Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 14.8./30.8.1813 (Ratzeburg / Bei Lübbelow)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 14.8./30.8.1813 (Ratzeburg / Bei Lübbelow)
(BN 687, Bl 7-10, Brieforiginal/Fragment 2 B 8° 8 S., mit Ausnahme einer Zeile u. einiger Wörter ed. Regmann 1907; zit. Halfter 1931, 368)

Ratzeburg Sonnabends d 14 August 1813


Innig hochverehrter Herr und Freund;

Ich hatte mir vorgenommen Ihnen heute so viel als ich nur könnte
zu schreiben, allein in diesem Augenblick (Vormittags 10 Uhr) erfahre
ich daß wir heute noch und vielleicht sehr bald marschiren also
erlauben Sie mir daß ich Ihnen [nu]r das Wesentlichste schreiben darf[.]
Von Schwerin aus werden Sie durch die Güte meines Wirthes daselbst einen
Brief durch die Post erhalten haben. Dienstag den 10 August früh
6 Uhr gingen wir wieder von Schwerin hinweg bis nach Tragun (?) [sc.: Dragun]
auf dem halben Weg nach Rehna. Hier biwouakirten wir im
freyen Felde bis 6 Uhr Abends und marschirten dann noch bis Rehna
wo wir Abends sehr spät ankamen. Bis Donnerstags d[en] 12'
Abends 6 Uhr hatten wir Rast in Rehna, wo wir dann nach
Ratzeburg ausmarschirten. Abends spät hatte das ganze
Corps Zusammenkunft bey TragTeichow [sc.: Dechow ?], wo zugl[eich] auf d[em]
Felde biwouakirt wurde. Freytags am gestrigen wurde
früh von dort aufgebrochen und hiehe in hiesige Gegend mar[-]
schirt. Mein Bataillon kam um hieher nach Ratzeburg und
es hieß daß wir bis zum Ausbruch der Feindseligkeiten bey
Lübeck hier stehen bleiben würden. Doch wie ich schon sagte
so sind Ordre gekommen daß wir nachher bald aufbrechen
und gegen Lauenburg zu und zwar zunächst nach Güdow [sc.: Gudow]
1½ Meile hinter Mölln marschiren sollen. Ohngeachtet
dieses Seitenmarsches soll unsere Bestimmung doch noch
Lübeck seyn.-

Mondtags den 30sten August in der unsicheren
Position ohnweit Lübbelow [sc.: Lüblow] 1 Meile von Neustadt [sc.: Neustadt-Glewe] auf dem
Wege nach Lauenburg.- Von Grund meiner Seele wünsche
ich Ihnen edler Freund Glück zu dem Siege des Kronprinzen bey
Berlin; wie leicht muß es Ihnen jetzt wieder seyn, da Sie jetzt
nun abermals für die Wissenschaft einen Schatz gerettet wissen,
welcher durch Ihr rastloses krystallologisches Bemühen einen unvergänglichen,
sich selbst stets steigenden Werth in sich trägt
und durch diese Unvergänglichkeit und Progressivität des Werthes
sich zur einzigen Sammlung ihrer Art erhob. Verzeihen Sie mir
daß ich auf einen augenblick meinen Blick auf das Einzel-
ne beschränken und von dem Ganzen abziehen konnte, wie hoch
muß es Sie erfreuen ein Berlin, was so vieles für die Wissen-
schaft in sich vereinigt von einer ihm drohenden so grossen Gefahr /
[7R]
befreit zu sehen, und wie glücklich bin ich diese Freude mit Ihnen
theilen zu dürfen. Hat man uns nicht zu viel gesagt, daß
auch Dresden und Leipzig von dem Feinde befreit ist?- Wie
glücklich sind Sie wenn auch diese Nachricht wahr ist!- Auch Sie
theilnehmender Herr und Freund werden mir nach Lesung der B- 
schen Zeitung vom 21sten d. M. Glück gewünscht haben, da Sie
gewiß hofften daß auch ich an den ruhmvollen Tagen eines
Theiles unseres Korps Antheil gehabt haben würde, allein
mit Bedauern muß ich Ihnen schreiben daß dieß nicht der
Fall war, denn ob sich gleich die Flintenjäger meines
Bataillons an diesen Tagen sehr ausgezeichnet haben sollen
so ist doch meine, die Jäger Compagnie an diesen Tagen
und bis jetzt noch nie ins Feuer gekommen, die Ursache
war daß an jenen Tagen durch die Forderung des Manöv[-]
ers meine Compagnie dem 3en dem Jahnschen Bataillon
als Detachement noch bey gegeben wurde, und daß dieses
Bat: welches an jenen Tagen bey Büchen an der Stechenitz und in dessen
Nähe stand nicht ins Gefecht kam. Sie
