Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Preußische Ministerium des Innern, Departement für Kultus u. öffentlichen Unterricht, in Berlin v. 4.4.1813 (Berlin)


F. an das Preußische Ministerium des Innern, Departement für Kultus u. öffentlichen Unterricht, in Berlin v. 4.4.1813 (Berlin)
(BN 710, Bl 1-3, jeweils rechte Spalte, dat. Entwurf 1 ½ B fol 6 S., enthält in den linken Spalten Teile des Entwurfs an S. v. Heyden v. Mitte/Ende Mai (14.5. oder etwas später) 1815; der Rest davon auf Bl 4, das auch Entwurf an eine weibliche Verwandte v. Friedrich Wilhelm III. König von Preußen v. Febr. 1814 enthält.)

Das hochpreißliche Departement
für den Cultus und öffentlichen Unterricht
wird gnädigst verzeihen,
daß ich, als ein Nichtunterthan des
königlich preußischen Staates, und als
einer der erst seit fünf Monaten in
demselben wirksam ist, wage, durch
Hochdasselbe demselben das was ich
bin und meine gesammte Thatkraft
zum Dienste unterthänigst anzubie-
ten.
Ich widmete mich zwar stets schon bisher, zunächst
dem naturhistorischen Studium im Allgemein[en], jedoch
in den letzten Jahren ausschließend dem
Studium der unorganisirten Natur
und hier zunächst und namentlich der
Mineralogie und Chemie. Zur Fort-
setzung und Erweiterung dieses Studi-
um[s] besuchte ich mit dem verflossenen
Semester auch die hiesige Universität.
Da mir aber zur Fortsetzung eines
tiefern rein wissenschaftlichen Studium[s]
gänzlich die eigenen Mittel fehlen, so
wagte ich es schon dort d einer hohen
Behörde den Wunsch unterthänig auszusprechen:
zur Fortsetzung meines Studium[s] der
höhern Naturwissenschaft, in eine
dem Staate nützliche Thätigkeit ver-
setzt zu werden, so, daß selbst
meine Thätigkeit und Wirksamkeit
das Mittel zu einer vollendetern Aus- /
[1R]
bildung und tieferem Studium für mich in sich
trüge; allein bey dem noch nicht hohem
Grade meiner bis jetzt erreichten
Ausbildung zeigte sich dortmals noch
kein Wirkungskreis welchen auszufül[-]
len ich mich fähig genug hätte halten
können. Da aber wie mir bekannt P W [sc.: Professor Weiß]
geworden sich.jetzt, zu einer Anstellung
für einen wissenschaftlich gebildeten
Mann
bey dem Königl. Min. Kabinett der hiesig[en] Uni[-]
versität, für die Geschichte der unorga[-] eine möglic Aussicht <ermöglic[h]t> hat
nisirten Natur zeigt, so wage ich
es, da ich glaube das gerechte Zutrau-
en zu mir haben zu dürfen, die Forder-
ungen dieser Stelle vollkommen er-
füllen zu können, das hochpreißliche
Departement für den Cultus und
öffentlichen Unterricht unterthänigst
zu bitten: mir gnädigst jene diese Stelle
zu ertheilen.
Weil aber zum fernern und [un]unter-
brochenen Gedeihen und Wachsen auch
der höhern Wissenschaften zunächst der
Friede errungen werden muß, so
mache ich mich aus dem innersten
und freudigsten Antriebe meines
Herzens gerne anheischig und ich
bitte sogar unterthänigst darum:
zunächst in die Reihe der Vater-
landsvertheidiger Preußens, gleich
den übrigen Männern und Jünglingen
der königlichen Lande als freywilliger
und zwar in das von Lützowsche
Corps eintreten und für den
Frieden des Vaterlandes nach Kräften /
[2]
mitkämpfen zu dürfen, wenn
ein hochpreißliches Departement
für den Cultus und öffentlichen
Unterricht, mich würdig finden
sollte, mir bey der hiesigen Uni-
versität, jene Stelle am Kgl. Min. Kabi-
net für die Geschichte der unorga-
nisirten Natur
gnädigst zu
übertragen und zwar so, daß
ich in den damit
verbundenen Gehalt erst nach
meiner Zurückkunft aus dem
Kriege eintrete.-
Über den Gang meiner wissenschaft-
lichen Ausbildung selbst, und über
die Fortschritte derselben, in so
ferne sie sich in einer äußern
Thätigkeit und Wirksamkeit
ausspricht, halte ich es für Pflicht
dem hochpreißlichen Departement
noch folgendes unterthänig vorzu[-]
legen: Von Michaelis 1799 bis
dahin 1801 widmete ich mich als
Studirender in Jena unter der
Leitung der verstorbenen Professoren
Batsch und Göttling und unter der,
des noch lebenden Herrn Oberberg-
