Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 2.8.1809 (Yverdon)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 2.8.1809 (Yverdon)
(KN 12,8, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Am 2ten August 1809. in Yverdun .

Bei dieser Gelegenheit überschicke ich Dir, die Verbesserungen zu den Schmidtschen Schriften; ist es möglich so vertheile sie an diejenigen welche Exemplare der Schrift von Dir erhalten haben.
Ich bin verlegen über die vielen Briefe die Du von mir erhältst, aber ich versichere Dir daß Du ich nun sehr ruhig abwarten werden was das Schicksal enscheidet.
Ich sam[m]le alle meine Kraft u. Zeit mich zu meinem Zweck vorzubereiten; freue Dich mit mir u. gewiß Du freust Dich, morgen fange ich an den Homer zu übersetzen.
In 6-8 Wochen erhälst Du durch die Langbein u. <Klüyterische> Buchh[an]dl[ung] 6 Exempl[are] einer Abhandlung über das Wesen pp der P-schen Gesangbildungslehre; ich wünschte daß Du sie läßest und Dich nicht d[urc]h die Kunstsprache im Anfang abschrecken ließest. Von diesen Exempl[aren] mache den besten Gebrauch es würde mir lieb seyn wenn eines in der Fürstin Hände käme.
Hast Du meinen Brief vom 11ten Jul[i] erhalten?-
Nochmals bitte ich Dich jene Abhandlung erst durchzu laufen, dann zu lesen um d[a]s hohe Streben der P-schen Methode kennen zu lernen.
Ich denke sehr oft an Dich und Deine Familie, ich sehne mich sehr Deinen Kindern meine in[n]ige Liebe bezeigen zu können.
Mit größter Ruhe sehe ich der Zukunft entgegen was sie über mich auch entscheiden wird.
Ich handle als ob die Bestimmung der Zukunft ganz in meiner Hand läge u bin gefaßt auf /
[1R]
alles was kommt; denn eins weiß ich gewiß, kein Verhältniß, keine Lage in Leben wird je in Stande seyn mich unglücklich <     > zu machen mir meinen innern Frieden rauben zu können.
Immer Dein treuer Bruder
August Fröbel.

Meine Eleven machen mir seit einiger Zeit viele Freude und ich hoffe mit Bestimmtheit daß sie einst brave Menschen werden werden.
Wenn mein Handeln mir zuweilen eine frohe Stunde bringt, wenn Eltern und Mütter Dank mein Herz erfreut, dann wünsche ich Dich zu mir, um meine Freude mit Dir theilen zu können um sie so reiner und doppelt fühlen zu können.
Das Nachdenken über das Seyn u. die Würde des Menschen macht mich oft unaussprechlich glücklich dann lebe ich Stunden eines seeligen Leben[s].
Bruder ich freue [m]ich unendl[ich] zu leben zu wirken vom Lehrling zum Meister empor zu steigen ich freue mich unendlich zu sterben.
Meine Liebe zu Gott und zu Menschen stirbt nie. Für Menschen zu handeln < > ob auf gleichem Welttheil sie wohnen oder nicht ist das höchste Menschen Glück.
Ich bin Dein Bruder ich gehöre meiner Familie
Afr