Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 10.7.1809 (Yverdon)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 10.7.1809 (Yverdon)
(KN 12,5, Brieforiginal 1 B 4° 4 S., zit. Stiebitz 1913, 74f. Wegen fehlender Unterschrift von OW fälschlich als "Fragment" angesehen.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Yverdun am 10ten July 1809


Innig geliebter Bruder;

Eben habe ich von unserer regierenden Fürstin folgendes Schreiben datirt Rudolstadt den 26. Jun. erhalten.
"HochEdelgeborner Herr;
"Ew: Hochedelgebl. statte ich für die gefällige Übersendung der Darstellung über die Pestalozzische
"Erziehungs- und UnterrichtsMethode den verbindlichsten Dank ab."
"Mit vielem Vergnügen habe ich daraus Ihren achtungswürdigen Eifer für eine so wich-
"tige Sache, und Ihre Anhänglichkeit an Ihr Vaterland gesehen."
"Uber die Anwendbarkeit dieser Methode in den Schulen des hiesigen Landes, habe ich einige
Sachverständige Männer zu Rathe gezogen, und ich werde mich innig freuen, wenn nach
"erfolgter Prüfung derselben ein nützlicher Gebrauch zum Besten der aufblühenden Mensch-
["]heit davon gemacht werden kann."
"Mit aller Hochschätzung bin ich"
Ew: HochEdelgebl.
ergebene
      Caroline reg: Fürstin zu Schwarzbl. gebl. Prinzeß
zu Hessen Homburg."
Zuerst danke ich mit innig gerührter Seele dem gütigen Gott, daß meine Verwendung für die P-sche Methode von unserer erhabenen Regentin so aufgenommen wurde wie mir dieß Schreiben ahnden läßt, ich habe es mir nicht erwartet, ob ich gleich meinen Schritt nicht mißbilligen konnte und ob es mich gleich nie reute, doch genug darüber jetzt zur Sache. Könnte ich jetzt nur eine Woche im Vaterlande seyn!- Allein was helfen Wünsche sie verzehren die Zeit und Leerheit folgt Ihnen; That fordert das Werk. Aber wie ist es mir möglich in dieser drückenden Entfernung thätig zu seyn?- Nur durch Dich innigst geliebter Bruder nur Dich Deine treue brüderliche Unterstützung ist es möglich, sey mir daher ich bitte Dich sehr, ja nicht böse wenn ich mich schon wieder mit Bitten an Dich wende.
Welche Frage ist natürlicher und welche kann mir wichtiger seyn als die:
Wer sind die Männer denen die reg: Fürstin die Prüfung der Pestalozzischen Methode übertragen hat?- Ist der He: Superintendent Schwarz unter denselben?- und als Hauptsache: ist es Dir, ist es Dir geliebter Bruder möglich, auf jene Prüfung einzuwirken, den Prüfenden Männern Winke zur Auffassung der wesentlichsten Gesichts Punkte zu geben, und hauptsächlich: ihr Urtheil durch das was Du selbst von der P[estalozzi]schen Methode weißt zu berichtigen?- Alle diese einzelnen Fragen sind in der Hauptsache eine einzige und concentrieren sich alle in jener:
Wer sind die Männer welche unsere ädle Regentin die Prüfung der P-schen Meth: übertragen hat?-
Wie drängt sich in mir Frage auf Frage, und mit welcher Gewalt muß ich sie in mir verschließen.
Eine wesentliche erlaube mir:
"Werden jene Männer ohne mit den Augen gesehen mit den Ohren gehört und durch ihr mensch-
"liches Gefühl selbst beim Erblicken der Wirkungen des Pestalozzischen Methode empfunden
"zu haben, werden jene Männer ohne diese praktischen selbst gemachten Erfahrungen den todten Buchstaben
"lebendig machen und in den Geist in das Wesen der P-schen
"Methode eindringen können?"-
Wie unaussprechlich wichtig ist mir diese Frage, wer kann mir sie lösen? zwischen Furcht und Hoffen stehe ich. Das Bewußtseyn der Untrüglichkeit der guten Sache, besonders der unerschütterliche Glaube an eine höhere Leitung alles dessen was geschieht erhält mich ruhig und froh; doch wir müssen thätig seyn, denn das höhere Schicksal braucht der Wirkenden Glieder um seine Beschlüsse ins Leben überzutragen.
