Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v.7./15./17./20.7.1813 (Havelberg)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v.7./15./17./20.7.1813 (Havelberg)
(GNM, Bl 41-44, mehrfach dat. Brieforiginal 2 B 8° 8 S., ed. Neuhaus 1913, 125-128 mit einer Auslassung geognostischer Bemerkungen 41V-42R)

HaveIberg, den 7ten July 1813.
Da wie uns unser HE Lieutenant Müller sagt, es ziemlich gewiß ist
daß wir den 18ten dieses von hier aus zu unserer Bestimmung
d. i. mehr nach Norden abgehen werden, um uns unter die Fahnen unseres
künftigen Befehlshabers des Kronprinzen von Schweden, zu sammeln
so eile ich Ihnen zu schreiben um vielleicht vor unserm Abmarsch
von hier noch das Vergnügen zu haben von Ihnen verehrter Freund
einen Brief zu erhalten.
Bald nach dem Abgang meines letzteren Briefes an Sie, welchen
ich durch die Güte des HE Adjudant Friesen besorgte, wurde ich
nebst mehreren andern zur Eskorte dreyer Schiffe, welche von
hier auf der EIbe nach Lenzen bestimmt waren beordert. Den
22ten Juny Nachmittags fuhren wir von hier ab und kamen Sonn-
abends den 26ten glücklich in Lenzen, nachdem wir sämmtliche Elb-
posten der Franzosen passirt hatten, glücklich an. Sonntags hatten
wir Rasttag. Mondtags den 28ten kehrten wir zu Wagen nach
Havelberg zurück wo man wegen unserem langen Ausblei-
ben schon das Gerücht verbreitet hatte daß unsere Schiffe von
dem Feinde genommen und wir als Gefangene schon durch Tanger-
münde geführt worden wären. Seit meiner Zurückkunft
nach Havelberg hatte ich mir jeden Tag vorgesetzt Ihnen zu
schreiben und Ihnen die während meiner Fahrt gemachten niederge-
schriebenen Bemerkungen zu gütevoller Prüfung vorzulegen
doch die militärischen Obliegenheiten, welche ununterbrochen im
Wachestehen, Waffenüben und Schießen wechselten und daß [sc.: das] wirklich
sehr unfreundliche Wetter noch dazu hielten mich bis jetzt davon ab.
Recht oft habe ich während dieser meiner Fahrt und besonders
gegen das Ende derselben wo sich meine sämtlichen bisher ge-
machten Bemerkungen zu einem Ganzen bildeten Ihrer, wegen der
Forderung auf jede auch klein scheinende naturhistorische Erscheinung
aufmerksam zu seyn, herzlich dankend gedacht. Erlauben Sie
mir daß ich Ihnen das Bild, welches mir dadurch von dem mir
bekannt gewordenen Landstrich an der untern Elbe zu machen
möglich ist, so unvollkommen es auch im Einzelnen noch ist zur Prüfung mit-
theilen darf.
Die Erddecke des Landstrichs des am R.E.U. [sc.: rechten Elbufer] bis unterhalb Dömitz Eldena wenigstens
von Genthin, doch finde ich keinen /
[41R]
Grund warum nicht schon von Ros[s]lau an scheint als Erddecke im
Allgemeinen ziemlich einerley Beschaffenheit zu haben und von
Tage herein aus den Lagern Lehm, Sand, Letten (Raseneisenstein[)]
zu bestehen. Von Havelberg bis Lenzen bestätigt dieß die Beo-
bachtung. Von Havelberg bis Genthin sprechen dafür einzelne
Erscheinungen. Von Genthin bis Roßlau scheint es aus dem Charak-
ter des Ganzen zu folgen.
