Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Sophie von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 26.12.1811 oder etwas später (Göttingen)


F. an Sophie von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 26.12.1811 oder etwas später (Göttingen)
(BN 494, Bl 76, undat. Entwurf ¾ Bl 4° 1 ¼ S., ed. Hoffmann 1952, 23f.)

Liebe Sophie,

Da ich fühle daß es Unrecht wäre an alle Deine Geschwester [sc.: Geschwister] zu schreiben
und nicht wenigstens ein paar Zeilen an Dich bey zu legen, so sollest Du doch auch
ein kleines Briefchen von mir erhalten ob ich Dir gleich nichts was Dir Freude /
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machen würde zu schreiben [weiß,] so häufig ich auch durch meine klein[en] Cousin[-]en
Dorch[en] Emilie Albertine u. Emilie an Dich erinnert werde. Du stehst in Hinsicht
Deines Alters zwischen Ihnen in der Mitte. In wenigen Tagen [(]Neujahr[)] werde ich die
letztern wieder besuchen und ich hoffe es würde mir lieb seyn wenn
Du mich zu ihnen begleiten könntest sie haben auch jede eine Gespielin wie Du an der Nanne ich hof[f]te es sollte Dir die Zeit nicht <lang> bey ihnen werden.
Sie haben zwar
auch wie Du ihr[e] bestimmten arbeitsUnterrichtsstunden in Sprache usw. allein in ihren Freystunden fändest Du sie
sehr thätig an der Garderobbe ihrer Puppen arbeiten. Sie haben einen Schneider
der Ihnen [sc.: ihnen] die Kleider zu schneidet und dann machen sie <selber> sich daß ubig [sc.: Übrige], theils schneid[et] die Älteste sie sich dieselben auch wohl selbst zu.- Dorchen
die vielleicht ein Jahr
älter ist als Du aber ebenfalls ein sehr gutes Mädchen und mir sehr lieb, hat <auf> dem Lande wie Du hat ein[e] andere lieblingsBeschäftigung sie zeichnet gerne, hat aber
keinen so guten Unterricht u. Lehrer wie Du nur zu Zeiten kann ihr ihr <H[err]> [Hoffmann: ihr] Vater mein
Bruder <einigen> [Hoffmann: einen] Unterricht geben, sie zeichnet daher jetzt auch noch kunstlos was ihr
vorkommt u. einfällt Häußer Bäum[e] Blumen, doch hoffe ich wenn sie fleißig ist daß sie doch auch
Fortschritte machen soll, letztl. überschickte Sie [sc.: sie] mir ein[e] solche
Zeichnung die mir viele Freude machte,- so wie mir Emilie die ich für sehr fleißig halte
ein[en] andern Beweiß ihrer Thätigkeit, du siehst hieraus meine gute Sophie daß
ich oft Gelegenheit habe an Dich erinnert zu werden, und ich freue mich sehr dar[-]
über, denn ich habe Dich lieb und wünsche Dich nicht zu vergessen.
Vergiß auch Du mich nicht u. behalte mich in gütigem Andenken. Grüße
Nanne u. sage ihr daß ihr lieber Onkel Karl der diesen Abend mit mir
spazieren gegangen wäre sich ihrer bestens <recht> freudig erinnert hätte, er
freue sich sehr darauf sie nächste Ostern wieder zu sehen
Sie sollte nur recht viel Mineralien (u. Steine) sammeln er würde sie ihr alle
kennen lehren [Hoffmann: lernen] denn er habe eine große Kenntniß.
Lebe recht
wohl. Schreibe mir bald mit einigen Zeilen was Du thust.-
Dein aufrichtiger Freund
A. Fröbel