Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline v. Holzhausen in Frankfurt am Main v. 9.12.1812 (Berlin)


F. an Caroline v. Holzhausen in Frankfurt am Main v. 9.12.1812 (Berlin)
(BN 492, Bl 24, dat. Entwurf 1 Bl 8° 1 S., tw. ed. H V, 59)

B .-- am 9. Decembr 12.
Welch eine Mannigfaltigkeit der Gefühle erfüllen [sc.: erfüllt] mein Inneres
wegen Deinem so langem, langem Schweigen! Worinne soll, worinne
kann ich die Gründe desselben finden?- Seit dem 25sten Juny
nicht ein mittheilendes Wort, eine lange Zeit düsterer Ent-
behrung!- Ich, nein ich will nicht klagen über das, was ich da-
durch verlohr! aber, soll ich denn gar nicht hören wie es -
ach, ich will es nicht aussprechen!- wie es Dir und den
Theuern geht?- Habe ich Dich durch irgend eine Äußerung
in meinem letzteren Briefe beleidigt?- Habe ich Dir durch
irgend etwas unbewußt wehe gethan?- O! Du forderste [sc.: fordertest]
mich ja früher mehrmals und nach unserer Trennung
noch schriftlich auf: wenn dieß je von Dir zu mir der
Fall seyn könnte, daß dann ich frey und offen zu Dir
reden sollte, willst Du nun anders gegen mich ver-

Krone das letzte oder Weise das kommende
<schwindende> B- an B.
Sie haben sich vielleicht bestimmt mir nie mehr zu schreiben, was darf ich auch
bey der Dunkelheit meines Lebens anders erwarten worauf was bey der bisherigen
Düsterheit meiner [*gestr.: Tage*] Schicksals anderes rechnen. Mein Leben ist <eindt. [sc.: eindeutig]>
in so vieler ja in jeder Hinsicht ein Leben der Resignation auf alles Erheben-
de - was bleibt mir noch zu sagen übrig.
Daß ich mir erlaube Ihnen s Nach einer gänzlichen Veränderung meines
Orts und Theilweise meiner Lage werden Sie es mir gewiß verzeihen daß ich Ihnen abermals schreibe um Ihnen wenigstens zu sagen daß ich
nun wirkl. in dem 2ten Orte mein B. angekommen bin und in ihn [sc.: ihm] für die nächsten Jahre
zu meinem [sc.: meinen] bleibenden Aufenthalts Orte gewählt gefunden habe, werden Sie natürl.
finden
Zur Fortschreitung in meiner wissenschaftl. Bildung lebe ich hier als
Studirender zur Sicherung meiner Subsistenz lebe bin ich als hier Lehrer
an der hiesigen (pestaloz[z]ischen) Erziehung[s-] u. Unterrichts Anstallt [sc.: Anstalt] eines He. Dr. Plamann.- (einer
pestaloz[z]ischen Normalanstalt) die jedoch
die in dieser Hinsicht auch besonders vom objt. eigentl. Privat Ansta Unternehmen [ist] dennoch aber mit dem mit dem [2x] Staate berücksicht[igt] wird in Verbindung steht. Die
verschiedenen Zweige der Naturgeschichte sind meine Lehrgegenstände. Bis In
diesem Augenblick gewährt mir dieser Wirkungskreis nur die Sicherung
meiner ersten Bedürfnisse von Ostern an aber wird, d[urc]h erweiterte Wirk-
samkeit meine Subsistenz g[an]z dad[urc]h gesichert werden.-
Als Student höre ich allgem. <Geogenie> u. Mineralogie mehr Mineralgeschichte nach Werner (nicht Anorganographie
des Hausmann, dann noch K[ri]stallogie u. K[ri]stallographie. So viel von mir
Chemie hatte ich bey Kl<a/o>proth angefangen m[u]ßte sie aber da ich zunächst für
meinen Unterhalt wirken m[u]ßte aufgeben in den die St meine Lehrstunden im [sc.:in] der An-
stalt gerade in die Stunden fiel[en], was sich nicht ändern ließ.
Weiß Geog allgem. Geogenie ist höchst u. Mineralgeschichte ist höchst interessant.
[am oberen Rand der Seite, auf dem Kopf geschrieben:]
Wenn Du etwas g[an]z vollständiges über den Magn theort.
Magnetismus lesen willst, so lasse Dir wenn auch nur zur
Durchsicht aus der Buch[h]andlung kommen: [Text bricht ab]