Diese 3 Lager bilden im Allgem: in der angegebenen Folge eine
stetige Erddecke von den beyden gedachten gedach Punkten an
und ohne Zweifel noch weiter nördlich an der Elbe hinab. In einer
bestimmten gewissen sich im Allgem: so ziemlich gleichbleibenden
Entfernung von der Elbe landeinwärts ist beginnt eine Sanddecke welche diese
festere Erddecke
mit Sandfeldern/ebenen bedeckt welche an vielen Orten eine sehr
bedeutende Erstreckung in die Breite haten. Aus dieser Sand-
ebene erheben sich von demselben an mehreren Orten von Hügel vielleicht
zu 20 und mehr Fuß, welche sich an-
einandergereiht gleich einem Damme fort oft selbst bis
zur Elbe heran ziehen, so z.B. bey Hinzdorf, bei dem Sand-
kruge. Eine solche Anhöhenreihe ist die bey Lenzen gedacht[e]
welche sich bis Hinzdorf im Bogen zieht u.s.w. und wozu
die Scharfenberge gehören. Vielleicht gehören auch die Rhinow-
schen wenigstens die Lämerschen Berge in diese Hügelreihen
als die größten. Die Sandhügel sind größtentheils und die Sand-
ebenen häufig mit Kieferngehölz, der festere Lehmboden
nächst der Elbe von Sandau an (von wo an ich es mit
Bestimmtheit bis Lenzen sagen kann) mit Eichengehölz von
aus Eichen von bedeutendem Alter und Größe bestehend, be-
wachsen. Diese Vegetation selbst scheint mir für die weit
jüngere Entstehung der Sandebenen und das nicht Gleich-
zeitige mit der darunterliegenden festeren Erddecke zu
sprechen.
In Hinsicht auf das Raseneisensteinlager stelle ich folgendes
zusammen. Wie mir in Bruch, über Tangermünde, gesagt wurde
und wie ich schon in einem der vorigen Briefe erwähnte, findet
sich Raseneisenstein in Elversdorf am L.E.U. [sc.: linken Elbufer.] Bey der
Art wie sich die beyden Elbufer gegenseitig entsprechen,
scheint es sehr wahrscheinlich, daß sich dieses Rasen-
eisenlager auf dem R.E.U. fortsetze. Dieses /
[42]
wird noch wahrscheinlicher durch die Aussage eines Schiffers,
veranlaßt durch eine Erscheinung im Wasser als ich jüngst auf
der Havel fuhr. Der Schiffer sagte mir nämlich: daß sich an
der Stelle in der Havel wo wir eben fuhren, ohngefähr ½ Stunde
über der Stadt, im Bette der Havel (wie er es nannte) eine
Bank einer sehr festen eisenartigen Steinart sich befinde,
und daß man durch den Erdbohrer [her]ausgefunden habe, daß
diese Bank bis Sandau, also auf der einen Seite und auf
der andern nach dem Walde, also in der Richtung von NO
nach SW fortsetze. Zu Tage ginge es jedoch an keinem der
beiden Orte aus. – Was ich auf meiner Elbfahrt über
das Erscheinen der Raseneisensteinlager an den ElbUfern bemerkte, steht in
dem, während derselben Niedergeschriebenen und
zeigt die allgemeinere Verbreitung derselben an den beiden
Ufern der NiederElbe; wofür auch noch das Finden des
Raseneisensteins in der Gegend von Dömitz und an den
Ufern der neuen Elde spricht, welches ich in ein den Briefen
aus Dömitz u. Perleburg erwähnte. Aus diesen hier
Zusammengestellten möchte ich nun fast den Schluß zieh-
hen:
daß ein Raseneisenstein Lager ein wesentliches Glied
in der Lagerfolge des aufgeschwemmten Landes wenigstens
zu nächst der beyden Elbufer der Niederelbe bis zu einem
bestimmten Punkt hinab ausmache, und daß dieses Lager
immer in einem bestimmten Ver Lagerungs Verhältnisse
zu den andern Lagern stehe.
Noch erlauben Sie mir daß ich den Gedanken niederschreiben darf,
daß daß sämtlich diese in einer bestimmten Folge unter sich steh-
enden Lager in sich ein geschlossenes Ganze bilden; und
das Resultat einer Begebenheit, einer aus einzelnen
Momenten bestehenden Erdveränderung sind.
und daraus folgt ferner
daß sie das Produkt der Zerstörung einer GebirgsMasse
vielleicht einer GebirgsArt sind.
Auf diesen letzten Gedanken brachten mich besonders die
Erscheinungen des rechten Havelufers beym neuen Havelorte
welche ich in dem dort Niedergeschriebenen bemerkt habe.
