Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 1.5.1810 (Yverdon)


F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 1.5.1810 (Yverdon)
(BN 494, Bl 50-61, dat. Entwurf 6 B. fol. 23 S.; teildat. Reinschriftfragment BN 494, Bl 62; 1 Bl. fol ½ S.)

a) Entwurf

Am 1sten Mai 1810
         Yverdon

Hochverehrter Gnädiger Herr;
Dieser Brief gn: H. enthält einen Vorschlag
in Rücksicht der Zukunft Karl Fritzen u Ihrer Söhne
Adolphs und zwar
Karln keine Universitäts[-] sondern
eine praktische Bildung fürs
Leben zugeben [sc.: zu geben] und ihn daher
nicht auf Universität[en]
zu schicken wenigstens in den
nächsten Jahren noch nicht,
sondern ihn dagegen nach
den Forderungen seiner der
künftigen Bestimmung praktisch
ausbilden[;] dagegen den
Fritz und Adolph neben wie früher
unter Ihren Augen auf der
Öde erziehen und unterrichten
zu laßen, bis auch Fritz nach
den Forderungen seiner Bestimmung sich
praktisch ausgebilden werden kann.
In den Ihnen ohngefähr vor 4 Wochen
geschriebenen Briefen fing ich an Ihnen
eine möglichst freye Darstellung dessen zu
geben was gerade dortmals hier zum Unter-
richte Ihrer Söhne hier geschahe. Es sollte aus
diesem nicht so wohl ein vollendetes
Resultat dessen hervorgehen wie was
der bisherige hiesige Aufenthalt zur Bildung u. Erziehung
u. Belehrung Ihrer Söhne hier gewürkte
haben
(In wie ferner < > jedoch der bisherige Aufenthalt
im hiesigen Institute die Forderungen
und Erwartungen die Sie als Eltern
und die ich als Erzieher bey der
Vereinigung mit demselben Institut
hatten erfüllt habe um hauptsächlich die Bestimmung dessen was sich in Zukunft ferner
für die Erziehung u. Belehrung Ihrer
Söhne von dieser Verbindung und von
mit dem Institut diesem Aufenthalt in Yverdun

mit Recht fordern, und was sich von demselben
in dieser Hinsicht in der für die Zukunft

erwarten lasse:) sondern wirken
es sollte es nichts als blos eine Darstellung der Pflichten dessen
seyn was gerade dortmals zum
Unterricht Ihrer Söhne hier gelehrt u.
getrieben wurde, die Prüfung
der eigentl. Wirkung und Vortheil
mehrjährigen bisherigen hiesigen Aufent-
haltes auf Ihre Söhne, hauptsächl. aber die
Bestimmung dessen was in der Zukunft
von der Verbindung mit dem Insti-
tute mit Recht zu fordern und
zu erwarten seyn
kurz die Be-
stimmung dessen was in der Zukunft
Ihrer Söhne vorzunehmen nöthig seyn
wird erwartete ich als Resultat
Ihrer eigenen väterlichen Prüfung /
[50R]
wenn Sie im Herbste hieher kommen
und Ihre Söhne besuchen würden;
Allein da eine Andeutung in einem Briefe
Ihrer Fr[au] Gem[ahlin] der gn Fr. schon vor dem
Abrruch des unangenehmen Vorfall <----> <wegen des ?> mir sagte
daß dieß wohl schwerlich geschehen
wegen Ihren zu sehr gehäuften Baugeschäfte
geschehen könne, wie
viel mehr wird also dieß wohl
seyn, da Ihre Geschäfte sich nun
noch durch jenen Vorfall vermehrt
haben u. Sie darüber
das was Ihre Söhne fordern und
über das was vom hiesigen Institute
für die Zukunft zu erwarten ist ganz voll[-]
ständig und aufrichtig belehrt zu
sehen muß mir wenn ich wah-
rer wahrer Erzieher Ihrer Söhne
seyn und handeln will
, ernster
Wunsch u. erstes Bestreben
seyn.
Karls Das Verhältniß in welchem Karl
geboren ist macht an ihn die Forderung
einer genauen u. praktischen Kenntniß
der Landwirtschaft und der damit
verbundenen kameralistischen Kenntniß
der Gütherverpachtung, des Bauwesens p.
und sein Karakter die Forderung
die er selbst an einen künftigen
eigenen Wirkungskreis macht schließt
sich ganz genau an die Forderung seines Ver[-]
hältnißes an und für die Erfüllung
der Forderung welche sein Verhältniß künftig an ihn
machen wird (jetzt schon) zu handeln
zu handeln [2x] und sich da[-]
zu geschickt zu machen macht ihn jetzt
schon glücklich und ist ihm die angenehmste Be-
schäftigung.-
Karl ist sicher und gewiß aus
Grundsätzen ein ganz reiner Jüngling
der nicht nur das Gute weiß und
empfindet, sondern der auch in sich
einen {gewißen / sicheren} Fond von Kraft
hat das was er als gut und
wahr als Plicht erkennt zu thun /
[51]
für die Ausführung zur die Darstellung
desselben zu handeln thätig zu
seyn.
Karl wird sich einst als ein
würdiges Glied an die praktischen Männer an[-]
schließen die welche die guten Grundsätze
und Empfindung[en] die sie erfüllen in sich tragen durch That, durchs
Thun beweisen, die nie das
Erkennen und die Vorzüge des Guten
durch Worte darstellen und
andere darüber belehren, <ferner> wollen
die aber das Gute so weit sie
es nun erkennen selbst thun, u.
also durch die That die Vorzüge desselben
beweisen.
Karls Karakter ist also ruhige praktische
gleichförmig fortlaufende Thätigkeit fürs alles Gute, und
er zieht daher jetzt schon das
unzusammenhängende Thun weit dem Wissen vor,
desshalb bildet er belehrt er sich aber
auch leichter und bleibender durch
ein fortlaufendes gleichsam zur andern Natur gewordenes
Thun als durch Theorie und durchs
Wort.
