Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Carl von Holzhausen in Frankfurt a. M. v. <nach 25.6./vor 5.7>.1811 (Osterode)


F. an Carl von Holzhausen in Frankfurt a. M. v. <nach 25.6./vor 5.7>.1811 (Osterode)
(BN 271, Bl 25-28, undat. Entwurf 3 ½ Bl 8° 6 ½ S. , ed. Hoffmann 1952,12-14. - Der Briefentwurf findet sich im Tagebuch 1811, gebunden 8°,Bl 25 Mitte-28V, die Datierung ergibt sich aus datierten Tagebuchnotizen vor bzw. nach dem Briefentwurf. Wahrscheinlich ist der Brief noch in Göttingen Ende Juni begonnen und in Osterode Anfang Juli beendet worden. Hoffmann datiert „Göttingen 1811“. Hoffmann gibt irrig als Archivort des Entwurfs BlM an.)

Lieber Carl

Gern hätte ich Dich am Tage Deiner Commu-
nion freundlich mit einem Briefe von mir begrüßt
aber ob mir dieses gleich nicht mögl[ich] war so
habe ich diesen Tag doch im Herzen mit
meiner ganzen innigsten Theilnahme ge-
feyert, und meine Wünsche stiegen mit
den Deinen u. denen Deiner l[ieben] Eltern ver-
eint zum Himmel. Dein Gemüth so wie
Dein Geist kann nur noch in der Ahndung
das Hohe jenes Tages fassen; danke Dir, [Hoffmann: denke Du]
das Andenken jenes von Gott Gesandten [zu] /
[25R]
feyern dessen der zur Besieglung seiner Menschen
beglückenden Lehre d Märtyrer Tod starb
daß [sc.: das] Andenken eines solchen Beglückers zu
feiern, dem a[uch] wir noch alle wahre Lehre Wahrheit verdanken
die auch alle glücklich macht ist ein unendl[icher] Gedanke
ich schweige, Du wirst an jenem Tag mehr
empfunden haben als ich hier aussprechen kann
Du wirst Dir sicher vorgesetzt haben
auch mit Selbstverleugnung das was gut
was wahr ist zu thun und außer Dir
darzustellen um dadurch wenigstens soviel
als jetzt möglich ist in unserm kleinen
Wirkungskreis an Gesinnung und Handlung dem
ähnl[ich] zu werden, der so gestrebt <[hat] ?> der Forderung Kind
Gottes zu seyn Genüge zu leisten; und sind nicht
auch wir Kinder Gottes? -
Wäre ich nicht so fest, so innigst überzeugt,
daß es für Euch sämmtl[ich] besonders aber für
Dich - wie ich meiner Individualität u
Kenntnissen nach bin - nöthig sehr nöthig, recht gut heil-
sam gut [war], daß ich so würde es mir /
[26]
noch mehr leid gethan haben als es mir
that [H: tut] mich von Dir haben trennen zu müßen
denn ich gestehe Dir es hat mir doch sehr leid
gethan; überlege es einmal selbst ob ich
gleich oft sehr hart u sehr streng gegen Dich
war, so hatte ich Dich doch sehr lieb was
Du auch wohl weißt und diese Härte u Strenge
hatte in der Hauptsache doch nicht[s] anderes
zum Grunde; doch da, wo Du mir schienst
nicht streng u scharf genug - wie ein Jüngl
Knabe es schon und ein Jüngl[ing] noch immer mehr
soll vor Augen die Würde u die Bestim[mun]g
des Menschen vor Augen zu haben doch
da wo Du mir schienst, zu <befolgest> noch
auf dem Pfade der Gewohnheit zu
wandeln, da schien es mir Pflicht, Dir dieß
auf die Weise die mir die fruchtbarste [schien]
zu seyn. Lieb innig lieb hatte ich Dich
doch immer davon habe ich recht oft
in mir, in meinem Innern <Beweise>
gehabt; ich bin ob ich gleich mit mir /
[26R]
selbst in Zweifel darüber war
ich bin mit mir selbst ins reine gekommen
daß ich nicht in mir gegen Dich einge-
nommen war, sondern daß es blos
die 2 Fehler an Dir waren die mich
zurückstoßen die ich hassen mußte
je mehr ich Dich liebte. Denn jene
Fehler glaub guter Karl waren
es ja, die Dich mir raubten; jenen
mußte ich also billig böse seyn /
[27]
mußte sie hassen.
Ich gebe es Dir gerne zu es ist
schwer zu entscheiden ob jemand mit
uns unserer Person (dann ist er es
größtentheils um seinetwillen) oder mit
<unsern> Fehlern unzufrieden ist (dann ist
er es aber auch sicher um unsert willen [)]. Ich
gestehe Dir daß ich glaube u selbst <?>
u empfinde ja aus eigner Erfahrung
an mir und von den Vermahnung[en] [H: Vormalen] der
besten Freunde an mich weiß ich gesteh
Dir also gerne daß dieser Unterschied <erhoffend doch entwickelnd aber> schwer
zu bemerken [ist] u daß die Grenzlinien
dazwischen schwer zu bestimmen sind
aber ebenso schwer ist auch das
<prüfende> [H: strafende] das die Fehler reizende
Betragen es trifft durch unsere
Unvollkommenheit leider oft die Person
wo es ist [sc.: unsre] Fehler treffen wollte /
[27R]
es kann daher besonders nach Dei-
nem Gefühle dieses letztere öfters
der Fall gewesen [sein] Dir geschienen haben
daß es der Fall war, ich darf u
kann Dir aber von aufrichtigem [Herzen]
sagen daß dieß meinem Gefühle
meinem Wollen meinem Zweck nach
gar nicht der Fall war; ich wollte [Einschub*-*]
Dich gut so gut so <in sich [einig]>, kurz so
wie ich glaube daß ein Jüngling <früher>
Knabe Deines Alters seyn kann
u soll. [*]und wie die Person die Fehler sich abstoßet
so ist es ja auch mit diesem Böse[-]seyn [*] Denke Dir nun Carl
so stand u stehe [ich] noch gegen Dich
in mir, da mußte es mir doch leid
thun Dich Deiner nun mehr selbst über[-]
lassen zurücklassen zu müssen. Doch
so leid.
Aber alle Dinge zum besten
Gebrauche benutzen also die Liebe <?> [bekräf- /
[28]
tige] Dich stark als Jüngl als einst
werdender Mann. Das Gute lebt in Dir,
zerbrich die Harte Rinde, in der es
verborgen liegt; fasse Muth, Du weißt
selbst daß der Grund in Dir Gut ist, deß-
halb warst Du so oft böse mit mir
mir [2x] wenn Du glaubtest <durch> mein
Betragen gegen Dich berechtigt zu seyn
glaubtest ich achte[te] den guten Grund in
Dir nicht, ich achtete ihn wohl, ihn [sc.: ich]
wußte ihn wohl so wie ich [ihn] jetzt
noch achte schätze u weiß aber
jener Grund ist Gottes Gabe ich
hätte gern gewünscht daß er
ins Leben d[urc]h Dich heraus getreten
wäre. Fasse Muth Eltern Lieb[e]
Mutter Liebe giebt Muth
<hoff> immer was Du <tust> wie <fühlst>
aber die <Achtung> immer <aus ihnen> [Text bricht ab]