Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Heyne> in <Göttingen> v. 31.7.1811 (Göttingen)


F. an <Heyne> in <Göttingen> v. 31.7.1811 (Göttingen)
(BN 2, Bl 46-47, dat. Entwurf 1B fol 2 S. ohne Adressatangabe, ed. H V, 345f.
Hoffmann sieht Prof. Heyne in Göttingen als möglichen Adressaten.)

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[Bogen Q]
Wohlgeborener Herr!!
Seit langen Jahren habe ich einige Ideen mit mir herumgetragen.
Vor einiger Zeit, da es meine zurückgezogene Einsamkeit ihnen er-
laubte, sind sie aus mir herausgetreten, und ich habe mir die Muße
genommen, sie niederzuschreiben. Ich habe keine eigentliche ge-
lehrte Schulkenntnis, denn ich war nie auf Schulen; was ich habe,
weiß, ist mit vieler Mühe gelegentlich erworben - auch nicht die
sogenannte Gelehrtentechnik, denn das erstemal, als ich wie man zu
sagen pflegt, auf der Universität war, wußte ich nicht recht be-
stimmt, was man auf derselben tut; das zweitemal, da bekenne ich
mich auch nicht recht zu einer Fakultät. Deshalb möchte ich nun gern
von jemand wissen, welchen Wert oder Unwert die von mir ge-
pflegten und jetzt herausgetretenen Ideen hätten. Es sind aber nur
ein paar Personen, von welchen ich glaube, daß sie mich, daß wir
uns verstehen. Unter diesen sind Sie die erste. Deshalb bin ich auch
zuerst hierher gekommen. - Ich hätte Ihnen gerne meine paar Pa-
piere zur Durchsicht geschickt, und ich fing auch einigemal an
etwas, wie man sagt, auszuarbeiten, da kam wieder Neues hinzu,
dort wurde wohl auch manches ausgestrichen, eingeschrieben, mit
Stecknadeln an- und zusammengesteckt, so daß ich fürchte, Sie
möchten ganz und gar nichts herausbringen ohne Wegweiser. Wei-
ter will ich auch Ihnen nichts sein, wenn ich Sie bitte, diesen Abend
auf eine Tasse Tee zu mir zu kommen, um, wenn Sie dann noch Lust
finden, Ihnen einiges zur Durchsicht zu geben. An meiner Person
liegt eigentlich gar nichts. Es wäre auch am besten, Sie sähen mich
nicht, so würden Sie durch das Störende, vielleicht Ungeistige mei-
ner Person und meines Wesens, das so ziemlich alltäglichen Schlags
ist, nicht in der/
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[Bogen R] Auffassung und Erkennung des Geistes gestört.
Dies wollte ich auch
nicht und ich habe allerhand Pläne gemacht, aber es trieb mich im-
mer fort und fort, bis ich dann das kürzeste wählte. Wenn ich Ihnen
etwas geben sollte, was Sie vielleicht für zu alltäglich, schon zu be-
kannt finden sollten, so bitte ich Sie um unseres gemeinschaftlichen
Strebens willen, lassen Sie sich von dem ferneren Prüfen nicht ab-
halten. In allem liegt nur eine einzige Idee - wie mir als Laien und
unbekannt[em Menschen] dünkt - umfassende Idee, und so etwas
läßt sich nicht vor einem andern mit einem Wort aussprechen. Be-
sonders tritt sie nicht immer gleich rein, gleich charakteristisch und
bezeichnend heraus. Lassen Sie sich durch die Sprache in den Zet-
teln auch nicht zurückstoßen, es ist nicht meine, sondern des ewigen
Geistes Sprache. Ich genüge mich gern, wenn Sie am Ende Ihrer Prü-
fung zu mir sagen, Sie haben teils Wahn, teils alltägliche, dem Ein-
geweihten schon längst bekannte und schon wieder vergessene
Sachen aufgestellt. Nur möchte ich die Überzeugung in Ihrer Prü-
fung haben. Dann gehe ich hier fort, und erfülle [. ..?] die Forderung
meines Namens, den mir mein Inneres gab, weiter.
Richten Sie sich so ein, daß Sie mir ein Stündchen schenken und
hier bleiben können, vielleicht ... bleiben auch wir noch länger bei-
einander. Sagen Sie dem Boten nichts als Ja oder Nein! und bestim-
men Sie die Stunde, ganz gleich welche, vielleicht nach 6, vielleicht
später, wenn Sie kommen wollen.
Mit Hochachtung und Ruhe erwarte ich Sie.
Manthanoh
Ich logiere im Steiger (Nr. ...) zu. ..
Geschlossen den 31. Juli, nachts ¼ auf 12.