Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 13.6.1810 (Yverdon)


F. an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 13.6.1810 (Yverdon)
(a) ThStA Rudolstadt, Geheimes Ratskollegium, E IX 2h Nr.1, Bl 44-59, Brieforiginal 8 B 4° 31 S., ed. Zimmermann 1914, 75-87; zit. Halfter 1930, 139. Auf den Kopien fehlende Teile vom Binderand sind ergänzt aufgrund Zimmermann. - b) BN 648, Bl 4-9, undat. Entwurfsfragment 3 B fol 12 S. ohne Numerierung der Abschnitte. Der erste Bogen mit den Abschnitten 1-7 fehlt. Es fehlen ferner die Abschnitte 30-52.)

a) Brieforiginal

Durchlauchtigste Regentin;
Ich wage dem Vaterlande meine Denk- und That-
kraft zum Dienste anzubieten. Auf diesen Ent-
schluß gründet sich die kühne Bitte: abermals vor
der Erhabensten Regentin desselben erscheinen zu
dürfen.
Weder das Streben nach einer Anstellung, weder
Eitelkeit, noch sonstiges persönliches Interesse, sind /
[44R]
die Triebfedern dieses Entschlußes; sondern einzig
das tiefste und reinste Pflichtgefühl: daß alle mei-
ne Kraft dem Lande gehört, welches dieselbe im Kin-
de weckte und im Knaben nährte.
Allein eben so sehr wie ich durchdrungen von diesem
Pflichtgefühle, von dieser Anhänglichkeit an mein vä-
terliches Land bin, eben so deutlich bin ich mir auch mei-
ne[r] noch sehr große[r] Unvollkommenheit bewußt, um
demselben unbedingt meine Kräfte zum Dienste anzu-
biethen, wagen zu können. Ich weiß, daß keineswegs
weder das Begreifen durch den Verstand, noch das Em-
pfinden durch das Gemüth hinlänglich zur That und
Darstellung sind; ich weiß, daß bey dem, welcher han-
delnd zum Wohl seiner Mitmenschen auftreten will,
nicht nur Denk- und Thatkraft in höchster Üebereinstim-
mung seyn müssen, sondern daß er sich zum völligen
Beherrschen seines Stoffes, und zum freyesten und sicher-
sten Gebrauche seiner Gesammtkraft erhoben, daß er
mit andern Worten, praktische Erfahrung und Gewand-
heit im Darstellen besitzen muß. /
[45]
Diese mir zugleich erwerben zu können, ist der Wunsch
welcher jene Bitte begleitet.-
Ich gestehe, - und warum sollte ich es nicht vor
der Regentin desselben gestehen, da es in mir lebt,
und da ich mir dabey keiner unedeln Absicht bewußt
bin? - ich gestehe, daß ich wünsche einst fähig zu
seyn, mit Erfolg zum Wohl meines Vaterlandes wir-
ken zu können. Doch jeder welcher diesen hohen Wunsch
in der Tiefe seines Gemüthes nährt, muß auch noch
seine ernste Sorge seyn lassen sich eine genaue Kennt-
niß desselben zu erwerben: denn der Charakter, der
individuelle Gang der Geistesentwickelung und der Ge-
müthsbildung, und folglich, nicht nur das Bedürfniß
einer weitern Ausbildung, eines eingreifenden Unterrichts,
sondern auch die Unterrichts- und Bildungs-Mittel seiner
Mitunterthan[en], sind der äußern Form nach, so verschie-
den, als die Landschaft verschieden ist, in welchem [sc.: welcher] die-
ser oder jener Stamm wohnt.
Das Bedürfniß und der individuelle Charakter jedes
Stammes seines Volkes, beyde analog mit der Landschaft
 /
[45R]
welche er bewohnt, sind die einzig unerschütterlichen Fun-
damente, auf welche der, welcher von Liebe zu seinem
Volke ergriffen, zur vollkommenern Ausbildung dersel-
ben wirken will, mit Sicherheit wirken will, alles
sein Handeln gründen muß.-
Die Wahrheit dieses Satzes, und die früher ausgesproche-
ne Nothwendigkeit: mir zu einem ausgebreitetern und
allgemeinern Handeln, erst noch die nöthige praktische
Erfahrung, die Gewandtheit und Sicherheit im Darstellen
erwerben zu müßen, bestimmen mich, meinen Wunsch
dem Vaterlande und Ew: Hochfürstlichen Durchlaucht als
treuen Regentin desselben - (:wenn anders dasselbe mei-
ne Kräfte seiner werth hält:) - mit vertrauensvoller
Freymüthigkeit auszusprechen: -
daß mein Vaterland mir aus seinen Schulen mögte
eine wählen lassen, an welcher ich, keinesweges als ei-
gentlicher Lehrer angestellt würde, wohl aber die Er-
laubniß erhielte, unter fortlaufender strengster,
höchster und öffentlicher Prüfung, täglich einige Stun-
den, gleichsam als Gehülfe, Unterricht zu geben, die
 /
[46]
die übrige Zeit aber zu meiner eigenen Aus- und Fort-
bildung und zur Ausarbeitung noch übriger Unter-
richtsgegenstände anwenden, und, sollten sich viel-
leicht in jenem Orte oder jener Gegend, einige
junge Männer von Liebe zum Vaterlande, oder zu
den Bewohnern ihrer Landschaft beseelt, und mit
Willens- und Thatkraft ausgerüstet finden, diese in
den jetzt ausgearbeiteten Unterrichts-Mitteln unter-
richten, auch sie vielleicht mit den Forderungen und
Grundsätzen der Erziehung und des Unterrichtes im
Allgemeinen und nach den wichtigsten Momenten der-
selben, nach Maßgabe ihrer Anlagen bekannt machen
zu dürfen.
Den Ort, dessen Schule ich zum Anfangspunkte meines
Handelns wählen würde, müßte ich, als das Bedürfniß
eines eingreifendern und bildendern Unterrichts fühlend,
erkennen; da ich nochmals aussprechen muß, daß nur
hieran, nur an das Bedürfniß, Schul- und Erziehungs-
Verbesserung sich anschließen muß, und mit Erfolg
einzig anschließen kann. Von diesem Orte aus würde
 /
[46R]
es mir dann möglich werden, die Schulen, die Bedürfniße des
Vaterlandes in Hinsicht auf diese, nach der physischen Lage
der Landschaften kennen zu lernen; und zwar zuerst
den Theil, welcher meinen Wirkungskreis zunächst um-
gäbe. Ich würde nicht nur prüfen, wo das Bedürfniß
eine Schulverbesserung zuerst erfordert, sondern ich würde
auch genau die Modifikationen zu erkennen suchen, unter
welchen sie nöthig wäre: da die Wohnorte, die bürgerlichen
Gewerbe, die Grundsätze und die Denkungsweise, die An-
sichten der menschlichen und bürgerlichen Verhältniße
bey den verschiedenen Stämmen meiner Mitunterthanen
zu verschieden sind, als daß man wagen dürfte: sie
alle nach einer Norm nach einem Maßstabe behandeln
zu dürfen. Ob aber nun gleich, die Form, das Maß
des Gegebenwerdenden nach Ortsverhältnissen wechselnd
wäre, so müßte doch die Idee in welcher, das Prinzip
nach welchem gehandelt würde, sich immer gleich und
unveränderlich seyn.-
Würde ich so einige Zeit, vielleicht 3 Jahre gewirkt
und an Zöglingen und Erwachsenen gezeigt haben: ob
 /
[47]
und wie eine naturgemäßere Erziehung ein bildenderer
Unterricht möglich wäre; dann würde ich mein bisheriges
Handeln und den Erfolg desselben einer durchgreifenden
Prüfung, nicht nur der höchsten Behörden des Landes,
sondern jedes urtheilsfähigen Mannes unterwerfen, ja
um diese strenge Prüfung ehrerbietigst bitten. Das
höchste und das öffentliche Urtheil würde dann zugleich
entscheiden: ob ich nicht nur würdig sey, sondern
ob ich auch die nöthigen Kenntnisse und die nöthige Kraft
habe meinem Vaterlande zu dienen.
