Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 28.5./1.6.1813 (Havelberg)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 28.5./1.6.1813 (Havelberg)
(GNM Bl 15-20, Brieforiginal 3 ½ B 8° 13 S., Auszüge ed. Neuhaus 1913, 115-116)

Havelberg am 28sten May.
Die geognostischen Bemerkungen welche ich auf unserm Marsch von Dessau
längs dem rechten Elbufer bis Dömitz von da auf das jenseitige
Elbufer bis von dort über Eldenau zurück nach Havelberg zu machen
Gel[eg]enheit hatte sind sehr einförmig und oberflächlich. Die Strecke
Landes die wir durchzogen, ist im Ganzen Allgemeinen betrachtet,
Eine sandige Ebene, außer dem zu Acker benutzten und als Wiesen,
und Trift um aufgebrochenem Lande größtentheils mit Kiefern-
Waldung und Heide, doch auch an einigen Orten mit Eichen und
auch hier und da mit Birken Ellern und ähnlichem Gehölze be-
wachsen. Der Sand selbst zeigt jedoch in verschiedenen Streifen
eine verschiedene Beschaffenheit in Bezug auf Korn und
Farbe (Beymengung) Was über diese lokale Beschaffenheit
mit ich doch mit Bestimmtheit sagen kann ist folgendes Wenige.
So wie wir bey Roßlau auf das dießseitige (rechte) Elb-
ufer traten war uns das Durchwaden des Sandes der <Schlusses>
zu dem auffallenden Contrast der in Hinsicht der Vegetation
zwischen dem kargen Dessauschen und dem linken und dem Zerbst-
schen statt findet gegeben. Wir hatten Sand bis Zerbst und nur während
unser Weg durch den zwischen Roßlau und Zerbst liegenden Kiefernwald
ging war er fest. Dieser Sand begleitete uns noch ganz von Zerbst
bis Loburg welches selbst – ein trauriges <brucheliges> Städtchen
in einer Sandebene liegt, und über Theesen Genthin bis Wust.
Im Freyen selbst sahe erinnere ich mich nicht mehr als einzelne
Bruchstücke von Granit gesehen zu haben, doch mehrere in den Dörfern
und Städten z. B. Genthin zusammen gehäuft, die mehrsten glaube ich in
Hohenziats [sc.. Hohenziatz] , so heißt wo ich nicht irre der Ort vor Theesen bemerkt
zu haben. - Die Gegend ist im Allgemeinen wie ich schon aussprach
eben oder vielmehr sehr flach hüglich, bezeichnender möchte es
vielleicht seyn wenn man sich über die Ebene dächte und die
Erhöhungen mit den Wellen eines Sand<[d]amme> Sandwällen vergliche.
Übrigens wenn ich hier von Ebene spreche, so bitte ich Sie sich
dieselbe nicht im strengen Niveau zu denken, vielmehr erinnere
ich mich von einer früheren Reise, daß die Abdachung von
Ziesar und besonders von Hohenziats [sc.: Hohenziatz] nach der Elbe zu sehr be-
merkbar ist. Die Vertiefungen zwischen jenen Anhöhen sind /
[15R]
häufig Mmoorig mit kurzem filzigem Grase bewachsen, in dessen
größten Niederung ein schleichendes in unbestimmte Ufer eingeschlosse-
nes Wasser sich mühsam nach dem Gesetze der Schwere einen
Weg nach den niedern Punkten sucht. Eine solche moorige und
filzig grasige Niederung durchzogen wir auf dem Weg von
Hohenziats [sc.: Hohenziatz] nach Theesen.
Zwey Bemerkungen erlaube ich mir hier zu machen einmal als
wäre der Sand ganz besonders geneigt solche Mmoorige Gegenden
zu bilden, und die Bedingungen dazu scheinen mir leicht aufzufinden
zu seyn: das durch den Sand gehemmte Wasser, die hierdurch
sowohl als durch die leichter von oben herab geschwemmten erdigen Theile beförderte
Vegetation, und
durch das auf der andern Seite durch
das Wasser wieder beförderte baldige Absterben derselben[.]
