Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 26.3.1814 (Aachen)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 26.3.1814 (Aachen)
(GNM Bl 83-84, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., tw. ed. Neuhaus 1913, 163f.)

Aachen den 26ten März 1814.
Sie freuen sich, so herzlich theilnehmender Herr und Freund gewiß
innig mit mir, daß ich Ihnen endlich auch einmal schreiben
kann, daß auch wir zu der großen Armee stoßen
und an ihren Thaten Antheil nehmen werden. Ju
Von Jülich sind wir, dem Himmel sey Dank endlich weg
und schon in Aachen; morgen treten wir unsern
Marsch nach Laon an, wo wir wie ich höre schon
den 7ten f. M. seyn sollen. Laon ist 55 Stunden v. hier.
Von morgen an begrüßt uns auf unsern Märschen
nicht mehr teutsche Sprache, allein ebenso wenig wird
auf franzö[si]sch gesprochen, welches erst in Reims beginnt.
Heute ist der Kronprinz v. Sch. aus Lüttich hieher zurück
gekehrt, welcher wie es heißt nach Schweden mit seinen
12/M [sc.: 12.000] Mann zurückkehrt, woran er auch wohl, da er
doch nicht thätigen Antheil nimmt am besten thut. Man
sagt hier Unruhen in Norwegen ruften ihn zurück.
Gestern bin ich zum Korps gekommen, es war schon
vor Jülich abgelöst als wir dahin kamen.
Aus Münster, und aus Crefeld, habe ich mir das
Vergnügen gemacht Briefe an Sie zu schreiben und in
beyden Orten auf die Post zu geben.
Daß ich von der hiesigen höchst interessanten Gegend
in einem Tage, welcher noch überdieß nicht ganz
zu meiner Disposition war nicht viel sehen konnte
ist wohl natürl[ich].
Ich haben [sc.: habe] den Laus (Louis) berg nordwestlich der
Stadt diesen Vormittag besucht; auf ihm fand ich
Feuerstein in einem kohlens[auren] Kalk ganz verflößt
dieser ist graulich weiß, nicht durchgehendes ganz dicht
mit erdigem Bruch. Diese Massen scheinen mir da ich /
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sie fand große Ähnlichkeit mit denen auf Menil mont
zu haben, allein jetzt da ich mir diese Ähnlichkeit klar
machen will, bin ich nicht ganz mit mir einig.
Dieser Berg ist besonders reich an sehr schönen Ver-
steinerungen. Sie finden sich verhältnißmäßig von bedeutender
Größe und Vollkommenheit. Die beste Sammlung die sich
davon hier befindet sahe ich bey den He. Von Aussen
auf Trimborn (ohnweit hier) in seiner ziemlich
schönen besonders sehr mannichfaltigen Natur- und Kunst-
sachensammlung. He. Van Aussen ist ein Liebhaber
dergleichen, sonst aber wohl kein Mann von
Kenntniß, deßhalb war das Sehen des Kabinettes
bey der sehr kurzen Zeit die ich darauf werden [sc.: wenden (verwenden)] konnte
nicht sehr unterrichtend. Außer jener kleinen Sammlung
der Lausberger Versteinerungen um welcher ich besonders
das Kabinett besuchte, sahe ich noch Versteinerungen vom
Aachnerbusch (ohnweit hier) und eine Sammlung Mastricher
Fossilien. Die Schraubenförmigen Versteinerungen finden
sich in der ersten Sammlung von besonderer Schönheit.
Leider ist es schon nach 12 Uhr Mitternacht und ich muß
darauf denken mir für morgen Kräfte zu sammeln.
Deßhalb kann ich Ihnen nicht einmal die wenigen gemachten
Bemerkungen mittheilen. - Auch einige Pflanzenabdrücke
die sich in den hiesigen Kohlengruben auf der Pannes-
Heyde
auf Schiefer finden fand ich in der Sammlung d[es] He.
Van aussen. - Er sagte mir daß Herr Groeber,
Inspector der Gruben bey Eschweiler, welcher zu-
gleich ein großer Mineraloge seyn soll eine vortreffl.
Sammlung der Eschweiler mineralogischen Naturpro-
dukte haben soll. Der Besitzer der Kohlenwerke /
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daselbst ist He. Engeler Bürgermeister in
Eschweiler. Ich sahe hier einige colossale Schilfab-
drücke die sich dort in den dortigen Gruben im Schiefer
finden.
Werden Sie nur nicht böse mit mir, daß ich Ihnen
so mager von der hiesigen sehr interessanten Gegend
schreibe aber ich kann wirkl. nicht dafür.
Bey der Aufhebung der Platten die die heißen Quellen
in der Compeldbadstraße bedecken (welches geschahe
als Napol[eon] hier war) hat man reiche Ausbeute
an natürl. sublimirten Schwefel gefunden. Es ist d[urc]h
seine faßrige Textur und Atlasglanz [sc.: Glanz wie Atlaserz] ein schönes
Naturprodukt; ich sahe davon bey d[em] He. Apotheker
Weidenbach in der Kölnerstraße und bey Herrn
Von Aussen. Ersterer Versprach mir etwas
davon mit zu theilen, leider kann ich nicht wieder
zu ihm kommen.
Das Korps wird unter Bülows Oberkommando
kommen. - Vielleicht haben Sie sich doch nicht umsonst
die Mühe genommen mir Addressen nach Paris zu
geben. -
Es wird mich sehr glücklich machen wenn mir im Innern
Frankreichs das Geschenk eines freundschaftl. Briefes
von Ihnen wird, welchen ich gewiß erhalte wenn
Sie gefälligst bemerken daß das Lützowsche Korps
unter Bülows Oberkommando steht.
Herrn Dr. Kruckenberg haben Sie doch die Güte zu
sagen daß seine Instrumente schon vor länger /
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als 14 Tagen nach Königslutter abgegangen sind.
Den He. Berghauptm[ann] dem ich mich bestens
zu empfehlen bitte, sagen Sie gütigst, daß ich
leider meinen Brief an He. Lieut. Buckling
noch nicht abgeben konnte ich hoffe aber daß es
morgen geschehen wird.
He. Lieut. Reil ist in Korps Angelegenheiten
zum König gesandt, ich werde daher den Brief
an denselben bis zu dessen nun bald erfolgender
Zurückkunft aufbewahren.
Ihren schätzbaren Brief vom 31 Xbr. v[origen] J[ahres]
habe ich jetzt bey meiner Ankunft vorgefunden
ich danke Ihnen herzlich für denselben.
Bey d[em] He[rrn] Apotheker Weidenbach sahe ich eine
sehr schöne Bergkrystalldruse [Druse = Hohlraum im Gestein mit inwändigen Kristallen] aus dem Limburgischen.
Mit der ausgezeichnetsten Verehrung bin ich

A Fröbel.