Sollte das Vaterland, nun meine Dienste fordern, so
würde ich so, nicht nur die Mittel und Wege erkannt
haben: wie eine fortschreitende und endlich allgemeine
Schul- und Erziehungs-Verbesserung in demselben am
sichersten erreicht werden könnte, sondern ich per-
sönlich würde gewonnen haben, an Kenntnissen und
Kraft, an Tiefe und Umfaßendheit. Mein Wirken
würde sicherer seyn, als es jetzt noch seyn kann; denn
ich würde nicht nur das kindliche Gemüth als solches tiefer
erkannt haben, sondern auch durch eigene Erfahrung
der /
[47R]
Wirkungen der bis jetzt ausgearbeiteten Unterrichtsmit-
tel auf dasselbe, gewiß sein; ich würde durch diese eigenen
Erfahrungen gesichert werden, je eine Forderung an
einen Schullehrer zu machen, die ich durch sich selbst un-
wahr zurück nehmen müßte.
Da aber das Unerläßlichste, was ein öffentlicher
Lehrer besitzen muß das Zutrauen der Einwohner des
Orts, an welchem er, und für deren Kinder er als Lehrer
wirken will, ist; so wünschte ich, daß mein Vaterland
mir erlauben mögte:
die Schule zu Stadtilm zur Ausführung des zur
Höchsten Prüfung Vorgelegten, wählen zu dürfen.
Mit Zuversicht hoffe ich in Stadtilm jenes, dem Lehrer so nöthige
Zutrauen zu finden; da ich mit mehreren derer, welche
jetzt Familien-Väter sind, zugleich und in gleicher Schule
unterrichtet wurde; und da ich mir nicht nur nicht be-
wußt bin, durch mein Betragen während meinem Auf-
enthalt als Knabe daselbst, die Achtung der Einwohner
Stadtilms verscherzt, sondern vielmehr bewußt bin,
dortmals die Liebe mehrerer jetzt noch ältesten Bürger davon
 /
[48]
genossen zu haben. Der verstorbene Superintendent
Hoffmann
daselbst, mein Onkel, von dem ich in den letz-
ten Jahren bis zu meiner Confirmation erzogen wurde,
genießt noch nach seinem Tode von Stadtilms Bewohnern
die ausgezeichnete Achtung, die man seinem Wirken als
Religionslehrer schuldig zu seyn glaubt. Dieses würdige
Bild mir immer vor schwebend, würde ich mich bemühen,
durch, mein Handeln einen Theil des Zutrauens zu verdie-
nen, welches er in Leben durch das seinige sich erwarb.
Ich persönlich liebe Stadtilm sehr, weil ich in dessen
Schule in den wichtigsten Jahren des Knabenalters, mei-
nen Unterricht erhielt.
Durch mein mehrjähriges Leben bey meinem verstor-
benen Onkel, kenne ich einigermaßen die Denkungs-
weise, die Bedürfnisse der Einwohner, die ich wegen
ihrer ruhigen Arbeitsamkeit und Thätigkeit schätze.
Ich weiß aus jenen Jahren, daß sich daselbst in meh-
reren jungen Männern und Jünglingen der Trieb zur
eigenen selbstthätigen Aus- und Fortbildung sehr bestimmt
äußerte, und daß mehrere mit Eifer und Erfolg an der-
 /
[48R]
selben oder an Erlangung von Fertigkeiten und bürgerlicher
Nutzbarkeit arbeiteten. Ich weiß, daß auch noch gegen-
wärtig die Bewohner mehr als je, das Bedürfniß eines
guten durchgreifenden Unterrichts fühlen.
Dieß sind einige Andeutungen der Gründe, die mich bestim-
men, die Schule dieses Orts als die passendste zum Anfangs-
punkt einer allgemeinen Schulenverbesserung, und zur Ein-
führung eines, die Natur des Menschen tief ergreifenden
und denselben sicherer ausbildenden Unterrichts im Vater-
lande, zu wählen. Doch seine Einwohner, ihr Charakter,
ihr industriöser Sinn, ihre Gewerbe sind zu sehr bekannt,
als daß es deren mehrere bedürfe.-
Aber eben so sehr wie ich hoffe, daß von Stadtilms Be-
wohnern mein Handeln mit Zutrauen aufgenommen,
eben so bestimmt weiß ich, daß mir dasselbe keineswegs
unbedingt werden würde. Auch dieses wünsche ich! - Wi-
derspruch und Zweifel muß der Mann wünschen, welchem
es um nichts anders, als um das Wesen der Sache zu thun
ist; denn ohne diesie ist kein sicherer Glaube und keine wahre
Erkenntniß möglich; und die Suche wird um so mehr ge-
 /
[49]
gewinnen, je tiefer die Zweifel dieselbe ergreifen, und je
umfassender sie sind. Persönlichkeit würde meinem Han-
deln fremd seyn; ich suche keinen zu verdrängen, aber
helfen und unterstützen will ich, wo ich kann; deßhalb
würde niedere Leidenschaft, sich nie in mein Handeln
mischen. Hier muß ich noch feyerlich versichern: daß ich
um jede Persönlichkeit zu vermeiden, meine Familie über
die mehresten meiner Schritte ununterrichtet gelassen habe,
und daß ich blos in der Mitte des verflossenen Jahres, mei-
nen ältesten Bruder, den Pfarrer in Griesheim von ei-
nigen benachrichtigte, nachdem sie schon geschehen waren.
Daß ich nicht wünschen kann in einem ähnlichen Verhält-
nisse, wie an der Schule in Stadtilm, mich sogleich an einer
Schule Rudolstadts angestellt zu sehen, und so unmittelbar
unter den Augen Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht, und
den höchsten Behörden meines Vaterlandes zu handeln, dazu
liegen die Gründe theils in dem bisher Gesagten, hauptsäch-
lich aber, in meiner persönlichen Unvollkommenheit.