Nach diesem praktischen Sinn
Karls muß nach meiner Einsicht
hauptsächlich das beurtheilt werden
was in der Zukunft für ihn ge[-]
schehen soll.
Nachdem wie Sie sich vor 1½
Jahr[en] über die Zukunft Karls
äußerten, so ist es vorläufig
seine Bestimmung in einiger Zeit einige
Jahre auf eine Universität zu gehen.
H v. Holzhaußen lassen Sie
uns H. v. H. einen Blick auf das
Universitäts Wesen werfen
und lassen Sie uns fragen:
welcher Nutzen aus jener der Zeit
welche junge Leute daselbst zubringen gewöhnl[ich]
für das Leben hervorgeht?- /
[51R]
Betrachten Sie diesen Nutzen
besonders bey einem jungen Menschen
welcher sich lieber durch die Sache
als durch das Wort (den Begriff) belehrt
welcher sich lieber handelt handelnd
thuend als hörend belehrt. Fragen
wir uns dann gn. H. ob jene
Aufenthalt Jahre auf der Universität nicht wenigstens bey einem jungen
Menschen von diesem Karakter
nicht verlohrene Jahre und (was wenig gegen
diesen Verlust ist[)], das Geld für
diese Zeit nicht weggeworfenes Geld
ist. Treten nun solche Menschen
ins praktische Leben wieder über
so ist auch dieses ihnen fremd und
sie müssen auch hier wieder
Lehrgeld geben; und was das
Schlimmste ist sie werden irre
an sich und der Welt und oft gehen
sie so verlohren.
Nach diesen Gesichtspunkten
laßen Sie mich uns die Forderungen
betrachten die Karl von an die
Zukunft macht.
In wenigen Monaten ist Karl
16 Jahre alt, seine körperliche
Konstitution seine Größe seyn[e]
Physische Gesundheit macht ihn
zum ausgewachsenen Jüngling.
Alle seine Thätigkeit sein Aus-
sehen spricht von einer großen
physischen jetzt phlegmatisch ruhenden
und in Phlegma über zu gehen[den] Kraft die äußre Übung forderte
um sich nicht selbst zu unterdrücken.
Daß aller sein Sinn alles sein
Denken auf das praktische Leben
[gerichtet] ist dieß spricht sich daraus
aus seinen häufigen Fragen aus.[sc.: ":"]
["]Aber H[err] Fr[öbel] - warum lerne
ich denn dieß["], oder der Haupt-
beysatz ist ["]wozu nützt mich
denn einmal dieß was ich /
[52]
jetzt lerne?["]-
Ist es mir möglich ihn recht
deutl[ich] u. für seine <fassige> [sc.: faßliche]
Kraft u. für die Richtung seines
Geistes d. i. praktisch dar[-]
über zu belehren, so hat er
eine außerordent[liche] Freude über das was er lernt aus und
diese hat Freude spricht sich schon dann <vielfach> durch die auf
thätigsten Beweise der Liebe u.
des Wohlwollens u. Zutrauens
gegen mich aus. Sieht er bei
andern es nicht so ein so ist
es ihm hinlängl[ich] wenn ich sage
jetzt wünscht es der Vater
die Eltern in Zukunft wirst du
den Nutzen selbst einsehen
dann arbeitet er auch <hierin>
thätig fort.
Weit besser aber würde es
nach meiner Einsicht seyn,
wenn sich Karln nach seinem Karakter selbst von
dem Nutzen alles dessen was
er lernt, und nach dem sich gleichsam selbst
gewählten d.i. in seinem
Karakter liegenden Beruf lernen soll muß
praktisch und durch That,
zu überzeugen, und ihn zugl[eich] in
durch diesem praktischen Handeln
u. Thun zu belehren.
Schon seit einiger Zeit fühle
sehe ich bestimmt ein und warum soll ich es also
nicht auch aussprechen da es doch wahr ist
das [sc.: daß] Karl dem was
ich ihm seyn konnte entwachsen
ist und daß ich ihm das was er jetzt
zu fordern hat muß zu geben nicht seyn kann im Stande bin: das hiesige
Institut so hoffnungsvolle reich auch
Aussichten es auch früher darboth
hat sich auch nicht zu der Stufe er[-]
hoben daß es Karls Forderung an die Zukunft
befriedigen könnte sondern ist leider sogar von der
Stufe auf welcher es stand zu[-]
rück gefallen.
Deßhalb war es mir Schon seit längerer Zeit /
[52R]
war es mir ernstes Geschäft
für - Karln ein Verhältniß aufzu[-]
suchen welches <-> seinern [sc: seinem] Karakter
und den Forderungen seiner Be-
stimmung entspreche um es Ihnen bey
Ihrer Hierherkunft zur Prüfung
vorzulegen.
Seit Sie uns verlassen haben
bin ich um die Erfahrung von 1 2/3
Jahr[en] reicher ich kenne nun [eines] der gerühmtesten und wohl sicher und
gewiß in sehr vieler Hinsicht eines der
besten Institute welche existiren durch soll < ? > <?>
<durch andere Institut Rufes> durch die Früchte
und durch den Erfolg genau. Das Resul[-]
that der Zusammenstellung ist wohl
aber dennoch wohl unumstößlich: daß das Schicksal wohl
jedem Jüngl[ing] u. jeden Knaben behüten
möge in ein Lehre[-] u. Eziehungs Institut welcher
Art es auch sey und führe es sogar den
Namen Academie, gebracht und so leider
seinem eigenen Schicksal
überlassen zu werden zu werden [2x]
Teuschung und (Betrug) Schein und leider als Früchte davon oft die
höchste Vernachlässigungwahrlosung der anver[-]
trauten Zöglinge entweder
aus Vorsatz oder aus gutmüthiger Schwäche
aus Unwissenheit oder <auch Eigennutz> dummer Eitelkeit
aus Ehrgeiz oder aus dem größten unverantwortlichsten Leichtsinn
ist wohl immer das Loos de im Durchschnitt u. allgemeinen
der Karakter alles dessen was
in diesen Anstalten geschieht.
