Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline v. Holzhausen in Frankfurt am Main v. 17.8./18.8.1812 (Göttingen)


F. an Caroline v. Holzhausen in Frankfurt am Main v. 17.8./18.8.1812 (Göttingen)
(BN 492, Bl 11-16, 22-23, dat. Reinschriftfragment 2 ¾ B 8° 10 ½ S.+ ¾ B 8° 3 S., erw. bei H V, 54 [als eigener Brief] u. 399 [als Anfang zum Brief v. 21.8.]) Bl 22-23 ist tw. Entwurf zu Bl 15)

Am 17 August 12.
Durch das Leben im Äußern was ich seit Monden führen mußte,
ist mein Geist so in sich selbst in die innerste Tiefe zurück ge-
kehrt, daß ich mich jetzt, da ich gerne zu Ihnen sprechen möchte
kaum aus mich selbst heraus finden kann; es ist die Er-
scheinung eines verschütteten Quells eines gedämmten
Strohmes, die beyde endlich das Hinderniß ihres Laufes durch-
brechen und nun in den mannichfachsten nicht zu bestimm-
baren auf das Unendlichste in einander verschlungen nicht
zu entwirren erscheinenden Gestalten hervorströmen
und ohngeachtet dieser unendlichen Mannichfaltigekit, ohnge-
achtet dieses ohne alle Regel ohne alles Gesetz erscheinenden
Gewirres; welches nur in den vergänglichsten Zufälligkeiten
seinen Grund zu haben scheint, ohngeachtet aller nur vom
Augenblick gebornen und vom Augenblick vernichteten äußern
Erscheinungen die uns dieses da Bild vor Augen setzt
so ist doch nur Ein Gesetz was es bedingt, nur Ein Stre-
ben, wovon es abhängt: Es ist das Gesetz zur Einheit
zurück zu kehren, es ist das Streben nach der Tiefe
nach dem Centrum von dem alle Kraft ausgeht und
nach dem Streben jener Mittelpunkt selbst zu seyn ihn
aus und in sich selbst darzustellen. Nehmen sie mit einem
male alle Hindernisse hinweg und der Quell der
Strohm stürtzt sich in die Tiefe, und lassen Sie ihn
ihr Auge verfolgen bis dahin wo kein Hinderniß mehr
ist, er hat sich selbst gefunden von allen Seiten
strahlt Sie seine innere Ruhe seine Einheit an - so
unser Geist in den irdischen Erscheinungen seines Strebens
für ein äußeres Betrachten: Regel- und Gesetzlosigkeit /
[11R]
und Zufall, dennoch im Innern nur ein Gesetz: das der
Einheit, nur ein Streben: diese Einheit seines Wesens un-
beschränkt zu erringen und sich derselben und so seines
ganzen Wesens in höchster Klarheit bewußt zu wer-
den.-
Möchten denn auch die äußern Erscheinungen welche mein
Leben und mein Geist seit Monden und jetzt mir vor
Augen stellt, von demselben innern Gesetz von demselben
Streben abhängig seyn!-

Am 18ten August: daß es, wenn der Geist des Menschen ein-
mal eine bestimmte, selbstständige, eigene, individuelle Richtung
und zur Verfolgung dieser Richtung ein bestimmtes Maß
der Kraft erhalten hat, daß es dann wo der Geist mit aller seiner Kraft, die
unerläßliche Forderung macht selbstständig schaffend und
bildend aus sich heraus zu treten, daß es als dann
ein kühner Vorsatz ist, sich etwas von außen nach
fremden Gesetzen Gegebenes als ein Fremdes und als ein Gegebenes anzueigen zumal weil
uns die Zeit
mangelt dieses Gegebene selbstständig und individu-
alisirt aus sich selbst selbstthätig im vollem Leben
nach eigenem Gesetz nachzuschaffen, daß dieses sage
ich ein kühner wahrhaft gewagter Vorsatz ist, dieß habe ich
in den letzten Monden und besonders seit der Zeit daß
ich mir das Vergnügen machte Ihnen das letztere
mal zu schreiben tief und drückend empfinden kühn
und gewagt sage, ich ist dieser Vorsatz, denn auf
Zeiten muß man die eigene individuelle Richtung
des Geistes in sich zurückdrängen und sie gleichsam
vernichten und hier ist nur noch ein kleiner sehr kleiner /
[12]
Schritt zu thun übrig daß man sie selbst ganz verliehrt