Zweytens war es mir auffallend daß ich auf diesem Weg so we-
nignig Bruchstücke (denn die Benennung Gerölle oder Geschiebe sowohl
als Blöcke paßt [auf] beide nicht recht) von Granit fand, da ich mich
von <meiner> Reise im vorigen Herbste von Magdeburg nach Ber-
lin erinnere daß ich dort dergleichen Bruchstücke im freyen öfterer
und besonders in großer Menge und in Hinsicht ihre[r] Azufälligen Ge-
mengetheile Vortrefflichkeit in einigen Dörfern aufgehäuft
fand, besonders sind mir in dieser Hinsicht zwey Dörfer
namentlich sehr lebhaft im Gedächtniß ob ich sie gleich jetzt ohne die Notizen jener Reise und ohne Speziellere Karte nicht erinnern kann
das erste vor Hohenziats auf dem Wege
von Magdeburg
das zweyte hinter Genthin. Im ersteren Orte waren be-
sonders einige Stücke Granit in der Kirchhof Mauer die ganz
von Almandin ausgefüllt waren. Die Granitstücke in diesem
Orte zeichneten sich besonders durch Grobkörnigkeit aus.
Nach Wust hinein begleitete uns loser Sand, doch bey Wust selbst
wenigstens nach Westen hin findet sich fester Sandboden. Wust
selbst muß einiger Maaßen in einer Ver Eintiefung liegen denn
hier findet ganz dasselbe statt was ich oben bey Theesen sagte.
Der sehr schöne und große Garten mit sogen: englischen Anlagen verzierte
scheint durch die vielen Gräben dem mo[o]rigen Boden /
[16]
wenigstens großentheils abgewonnen zu seyn. In diesem Garten
stehen Bäume und Gesträucher sehr verschiedener Arten in sehr
üppigen Wuchse. Die schönen Eichen die ich in diesem Boden dortmals
nicht vermuthete nachher aber sehr weit herauf und bis auf
das jenseitige Ufer bey Dömitz fand freuten mich dortmals
besonders. – Der Weg von Wust aus nach Schönfeld würde
gleich Anfangs schon durch losen Sand gegangen seyn, wenn
uns nicht unser Bothe über festen, mo[o]rigen filzig rasigen Boden
wenigstens bis zum nächsten Orte geführt hätte. Daß jedoch
der Sand unter diesem Boden [sich] fortsetzt sahe ich an mehreren
aufgegrabenen Stellen. – Von Schönfeld bis Sand-Au (Sandau)
und Havelberg welches freylich eine etwas widersprechende
Zusammensetzung ist, aber diesem das Wort für Ebene ge-
setzt völlig bezeichnend ist – und Havelberg, durchzogen
wir eine wahre Sandgegend, das Speziellere habe ich, wenn ich
nicht irre in einem früheren Briefe mitgetheilt.
Weiter von Sandau und Havelberg landein wärts scheint sich nach
dem was ich höre der Sand zu verliehren wenigstens stimmt damit auch
das durch die Vegetation bewirkte Ansehen der Gegend über die
grünen Marsche wie man es hier nennt eigentlich kurz grasigen
Triften, überein. Die grüne Ebene, die man vom Domberge nach Süden
und Südost hin übersieht und die ich schon im vorigen Briefe bestimmt
gedachte ist nach dem was ich von einem Ziegler darüber hörte
ge[w]iß ganz Kleyboden und es liegt die Kleyerde mit den Aus-
drücken des Zieglers zu reden unmittelbar unter der obersten
Gras- oder Ackerkrumendecke. Auf dem zu Acker benutzten Land
wird Weizen gebaut. Die Kleykuhlen wie er sich ausdrückt sind
mitten im Weizenfelde. Aus diesen Kleykuhlen werden 3 Ziegelhütten
die vor einigen Jahren sehr stark, aber jetzt in eben dem Maße
schwach betrieben werden, versorgt. Zwey derselben befinden
sich in der Ebene, eine auf dem Domberge. Die Anhöhe auf
deren größten Höhe der Dom und an dessen Fuße südlich längs
längs hin die Vorstädte Havelbergs liegen, sind ein sandiger
und daher sehr magerer aber fest harter Lehm in dem sehr viel
Gerölle Geschiebe des verschiedensten besonders aber kleinen Kornes von
Granit eingemengt sind. Hie und [da] fand ich auch einzelne Geschiebe /
[16R]
von Feuerstein und auch Havelberg am 28sten May 13.