Ich habe von treuen unpartheiischen
Augenzeugen die Schilderung der gerühmte[-]
sten Ökon. Lehrinstitute gehört
wovon eines nur so <weye> nahe hier bey
Y[verdon] ist und die Resultate fallen
mit dem oben D[ar]gestellten zusammen.
[Einfügung]
Sie werden vielleicht gn. H. fragen warum ich über
alles dieses gn. H. nicht früher
ganz aufrichtig u. so offen wie [nötig berichtet habe;]
erstlich ist es aber nur sehr
kurze Zeit seit sich alles ganz
so zeigt wie es wirklich ist
und zweitens was hätte das Sprechen
darüber geholfen ohne zugleich Mittel
zu der Abänderung desselben vorschlagen
zu können.
Meine Sorge war also ein
Familie andres Verhältniß zu aufzusuchen dies welches
dem Karakter Karl[s], seinem
künftigen Leben und den Forderungen
desselben entspreche. Was ich gefunden habe lege
ich Ihnen hier zur Prüfung
vor: Karl hat
nöthig einst in der Welt u. mit
der Welt zu leben, in der
Welt aufzutreten. Diese Kennt[-]
 /
[53]
niß der Welt ist ebenfalls
nöthig um nicht als Sonderling
in der Welt zu erscheinen
was immer ein trauriges Loos
ist. Ich sehe jetzt ein, Karl
würde sich diese nun einmal
nöthige Kenntniß jenes Lebens
später nicht erwerben, ich selbst
bin nicht vermögens sie ihm
zu geben, auf Universitäten
würde er sie auch nicht machen.
Alle diese Rücksichten bestimmen
mich Ihnen in Beziehung auf Karln
folgendes zur Prüfung vorzu[-]
legen.
Der wirkliche fürstl Kammerdirektor
H Baron von Raumer
in Dessau
unter dessen Leitung die Administration aller
Domänen dieses Fürsten steht
(und es ist bekannt daß in diesem
Lande keine anderen Güter als
Domänengüther sind) unterzieht
und welcher selbst ein Gut in
Dessau hat, dieser H. D. v. Raumer
unterzieht sich ohne ein Institut der Bildung
einzelner junger Edelleute zu Ökonomen
deren er mehrere besonders aus den <reichsten> <berühmtesten> Familien des preußischen
Adels schon erzogen hat. Er selbst ist nicht nur ein
erfahrener Ökonom sondern
ein Mann von dem aus recht-
schaffensten Charakter in seinen
besten Jahren (55 Jahr alt) die Bildungs[-]
weise der ihm übergebenen
Jjungen Leute Er leitete er selbst
<s nach> ihren jedes einzelnen Bedürfniß; entweder
sind sie bey ihm auf seinem
Gute in Dessau oder er übergiebt sie
sie leben um sich mannichfache /
[53R]
Kenntniß zu erwerben,
bald ½ Jahr auf diesem
bald ½ Jahr auf Jenem einem
andern Gute des Fürsten je nachdem er
auf diesem oder jenem Gute in diesem
Zeitpunkte gerade am nothwendigsten ist unter der
spezielllen Aufsicht von Männern und
im Verhältniße denen er
auch in sittlicher Hinsicht völlig vertrauen kann[.]
Doch da er selbst ununterbrochen sehr häufig die Güter Domänen
<des> Fürsten bereist so unterrichtet er sich selbst untersucht
von er alles was zur Ausbildung
des Jungen Menschen u. wie sehr <brauchbar>
es nach seinen Vorschriften geschieht selbst.-
Dessau ist zwar ein flaches
Land, doch enthält es Güter
von verschiedenen Böden. J
Ich gestehe daß ich Sobald ich dieß hörte mit mit
Freude Karls [ge]dachte. Wem
nun ich diese Nachricht verdanke
ist ein junger Mann der seit <5> Monaten hier ganz frey lebte und zugl.
das hiesige [sc: vom hiesigen] Institut authorisirt beauftragt [worden] von
jungen russischen u. preußischen Adlichen [sc: Adligen] die ihre
Söhne hieher thun wolle[n] in dieser Hinsicht zu prüfen
welcher diese v. R.[sche] Familie
und die Verhältniße derselben sehr genau
kennt, welcher seine Erziehung
selbst jenem Manne verdankt und
der nicht nur ein ausgezeichnetes
öffentliches Urtheil für sich hat
sondern welcher auch von allen die ihn
kennen geschätzt und geachtet
wird und welcher sich die
Achtung aller derer verschafft
welche Gelegenheit haben ihn
kennen zu lernen.-
Diesen Vorschlag wegen Karls
künftigen Bestimmung lege ich Ihnen
hiermit zur Prüfung vor
und füge demselben nun
noch folgendes bei:
1) Sollten es Karls Verhältniße,
nachdem er einige Jahre unter
der Leitung des H. v. R. sich
ausgebildet habe, noch fordern
auf Universitäten zu gehen
(was mir nicht scheint als wenn
es nöthig wäre) so wüßte er
dann was und wie er zu stu[-] /
[54]
diren habe, auch würde er jetzt dann
erst den Vortrag der Lehrer leicht verstehn da er alles
dieß in der Hauptsache schon
selbst gethan u. erfahren habe[.]
