Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 12.4.1814 (Ham)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 12.4.1814 (Ham)
(BlM II,12, Bl 66-67, Brieforiginal 1 B 4° 3 S., tw.ed. Neuhaus 1913, 164, Halfter 1931, 402 f., Rinke 1938, 91)

Ham, auf der Straße von Brüssel nach Paris
d. 12n April 1814


Mein theuerster Herr u. Freund

Das Vergnügen Paris zu sehen welches uns gestern morgen
noch so lebhaft und gewiß vor Augen stand, werden wir nun nicht
haben. Seit Namur verfolgten wir direkt
den Weg nach Paris u. vorgestern erhielten wir den
Parolebefehl in 4 Tagen dort einzutreffen und wir
hielten uns nun der Erfüllung unserer Hoffnung für gewiß
doch zwischen la fere u. Chauny erhielten wir contre Order
u. schon befinden wir uns auf der Straße nach den Nieder-
landen wohin wir nun wie es heißt gehen werden. Man
spricht von Brüssel. Doch bald darüber mehr jetzt
nur das wesentlichste, daß uns heute der Friede
mit Frankreich bekannt gemacht worden ist. Mann [sc.: Man]
spricht von Contonierungen die uns angewiesen werden
sollen, da die herrlichen naturhistorisch reichen Gegenden welche ich
jetzt so glücklich war zu durchfliegen den Wunsch auf
das lebhafteste in mir geweckt haben, daß mein
Wirken wieder einen ernsten wissenschaftlichen Zweck
haben möge, so werden Sie mir gewiß verzeihen
wenn <wenn> die Stimme des Friedens jene die Hoffnung /
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dazu auf das lebendigste in mir weckt und wenn ich
sie Ihnen aussprechen. Sie sind vielleicht böse sehr
böse mit mir daß ich es so oft thue, allein ich ge-
stehe es gern daß ich kein höheres Lebensglück ken-
ne als sich mit ganzer Seele der Wissenschaft der
Natur widmen zu können. - Es ist ein zu wehmüthiges
Gefühl durch die Natur zu wandern, überall die
feinen Winke derselben zu sehen ihre leise Sprache zu
hören und den tieferen strengeren Forschungen sich so
gerne hingebenden Geist mit Unbarmherzigkeit da-
von losreißen u. sich auf eine uns fremde Bahn
versetzen zu müssen. Krieger war ich gerne
und ich darf sagen mit voller Seele, Soldat möchte
ich nicht gerne noch lange bleiben. Der Friede,
u. er liebt ja die Wissenschaft, er wird ja
auch die in Schutz nehmen, die wenn gleich ein ungünstiges
Geschick es ihnen nicht erlaubte die früheren Phanta-
siegemahlde die Wissenschaft einst <weider, für
dem> Menschen zum reineren einfacheren Erkennen
zu bringen, die wenigsten alles thun werden /
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die Wissenschaft der Zukunft dem aufkeimenden Menschen so geläutert zu
überliefern als sie dieselbe
selbst erhielten.
Abschied zu erhalten mochte vor der Hand, vor
Herbst vielleicht nicht leicht möglich seyn, könnten Sie
mir doch Urlaub f auf einige Wochen, Monate ver-
schaffen das andere würde sich schon finden. - Briefe
addressiren Sie gütigst in das Bulowsche Hauptquar-
tier.
Ich habe die Sehr [sc.: sehr] reiche Gegen[d] von Lüttich bis Namur
langst der Maas gesehen; o wie oft habe ich sehnend
Ihrer gedacht. Meine weitere Reise über Fleurus
Nivelles
, Binch la fere war ebenfalls inter-
ressant.
Ich muß schließen leben Sie recht wohl
u recht bald vielleicht in 8 Tagen mehr
Von ganzer Seele der Ihrige

A. Fröbel
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