Ich konnte mich nämlich nicht enthalten und es schien mir
zu in die Augen springend:
in der Gesammtheit jener (am 24sten Juny beschrieben) Lager
die Bestand- und Gemengtheile einer und derselben Gebirgs[-]
Art mehr in sehr geschiedenen Zustand zu finden. /
[42R]
in dem glimmerreichen Letten fand ich den Feldspat u. Glimmer
welcher letzterer den Letten vielleicht seine schwärzl[ich]
graue Farbe gegeben hat, in dem quarzigen Sand
fand ich den Quarz, und fast möchte ich noch hinzu-
setzen, daß ich sie fest in demselben Verhältnisse
gefunden hatte als man in dem ältern und ältesten Granite sie
verbunden findet; Glimmer am wenigsten
Feldspath und Quarz fast ziemlich in gleichen Quanti-
täten.

Am 15ten July. Was werden Sie verehrter HErr und Freund von mir
denken daß ich so lange schweige; allein - vielleicht werden Sie
mir es kaum glauben und doch ist es wahr - es war mir
ganz unmöglich Zeit zu gewinnen um diesen Brief zu beendigen.
Wie ich schon zu Anfang dieses Blattes schrieb, so werden
wir jetzt sehr beschäftigt, und in den letzten 8 Tagen so
ununterbrochen daß man im völligen Sinn des Wortes
kaum zu sich selbst kommen und sein Verhältniß und Lage
ruhig überblicken kann. Wir haben in der letzten Zeit unsere
militärischen Nachbarn, namentl[ich] unsere Artillerie in Jederitz
und die Tyroler in Sandau, welchen letzten Ort wir erstürmten
beunruhigt, so daß wir dagegen nun wieder sehr achtsam
seyn mußten um nicht von ihnen gemeinschaftlich wieder über-
fallen zu werden; dieß hat uns mehrere Nächte gekostet; über-
dieß müssen wir häufig exerziren oft täglich 2 mal, des Morgens
im Liniendienst und Manöver, des Nachmittags im Felddienst.
Rechnen Sie dazu noch daß wir jeden dritten Tag jetzt
40 Mann Wache also jederzeit fast mehr als die Hälfte der
dienstthuenden Jäger zur auf Wache geben, ferner daß
an den Tagen wo nicht exerzirt wird diejenigen, welche nicht auf
Wache rc. sind, sich im Schießen üben müssen, so werden
Sie leicht einsehen wie stark wir jetzt beschäftigt sind.
Nehmen Sie dazu noch daß [sc.: das] ermüdende der Witterung, das
Unbequeme der Quartire so werden Sie mir sicher
leicht glauben, daß uns sehr wenig Zeit zur eigenen Dispo-
sition besonders mit freyer Geistesthätigkeit übrigbleibt,
und hierinne liegt der Grund meines so langen
Schweigens.

Am 17ten Julius. Wie vor einigen Monaten ein Gährungsprozeß
zwischen den Jägern unter sich und den Jägern und Obern Statt fand
so beginnt jetzt und findet eine Gährung und Ausscheidung unter /
[43]
den Officieren statt. O! wie ganz anders zeigen sich jetzt so manche
Menschen wie fremd ihnen das Interesse deutscher Söhne, sie scheinen
ihnen in ihrer Gesammtheit eine Leiter zum Emporsteigen zu seyn.
Die Gesammtheit, aus der sie hervorgingen scheint ihnen nur darum
da zu seyn, daß sie ihrer Eitelkeit frohnen, ihr frohnen, ihren Ehr-
geiz nähren können. So hat sich unser sonst lieber Süvern ver-
ändert, der doch rein aus uns hervorging durch uns ihm vertrauend
über uns gesetzt. Anfangs war er klug, bald wurde er kalter
und trennte sich von der Gesammtheit, jetzt hat er sich an welche im
Stabe angeschlossen die uns als nichts anders als bloße Werkzeuge
zu ihren persönlichen Zwecken halten als solche aber nicht einmal bisher achten
weil sich nicht alles unbedingt in ihren Willen
fügt, und nun tritt er auf die Gesammtheit die er achtend
pflegen sollte, unter dem Schein ihr den militärischen Geist
in ihr zu wecken. Befehlshaberey Herrschsucht und unter dem
Schilde der militärischen Subordination Willkühr tritt an
die Stelle früherer freundschaftlicher Verhältnisse. Ich schreibe
Ihnen dieß weder aus Unzufriedenheit noch aus weniger aus
Klage, sondern nur um Ihnen zu schreiben wie es jetzt bey
uns in einer Hinsicht ist, weil Sie mir erlaubt haben Ihnen
darüber schreiben zu dürfen. Als ein Verein deutscher Söhne
betrachtet stehen wir jetzt verwaist. Helmenstreit der
Besitzer unserer Compagnie, scheint uns nicht besonders zu lieben.
