Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karl Popo Fröbel in Rudolstadt v. <Ende (nach dem 27.10.)> 1811 (Göttingen)


F. an Karl Popo Fröbel in Rudolstadt v. <Ende (nach dem 27.10.)> 1811 (Göttingen)
(BN 440, Bl 1, undat. Entwurf 1 Bl 4° 1 ½ S. )

Theurer Bruder;

Gern hätte ich Dir schon früher geschrieben aber gleich nach meiner Ankunft f[in]gen
die Colleg[ien] an[.] Da <mich> diese sehr beschäftigen so verschob es sich bis zu den
Fehryen [sc.: Ferien]. Zuerst meinen brüderl. Dank für die baldige Mittheil[un]g Deiner der
Niederkunft Deiner Frau ich hoffe daß jede Spur von Schwäche so wohl bey
dieser als bey deine[m] liebe[n] Kinde längst geschwunden seyn mag daß Du
gesunder starker Mann es überwunden hast bin ich fest überzeugt. Ich kann
mit Dir Deine Väterl. Sorgen die Sorgen als liebender Gatte empfinden und wie
sie erschöpfend auf Dich einwirken mußten empfinden doch die Vaterfreuden das Bewußt-
seyn ein beglückender Gatte u. Vater zu seyn o sie stärken aber auch u. geben
Gesundheit im doppelten Maße.- Dein Brief scheint auf eine vielleicht
frühere Äußerung zu deuten wo ich den Hauptstrom das Wechselnde versuche[n]de Leben
als Lebensschule hinstellte.- Allein mein Kreis ist jetzt unendl. klein
er umschließt we[n]ig u doch ist er reich an Erfahrung reich an <Bildung[s]mitteln / Bildungsstreben>
ein Mensch der die ersten nicht unbenutzt verströmen läßt u nach den zweyten strebt
findet sie in jedem Kreis gerade in dem Maße als der Kreis sie erfordert
werden. Denn es kommt bey der Bildung nicht auf den Gegenst[an]d an den wir
als Bildungsmittel benutzen u. es möchte wohl keinen außer <demsel.>
Leben kein absolutes BildungsMittel geben. (u es fragt sich ob dieses es ist
für den der es nicht dazu benutzt nur findet sich in diesem Leben die größte Auf[-]
forderung dazu es dazu zu benutzen, daß ich mir erlaubte dieses zu
erwähnen hat seinen Gr[un]d darinn [sc.: darin] Dir zu zeigen daß ich mich gern bescheide
meine frühern Ansichten als jedem Verhältniße seine Rechte seine Vorzüge seine
Allgemeinh[ei]t einzuräumen. - Auch die Verschiedenh[ei]t der Me[inun]g hierüber sey
beygelegt.-
Von Herzen u. mit Innigkeit danke ich Dir nun noch für Deinen u Deine[r]
l. Frau brüderl. Herzl. Empfang u Abschied, er hat uns sämtl. <unnennbar>
wohlgethan, wir waren gerührt u. Christi[a]n, der Dir sicher schon darüber /
[1R]
geschrieben haben wird prieß sich glückl. jenen Tag verlebt zu haben.
Sicher hat er durch Dein u. der guten Mutter Liebe ein festes Band inn[i]ger
Bruderliebe um uns geschlossen; Bleibend werden wir Dir so wie besonders
der Mutter dafür danken.
Weg[en] <Deinem Dir en[t]l[iehenem] Manusc[ript] melde ich Dir daß es He. Haf<ner - Enssoy> zurück
gegeben hat, es ist eine <asc>etische Sam[m]l[un]g von Manuscr[ipten] <u> <Abha[n]dl[ungen]> über Buß<handl[un]gen>
Ehe Gelüpte [sc.: Ehegelübte] von nicht besonderm Werthe. Es befindet sich in den Händen [von]
He. <Frank:> <der> auch <dem> He. <Enssoy> seine vollst: Mei[nun]g darüber gesagt
hat; da sich keine Geleg[en]h[ei]t finden will es Dir zu senden <u> da es <Dir> mit
der P[o]st zu theuer kommen möchte so will es He. Fr. bis O-- [sc.: Ostern?] hier beh[a]lten
u. es alsdann selbst mitbringen.
[Text bricht ab]