werden nun sicher schon das Einzelne über jenes Gefecht
und besser als ich selbst wissen ich schweige daher davon
nur sage ich noch daß unsere Truppen in einem unglaublichen
Kugelregen gestanden haben, nur schoß der Feind zu hoch
und zu weit, Mehrere sind von mehreren Kugeln getroffen
worden ohne daß sie Wunden erhalten haben. Alle Ob je-
doch aber meine Compagnie an jenen Tagen nicht im Ge-
fecht stand so haben wir doch verhältnismäßig sehr gro-
ße Strapazen gehabt. Ich <selbst> persönlich <kam> [war] an jenen
Tagen auf Feldwache und diese war bey dem <dorten>
herrschenden Regenwetter, der grossen Kälte besonders des Nachts
gegen welche eine durchlöcherte Laubhütte nur nothdürftig
sicherte, bei den Patrouillen des Nachts in den moor- und
sumpfigen Gegenden von Buchen [sc.: Büchen] sehr beschwerlich. Glücklich
sind wir, denn seit einigen Tagen scheint uns der Himmel
in Hinsicht des Wetters günstig zu sein doch hören Sie
welche Kreuz[-] und Querzüge wir seit unsern Abmarsch
von Ratzeburg machten.- Wie ich zu Eingang des
Briefes sagte gingen wir Sonnabends den 14 August fast unter stetem Regen /
[8]
nach Gudow, weil beym Quartiermachen ein Fehler vor[-]
gefallen war mußten wir Nachts bey Dunkelheit und Regen
wieder ½ M. zurück.- Sonntags den 15. A. ging das 3e
Bat: dem wir nun zugetheilt worden waren in das Frey-
lager bei Buchen [sc.: Büchen]. Mondtags den 16n bis Dienstags, den 17n
August blieben wir im Byvouac. Das Wetter war während
dieser Zeit ununterbrochen regnerisch und kalt.- An diesem
Tage begann die Kanonade von Lauenburg her.- Ein Theil des
Jahnschen Bataillons und meine Compagnie zog sich am folgenden [Tag] hinter
Buchen [sc.: Büchen] zurück, nur 2 Füssilir Compagnien und 90 Mann Feld[-]
wache blieben zur Besatzung in und um Buchen [sc.: Büchen] nebst
Kosaken zurück. Auch ich kam wie ich schon sagte auf
Feldwache; das Wetter war das schon gedachte unfreund[-]
liche. Mittwochs den 18n <rück[t]en> die Feinde auch gegen
Buchen [sc.: Büchen] an; 2 Compagnien Füssilire besetz[t]en die Brücke
bei Buchen welche ein <Versack> noch sicherte. <Piquets>
deckten die Schleusen.- Abends rückten die Kosaken dem
Feind entgegen und wir auf der Feldwache zurück ge-
bliebenen Büchsenjäger stellten mit auf Feinde, um
der Reiterey den Rückzug zu decken auf den Anstand;
doch frühe zog sich der Feind noch zurück. Donnerstags
den 19 früh
kam die Nachricht von dem Vorfall bey Lauen[-]
burg
, und nun zogen wir uns eilig, ruhig und in aller
Ordnung zurück, nachdem die Brücke hinter uns abgebrochen
worden war und nun ging es [un]t[e]r dem Donner der feindlichen Kanonen zurück bis <Gressen> [sc.: Gresse] wo
allgemeiner Sammelplatz aller Bataillons auch der
von Lauenburg her war.- Noch muß ich nachholen
daß als wir am gestrigen d.h. den 18ten dem Feinde entgegen[-]
rückten <Tettenborn> vor uns vorbey ritt, uns seine große
Zufriedenheit mit der ausgezeichneten Bravour des 1en
u. 2en Bat: bey Lauenburg versicherte in dem er hinzu[-]
setzte: Der Feind versuchte gestern bei Lauenburg
durchzubrechen, die ausgezeichnete Tapferkeit hielt ihn
zurück, jetzt versucht er es hier (in Buchen) durch[-]
zubrechen allein ich bin fest überzeugt daß auch wir ihn
zurück schlagen werden.- Leider war es am 19en
anders. In <Gressen> [sc.: Gresse] besetzten wir den Kirchhof und /
[8R]
weil wir doch nicht sicher waren ob wir nicht verfolgt
würden, doch zogen wir uns noch ruhig durch Sarndorf
an dem Flüßchen Schale nach Schildenfelde ebenfalls
an der Schale zurück.- Schildenfelde besteht aus einer
Mühle und einem Edelhof in diesen beyden wurden 6 Compagnien
einquartirt, so daß meine Compagnie mit einer 2en
Büchsenjäger Compagnie in die Mühle einquartirt wurden [sc.: wurde].