Zuerst muß ich bekennen, daß ich keinesweges das Ganze
eines, die Menschennatur umfassend ergreifenden Unter-
 /
[49R]
[rich]tes, besonders nach seinen Theilen so beherrsche, als ich es über-
blicke und ahnde. Die Idee eines, unsere Natur ergreif-
enden und sie, jeden nach seiner Individualität, zur höch-
höchsten Ausbildung und Entwickelung führenden Unter-
richtes ist zu groß - (:zu einfach:) - in ihren Folgen zu un-
endlich, als daß wenige Jahre, besonders unter unterbroch-
enen, vielseitigen Wirken, hinlänglich wären, sich so mit derselben vertraut
zu machen, daß man mit vollendeter Sicherheit in ihr
wirken könne. Da ich also schon von dieser Seite so unvoll-
kommen in mir stehe, so erlauben mir die Empfindung[en]
der tiefsten Ehrerbietung und Verehrung unmöglich, jetzt
schon unmittelbar unter den Augen Ew: Hochfürstlichen
Durchlaucht und der höchsten Behörden handelnd aufzutre-
ten.- Noch charakterisirt, durch die Verhältniße welche
mich erzogen, mein Handeln ein hoher Grad von Ängst-
lichkeit, den ich nicht anders überwinden kann, als durch
das, durch Uebung erhaltene Bewußtseyn, meines Handelns
sicher, und dem was ich auszuführen übernommen habe,
gewachsen zu seyn. Jene Ängstlichkeit könnte als dann
dadurch der Sache schaden, daß man die Folgen derselben
 /
[50]
nicht meiner Person, sondern der Sache die zu verteidigen ich
unternahm, zur Last legte. Auch diese Rücksicht verbietet
mir, dort zuerst lehrend aufzutreten. Überdieß müßte
man auch daselbst Forderungen an mich machen, die zu
erfüllen, ich jetzt noch nicht im Stande bin; ich würde als-
dann diese Forderungen zu erfüllen streben, dieß würde
meine Kraft zertheilen, mich zerstreuen und mich der Un-
gestörtheit berauben, die ich so höchst nöthig zu meiner
weitern Ausbildung habe, und die ich von Stadtilm erwarte.
Ruhig versichere ich meinem Vaterlande und der Allverehr-
ten Regentin desselben: - daß jede Nebenabsicht, jedes
Familieninteresse meinem Handeln fremd ist!- Doch! nein!
ein Familieninteresse habe ich, und dieß muß ich, um auf-
richtig zu seyn, offen gestehen: es ist das Andenken an
meinen Vater an sein Wollen und sein Streben.- Ich
möchte dem Vaterlande zeigen, daß er, dessen Geisteskraft
leider nur theilweise auf mir ruht, das Wohl, wenigstens
des Distriktes wollte in welchem er wirkte; ich möchte
die noch lebenden Zeitgenossen mit seiner Asche aussöhnen.-
- Dieß ist das das [2x] einzige und dennoch der Sache als solcher
 /
[50R]
sehr untergeordnetes privat Interesse, welches Theil an meinem
Handeln hat.-
Ich freue mich, mein Vaterland dadurch: - daß ich im
Besitz einer Stelle bin, welche, indem sie gegenwärtig schon
vieles in sich vereint, worauf gewöhnlich großer Werth
gelegt wird, mir noch überdieß eine sorgenfreye Aussicht
auf mein ganzes künftiges Leben versichert, überzeugen
zu können: daß weder klingendes Interesse noch Brotsorge
mich bestimmt, demselben meine Dienste anzubiethen.
Überdieß besitze ich noch die innigste Liebe meiner Zöglinge
und das bewährte, höchste Zutrauen des Vaters, der Eltern
derselben.-
Dieß sämmtlich lege ich, wenn mein Vaterland es mir
erlaubt zu den Füßen desselben, nicht als Aufopferung,
sondern als eine Gabe die mein Herz von mir fordert,
und die zu geben mich glücklich macht, mich mit reiner
Freude erfüllt.
Ewr: Hochfürstliche Durchlaucht als treuen Regentin
meines Vaterlandes, bitte ich in der tiefsten Ehrerbietung
dieses mein Anerbieten und meinen Wunsch streng zu prüfen.-
 /
[51]
Ruhig sehe ich einer höchsten Entscheidung entgegen, und
ich werde es gleich zufrieden annehmen, wenn das Vaterland
mir mein Anerbieten zurück giebt, als wenn es dasselbe
annehmen sollte; denn ich werde in dem erstern den sichern
Beweis finden: daß ich noch nicht Kenntniß- und Erfahrungs-
reich genug bin, um auch blos auf jenes gewünschte
Zutrauen Anspruch machen zu können, ich werde als dann
nur noch unablässiger und thätiger streben, mich in
die Verhältniße zu versetzen und sie mit aller meiner
Kraft zu benutzen, in welchen es mir möglich werden
wird, mich zu der Vollkommenheit zu der Tiefe und
Umfassendheit der Kenntnisse zu erheben, die - wenn
dasselbe, das Vaterland, vielleicht später meine Kräfte, for-
dern sollte - nöthig wären um jene Forderungen erfül[-]
len zu können.-
----------
Ewr Hochfürstliche Durchlaucht nahmen, mehr den gutge-
meinten Willen als die schwache mangelhafte That wägend,
 /
[51R]
mit huldvoller Gnade einen frühern fehlervollen Versuch
einer Darstellung der Pestalozzischen Methode auf. In
tiefster Ehrerbietung bitte ich: hier noch einige der we-
sentlichsten Mängel jener Darstellung, um Mißken-
nung der Sache zu verhüten andeuten zu dürfen.-
Als ich jene Abhandlung schrieb, war der höchste Punkt,
wo ich selbst von der Idee einer naturtreuen Erziehung
ergriffen und von Wirkungen einzeln ausgearbeiteter
Unterrichtsmittel gefangen war. Mein Urtheil konn-
te also nicht anders als befangen seyn; selbst noch
von der Idee ergriffen, war es unmöglich sie ergriffen
zu haben; da ich selbst noch unbedingtes Eigenthum der
Idee war, wie war es da möglich daß die Idee mein Ei-
genthum war.
Von diesem meinen dortmaligen Stehen in mir, hängt
der Charakter jener ganzen Darstellung, und die jugend-
liche Ansicht ab, die sich durchgehends durch dieselbe aus-
spricht.
Dieses Befangen-Ergriffenseyn von jener göttlichen Idee
machte, daß ich die Außenwelt, die Menschen Weltverhältniße
 /
[52]
anders ansahe, anders hinstellte, als sie wirklich sind. Von
diesem Ergriffenseyn hängt das, die ganze Darstellung durch-
laufende Verwechseln der Schule und des Lebens, der öffent-
lichen und häuslichen Erziehung ab; ich vermengte, was nie
vermengte
was nie vermengt werden kann. Ich that, in
der Darstellung der Idee den großen Mißgriff: das häusliche
Leben in die Schule einführen zu wollen, was doch wider die
Natur ist; anstatt ich die Schule als das, in das Leben- Eingreif-
ende hinstellen, sie so hinstellen sollen wie sie seyn muß,
um ins häusliche und bürgerliche Leben einzugreifen. Von
dieser so wesentlichen Verwechselung hängt die, jene ganze
Darstellung charakterisirende Verwirrung ab.- Der ruhige
Prüfer wird Wahrheit und Gutes in dem dort Gesagten finden,
ohne sich dennoch für die Möglichkeit einer solchen Ausführung
bestimmen zu können. Dieß ist das Gefühl der Unnatur
welche sich daraus ausspricht; man sieht Leben und Schule,
beyde von ihrem natürlichem Gebiete verdrängt; Schule ist immer
das Geregelte, Bestimmte, Beschränkte, Leben immer das
Freye! Wohl kann das Beschränkte sich zur Freyheit erheben,
aber nicht das Freye die Feßeln der Beschränkung tragen!- /
[52R]
 Es ist wahr, das Leben, die häusliche Erziehung soll und muß
immerwährend der Schule als Muster vorschweben; nicht aber,
um die häusliche Erziehung zur Schulerziehung herauf zu ziehen,
sondern, damit die Schule in die häusliche Erziehung herabsteigen und
eingreifen könne. Der Schullehrer soll also freylich wohl auf
häusliche Erziehung wirken, aber nicht in der Schule sondern
durch die Schule; und noch persönlich durch sein Leben, durch das Zu-
trauen welches er sich bey den Einwohnern seines Wirkungsor-
tes erworben hat.