Wäre es also vielleicht um sich
einige Juristische Kenntniß zu
erwerben ja noch nöthig auf
Universitaten zu gehen, so könnte
er in einem halben längst einem ganzen
Jahre seinen ganzen Cours und
als dann mit welchem weit größern u. reellerm Urtheil
als früher beendigt haben[.]
also Es wäre alß[o] hier nicht nur
1 ganzes Jahr Zeit zu besserer
Beschäftigung erspart sondern
auch der Aufwand welchen
ein solcher Aufenthalt natürl[ich]
kosten würde.
2) Wie Karl würde al[s]dann so
selbstständig seyn daß er ohne
Führer
auf Universitäten
gehen könne. Ich Und so wäre
auch hier eine bedeutenden un-
nöthig auszugebende Summe er-
spart [wor]den. Ich muß überhaupt
bey dießer Gelegenheit ge-
stehen daß es mir von je-
her ein sonderbares Gefühl
war einen jungen Menschen
mit einem Führer auf Univer[-]
sitäten zu schicken da es mir
ohne Abrede wahr ist daß: braucht
ein junger Mensch auf Univer[-]
sitäten noch einen Führer, so ist
er für das Besuchen der Univer[-]
sität noch nicht reif und man
thut dann besser soll man ihn gar noch nicht
dahin zu schicken da als dann hiedaraus nie etwas gutes
entsteht noch entstehen kann und zweitens
ist er wirkl[ich] reif genug um auf Universitä[-]
ten zu gehen hat er die dazu nöthige Festig[-]
heit des Karakters so ist es
ganz unnöthig ihm einen Führer
bey zu geben, und so eine unnöthige
Summe aus zu geben.- /
[54R]
3) Karls Verhältniß machen es
einst nöthig in der Welt u.
mit derselben zu leben,
Ihm diese Kenntniß der Welt
vorentziehen zu wollen wäre
eine Vernachlässigung die sich
später bestimmt rächen würde.
Ich bin persönlich bin nicht im Stande ihm diese Kenntniß auch
zu geben im Stande, die U-
niversität auch nicht und
später sich dieselbe zu ver-
schaffen würde Karln sehr schwer[-]
fallen. Sich aber diese Kenntniß
in einer solchen ädlen rechtschaffe[-]
nen Familie aus dem Kreises in welchem er auch künftig
leben wird und unter den Augen
eines des rechtschaffenen Vaters
derselben nach u. nach ohne es selbst zu wissen zu erwerben dieß
würde Karln große Dienste
thun. Sollte er als dann wie
ich eben schon sagte genöthigt
seyn so gar noch ein Jahr auf einer
Universitäten zu leben,
so würde er in diesem kurzen
Zeitraum jene Bildung nicht nur
nicht verliehren, sondern
das gelebte Leben in einer gebildeten
Familie und als Glied derselben
würde ihn vor vielen Verirrungen
<wenigstens> vor jedem wahren Fehltritt
sichern.
6) Durch den Aufenthalt in
Dessau auf dem Guthe d. H. v. R. selbst würde es
ihm möglich sich die ihm noch
fehlenden Kenntniße zu er-
werben, und die welche er
schon besitzt z.B. Musik fortzubilden,
da Dessau sehr vorzügliche Lehr[-]
Anstalten hat, an in welchen vor[-] /
[55]
zügl[iche] Männer angestellt
sind, so ist z.B. ein in der praktischen
Baukunst sehr erfahrener M[ann]
He. Wirth daselbst.
5) Dessauische Güter vergleichen mit
den Gütern Karls
7) Wegen Latein <Schwer> ist die Frage wegen der Fortsetzung
von Karls Unterweisung in der Lateinischen
Sprache antzuworten [sc: zu beantworten]
[Einfügung] Sie wissen gnädiger H. aus mein[em]
eigen Handeln wie hoch ich die Kennt-
niß derselben [ver]anschlage allein
Was nützt es
er hat keine Freude daran
er lernt es blos weil Sie es
      wünschen
er hat schon oft gewünscht es
      liegen lassen zu dürfen[.]
4) Nach den Erfahrungen d. H. v. R.
waren diejenigen welche studirt
hatten am schwersten zu guthen
Ökonomen zu bilden.
8) Ob es gleich nicht Hauptsache
ist so ist es doch auch eine zu
bedenkende Sache, daß in es [sc: es in]
Dessau wohlfeil ist.
Fritz u. Adolph
Wäre Fritz in seinem Karakter
fester in seinen Handlungen bestimmter
weniger leichtsinnig u. zerstreut
und als dann auch kenntnißreicher
und in dem was er auch wirklich
schon weiß sicherer aber nicht
und ohngefähr um ein Jahr älter
als er ist so würde ich kräftig auch
für ihn rathen ein ähnl[iches] Ver[-]
hältniß aufzusuchen, doch eben
so sehr ich überzeugt bin das [sc: daß]
jenes Verhältniß für Karln
sehr vortheilhaft <wäre> eben so sehr
bin ich überzeugt daß es für
Fritz eben in eben dem Maße
nachtheilig <und> wirkl[ich] von
traurigen Folgen seyn würde[.]
Fritz betarf [sc: bedarf] noch zu sehr
der bestimmten ernsten und
ununterbrochenen Leitung.
Fritz scheint in allen seinem
Thun um 1 Jahr Jünger als er
ist so wie Adolph in Hinsicht des
Auffaßens u. Begreifens des
zu Lernenden nur 1 Jahr älter
scheint als er ist.
Dem Fritz fällt das Lernen
außerordentlich schwer,
da die physische Kraft in ihm /
[55R]
so sehr überwiegend ist
daß er den Forderungen derselben
unbedingt folgen muß.
Auch dem Fritz ist das Lernen
durch das Thun lieber als das durch
Mittheilung von Verstandesbegriffen allein
aus einem ganz andern Grunde
als bey Karln, bey Fritz beginnt nun
seine physische Kraft
um der mechanischen Leichtigkeit willen
zu üben, zu stärken, um sie aus[zu]bilden
aus Freude an seinem Können[.]
