Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 23./24./25./26./28.6./2.7.1813 (Havelberg)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 23./24./25./26./28.6./2.7.1813 (Havelberg)
(GNM Bl 30-40 u 47, Brieforiginal 5 ½ + ½ B 8° 24 S., Auszüge ed. Neuhaus 1913, 124-125.)

Auf der Havel zwischen Werben und Quitzöbel am 23 Juny 13.
Gestern Nachmittags 4 Uhr fuhren wir von Havelberg ab, kamen
aber des schlechten, des Regenwetters wegen nur bis Nitzow am
rechten Havelufer, zu Lande eine kl. Meile von Havelberg
welchem Orte gegenüber unsere Schiffe anlegten.
Von Havelberg herab bleibt auf der rechten Seite das er-
habene Lehmufer bis nach unterhalb Döppel [sc.: Toppel] auf dem linken
Ufer bleibt das niedrige Land, welches die Beschaffenheit
wie Havelberg gegen über hat, das heißt unter der Ackerkrume
Lehmen dann ohngefähr 2 ½ bis 3 Fuß <unter> Tage reinen dichten
schwarzbraunen Letten hat. Zunächst Havelberg sind auf
dem linken Havelufer Acker Wiesen u. Äcker, dann kommt das
schon früher hauptsächl[ich] aus Eichen und andern Laubholz bestehende Mühlen-
holz weiter herunter nach der Elbe wechseln
Äcker, Wiesen bis zum Elbdeich. Von unterhalb Döppel
wo sich die Havel der Elbe sehr bis auf einige tausend
Schritte nähert muß sich zwischen der Havel und Elbe
nun ein Erdzungestrich von unbedeutender Breite hinziehen
wenn die Elbe nicht bedeutende Ausbiegungen macht. Der
schon in den früheren Briefen erwähnte Elbdamm welcher
zwischen Sandau und Havelberg beginnt und sich dann zwischen
der Elbe und Havel hinabzieht endigt gerade dem Punkt
auf welchen wir jetzt halten gegen über, begreift also
das Tiefliegen des ganzen zwischen der H[avel] und E.[lbe] liegenden
Landstriches. Nitzow gegenüber wird das selbst liegt
noch immer erhaben das obgleich wohl nicht so viel sehr als
Döppel. Das rechte Havelufer ist also noch immer höher
als das linke, und dieß mag [sich] auch wohl ziemlich bis Quit-
söbel fortsetzen, wo jedoch zwischen diesem Orte und
der Havel nur wenige 100 Schritte vor letzterer ein
Damm beginnt dessen weitere Erstreckung an der Havel
hinauf ich jedoch nicht bestimmen kann und dessen Fort-
setzung nach der Elbe zu ich auch erst im Verfolg der Fahrt
sehen werde. Von dem oben gedachten Damme aus
hat man eine Aussicht über die flache Gegend, sie wird
begrenzt durch Havelberg, Werben, nach der Elbe zu /
[30R]
durch Streifen von Laubgehölz, Werben gegenüber
durch Quitsöbel (: welches mit seinem sehr schön ge-
bauten Amthause und einem andern größern Gebäude
sehr angenehm hinter und in Bäumen liegt) und durch
die Anhöhe hinter Döppel. Wegen der abwechselnden
Baumgruppen verschiedener Größe bis zu kleinem Gehölz
welche mit Streifen frischen Graswuchses wechseln, hat
die Umsicht obgleich flach dennoch etwas sehr Angeneh-
mes.
Dem Punkte wo wir eben jetzt liegen ist das linke
Havelufer besonders unterhalb des Dammes sehr flach so
daß wenn das Wasser bey nur einigermassen wächst d. Havel u. Elbe zusammenfließen
weiter unten wird das Land ein paar
Fuß höher; diese Niede Vertiefung ist also blos das Werk
einer Durchwaschung.
Eben war ich nochmals auf dem Damme; die letzte Bemerkung
ist ganz unbedeutend, da das Ganze sehr klein ist. – Ich
glaubte von dem Damme aus hinter Havelberg und in der
Richtung nach Sandau zu die Rhinowschen u. Cammerschen Berge
zu sehen, doch weder diese noch Sandau sieht man.
Von Havelberg zieht sich, wie ich nun genauer bemerkte
das rechte Ufer der Havel dem Ansehen nach Wwallähnlich
bis Quitsöbel herab. Bey Quitsöbel ist die Anhöhe
auf einigen Punkten durch Einschießen (Einrollen) des
Bodens von Vegetation entblöst, und es scheint dem
Ansehen nach der Lehmboden welcher sich bey Havelberg
befindet wie [eine] frühere Bemerkung auf den früheren Marsch[-]
<zügen> strichweise von Sand bedeckt oder durchschnitten
bis hieher fort zu setzen.
Zwischen Havelberg u. Werben also nach Süden
zu ist die Aussicht am dürftigsten das Land am
ebensten.
Das rechte Havelufer ist an der Stelle wo wir
eben liegen sehr deutlich geschichtet. Die Höhe des Ufers
bis zum Wasserspiegel mag 6 – 7 Fuß betragen. /
[31]
Die Oberseite ist mit kurzem Rasen bedeckt. Der Boden
bis ohngefähr zu 15 Zoll unter diesen scharf bis 2 Fuß unter Tage ein magerer <linserirter> Letten
<-> abgeschnitten eine Schicht
welcher sich bis zu 5 Fuß [un]t[e]r Tage zu einem Letten
abstuft. Dieser Letten hat in einer Höhe von ohngefähr
1 Fuß [un]t[e]r Tage eine Schicht welche Stellenweise von Eisenoxyd-
<[ox]sydent> gefärbt ist und dadurch Mmarmorirt erscheint
gegen die Sonne zeigt das Blinken die eingemengten
kleinen Glimmerblättchen. Dieser Letten ruht auf
einer sehr <> Lage reinen Sandes, auf diese folgt eine
kaum 2 Zöllige Lage mehr sandigen Lettens <->
<-> welches noch einmal wechselt, nun eine ohnge-
fähr 6 Zoll mächtige Lage feinen Quarzsandes durch
Eisen<wahsen gefärbt. In sehr dünnen Schicht Lagen wechselt
wie vorhin nun nochmals Sand u Letten (von dunkelasch[-]
grauer Farbe. [)] Nun folgt zum 2ten Male eine ohnge-
fähr 6 zöllige Lage Sandes, dann folgt reiner fetter
Letten welcher [sich] unter dem Wasserspiegel fortsetzt.
Hätte ich das Ufer frisch abschürfen können, so hätte
ich die Lagerung genauer bestimmen können. Daß sie
horizontal war ist wohl hier natürlich. – Hinter
dem Damme ist eine bedeutende von Wasser ausgefüllte Vertiefung (Lache)
aus welcher wohl der Sand
zum Damme gwonnen worden seyn mag. An dieser
Lache, deren Wasser ganz grün war, fand ich
außer den gewöhnl[ichen] Muscheln beyliegende Schnecken
und Binsenhalme die von einer durch Insekten
gebildeten schwammähnlichen Masse umschlossen
waren. Der Damm scheint, sich bald hin über
Quitsöbel sich an das dort sichere Ufer Land anzu-
schließen. - Da unsern Schiffen das weitere Fahren nach
der EIbe von dem commandirenden Offizier in Quitzöbel ver /
[31R]
bis auf höhere Ordre untersagt wurde, so ging ich diesen Nachmittage nach dem Dorfe.
Was ich weiter bemerkte ist folgendes. Das
Dorf liegt ohngefähr 10 Minuten von der Havel. Das Land
zwischen dieser und dem Dorfe ist sehr flach; und zur Sicherung
für Überschwemmung außer dem schon erwähnten Damme mit
noch zwei andern Durchschnitten [versehen]. Der Boden ist ein fester
Lettenboden hier und da an einigen Stellen mit Sand untermengt.