Kreide, diese namentlich am Abhange unter dem neuen Schulge-
bäude nächst dem Dome. Diese lehmartigen Massen welche die
ganze Anhöhe bis auf <noch> den Fuß bilden sind sehr dick und wie es
scheint unvollkommen geschichtet. Hier und da zeigen sich senkrechte
Klüfte die deren Seiten mit dunkeln Eisenoxyd überzogen sind. An einige einer Stelle
nämlich unterhalb dem Domkirchhofe liegen auf
diesem Lehm 3 - 4 Fuß unter der Oberfläche dünne nur wenige
Zoll mächtige Lager einer feinen sehr <o>hrigen Erde, welche die
bestimmten Resul[ta]te eines ruhigeren späteren Absatzes sind. Auf
diese dünnen Lager folgt wieder jener Lehm doch von feinern Korne
als der tiefer liegende. Dieser Lehmboden der sich nach der Aus-
sage des Zieglers weit beträchtlich nach Norden und Nordost hin erstreckt
ist wie er sagte nicht abzugründen, wird aber bald hinter
Havelberg nordwestlich und westlich von Sand bedeckt, was
ich auch ganz mit dem übereinstimmt was ich auf unsern Marsch
von hier nach Wilsnack hin bemer und auf dem letzten Marsch
von Glöben hierher bemerkte. Wie der Ziegler mir sagte ist der
Kleyboden an der gedachten Stelle 1, 1 ½ bis 3 Fuß mächtig, dann
trifft man wieder auf Sand. Umgekehrt wie es sich nach seiner
Aussage in der Gegend von Rathenow findet wo der Kleyboden
4-5 Fuß unter dem Sande liegt. – Unterhalb Havelberg ließ
ich mich über die Havel setzen und dann durch das sogen: Mühlenholz
nach der Elbe, die hier vielleicht 10 Minuten von der Havel entfernt
ist. Die Ufer sind hier so flach als ich sie erwarten und weiter
hinunter bey Dömitz wieder gefunden habe, der Fluß ist trübe
er fließt nur langsam. Von diesem trüben Wasser scheidet
sich lange nach der Vereinigung noch der Hafel [sc.: Havel] noch das reinere
hellere Wasser derselben . – Unser Marsch von Der Boden un-
seres We Weges von Havelberg nach Perleberg habe ich Ihnen
wo ich nicht sehr irre schon so genau bezeichnet als ich ihn
bemerkte. Bey unserm Ein- und Austritt aus Wilsnack
hatten wir sehr viel und sehr leichten Sand. Unterhalb Wils-
nack nach dem wir über die Karton gegangen waren, welche
durch die Stepenitz in die Elbe fließt, mußten wir eine Strecke
über Acker gehen, der Sand war da so leicht und lose, daß
er sich mit bey jedem Tritt von den noch schwachen Halmen /
[17]
los mahlte. Das [sc.: daß] wir von hier an bis Perleberg fast durch
gehends durch Kiefergehölz welches die Sandebene bedeckte, gingen
habe ich schon in einem der früheren Briefe bemerkt. ½ Stunde
vor Perleberg hatten wir wieder losen Sand. Er mag früher
wellenförmig zusammengehäuft gewesen seyn, das aber zu Zeiten
angeschwollene Wasser mag wohl die eine Seite dieser Hügel
Massen abgerissen haben wodurch dieselben gebildet worden
sind. Die nicht bedeutende Stepenitz hat klares Wasser und
fließt langsam. Perleberg liegt dicht an derselben; der Sand ist bey der Stadt
beträchtlicher und loser nach der Westseite der Elbe zu, als
nach der Ostseite: gegen Norden ½ Viertel Stunde von der Stadt ist die
Gegend in der dasigen Sprache bergig, es reihen sich nämlich mehrere
Anhöhen an einander. Von
Von Perleberg nach Lenzen geht die gewöhnliche Straße durch losen Sand
so wie die ganze Gegend sandig und eben ist, doch unser Bothe
führte uns über Triften und Wiesen, wo unser Weg hart fest war,
doch hatten die Wiesen und Triften das schon oft erwähnte Mohrartige[.]