Fritz ist daher bey all seinem
Lernen immer mit etwas anderm
beschäftigt hat immer etwas zu
thun, seine Aufmerksamkeit
(sein Geist:) ist daher oft ab[-]
wesend u. zerstreut, so bald
es aber irgend etwas durch physische
Kraft aus zurichten u. darzustellen
ist so ist alle seine Thätigkeit
dabei u. auf einem Punkte ge-
sammelt.
Um also dem Fritz seinem Karakter
gemäß zu erziehen ist es nöthig
zuerst seiner physischen Kraft Nahrung
Gelegenheit zur Anstrengung vollen Entwicklung u.
Ausbildung zur <Ermüdung> zu geben[.]
Wenn so Fritzens Kraft bis
auf einem bestimmten Punkt aus[-]
gebildet, und so durch eigenes
Thun durch einige Erfahrung sein
Geist mehr ge[gen]ständlich bereichert ist
so wird auch dieser in seine
Rechte eintreten die physische Kraft beherrschen und sich Fritz
auf diese[n] sichern Fundamente[n]
der eigenen Erfahrung u. des
Thuns weiter fortbilden[.] /
[56]
Adolphs Geistes Auffassungskraft ist zwar
jetzt schon weit überlegen der Geistes Auffassungskraft
des Fritzens weit überlegen[.]
Es würde deßhalb sehr leicht seyn den Adolphen daher in sehr kurzer
Zeit bis auf einen bestimmten u.
ziemlich hohen Punkt des Wissens
und Erkennens auszubilden
würde sehr leicht seyn, aber
dann würde ein großer Stille[-]
stand wo nicht gar Rückgang
eintreten, denn Adolph steht
in Hinsicht der Gesundheit und
körperlichen Kraft seinen Brüdern
weit nach; es wäre deßhalb
beym Adolph leicht zu fürchten
daß durch eine zu sehr be[-]
schleunigte Ausbildung seines Geistes
seine an sich sehr schwache Ge[-]
sundheit u. zarter Körperbau
leide, also auch für den A-
dolph wie für den Fritz wäre
es obgleich aus einem ganz an-
dern Gesichts Punkte sehr gut
wenn er noch
doch weit länger wie früher eine freye Erziehung im
elterlichen Hause genieße weil
sich da in diesem Falle
unterstützt von dem Vater u
von [und] den Eltern wie ich jetzt durch Erfahrung einsehe
mehr als sonst <dem Erzieher> wo immer
Gelegenheit darbietet neben
dem Unterricht durchs Wort auch
seine Zöglinge auch
durch Ar-
beiten durch Beschäftigung durch
Thun zu unterrichten u. zu belehrt [sc: belehren] zu werden
und so seine ihre die physische Kraft derselben frey
{zu üben / zu stärken / auszubilden} und frey zu gebrauchen
zu lernen[.]
als durch Wort[-] und Begriffs[-]
Unterricht. Unter solchen Beschäftigungen
verstehe [ich] das Sammeln ordnen
und beschreiben und so nach der
Anschauung und durch eigenes voll[-]
kommenes dabey thätig seyn kennen
u. beschreiben lernen von Natur-
körpern Steine Pflanzen Insecten
unter Aufsicht. Das Arbeiten
in kleinen Garten, daß [sc: das] be[-]
schäftigen mit sogenannten Mecha-
nischen Arbeiten, welches jedoch
 /
[56R]
oft dem Geiste viele Gelegen[-]
heit zum Nachdenken giebt
z. B. Schreinern Drehen, das Be-
suchen der Werkstätte der
Handwerker, kleine Reysen
alles dieses wenn ich <viel mehr>
Tägl. 12 Arbeits Stunden annehme
wenigstens im Durchschnitt
wöchentl[ich] während der Hälfte
der Zeit. Die eigentl[ichen] Unter[-]
richts Stunden müßten aber als[-]
dann sehr bestimmt und exact
gegeben werden. Übrigens
müssen sie den übrigen Theil
des Tages immer unter Aufsicht
stehen und eine Person muß
sich ihnen immer widmen ihre
Beschäftigung leiten, sie beloben
ihnen nöthige Helfen [sc: Hilfe geben], aufmuntern
theilnehmen p.p., daß sie sich
gleichför[m]ig fort bilden sie aus
ihren Beschäftigungen Nutzen ziehen Bildung <unterrichten>
belehrend sey und ihre Sittlich[keit] Reinheit ge-
sichert bleibe[.]
Das Institut so wie es gegen[-]
wärtig steht, und auf der
Stufe zu welcher es kürzlich
mit einem male gesunken ist
und zu welcher es wenigstens
im Kurzen sinken wird kann
auch leider nicht einmal diese
Forderung die Zöglinge durchs und in dem Leben
durch Thun zu unterrichten
noch weniger die eines Kenntniß[-]
reichen Schul Unterrichtes durch
Kunstmittel erfüllen[.]
[Am Rand der Seite ein Stundenplan:]
1. Sprache. - 8-9
2. Rechnen - 9-10
3. Größenl[ehre] 10-11
4. Zeichnen u Singen u. Klavier 11-12
5. Latein 2-3
6. Geographiezeichnen 3-4
6-7.
Sollten Ihre beiden jüngeren
Söhne können also auch nicht länger
mehr hier bleiben, so bald /
[57]
Sie wegen Karln einen Ent-
schluß gefaßt haben sollten;
Ich lege Ihnen in Bezug auf
dieselben folgenden Plan vor[.]