Eben jene Verwechselung geht auch durch die Durchführung
einzelner Unterrichtsfächer als Bildungs und namentlich der
Sprache als Bildungsmittel hindurch. Die in jener Darstellung
ausgesprochene Idee des Sprachunterrichtes, ist dem Wesen nach
die einzig wahre, und es kann keine andere geben, aber sie spricht
sich keinesweges deutlich und klar aus, noch erschöpft sie, wie sie
dort steht das Wesen und das Gebiet der Sprache und des Sprach-
unterrichtes. Die Sprache muß weit tiefer ergriffen werden,
als dort geschehen ist, wenn sie die denselben umfassen soll. Alles,
was dort über Sprachunterricht als Schulmittel praktisch ausge-
führt ist, zernichtet sich bis auf das Prinzip durch welches es
 /
[53]
da ist, durch sich selbst, weil ich die Idee noch nicht beherrschte.
Auch in Bezug auf einige, in jener frühern Darstellung
ausgesprochenen Ideen über die Allgemeinmachung einer
Schulen- und Erziehungs-Verbesserung, erlaube ich mir
hier, noch einige berichtigende Grundsätze auszusprechen.
Die Hauptorgane einer heilbringenden, allgemeinen
Schulenverbesserung sind: zuerst der Wille der Eltern,
der Landesbewohner; dann der, der schon angestellten,
noch mit Kraft und gutem Willen begabten Schulmeister,
weiter, die, gerade jetzt an die Stelle alter, unfähiger,
oder gestorbenen Lehrer angestellt werdenden jungen
Männer; noch, Schulseminarien; endlich, die höchste
Behörde welcher die Sorge für die Erziehung der Landesein-
wohner einzig obliegt.- Diese in ihrem Zusammenwir-
ken, bilden ein G organisches Ganze, und können und dürfen
nie getrennt da stehen; die Idee, der Geist muß das
Band seyn welche sie vereignit [sc.: vereinigt], und von welchem der Zweck
ihrer sich wechselseitig unterstützende Thätigkeit ab-
hängt.-
Der Wille der ersten beyden, der Eltern und der schon
ange- /
[53R]
angestellten, noch mit Kraft und gutem Willen begab-
ten Schulmeister, ist im Allgemeinen weit leichter
gewonnen als man glaubt, wenn man sich nur wechsel-
seitig verstehen kann, wenn man nur dem guten, mit na-
türlichem Verstande begabten, thätigen Schulmeister, jedem praven [sc.: braven]
Elternpaare zeigen kann: daß man eigentlich gar nichts
anders will, als was sie, sich mehr oder weniger be-
wußt, selbst schon längst herzlich für ihre Kinder
wollten; und daß man nichts will, als ihnen Mittel
zeigen, es ihnen möglich zu machen, jene heiligen Wünsche
zu befriedigen. Man spreche hierüber wenig, noch weniger
verordne man; aber man handle, daß der prave Niedere
auf seine Weise und mit seinen Augen sieht was man
thut, und was man will; und so, wird bald der Wille
der Eltern gewonnen seyn. Wo schon thätige, willige
Schulmeister sind, da muß der Wille der Eltern in An-
spruch genommen werden, wo dieser gewonnen ist ist alles
gewonnen, und alles wird gut gehen. Nachlässige,
muthwillige Schulversäumnisse, das große Hinderniß
einer Schulverbesserung, werden so wegfallen. In der Disci-
 /
[54]
Disciplin werden dann sogar später, alle willkührlichen Straf-
mittel welche Eltern und Kindern die Schulen in einen falschen
Lichte zeigten, wegfallen.
Sehr würde man also bey einer sich vorgesetzten, allgemei-
nen Schulverbesserung gegen diesen Zweck handeln, wenn
man die alten, d.i. die schon bestehenden, noch guten Willen
und Thatkraft besitzenden Schullehrer, die schon das Zutrauen
der Bewohner ihres WirkungsOrtes besitzen, auch wenn ihr
Unterricht mehreres Fehlerhafte haben sollte, gegen jüngere,
viele Vorzüge voraushabende umtauschen wollte. Durch das
Zutrauen welches jener Lehrer schon besitzt, wirkt er ohnge-
achtet seiner vielleicht großen Unvollkommenheiten, mehr
als ein an seine Stelle kommender vollkommnerer, thä-
tigerer, welcher dieses Zutrauen nicht besitzt. Aber man
versuche einen solchen, schon bestehenden Lehrer für tiefere,
die Menschennatur ergreifende Unterrichtsmittel zu gewin-
nen, und gelingt es endlich, so ist der Gewinn außerordent-
lich.
Nicht auf das Alte, Ausgediente, Schwache, soll man das
Neue bauen, aber auf das sich in der Zeit gleich einem Fels
 /
[54R]
im Sturm, bewährte Gute, auch wenn es scheinbar nur ein
Punkt sey.
Sollten aber früher, ehe aus zweckmäßig eingerichteten
Seminarien Schulmeister hervorgehen könnten, Stellen zu be-
setzen seyn, so wäre ein Haupterforderniß: sie nie an,
dieser Landschaft unkundige Fremde zu vergeben; man
müßte hauptsächlich suchen solche zu finden, die die allgemei-
ne Achtung und das Zutrauen jener Ortsbewohner ge-
nößen. In Hinsicht ihres Charakters müßten sie einfach
und fest; und wenn auch nicht mit besondern Kenntnißen,
doch mit StrebKraft, gesunder Vernunft und gutem Willen
begabt seyn. Aus diesen würden sich bald gute Lehrer
bilden lassen.
Um auch durch die Schulseminarien zur eingreifenden und
bleibenden Schulverbesserung wirken zu können, so ist es
wieder nöthig, daß darinne nur einzig solche aufgenom-
men werden: welche nebst Reinheit des Charakters, Gei-
stes- und Thatkraft, besonders Liebe zum Vaterlande und
wenigstens die Achtung und das Zutrauen ih der Mitunter-
thanen ihrer Landschaft im hohen Grade besitzen.