Die zweite Frage <  > an Dich geliebter Bruder ist: was k
was kann, was soll ich nun thun?- soll ich es ruhig abwarten was jene Männer
entscheiden werden, oder soll ich es versuchen jene Entscheidung zu bestimmen?-
- und wie kann ich auf jene Entscheidung wirken?-
Alle meine Hoffnung ruht auf Dir geliebter Bruder, Du bist die einzige Person, welche im Vaterlande für die gute Sache wirken kann. Verlasse die gute Sache und verlasse um dieser willen mich nich[t]!! Wirke, wirke mit aller Deiner Kraft für die so herrliche Sache!-
Ich weiß und fühle schmerzlich tief welche außerordentliche Bitte ich ausspreche. Ich sehe Dich als liebenden zärtlich liebenden Vater Deiner Kinder, und fühle die Sorge die dieser Liebe entspringt /
[1R]
ich sehe Dich als sorgenvollen oft bekümmert niedergedrückten Vorsteher Deines Hauswesens, und ich empfinde jenen Kummer und jene Sorge mit Dir; da ich mich in Deine Lage versetzen kann die ich auch obgleich nur theilweiße und als einzelne Person, aber doch als treuer theilnehmender Freund auch verlebte, so weiß ich sehr gut was Du mir auf diese letzte Bitte antworten kannst, ich höre Deine Antwort ob Du gleich Meilen von mir entfernt bist, denn auch ich weiß was ich wohl unter ähnlichen Fällen dachte und zu mir sprach; aber edler liebevoller Bruder bedenke die Gelegenheit eine wahrhaft große gute That zu thun kommt oft nur einmal im Leben, wer könnte sich des verklärenden zum Himmel der Seeligen empor hebenden Gel Bewußtseyns berauben, jene Gelegenheit benutzt, jene That gethan zu haben?- O jenes Bewußtseyn, jenes Gefühl giebt dann wieder unnennbare Kraft gegen die Kämpfe und die Stürme unser gewöhnlichen Lebens unseres alltäglichen Berufslebens, wir treten neu gestärkt in die Wirkungen (das Wirken) desselben ein, und die Kraft die Thaten die wir unserm alltäglichen Berufs- unserm nächsten Pflichtsleben durch jene Handlung zu nehmen schienen, wir vielfach durch die Thaten unserer verjüngten Kraft ersetzt.
So auch Du Bruder, Du geliebter Bruder lasse Dich nicht durch die Sorgen und Bekümmernisse Deines <all>täglichen Berufs- Deines Dir zu nächst liegenden Pflichtslebens abhalten auch für jene gute Sache, für die Erziehung und Bildung nicht nur Deiner jetzt lebenden Mitunterthanen, sondern für Generationen der Deiner von Dir geliebten Mitleben mit Unterthanen der mit Dir auf gleichem geb geliebten vaterländischen geb Boden gebornen zu wirken.
Laße Dir Bruder etwas mittheilen was ich mehrmals im Leben erfuhr: mein Berufs- und mein nächstes Pflichtsleben nahm schon einige male meine ganze freilich geringe Kraft in Anspruch, so in Anspruch daß es mir schon Mühe kostete, meine Berufs und nächsten Pflichts Geschäfte zu erfüllen; und in dieser Lage Bruder, es ist wahr machte der Mensch in mir, noch auf stärkere Kraftäußerungen Anspruch als Beruf und Pflicht; - Forderungen - Kraft! - Hindernisse! - Dieses mit einander verglühen, Es schien mir nichts natürlicher als dießmal unterliegen zu müssen, tiefste Trauer und Schwermuth ergriff mich, Tage und Wochen drückte die Last mein Haupt nieder zur eigenen Brust um aus ihr Trost und Erholung zu ziehen.- Ein einziger Gedanke mit Kraft gedacht, und in demselben Augenblick ausgeführt:- Du willst und es soll seyn! vorher standen die Hindernisse wie unübersteigliche Hindernisse Riesengebürge, oder schreckenbringende Ungeheuer vor mir, und ein Augenblick, so erschien alles wie in Dunst und Rauch aufgelößt; wo ich vorher in Nacht wandelte umgab mich jetzt Klarheit und Licht;- ich war nach der Ausführung jenes entscheidenden Entschlußes wie neu geschaffen, ein tiefer Athemzug und ich trat in ein neues Leben ein, auf meinem Gesichte glänzte lachende Freude, obgleich ich gleich noch empfand wie mein Herz vor Furcht Angst und Schrecken bebte; ich habe dann oft über mich gelacht und mir gesagt wie war es möglich so fürchterlich niedergedrückt zu seyn, etwas was nichts ist für unbesiegbar zu halten. Stelle Dir ein Kind vor was einen krausenden Ort einen schreckenjagenden Gegenstand vorbei ist und dann lachend zum Führer zur Mutter blickt aber dessen Herz doch noch Schläge der Angst schlägt, und Du hast eine treues Bild von mir. Ob ich nun gleich mehrmals jene Erfahrung machte so kann ich mir doch wenn der Fall wieder eintritt (wie noch kürzlich der Fall war) mit aller Vernunft nicht vor raisoniren: wofür Du Dich fürchtest ist Nichts! Was Du bekämpfst sind Luftgestalten so haben für mich trotz jener Erfahrungen immer wieder so lange ihre Wirklichkeit, bis ich es wage nicht durch Raisonoment sondern durch That die Teuschung zu zernichten.