der Vorsatz ist leicht gefaßt und scheinbar gar nicht
widernatürlich: sich einstweilen irgend etwas Gegebenes
gleichsam im Vorrath auf eine künftige günstigere
Zeit zur Benutzung anzueignen in sich niederzulegen
aber die Ausführung dieses Vorsatzes droht Verlust aller
Individualität und aller Stärke der eigenen Geistes-
thätigkeit, denn - (ich setze hier natürlich voraus daß
das von Außen Gegebene der Richtung des Geistes ent-
sprechend ist-) denn im [sc.: in] jedem Moment wo etwas
dem Geiste von Außen gegeben wird, so geschieht an
ihm die Aufforderung es zu individualisiren und so
individualirt nicht von außen anzueigen oder besser
richtiger und wahrer: in dem Moment wo denn [sc.: dem]
Geiste irgend etwas ihm und der Richtung seiner
Thätigkeit entsprechendes vorgeführt wird vorbey
geführt wird geschieht an ihn die Aufforderung
dieses Vorbey geführte mit allen Eigenthümlichkeiten
der Individualität aus sich selbst hervorzuschaffen
(:Und in dieser Aufforderung liegt eigentlich der Charak-
ter und das Wesen des Entsprechenden, des Ansprech-
enden:) denken Sie sich nun recht lebhaft diesen
Moment und Sie werden empfinden daß nichts na-
türlicher ist als daß der Geist strebt diese Auffor-
derung zu erfüllen, daß er strebt sie um so augen-
blicklicher sie in so größern Umfange zu erfüllen
als er sich kraftvoll fühlt, aber schon die Aufmerk-
samkeit auf das im nächsten Momente gegeben wer-
dende erlaubt nicht dieser Aufforderung zu folgen, <doch> /
[12R]
doch dieses läßt sich noch leicht ertragen der Geist tri[tt]
zurück, aber kaum ist [er] in sich beruhigt so erfolgt eine
2.te und eine 3.te Aufforderung, also also Reiz auf
Reiz - Überreiz, die Folge muß Abstumpfung seyn
doch alles dieses läßt sich noch leicht ertragen in
sofern der Reiz gleichartig ist, es entsteht keine
mehrseitige Abstumpfung und in sofern enthält
der Geist noch immer Kraft genug der auch diese
Menge der Eindrücke zu sich entgegen zustämmen sie
noch mit einer gewissen Selbstthätigkeit in sich auf-
zunehmen. Aber bald darauf wird ein zweytes für
dem ersteren Fremdartiges gegeben; auch dieses forder[t]
wieder dem [sc.: den] Geist in so fern es der Richtung seiner
Thätigkeit entspricht auf: das Vorgeführte selbstthätig
und selbstständig aus sich selbst individuell darzu-
stellen Soll dieser neuen Aufforderung Genüge ge-
schehen was ganz unerläßlich ist, so muß die früher
aufgeregte Geistesthätigkeit ganz zur Ruhe gebracht
und in sich selbst zurück gedrängt werden, dieses
kann aber schlechterdings nicht anders als mit großem
Kraftaufwand geschehen, die Geisteskraft
wird so mit in zweyfache sich schlechterdings wi-
dersprechende und folglich sich gegenseitig vernich-
tende und aufhebende Thätigkeit versetzt, nämlich
aufgefordert zu Thätigkeit und zugleich wieder aufge-
fordert der Geiststhätigkeit entgegen zu wirken
Denken Sie sich nun, daß auch diese Aufforderung
sich wiederholt, so tritt von zweyfacher Seite
Überreiz und so mit Stumpfsinnigkeit ein. /
[13]
Je heftiger und ernster vorher die Aufforderung an
den Geist zur Selbstthätigkeit war, desto größer und
anhaltender ist nun die Abspannung die Dumpfsinnig-
keit desselben und destomehr bedarf er Zeit um wieder
thätig aus sich selbst herauszutreten. Gesetzt nun auch
daß gegen das Ende des einen Tages diese freye Thätig-
keit wieder eintritt<;> so erfolgt dem nächsten Tag
jener Überreiz wieder und es kann schlechterdings
nicht anders seyn, als daß nach Verlauf mehrerer
so verlebter Tage ein gewaltiger Druck auf dem Gei-
ste ruhen und daß dieser Druck mehrere monden-
lang anhalten muß.