 /
[55]
Ist aber später das Schulwesen des ganzen Landes organisirt,
so dürfen nur solche in dem Schulseminarium aufgenommen
werden, welche während der ganzen Schuljahre ihren Unterricht
in der öffentlichen Schule ihres Geburtsortes oder einer andern
öffentlichen Schule des Landes erhalten haben; nur solche, die
sich während dieser ihrer Schulzeit nicht nur durch Kopf, durch
Kenntnisse und Fähigkeiten; sondern auch durch ihr Herz, durch
ihr Betragen gegen ihre Mitschüler, Eltern, Vorgesetzte,
Nachbarn sich die allgemeine Achtung der Ortsbewohner er-
worben haben; man muß es durch die wahre Erkennung des
Werthes des Schulwesens, welche man beym Volke möglich zu
machen suchen muß, und dadurch, daß man die Würde eines
Schulmannes, die Folgen seines Wirkens fühlbar macht, dahin
zu bringen suchen, daß solche Jünglinge aus innerm Antriebe,
ohne sonstige eigennützige Absicht und mit ganzer Hingabe
sich dem Schulwesen widmen. Diese werden dann die allgem:
Liebe aus der Schule mit in ihren Eintritt ins Seminarium
nehmen wo man sie nun aufnimmt, damit ihnen ihre früher
erhaltene Bildung zum höheren Bewußtseyn komme, um sie
in Kenntnissen, Tiefe und Umfang, nach jedes individuellen An-
 /
[55R]
Anlage pp weiter zu führen; um ihn, nachdem er sich nun nach den
höhern Pflichten des gewählten Berufs prüfen konnte, so zum
künftigen Schulmanne s auszubilden. Die Gränzen dieser Bil-
dung sind sehr scharf durch die Individualität des Jünglings, und
das Lokal der Landschaft bestimmt, in welcher er später wir-
ken wird. Über diese Gränze, welche man wieder mit dem
bestimmten Nahmen: Bedürfniß benennen kann, darf seine
Bildung nie hinaus gehen, weil sonst, als mit einem Überbil-
deten, jeder Zweck mit ihm verfehlt wäre.
Jeder jener Jünglinge würde durch jenes Von-unten-hinauf-
unterrichtet-seyn, sich, gleichsam als Zugabe Kenntniße u.s.
w. erworben haben, welche ihm nie ein spezieller privat Unterricht
hätte geben können.
Hat jener Jüngling nun auch die Bildung, den Unterricht er-
halten, welche ihm das Seminarium geben kann, so darf er
nicht sogleich aus solchem in einer Schule als wirklicher Lehrer
angestellt werden, sondern er muß wenigstens die Haupt-
landschule jeder Landschaft und nach Erfordernißen auch eine
Bürgerschule, jede einige Wochen besuchen; damit er das mannig-
fache Gute jeder Landschaft, welches in seinem künftigen Wirkungs-
 /
[56]
kreise ausführbar ist, sich nach seiner Individualität zu eigen
mache, mit zurück bringe und auch zum Eigenthum der Be-
wohner seines Wirkungsortes werde; so werden wenigstens
die Hauptschulen des Landes in ihrer Gesammtheit, die große
Pflanzschule künftiger Schullehrer des Landes werden, und in
ihren gegenseitigen Zusammenwirken, die Haupttheile eines
zu errichtenden Seminariums seyn; so wird alles einzeln
im Lande zerstreute Gute, mehr oder weniger - (nach dem
Grade seiner Allgemeinheit) - vereiniget werden, die
Ausbildung jedes Stammes weiter zu führen, ohne seine Indivi-
dualität zu zernichten, seinen Charakter zu schaden. Man
fürchte nicht, daß ein so geführter junger Mann überbildet,
für seinen künftigen Wirkungskreis verbildet werdet [sc.: werde]; wenn
er sich frey aus sich selbst heraus bildet, nicht aber durch
Zwang etwas anbildet, so wird er nie mehr in sich aufneh-
men, als was er nach seiner Individualität tragen, und
zu seinen freyen Eigenthum verarbeiten kann. Natür-
lich ist es, daß ein solcher junge[r] Schulmann, in seinem Ge-
burtsOrte, oder wenigstens in der Landschaft in welcher
er geboren ist, künftig angestellt werde.- Ist er natür[-]
 /
[56R]
lich erzogen und unverkünstelt, so wird er auch keine andere
Stelle sich wünschen, als die, in welcher er die Freunde, die Freu-
den seiner Jugend, die Erinnerungen an diese wieder findet.-
- Und wie wird da sein Wirken seyn! - er ist Lehrer
der Kinder seiner geliebten Freunde, der Mitgenossen seiner
Jugendfreuden, von welchen er geachtet und geliebt wird, er ist
kein Fremder, er ist Hausfreund, Rath - er ist Erzieher der
Kinder seiner ihm theuern Geschwistern, der geliebten Freunde
seines Blutes, - doch, der ernste reifere Verstand, prüfe
was ich sage.
Die oberste Schulbehörde in deren Hände die Schulverbesserung
des Landes liegt, muß gleichsam das sprechende und darstel-
lende Organ aller unverdorbenen und unverkünstelten
Bewohner des Landes seyn. Jeder in natürlicher Unverdor-
benheit, muß in dem was jene sagt, gleichsam sich selbst
hören. Jeder Unverkünstelte mit gesundem Verstande
begabte, muß in dem was geschieht sich selbst, seine In-
dividuellen und Landschaftlichen Ansichten wieder finden.
So wird alles was für die Bewohner geschieht und geschehen
muß wie von innen, gleichsam wie von sich selbst kommen.
 /
[57]
Das Volk muß einen gut zubereiteten Acker gleichen: der
Sämann streut hoffnungsvoll den Saamen in die gezogenen
Furchen, und durch die unbekannte Kraft, die Niemand kennt,
Niemand sieht, die im Verborgenen wirkt, die auch der Ar-
beiter nicht dem Acker gab, treibt derselbe die 20fache
Frucht hervor.
Gegen Neuerungen strebt der menschliche Geist mit Recht[.]
Das Alte wird einst wiederkehren, nur in veränderter er-
höhter Gestallt; daher liegt tief in des Menschen Brust die
Ahndung, daß das oft unbedeutende Alte weit tiefer be-
gründet ist als wir jetzt noch ahnden. Es sind todte Hiero-
glyphen, deren Sinn und Bedeutung uns verlohren gegangen
ist. Jene Ahndung zur Gewißheit zu bringen, diesen Geist
in dem Alten, diese Bedeutung des Alten, Ewigen, Unver-
änderten wieder zu finden, dieß strebt der Geist, aber
das Neuere verwirft er, als jenes Streben hindernd. Der
menschliche Geist, auch in dem Volke und da am meisten,
<  > je mehr es unverkünstelt unverbildet ist, strebt nach Einheit
und Einfachheit, das Zertheilen Vervielfältigen was die Neu-
[e]rung thut, verhindert es. Deßhalb muß auch der Schulver-
 /
[57R]
besserer in Verwerfung des Hergebrachten sehr vorsichtig seyn.
In dem bisher Gesagten liegt auch, daß Schulverordnungen
nur sparsam gegeben werden müssen; und es lehrt auch
die Erfahrung in manchen Ländern, daß oft die besten Schul-
verordnungen keine Früchte bringen; und sie können es ohne
spezielle Abänderung nie, und um so weniger je besser, d.
h. je ausführlicher und schon spezieller sie gegeben ist sind;
denn die Menschennatur und die Individuen eines ganzen
Volkes lassen sich nicht nach einer Form behandeln. Zwar ist
nur eine Idee des Unterrichtes, nur ein Prinzip, denn die Men-
schennatur ist Einheit aber sie erscheint in tausend Indi-
viduen auch in tausend verschiedenen Formen.