Zuerst gnädiger H. müßten
Sie sich bestimmten werden ob diese Ihre beyden Söhne
sehr schnell u. durch Unterricht
gezwungen zu einer bestimmten
Stufe des Wissens und erkennens
geführt werden sollten, oder
ob sie wenigstens beide gemeinschaftlich noch in den
nächsten 2 Jahren, nach den oben
angedeuteten Grundsätzen
wo mit dem Leben im älterlichen
Hauße zugleich ein bestimmter
Untericht täglich ohngefähr 7 Stunden verbunden würde be[-]
handelt werden sollten.
Im ersten Falle für die Schule müßte
für dieselbe[n] ein Aufenthalts[-]
Ort gesucht werden wo eine
den <gemäßigen> Bestimmungen und Forderungen
dieser Ihrer beiden Söhne entsprechende
Schulen [sc: Schule] (nicht Institut) seyen, an diesem
Ort müßten sie mit ihrem Erzieher
leben, und von diesem ihr Unter-
richt jenem Zwecke gemäß ge-
leitet und der [sc.: das] Fehlende von ihm selbst gegeben werden.
[Neben dem vorigen Absatz:]
6 - 7 = 1
8 - 12 = 5
- 3½ = 2
5    - 8    = 3
  11
Im zweiten Falle könnte der
Entzweck wie ich schon oben aussprach wohl nirgends besser
als im älterlichen Hauße selbst
erreicht werden; wundern Sie
sich gnädiger H. nicht über das
was ich als meine Überzeugung
ausspreche; glauben Sie nicht
daß nur leichte und oberflächl[iche]
Gründe mich zu dieser Über[-] /
[57R]
zeugung bestimmen und daß Sie [sc: sie]
<vielleicht> nur Frucht des Momentes und
des Mißmuthes sey, nein ich
gestehe frey und ich muß nach[-]
dem ich überzeugt bin frey ge-
stehen: Ich habe früher den Ein[-]
fluß schon des blosen Vater[-]
namen auf die Erziehung be-
sonders der Söhne verkannt
ich glaubte rastlose Thätigkeit
Liebe und Berufs Treue des Er-
ziehens könnte dieß ersetzen
ja ich will es aussprechen weil es
doch wahr ist: ich glaubte der Er-
zieher könnte dadurch noch mehr leisten
allein ich sehe jetzt deutlich durch <eingreifende Erfahrung> das
unzulängliche dieses <beständigen> Wollens
und ausdauernden Handelns ein.
Der Erzieher bey dem besten Willen
bey der größten Thätigkeit kann
seinem Zögling nie das seyn
was nur der blose Vatername
dem Kinde ist. Die Wirkungen des
Vaters, selbst wenn er nicht
unmittelbar in das Erziehungs[-]
und das UnterrichtsWesen
seiner Kinder eintritt noch (durch Verhältniß Umstände wechselnd) ein[-]
treten <kann> sind außerordentlich.
Nur die Wirkungen des natürlichen Verhältnißes daß das Kind
bis zu den Jahren des eintretenden Selbsturtheils
unter den Augen und unter dem Schilde des liebenden
und sorgenden Vaters erzogen wird
ist etwas was alle Kunstmittel
und die größte Thätigkeit des Erziehers nicht ersetzen können[.]
[Randnotiz neben dem folgenden Absatz:]
Überzeugen Sie sich gnädiger H. daß ich
in Ihnen den liebenden und sorgenden Vater meiner
Zöglinge verehre u. schätze.
Je tiefer wir Erzieher in das
Wesen der Erziehung durchs Nachdenken
und durch Erfahrung eindringen,
desto mehr finden wir, daß unsere
erste Sorge seyn muß: nicht
die Kinder den Vätern vor /
[58]
jenem Zeitpunkt zu entreißen
sondern dagegen unsere jene
diesen wiederzugeben, und nicht
unberufen die Stelle des Vaters
vertreten wollen, sondern es
unsern höchsten Ruhm unsern höchsten
Beruf seyn lassen müssen die Väter in[-]
dem hülfreich an die Hand zu gehen
was sie vermög ihrer Verhältniße
ihrer Geschäfte in denen sie leben und wegen
ihrer eigenen früheren Erziehung
ihren Söhnen nicht seyn können
und doch so gerne mit der ganzen
Kraft ihres Gemüthes seyn möchten.
Ein Knabe im hiesigen Institute
hat sich hierüber sehr richtig aus[-]
gesprochen: ein Lehrer der durch
das Betragen des Knaben für ihn
eingenommen war, sagte ihm ich
wünschte dir Vater seyn zu können
laß das gut seyn antwortete
der Knabe, man muß dazu geboren
seyn <werden>.
Welchen von diesen beiden Fällen
Sie als Vater künftig für An-
wendung bey der Erziehung Ihrer
beiden jüngeren Söhne dem Vorzug geben wollen,
dieß kann blos durch die Rück-
sicht bestimmt werden ob dies
Wissen bey Ihren Söhnen be-
schleunigt oder ob es tiefer
sicherer u fester begründet und sich in seinen
Folgen lieber später zeigen
soll. Höhere Wahrheiten können
wir uns oft nur durch sinnl[iche]
Bilder anschaulich machen /
[58R]
so wie der Landmann seine
Saat lieber seine Saat im Her[b]ste
später keimen u. im Frühling nicht
so schnell {treiben / empor wachsen} sieht
damit sie desto sicherer vor
Winterfrost sey u. damit ihre Kraft nicht zu früh ver[-]
lohren gehe, eben so ist es mit
der Erziehung und dem Unter-
richte.
Doch hat es mit der Entscheidung
welche von diese[n] beiden Erziehungs[-]
und Unterrichts Weisen Sie künftig
für die Erziehung Ihrer beiden
Söhne wählen wollen immer noch
bis dahin Zeit wo Sie sich wegen
der Zukunft Karls bestimmt
haben werden.
