Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt am Main v. 15.6.1810 (Yverdon)


F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt am Main v. 15.6.1810 (Yverdon)
(BN 494, Bl 68-72, dat. Entwurf 2 B + 1 Bl fol 9 ½ S., zit. Stiebitz 1913, 84; Bl 72 ed. Heiland 1993, 214. - Die Zugehörigkeit von Bl 72 zum Briefentwurf ist fraglich, jedenfalls kein direkter Anschluß. Die Zuordnung wurde erst von Wollkopf vorgenommen [noch nicht auf Mikrofilm = alte BN-Ordnung]. Heiland 1993, 214 vermutet, daß es sich um ein Fragment von "Über den Gang und die Art des Sprachunterrichts" v. Ende 1809 handelt, gegen Ende kommt F. aber wieder auf Adolph u. Fritz von Holzhausen zu sprechen, was für den Briefcharakter spricht.)

Nro 22  1810
Yverdun 15ten Juny 1810
Gnädiger Herr;
Die Ursache daß ich Ihnen auf
Ihren letzten zutrauensvollen Brief
noch nicht geschrieben habe ist:
eine strenge Prüfung welcher
ich mich nach den Forderungen
welcher jener Brief an mich desselben
mich macht unterworfen habe
Jemehr schärfer u. prüfender ich daß, was ich bin
kann und weiß ins Auge
fasse, desto mehr finde ich,
desto unläugbarer werde
ich überzeugt, daß ich mir jenes
Ihr Zutrauen was Sie jetzt
mir schenken nicht in der Folge
und Zukunft sichern und erhalten
könnte.
Sie bedürfen hauptsächlich jetzt
für Ihre Söhne eines Lehrers
und zwar eines Mannes welcher durch Kenntnisse u Übung dem Lehrfache
gewachsen ist Mannes und, dieß
und ist gerade das, was ich am
mehre wenigsten bin.
Ihre Söhne sind jetzt in dem
Alter wo es der That bedarf,
der gute Wille, und einige noch
unverarbeitete gute Gedanken,
daß einzige was ich vielleicht besitze
können Ihren Söhnen nichts nützen
Was würde die Folge seyn
wenn ich auf diesen un- so ohne
sichern Grund, ohne die wahren Mittel gründliche und umfassende Kenntnisse
unbesonnen und unüber-
legt mich ferner einem Geschäfte /
[68R]
unterzöge, welchem ich nicht
mehr gewachsen bin. Erlauben
Sie mir deßhalb, gnädiger Herr daß ich im Bewußtseyn mit dem Bewußtseyn Ihrer Achtung
als Vater die mir Ihr letzter
Brief zusichert nicht so leicht
aufs Spiel setze, und daß ich im
B
die fernere Leitung der Erziehung
Ihrer Söhne, einem vollkommener
kenntnißreichen Mann, welcher
sich sicher finden wird üb nach der
Rückkehr derselben ins elterliche
Haus, übertrage.
Außer diesen hier angeführten
Gründen zwingen mich aber auch
noch andere nicht weniger wichtige
zu diesem Entschluße.
Sie wissen gnädiger Herr, daß
Sie mir erlaubten mit Ihren
Söhnen in Yverd. zu leben, Ihre
Söhne nach Y. gethan wurden
um
das Gute des Inst: für dieselben zu be-
nutzen ohne das Fehler- und Mangelhafte desselben auf
sie einwirken zu lassen; Sie wissen
welche Hoffnungen ich Ihn zu welchen
Verantwortungen ich mich gegen Sie
verpflichtete. Selbst noch von
Frankf: aus, wurde ich aufge-
fordert mich mit aller Macht gegen
die im Inst: einreißenden Übel zu
stemmen. Nach den strengen
Forderungen welches dieß alles
gegen an mich machte, suchte ich mit
allen den Mitteln
welche
[am linken Rand neben der Streichung:]
Ich bestrebte mich daher die
strengen Forderungen welches dieses
alles an mich machte mit
allen den Mitteln die in
meiner Hand lag[en] und
mit aller meiner Kraft
zu erfüllen /
[69]
in meiner Hand lagen und
mit aller meiner Kraft, suchte
ich die strengen Forderungen, welches
dieß alles an mich machte
zu erfüllen.-
Ich sprach nicht nur mit den den P-s.
