Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 2.10.1813 (Dannenberg)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 2.10.1813 (Dannenberg)
(GNM Bl 49, Brieforiginal/Fragment 1 Bl 8° 1 ¼ S., ed. Neuhaus 1913,134f.)

Standquartier Dannenberg den 2ten Septbr Octbr 13.


Hochverehrter, theurer Herr und Freund.

Ich glaube nicht, daß ich, so lange ich nun bey dem FreyCorps bin
mich gegen Sie unzufrieden mit meiner Lage geäußert habe,
doch jetzt sehen die Sachen so [aus], daß ich es mir würde zum Vorwurf
machen müssen wenn ich jetzt länger gegen Sie theilnehmender Herr
und Freund schwiege. – Hunger und Durst leiden wir nicht und
sind auch weder dem Froste noch dem Regen mehr ausgesetzt
denn wir liegen leider seit dem 22sten v. M. unthätig hier im
Standquartier; allein daß wir gegen Hunger und Durst gegen
Frost und Regen gesichert sind, dieß verbessert macht uns
als kämpfende Krieger als für das Wohl und zur Erringung
der Freyheit vereinte Deutsche nicht glücklich; denn wir leben
getrennt – wir leben verwaist – und was kann Gutes
seyn, Gutes entstehen wo kein Haupt, wo keine Einheit ist.
Unser Korps ist jetzt kaum noch als Ein Ganzes und noch viel
weniger als ein selbstständiges Ganze zu betrachten, hören
und urtheilen Sie selbst. Zu dem Unternehmen gegen Gen.[eral] Pecheur
wurden von unserm Corps gegen 600 M detaschirt. Diese 600 M
wurden aber leider nicht aus einem Bat: nicht einmal aus
ganzen Compagnien genommen, sondern aus 15-40 Deta-
schirten aller Kompagnien zu s. gesetzt. Man muß aus
Erfahrung wissen wie wenig sich die Individ.[uen] verschiedener
Compagnien noch weniger der Vverschiedenen Bat. Kennen,
und muß kennen wie der gemeine Jäger durch die Gewohnh[ei]t
sich an die ihn immer befehlenden Offiziere bindet um klar
einzusehen daß durch diese Maßregel in dem formirten
Bat: nur ein äußeres Band Statt finden konnte, doch ging
es immer nach diesem Gesichtspunkt betrachtet noch gut,
denn das äußere Band wurde durch den gemeinschaftl[ich]
ehrenvollen Zweck befestigt, und der Chef des Ganzen
Lützow stand noch an der Spitze dieser Vereinten. /
[49R]
Im Treffen bey der Göhrde wurde Lützow verwundet, wir ver[-]
lohren ihn und – wurden an einem Fremden der das Oberkommando
über uns bekam an den HE v. Reiche welcher selbst ein FreyCorps,
(ein Bat: Jäger) besitzt abgegeben. – So verlohr schon das
G[an]ze seinen Haltungs Punkt, - doch auch das einzelne <litt>; der
Kommandeur der unserer Infanterie war der Hauptmann Staak; auch
diesen verlohren wir in dem Treffen durch Ver-
wundung. Nun bekam Jahn [bricht ab]