rathes Lenz dem [sc.: den] naturhistorischen
Studien, zunächst um mich für wissen[-]
schaftliche und höhere Ökonomie auszubilden;
bis im November dess. J. - wo mich
die Krankheit meines Vaters dessen
Tod 1802 erfolgte wieder nach Hause rief
lebte ich auf einer Ökonomie. Im
väterlichen Hause lebte ich nun bis
Ostern 1802. Von dieser Zeit Ostern 1802 bis
Ostern 1803 war ich als Aktuar /
[2R]
in einem dortmals bischöfflichen bam-
bergischen ForstAmte bey Bamberg an-
gestellt. Bey dem nachherigen
Eintritt der beyerschen Regierung
wurde meine Thätigkeit hier unter-
brochen und ich lebte bis Ende dieses
Jahres in Bamberg wo ich mir durch
geometrische Arbeiten meine Subsi-
stenz sicherte und die mir dabey
übrige Zeit zum weitern Studium
amwendete [sc: anwendete].
Gleich zu Anfang des Jahres 1804
erhielt ich die Stelle eines privat
Sekretär bey SrExcellenz des
Herrn Geheimen Raths-Präsidenten
von Dewitz auf Großen Milzow
Ritter des königlich preußischen rothen
Adler-Ordens. Anfangs May 1805
verließ ich diese Stelle wieder um
einer bessern Aussicht zu einer
weitern wissenschaftlichen Ausbil-
dung entgegen zu gehen, welche
mir ein Freund zu Frankfurt a/M
eröffnet hatte, und im Monat
July dess. J. wurde ich auch daselbst
durch den damaligen Direktor des
Consistorii jetzt Präfecten zu
Frankfurt FreyH. von Günderode
und dem Senior des Consistorii
H. Dr. Hufnagel, als erster
Mitlehrer unter dem Oberlehrer
H. Gruner an der dasigen Bürger[-]
schule angestellt; da mir jedoch
im folgenden Jahre eine Stelle als
Erzieher weit günstigere Gele-
genheiten darboth mich immer
und mehr wissenschaftlich aus- /
[3]
zubilden, so legte ich Joh[annis] 1805 [sc.: 1806 !!] auch
diese Stelle wieder nieder und übernahm
die Erziehung dreyer Söhne des H. FreyH.
von Holzhausen zur Öde
, Ritter des
königl. preußischen Johanniter Ordens,
in Frankfurt wo ich bis Joh. 1811 -
während welcher Zeit ich mit meinen
Eleven zwey Jahre in Yverdon lebte -
blieb, wo mir der Vater derselben
erlaubte die Erziehung abtreten
zu dürfen, um endlich mein[en] schon
so lange gehegten Wunsch: zum
zweyten male auf einer Univer-
sität mich ausschließend dem Studium
der unorganisirten Natur und nament[-]
lich der Mineralogie und Chemie
widmen zu können. Ich wählte
Göttingen wo ich bis Michaelis v[origen] J[ahres]
blieb. In wiefern ich meine Zeit
dort nützlich anwendete kann ich mich
zunächst blos auf mein akademisches
Zeugniß beziehen.
So viel mir nur meine die Sorge für
die Erhaltung meiner Subsistenz er-
laubte habe ich auch seit in dem letzten
Semester hier meine Studien na-
mentlich unter der Leitung des Herrn
Prof. Weiss fortgesetzt; sonst aber
für meine Subsistenz in der Erzieh-
ungsAnstalt des H. Dr. Plamann
seit December vorigen J. gearbeitet
welcher mir auch als Beweis seines
Zutrauens von Monat zu Monat
meinen Wirkungskreis in der
Anstalt erweitert hat, und wo ich
noch jetzt namentlich in der Miner-
kunde und Mathematik Unter-
richt gebe.
Indem ich, im Fall einer gnädigen /
[3R]
Erfüllung meines unterthänigen
Gesuches, mir erlaube den Wunsch
auszusprechen mich so bald als möglich
zu den Kriege[r]n stellen und an sie
anschließen zu können, sehe ich mich
genöthigt noch auszusprechen: daß
Leider so gerne ich es auch wollte
meine Lage mir nicht erlaubt, mich
selbst zum Militärdienste equi[-]
piren zu können, sondern daß
ich unterthänig bitten muß mir mich genöthiget sehe
gnädigst zu erlauben mich an
irgend eine der Cassen deßhalb
welche zur Equipirung freywil-
liger Krieger Beyträge gesammelt
hat, deßhalb bittend wenden zu
dürfen
.<Heut> Dürfte ich von E.h.D. <nun> eine besondere Empfehlung
dahin erbitten, so
Mit der tiefsten Devotion
bin ich

des hochpreißlichen Departements
für den Cultus und öffentlichen
          Unterricht

unterthäniger Diener

Friedrich Wilhelm August Fröbel
aus Rudolstadt, Studirender
          hieselbst.

Berlin
den 4ten April
1813

An
das hochpreißliche Departement für den Cultus
und öffentlichen Unterricht im Königlichen
Ministerio des Innern.