Dieser Boden endigt noch die[s]seits des Dorfes, wo die Sand-
ebene beginnt, welche jenseits des Dorfes sich in ihrer ganzen
Dürre und Unfruchtbarkeit zeigt, und welche sich westlich nach der Elbe, östl[ich]
hinter Nitzow und südlich weiter fort
zu ziehen zeigt [sc.: scheint] – Die vegetationsleeren gelblichen Anhöhen
deren ich vorhin erwähnte und welche ich für Lehm hielte
sind Sandhügel, die oberhalb des Dorfes an der Sandebene
beginnen und sich weiter östlich ziehen. Im Dorfe fand
ich Haufen Granitschgerölle von oder Granitgeschiebe
von mittler[er] Größe. Durch einige der Gassen zogen
sich Steinwege die von dergl[eichen] Granitgeschieben gepfla-
stert scheinen. Unter djenen Geschieben zeichnete sich eines
mit dunkelrothen Feldspathe von mehr als kleinem Korne
ohne bemerkbaren Glimmer aus.
Auf dem herrschaftlichen Hofe welcher einem gewissen
HErrn von Gansow gehört fand ich sehr bis vielleicht zu 36 Cub. Fuß große
Sandstein Quater, doch konnte
mir der Verwalter, da sie vor seiner Zeit angefahren
worden waren nicht sagen, woher sie gekommen waren.
Auf demselben Hofe aber fand ich sehr große Haufen eines dunkelaschgrauen <Roggen>kalksteines
von verschiedenem Korne, welche nach der Aussage des Verwalters
der Guthsbesitzer vor einigen Jahren von einem seiner
andern Güther (Brachstädt bey Halle) auf Kähnen
nach hieher [hatte] bringen lassen. Dieser Kalkstein hat ein
sehr dichtes Gefüge. – /
[32]
Noch habe ich nach zu holen, daß weil die Havel über den
Punkt an welchem wir uns jetzt befinden sehr getrennt
fließt das linke Ufer der Havel von einem Punkte zum
andern durch einen geraden Canal von vielleicht 1000
Schritten durchbrochen [worden] ist, um die Schiffahrt zu erleichtern,
die Ufer dieses Kanals sind ganz sandig. – Die dadurch
an dem rechten Ufer des Kanals gebildete Insel ist der
Aufenthalts- und Brütungsort einer großen Anzahl
Möven; - die Jäger auf dem letzten Schiffe sagten daß
sie einige fast zwey Schock Eyer auf derselben gefunden und
noch viele auf derselben herum gelegen hätten.

Am 24sten Juny (Am frohen Johannisfest) Morgens 7 Uhr. Ob wir gleich
heute früh gegen nach 3 Uhr schon von unserm gestrigen Anlegungsort ab-
gefahren sind, so haben wir doch schon, vielleicht kaum ½ Viertel-
stunde unter jenem Punkte an demselben Ufer wegen seichten
Wasser
angelegt, um die wegen seichten Wasser zurückgeblie-
benen beyden andern Schiffe erst noch heran zu holen.
Beyde Ufer sind sich nach in der Hauptsache nach ganz gleich.
Diese Gleichheit bestätigte das rechte Ufer schon vom Wasser
aus durch sein stufenförmiges Ansehen welches schon an der
obigen Stelle statt fand ich aber zu bemerken vergessen habe.
Bey genauerer Untersuchung zeigte diese untere Stelle von
der obern folgende Verschiedenheit. Das Ufer vom Wasserspiegel
aus mag vielleicht an der höchsten Stelle 8 – 10 Fuß betragen
An dieser zugleich <farbtönisch>sten Stelle ist das Ufer ohnge-
fähr 5 - 6 Fuß von der Oberfläche (vom Tage) herein durch ganz
<->eine in Schichten wechselndes Sandlager bedeckt; es
ist ein feinkörniger sehr quarziger Sand. Unter diesen Sandschichten
zeichnet sich besonders eine <fast> zunächst auf den darauf folgenden
Lettenlager liegende durch ihre Farben Nuancen vom Dunkel
Rothbraunen durch das Dunkelochre und Orangegelbe hindurch bis
zum ganz leichten Ochergelben – aus. Ein
deutliches Bild dieser Farbenabstufung zeigt häufig die
Strickerey besonders in Wolle, oder auch bandähnliche
Fabrikate. Die Farben stufen sich von den dunkeln zur
gelben von oben nach unten zu ab, und [dies] zeigt daß diese /
[32R]
Farbabstufung eine Folge der Oxydation des Eisens
vom Tage herein ist, so daß der höchste Oxydationspunkt der
oberste ist, und daß vielleicht diese Farbenabstufung sich zu
bilden begann ehe sich die übrigen Sandschichten über sie hin
schichteten, obgleich diese Überschichtung wohl in sehr kurzen Zwischen-
Räumen erfolgte.
Auf dieses Sandlager folgt ein ohngefähr 2 Fuß und etwas
mehr mächtiges Lettenlager. Dasselbe zeigt sich keinesweges
als das Resultat eines ruhigen mechanischen Absatzes. Nur
ganz unten wo es auf das nun folgende Sandlager aufliegt
zeigt es an einigen Stellen so weit es sichtbaar eine Schichtung als Folge des mecha-
nischen Absatzes. Als Nach Oben zu ist also der Letten nicht
weniger als dicht, sondern vielmehr auf eine eigene Art die ich
nicht bestimmt bezeichnen kann löcherig, es hat wohl je doch ganz
im Kleinen am meisten Ähnlichkeit mit dem Zusammen Ge-
kneteten. Dieses Lettenlager enthält sehr viel Gewurzel
in sich welches hie und da [sich] bis in das folgende Sandlager fortsetzt
besonders aber auch Baumwurzeln von ziemlicher Größe. Diese
Wurzeln d.h. das Holz derselben hat eine holz- und haar-
braune Farbe ist jetzt da es dem Tage ausgesetzt ist aufge-
sprungen und sehr mürbe; es scheint von einer weichen Holz-
art Birke, Linde oder Weiden zu seyn. Die Höhlungen in
den Letten scheinen durch die eingeknete[te] und dadurch scharf zu[-]
sammen gepreßte Luft entstanden zu seyn indem die Höhlungen
innerlich nierenförmig oder gekrösartig abgerundet sind.
Die Farbe des Lettens ist im Allgem: dunkel laven-
delblau oder grau von verschiedenen Höhengraden.
Die Höhlungen so wie die Seiten der Klüftung sind mit
Eisenocher überzogen von verschiedenen Graden der Farben[-]
höhe bis zum karminrothartigen. An den Klüftungen zeigt
sich besonders, daß auch die Oxydation von oben nach unten
sich fortgepflanzt hatte. An einigen Stellen zeigten
sich auch in kleinen wurmartigen vielleicht durch kleines
Gewurzel gebildete Höhlungen ein fast berliner blauer Anflug.
An einer Stelle war ein sehr
feiner weicher Letten von graulich schwarzer Farbe; er enthält
sehr viele kleine Glimm Blättchen eines silber-
farbenen Glimmers. Streicht man diesen Letten zwischen /
[33]
den Fingern so bilden sich kohlschwarze Streifen, welche[s] be-
weist, daß die färbende Masse noch nicht völlig zertheilt
ist sondern sich in, wenn auch für das gewöhnliche Anschauen unbe-
merkbar kleinen Theilen noch in der andern Masse einge-
sprengt befindet.
Unter diesem Lettenlager befindet sich ein ohnge-
fähr 3 Fuß und mächtiges Sandlager, durch seine Schich-
tung sehr interessant und ausgezeichnet. Zunächst unter dem
Letten ist eine Schicht mit ziemlich wagrechten dunklern und silbernen Streifen[.]