So innig geliebter Bruder! kenne ich die Bitte die ich an Dich thue, ich weiß die Umstände die Verhältniße unter welchen Du sie von mir empfängst, ich kenne tief die Folgen die Wirkungen die jene Bitte auf Dich machen muß; aber dennoch bitte ich Dich erfülle sie mir. Neues Leben verstärktere Kraft höhere veredelnde Freude wird Dir werden, Du wirst vielfach ersetzen was Du in so vieler Hinsicht jetzt Deiner Familie Deinen Häuslichen und Deinen Pflichts[-] und Berufsleben dadurch zu rauben schein[st]. Der Raub wird nur Schein seyn da vielfach verstarkte Kraft da hoher freudiger Sinn jetzt thätig ist, nicht nur durch zahlreichere und bessere Thaten, sondern durch ädlere reinere - denn Freude inniger Seelen Freude verädelt und macht uns besseren Wesen gleich - Thaten zu ersetzen.-
Nimm von mir theurer Bruder das unverbrüchliche feyerliche Versprechen für die Erfüllung jener Bitte;- daß alle meine Kraft, mein Seyn und mein Wissen u. Erkennen Deinen Kindern Dir und Deiner Familie geh zur Sicherung und Begründung ihres höchsten und bleibenden Glücks gehört. Zwar weiß ich recht gut wie viel in jeder Hinsicht mir noch mangelt, und ich erreiche weder an Kraft, noch in meinem Seyn, noch in meinen Wissen noch lange meine Wünsche nicht; allein Du kannst meiner Versicherung glauben, daß ich täglich mit möglichem Eifer an meiner Ausbildung arbeite, und mein Ziel nicht Bereicherung und Ergötzungen /
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der Phantasie, sondern Reel[l]e, sich auf das Seyn des Menschen gegründende Ausbildung ist.
Ich weiß was bei meinem Seyn dazu gehört, mich noch zu einer bestimmten Stufe der Vollkommenheit zu erheben, allein sey mir nicht böse, es ist mir immer höchst der Gedanke bei meinem Streben höchst tröstend: werde ich auch nicht zu jenem Ziel gelangen was ich mir vorgestelt habe, so werde ich da durch das was ich thue wenigstens fähig den Kindern Deiner Familie zu nützen, dieser Gedanke erhebt mich immer und giebt mir neue Kraft wenn ich müde bin vorwärts zu gehen, und ich gestehe daß ich mit innigstem Vergnügen <er> auf dem Gedanken ruhe einst dem Kindern meiner Brüder nützen zu können. (Nimm dieses als Mittheilungen des Herzens auf ohne je es wieder zu berühren, lege nicht den mindesten Werth darauf, und vergiß daß fre gerade der Freund gegen den ich es aussprach auch der Bruder war, vergieß dieß, gedenke dessen nie:) Oft sage wenn ich mir sage: aber was hilft dir dein Streben du erreichst doch nie dein Ziel, so giebt jener Gedanke mir wieder neue Kraft und frohen Muth, und freudig arbeite ich um vorwärts zu kommen.-
Was den unerschütterlichen Wunsch in meiner Seele erhält unerschütterlich erhält und erhalten wird: daß die Pestalozzische Erziehungs und Unterrichts Methode in meinem Vaterlande eingeführt werden möchte!- sind nicht Gebilde der Phantasie, nein mein Wunsch gründet sich auf die unumstößliche faktische Wirklichkeit, <  > er gründet sich[:]
auf den Charakter und das Wesen meiner Vaterlandsbewohner, und dann
auf das Wesen und die Wirkungen der Pestalozzischen Erziehungs und Unterrichts Methode
         willst Du noch einen dritten Grund, welcher um so tiefer liegt je höher das Gebäude ist
auf     welches <auf / aus> ihm emporsteigt.
es ist - das Faktische der Zeit in welcher wir leben.