Freunden als
Lehrern der Anstalt
und He. Pest. selbst u. den Lehrern der Anstalt mehrmalen sehr ernst und bestimmt über diese mancherl. Mängel derselben und
bat um deren Abstellung, sondern ich bat
darum und forderte sie wohl
nicht nur v. Pest:
sondern
ich forderte sie sogar sehr
noch weit bestimmter und ernst mehrmal
vor dem ganzen versammelten
Lehrer Personale,
Einer der Haupt-
punkte meiner mehrmaligen
sehr dringenden ernsten Klage u. dringenden Vorstellungen war
der R. U. besonders wurde doch nie alles nie
geheim, entweder ganz öffentl.
vor allen Lehrern oder gegen
P-s. und das

Doch alle diese meine Klagen
und die Vorwürfe die ich dem
Inst: u. einigen Lehrern desselben
machte that ich keinesweges
geheim sondern wie ich eben
aussprach entweder ganz öffentl.
oder gegen Pest: und natürl.
sahe ich keinen Grund ein warum
ich über dasjenige was ich was ich [2x] einmal
an diesen beiden Orten ausge-
sprochen hatte glaubte ich mir
dann nicht auch erlaubt auch gegen mit meinen
Freunden mitzutheilen zu dürfen
hätte sprechen dürfen.
so [sc.: So] lange
als man sich versichert glaubte
daß ihre Söhne ferner wie bisher Zöglinge
des Inst: bleiben würden, er-
trug man es nicht nur, sondern
anderm [sc.: änderte] auch mehreres ab, Pest:
sogar forderte mich dankte mir
für die Offenheit mit der ich ge-
sprochen hatte und forderte mich
auf noch über mehreres so zu
sprechen. /
[69R]
So lange als man Ihre Söhne
noch als fernere Zögl. des In-
stitutes betrachtete ert
Jetzt aber da ich sahe daß in der Hauptsache
doch nicht gebessert wurde
da ich sahe das mich so viel
als mögl. v. P- zurück zog
da ich <ohntrügl.> mich durch die außer-
ordentl. Deuschung [sc.: Täuschung] die ich empfand
niedergedrückt fühlte und daher
mein Betragen gegen diese
He. natürl. sehr bestimmt und
ernst wurde, jetzt, so bald man
ehe noch Ihre Entscheidung da
war vermuthete daß Sie
uns zurück rufen würden
jetzt erschien mein bisheriges
Handeln den Herrn in einem
ganz andern Lichte als bisher.
Ich übergehe das einzelne
das einzelne hiehe in diesem Zeitr.
vorgefallene sondern setze
nur die Hauptaussprüche
Pest: und des R: L. He. N. [sc.: Religions Lehrers Herr Niederer]
gegen mich hieher.
Pest: sagte mir persönl:
daß ich mich gegen ihn wie
gegen den Unwürdigsten betragen
habe.-
er sagt:
daß ich ihm die Liebe meiner
Zöglinge entzogen daß ich ihm die Mittel beraubt habe, durch welche
Pest: sagt:
daß, - weil ich auf und für meine
Zöglinge Ihre Söhne wirkte und
handelte wie ich handelte, und
daß ich sie mich und mein Handeln
verwünschen würden.
Pest: sagt
daß ich - da ich nach meiner
höchsten und besten Überzeugung
gehandelt zu haben glaube
indem ich Ihnen vorschlug Ihre /
[70]
die fernere Erziehung Ihrer
Söhne vom elterlichen Hause
aus beendigen zu lassen
daß ich dadurch ihre Söhne in
die Unnatur zurück geführt
habe.
He. Niederer der R. L. sagte
mir
daß ich - aus dem Grunde weil
ich öffentl. gesagt hatte er möchte als
solcher R. L. seine Pflicht erfüllen und
daß sein R. U: für Knaben von
unzweckmäßig sey, - dieser sagte mir
daß ich ein niederträchtiger un-
ehrlicher Mensch sey, er sagte daß
ich so niederträchtig sey, daß ich selbst
eine niederträchtige Behandlungs-
weise nicht mehr empfinde,
daß er, wenn er an P-
Stelle gewesen wäre mich
schon vor Monaten aus dem Inst: gewiesen vor 6 Wochen
habe der [sc.: die] Treppe hinunter geworfen
habe.
Ich übergehe hier alles was
ich darüber zu sagen habe
Sie werden aber hieraus mit
mir einsehen, daß wenn ich
es auch wirkl. noch wagen
könnte mich ferner der Leitung
und der Erziehung Ihrer Söhne zu
unterziehen, daß Sie es mir
um keinen Preiß erlauben
können ferner für dieselbe[n]
zu wirken.