Dann folgt eine vielleicht einen Fuß
mächtige Schicht von Streifen mit der Horizontale ohnge-
fähr einen [Zeichnung: Winkel] von 22-25°, dann folgt durch das g[an]ze Lager hind[urc]h eine Schicht
oder vielmehr einige wagrech-
te Streifen nun folgten ein[e] vielleicht 2 Fuß mächtige
Schicht darin Streifen von 30-40° ein[ge]schossen.
Das Ganze hatte zeigte ohngefähr folgendes Pro-
fiel
[Zeichnung mit
  Legende: Sand an einer andern Stelle. Hier sind die Streifen wie es
  scheint unterbrochen.]
Die Zeichnung dieses Sandschicht Lager[s] hat sehr viel Angenehmes.
Wie wirklich merkwürdig ist die Geradheit der Streifen in
ihre gleichmäßige Entfernung, so wie das ganz gerad Abge-
schnittene der schiefen Streifen. Die Streifen in I sind
ohngefähr ¼ Zoll entfernt, die Streifen in II wohl nahe
an 2 Zoll. Die verschiedene Richtung der Streifen wech-
selt oft noch mehrmal als angegeben ist. An einer
Stelle findet unter die sich eine Sicht von der Art der
mehr einschießender Streifen wo unter den Streifen
wo bey jedem Streifen eine Farbenabstufung ähnlich
der oben angegebenen statt findet. Die Ordnung der
Farbenfolge scheint der oben angedeuteten Idee der
Entstehung zu wiedersprechen, indem die dunklere /
[33R]
Farbe nach unten die hellere nach oben gekehrt ist, näm-
lich ohngefähr so:
[Zeichnung]
Diese Sandlager besonders der ersten Art haben dem An-
sehen nach große Ähnlichkeit mit der Zeichnung des <Ili->
felder Marmors, nur daß im Großen und daß die
Streifung dieses gebogen und verworren, die Streifen des
Sandes aber gerad sind.
Dieses Sandlager setzt wenigstens unter dem Wasser[-]
spiegel hin ein.
Unter diesem Lager finden sich abwechselnd so weit es
unter dem Wasser bemerkt werden kann, zwey mit Sand
abwechselnde Lager eines schiefrigen Lettens gan[z] sehr
feinen Lettens ganz von der Art und Farbe des früher
als eingelagert erwähnten. Jedes dieser Lager ist
2-3 Zoll mächtig, da[s] zwischen diesen beyden Lagern
liegende Sandlager ist ohngefähr 4-5 Zoll mächtig.
Jedes dieser Lettenlager ist das Resultat des ruhig[-]
sten mechanischen Absatzes; die Massen sind ganz
dicht; bricht man sie aber quer durch (welches vielleicht
als Folge davon daß das g[an]ze Lager unter [Dreieckzeichen
  = Druck?] ist, und
folgl[ich] die Massen erweicht sind, möglich ist) so zeigt
sich eine sehr scharfe, streng gleichlaufende mehrmals wiederkehrende Schiefe-
rung, so daß also die-
se Lager wären sie trocken und hart gewesen gleich
Schieferthon gewesen seyn müßten. – Die zu dem früher
erwähnten gleichartigen, eingelagerten Letten gedachten
Glimmerplättchen, hätten sich hier, nun mehr ausge-
schieden und zwischen die Schichtungs- und Ablösungsflä-
chen als Bedingung der Schieferung gelagert.

Auf der Elbe noch im Havelwasser Freytags d. 25sten Juny 13.
Abfahrt um 9 Uhr des Morgens nach erhaltener Erlaubniß
des General Gouverneurs von Magdeburg auf an dem
rechten Elbufer hin schiffen zu dürfen. – /
[34]
Einzelne Notizen noch niedergeschrieben in der Havel[.]
(Dieses Blatt gehört vor dasjenige was am 25 Juny angefangen wurde.)
Man unterscheidet <-> an der Havel in der Entfernung ohngef[äh]r ½ Stunde
der neuen und der alten Havelorte - die letzten Anlegepunkte ehe
man in die Elbe schifft. – Dieser Anlegungspunkt war sonst vor
ohngefähr 36 Jahren weiter oben, nach Nitzow zu, weil auch sonst
die Elbe ihr Bette weiter nach Osten oder Havelberg zu hatte,
ohngefähr in der Gegend wo jetzt der neue Deich endigt. Dieser
Ausfluß der Elbe wurde aber wie die Schiffer sagten vor
ohngefähr 36 Jahren zuge<buhnt>, wodurch die Elbe genöthigt
wurde, sich ihr Bette weiter westlich näher nach Werben
hin zu reißen. – Das linke Havelufer unterhalb des neuen
Deiches ist also ganz neuerdings aufgeschwemmtes Land aus-
schließend feiner, weißer, sehr glimmerreicher Quarzsand
durch Weidenbuhnen befestigt, welche nun an vielen Orten
ein fast undurchdringliches Dickicht auf demselben bilden.
Das diesem Ufer gegenüberliegende R. [sc.. Rechte] Havelufer heißt der
neue Havelort, so wie das weiter nach Nitzow hinauf
liegende der alte Havelort.
------------------
Der Deich (Elbdamm) bey Quitzöbel geht nach Aussage bis
Balow [Fußnote*-*] [*] Balow in der Nähe des Sandkruges [*]
ununterbrochen fort von dort wegen den eintretenden
Sandbergen fehlt er Wittenberge (doch findet sich dort ein
kleiner Landdeich. [)] Von Wittenberge geht er dann ununter-
brochen bis Dömitz und weiter.
Auf dem linken E.U. [sc.: Elb Ufer] Dagegen beginnt der Deich bei Alten-
zaun
( 1 M. über Sandau) in der Nähe von Netter- oder
Niederengern und geht dann ununterbrochen bis Schnaken-
burg
, dort bricht er wegen den Einfluß der Aland
ab, setzt aber auf dem entgegengesetzten Ufer den-
selben sogleich fort und geht bis an die Sandberge bey
Fiez [sc.: Vietz] (Fiezer Berge) unterhalb dieser Berge setzt
dann der Deich bis unterhalb Dömitz und weiter
fort.
------------------

Donnerstags am 24. Juny (Johannis) 13. Großer Unterschied zwischen
dem linken und rechten Havelufer bey ihrem Einfluß in die Elbe.
Dort nichts als Flugsand und Weidengebüsch, hier sehr schöne Lage des
Fischerhauses Kriegerswerder unter Eichen von sehr
bedeutendem Alter und Größe umgeben von Wiesen Trift Wiesweiden /
[34R]
Garten- und Ackerland. Mannichfaltigkeit der Umgebung von Kriegers-
werder: Baumgruppen, Elbarme, mit den kleine Seen,
Wiesenparthien jetzt reich mit Heuschobern besetzt, Heuende.
Umgebungen der Wiesenparthien mit reicher frischer
mahlerisch unter sich verbundener Vegetation, von Schilf
Huflattig, wildem Hopfen, Weiden, Winden, Bitterfuß,
(Nachtschatten) Nesseln rc.
Umsicht hinter Kriegerswerder auf dem Elbdamm: nördl[ich]
bis Perleberg Wilsnack (Dom) nordöstlich Qitzöbel
bis hinter Döppel nach der Gegend hinter Havelberg – östlich
Dom von Havelberg (Sandau hinter den Windmühlen und
Bäumen) südlich nach Werben. -
Die bey dem ersten AnlegungsOrte erwähnten Lager des R H U. [sc.: rechten
Havelufers] scheinen auf die beym 2en AnlegungsOrt gedachten, aufgelagert
zu seyn. /

[35]
Freitag den 25sten Juny 13. Während der Elbfahrt
Notizen Die beym ersten AnlegungsOrte von Hav einem Havelorte
bemerkten Lager sind aller Wahrscheinlichkeit nach auf den
beym zweiten Anlegungsorte bemerkten Lager aufgelagert.