Der erste Grund ist der Charakter meiner Vaterlandsbewohner.
Wer mit ihnen umging wem wird nicht oft ihre hohe Biederkeit, ihr reiner einfacher schlichter Sinn fürs Gute, ihre treue Anhänglichkeit an das was sie achteten und verehrten, ihr Sinn für Freundschaft und häusliches Glück, wem wird nicht die Gesammtheit ihres erdlichen biederen Charakters mit inniger Rührung erfüllt haben?- Ich erinnere mich noch sehr deutlich aus meiner Kindheit, daß mich z.B. das Betragen der Elxleber wenn sie zum Vater nach OWB kamen oft mit tiefer Achtung gegen jene Männer erfüllt hat, daß ich von ihrer erdlichen Offenheit oft im Innersten meines Herzens gerührt worden bin.- Nimm die Willersleber, die Bewohner Stadtilms (den Bürger) die auf der Teube, wer wird ihnen seine seiner innigste Achtung versagen können?- Hebe mir nicht einzelne Beispiele ja vielleicht ganze Pfarrspiele aus, ich werde gleich auf sie kommen!- Sie[h] diesen Menschen ins Gesicht welche ruhige Besonnenheit, welche Klarheit ihres Bewußtseyns und Verstandes welche Mäßigkeit strahlt Dir aus den Augen derselben entgegen. (:Vielleicht sagst Du mir so waren sie, sie sind nicht mehr so, auch diesen Einwurf begegne ich:) Machen diese Menschen nicht auf Erziehung Anspruch; die Zeit der wo zur Gewohnheit gewordene wo angewöhnte Redlichkeit treue Offenherzigkeit rc ihren Werth hatte wo sie galt ist vorbei die uralte Gewohnheit ist getödtet und der alte ehrliche Landbewohner steht verlassen da wird irre an sich an seinen Mitmenschen und der Zeit, er wirft sich schlechter Belehrung in die Hände, so wird er was er bei seinem guten Herzen, daß er überall beleidigt sieht und bei seinem natürlich gutem Verstande den er nicht geachtet glaubt zu dem was er oft ist zu dem fürchterlichen Unding über [we]lches Volkslehrer und Regierungen so oft klagen und welches ich nicht zu charakterisiren brauche da die Zeit leider nur zu oft das Bild davon vor die Augen führt. Aber wie ist hier zu helfen:
die (unbewußte) Gewohnheit muß zum (bewußten) Grundsatz erhoben werden.
Nimm die Thüringerwälder, nimm die welche in des verstorbenen Vaters Pfarrspiel wohnen, nimm wenn Du noch spezieller willst die OWB.er Einwohner.
Ich weiß und es hat mich oft geschmerzt, der größte Theil derselben hat den Vater auch beim best seinen besten Handlungen, tief gekränkt. Verzeihe mir und der Vater die ehre u. liebe möge mir verzeihen, <  > gegen jenen Menschen im allgemeinen, kann ich nicht ergrimmt seyn so wehe sie mir thaten; welcher Gebildete weiß nicht: nichts ist in seinen Wirkungen und Folgen schrecklicher als Halbbildung; und jenen, ich möchte sie Unglückliche nennen wart dieses loos. In dem häufigen Leben in der Welt /
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wo oft durch List und feinen <Vertrug> sie sich Unterhalt erwerben mußten, da wurde die in ihnen von Natur an liegende Verstandes Kraft zur Entwickelung geweckt; welchen Weg sie nehmen mußte, wohin diese Bildung nach welcher sie nur strebten führen mußte, welche Wirkungen sie haben mußte alles dieß ist natürlich und ich halte es [nicht] für nöthig aus einander zu setzen /:Erlaube mir eine Bemerkung für mich, wenn ich einst dieß wieder lesen sollte: es war ein neuer Sündenfall, wie ihn jeder einzelne verlebt, es war der Übergang vom Unbewußtseyn (Gewohnheit) zum rohen noch unausgebildeten Bewußtseyn, das erste Gefühl der Kraft bei Rohheit des Geistes und Gemüthes macht trotzig brutal und oft böse:/
