Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 25.5.1814 (Melden)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 25.5.1814 (Melden)
(BlM II,21, Bl 103-104, Brieforiginal 1 B 8° 3 ½ S., zit. bei Neuhaus 1913, Halfter 1931, Rinke 1938. - Geschrieben "während" der Arbeit an der Briefbeilage mit geographischen Beobachtungen v. 16.5.-1.6.1814 aus Oudenarde u. Melden zum Brief v. 31.5./2.6.1814 aus Melden. Lt. Brief v. 31.5./2.6.1814, Bl 105 wurde der Brief v. 25.5.1814 aus Melden noch am selben Tag in Oudenarde auf die Feldpost gegeben.)

Melden 1 Stde von Oudenarden auf der Straße
nach Berkem den 25. May 1814
Sie Theuerster Herr u. Freund wissen zwar
sicher schon seit Wochen, was ich erst seit gestern
offiziell weis, daß den Freywilligen sehr bald
die förmliche Entlassung von ihren übernommenen
Verbindlichkeiten gegeben werden wird; allein
ich säume nicht, Ihnen zu sagen daß sich diese
Ordre der Königl. Majestät auch auf das v. L[ützow]sche
Korps erstreckt, und daß ich daher auch nun
bald so glücklich seyn werde mit den übrigen
Freywilligen nach Deutschland direkt zu rück
zu gehen. Ich hoffe daß dieß längstens in 8
Tagen geschehen wird; die Detaschements unseres
Korps werden sich, wie andere in Berlin auf-
lösen und bis dahin werden sie durch Offiziere
nach Art der militärischen Märsche und mit den
Vortheilen derselben geführt werden; doch höre
ich daß jedem der drüftige Gründe anzugeben
weiß, der Erlaubniß g Abschied früher als
in Berlin eingehändigt werden soll.- Solche
Gründe früher als B[erlin] allen militärischen
Verbindlichkeiten entlassen zu werden habe
ich zwey, und ich hoffe daß meine He[rren] Offiziere
sie als drüftig erkennen mögen; erstlich
wünsche ich meine Brüder, vielleicht so wohl
den in Thüringen als den vom Harz zu besuchen, zweytens
wünsche ich vom Rhein an zu meiner Belehrung /
[103R]
mich selbst nur durch diesen Zweck bestimmen lassend
die, wichtigsten und interessantesten Punkte
der Gegend des rechten Rheinufer und vielleicht
einige an der Ruhr zu besuchen. Da ich hoffe,
daß unser Marsch über Cölln oder Düsseldorf
geht, so wünsche ich schon in einer dieser Städte
meine völlige Entlassung von allen militärischen
Verbindlichkeiten zu erhalten. Ich schreibe Ihnen
diesen meinen Entschluß so frühe als möglich um
vielleicht noch Ihre näheren Bestimmungen und Rath
desshalb zu erhalten; freylich kann ich Ihnen leider
zu diesem Zweck keinen festen Punkt angeben
wo ich Briefe von Ihnen erhalten könnte. Wollten
Sie vielleicht so gütig seyn und einen Brief an
mich nach Cölln addressieren so wäre dieß wohl
das sicherste wie ich ihn erhalten könnte, denn
sollte ich auch über oder unterhalb Cölln vom
Commando abgehen so wäre dieß die Hoffnung dort einen Brief v. Ihnen zu finden eine zu große
Aufforderung für
mich um nicht auf jeden Fall dahin zu reisen.
Kölln könnte also in dieser Hinsicht einen festen
Punkt abgehen [sc.: abgeben] und ich glaube auch sicher, daß
bis dahin ein Brief von Ihnen noch gelangen
kann ehe ich dort ankomme, weil wir doch
von hier bis zum Rhein nur Militär Märsche
machen werden.- Zugleich muß ich Sie hier,
ehe ich an die Ausführung meines Entschlusses
denken kann, vorher bey Ihnen anfragen /
[104]
ob Sie mir wohl abermals erlauben würden
zu dem Ihnen ausgesprochenen Zweck, Ihren
Credit und Namen auf dem Fall benutzen
zu dürfen, daß ich nach einigen andern Handels-
plätzen am Rhein käme wo ich Handelsfreunde
meines Bruders in Osterode dräfe. Auch
diesen Fall frage ich ob Sie mir wohl güt-
l[ich] voll erlauben würden, Vorschußweise
auf ihren Namen so viel zu erheben als ich
zur Reise bis Frankfurt a/m bedürfte?-
Der Ort wo ich dieß Geld zu erheben suchen würde
würde dann Kölln <sehen> seyn.- Ich schreibe
Ihnen dieß jetzt um wo möglich Ihre Bestimmung
darüber an dem bestimmten Orte zu erhalten.
Die Gründe die mich bestimmen die Rhein Gegend
jetzt schon wirklich wenigstens in den wichtig-
sten Punkten besuchen zu können wollen glaube
ich nicht aufführen zu dürfen; ob ich gleich
sehr gut fühle, daß ich noch lange nicht alle
die Kenntnisse besitze um eine so reiche
Gegend ganz würdigen zu können. Allein
ich glaube auch daß es Pflicht ist jede
Gelegenheit sich belehren < > unterrichten
zu können fest halten zu müssen, weil
sie leider oft nicht wieder kommt.-
Ich erwarte jedoch die Bestimmung ganz nach /
[104R]
Ihren Gründen.- Sollte sich etwas Weiteres
für oder wider meine Hoffnung am Königl.
Mineral[ogischen]K[abinett] angestellt zu werden entschieden
haben so bitte ich Sie sehr mir etwas darüber
mitzutheilen, damit ich im letzten Fall
diese Reise zugleich dazu benutze mir
ein Plätzchen zu suchen wo ich, so viel
oder so wenig es auch sey, außer der
Arbeit fürs Brot auch für das mein Fortgehen
im Wissen wirken kann.
Ich könnte mit dem Avancement zum Offizier
Militär bleiben; allein lieber ein Hand-
arbeiter als ein Seconde-Lieut[enant] in Frieden-
zeiten.
Einer baldigen Antwort von Ihnen sieht
sehnend entgegen
      Dem Ihr
nun bald wieder freyer
      Freund

            A Fröbel