Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Susanne von Heyden in Frankfurt/M v. 20.4.1813 (Berlin)


F. an Susanne von Heyden in Frankfurt/M v. 20.4.1813 (Berlin)
(BN 440, Bl 10, hier: 10R, dat. Entwurfsfragment 1 Bl 4°1 S. auf einem Brief des Stiefbruders Carl Popo an F.
vom 7.3.1813, 1 B 4°, teils Bleistift, teils Tinte mit Datum „20/IV 13“; ed. H V, 60-61)

[Bleistift] Diese aus dem Innern meines Selbstes ausgesprochenen
Worte (und so mein Inneres selbst und dessen Wollen
zu deutlicher Anschauung bringenden Worte [)]
mußten mir mein Wollen und dessen Zweck selbst
klarer zu deutlicher Anschauung bringen; es mußte
mir zeigen, wie ich in wiefern d[ur]ch dasselbe im Handeln darnach
bey dem jetzigen Stand der Dinge diesen Zweck
erreichen konnte oder nicht. Und als Zweck
meines Handelns trat mir deutlich folgendes
vor Augen [:] Ein hartes Lebensgeschick hat
leider das Zutrauen der Freundin, wie Sie
schon [<beachtend> mit mir empfunden, zu
sehr geschwächt mehr geschwächt als der
Mensch sollte; das ertragene harte Geschick sollte
ihn in sich erheben. Dieses Zutrauen
zu ihr selbst ihr wieder zu
geben, muß mir bey ihrem Vertrauen höchste
Pflicht sein; und es kann nur dad[ur]ch gegeben
werden, daß die Achtung des Vollkom[mnen]
sie erhebt, mich zu dieser Vollkom[menheit]
zu erheben, muß mir deßhalb erste
Pflicht seyn, und so erschien mir der
Aufruf zu jenem Handeln als Auf-
ruf zur Erringung der ersten Stufe.
Würde sie dieses Zutrauen zu sich selbst
gewonnen haben, so würde alles gewonnen
sein, denn es ist wahr, was Novalis sagt;
u ihr dieß zu geben muß mein einstiges
Streben seyn, was als Mittel <dieß> ist mich
zur höchsten Vollkommenheit erhebt; damit
sie an der ungetheilten Achtung u Zutrauen eines
solchen sich zum Gefühl ihrer eigenen Würde
Kraft erhebe, denn die Achtung
[mit Tinte] : Sie würde [Hoffmann: würden] mich nicht achten können,
wenn irgend etwas außer mir mich
20/IV 13 bestim[men] könnte.
Ich gestehe gerne, daß ich jetzt die wichtigste,
läuterndste prüfendste Epoche meines Lebens
lebe, und daß der Ausgang dieser Epoche
das Endurtheil über mich fällt. Es zeigt sich blitzte
auch in einzelnen einem Momenten eine Klarheit des Lebens
über mein Leben und erhellte meinen Blick wie ich
sie vorher nie gehabt
habe. Dieser Lebens-
Moment ist der Prüfstein
meiner Würde und
meines Werthes und der höchste
den ich bisher verlebte; er scheint das
Höchste vorzubereiten was der Mensch auf die-
ser Erde erreichen kann
die Stufe des Mannseyns
der Mannheit[.]