Das rechte Elbufer scheint dem Ansehen nach im allgem: Da
so bis
die angegebene Beschaffenheit. Stufenförmiges Ansehen
eisenochrige Sandschichten mit überliegenden Lettenschichten
bey dem Holze Eichengehölz unterhalb Kriegers-
Werder (angenehmes Gehölz) unterhalb diesem Gehölz Elbdamm
bis zum Bord [sc.: Rand] der Elbe, weiter diesen Damm setzt jedoch wie
man deutl[ich] sieht die Beschaffenheit des Bodens und ihre
seine Lagerungs Verhältnisse fort. – Die Elbe unterhalb
des Eichengehölzes unterhalb Kriegerswerder ohngefähr 300 Schritt
breit. Das linke Elbufer hat ein sehr sandiges Ansehen. Sand-
schollen laufen an dieser Stelle in die Elbe hinein. Das Ufer
scheint mit Weiden bewachsen.
5 – 7 Minuten Unter Kriegerswerders Gehölz macht der E.[lb]damm einen ausspring[enden]
Winkel (Ecke) von diesem Punkte an ist das
linke Elbufer stufenför[m]ig u. scheint g[an]z die Beschaffenheit
u. Lagerung des r. Elbufer zu haben, dagegen ist nun
das lin rechte E. U. sandig. Es scheint sich näml[ich] das
Land vom L.E.U. abgerissen, der Letten aufgelöst
geworden und der Sand u. Glimmer auf das R.E.U. ge-
schwissen [sc.: schwemmt] worden zu seyn, wie am neuen Havelorte
umgekehrt. Indem ich das zunächst Vorstehende eben nieder
geschrieben hatte befand ich mich Appendorf gegenüber,
(das Bette der Elbe scheint nach Vorstehenden in das
früher aufgeschwemmte Land eingeschnittenwaschen zu
seyn, weil sich die gegenüberstehenden Ufer entsprechen.[)]
In der Gegend von Nußdorf (einem sehr kleinen Orte) und Risch-
städt [sc.: Rühstädt] (einem sehr <bäume> angenehm liegenden Ort) die Ufer
sehr baumreich. Rechts u. links Eichengehölz, also Zeichen
des sehr alten Bette Flußbettes. Rischstädt ein sehr gut
gebautes Dorf mit einem hervorleuchtenden Herrschaftshaus,
und Häusern mit Ziegeln gedeckt. Nußdorf scheint etwas hoch
zu liegen. - Ehe wir nach Nußdorf gegen über kamen
zeigte das linke Elbufer deutlich Letten oder Thonlager.
Nußdorf liegt nicht hoch, wie ich glaubte, sondern hinter dem
Elbdorfdamm. Dieser geht bey Nußdorf u. Rischstädt noch /
[35R]
immer dicht am r. Ufer hin.
Eine Viertelstunde ohngefähr unter Rischstädt
etwas über Klein NN und Groß NN auf dem L.E.Ufer
fuhren wir ganz nahe an das L.E.U. Das Land war abgerissen, das Ufer
ohngefähr 4 Fuß über den Wasserspiegel. Die Folge der in-
einander übergehenden Lager ist: Lehm, Thon, Letten. Dieß
Abgerissen seyn des Ufers wechselt auf den L. u. R.E.U.
ab. Die Ufer in der Gegend der oben bezeichneten Stelle
nicht baumreich. An dieser Stelle befanden wir uns ziemlich
gerade Seehausen gegenüber.
Eben befinden wir uns dem Vorwerk <Gambs> [Wächter: Gauks] (gerade auf
dem halben Wasserwege zwischen Werben u Wittenberge) 1 Viertel-
stunde unter den vorhin genannten beyden Dörfern gegenüber. Hinter
Unter diesem Vorwerk dicht dabey befindet sich ein bedeutendes
Eichengehölze. Das R.E.U. ist sehr flach. Die Aussicht nach Norden
über die Elbe ist sehr einfach doch in der Ferne waldreich. An dem gedachten Eichengehölz
vorbey zeigen sich <-> Sandhügel dicht am R.E.U.
Dicht an dem ebengedachten Gehölze ist das Land vom Wasser
abgerissen. Das Ufer hat vom Spiegel an gerechnet ohngefähr
7-8 Fuß an dieser Stelle. Zu oberst liegt eine Lehmlage 5 Fuß
mächtig dann folgt Letten. Die Lagerung ist nicht ganz gerade
und nicht wagrecht sondern sanft gel auf u ab gebogen[.]
In diesem Augenblick sind wir den Sandkrug passirt. Die vorher
genannten Sandhügel befinden sich dicht unter demselben, sie können
eine Höhe bis zu 30 Fuß vielleicht höher haben; sie schießen sehr
schief ein.
Da unser Schiff anlegen mußte stieg ich unterhalb der
<Scharheikschen> Abladung (und ½ Viertelstunde vom Sandkruge) und dem
Sandkruge aus. Der Sand in so fern er nicht wie größtentheils
mit Treib[-] oder Rollsand überschüttet ist, ist ein vollkommen ge-
schichteter weißer zerreiblicher Sandstein oder ein wenn man
lieber will erhärteter Sand; die nur wenig wie es scheint
nach W. fallenden Schichten streichen von S nach N. Die Schichtung ist
nicht immer gerade und gleichlaufend. Das G[an]ze Sandlager mag
wohl an vielen Stellen wo es zu Tage ausgeht über 20 Fuß hoch seyn.
Es zerfällt der Farbe nach in zwey Hauptschichten, die obere
eine <-> schmutzig gelbe, und in die untere eine reinere sehr
weiße Schicht ohngefähr 2-3 Fuß mächtig. Zwischen beyden liegt eine
Schicht wenig Zoll mächtig vollkommen ochergelb. /
[36]
Unter jenem der weißen Sandschicht ging eine keinen vollen
halben Fuß mächtige Schicht einer torferdartigen etwas sandigen Erde
zu Tage aus. In dieser Erde welche so viel ich untersuchen und
in der fortlaufenden Ansicht erkennen konnte, sind wirkliche
Lager und nicht ein Product der Menschen <-> , denn es folgte
sehr bestimmt in gleichlaufenden Linien wieder ein wieder nur
wenige Zoll mächtiges Sandlager (<so> wie es sich unter dem Wasser
erkennen ließ) und dann wieder ein wenigstens der Farbe nach
dem vorigen ähnliches Lager. In dieser torfartigen Erde zogen
sich vieles Holz von holz brauner Farbe ähnlich dem Fossilien[-]
holz so wie auch viele Kohle eingemengt. Die Schiffleute
meinten es wäre dieß ein Product der Kunst, vielleicht von
einer <Scharleikschenabladung längs des Wassers hin einen Weg
nach dem Sandkruge zu bahnen. Ich mußte zu schnell ein-
steigen um es weiter untersuchen zu können. Das torfartige torf-
erdartige Lager schien mir jedoch ganz bestimmt.
Von der Höhe des auf dem an sich von der Natur hohen Ufer
nach gebildeten Damme übersieht man einen sehr großen Ge-
sichtskreis in welchem <Wilnack> dem Ansehen nach lauter Sandgegenden, für
welche auch die nun auf dieser Rrechten Seite eingetretenen
bedeutenden Kieferwaldungen sprachen. Dieses Ufer setzt ganz
so bis Hinzdorf fort; unter Hinzdorf wird das Ufer sehr
flach; dann ½ Viertelstunde unterhalb ist wieder das obige
Sandlager als R.U. jedoch nicht so mächtig unter ihm
liegt ein einige Fuß mächtiges Lettenlager dann folgt
dicht am und im Wasserspiegel ein Lager was der
Farbe nach jenem torferdartigen ähnlich ist; ich war
zu weit entfernt um es zu untersuchen.