Unsere Meine Compagnie bekam zu unserer großen
Freude eine Scheune zum Nachtlager.-
Am 20sten August bezogen wir zuerst eine feste Position
dieseits an der linken Seite der Schale, dann später die
festere in dem Buchenwalde im am rechten Ufer der
Schale. In dieser Nacht hatte ich abermals Feldwache,
doch hatten wir keinen Regen.- Der Feind ließ auch auch [2x]
diese Nacht noch ruhig ob es gleich schön als ob wir ihn
sicher erwarteten.
Sonnabend am 21 August brachen wir fast mit Tages
Anbruch nach Wolane oder Volane [sc.: Vellahn] auf; und rückten
gegen Mittag in feste Positionen ohnweit dieses Ortes.
Gegen Abend begann daß [sc.: das] Ihnen sicher durch die Zeitung
bekannte Gefecht, an welchem besonders die Wallmods-
Kosaken theil nahmen. Heute glaubten wir bestimmt ins
Feuer zu kommen, wir hatten eine sehr gute Position,
alles lag von uns hinter Bergen rc versteckt damit
der Feind unsere Stärke nicht erfahre. Bis spät in die
Nacht blieben wir unter Waffen, allein so stark und
anhaltend uns auch der Kanonendon[n]er rief so
blieben wir auch heute wieder in unserer Ruhe.
Sonntag den 22 August Nach 12 Uhr Mitternacht brachen
wir aus unserer Position wieder auf und gingen in
dunkler Nacht bis Schwuberow ½ M. von Hagenow
in Ordnung zurück; das g[an]ze Corps war wieder beysam[-]
men. Bis Vormittags bezogen wir ein Byvouak
hinter Schwuberow. Es war wie die vorigen Tage
ein sehr kalter regnerischer Tag. Bald verließen
wir unseren Byvouak und bezogen feste Position
in den Gehölzen ohnweit des Dorfes, dießseits. /
[9]
Dießmal glaubten wir sicher daß uns der Feind angreift
und daß wir nicht umsonst auf ihn auf den Anstand
seyn würden (wir hatten den Saum eines rund[en] la[n]g[en]
Gehölzes besetzt) doch wenn auch diese Hoffnung durch Kanonen
Schüsse aus der Ferne gehoben wurde so war sie doch
vergebl[ich].- Bis spät Nachts Abends waren wir auf dem Anstand
doch vergeblich, vielmehr zogen wir uns in der Dunkelheit
der Nacht über Hagenow nach Kirchjesar [sc.: Kirch Jesar] zurück. Eine
Scheune nahm uns meine Compagnie zu unserer grossen Freude bey der Kälte
und Feuchte der Nacht abermals sämtl[ich]
auf.
Mondtags am 23  August. Vormittags bezogen wir zu die
erste sichere Position in der Nähe des Dorfer [sc.: Dorfes] - Nachmittags
bis Abends waren wir abermals auf den Feind auf Anstand.