Zum An einem Orte zwischen Perleberg und Lanz darf [sc.. traf] ich die <-> letzten
Maulbeerbäume wenigstens die letzten nie wieder eine vollständige
Pflanzung davon; einzelne Bäume traf ich wenn ich nicht irre noch
in Seedorf. – Der Boden vor und hinter Lenzen war sandig wie
der vorige, obgleich unser Weg der über Triften und Wiesen ging
größtentheils über festen Boden der schon oft erwähnten Art ging.
Wiesen von üppigem hohen Graswuchs (: was auch ganz mit dem oft Ge-
sagten übereinstimmt :) erinnere ich mich nie gesehen zu haben. – Von
dem festen Boden welchen wir auf unserem Wege hatten ist jedoch keines-
weges auf die ganze Gegend zu schließen, denn in jedem Orte bis
Se und in Seedorf wurde uns fast allgemein gesagt, daß die Land-
straße sehr und tief sandig sey und daß nur ein, des Weges
kundiger Mann uns einen festen Weg führen könne.
Als wir durch Lenzen durchgegangen waren um nach Seedorf zu
gehen kamen wir unmittelbar an dem Thore an ein Wasser vom [sc.: von]
mir dem mir gesagt wurde es sey ein See welcher mit der Elbe
in Verbindung stände, einen bestimmten Namen wußte man nicht
das Wasser zog sich in der Niederung bey flachen sandigen Ufern
vom Anschein bis Seedorf hinauf. Und es floß auch wirklich /
[17R]
längs Seedorf ein Wasser, was man den See nannte. Ob es viel-
leicht die Lökkenitz [sc.: Löcknitz] ist ich kann es durch meine Karte nicht bestimmen.
Von Seedorf an nach Großen Schmölle Vor dem Thore von Lenzen
gingen wir rechts von einer Straße ab, an welcher sich jen-
seits in einiger Entfernung eine kleine Anhöhe hinzog.
Von Seedorf an nach Großen Schmölln würden wir <-> beständig
durch Sand gewandert seyn würden wir schon im Dorfe über die Brücke nach
dem rechten Ufer des Wassers übergesetzt seyn, allein unser Bothe führte
uns wie gewöhnlich über die Trift über Weide bis nach Pöltz [sc.: Polz] , wo wir
ich glaube über die Fischer Elda auf das entgegen gesetzte Wasser
Ufer. [übersetzten] Von hier aus hatten wir sehr vielen losen tiefen Sand Also selbst
an den Stellen die mit Kiefern gehölz bewachsen waren
Von dem bey Pölz ward dehnte sich das rechte Ufer des Wasser, auf welchem der Ort
liegt, längs hinab, bedeutend für jene ebene Gegend ab
. Dieses
Ufer dachte sich längs dem Flusse hin bedeutend ab, es bestand
jedoch blos aus losem tiefen Sand. Von hier aus hatten wir be-
ständig sehr viel dergleichen Sand bis Gr: Schmölln, selbst an
den Stellen die mit Kiefergehölz bewachsen waren.
Von Gr: Schmölln gingen wir etwas zurück, nach Verklaß ein herzogl[ich] meckelnburg[isches]
Guth an der Poststraße von Hamburg nach Lenzen.