Allein daß in es gegenw gegenwärtig nöthig ist für
Karls Zukunft einen bestimmten
Entschluß zu faßen müssen, werden
Sie mit mir einsehen. Karl
der nurmehr ganz andere Forderungen
als seine Brüder macht, welcher
auf einer ganz andern Stufe
des Erkenkennens [sc: Erkennens] als seine
Brüder steht kann unmögl[ich] mehr
mit denselben gemeinschaftl[ich]
erzogen und unterrichtet werden, wenigstens
gestehe ich nochmals frey, daß
es mir nicht möglich und daß
er dem was ich für ihn thun könnte
entwachsen ist.
Ob Sie dann gnädiger Herr
wenn Sie den von mir in Bezug
auf Karln gethanenen Vorschlag
ausführ bey demselben anwend[-]
bar finden sollten, ob Sie dann
die fernere Erziehung Ihrer anderen /
[59]
beiden Söhne und mögen wie von mir ge-
than
die Ausführung eines der
beiden von mir in Bezug auf
dieselben vorgeschlagenen
Pläne mir oder einem anderen
kenntnißreichern Manne zu übertragen das
Zutrauen haben, dieß über[-]
lasse ich ganz Ihrer Prüfung[.]
Ich wollte und will nie etwas anders
als das Beste Ihrer Söhne und
ich gestehe also gerade zu
daß ich mich aus dieser Ur-
sache persönlich über Ihren
letzten Entschluß noch weyt mehr
als über den ersten freuen
würde. Doch meines Ihnen
schriftl[ich] gegebenen Versprechens
eingedenk und meiner wirklich herzlichen
Anhänglichkeit an Ihre Söhne
und meines Ih werde
ich es auch im ersten Fall
wenn Ihr Zutrauen mich zum fernern Erzieher
Ihrer Söhne bestimmt <hätte> es für
Pflicht halten alles was in
meinen Kräften steht als dann auch noch ferner
wie bisher zu thun die Erfüllung Ihrer vä[-]
terlichen Wünsche möglich zu
machen, wenn und Ihr Zutrauen <wenn>
zu rechtfertigen dieselben überhaupt, allein
auf diesen Fall müßte Karls
Zukunft dahin fest bestimmt seyn
daß ich seine fernere Erziehung
und seinen ferneren Unterricht
nicht mehr zu leiten hätte
wenigstens könnte alsdann aus
sehr triftigen Gründen nie davon
die Rede seyn mit Ihren Söhnen
wieder auf die Öde und noch weit weniger
nach Frankfurt zurückzukehren
aus dem einfachen aber sehr
triftigen Grund weil ich dann bey den [sc: dem] besten Willen könnte
ich aber
unter diesem vielseitigen /
[59R]
Wirken und dieser mannichfaltigen
Kraftzerstreuung kaum etwas nur
mittelmäßiges wählen wirken
könnte. Auf diesem Fall also daß
Sie meinen Vorschlag in Bezug
auf Karl u. H. v. R. nicht der
Anwendung werth finden
sondern bestimmen sollten daß
alle Ihre 3 Söhne auch ferner
noch wenigstens 1 oder 2 Jahre
gemeinschaftl[ich] erzogen und
unterrichtet werden sollten sollten
so weiß ich sobald ich Erzieher
und Lehrer-J
Sie mich zum ferneren
Erzieher u. Lehrer derselben
bestimmten da es unmöglich ist das [sc.: daß] der Untericht die Forderungen
Ihrer Söhne in der Zukunft ferner von [sc.: vom] hiesigen
Institute befriedigt werden können
keinen anderen Vorschlag
zu thun als einen Aufenthalt
Ort
Stadt in Deutschland zu suchen die
durch die besitzenden Schulen in
derselben es ihrem Erzieher mir
möglich wird macht alle die Hülfs
Mittel für ihre Erziehung zu
finden die er ich nöthig hätte[.]
Ein solcher Ort scheint nachdem
was mir jetzt von demselben
bekannt ist[,] Nürnberg zu seyn.
Vom Staate ist daselbst seit
2 Jahren eine Realschule gestiftet
worden an welcher von den ersten vorzüglichsten
Männern der welche jetzt die
Naturgeschichte pp. hat angestellt
sind Naturgeschichte Technolo]gie
Geographie Kenntniß des Mensch[en]
Naturlehre, kurz Sachkenntniße
ist das ausschließend einzige was in dieser
Angestalt [sc: Anstalt] praktisch u. lebendig d.i. durch
Anschauung welche durch Excursion Kabi-
nette Zeichnen pp mögl[ich] gemacht wird
gelehrt wird. Sprachunterricht
Geschichte kurz <Gegenstände des Gymnasiums> ist von den Lehrge-
gegenständen dieser Schule
ganz ausgeschloßen, dafür
ist ein Gymnasion daselbst, an /
[60]
[linke zusammenfassende Spalte zu 61]
welchen [sc.: welchem] alles dieses allein
ge mit völliger Ausschließung
allen Realunterrichtes gelehrt
wird. Durch diese beiden Anstalten
würde es also möglich werden
für die nöthige Unterstützung
für den ferne[re]n Unterricht Ihrer
Söhne zu finden, wenn Sie
a) entweder Ihre 3 Söhne
    jetzt noch nicht trennen oder
    wenn Sie auch dieß thäten dann aber
b) wenigstens als dann noch den
    Un auch alsdann noch den Unter[-]
    richt und die Ausbildung der
    beiden jüngern beschleun[i]gen
    wollten.
Auf jedem Fall Ihre Entscheidung
sey auch welche sie sey so habe
ich Ihnen folgenden Vorschlag
und folgende Bitte an Sie zu
thun:
uns Ihren Söhnen und mir
zu erlauben Sie zu Anfang
dieses Herbstes besuchen
zu dürfen.