Das Drückende eines solchen geistigen Lebens, welches nachzuem-
pfinden Ihnen schwerlich möglich seyn wird, habe ich seit
einer Reihe vieler Wochen tief empfunden, auch läßt
sich ich kann wohl sagen das angstvolle einer solchen
Lage schwer beschreiben, denn der Verstand sieht klar
die Nothwendigkeit einer Selbthätigkeit wird zu der-
selben auch aufgefordert und kann sie doch schlechter-
dings nicht erfüllen.
Am Abend. Daß ich mir erlaube Ihnen diese Bemerkungen
die eigentlich in dieser Form nur ein individuelles Sub-
jectives
Interesse haben mitzutheilen, dieß hat seinem
Grund in dem Wunsche Ihnen den Schlüssel zu der Zer-
stücktheit zu geben, in welcher ich Ihnen in dem Ihnen
zu verschiedenen Zeiten Ausgesprochnem, erscheinen
muß. /
[13R]
Die Erscheinung dieser Zerstücktheit und das Erkennen der
Grund desselben, hat mich nun für den festen Vorsatz bestimmt
mich nie in dem Maße wieder einem von außen Gegeben-
werden hinzugeben, sondern vielmehr ganz die Forderung
meiner Individualität zu hören, und und mich ganz
selbstständig und selbstthätig aus mich selbst heraus
zu bilden, einzig den inneren Quell alles wahren Erken-
nens zu pflegen, und ihn selbst wahr in sich seyend zu einem
treuen Spiegel der Wahrheit auszubilden. Dieser Vor-
satz bestimmt im Allgemeinen meinen Plan für die Zu-
kunft, bestimmt mich: wie in der Natur alles zugleich in
dem es bildet, schafft, darstellt, sich ausbildet, so diesem
großen Gesetz der Natur, dessen absolute Nothwen-
digkeit in ihm selbst begründet ist, und also schlecht-
hin abs selbst absolut ist, mit Bewußtseyn und
Freyheit huldigend, auch mich, den ewigen Zweck die
Bestimmung des Menschen vor Augen habend, durch
Darstellung durch Produzirung auszubilden.-
Diesen Plan kann ich aber zunächst blos da erreichen
blos da ausführen: wo in den Forderungen in den
Bedürfnissen der Geistesthätigkeit anderer eine
sehr große Mannichfaltigkeit herrscht, oder eigentl[ich]
wo ein Bedürfniß der Geistesthätigkeit anderer
wirklich statt findet, und dieses Bedürfniß durch
Umtausch befriedigt
und wo man im Stande ist
gegen, für die Befriedigung dieses Bedürfnisses
etwas anderes hinzugeben was wieder dem
sich ausbildenden als Medium der Ausbildung /
[14]
Bedürfniß ist, so z B mir, denn ob gleich mein fester
Vorsatz ist mich nie einem von außen Gegebenwer-
den hinzugeben so schließt doch dieß keines weges
aus, mir alles was gegenwärtig das Menschen-
geschlecht an Bildungsmedien besitzt, nun selbst-
thätig nach den Forderungen meiner Ausbildung
aus diesem Gesammtvorrathe anzueignen. Diese
hier angedeuteten Betrachtungen nun bestimmen auch
für meinen nächsten Aufenthalts- und WirkungsOrt
B[erlin] - zu wählen als einen Ort der außer dem
verschiedenartigsten Bildungsbedürfnisse zugleich einen
großen Fond von Bildung in sich vereint.-
Die fernere Bedingung einer auf diesem Weg zu
erreichenden Ausbildung, (was übrigens schon aus dem
vorigen hervorgeht) ist: ein fester Punkt, ein Haltungs[-]
Punkt an dem sich das äußere Wirken anknüpfe
und von dem es aus- und fortgehe[.]