Ein gewisses väterliches Verhältniß, wie uns doch die Geschichte
sagt daß es schon zu Zeiten Friedr. des Gr. unter von den Befehls-
habern zu ihren Kriegern herrschte, findet bey uns nicht statt
wir sehen unsere ersten Chefs höchst selten und Helmenstrei-
ten
immer finster. Ich bin über dieses Stehen einiger unserer Chefs
so wie über das Bewußtseyn, daß es wohl lange nicht
besser wird, sehr ruhig; denn ich bin überzeugt daß <wir sehr>
große Läuterung noch bestehen müssen ehe wir werden
was wir seyn wollen und sollen würdige Krieger für
die Rechte der Menschheit. Wir werden gemißbraucht d. h. nicht
recht gebraucht, das mag wohl keinen Zweifel leiden, doch glaube
ich und muß mich wenn ich das Ganze überschaue und überdenke
fast überzeugen daß es uns gut ist, damit ein höherer Sinn
in uns endlich des Schlechten, Falschen, Gemeinen, Kleinlichen
müde und in uns erwache und mit diesem höhere Kraft
und Stärke zur Ausführung des Großen. - Was den
kleinen Dienst und das Exerciren betrifft, so zeichnen
sie sich vor allen andern Compagnien sehr zu ihrem Vortheil aus /
[43R]
welches auch von unsern Chefs An erkannt wird. wir führen
wie uns unsere Oberen sagen unsere Manöver mit Präzision
und Schnelle aus, namentlich haben wir es in dem Schwärmen
einem Hauptmanöver der Jäger, zu einer großen
Vollkommenheit gebracht, unsere Companie ist daher
auch wirklich Normalcompagnie für die andern Büchsen-
jäger[-]Compagnien. Mit dem Schießen, der zweiten wesent-
lichen Eigenschaft des Jägers, geht es auch schon ziemlich. Alles
was wir in militärischer Hinsicht Gutes sind verdanken
wir dem großen Eifer unseres Commandirenden Lieuten:
Müller
, welcher früher unter dem Gardejägerbataillon
stand und mit diesem Dienst sehr vertraut ist. Dieser
Mann ist sonst ein sehr guter einfacher Mann, von dem
ich wohl alles gesagt habe wenn ich hinzufüge, dessen
ganze Welt das Exercitium ist. Er meint
es mit mir und meinen Freunden gut und besucht uns
deßhalb oft, er hat mir noch nie etwas Unangenehmes
gesagt eben so wenig als Süvern oder irgend ein ande-
rer meiner Oberen. So viel in militärischer Hin-
sicht von meinem Verhältniß.
Von Jahns Veränderung haben [sc.. werden] Sie gewiß in B.