Nachts zogen wir uns in den Wald zurück.- Diese Nacht war es empfindlich kalt.- Dienstag am 24en August brachen
wir auf der Strasse nach Wittenburg auf, doch hinter
Bundenitz (?) ½ M. von Wittenburg erhielten wir Gegen[-]
befehl und wir gingen sogleich bis Neuzachun [sc.: Neu Zachun] zurück wo wir
abermals einen Byvouak bezogen; diese Nacht litten wir
wieder viel durch Kälte. Mittwochs am 25 August Vormittag
bezogen wir das ein Freylager bey <Krak> [sc.: Kraak]. In der Nacht vom
25sten zum 26sten August machten wir durch Heyde und Morr [sc.: Moor] und Wasser einen
fürchterlichen Marsch bis Wöbelin wo wir Donnerstags d[en] 26 
August sehr früh ankamen. Wöbelin liegt <½> von Neustadt [sc.: Neustadt-Glewe] also
wieder in der Nähe der Stadt durch welche wir schon vor 14 Tagen
marschirten. Freytags am 27 August. Bis Nachmittags
noch im Freylager bey Wöbelin (1 Meile von Ludwigslust
2 M. von Eldena[)]. Eine große Menge Hannoveraner und russisch[-]
deutscher <Logion> bezogen ein Lager jenseits des Dorfes; erstere
zeichneten sich in jeder Hinsicht besonders aber durch die Vorzüglich-
keit der Pferde und vortreffliche Arbeit an den Kanonen
aus, im Ganzen gingen 26 St[ü]ck Geschütz vorbey worunter sehr
großes Geschütz war welches gegen Schwerin bestimmt seyn soll.
Ein Offizier sagte: wenn eine solche Kanone demontiert würde
möchte man weinen.- Sie werden schon von der [sc.: dem] am
Gestrigen zwischen Gadebusch und Schwerin zwischen unsern /
[9R]
Reutern und einem französi[schen] Transport vorgefallenen
Gefecht gehört haben. Der zum großen Leidwesen des g[an]zen
Corps gesto dabey gebliebene Körner (er erhielt einen
Schuß in den Unterleib) wurde diesen Nachmittag unter
einer Eiche in der Nähe des Dorfes begraben. In ein an
die Eiche angehauenes Schild wurde sein Nahme rc einge[-]
brandt. Die Eiche soll sich durch ihren herrl. Wuchs sehr aus[-]
zeichnen. Ich war leider wieder auf Wache und konnte
bey dem Begräbniß nicht gegenwärtig seyn. Geschossen
durfte wegen der Nähe des Feindes nicht werden. Der
feindl. Transport wurde von 60 M bedeckt, 25 wurden ge[-]
fangen die andern sollen niedergehauen seyn. 38 Wagen
größtentheils mit Zwieback beladen (einfach sehr gutes obgl. hartes
Brot für den Krieger, wovon wir jetzt auch essen)
wurde weggenommen.- Nachmittags gingen wir
von Wöbelin nach Löbbelow [sc.: Lübesse ?], wo wir das alte Lager
der russisch-deutschen <Legion> bezogen. Wir trafen zum Glück
hier gute Hütten denn lange hatten auch diese wir
in der Byvouaks nicht mehr gehabt.
Sonnabends am 28 Noch im Freylager bei Löbbelow
in der verflossenen Nacht mußte wegen der Nähe des
Feindes von jedem Bataillon abwechselnd stundenwei[se]
immer eine Compagnie [unte]r Waffen stehn, so auch die
Meine.
Sonntags d. 29' August. Nachmittags bezogen wir unsere
sichere Position in den Gehölzen rc bey Löbbelow. Die

Mondtags (am heutigen) den 30sten August. Verflossene Nacht
brachten wir hier im Walde zu. Abwechselnd mußte
von der Compagnie immer ein Zug (d.i. ¼ der Compag.) unter
Waffen stehen. Gestern hörten wir von Schwerin her
Kanonieren, heute ist alles stille. Man macht uns
Hoffnung daß wir nun bald vor den Feind kommen und uns
mit demselben messen sollen.- So mein Leben bis zum
heutigen. Das freundliche W warme Wetter der letzten
3 Tage hat mich das Una[n]genehme der seit Ratzeburg
verflossenen Tage vergessen gemacht. Nur die Nächte
sind kalt doch jetzt auch wärmer als vorher, und wenn /
[10]
die Witterung so anhält so scheint werden wir eine
gute Campagne haben. Ich bin dem Himmel sey innigster
Dank ganz gesund, ich gestehe daß ich mich darüber
wundere, doch leiden wir an Lebensmitteln keine Noth,
das Brot ist rauh u. scharf aber nahrhaft nur darf der
Hunger nicht zwingen zu viel davon trocken essen zu müssen
doch wird uns richtig täglich unser Fleisch geliefert.