Auf diesem Wege gingen wir beständig über den so oft
gedachten hier sehr feuchten moorigen Boden. Ellern erhöhten
das frische Ansehen der Gegend. Hinter dem Guthe selbst trat
jedoch der Sand wieder ein. Auf dem Wege von Verklaß
über Gr: Schmölln zurück, nach Dömitz, gingen wir größten-
theils über Wiesen und Dämme, wo dieß nicht der Fall war,
hatten wir Sand, so kurz vor Dömitz bis von da ganz
hin nach der Elbe. Dieser Sand begleitete uns ob wir ihn
gleich nicht empfanden, da unser Weg über einen festen Damm
ging und da überhaupt wohl der Boden an [sc.. am] rechten Elbufer
mehr fest ist bis Dannenberg. Eichen und Eichenalleen und in den moorigen Wiesen
Ellern machten uns den Weg angenehm. Hinter Dannenberg hatten
wir nun bis Göhrde und ohngefähr ½ Stunde weiter ununterbrochen
sehr tiefen, theils losen theils durch Vegetation, größtentheils
wieder befestigten Sand. Man sagte daß hier schon die /
[18]
Lüneburger Heide anfange. Wenigstens dürfte sich gewiß die
die ganze vor uns gelegene und durchwanderte Gegend von einigen
Meilen wo wir nur das noch <-> todte Gesträuch der Heyde sahen
in dieser Hinsicht des traurigen Ansehens sich an sie anschließen.
Eine sehr bedeutende Strecke vor und dann hinter Göhrde hatten wir
Wald, irre ich nicht so war es Laubholz wenigstens Göhrde lag soll
in Eichen liegen. -
An dem rechten linken Elbufer zog sich da wo wir über sie setzten ein
langer Damm hin, der sich weit an der Elbe obgleich unten etwas
ferner von ihr hinzieht. Das rechte Elbufer war da wo ich es sahe
sehr sandig, mit Weiden und hohem Grase besetzt.
Der Boden den ich auf den Weg von Dömitz nach Eldenau [sc.: Eldena], und von
da nach Perleberg über <Orloff>, <Drübow>, Mankmuß, Nebelin
zurück antraff habe ich in meinem letzten Briefe bezeichnet. Das hier
an die Elbe anstoßende <-> mecklenburgische Land ist nicht im Gering-
sten weniger sandig als die sandigsten Gegenden die wir durchgangen
waren. Die neue Elda fließt immer durch Sand. Eldenau ist ganz
von tiefen Sand umgeben und selbst die geringen Anhöhen der Nähe des Dorfes
sind ganz lauterer Sand. Vor Eldenau bemerkte ich in dem Sande viele
Feuerstein Stücke und Bruchstücke von Granit und Gneis <-> den[n] weder
Geschiebe noch Gerölle kann man sie nennen, da die Kanten und Ecken
noch unabgerundet waren. Diese Stücke waren im Allgem. mehr klein
als große, doch sich in Hinsicht der Größe ziemlich gleich.
Von Perleberg über Glöben hierher hatten wir nie die geringste
Anhöhe, der Boden also eben immer Sand, welche[r] durch die Vegetation
bald mehr bald minder fest war. Eldenau selbst ist ganz in
eine Sandebene gebaut. In dem Dorfe selbst finden sich viele
Granitbruchstücke, wovon viele schon durchs Feuer zersprengt sind.
Die RingMauer der Kirche, die Mauer um den Kirchhof besteht
aus solchen Geschieben. Der Granit ist mehr grobkörnig von ver-
schiedener Farbe. – Dieß ist alles was ich bemerkte.
Folgendes habe ich noch nachzuholen.
Die Heide hinter Dannenberg ist keinesweges eine Ebene, sondern
ein Continuum von vielen Hügeln und Thälern, wovon mehrere
einen gemeinschaftlichen Rücken und dann einen gewissen Paralel-
lismus bilden. Da mir diese Heide als zur Lüneburger Heide /
[18R]
gehörig genannt wurde, so war mir diese Erscheinung doppelt auf-
fallend da ich mir bisher unter der Lüneburger Heide immer
eine fast unabsehbare Ebene dachte. Größere Granit Stücke
fand ich zwar in dieser Heide, doch im Ganzen nicht häufig.