viel gehört haben, wie man hier sagt lebt er in seiner
Cantonirung wie ein kleiner Satrap oder asiatischer
Despot, er fährt immer mit 4 Pferden einen Uhlanen vor
u einen hinter, 2 neben dem Wagen rc. Er soll sogar
Wache von Büchsenjägern vor seiner Wohnung haben
was doch so nicht einmal Petersdorf annimmt; doch
wer mag ihn beurtheilen sein Handeln gründet sich
vielleicht auf ein tieferes Kennen der Menschen wie sie
jetzt sind und was ihnen Noth thut. Niemand kann
ihm doch wohl kaum absprechen, daß er etwas ist
Wenn er dieses was er ist nun nur in seiner ganzen Kraft
zur Bekämpfung der Unterdrücker der Deutschheit
gebraucht. - Es ist wahr man erzählt sich viel, was
gegen ihn spricht und was wohl Ähnlichkeit mit mancher
Erscheinung der Geschichte zeigt, so soll er z. B. viele
die ihm früher nahe standen von sich entfernen; zwischen /
[44]
denen und ihm wo sonst das Du herrschte soll jetzt das Sie
eingetreten seyn. Seine Heftigkeit schildert man sehr groß
der Dienst unter ihm soll sehr beschwerlich und angreifend
seyn und dennoch soviel man auch sagt so könnte es dennoch
wohl möglich seyn, daß, wenn sich unsere Compagnie durch Ver-
setzung und Abgebung von Oberjägern an die Füssiliercom-
pagnien zertheilte, daß ich dann dennoch um Versetzung
zu Jahn bäte, hierzu würde mich ganz beson er ist immer
ein Mann weiß fühlt und zeigt es daß er ein Mann
ist und wird gewiß etwas leisten, was der Zeit Noth thut
wenn ihm zu handeln erlaubt ist. Zu dieser Versetzung
zu Jahn könnte mich ganz besonders noch bestimmen
daß Keil kommandirender Lieuten: seiner Büchsenjäger-
Compagnie ist, welcher als ein ganz vortrefflicher Mann
gerühmt wird. Wird mich die Zertheilung unserer Compag-
nie, d. h. der Abgang der Bessern und Besten an andere Com-
pagnien zu dieser Versetzung bestimmen, so werde ich Sie
bitten meiner in einigen Zeilen an HE Lieuten: Keil freund-
schaftlich zu denken.
Was glauben Sie daß uns zunächst bevorsteht ? - Krieg ? -
fernere Waffenruhe ? - Friede ? - Sollte die Waffenruhe wieder
auf mehrere Wochen, ja Monate verlängert
werden, wollen Sie mir dann wohl erlauben, daß
ich auf einige Zeit nach B. kommen darf. Für den Menschen
für das sein eigentliches Seyn ist doch das kantonirende Leben
ein gar zu elendes Leben, seine Geisteskraft wird wirk-
lich endlich sehr niedergedrückt, ich sehe auch nicht ein zu
was ein längeres kantonirendes Leben mir als Krieger
nutzt; die einzelnen militärischen Übungen sind wir bis
zur Fertigkeit durch und vielleicht hätten Sie auch während
der Zeit meines Aufenthaltes im Kabinet für mich zu
thun, wodurch ich wieder Stoff zur Selb[st]thätigkeit Ma-
terialien zum Nachdenken erhielte.
Ich eile diesen Brief zu schließen damit Sie ihn noch er-
halten. Sie werden vielleicht mit demselben eben so
wenig als mit früheren zufrieden seyn, allein seyn Sie so gütig
das Zerstückelte und die oft Geisttödtende Beschäftigung
meines jetzigen Lebens bey der Beurtheilung /
[44R]
desselben in Anschlag zu bringen.
Leben Sie recht wohl, ich empfehle mich herzlich
der Fortdauer Ihrer Freundschaft.
August Fröbel.

Am 20. JuIy. Seit dem Gestrigen müssen wir uns marsch-
fertig halten um, sobald wir Ordre erhalten ausmarsch-
ieren zu können; man sagt, daß wir nach Nauen oder
nach Brandenburg verlegt werden werden; andere
nennen noch einen andern Ort nahe bey Potsdam,
wohin wir stationirt- werden sollen, auf jeden Fall
kommen wir also nahe bey Berlin zu stehen und ich hoffe
also daß mir dieser Marsch wenn auch nur auf einige
Tage das große Vergnügen herbey führt Sie hochverehrter
Herr und Freund zu sprechen. Unsere Chefs vermuthen
daß der König wenn wir unsere neuen Standquartire
bezogen haben werden, Musterung des Corps halten
wird. Unser Abmarsch von hier ist übrigens für
gewiß für diese Woche bestimmt.
Heute hatten wir hier sehr großes aber dennoch
blindes Lärmen, daß die Franzosen jenseits der Elbe
feindselige Bewegungen machten um über die Elbe zu setzen.
Unsere Compagnie und Theile der anderen hier liegenden
rückten aus, kehrten aber bald zurück.
Leben Sie nochmals recht wohl. Niedergeschrieben im
reichlichen Genuß alles des Niedrigen, was eine schlechte
Wachtstube mit sich führt, denn ich [bin] eben an einem
der hiesigen Thore als Gefreyter auf der Wache.