Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 31.5./2.6.1814 (Melden [Mionne])
mit Briefbeilage mit weitgehend geographischen Beobachtungen v. 16.5./18.5./27.5./31.5./1.6.1814 (Oudenarde / Melden / Oudenarde)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 31.5./2.6.1814 (Melden [Mionne])
mit Briefbeilage mit weitgehend geographischen Beobachtungen v. 16.5./18.5./27.5./31.5./1.6.1814 (Oudenarde / Melden / Oudenarde)
(BlM II,22, Bl 105-106 Brieforiginal 1 B 8° 3 S. u. BlM II,20, Bl 94-102 Beilage 4 ½ B 8° 18 S., Brief zit. bei Neuhaus 1913, 169; Halfter 1931, 406f.; Rinke 1938, 69; Beilage zit. bei Neuhaus 1913, 168. - "Während" der Arbeit an der Briefbeilage wurde der Brief v. 25.5.1814 aus Melden geschrieben und in Oudenarde auf die Feldpost gegeben [s. Bl 105V].- Zum Beilagecharakter v. Bl 94-102 s. Bl 106, wonach diesem Brief v. 31.5./2.6.1814 "andere Blätter" beiliegen. Vor dem 16.5. hatte F. zuletzt einen Brief am 15.5. beendet und am 16.5. abgeschickt [s. Bl 92R].- Die Briefbeilage ist Bl 99R und 102V-R beschädigt. Der Text wird an diesen Stellen nach der Abschrift Otto Wächters in KN 16,13 ergänzt.)

Melden (Mionne) den 31sten Juny [sc.: Mai] 1814


Hochverehrter Herr Professor:

Ich hoffe zwar daß Sie meinen Brief den ich den 25sten d.M.
in Audenarde auf die Feldpost gegeben habe erhalten
haben oder werden, doch zur Sicherheit da ich mit Ge-
wißheit erwarte daß Ihnen dieser Brief eingehändigt
wird aus dem vorigen folgendes.
Den Detaschements und alle denen welche Deta-
schements Recht. d. h. früher in denselben gestanden
haben ist der Abschied vom Militär angekündigt.
Bis nach Berlin heißt es marschiren unsere De-
taschements unter Frührung [sc.: Führung] 2er Offiziere und
mit militärischen Vortheilen. Dort heißt es
sollen sie sich auflösen. Jedoch soll jedem der
driftige Gründe anzugeben weiß der Abschied
von allen militärischen Verbindlichkeiten früher
ertheilt werden. Solcher Gründe das Kommando
jenseits des Rheins zu verlassen habe ich
zwey erstl[ich] wünsche ich einige der in geog-
nostischer u. mineralogischer Hinsicht merk-
würdigsten Punkte der Rhein- u Ruhrgegend
zu sehen, zweytens wünsche ich meine Anver-
wandten zu nächst in Thüringen zu besuchen, von dort
wünsche ich zu meinem Bruder nach Har dem Harz
zu gehen. Ich hoffe, daß unsere Führer diese Gründe
u. besonders den Grund in meine Heimath zu gehen
<dürfte> und zu den Meinigen zurückzukehren <dring[end]> /
[105R]
genug finden werden, mich bald jenseits des Rheins
zu entlassen wo ich dann über Frankfurt a/m
gehen werde. Ich hoffe daß wir über Düsseldorf
oder Kölln gehen werden. In dem letzten Ort wünsche
ich sehr, Briefe von Ihnen bey einen von den H[erren]
zu finden an welche Ihre Güte mir früher Ad-
dress[ie]rung gab. Da ich sicher glaube daß es möglich
ist in Kölln einen Brief von Ihnen zu finden so frage
ich bey Ihnen an ob Sie die große Güte für
mich und das freundschaftliche Zutrauen zu mir haben
wollen mir zu erlauben, wenn es nöthig seyn sollte
zu erlauben durch Ihren Namen, so viel Geld
in Kölln zu verschaffen als meiner Reise bis
Frankfurt a/m nöthig machte. Ich habe zwar
Empfehlung an zwey Handelsfreunde meines Bruders
am Rhein, allein ich fürchte daß mir die Richtung
unseres Marsches mi sie nicht treffen läßt.
Wollen Sie die Güte haben mir nach Kölln zu
schreiben so würde es mir besonders angenehm
seyn zugleich etwas von meinen Hoffnungen
in Berlin zu hören. Es ist wohl nicht nöthig
auszusprechen daß es mir, um meiner Aus
bildung willen sehr wehe thun würde wenn
diese Hoffnung, die schönste meines Lebens, unter
Ihrer Leitung mich aus und fort zu bilden un
erfüllt bliebe; allein Sie werden es natürlich /
[106]
finden, daß, wenn es seyn sollte, daß
ich es dann sobald als möglich zu wissen
wünsche.
Glauben Sie daß ich mich in Kölln der Compaß
(weil er mit der fahrenden Post gehen würde) treffen
würde, so würde es mir lieb seyn dass den-
selben daselbst zu erhalten, weil ich hoffe daß
ich durch ihn die Reise für mich noch belehrender
machen würde.
Sie sagten mir bei meiner letzteren Anwesenheit
in Berl[in] daß Sie selbst diesen Sommer eine aber-
malige Reise nach den Rhein machen würde. Ich
würde mich sehr glücklich fühlen Sie dort zu treffen.