[Randnotiz über dem letzten Abschnitt*-**]
[*]Als dann leicht
Mögli[che] Reise nach N[ürnberg] - um nicht aber-
mals angeführt zu werden [*]
Auch könnte ich als dann wenn es
Ihre Bestimmung erforderte von
Frankfurt aus nach Nürnberg
reisen um dort selbst Augen[-]
zeuge dessen zu seyn was von
dorther zu erwarten und nicht
zu erwarten ist um nicht
abermals geteuscht zu werden.
Es würde alsdann wenigstens
am leichtesten seyn, wenn das
Nöthige wegen der künftigen
Erziehung von Fritz u. Adolph
noch bestimmen zu können.
Wegen Karl wäre freyl[ich]
in Hinsicht der Korrespondenz
mit H. v. R. eine frühere und
baldige Entscheidung nöthig[.]
Im Fall Sie gnädiger H. meinen
Vorschlag in Bezug auf Karln
H. v. R. wenigstens einer genauern Er- /
[60R]
wägung werth finden sollten
so würde bitte ich Sie
mir die Erlaubniß zu geben
mich wenigstens vorläufig
bey dem H. v. R. deßhalb
befragen pp zu können.
Ich bitte Sie gnädiger Herr
mir diesen Brief wenigstens
in Hauptsache (eigenhändig) selbst
zu beantworten, und mir be[-]
sonders über wegen Ihrer Be-
stimmung wegen Karls Zukunft
so bald als möglich mitzutheilen[.]
Sie sind Vater ich und kennen
genau die Bestimmung die Karln einst
[er]wartet ich habe von meiner
Seite nichts mehr hinzuzufügen als
da ich Ihre Geschäfte die besonders
in diesen [sc: diesem Jahr] gehäuft sind kenne, so
werde ich mich gerne der Be-
sorgung aller Geschäfte die
wegen dieser Einrichtung
nöthig sind mit der größten
Sorgfallt und Pünktlichkeit
unterziehen.
Würden Sie uns erlauben
Sie diesen Herbst besuchen zu
dürfen, worum ich in Rücksicht
auf Ihre Söhne nochmals bitte
so würde ich wenn Sie wegen
Karls Zukunft bestimmt wären
hier zur richtigen Zeit das
Quartier aufsagen, unserer
Effecten einbakken [sc: einpacken] und alles
einem hiesigen sehr vorzüg[lichen]
Commissions Haus zur Besorgung /
[61]
übergeben[.]
Das Resultat dieses Briefes
ist also folgendes
[Lücke: ca.3/4 Seite frei]
[Einfügung von 59R wohl hier*-*]
[*] Aus diesem Briefe geht
also folgendes Resultat hervor[:]
I. Ihre Söhne können nicht ferner in
Yverdon bleiben
Das beste für die Zukunft scheint
daher zu seyn
A. Die Erziehung fernere Ausbildung Karls von der
     Erziehung seiner Brüder zu
     trennen und ihn praktisch für
     seinen künftigen Beruf seine Be[-]
     stimmung zu erziehen und alsdann
     entweder
a) seine beiden Jüngeren Brüder
        ferner im elterlichen Hause auf der Öde
        erziehen u. unterrichten, zu
        lassen, oder
b) im unter Leitung eines Erziehers in einer Stadt wo die
        nöthigen HülfsMittel zu
        ihren fernen [sc.: ihrem ferneren] Unterichte
        sich vorfinden[.]
Sollte aber die Erziehung Karls
ferner u. wenigstens noch 1 bild[endes]
Jahr gemeinschaftl[ich] mit seinen
Brüdern geschehen so wäre
es
B. nöthig sie alle drey unter
     reinen Verhältniße leben zu
     lassen wie b bestimmt wurde[.*]
[wieder 61] Nun versichere ich nochmals
daß im Fall Sie gn. H. wünschten
Ihre 3 Söhne fern da sie weil die hiesige Anstalt
seit durch den Abgang mehreren
Lehrern durch die Trennung der
Partheien pp der Entwertung der <Erziehung> und der Liebe seit Monat
September mit einem mal so außer[-]
ordentl[ich] ges im Sinken ist, in
Zukunft nicht
mehr hier erzogen werden
können, ferner gemeinschaftl.
auf de auf der Öde erziehen
zu lassen, daß diese Forderung
alsdann weit meine Kräfte
übersteigt, und daß ich mich der es nicht wagen darf [Text bricht ab]

b) Reinschriftfragment

[62]
Nro 1  1810
Am    May

Hochverehrter gnädiger Herr;

die Ursache dieses Briefes ist ein Vorschlag in Hinsicht auf die Zukunft
Ihrer Söhne, und zwar:
Karln keine Universitäts- sondern eine praktische Bildung fürs Leben
zu geben, und ihn daher auch nicht auf Universitäten zu schicken,
wenigstens in den nächsten Jahren noch nicht, sondern ihn
dagegen nach den Forderungen seines Charakters und seiner
künftigen Bestimmung, praktisch ausbilden - dagegen den
Fritz und Adolph wie früher unter Ihren Augen auf der Öde er-
ziehen und unterrichten zu lassen, bis auch Fritz nach den
Forderungen seiner Bestimmung praktisch ausgebildet werden könne.
In den Ihnen ohngefähr vor 4 Wochen geschriebenen Briefen, fing ich an
Ihnen eine möglichst treue Darstellung dessen zu geben, was gerade
dortmals hier zum Unterrichte Ihrer Söhne geschahe. In wiefern jedoch
der bisherige Aufenthalt im hiesigen Institute die Forderungen und Er-
wartungen die Sie als Eltern, und die ich als Erzieher bey der Vereinig-
ung mit demselben hatte, erfüllt habe; und hauptsächlich, die Be-
stimmung dessen, was sich in Zukunft ferner für die Erziehung und
Belehrung Ihrer Söhne von dieser Verbindung mit Recht fordern und
erwarten lasse, kurz die Bestimmung dessen was [Text bricht ab]