So stehen auch die Bewohner des Thüringer Waldes bei allen ihren das reine Gefühl beleidigenden Handlungen doch als achtungswerthe Menschen vor mir. Ihrem Charakter nach sind sie gutmüthig erdlich, bieder, offen wie die Bewohner des flachen Landes z.B: <in> Willersleben Elxleben auf der Teube, allein ihre Bildung hat einen ganz andern Gang genommen, jene lebten immer im häuslichen und Familien Kreis (ganze Dörfer gleichen einer Familie) und so wurde ihre biederkeit pp ihnen Gewohnheit, diese erhielten Weltbildung, für den welcher es kennt ist diese Andeutung hinlänglich hinzu kommen noch zwei Rücksichten die erste ist die Berücksichtigung der Klasse von Menschen unter welchen sie in fremden Ländern lebten; und die Auszeichnung die dem sich durch Raffinnement begüterten wie in seinem Wohnort oder dem Kreise seiner Bekanntheit im Vaterland wurde; die zweite Hauptrücksicht ist daß die Thüringerwälder mit ausgezeichneter Geisteskraft und <    > und einer besondern Klarheit des Verstandes vom Himmel begünstigt sind. Wer kann dem Streben des Geistes schranken setzen?- Was sie wurden mußten sie, unter den Verhältnissen unter welchen sie lebten werden ((:Pfarrer Friedel Cantor Scherr sind als schwache Menschen keine unbedeutenden Ursachen ihrer spätern HandlungsWeisen:))
Mann erhebe jetzt jene so wohl an sich als durch die Gewohnheit guten Menschen, als diese sich schon über ihre ihnen jetzt werdende und zu einer verbildenden Halbbildung erhobenen Menschen zu einer reinen zur Vollendeten Ausbildung der gesammtkräfte führenden Bildung zu einer Bildung des reinen deutlichen Bewußtseyns und jeder wird sich freuen unser Vaterland das Seinige zu nennen; die Bewohner desselben seyne Mittbürger. Viel möchte ich hierübersagen. Zeit und Raum verstattet es nicht. Mögtest Du mich geliebter Bruder in der Andeutung verstehen, und mögtest Du in dieser fragmentarischen Andeutung des Charakters unserer Landleute (:welche Charakteristik ich lückenlos d[urc]h alle Erscheinungen die in Hinsicht auf Ausbildung im weitern Sinn unser Vaterland darbietet durchführen könnte:) mögtest Du hierinn in dieser Wirklichkeit den Ersten Grund meines Wunsches das die Pestalozzische Methode Volks Methode werden mögte, finden. Zwei Zugaben erlaube mir noch.
Erstlich wenn sich jetzt Thüringerwälder zur Selbstbildung erhoben, so war dieß blos eine einseitige oberflächliche Bildung des Erkennens; allein es fehlte ihnen auch die geringste Ausbildung zur Kraft der Darstellung, sie schwebten in der luft und hatten unter sich keinen Grund auf den sie fußen konnten und wenn sie ja auffußten, so hatten sie keine ausgebildete geregelte Kraft der That der Darstellung und ihre Erscheinungen glichen jetzt den Fröschen und Schwärmern in der Feuerwerks Kunst wenn sie von der Flamme ergriffen zur Erde fallen <  > schwärmen sie mit Explosionen und Feuer Lichtfunken auf derselben herum bis sie sich todt geschwärmt haben, die Kinder lachen, die Narren staunen, den Menschen wurde das Zwergfell erschüttert, was war die Folge, Dunkelheit wie vorher die nun nach dem Schein von Licht den sie verbreiteten noch fühlbarer wird, aber wo ist Wärme wo ist Licht wo ist That, so die Erscheinung jener Menschen die Bewunderung der Mitmenschen.
Fasse das Gleichniß und Du verstehst mich.
Werden den Thüringern wie die Kräfte des Erkennens, so die Kräfte der That und der Darstellungen ausgebildet werden, so werden sie achtungswürdige Menschen werden.
Zweitens. Abgerissen sage ich blos; die Schulen auf dem Thüringer Wald sind zu seicht und oberflächlich für den Geist der Bewohner desselben. Die Schulen auf dem flachen Lande können die verletzte und verbannte Gewohnheit nicht ersetzen. Die Schüler beider sind für eine verflossene Zeit.-
[1V]
[Rand:]
Schreibe mir bald wie es steht. Das Schreiben von der Fürstin hirher ist von Rudolstadt 12 Tage gelaufen.