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Würde ich den Weg von Dessau bis Göhrde, Eldenau und zurück hieher
mit etwas mehr Muße während des Marsches zurück gelegt haben
so ließe sich wohl als Resultat ein bestimmtes Bild der ganzen Ge-
gend entwerfen, was zwar aus dem [sc.: den] gegebenen Bemerkungen so ziem-
lich doch hie und da mit zu großer Unbestimmtheit und Oberflächlichkeit
hervorgeht. Ich gestehe auch ganz aufrichtig, daß ich diese ganze Ge-
gend bey der flüchtigen Art mit der ich nur einmal durch rauben-
de Blicke beobachten konnte keiner besonderen genaueren Beobach-
tung werth hielt. Das Wort Sand glaubte ich schildere sie hin-
länglich genau, doch indem ich es jetzt versuchte das Gesehene
nieder zu schreiben, sehe ich noch <-> Manches worauf ich doch noch meine GeAuf-
merksamkeit hätte richten können was ich hätte genauer beobachten
können, und ich hoffe daß diese Bemerkung indem sie sich besonders
durch die Verlegenheit Ihnen nicht Entsprechendes schreiben zu
können tief eingeprägt für die Zukunft von guten, sehr guten Nutzen
seyn soll. –
Da ich mehrere größere Striche von Sand durchgangen war, be-
merkte ich, daß sich der Sand gewisser Gegend Striche, seiner
äußern Kennzeichen, seiner Korne, seiner Farbe, seiner Bey-
gemengtheile nach sehr von dem Sande anderer Striche unter-
schied, und daß diese Verschiedenheit oft sehr scharf an sich,
abschnitt; so enthielt der Sand von Eldenau viele eckige kleine-
re
Stücke Urgebirgsarten und Feuerstein. – In andern Gegenden
führt der Sand sehr große Geschiebe von Urgebirgsarten bey sich. -
Auf dem Wege von Magdeburg nach Brandenburg bemerkte
ich eine Strecke wo der Sand noch sehr vielen noch ganz knolli-
gen Feuerstein führte. In Bruckmann bey Brandenburg
finden sich besonders viele <Echinitten> unterm Sand. Bey diesem
Bemerken der strichweise abgeschrittenen Verschiedenheit /
[19]
der Sandstrecken kam mir der Gedanke ob sich von dieser Ver-
schiedenheit des Sandes vielleicht auf einen frühern Zustand desselben
oder die mit ihm vorgegangenen Veränderung schließen und ganz
besonders auf seine Translokation so wie schließen lasse. Damit
dieser Gedanke etwas für sich habe müßte er von bestimmter Beobach-
tung begleitet seyn, ich sage daher nur so viel, würde ich das linke rechte
Elbufer von Dessau herab mehrmals bereisen so würde ich die Sandstriche
nach diesem Gesichtspunkt beobachten. Eben fällt mir ein daß
diese Verschiedenheit der Striche des Sandes vielleicht mit dem
fallenden Niveau des Elbthales nach dem Meere zu und so wie das fallende Niveau
des Wassers, die Verschiedenheit der Sandstriche mit einer gewissen Zeitfolge zusam-
men [hänge]! – Ich fühle daß ich hier in dem wie ich sage nicht
deutlich bin, habe ich aber durch Gelegenheit
eine abdachend sandige Gegend zu beobachten
so bin ich vielleicht im Stande es an dem Gegenstand selbst deutlicher
zu machen. –
Bey meiner gestern nachmittägigen Wasserfahrt auf der
Havel bemerkte ich an dem auf der westlichen Hafel [sc.: Havel] an dem linken
ufer, daß längs demselben unter der sandiglehmig[en] Damm-
erde ein Lager von Letten liegt. Vielleicht ist das Bette der
Havel wenigstens an dieser Stelle in Letten.

