Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Caroline von Holzhausen> in Frankfurt am Main v. 26.3.1813 (Berlin)


F. an <Caroline von Holzhausen> in Frankfurt am Main v. 26.3.1813 (Berlin)
(BN 492, Bl 25-28, dat. Entwurf 1 B 8° 4 S., erw. H V, 60; lt. Hoffmann/H V unklar, ob Caroline v.H. oder Susanne von Heyden die Adressatin)

26 März 1813
Nun bleibt mir noch ein 2ter P[un]kt Ihres sehr
schätzbaren theilnehmenden Briefes zur Be-
antwortung übrig, es ist dieß die Frage:
über innern Beruf zu und für eine bestimmte Art äußerer
Handelns, äußerer
That.-- Zunächst ist hier zu bestimmen
worinne besteht diese bestimmte Art äußerer
That
was ist ihr Wesen und wodurch zeich-
net sie sich von [sc.: vor] jeder andern aus, und
da zeigt sich denn, durch ein Wirken
durch Ruhe, Muth, klarem Bewußt-
seyn seines Zweckes und der zur Erreichung
desselben führenden Mittel ruhige und
ausdauernde Anwendung dieser, und
so Kraft und Ausdauer zur Erreichung
jenes Zweckes, aber diese Ausdauer
diese Erreichung wird bedingt durch phy-
si[s]che Kraft, durch Gesundheit, durch
Stärke des Körpers und des Armes
durch Verleugnung und gänzliche Hinga-
be seiner selbst zur Erreichung jenes
Zweckes, durch größte Aufmerksam-
keit <nicht nur> auf Inneres (Stimmung pp) sondern
auch auf alles Äußere, in wie
ferne es in seiner Verein und Ver-
hältniß zu uns zur Erreichung jenes /
[25R]
Zweckes mitwirken und beytragen
könne - diese Produktivität
des Erkennenden bedingt d[urc]h Gesundh[ei]t
d[urc]h Stärke des Körpers und Armes
durch Aufmerken auf und Benutzen
alles Äußeren, dh gänzliche Hingabe
seines Selbst für einen Zweck der
blos scheinbar vielleicht außer
uns liegt, dieß ist die Art äußerer
Thatigkeit die sie meiner Natur von welcher zu bestimmen bestimmen [2x] ist wie
nicht angemessen finden oder nicht angemessen sie ist.
Da nun aber jede äußere That setzt wie
schon ausgesprochen wurde einen Zweck
voraus setzt so kann dieser Zweck <welcher> kein
anderer seyn kann, als die in dem Handelnden
lebende Idee, als das von dem Er-
kennende[n] Erkannte auch durch That
und Handlung darzustellen. Dieses
Erkannte diese Idee wird sich aber
als solche nur durch und in der
möglichsten Vielheitseitigkeit und
Allseitigkeit des Handelns, der
That vollkommen darstellen lassen.
Überdieß liegt selbst in dieser /
[26]
Vielheit und Allseitigkeit des Han-
delns, der That ein tieferes Er-
kennen des schon Erkannten, eine
vielseitigere Ausbildung der Idee
selbst bedingt, Ja diese Ausbildung
selbst gewinnt an Vollkommenheit
u. Vollendung, wenn über das Handeln
nach und in der Idee und den Erscheinungen
desselben stets nachgedacht wird
folglich muß der nach Vollendung Strebende
vielseitig handeln; er muß deßhalb
sich bemühen auch in seinem Handeln
so allseitig zu seyn, daß er jeder Art der
Aufforderung dazu Genüge leisten kann
Da ferner und so muß er auch sich im
Stande seyn sich das Bewußtseyn
verschaffen zu können nach in jener
bestimmten Art äußerer That handeln
wirken zu können.
Da ferner der Mensch seinem
Denken und Handeln nach Eins
seyn muß, so muß er ist er in seinem
Erkennen vielseitig, es auch vielseitig
in seinem Handeln seyn, er muß /
[26R]
seine Idee unter allen Formen darzu
stellen [sc.: darstellen] können, wovon uns viele
alte Philosophen Beyspiele geben
und so ist daher diese Art des Handeln
in einem solchen bedingt
äußerer That
einer Natur gemäß und d[urc]h dieselbe
bedingt, als diese Natur nach voll-
endeter nach allseitiger Ausbildung
und Erkennung der in ihr lebenden
Idee strebt, diese Art äußeres
Thuns ist also in so fern das Be-
dürfniß eines Gemüthes und auch in
seinem Streben bedingt als eben-
fal[l]s auch dieses Gemüth nach
dem möglichsten Umfang seiner Aus-
bildung strebt.
(Feigheit ist: irgend eine Seite seines
Wesens wenn das Leben gefährtet [sc.: gefährdet] ist nicht
Ausbildung [sc.: ausbilden] wollen, feige im höchsten Grade
ist seine in ihm lebende Idee um des physischen Lebens
willen aufgeben.-) [Text bricht ab]
[27VR, 28VR]
[leer]