Pest: erlaubt sich jetzt sehr
bestimmte Urtheile über mich /
[70R]
und mein Handeln auch gegen Fremde andere auszu-
sprechen, und man wird ganz
bestimmt nichts unversucht lassen
über mich in Frankfurth (um dadurch das was ich vielleicht
als begründete Thatsache über
das Institut zu sagen hätte kann
zu dadurch zum voraus zu
entkräftigen zu suchen:) ein sehr <ungünstiges> Urtheil in Frank-
furt
zu verbreiten, daß ich
für mich vor mir selbst erröthen müßte
in Frankfurt daselbst ferner als Erzieher
aufzutreten; daß es von
meiner Seite unverantwortl.
wäre, etwas die Folgen eines
solchen Urtheils auf Ihre
Söhne einwirken zu lassen
mit solchen Vorwürfen belastet
<auf> Ihre Söhne <weitl[ich] zu wirken>.
Nach dem ich Ihnen ge[ehrter] He. auch dieses ausgesprochen
habe bedarf ich es wohl nicht mehr
meiner Bitte: die Erziehung
Ihrer Söhne nach der Zurück-
kunft derselben nach Frankf.
an einem andern zu übertragen.
Sondern Sie werden es die Niederlegung dieses Wirkungs[-]
kreises durch mich selbst unter
diesen Umständen als
das was es ist: als eine
unerlässliche Schuldigkeit von mir ansehen.
daß ich unter diesen Umständen
durch mich selbst die Er-
ziehung Ihrer Söhne nieder-
lege.-
Was übrigens die mich persönlich bey den Beschuldigungen
Pest: und seiner Freunde
gegen mich betriff[t] so
bin ich darüber so ganz ruhig als
nur immer ein Mensch
seyn kann
, ich bin mich [sc.: mir] meines
pflichtmäßigen Handelns nach dem Grade meiner jedesmaligen besten
Einsicht be-
wußt, und wenn ich ge-
fehlt habe, was auch ich /
[71]
überzeugt bin, so ist es
darinne daß ich zu wenig
nicht aber daß ich zu viel gesagt
habe und daß ich ein Zutrauen und
Nachsicht gehabt habe, die
ich unter meinen Verhältnißen
nicht hätte haben sollen.
Um übrigens über den Werth
oder Unwerth meines Handelns
über die Gegründet- oder Unge-
gründetheit der Beschuldigung
P-s und seiner Freunde ein
bestimmtes Urtheil zu hören
werde ich die ganze Sache
plan allen Urtheilsfähigen ganz Deutschlands zur
Prüfung vorlegen, ich werde
zeigen was das Institut
versprochen und was es ge-
leistet hat, ich werden den
Punkt zeigen wo wir Deutsche
und die wir Zutrauens voll
Pest: Wollen und Versprechungen
vertrauten im höchsten Grad geteuscht
und betrogen worden sind;
Ich werde es mir zum streng-
sten Gesetze machen mit der
höchsten Offenherzigkeit und
Wahrheitsliebe aber auch mit
der höchsten Würde und Ruhe
zu schreiben zu zeigen, welche den Mann immer charakteri-
sieren soll; dann mag ganz
Deutschland über mein Handeln
entscheiden, ich werde wenn
es das Schicksal fordert gerne
den moralischen und bürger-
lichen Tod sterben, aber
was was [2x] wahr ist werde
ich auch jetzt schon frey offen bekennen, und meine
Nation war die Väter
meiner Nation warnen sich
nicht wieder teuschen zu lassen
ihren eigenen größten Reichthum,
nicht den Reichthum der ganzen Nation
- ihre Söhne - so leicht wie bisher in andere
Hände zu geben. Ich werde die
Väter auffordern sich ihrer Pflichten
als solche bewußt zu werden; ich werde sie darauf aufmerksam machen daß sie durch die Verhältniße
der Natur die einzigen Erzieher ihrer Söhne sind, und welche außerordentl[ichen] Mittel zur Erfüllung dieses Berufes die Natur dem Vater in jedem Stande in die Hand <gibt>. /
[71R]
Ich werde meine Erfahrungen
über das was das elter-
liche Haus der Vater dem Kinde ist und war und
was Fremde ihm nie sind
waren frey und bestimmt aus-
sprechen[.] Ich werde meine eigene[n] Grundsätze
über Erziehung, die ich seit mehreren Jahren
hatte und, wie sie sich nach und nach
in mir ausbildeten, bestimmt aussprechen;
ich werde ohne Schminke zeigen wie ich
selbst handelte ehe ich auf den Punkt,
den Erkenntnißstand, auf welchem ich jetzt
stehe [stand], was ich von meinem Handeln
hoffte u. erwartete, und was
mir dennoch bey meinem besten Willen
u. bey der Hingabe aller meiner Kraft
zu erreichen unmögl. war, und es wird sich
dann zeigen woraus ich ihre
Söhne führte und wohin zurück , ob
aus Unnatur oder in Unnatur
.