Nur diese Idee: der Schüler soll selbstständig, selbstthätig
nach dem Entwicklungsgange der Menschennatur, aus
sich herausgebildet werden, spreche die oberste Schulbehörde
in einer bestimmten Form, in einer Generalschulverord-
nung so einfach und bestimmt als möglich aus, und führe
die absoluten Bildungs- und Entwicklungsmittel der Men-
schennatur auf.
Der SpezialSchulInspector bilde dann diese Verordnung
 /
[58]
weiter nach den Bedürfnissen und Forderungen ihrer Land-
schaft aus.
Jeder Schullehrer arbeitet sich endlich selbst, mit Berücksich-
tigung der Lokalitäten seines Ortes, die Hauptforderungen
der Schulverordnung vor Augen habend, eine Schulordnung
für die bestimmte Schule aus an welcher er angestellt ist.
Dieser giebt es dann dem SpezialSchulInspector zur Prüfung[.]
Dieser die so gefertigten Schulordnungen seiner Landschaft
nebst seiner Verordnung worauf sie sich gründen, nachdem
er jene einer Prüfung nach der HauptIdee unterworfen,
die nöthigen Bemerkungen rc gemacht hat, der obersten
Schulbehörde, welche so in den Stand gesetzt wird zu sehen ob
in allen Schulen des Landes in einem Geiste unterrichtet
wird.- So führt jeder einzelne Schullehrer, das Selbstge-
schaffene, Selbstgedachte aus, so wird Liebe zum Beruf
erweckt und genährt. So kann nun auch ernst und streng
darauf gedrungen werden, daß der Schullehrer das, gleich-
sam von ihm selbst Vorgeschlagene pünktlich ausführe, und
es würden daher seine eigenen, höhern Orts angenommenen
Vorschläge, immer die Grundlage der Prüfung seiner Schule.
 /
[58R]
So würde aber auch der Schullehrer durch sich selbst die Schwierig-
keiten empfinden, mit welchen Einrichtungen, Vorschläge p[p.] zu
machen sind, und daß alles dieß, weit über die Willkühr des
Menschen erhaben ist; daß still, strenge Gesetze walten
welchen man gehorchen muß; so lernt der Schullehrer
durch diese Erfahrung seine Obern und Vorgesetzten achten;
sie werden ihm so als das erscheinen was sie sind: erfahrene
Väter, und glaubend wird er ihnen auch da folgen, wo er
etwas noch nicht begreifen könne: hauptsächlich wird so
der Schullehrer auf sich und seinen Beruf denkend zurück
geführt, die Menschennatur ins Auge zu fassen gezwungen
werden.
Durch alles dieß, in seinem Zusammenwirken, würde end-
lich nach und nach, eine allgemeine naturgemäße Erziehung,
ein unsere Natur ganz ergreifender, ihr vollkommen ent-
sprechender UnterrichtsGang allgemein möglich werden; welches
nur vorzubereiten, jetzt das Streben jeder Schulverbesser-
ung seyn kann.-
Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht bekannt zu machen, daß
 /
[59]
ich in einigen Monaten Yverdun verlassen, und meine
Zöglinge in ihr elterliches Haus zurückbringen werde,
halte ich für Unterthanspflicht.
Ich bin mit den Empfindungen der höchsten Verehrung
        Erhabene Regentin! 
Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht,
        getreuester Unterthan
Friedrich Wilhelm August Fröbel.

Yverdun
am 13ten Juny 1810.

b) Entwurf

[That]kraft ausgerüstet finden
diese in den jetzt ausgearbei-
teten UnterrichtsMitteln
unterrichten auch sie viel-
leicht mit den Forderungen des
und Grundsätzen der Erziehung
und des Unterrichts im allge-
meinen und im Zusammen-
hange
und nach den wichtig-
sten Momenten derselben nach Maß[-]
gabe ihrer Anlagen bekannt[-]
machen zu dürfen.
Den Ort welchen dessen Schule ich zum
AnfangsPunkte meines Handelns
wählen würde müßte ich
als das Bedürfniß eines ein-
greifendern und bildendern Un-
terrichts fühlend, tief und mit
Bewußtseyn fühlend erkennen,
da ich nochmals aussprechen
muß, daß nur hieran nur
an das Bedürfniß Schul- und
Unterrichts Verbesserung an[-]
schließen muß und mit Erfolg
einzig anschließen kann.
Von diesem Orte aus, würde
es mir dann möglich werden
die Schulen die Bedürfnisse
des Vaterlandes, in dieser Hinsicht auf diese nach der
physischen Lage der Landschaften
kennen zu lernen, und zwar
zuerst den Theil, welcher mei-
nen Wirkungskreis zunächst /
[4R]
umgäbe. Ich w
ürde nicht
nur prüfen wo das Be-
dürfniß eine Schulver-
besserung zuerst erfordert
sondern ich würde auch genau
die Modificationen zu er-
kennen suchen, unter welchen
sie nöthig wäre, da ich
weiß, daß
die Wohnorte
die Bedürfnisse die bürgerlichen
Gewerbe, die Grundsätze u.
Denkungsweise, die Ansichten
der menschl. und bürgerlichen
Verhältniß[e], bei den verschie-
denen Stämmen meiner Mit-
unterthanen zu verschieden
sind, als daß man wagen
dürfte sie alle nach einer
Norm nach einem Maaßsta-
be zu behandeln. So wenig
Ob aber auch gleich die Form das Maß
des Gegeben-werdenden
nach Ortsverhältnißen wechselnd – verschieden ist war, so wird mußte doch
wie die Idee in welcher nach
was
das Prinzip, die Grundsätze
nach welchen gehandelt sich
wird, sich immer gleich und
unveränderlich seyn. –
Würde ich so einige Zeit
vielleicht 2 Jahre gewirkt
und an Zöglingen und Er-
wachsenen gezeigt haben:
ob und wie eine natur- /
[5]
gemäßere Erziehung ein
bildender Unterricht mög[-]
lich wäre dann würde ich
mein Handeln einer durchgreif-
enden Prüfung nicht nur der
höchsten Behörden meines Va-
terlandes sondern jedems
sachverständigen urtheilsfähigen Manne[s] un-
terwerfen, ja um diese
strenge Prüfung unterthän ehrerbietigst bitten. Das
höchste und das öffentliche Ur-
theil würde dann zugleich
entscheiden ob ich nicht nur würdig sey, sondern
ob ich auch die nöthige Kraft
habe meinem Vaterlande
vferner zu dienen. -
Würde als dann das Vaterland
meine Dienste fordern, so
würde ich so nicht nur die
Mittel und Wege er-
kannt haben wie eine
fortschreitende und endlich
allgemeine Schul- und
Erziehungs Verbesserung
im Vaterland am sicher-
sten erreicht werden
könnte, sondern ich per-
sönlich würde gewonnen
haben an Kenntnissen
und Kraft an Tiefe und
Umfassendheit.
Mein Wirken würde /
[5R]
sicherer seyn, als es jetzt
noch seyn kann, denn ich würde
nicht nur das kindliche Ge-
müth als solches tiefer er-
kannt haben, sondern auch
durch eigene Erfahrungen
der Wirkung natur der bis
jetzt ausgearbeiteten Un-
terrichtsmittel auf das-
selbe gewiß seyn, ich würde
durch dieß wirken wie
in die Verlegenhei[t
] gesichert
werden je eine Forderung
an einen Schullehrer zu
machen, die ich als durch sich
selbst unwahr zurück neh[-]
men müßte.