Unterhalb Groß- und Klein<bilst> wurde das Ufer zu beyden
Seiten sehr flach; bald erschien Wittenberge (am Ausfluß der
Stepenitz welche die von Wilsnak kommende [Lücke, sc.: Karton] in sich
aufnimmt) glei quer über die Elbe, gleichsam dieselbe in
ihrem Laufe begränzend. Vor Wittenberge sahe man
rechts die schon bekannten hügelichen Sandufer wieder.
Hinter Wittenberge Laubholz ohne Zweifel
Eichen. Wittenberge keine ausgezeichnete Kirche, es ist eine
kleine jedoch sehr reinliche Stadt mit lauter hölzernen Häusern,
sie hat 2 Hauptgassen. /

[36R]
Sonnabends am 26.July [sc.: Juni]. Diese Nacht hatten wir bey Wittenberge
angelegt. Als wir gestern in die Stadt gingen, rief uns der Prediger
Heinrich an, welcher uns aufforderte diese Nacht bey der Stadt Halt
zu machen und den Abend bey ihm zu zu bringen. Wir lebten diesen
bey ihm angenehm. Er zeigte uns ein Zirkular von der Regierung in
Potsdam an die Prediger, in welchem diese aufgefordert werden ihre Ge-
meindeglieder zur Standhaftigkeit, Ausdauer und zur Erneu[er]ung des
Kampfes aufzu zu ermuntern. Die Stepenitz fließt vor der
gegen 3 ½ Uhr fuhren Stadt eine Strecke längs der Elbe und
durch einen kleinen Strich Landes von derselben getrennt vorbey und
dann unterhalb Wittenberge in die Elbe*. M[an] klagte hier sehr über die Kosacken.
Um 3 ½ Uhr fuhren heute früh fuhren wir ab. Die Ufer bis Wa-
renberge sind einfach und, die Weiden ausgenommen, wenig baum-
reich. (: Ich muß hier nachholen, daß wo ich im Vorhergehenden
von wenig baumreichen Ufern spreche, wenigsten[s] die <trazischen> Weiden, welche
sich besonders an den flachen Stellen zur Befestigung der Ufer
in Menge finden, ausgenommen sind:) Warenburg [sc.: Wahrenberg] ein
Dorf liegt sehr angenehm**; der Elbdeich zieht der dicht am
R. Ufer herab kommt, zieht sich dicht vor dem Dorfe, und
eben so dicht an der Elbe hin, durch welchen dann der Ort
wie mit einem Wall umgeben erscheint, über diesen Wall
hinweg gaben die Kirche und einige andere etwas durch ihre
Nettigkeit ausgezeichnete weiße mit dem ächt Daaser
reet
reth gedeckte Häuser einen freundlichen Reflex
in dem ruhigen Wasserspiegel über den Damm herab.
Gerade vor Warenburg liegt eine grün bewachsene In-
sel in der Elbe, von einiger, wenigstens einer solchen
Höhe (vielleicht 5-7 Fuß) Höhe über dem Wasserspiegel
als ich bis jetzt noch keine in der Elbe sahe. Die Besatzung
in Warenburg waren 40 M[ann] Infanterie mit einem Kapitän
Italiäner, so wie die bey Werben friedliebend. Der
Zoll director Inspector Controlleur, welcher ans Schiff kam, ver-
sicherte uns das gute Betragen derselben. – Das Bette
der Elbe mag wohl bey Warenburg nahe an 1000 Schritt breit seyn
obgleich die Wasserfläche bey dem jetzt kleinen Wasser vielleicht
nur 600-700 Schritt. Außerhalb Warenburg finden sich noch 2 Inseln
[Zwei Anmerkungen als Fußnoten * und **]
*Von Wittenberge nach Perleberg ist eine Meile der Weg geht
nach der Aussage durch tiefen Sand.
**südlich von Wittenberge ist ein Sandhügel von welchem aus
man nach der Aussage eine sehr bedeutende Umsicht bis Wils-
nack, Seehausen und noch hinter diese Orte hat. /
[37]
2 Inseln von der Beschaffenheit der vorigen nur die eine beträchtlich
größer in der Elbe. Von der natürlichen Beschaffenheit der Elbe her
ließ sich bisher nichts sagen da sie durch die Kunst zur Befestigung
derselben durch sogenannte Buhnen (Faschinen) verbaut waren.
Nur unterhalb Warenburg hinter der großen Insel zeigte sich
am L.E.U. die etwas gebogen gelagerten Lehm[-] u. Sand-
Thonlager. Unter diesen Inseln ohngefähr ½ Viertelstunde
unter dem Orte zeigte sich nun am R.E.U. Laubholz vielleicht
ohne Zweifel Eichen Waldung.
Über Mükkendorf [sc.: Müggendorf] ist das Ufer und die vom Wasser aus sichtbare Gegend ganz
baumleer dage, dagegen da war die Aussicht auf das rechte
l.E.U. welches sich gleichs der Elbe gleichsam als Wehr
vorzog sehr baumreich indem sich Laubholzwaldung auf demselben
befand. - Das hier (oberhalb Mükkendorf) entblöste R.E.U.
zeigt ganz dieselbe Beschaffenheit wie das L.E.U. unterhalb
[von] Warenburg. Sieht man auf dieser Stelle auf die nach der passirten
Elbe zurück, so zeigt sich diese weil sie sich kurz vorher
dieselbe gewendet hatte, eine sehr breite (über mehr als 1000
Schritt) breite Wasserfläche welche durch einen Waldsaum
Laubholzes (das R.E.U.) abgeschnitten begrenzt erschien.
Unterhalb Mückendorf zeigt das linke E.U. dieselbe
Beschaffenh[ei]t wie oberhalb diesem Orte das R.U. d.h. Lehm[-]
und Lettenlager das g[an]ze Ufer nur wenige Fuß hoch. Die-
ser Stelle ganz gegenüber zei ist auf dem L.E.U. dicht
am Wasser dichte und frische Eichenwaldung, so wie nur wenig weiter unten auf dem
R.U. - Diese Waldungen stehen wie die scharf abgerissenen
an vielen Stellen 4-5 Fuß hohen Ufer zeigen auf Lagerungen
ganz von der bisherigen Beschaffenheit. Die Waldung[en] be-
sonders des R.U. sind sehr reich an Gesang Vögel, Finken
<-> Drosseln, Golddrosseln, Amseln, Meisen rc.
in deren Gesang die Lerchen einstimmten[.]
<-> Weidende, aus dem Walde an das
Wasser zum Trinken kommende Kühe erhöhen das Ange-
nehme der Gegend welche sich an dem heutigen heitern
ganz ruhigen nicht heißen Tage in ihrer ganzen Anmuth zeigt.
