Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Gottfried Müller in Döllstedt v. 3.3.1811 (Frankfurt am Main)


F. an Heinrich Gottfried Müller in Döllstedt v. 3.3.1811 (Frankfurt am Main)
(BN 578, Bl 21-22, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)

Auf der Öde bey Frankfurt a/M am 3ten März 1811 .


Mein lieber Herr Schwager.
Es freute mich zwar auf der einen Seite als ich Ihren letzten
lieben Brief erhielt sehr auch nach so langer Zeit, einmal
wieder etwas von Ihnen und meiner guten Schwester
und den Ihren [zu lesen], aber noch weit mehr schmerzte es mich, daß
das Schicksal wollte, daß Sie mir so traurige Nachrichten
von Ihren häuslichen Verhältnißen schreiben mußte[n]. Ich
empfinde in diesem Augenblick, wo ich mir den <Ihnn> Inn-
halt [sc.: Inhalt] Ihres und meiner l. Schwester Brief zurückrufe
wieder ganz das Gefühl der innigsten Theilnahme welches
ich dortmals und nachher so oft empfand als das Bild
meiner Schw armen leidenden Schwester vor mir stand
und wie ich dort von der innigsten Tiefe meines
Herzens wünschte daß ich etwas zur Linderung Ihres
Schmerzens möchte beytragen können, so ist jetzt der Wunsch
um dessen Erfüllung ich den gütigen Himmel bitte lebhaft
in mir, daß dieser Brief Sie meine Schwester und alle
die lieben Ihrigen gesund und wohl antreffen möge.
Ich bitte Sie guter Herr Schwager, vergelten Sie nicht Bö-
ses mit Bösem, seyn Sie so gut und geben Sie mir bald
Nachricht wie es mit meiner Schwester, Ihnen und allen
den Ihrigen geht; die innigste Theilnahme und das aufrichtig-
ste Bestreben, wenn auch nicht sogleich jetzt, doch einst in
der Zukunft meiner Schwester und ihren Kindern eine
unterstützende Hand zu reichen soll der Dank für
die Erfüllung meines Wunsches für Ihren l. Brief seyn.
Dem was ich meiner Schwester von mir schrieb, kann ich
Ihnen He. Schwager wenig mehr hinzufügen. - Ich habe
meine Stelle niedergelegt weil der Mensch doch eine
so unbestimmte Lage müde und überdrüßig wird, sie
mag auch sonst noch so viel Gutes und Empfehlendes
haben, sie mag uns ein Leben geben wie uns unser /
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künftiges eignes Hauswesen nie mehr giebt, der Mensch
wenn er in die Jahre des Mannes kommt sehnt sich doch
nach seinem eignen Heerd [sc.: Herd], nach einem Verhältniße wo
er doch auch als freyer und selbstständiger Mann da-
steht.- Gründe die ich theilweise in dem Briefe an
meine Schwester angedeutet habe, haben mich deßhalb
bestimmt meine Stelle nieder zu legen. In einigen Mo-
naten gehe ich nach Göttingen um meine Studien
fortzusetzen, damit ich einst mit gutem Gewißen
irrgend [sc.: irgend] einem Staate meine Dienste anbieten und
treu und umfassend die Pflichten eines übernomme-
nen Amtes erfüllen kann.
Können Sie mir He. Schwager vielleicht irgend einen Fingerzeig
geben wodu welcher dazu beytragen könnte mir
meine Existenz in Göttingen zu erleichtern, so werde
ich es mit den größten Danke annehmen. - Der
Hauptgegenstand meines Studiums ist Mathematik
und Naturwissenschaften. -
Jetzt bitte ich Sie l. He. Schwager beyliegenden Brief
gütigst bald in einen Brief von Ihnen an Ihren He. Bruder in Züllichau einzu-
schließen. Er erhä enthält
noch einen Brief an He. Marsch, welchen ich bey seiner
Durchreise durch Frankfurt 3 Carolins (zwischen 18 u. 20 <rtH.>)
vorgestreckt habe, und die er mir bis jetzt noch nicht
zurück gezahlt hat. - Ich bin so frey gewesen Ihren
He. Bruder Friedemann zu bitten mir zu der Bezahlung
behülflich zu seyn, da ich wirklich das Geld sehr nöthig
habe, und alles zusammennehmen muß um so-
viel zusammenzubringen, daß ich auf einige Zeit
mir meinen Aufenthalt in Göttingen sichern kann.
Ich hoffe daß Ihr He. Bruder, bey welchem Sie vielleicht
auch noch ein gutes Wort einlegen können, meine Bitte
wenn er kann, erfüllen wird. Sie bitte ich wenn /
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es die Umstände gerade erlauben, Ihren He. Bruder
bald meinen Brief zu senden. -
Jetzt einige Fragen die ich gerne beantwortet wissen
möchte: wie sieht es im Goth[a]ischen und in den andern
sächsischen Ländern z.B. auch Rudolstadt mit der Einführung
des Code Napoleon, der Conscription pp pp aus? -
Zu was hat Heinrich Lust und was will er einst Studiren?
Grüßen Sie alle Ihre Söhne und Töchter recht liebend
und freundschaftlich von mir ihren [sc.: ihrem] treuen Onkel, den
Heinrich, die Dorchen, die Auguste die Louise und den
Ernst meinen geliebten Pathen. Fragen Sie Heinrich,
ob er mich auch noch so lieb habe als ich Ihn habe, und
ob er sich seines Onkels Friedrich noch erinnre.
Leben Sie wohl lieber He. Schwager und bleiben
Sie mir gut.
      August Fröbel


Daß ich mich seit vielen Jahren nicht mehr Friedrich
sondern August unterschreibe habe ich Ihnen wohl
schon gesagt? -