Gemüse liefert der Acker. Tägl. wenigstens einmal
haben wir unsere sehr gute Fleischsuppe die wir
als zu Gemüße zubereiten und gekochtes Fleisch - Brot[-]
suppe ist unser Frühstück; gebratene Kartoffeln
mit Speck (der auch zuweilen geliefert, sonst aber
wie Butter von den Marquatenterin gekauft wird.)
ist sind gewöhnl[ich] das Abendbrot, wozu das Gelieferte
nicht reicht so versucht man sonst Rath zu schaffen
aus den Dörfern ist leider nichts zu haben, sie werd[en]
immer gleich ohngeachtet der Wache von den füssilir[en]
auch wohl von den Jägern erstürmt, dann sind die
Bauern so hart daß sie auch nichts für Geld geben
ach! leider haben die Armen selbst nichts, denn
was kann übrig bleiben wenn 4-6000 M. in der
Nähe eines kleinen Dorfes liegen. Milch, Eier sonst[ige]
Landspeisen sind Seltenheiten. Im Ganzen essen
wir gegenwärtig weit schmackhafter als bey den
Bauern und armen Bürger[n] einquartirt, denn es haben wird bei unserer
Compagnie nicht mehr im Allgemei[nen]
gekocht sondern es haben sich Kochgesellschaft[en] von 2-8 
Personen gebildet die unter sich für die Bedürfnisse
der Küche sorgen. Es hat seine große Beschwerlichkeit[en]
denn da bald Holz bald Wasser bald beydes weit
zu holen ist und es uns an Gefäßen fehlt so muß man
den ganzen Tag für den Magen arbeiten. Was der
verwöhnte Körper sonst an stärkenden Nahrungsmittel[n]
verlangt liefert ein Marquatenter des vom Reich- /
[10R]
schen Freykorps (1200 M. stark) welches seit Wöbelin
mit uns im Byvouak stets vereinigt ist - freylich
etwas teuer. Sie sehen hieraus daß wenn nur das
Wetter gut, d.h. nicht kalt u. regnerisch ist so ist
unser Leben unter Gottes freyem Himmel eben so unange-
nehm süß - aber ist uns auch der Himmel nicht nicht günstig
wie es die vom 14n bis vor 3 Tage[n] war so ist es
aber auch das angreifendste Leben was sich denken läßt.
Tornister und Armatur wächst nach und nach ziemlich
mit dem Körper zusammen, denn seit dem wir byvou[-]
akiren wird fast gewöhnlich in Armatur ge oft auch
mit dem Tornister auf dem Rücken geschlafen, und es
geht. Eine traurige Aussicht ist die reine Wäsche seit
Ratzeburg Rehna ist mir nicht[s] gewaschen worden, und ich
sehe auch nicht ein wenn ich es gewaschen
erhalten kann; es wird nun wohl nichts helfen ich
werde wohl nächstens Wäscherin werden müssen, und
ich wollte es wohl wenn nur bloßes Wasser es
thun wollte.-
Einige die nachgerechnet haben wollen finden, daß von
unserer Seite 20M [sc.: 20 Mille = 20.000] Mann in hiesiger Gegend versammelt
seyn sollen. Daß, und warum wir so manöverieren
wie wir thun werden Sie besser beurtheilen können als
wir, die wir vom Ganzen, so wenig wissen. Schwe-
rin heißt es, soll in den nächsten Tagen <wenn> die Franzo-
sen nicht verlassen wollen d[urc]h <Congrecosche> Raquett[en]
beschossen werden.
Seit wir das reizend liegende Ratzeburg ver-
lassen haben leben wir in der einförmigsten Ebene
wo nichts wechselt als weiten flachen Feld, Moor, Heyde und
[ab und] zu Waldung - diese sind nach Beschaffenheit des Bodens
bald Buchen, bald doch seltner Kiefern oder Birken
im Boden ist mehr oder weniger Sand mit Lehm
vorherrschend. Der Sand unter der Dammerde ist
häufig eisenschüssig u. zwar sehr stark.
[Text bricht am Seitenende ab, weitere Blätter fehlen]