Längs An vielen Stellen des L. U. auf welchem diese Waldung
steht scheint unter dem Letten Lager 4-5 Fuß unter Tage
ein nur wenige Zoll mächtiges thorferdartiges Lager zu liegen. Das
Schiff war zu entfernt um es genau
genug bestimmen zu können. In dieser Gegend einige Inseln,
zum Theil von bedeutender (6-8 Fuß) Höhe. Riechende Vergißmeinnicht /
[37R]
auf der ersten dieser Inseln. Diese Inseln sind mit Weiden bewachsen
auf der größten derselben befinden sich Grabplätze welche gemäht
werden. Sie diese Inseln haben in Hinsicht des Bodens ganz
dieselbe Lagerungs Folge wie das linke U. zeigt. Unterhalb
Hinter der vorletzten Insel bis hinab an die Landspitze
zeigt der Boden ist das linke Ufer vom Wasser scharf ab-
gerissen und mag wohl an mehreren Stellen eine Höhe bis
zu 8 Fuß haben. Die Lagerungs Folge ist die schon oft
ausgesprochene von Lehm, Thon, Letten. An den höchsten
Stellen des Ufers zeigt sich unmittelbar auf und unter dem
Wasserspiegel ein ohngefähr 3 Zoll mächtiges hoch und
dunkel ochergelbes Lager, was es jedoch sey blieb mir
zu bestimmen ganz unmögl[ich], Sand schien es jedoch nicht zu
seyn. Die Lager sind etwas wellenförmig gebogen.
Unmittelbar unter der Oberfläche an der Landspitze
haben unzählige Uferschwalben ihre Nester; diese
genannte Landspitze ist ohngefähr dem auf dem R. U.
liegenden Orte Kommeloosen [sc.: Cumlosen] gegenüber und so weit
zieht sich auch der herrliche Eichenwald des l.U. herab.
Wie an den d[urc]h Eis beschädigten Eichen zu sehen so
mag wohl zur Zeit des Eisganges die Elbe gegen
10 Fuß höher als jetzt gehen.*
Ohngefähr ¼ Stunde unter Kommeloosen zieht sich der erste Ab[-]
Damm ***g[an]z dicht an die Elbe heran und läuft so dicht an der[-]
selben fort. Das R. Ufer zeigt jetzt nur noch einzelne Eichen
und Eichengruppen zwischen zwey einzelnen Häusern. Die Eichen[-]
Waldungen des L.Ufer sind zurück getreten und Weidengebüsch stehen
zunächst am Fluß**. Bey dem RückBlick auf den Fluß
aufwärts begrenzt die früher das zuletzt gedachte Eichenge-
hölz des R.U. den Strom. Bey dem Blick je abwärts
der Elbe zeigt sich im HinterGrunde der Strommitte der
spitze Thurm von dem noch ohngefähr ½ M. entfernten
Schna[c]kenburg auf dem l.E.U. (: Von Wahrenburg
bis Schna[c]kenburg sahen wir keinen militärischen
Posten.: ) – Gegen 11 Uhr
[Drei Anmerkungen/Fußnoten *-***]
***bis Lüttge, (klein) Wisch [sc.: Lütkenwisch] welches dicht am Strom jedoch
hinter dem Damme liegt.
*Diese Waldung heißt die Garbe
**Hinter und in diesem Gebüsch liegt die Förster Wohnung; gegen- /
[38]
über dieser Wohnung tritt am R.U. die schon längs der Fahrt
herab bemerkte Lagerung zu Tage aus so wie auch das zuletzt
links unter dem Letten bemerkte ochergelbe Lager.
Gegen 11 Uhr Mittags legten wir bey Schna[c]kenburg in der
Elbe fest; das Städtchen sonst lüneburgisch liegt <ganz> dicht an der
Elbe und Alant welche recht an der Elbe vorbey fließt; es
scheint doch obgleich klein doch bedeutend größer als Wittenberge
von der Elbe herab sieht es recht gut aus. Palisaden umgeben
es nach der Wasserseite zu damit es die Häuser nicht von Eise beschä-
digt werden. Es sehr hat größere Gebäude als
Wittenberge doch ebenfalls keine steinernen. Die Alant
ist selbst bey ihrem Einfluß in die Elbe klar sehr klein. Sogleich
unterhalb Schnakenburg beginnt sogleich der Elbdamm wie-
der. Das Schnakenburg gegen überliegende Ufer ist sehr flach
einförmig und baumleer, jedoch in einiger Entfernung zeigt
sich wieder ein Eichengehölz. –
Um 2 Uhr Nachmittags fuhren wir wieder ab. Das R.E.U.
war bis eine gute ½ Stunde unterhalb Schnakenburg wo sich der Strom in einem rechten
Winkel mit einemmale westl[ich] wendete.ganz seicht
und mit Weidengebüsch besetzt. Ohngefähr eine kleine Vier-
telstunde Landeinwärts zeigte sich hinter demselben
eine etwas erhabene Sandstrecke welche sich ohngefähr gleich-
laufend dem Ufer bedeutend lang hinzog und mit Kiefern
bewachsen war. Das rechte Ufer zeigte die bekannte Beschaffen-
heit! – Nach der schnellen Wendung westl im recht[en] Winkel
westl[ich] wurde nun das L.U. an welchem sich der Damm
dicht hinzog einförmig seicht niedrig und baumleer; diese Stelle ist gerad
dem Lenzner Fähre Kruge gegen über, bey welchem
sich wieder dicht längs am Ufer hin ein kleines Eichengehölz hinzieht.
Diesem gegenüber etwas weiter unten, wo über das R.U.
schon der spitze Thurm von Lenzen herüber sieht ist [sc.: zieht sich] auf dem
L. E.U. abermals eine <-> vortreffliche Eichenwaldung hin deren
Schönheit in diesem Augenblick noch durch die Erleuchtung
gehoben wurde. Dicht unter diesem Wald nur wenig
landeinwärts liegen die schon früher erwähnten Fiezer
Berge, welche jedoch wohl schwerlich wie der Schiffer
bey Quitzöbel äußerte Sandberge seyn mögen wogegen
ganz das dunkle Ansehen der sich auf ihnen befindenden
Äcker, und das Bewachsenseyn mit Laubholz (ohne Zweifel
Eichen) spricht. Der Schiffer behauptet jedoch nochmals /
[38R]
daß es Sandberge seyen, wofür freylich der eben hinter dem
Walde noch mehr durch die hervorkommende Theil der Berge
auf welchem sich vegetationslose weiße Stellen zeigen
so wie das übrige Vegetations Ansehen desselben sprachen;
denn die bewachsenen Stellen dieses Theils der Berge schien[en]
dem düstern matten Ansehen nach mit Heide bewachsen
zu seyn, so wie oben auf denselben Kieferngehölz
steht. An dem R.E.U. hingegen zieht sich der Elbdamm
noch immer ganz dicht an dem Strome fort, hinter
demselben läuft ein <-> schmales Eichengehölz hin.
An einer Stelle dieses Ufer[s] gerade der Endspitze des
Eichenwaldes auf dem L.U. gegen über gingen
die bekannten Lager zu Tage aus und unter dem
Letten zeigte sich auch hier das schon einigemal
erwähnte ocher[sc.: ocker]gelbe Lager. Nur wenig weiter unten
tritt dieses Lager auch an dem L.U. zu Tage aus.
Um 6 Uhr landeten wir am R. U. Lenzen gegenüber, es
war mir sehr lieb daß fortwährend das eisenochrige Lager längs
demselben obgleich mehr oder weniger verschüttet zu Tage ausging die
ich nun doch endlich genauer untersuchen konnte, ob es
mir gleich nicht möglich war, wegen den an den Stellen wo ich nicht untersuchen
konnte hereinge<schurrten> und
zusammengesackten Ufer, die Folge der
Lager und Schichten und ihre Mächtigkeit genau zu bestimmen.