Dieß ist es was mich in der letzteren Zeit sehr be-
schäftigte, und ein Gedanke der in mir aufleuchtete
ist die Ursache daß ich mich dieser persönlichen
Mittheilungen erlauben und daß ich von Ihrer
freundschaftlichen Güte sicher Verzeihung derselben
hoffe.
Ich gestehe gerne, daß ich keinesweges zweifle, daß
ich in dem P[reußi]schen einen solchen festen Punkt des
Wirkens erhalten werde, ja daß ich hoffe ihn zu
erhalten, aber ich gestehe auch eben so frey, daß,
so sehr ich dem p[reußi]schen Staat, dessen Regierungen /
[14R]
und das was dort in demselben für Bildung geschieht
schätze und liebe, daß ich dennoch unter einem mehr
südlichen Himmel in Zukunft wirken möchte Längst
den Gedanken an die mögliche Ausführung dieses
Wunsches für die nächste Zukunft aufgegeben habend, fiel mein Blick
auf Franken, ein Land
indem ich sehr glückliche Jahre verlebte und da leuchtete
in mir ein Gedanke auf, den ich so frey unberücksich-
tigt zu lassen ich nicht ein Recht zu haben schien, und
den ich niemanden als Ihnen zur dessen theilnehmenden Prüf-
ung dessen Gehaltes mittheilen konnte - fest bin ich
von Ihrer Denkweise überzeugt, daß Sie diese Mittheilung
nicht mißdeuten werden, daß Sie in ihr keines
weges eine innere Ungewißheit ein Schwanken in
mir, ein Greifen nach Außen für den F[o]rd[e]r[n]den, dieses
alles ist wie Sie sich gewiß überzeugen werden und
wie Ihnen die fernere Mittheilung noch mehr zeigen
wird keinesweges der Fall, sondern der Zweck
dieser Mittheilung ist einzig Prüfung des Gehaltes
und der Ausführbarkeit eines Gedankens,
welche Prüfung ja des Mannes erste Pflicht ist
und daß ich Sie bitte dazu beyzutragen mir diese
Prüfung möglich zu machen dieß glaube ich nicht
daß sie mir übel deuten werden.-
Zuerst wird es nöthig seyn daß ich Ihnen die Wahl
meines äußern Wirkens aussprechen, und dessen
Grund und dessen Zusammenhang mit meinem geistigen
Streben andeute und so die innere Einheit meines Ge- /
[15]
sammthandelns zeige:
daß es die Grundidee alles meines Strebens die Einheit in der
Mannichfaltigkeit und Allfaltigkeit des Alls (:letztere als von
uns erkannt, ist denn freylich auch wieder nichts anders als
ein Viel- und Mehrfaltiges:) und die Gleichgesetzigkeit im All
und somit auch in der physischen und psichischen Welt ist und
daß es der Zweck alles meines Strebens jene Einheit und
diese Gleichgesetzigkeit<,> in der Natur nachzuweisen, daß
habe ich schon in früheren Mittheilungen angedeutet. Jene
Einheit aber spricht sich nun am einfachsten, und für die
äußere Anschauung am deutlichsten in der unorganisir-
ten Natur aus, hierinne liegt der Grund meines Stu-
diums derselben, um aus ihr zunächst, für eine äuße-
re Anschauung auch, jene Einheit zu beurkunden und dar-
zustellen; und so liegt auch hierinne, verbunden mit
dem, was ich früher über den Gang einer naturgetreu-
en Ausbildung zur Vollkommenheit andeutete, der Grund
meines Wunsches Gelegenheit zu erhalten zunächst
Mineralogie und Chemie (Physik) und später Geogra-
fie zu lehren. Hier dachte ich an Franken und erinnerte
mich, daß Ihr H Schwager der H Dr Nees in <genau>-
er Verbindung mit dem H Prof Dollinger in Würz-
burg steht, und so bildete sich der Gedanke weiter aus
daß es durch Ihre Güte zunächst, vielleicht möglich
wäre sich zu unterrichten, ob sich in Franken z B
in Bamberg oder sonst, zu einem solchen Wirken
Gelegenheit darbiethen könnte.- Zugleich mit diesem
Gedanken erschien ein zweyter, welcher sich an Aschaffen-
burg knüpfte, indem es mir schien, daß sich auch dort /
[15R]
Gelegenheit zu einem solchen Wirken finden könne.