HaveIberg am 1ten Juny (Dienstags). Wundern Sie sich nicht hochverehrter Freund
daß ich Ihnen heute noch von hier schreibe ? - Wie sehr habe ich doch während
der langen Zeit daß [sc.: da] ich hier bin gewünscht daß Sie diese Länge unserer Rast
ahnen mögten und daß ich einen Brief von Ihnen erhalte! Dieß lange
Weilen an einem Orte will und kann mir mit so vielen unter uns nicht
behagen. Die verhältnismäßig doch nur wenigen militärischen Übungen können
nicht ersetzen, was wir, wie mich dünkt in Hinsicht der Übung im Marschiren
verliehren; überdieß ist von einem Abmarsch jetzt gar nicht die Rede;
so sehr ich mich auch mit dem größten Bewußtsein ruhig in die Bestimmung
und Forderung des Schicksals füge, und so sehr ich auch fest überzeugt bin
daß alles was geschieht, eben darum weil es geschieht auch zum allgemein
Besten sicher, es sey nun mittel- oder unmittelbar führt, so sehr wünsche
ich doch den Ruf des Hornes zum Abmarsch und selbst wenn es in diesem
Augenblick wäre zu hören. /
[19R]
Wenn Sie theilnehmender Freund die Tagezahl überrechnen
seit ich diesen Brief begann so werden
Sie gewiß fragen was ich während
der großen Zahl derselben gethan habe leider! sehr wenig denn
dem Soldaten ist die Zeit zerstückelt auch wenn er Rast hat, so
daß er immer verhältnißmäßig nur wenig thun kann. – Frey-
tag Vormittag mußte ich auf Wache ziehen und bis Sonnabends
Mittag auf derselben bleiben; während dieser Zeit, so viel
zu thun ich mir vorsetzte schrieb ich doch nur ohngefähr die
Hälfte dieses Briefes. Den Nachmittag gen dieses heiteren
warmen Frühlingstages genoß ich mit einigen Freunden, Midden-
dorf[f]
, Bauer, LangethaI auf einer kleinen Wasserfahrt u. Spa-
ziergang nach dem Mühlenholz, und wer vertauscht nicht gerne
<-> ein nicht freundliches nur von einem alten, etwas sehr genauen
Wittwer und dessen höchst ungebildeten rohen Sohn bewohntes Quartir
gegen den Genuß einer erquickenden Abendluft. Also auch der
Abend wurde mit Middendorf[f] im Freyen auf dem Domberge verlebt.
Über die Feyer des Sonntags hätte ich Ihnen vieles zu sagen; es war
für mich ein wirklich lang ersehnter Tag. Fast die Hälfte unserer
Compagnie hatte sich zur Communio vereinigt. Der HE Sup: Hohenhorst
hielt eine nach meiner Beurtheilung höchst passende Vorbereitungs-
Rede. Ich will es Ihnen gern gestehen, daß ich mich sehr beglückt an
diesem Tage fühlte. Nennen Sie es nicht Schwäche denn auch der edle
unverwand[t] nach Vollkommenheit strebende Mensch muß in würdiger
Stunde der Gottheit sich näher ahnden - ich fühlte mich durch die Feyer
dieses Tages hoch erhoben. Viel empfand mein Herz, viel bewegte sich
vor meinem Geist vorüber, in welchem Glo Lichte strahlte mir
die Bestimmung des Kriegers entgegen: Erkämpfung einer fesselllosen
Entwicklung und Ausbildung unseres Wesens für unendl[iche] Vollkommenheit.
Aber was wäre dieser Tag mir auch gewesen hätte ich ihn mit einer
sinnig theilnehmenden verstehenden Seele feyern können. Doch dieß konnte
nicht seyn, es sollte nicht seyn um ihn dazu zur Veredlung für einen
solchen Tag zu benutzen. – Den Nachmittag beendigte ich was
mir noch übrig war Ihnen von meiner Reise zu schreiben. /
[20]
Mondtag Vormittag gestern übten wir uns in den Waffen, und führten
von unserer 2ten Compagnie die in Sandau liegt, wäh-
rend der Übung überfallen[d] ein kleines Gefecht aus, welches
unser Lieut: Müller obgleich sehr schwach an Zahl gegen
den erdichteten Feind dennoch sehr gut leitete. - Den gestrigen
Nachmittag so wie die übrigen Freystunden der vorigen Tage
benutzte ich ausschließend zur Lesung der von Forsters Ansichten.