Da ich aber so fest, wie von
dem bisher gesagten durchdrungen, von
der Wahrheit fest überzeugt
bin, daß wer als
Lehrer wirken seinen Zweck
d.i. bildend zu wirken er-
reichen will, das Zutrauen
der Bewohner der <?> Bewohner

Da aber das Unerläßlichste was ein
öffentlicher Lehrer besitzen muß
das Zutrauen, der Einwohner
des Ortes an welchen er und für
deren Kinder er als Lehrer
wirken will ist, so wünschte
ich daß es mir erlaubt würde mein Vaterland erlauben möchte
die Schule zu Stadtilm zur
dem bis Ausführung des zur
höchsten Prüfung Vorgelegten wählen
zu dürfen
da daßs Haupterforder-
niß ist um als Lehrer
heilbring fruchtbar zu wirken
ist, daß er das Zutrauen der Personen des Ortes in
welchem
Die Gründe dazu sind folgende
In Stadtilm würde hätte ich
das dem Lehrer so höchst nöthige treues
Zutrauen der Bewohner gewiß
finden, wenigstens bin
ich mir
da ich mit mehreren derer welche jetzt Familien
Väter sind würde ich zugleich und in gleicher Zeit Schule
unterrichtet wurde, da ich mir nicht nur nicht bewußt bin /
[6]
Mein Onkel der verst: Sup. Hoff[-]
mann von welchem ich in den
Jahren
[un]bedacht durch mein Be-
tragen während meinem Auf[-]
enthalt als Knabe daselbst nicht die
Achtung der Einwohner Stadtilms
verscherzt sondern mir vielmehr
bewußt bin die Liebe mehrerer jetzt älte-
sten Bürger Stadtilms ge-
nossen zu haben. Mein
Onkel der verst: Sup: Hoffm.[ann]
das. von dem ich in den letzten Jahren
bis zu meiner Confirmation
unterrichtet erzogen wurde genießt
noch nach seinem Tode von Std. [sc.. Stadtilms]
Bewohnern die ausgezeichnete Achtung die man
seinem Wirken als Religionslehrer
schuldig zu seyn glaubt. Dieses
würdige Bild mir immer vorschwe[bend]
würde ich mich bemüh[en] durch mein Handeln
mich bemühen einen Theil der Achtung
des Zutrauens zu verdienen, welches
mein Onkel sich durch das seynige Handeln
erwarb.
Ich persönlich liebe Stadtilm sehr
weil ich in derselben dessen Schule in den
wichtigsten Jahren des Knabenalters
meinen Unterricht erhielt.
Durch mein mehrjähriges Leben
bei meinem verst: Onkel kenne
ich einigermassen die Denkungs[-]
weise die Bedürfnisse der Einwohner, die ich
wegen ihrer ruhigen Arbeitsamkeit
und Thätigkeit schätze. Ich weiß
aus jenen Jahren daß sich in
mehreren jungen Männern der Trieb zur eigenen /
[6R]
Selbstausbildung sehr bestimmt regte und
daß mehrere mit Eifer und Erfolg an derselben
oder an Erlangen von Fertig[-]
keit und bürgerlicher Nutzbar-
keit arbeiteten. Ich weiß daß auch noch gegenwärtig die
Bewohner mehr als je das Bedürfniß
eines guten d[urc]hgreifenden Unterrichtes fühlen[.]
Dieß sind die Gründe die
mich bestimmen die Schule
Stadtilms zum Ausgangs[-]
punkt einer allgemeinen Schul[-]
verbesserung meines
Vaterlandes zu wählen.
Doch die Bewohner Stadtilms
ihr Charakter, ihr industriöser
Sinn, ihre Gewerbe sind zu sehr
bekannt, als daß es erst meiner
Hinweis Andeutungen: daß die-
ser Ort einer der geschicktesten
zur Einführung eines tiefer in die
Natur des Menschen eingreifenden
Unterricht[s] im Vaterland sey, bedürfe.
Aber eben so sehr wie ich
hoffe daß v[on] Stadtilms Bewohnern
mein Handeln mit Zutrauen
aufgenommen würde, eben
so bestimmt weiß ich, daß es
mir kein unbedingtes Zutrauen
geschenkt dasselbe werden würde., und
auch diese
wünsche ich und auch Widerspruch und Zweifel muß der Mann
wünschen welchen es um nichts
anders als um die Wahrheit
um die wahre Sache zu thun ist, denn
ohne diese ist kein wahrer Glaube und keine
wahre Erkenntniß möglich
die Sache wird als dann um so mehr gewinnen je tiefer
die Zweifel dieselbe ergreifen
und je umfassender sie sind [Der Satz: ”die Sache..sie sind” wird am Rand wörtlich wiederholt]
Persönlichkeit würde meinem
Handeln fremd seyn ich teu-
sche nicht. Jemanden
Ich will
keinen zu verdrängen aber
hoffen helfen und unterstützen will /
[7]
ich wo ich kann, deßhalb würde niedere
Leidenschaft sich nie in mein
Handeln mischen.
Noch Hier muß ich feyerlich ver-
sichern klären, daß ich um jede Per-
sönlichkeit zu vermeiden, zuletzt meine
Familie nie von den Schritten ich
die zu thun ich die Forderung an
mich machte
ich in der letzten Zeit daß ich in allen
meine Familie über die mehresten
meiner Schritte ununterrichtet
gelassen habe ist und daß ich blos im verfl.[ossenen]
Jahre meinen ältesten Bruder
d[en] Pf:[arrer] in Gr:[iesheim] von einigen
benachrichtigte nachdem sie schon
geschehen waren[.]
Ruhig versichere ich meinem Vaterlande und der verehrten Regentin desselben: daß
jede privat Nebenabsicht, jedes
privat- jedes Familien interesse
ist meinem Handeln fremd ist. –
Doch nein! – ein Familien Inter-
esse habe ich und dieß muß ich
um gz aufrichtig zu seyn gestehen:
es ist das Andenken an meinen
Vater und an sein Wollen und
Streben; ich möchte meinem
Vaterland überzeugen, daß er,
dessen Geisteskraft leider nur
theilweise auf mir ruht, das
Wohl, wenigstens des Distrikts
wollte in welchem er würkte
ich möchte die noch lebenden
Zeitgenossen desselben mit
seiner Asche aussöhnen.
Dieß ist das einzige und /
[7R]
dennoch der Sache als solcher
sehr untergeordnetes privat
Interesse welches Theil an
meinem Handeln hat.
Mein Vaterland
Ich freue mich meinem Vater[-]
lande dadurch, daß ich im Be-
sitz eines Stelle bin, welche, indem sie
mir nicht nur einen gegenwärtig einen jährl. Gehalt Einnahme
bringt, den ich meinem Vaterlande
nicht fordern darf und noch gegenwärtig schon
vieles Werth in sich vereint
worauf man großen Werth zu legen pflegt
mir meinen lebenslänglichen Unterhalt sichert
mir und 3 mir noch überdieß auch sorgenfreye Aussicht
auf mein g[an]zes künftiges Leben zu sichert
lebenslänglich meine Be-
dürfnisse sichert u überzeugen zu
können, daß weder klingendes
Interesse noch Brotsorge
mich bestimmt demselben meine Kräfte
zu widmen[.]