Und da - wenn ich mich nicht irre früher gehört zu haben,
daß auch Sie mit Aschaffenburg in Verbindung stehen
- es Ihnen dann vielleicht durch Ihre Güte auch möglich
wäre, sich von der Möglichkeit eines solchen Wirkens
zu unterrichten, so entschloß ich mich, Ihrer gütigen
Verzeihung gewiß überzeugt, auch diesen Gedan-
ken Ihnen mitzutheilen, und Sie daher zunächst zu
bitten: bey einem gelegentlichen Brief an Ihren
H. Schwager den H. Dr Nees, sich meines anfragen-
den Wunsches um Belehrung wegen der Möglichkeit
eines solchen Wirkens in Franken gütigst zu er-
innern, und mich dann auch durch Ihre Verbindungen
in Aschaffenburg, über die Möglichkeit eines solchen
Wirkens daselbst gütigst zu belehren[.]
Noch muß ich jedoch dieser Bitte folgende Einschränkungen
hinzufügen einmal und zuerst daß ich mich recht gerne
und willig der Erfüllung derselben begebe, so
bald Sie nur irgend einen Grund finde[n] mir dieselbe
nicht zu erfüllen. Ich bitte Sie sehr dieses ganz fest
von mir überzeugt zu seyn, da ich die Forderungen und
Wirkungen aller Verhältnisse gewiß tief ehren
und ich gestehe Ihnen auch ganz aufrichtg, daß ich
ein weit größeres Bedenken noch getragen haben
würde meine Bitte Ihnen auszusprechen, wenn
sich mir irgend sonst ein Weg darbithe, mich über die-
sen Punkt zu belehren, allein ich bin so abgeschieden
von allen äußeren Verbindungen daß mir, außer
mir selbst nur noch die kleinste Zahl von Personen /
[16]
übrig bleiben an die ich mich bey der Verfolgung meines
Zweckes wenden könnte, und ich freue mich ich bin glück-
lich daß es so ist. [Text bricht ab]
[22]

[Entwurf zu Bl 15]

[Ge]sammthandelns zeige:
daß die Grundidee alles meines Strebens: die Einheit in
der Mannichfaltigkeit und Allfalltigkeit des Alls (:letztere
als von uns erkannt, ist dann freylich auch wieder nichts
anders als ein Viel- und Mehrfaltiges
ja dieses Vielfaltige ist g[an]z <zu> recht erkannt wieder ein Einfaltiges was aus der Grundidee folgt.:)
und die Gleichge-
setzigkeit im All und somit auch in der physischen und
psichischen Welt, ist, und daß der Zweck alles meines
Strebens ist jene Einheit und diese Gleichgesetzigkeit
in der Natur nachzuweisen, dieß habe ich Ihnen schon
in früheren Mittheilungen angedeutet. Jene Einheit
aber spricht sich nun am einfachsten, und für die äußere
Anschauung am anschaulichsten deutlichsten in der unorganisirten
Natur aus; hierinne liegt die Ursache meines jetzigen
ernsten Studiums der unorganisirten Natur, um
aus ihr zunächst, für eine äußere Anschauung
auch, jene Einheit zu beurkunden und darzustellen
und so liegt auch hierinne, verbunden mit dem was
ich früher über den Gang einer naturgetreuen
Ausbildung zur Vollkommenheit andeutete, der Grund,
daß ich wünschte Gelegenheit zu erhalten zunächst in der Mineralogie und
Chemie (Physik) und später in der Geognosie
Unterricht zu geben sie zu lehren zu können. Hier
dachte ich an Franken und da fiel mir ein daß Ihr
Herr Schwager in genauer Verbindung mit dem
Herrn Prof Döllinger in Würzburg steht, und
daß es so durch Ihre Güte zunächst vielleicht mög-
lich wäre sich zu belehren unterrichten ob sich in Franken z.B. 
