Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 5.4.1812 (Osterode)


F. an Christoph Fröbel in Griesheim v. 5.4.1812 (Osterode)
(KN 14,12, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S.)

Osterode am 5ten April 1812


Mein treuer lieber Bruder;

da schon alles um [mich] herum sich zu einer kleinen Reise zu der
Schwägerin nach Salz der Helden sich fertig macht, so will
ich nur mit ein paar Worten, die den brüderlichen herz-
lichsten Antheil an der, wenn auch sehr geringen Lage Ver-
besserung Deiner Lage versichern, ich freue mich aufrichtig
ob ich gleich nicht bestimmen kann ob nicht eine gänzliche
Ortveränderung für Dich noch vortheilhafter gewesen wäre.
Doch da wer mag dieß bestimmen ich freue mich des Ge-
schehenen.
Aus dem Briefe an den Bruder wirst Du meinen Plan
und Absicht bey meinen jetzigen Studien sehen und ich habe
dem dort Gesagten nichts mehr hinzuzufügen. Nur habe ich
Dir in Deinem Verhältniße darüber noch dieß zu sagen. Da ich
jetzt mein Netz überall auswerfen muß so erinnert mich Dei-
ne Bekanntschaft an einen Gedanken den ich schon früher ein-
mal hatte. Es könnte der Fall eintreten, daß Du vielleicht
bald einmal Deinen Freund Maurer in Saalfeld, oder den
Bergrath Hoist, der irre ich nicht vor schon vor 10 Jahren eine
Probearbeit von mir sahe die ich für den ReichsAnzeiger machte
und mit welcher er zufrieden war; bey diesen beyden Männer[n]
könntest Du gesprächsweise untersuchen ob nicht vielleicht
beym Bergwesen, oder eigentlich beym Hüttenwesen als
Bergprobirer etwas für mich zu thun wäre. Meine
Kenntnisse würden mir einige Ansprüche auf eine solche
Stelle geben, und wenn ich hier ein fixes Brot vor Augen
sähe so könnte ich noch ein Collegium: Metallurgie
später hören.- Ich hoffe von dir nicht, daß Du in diesem
Gedanken einen Widerspruch mit dem finden wirst
was ich dem Bruder Traugott schrieb, vielmehr wirst
Du wenn Du meine Studien ihren [sc.: ihrem] Wesen nach ins Auge
faßt finden, daß ich sie mich recht gut geschickt machen
auch in einer solchen Lage wirksam zu seyn.- /
[1R]
Ich muß bey der Ungewißheit meiner Zukunft, <suchen>, mir
eine mehrseitige Nutzbarkeit und Nützlichkeit zu geben,
welches ich dadurch zu bewirken strebe, daß ich mir
Studien erwählte welche jetzt schon und in Zukunft
immer mehr mir den größtmöglichsten praktischen
Nutzen zeigen; um meine Existenz zu sichern, muß
ich sie an das Bedürfniß ketten dieses allmächtig
Wirkende, und dieses ist wie Du jetzt leicht sehen
wirst mein einziges Streben.- Der Dir jedoch mit-
getheilte Gedanke ist blos eine Nebenidee auf welche
ich keinesweges rechne, sondern mein Hauptstreben
ist immer dahin gerichtet mich zum Lehrer auszubilden
und hier ist mein Auge unverwandt vors Erste
auf Berlin u. Preusen gerichtet.-
Bis ich meinen Zweck erreicht habe, werde ich
nicht viel von meinem Schicksale Dir mitzutheilen
haben.
Dich und die Deinigen grüße ich nebst Bruder
Christian u den seynen brüderlich und herzlich.-
Lebe recht wohl ich bin unveränderlich
Dein
Dich treu liebender rechtschaffe-
        ner Bruder
     August Fröbel

An den Bruder Christoph Froebel
        in
Griesheim.