Es zeigten sich hier einige der eisenochrigen Lager und Schichten, doch
lag das mächtigste wie ich beurtheilen konnte, wohl in der-
selben Ebene wie das schon mehrmals bemerkte, und auch
wohl von derselben Mächtigkeit d.h. ohngefähr 1 Fuß, auf ihnen
war bestimmt und durchgehend Letten aufgelagert. Das Lager selbst
war ein raseneisensteinartiger Sand oder ein, eben in der
Bildung begriffener Raseneisenstein und eben deßhalb mir
sehr bemerkenswerth weil es mir sehr deutlich wenigstens
die Bildungsgeschichte einer Art Raseneisenstein anschaulich
machte. Das Lager selbst da ein da wo es zu Tage ausgeht
vielleicht durchs Wasser noch mehr loser Sand von ochergelber
Farbe ist seiner Länge nach mit einigen unter sich gleichlaufenden /
[39]
durch das ganze Lager hindurch laufenden Streifen oder Bänder
einer raseneisensteinigen Masse durchzogen. Diese Streifen oder
Bänder sind theils unter sich mit hohlen zapfenähnlichen Walzen verbunden
theils hängen von den oberen Bändern zapfenähnliche hohle Massen herab
die gleichsam in ihrer Bildung noch nicht so weit sich ver-
größert haben daß sie sich das darunter liegende Band
erreichen. Das Lager hat in seinem Längs Durchschnitt ohngefähr
folgrige [sc.: folgende] Gestalt:

[Zeichnung]
Die walzen- und zapfenförmigen Gestalten waren jedoch nicht scharf von
dem losen Sande abgeschnitten sondern gingen nach und nach in denselben
über, weil nämlich die einzelnen Quarzkörnchen durch das sich dahin
gezogen habende eisenartige oder vielmehr eisenhaltige [Ver] Bind-
ungsmittel von innen nach außen immer loser verbunden
sind. Die Gestalt und die so ebengedachte innere Beschaffenheit zeigt
sich ohngefähr so:

[Zeichnung]
Da bey diesen Gestalten die runde walzen- oder zapfenförmige Form,
- die der Achse nach durch das Ganze hin durch gehende Öffnung
a, dann die gleichförmige bedeutend stärkere Verdichtung b
in einer bestimmten Entfernung von der und um die Achse mindestens
findet
die Bildung der Zapfen <-> - und da mir die Walzen
oder Röhren als verlängerte Zapfen erscheinen, also auch die Bil-
dung jener von oben nach unten immer statt findet, so scheint
daraus das Bedingtseyn dieser Gestalten durch die Gesetze
der Anziehung leicht hervorzugehen, welches sich mir noch deut-
licher durch folgende beyde Bemerkungen ausspricht erstl.[ich] so
wie jeder Zapfen oder jede Walze in gleicher bestimmter Entfer-
nung von der Achse und der Außenseite gleichbleibend eine
dichtere Stelle hat, so haben auch die wagrechten Bänder
cc,dd u.s.w. in der Mitte ihre dichtere Bänder Stelle
weiter habe ich in dem ganz reinen Quarz, und bey unserm
ersten AnlegungsOrt bey Quitzöbel gegenüber bemerkt, daß sich
in demselben von bestimmten Punkten aus von Eisenohr fa-
denförmig durchzogene Stellen finden, welche mir als der Anfang
zu den ebengedachten Walzen und Zapfen erscheinen. Daß die /
[39R]
größte Verkettung durch das metallische Bindungsmittel nicht
in der Mitte der Walze rc sondern in einer bestimmten Entfer-
nung von dieser ist scheint mir durch die Erscheinung erklärbar
daß wenn man einen oder einige Tropfen gefärbter
Flüßigkeit auf Löschpapier oder Leinwand bringt, dieser sich
nach den Gesetzen der Anziehung auch so ausbreitet, daß
außen um den Fleck ein stärker gefärbter Rand entsteht.

[Zeichnung]
Aus dem Gesagten dünkt mir, daß sich eine einfache Erklärung
der Erscheinung wenigsten[s] folgern läßt, ob es die wahre seyn
kann kann ich nicht entscheiden.
Über die Entstehung und Bedingung der früher gedachten Bänder
des Rasen Eisenoxyds nachher bey der Betrachtung der Ver-
schiedenheit des Sandes.
Verzeihen Sie mir daß ich so viel über diese Formati[on] des Rasen[-]
eisensteines sage allein ich gestehe Ihnen gerne daß mir diesel[-]
be sehr interessant ist, weil sie mir ein Vorkommen dieses Rasen[-]
eisensteines auf an einem Berge ohnweit Göttingen links
von der Straße nach Cassel in der Nähe des bekannten <Sosa>bühles
erklärt, es findet sich nähmlich dort in der Formation des
bunten Sandsteines (Hausmann) dieser Raseneisenstein in den
mannigfaltigst und sonderbarst gewundenen Gestalten za-
pfen- walzen- wurmförmigen rc. Gestalten welche sämmt-
lich ein sehr geschlossenes Ansehen haben wodurch früher
einige Naturbeobachter verleitet worden sind dieselbe[n]
wirklich für Eisenschlacken zu erklären. (: Auf diesem bunten
Sandstein (Hausmann) ist auf diesem Berge dessen Name mir leider
jetzt nicht gleich einfällt so wie auf dem <Sosa>bühl der säulen-
förmige Basalt ich glaube unmittelbar aufgelagert ). Da ich jetzt
nun das raseneisensteinartige Lager in der
Nähe Lenzens gesehen habe so scheint mir nun jenes Vor-
kommen bey Göttingen leicht erklärbar, indem ich mir die
Entstehung jener Massen bey Göttingen ganz so denke wie
mir solche das Lager bey Lenzen zeigt, durch die nach-
herige Verwitterung aber haben hat sich die festen der lose Sand
um die festeren walzenförmigen rc Theile bis auf einen bestimmten Punkt herum los-
gewaschen. Diese festeren Theile
nun sind vielleicht durch die Schwere der darauf ruhenden
Masse zerbrochen worden und haben sich nun g[an]z unor- /
[40]
dentlich glei in den losen Sand gleichsam zerstreut. In diesen Schlak-
kenartigen Massen und in dem sich in der Nähe zugleich findenden
Quarzfels(?) (Hausmann) findet sich Hausmanns Limonit.
Die Benutzung des Raseneisensteins auf Eisen [sc.: als Eisenerz] hat wo ich nicht irre
gezeigt, daß er ein sehr sprödes Eisen giebt, zu einem ähnlichen
Resultat ist wie mich dünkt auch HE Prof. Strohmeyer mit in
seinen Versuchen mit dem Silium gekommen. Hausm[anns]
Limonit ist glaub ich noch nicht chemisch untersucht, doch erinnere
ich mich auch wirklich der Quelle nicht wohin er ihn in seinem Sy-
steme versetzt.
In der Folge der Lager und Schichten wie sie mir die gedachte
Stelle an dem R.E.U. zeigte, zeichnete sich noch besonders eine
Lettenschicht aus; ihre Mächtigkeit betrug nur wenige Zolle.
Die Farbe war ein schwärzlich Grau und fühlte sich sehr fettig
an. In diesem Letten fand sich sehr vieles fossile Holz
<-> einzig auf diese Schicht beschränkt so daß es <organischen>
weder in die darauffolgende Schicht noch [in] das darunter liegende Lager
überging. Daß Dieses Holz zeichnete sich besonders durch die
Art seines {Zersprungenseyns / Zerrissenseyns} seiner ganzen Länge nach
aus, so daß sich der Querdurchschnitt
ohngefähr so zeigte

[Zeichnung]
Mir ist diese Art des Zerreissens
an keiner der mir bekannten Holzarten bekannt. Das Holz des
Weines zeigt glaub ich etwas Ähnliches. Das Holz ist g[an]z alles astartig.
