und verehre die Eltern derselben, ich liebe ich achte und verehre sie mit Wärme Herzlichkeit, aber wird je ein anderes Verhältniß in der Wirklichkeit statt finden können als das des Mittels, o ich mag es nicht durch führen! auch das Kind fühlt diese Abgeschnittenheit, jedes Wort des Eifers, wird Wort der Härte, warum ausführen: überall das Verhältniß des Zweckes zum Mittel. Ich liebte meine Zöglinge von jeher sehr, aber werden sie je meine Liebe in ihrem Umfang verstehen? - Meinem Wirken bahnt nimmer kann nimmer der ewig heitere liebende Genius, Bruder, den Weg bahnen, nicht der Menschenbruder, der Freund[.] Mein Handeln erstirbt, wenn es als Wirklichkeit heraustritt, Mein Wirken ist das Wirken meines Handelns ist statt Öf[f]nung, kaltes zusammenziehen. Ich wende meine Augen von diesen Blick Bild, ich gehe in mich zurück, trete in meinen Kreis, trete zu Euch zu Dir, ich finde Bruderliebe meine Liebe wird als solche erkannt und aufgenommen, froh hebt sich wieder d[a]s Herz /
[1R]
O möge meine Liebe zu Euch sich auf jeden mich umgebenden Menschen übertragen, möge sie zu herrlichen liebenden Thaten für die Menschen übergehen, da es mir nicht vergönnt ist sie Euch, welchen sie gehört, bethätigen zu können.

Am 20 Januar. Außerordentlich sehne ich mich nach Nachricht von Euch nach Briefen - liebenden Briefen von Dir; schreibe o schreibe mir bald guter Bruder Deine Briefe werden Labsal [für] meinen Geist seyn.-
Du hast doch meinen Brief den ich direkt von hier über Mühlhausen am 20sten Xbr [sc.: Oktober] an Dich abschickte erhalten? - Er war frankirt bis Mühlhausen. Beantworte mir jenen Brief gut, meinen Wünschen be entsprechend ich sehne und freue mich darauf etwas für mein Vaterland thun zu können. O! wäre ich doch nicht so vielseitig gebunden.
Liebt mich wie ich Euch liebe. Grüße herzliche Grüße von mir an Deine und Traugotts Familie - Erzähle meinem Pathchen von mir; ich denke recht oft an Sie und mit gleicher Liebe an Deine Knaben. Ich freue mich daß Du Knaben, wackre Knaben hast - Sie sind eine wahre Himmelsgabe ein besonderer Segen in der jetzigen Zeit. Wenn Du es möglich machen kannst reise gegen Ostern nach Frankfurt Du wirst dort fieles [sc.: vieles] finden untersuche und prüfe es für Deine Kinder.
Immer mit gleicher Liebe Dein und aller der Deinigen
treuer BruderAugust.

Am 8ten Febr: Mit nächster fahrender Post wirst Du einige Zeichnungen erhalten und ein die ich hier nach P-schen Gr[un]dsätzen gezeichnet habe und einen Heft für Menschenbildung der Dir gehört und welcher mir aus Versehen hieher geschickt worden ist.
Ich bin wohl, habe außerordentl[ich] viel zu thun, gebe und nehme Stunden. Ich beschäftige mich jetzt fast blos mit Methode des Unterrichtes. Könnte ich Dir doch vieles mittheilen! Adieu. Schreibe mir bald. Ist gar nichts in unsern lieben Vaterland zu thun?
Meine Eleven sind wohl.
Ich bitte dich mache eine kleine Reise nach Frankfurt. <sage dort gegen niemand als diese a> Du wirst dort vieles finden was Dich mit Pest: Methode bekannt macht, auch die Fr: v. Holzhausen wendet sie an.
Lebe wohl. Schreibe mir bald.
Dein Br[uder] A Fröbel.