Heute sollte ich wieder auf Wache kommen, doch ging es dieß-
mal noch glücklich vor mir vorüber und so blieb mir Zeit
heute nicht nur den ganz vortrefflichen Tag im Freyen größten-
theils im Domgarten zuzubringen sondern mir den hohen
Genuß zu verschaffen in diesen Umgebungen Forstern zu lesen
und so den 1ten Theil seiner Ansichten zu beendigen. - Ich danke
innig meinem guten Genius der mir gerade jetzt dieses
den beobachtenden Denker in so vielseitigen Beziehungen setzende Buch
in die Hand führte. - Um dieses Buches willen gestehe ich möchte ich noch
einige Tage hier bleiben; denn <bis> jetzt konnte ich es blos lesen
um mich im Allgem[einen] mit demselben Schrift bekannt zu machen, und
wer sollte es nicht kennen ohne den Wunsch erfüllt zu haben
es mit Aneignung wieder zu lesen.
Morgen um 6 Uhr üben wir uns wieder in den Waffen.
Von unserm Abgang ist noch nicht die Rede, und aus
einzelnen Äußerungen scheint es fast als blieben wir
noch Tage hier. Vor einigen [Tagen sind] zwey, und heute ist die 3.
unserer bisher in Perleberg gestandenen Kanonen hier an-
gekommen. Es sind eiserne von nicht großem Caliber.
Einige aus unserer Compagnie sind nun zur Artillerie über-
gegangen, so wie auch vor einiger Zeit, da eine Aufforderung
von Petersdorf kam zur Kavallerie. Hätte ich dortmalen
gewußt, daß unsere Reuterey so weit vordringen
würde, denn man sagt, daß sie schon in der Nähe von Cassel
seyn soll, so würde es mir einen bedeutenden Kampf ge- /
[20R]
kostet haben, nicht zu ihr über zu treten; denn es ist doch
besonders wenn man eben wie wir fast 14 Tage un-
thätig liegt höchst einladend dem Ruf zu einem höchst
thätigen und auch früchtereichen Leben zu folgen. Doch
ich erfuhr es, da[ß] die auch nun zu den Reutern Übergeh-
enden doch nicht den Übrigen mehr folgen, und nun bin ich
ganz beruhigt, denn jede Art zu kämpfen hat das
ihr eigene Vortheilhafte.
Aus Westphalen kommen sehr viele Freywillige zu uns
vorgestern wohl mehr als 100 lauter kräftige junge Kerl[e].
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Sagen Sie mir doch nur mit einigen Worten wie lebten Sie
in den letzten Tagen wie leben Sie noch. Sie haben
Recht die Hauptsachen sagen freylich die Zeitung[en] doch
diese läßt noch so viel zu wünschen übrig. Von dem
neuesten Gefecht in der Gegend bey Liegnitz haben wir
gestern hier Nachricht aus B. [Berlin] erhalten, über D.- [Dresden] und
L.- [Leipzig] gehen hier sehr unsichere Gerüchte, und doch sind mir
diese Orte durch Ihre Güte so werth geworden, daß ich
wohl gern etwas Bestimmtes von ihnen wissen mögte
so wie aus der wärmsten innigsten Theilnahme von dem
ganzen -schen [sc.: preußischen] Lande.
Lützow hat während seines jetzigen Zuges das Commando
des ganzen zurückgebliebenen Corps an Petersdorf über-
tragen.
Commandos von unserm noch hier liegenden Korps gehen häufig jenseit
der Elbe und Requiriren zum Besten desselben; heute hat ein Commando
in Schönhausen (über den Sandkrug hinweg) viele Zentner Salz und
auch Geld gefunden, was wohl hieher gebracht werden wird.
Von Havelberg ist dieß nun der <letzte> Brief den Sie erhalten werden.