Die Folge der Lager und Schichten ist an der gedachten Stelle
so viel ich mich erinnere diese. Unter der Dammerde folgt
ein hohe ein paar Fuß mächtiges Lehmlager, dann kommt Sand
dann Thon, nun eine sehr dünne Lage eines ochergelben sehr
eisenschiffigen Lettens, nun der Letten mit dem gedachten
fossilen Holze inn liegend nun folgt das Lager des rasen-
eisensteinartigen Sandes, welcher [sich] bis unter die Wasserfläche
fortsetzt. Die ganze Höhe des Ufers von dem Wasserspiegel
bis zur Dammerde mag 4-5 Fuß betragen. Die Folge der Lager
und Schichten läßt sich wie ich schon früher sagte nicht
scharf bestimmen, da von oben manches herunter nachge-
schürt ist und es mir nicht möglich war das Ufer frisch zu ent-
blösen, so viel aber zeigte sich bestimmt die raseneisenstein-
artigen Lager lagen immer unter dem Letten. /
[40R]
Lenzen liegt ohngefähr 1 Viertelstunde vom R.E.U, der Boden
bis dahin ein fester Thonboden; es liegt an dem R. U. der Löckenitz
östlich von der Stadt liegt die sogenannte Burg auf einem Hügel.
Von dem Thurme des herrschaftlichen Hauses hat man folgende
Umsicht:
Nach Süden sieht man über Eichenwaldung den Gottowschen
[sc.: Gartowschen] Thurm 1 M. v. Lenzen.
Nach Osten ebenfalls über Eichen sieht man den Schnakenburger Thurm
Nach Norden sieht man den Rutower [sc.: Rudower] See über diesen See weg
den Boberowschen Thurm. Boberow 1 M. v. Lenzen.
Von diesem See an südlich bis Gannow (oder <Kannow>) (: oder
vielmehr bis Kummloosen welches man jedoch wegen den vor-
stehenden Gehölze nicht sehen kann :), ziehen sich Sandberge (z.B. der
sogenannte Scharfenberg über welchen der Weg nach Perle-
berg geht ) herab. Auf diesen Sandbergen steht Kiefernge-
hölze, am See stehen Eichen.
Nach Nord W. sieht man das Amt Ellen<->burg [sc.. Eldenburg] an der Poststr. [nach] Hamburg[.]
Ganz im Westen sieht man die Berge bey Dömitz (?) dicht vor diesem
Berge liegt Prezin [sc.: Breetz]; Dömitz 2 M. von Lenzen.
Nach W Süd W. sieht man Seedorf ½ Stunde rechts von der Elbe.
Vom Rulower See bis Seedorf am Horizonte Kiefer-
gehölze.
Nach Süd W. rechts von den Fiezer Bergen sieht man den Thurm
von Luckow 3 – 4 M. von Lenzen
Zwischen den Fiezerbergen und dem Berge bey Dömitz
sieht man in der blauen Ferne sehr leichte Erhöhungen, viel-
leicht die Lüneburger Heide und zwar unter andern auch
den Theil derselben, welchen wir auf unserm Marsch von
Danneberg nach Göhrde passirten, dessen bergigte Eigen-
schaft ich schon in einem frühern Briefe erwähnte. Nach
dieser Gegend hin ist der niedrigste und der von Bäumen
fast ganz befreyte Theil des ganzen Horizontes, daher
die weiteste Aussicht nach derselben.
In Verhältniß der flachen Gegend in welcher Lenzen liegt
scheint ist die der Gesichtskreis sehr klein, allein eben weil
die Gegend flach und niedrig ist, so wird auch der Gesichts-
kreis sehr leicht durch leichte Erhöhungen wie von N. nach
O. oder durch Bäume und Gehölz wie von N nach W
und von O. nach O. beengt.
Die Löckenitz kommt bey Konnow in den Horizont geht links bey Ellenburg vorbey
Seedorf liegt an dem l[inken] U[fer] derselben, sie fließt bey Dömitz in die Elbe. /
[47]
Der lose Treibsand fängt nach NO unmittelbar hinter Lenzen an, wo sich
das Sandland bald in Sandhügel, welche strichweise von O nach W läuft
[laufen] erhebt. Diese unter sich gleichlaufenden Sandhügel laufen auch so zieml[ich]
mit den Fiezer Bergen parallel, sie können bis zu 20 und mehr Fuß
über den Elbspiegel erhaben seyn und sind mit Kiefern bewachsen.
Der Sand enthält <-> keinen Glimmer eingemengt auch fand ich in
demselben keine Urgebirgsgerölle ob sie sich gleich früher in demselben
in großer Menge gefunden haben müssen da so wohl die Straße der
Stadt als auch die Fuhrstraßen damit gepflastert sind auch finden
sich sonst noch Haufen derselben so vor dem Porstelschen Garten 12 aus
einem Gerölle gesprengte Stücke jedes von wohl 2-3 Cub Fuß.
Mondtage am 28ten July gingen wir zu Wagen über Cumlosen Witten-
berge Abbendorf und Nitzow nach Havelberg zurück. Vor Cumlosen treten
die bey Lenzen gedachten Sandhügel an die Elbe herab
und sogleich finden sich auch hier Kiefern und Birken als Gehölz.
Bis Cumlosen größtentheils Lettenboden. – Vor Lüttgen Wisch [sc.: Lütkenwisch]
findet sich eine Ziegelhütte. – Die Waldung welche auf diesen
Wege fast ununterbrochen links den Gesichtskreis begrenzte scheint
größtentheils Kiefernwaldung zu seyn. In dem Sande finden
sich Granitgerölle.
Wittenberge. Die Sandhügel gehen bis dicht hinter die Stadt
der Sand nicht Glimmerreich. Granitgerölle und Granit-
pflaster in der Stadt. Bey Wittenberge fließt die Cartau
welche von Wilsnack herab kommt in die Stepenitz, welche ein
Stück vor der Stadt vorbey dann in die Elbe fließt. Witten-
berge liegt an dem rechten Ufer der Elbe und Stepenitz.
Vor der Stadt auf dem Wege nach dem Sandkruge hin, gehen
die Sandhügel (von wohl gegen 30 Fuß über dem Wasserspiegel hoch)
über das bis dicht an die Stepenitz, laufen einige 100 Schritt
in geringer Entfernung von dem Fluße, mit demselben fort,
und ziehen sich dann nach links (nach Osten?). Diese Hügel ziehen
sich dann in der Entfernung einer kleinen ½ Stunde vom Wege
weiter vorwärts (südl ?), Vor Lüttgen Heyde sahe man südl
(südöstlich ?) wie sich die Sandhügel dicht an die Elbe herabziehen.
Der Boden zwischen diesen und der Elbe thonig. Die Hügel mit
Kiefern besetzt. – Hinzdorf welches nun der Weg draf [sc.: traf]
liegt auf Sandhügeln welche das Ende der eben gedachten
Kette sind; das Dorf liegt dicht an der Elbe. Von Hinzdorf
an sieht man den Sandkrug und die sich nach denselben hin
ziehenden Sandhügel deren schon auf der Herabfahrt gedacht.
Vom Dorfe bis zum Sandkruge nichts als Sand [.]
Vom Sandkruge bis Abbendorf fester oft Lehmboden
von der nicht sehr hohen Kirche in Abbendorf sieht man /
[47R]
die Orte Wilsnak Schönhausen, Werben und Havelberg.
Von Abbendorf bis hinter ? Quitzöbel fester Lettenboden, die
auf ihm gebaut werdenden Früchte sind: Weizen, Erbsen,
Linsen, Wicken, Klee, und Roggen. Hinter diesem Orte
<- -> begann allmählig der Sand welcher sich hinter Quitzöbel
wie schon früher bemerkt wurde, in größter Menge findet und sich da
zu Hügeln anhäuft, er zieht sich bey Nitzow welches auf dem erhöhten
aus Sand bestehenden linken Havelufer liegt, an die Havel herab
und setzt [sich] dann in geringerer Menge bis hinter die Windmühle von
Havelberg fort.