Ich freue mich mein Va-
terland dadurch, - daß ich
im Besitz eines Stelle
bin, welche, indem sie
gegenwärtig schon vieles
in sich vereint worauf
gewöhnlich großer Werth ge[-]
legt wird, welche mir noch über
dieß die auf eine sorgen
freye Aussicht auf mein
ganzes künftiges Leben zu-
sichert – überzeugen zu
können, daß weder klingendes
Interesse noch Brotsorge
mich bestimmt demselben
meine Dienste anzubiethen
überdieß besitze ich was höher als alles dieß ist das
das gege bewährte vollste und
höchste Zutrauen des Vaters der Eltern derselben und die
Liebe meiner Zöglinge und /
[8]
Alles dieß werde ich sämtl., wenn mein
Vaterland mir es erlaubt
zu den Füßen desselben legen
nicht als Aufopferung, nein
als eine Gabe, die die Forderung meines Herzen
erfüllend fordert völlig und ich würde
mich glücklich schätzen, und
dem Vaterlande durch die höchste
Thätigkeit danken würde
und die zu geben mich
glückl. macht und mit Freude erfüllt. –
Dieses mein DienstAnerbieten
und Wunsch lege ich Ew: Hochfürstl.
Durchl als treuen Regentin
meines Vaterlandes zur [sc.: zu]
höchster Prüfung vor.
Ruhig werde sehe ich einer höchsten
Entscheidung entgegen, und ich werde
es <-> gleich zufrieden annehmen
wenn mein Vaterland mir mein
Anerbiethen zurück giebt als
wenn es dasselbe annehmen
sollte, denn ich werde in dem
erstern den sichern Beweiß
finden: daß ich noch nicht
Kenntniß und Erfahrungs
reich genug bin, um auch
blos auf jenes Zutrauen
Anspruch machen zu können,
ich werde alsdann nur noch
unablässiger und thätiger streben
mich in die Verhältnisse
zu versetzen und sie mit
aller meiner Kraft zu
benutzen, in welchen es
mir möglich werden wird /
[8R]
mich zu der Vollk[ommenheit]
zu der Tiefe und Umfa[ssendheit]
der Kenntnisse zu erheb[en, - die]
wenn es alsdann vielleicht später einst meine Kräfte
fordern sollte – die nöthig wäre
um jene Forderung erfüllen
zu können. –
Ew. Hochfürstl. [Durchlaucht] nahmen
gütevoll, mehr den gutgemeinten Willen als
die mangelhafte unerschöpfende That wägend mit Huld-
voller Gnade einen frühern sehr
schwachen und höchst mangelhaften
Versuch einer Darstellung der
P-schen [sc.: Pestalozzischen] Methode auf. In tiefster
Ehrerbietung bitte ich hier noch
einige der wesentlichste Mängel
jener Darstellung um Mißkennung der Sache zu verhüten, andeuten zu dürfen[;]
als ich jene Abhandlung schrieb
war der höchste Punkt wo ich selbst
von der Idee einer Naturtreuen
Erziehung ergriffen und von den
einzelnen
Wirkungen einzeln ausge[-]
arbeiteter Unterrichtsmittel ge-
fangen, also war. Mein Urtheil be-
fangen war konnte also nicht anders
als befangen seyn, selbst noch von
der Idee ergriffen war es unmöglich
sie ergriffen zu haben, da ich selbst noch un[-]
bestimmtesdingtes Eigenthum der Idee war
wie war es da möglich, das [sc.: daß] die
Idee mein Eigenthum war[?]
Von diesem meinen dortmaligen
Stehen in mir hängt der Charakter
jener ganzen Abha Darstellung
und <ihr die Sache> die jugendliche
Ansicht ab, die sich durchgehend /
[9]
durch dieselbe ausspricht.
Dieses Befangen- Ergriffen[-]
seyn von jener göttlichen Idee
machte daß ich die Außenwelt
die Weltverhältniße anders ansahe anders hin[-]
stellte als sie wirklich sind.
Von diesem Ergriffen seyn hängt
das die g[an]ze Darstellung durch-
laufende Verwechseln der
Schule und des Lebens, der
öffentl. und häuslichen Erziehung
ab, ich vermengte was nie
vermengt werden kann. Ich
that den großen Mißgriff In der Idee that ich den
großen Mißgriff das
Leben das häusliche Leben in die
Schule zeinführen zu wollen, was
doch wieder die Natur ist, anstatt
ich die Schule als das in das Leben Eingreifende
hätte hinstellen sollen so hinstellen sollen
wie sie seyn muß um ins häusl.
Und bürgerl. Leben einzugreifen[.]
Von dieser so wesentlichen
Verwechselung hängt die jene
ganze Darstellung charakterisirende
Verwirrung ab. Der ruhige
Prüfer wird Wahrheit wird Gutes in dem
dort Gesagten finden und sich
dennoch gegen für die Möglichkeit
einer solchen Ausführung bestimmen
zu können, dieß ist das Gefühl der
Unnatur welche sich daraus
ausspricht, man sieht Leben
und Schule beide von ihrem natürl.
Gebiet verdrängt, Schule ist immer
das geregelte bestimmte, be-
schränkte, Leben immer das
Freye, wohl kann das Beschrän[kte] /
[9R]
sich zur Freyheit erheben, aber
nicht das Freye zum beschränkten[.]
Es ist wahr das Leben die häusl.
Erziehung soll immerwährend der
Schule als Muster vorschweben
nicht aber um die häusliche Erziehung
zur Schulerziehung herabaufzuziehen sondern
damit die Schulerziehung in die häusl.
Erziehung herabsteige u eingreife[.]
Der Schullehrer soll aber auch
freylich wohl durch sich selbst auf Haus Erziehung
wirken aber nicht in der Schule,
sondern durch die Schule und durch sich selbst persönlich
durch sein Leben durch sein Zutrauen
daß er sich bey den Bewohnern
seines Wirkungsortes erwirbt.
Eben diese Verwechselung geht
auch durch die Durchführung einzelner
UnterrichtsFächer und namentlich der
Sprache als BildungsMittel durch
die dort angedeutete Idee des Spr: Unt. [sc.: Sprachunterrichts] ist dem
Wesen nach die einzig wahre
Aber der SprachUnterricht ist keinesweges
nach seinen 3 wesentl. verschieden[en]
Ansichten ins Auge gefaßt
aber sie spricht sich keines
weges deutl und klar aus,
noch erschöpft sie wie sie dort
steht das Gebiet der Sprache
und des Sprachunterrichtes. Die Sprache
muß weit tiefer ergriffen
werden* wenn sie dieselben umfassen
soll [bricht ab]
[Ergänzung mit Bleistift]*als dort geschehen ist, alles was dort steht über Sprachunterricht praktisch zw[ar] ausgeführt ist, zuerst
sich bis auf das Prinzip durch welches es da ist, welches aber
wie ich wahr <es> aussprechen muß <? ? gz ausgeführt ? ?>
sich selbst. -