Ich hoffte unerschütterlich
fest und bestimmt
mit der größten Sicherheit und Ge-
wißheit daß sie
alsdann wegen des Zutrauens welches
Sie mir bisher schenkten öffentlich
Rechtfertigung erhalten werden.
Ich werde mich und mein Handeln der Welt
zeigen wie ich mich selbst
kenne, ich werde den Schleyer <Schatten>
der Zweydeutigkeit welchen
man so gern über mein
Handeln werfen würde verbreiten möchte
zerreißen vernichten, das Welt höchste Urtheil wird
dann Urtheilen entscheiden wer ich war
und bin, und was die Trieb-
federn meiner bisherigen
Handlungsweise waren.
Ehe So lange bis dieses Urtheil gefällt
ist, worinne auch Ihr Votum
mehrseitiges Gewicht hat,
lassen
Sie mich des Zutrauens freuen
welches mir Sie in Ihrem letzter [sc.: letzten] Brief
auch noch für mein künftiges
Handeln zu sicherten und ich glaube nicht daß ich
es dadurch verscherze, daß ich
freywillig mein Wirken auf
Ihre Söhne an einen vollkommen
kenntnißreichen Mann abtrete. Ich
werde thun was in meinen Kräften
ist einen solchen zu finden und habe
mich deßhalb schon an einen praktischen
Erzieher He. Krutsch, Erzieher eines
Jungen V. <Schaumburg> aus Leipzig, welchen
Sie vielleicht kennen, gewandt. Ist jenes
Urtheil gefällt so würdigen
Sie mich auch nicht höher als ich es
 /
[72]
[Kein direkter Anschluß an Bl 71]
Durch den bisherigen Unterricht,
und besonders durch die Sprach-
Übungen, wurde der Schüler zur Auf-
fassung und Anschauung mehrerer mit einander
verbundener Verhältniße an mehrere
Gegenstände die in gegens mit einander
in Verbindung stehen geschickt.
Allein in Rücksicht auf die Sprache
noch bleibt dem Unterricht Doch dem Sprachunterricht bleibt es
noch übrig
die Kenntniß der Bezeichnung zus: gesetzter
Verhältniße
pp durch die Sprache<nor[m]u[ng]>, dem
Schüler zum Bewußtseyn zu bringen.
Dieß thut der 3te Kursus. Nach dem
Ausdruck der Grammatik lehrt
er, die Wörter in ihrer Verbindung,
und die Verbindungsweisen der
Wörter selbst kennen oder er lehrt die Syntax
und so ist die
Auch hier werden wieder die verschie-
denen Wortverbindungsarten und Con-
struktionen von den einfachen zu den
zusamm
Hieran Hier beschließt die
reine Sprachlehre und es schließt sich hier unmittelbar
die angewandte Sprachlehre an
und die Übungen in [sc.: im] schriftlichen Darstellen
an.
Die Art des Unterrichtes selbst wie nach diesem Gange
der Unterricht Fritz und Adolph von
mir mir [2x] unterrichtet werden
zeigen die nachfolgenden Blätter.
Die Beispiele sind sämtlich von
Adolph u. Fritz selbst gefunden
worden. Viele der Antworten
stehen wörtlich da sie mir gegeben
worden sind. Zu vielen Antworten
die hier sogleich stehen, sind wir natürl.
während des Unterrichtes erst
auf Umwegen gekommen.
Da die Antworten sich immer auf
die Anschauung beziehen müssen und
von derselben abhängig sind, so
geht natürlich die Betrachtung der /
[72R]
Gegenstände nach den festge-
setzten GesichtsPunkten der Antwort
voraus, und es muß diese durch
jene Bestimmtheit u. Festigkeit er-
halten.
In den Heften Ad: u. F. selbst
werden immer nur die Resultate
niede die aus der vorhergegangenen
gemeinschaftl: Anschauung der Gegen-
stände hervorgegangen sind nieder-
geschrieben, und durch einige
Beispiele belegt.
So viel über die Methode diese[s]
Unterrichtes.