[am Fuß der Seite, Zuordnung unklar:]
einen Ort zu kennen wo sich gleichsam ein Bedürfniß für Unterricht zur der
Kenntniß der unorganisirten Natur bestimmt ausspräche <um> so] /
[22R]
in Bamberg wo mir jetzt kein Lehrer dieser Wissenschaft bekannt ist nun der Herr Prof. Döllinger als
Mineralog abgegangen ist
zu einem solchen
Wirken Gelegenheit darbiethen und finden sollte.
Zugleich mit diesem Gedanken erschien ein zweyter
welcher sich an Aschaffenburg knüpfte, ich erinner-
te mich nämlich daß sich dort <      >
auch Gelegenheit zu einem solchen Wirken darbiethe.
Und da wenn ich mich nicht irre früher gehört
zu haben daß auch Sie mit Aschaffenburg in
Verbindung stehen, und da es Ihnen dann viel-
leicht auch durch Ihre Güte mögl. wäre sich von der Möglichkeit
eines solchen Wirkens zu unterrichten, so
faßte ich Muth entschloß ich mich gewiß Ihrer gütigen Verzeihung gewiß überzeugt auch diesen Gedanken ihnen mit
zu theilen und Sie also daher und Ihre freundschaftl.
Güte zunächst zu bitten bey einem gelegentl.
Brief an Ihren He. Schwager dem Dr. <Nees>
sich meines anfragenden Wunsches wegen
um Nachricht Belehrung wegen der Möglichkeit eines solchen
Wirkens in Franken zu erinnern, und mich
dann auch durch Ihre Verbindung in A- über die
Möglichkeit eines Wirkens zu einige Nachricht
zu verschaffen
zu belehren zu unterrichten. Erlauben Sie mir jedoch erst noch <schriftl.>
zu bemerken <o Freuden o. B.>
 
[am Seitenende 2 Texte mit unklarem Bezug, der erste mit Bleistift, der zweite mit Tinte:]
Wie der Mensch in seinem Streben einen festen
u. bestimmten innern Zweck hat, so soll er auch
ein[en] festen unerschütterl. äußerlichen haben
nur dann kommt vollkommene u. höchste Har-
monie in sein Handeln u. in die Schöpfungen seiner Thätig-
keit.
/:Auch bey der Menschen sind Ausbildung der Gotteskraft im Allge-
meinen sind konstante Verhältniße - Mineral - Pflanze - Thier - Mensch /

[Variante von 22V:]

[23]
[Ge]sammthandelns zeige:
daß die Grundidee alles meines Strebens ist: die Ein-
heit in der Mannichfaltigkeit und Allfalltigkeit
[-] insofern diese Worte nichts weiter sagen, als in der
höchsten Allgemeinheit die Totalität des Wesens alles von
uns bis jetzt im Raume erkannten [-]
des Alls
(:insofern als letzteres von uns auf unserer jetzigen
Stufe des Erkennens, blos als ein Vielfaltiges der Na-
tur erkannt wird, weil alles was uns als ein All-
falltiges erscheint, blos ein Mehr- und Vielfaltiges des
Alls ist:) daß dieß: die Einheit in der Mannichfaltigkeit und Viel-
faltigkeit für uns Allfaltigkeit des
Alls (zu zeigen)
darzuthun die Grundidee alles meines
Strebens ist
und diese absolute Einheit und die Gleichgesetzigkeit im All und
so mit auch die Gleichgesetzigkeit der physischen und psy-
chischen Welt darzuthun zu zeigen darzu legen, daß dieß
[daß dies] die Grund Idee und der End-Zweck alles meines Stre-
bens ist, dieß habe ich Ihnen sicher schon in einem frühern
Mittheilungen angedeutet.
(:die, letzter[es] als sich von uns erkannt ist dann freylich auch dann wieder nichts anders
als ein Viel[-] u Mehrfaltiges ja vom höchsten StandPunkt
unserer innern Erkenntniß aus blos als das was es ist als ein Einfaltiges: Mensch - Erde - Sonne
erkannt wird ist [Text bricht ab] /