Am 2en Juny. Leider reiste der H. Hauptmann
<Staak>, durch [we]lche Gelegenheit ich Ihnen diesen Brief
senden wollte, früher nach Berlin ab als ich glaub-
te, ich gebe daher diesen Brief mit den andern
Blättern auf die Feldpost, im Fall mein voriger
Brief verlohren gegangen sein sollte.-
Durch einen mit H. H[au]ptm[ann] gereisten Jäger
erhalten Sie einige Steine, diejenigen bey
welchen keine Etikette liegt sind von Carmont.
Ich empfehle mich Ihnen bestens.-
A Fröbel.
Bis jetzt wissen wir leider noch immer nicht
wann uns erlaubt werden wird abzugehen;
wir erwarten die Ordre dazu täglich.-
[106R]
[leer]

[94R]
Beilage mit geographischen Beobachtungen
v. 16.5./18.5./27.5./31.5./1.6.1814 (Oudenarde / Melden / Oudenarde)

Oudenarde, den 16ten May 1814.
Auf dem heutigen Spatziergang nach der Anhöhe gerad dem nach
Ronse führenden Thore gegen über fand ich, daß ich mich geteuscht
hatte in den sich daselbst zwischen den Lehmmassen einzeln einge-
kneteten [Abschr.: eingetrockneten] Sandstein Bruchstücken Spuren von Pflanzenüber-
resten zu finden, vielmehr finden sich in denselben nicht selten
und wohl gar zusammengehäuft in Parthien (Nestern) sehr bestimmt
theils Ausfüllungen von Muscheln, theils Abdrücke derselben
wohl gar noch mit einem Überrest der animalischen Hülle.
Ich nannte denselben Sandstein dieser Bruchstücke im vorigen
Brief einen thonigkalkigen; für diesen Namen scheint mir
das häufige Zerspringen derselben an der Luft zu sprechen.
Ich fand wenigstens wenige solche Bruchstücke welche
nicht ganz zerklüftet gewesen und die nicht wenn m[an]
sie anfaßte auseinandergefallen wären. Nach dieser
Eigenschaft könnte man den Stein auch einen Mergelsandstein
nennen, was übrigens dasselbe wie das vorige bezeichnete.
Jedoch sagte mir mein Wirth, daß dieser Stein an der
Luft sehr hart würde, und daß der bey Carmont
(auf dem Anhöhenzuge von Clösberg nach dem Kerslaer)
gefunden werdende und hier zum Pflaster gebraucht wer-
dende Stein, derselbe Sandstein sey.

Den 18ten May. Mein heutiger Spatziergang ging auf der
Straße nach Ronse (Rénay) [A: Renaix] hin, bis da wo sie die Höhe
des Anhöhenzuges erreicht, wo ich als dann rechts abging.
Diese Anhöhe zeigt gar nichts besonders, eine frische reiche
Vegetation an Bäumen, Sträuchern, Kräutern u Gräsern
bedeckt alles, und man bemerkt nur daß die Lehmmasse
wie natürl. ist hier fortsetzt. Von dem höchsten Punkt
sieht man daß das (für die hiesige Gegend) bergige, waldige
Land nach Sotteghem [Abschr.: Sottegheim] u. Aalst hin fortläuft. Einzelne
Bruchstücke des oben u. im vorigen Briefe beschriebenen
Sandsteines finden sich auch hier.- Auf dem Rückweg ging /
[94R]
ich hinter dem Mühlteich der nun an der Straße von Ronse
nach Oudenarde rechts liegenden Mühle vorbey. Hier
fand ich auf zwey Haufen an der Oberfläche stark ver-
witterte dichte Kalksteine, sie hatten ein dunkelasch-
graues Ansehen. Meinen Blick zogen Nester einer
weit dunklern ganz schwarzen unverwitterten Masse
auf sich die ähnlich den Feuersteinen darinne sich befanden
und die ich auch anfänglich dafür hielte. Bey Genauerer
Ans Betrachtung sprach aber das äußere Ansehen ganz dage-
gegen, vielmehr mußte ich die Massen für Kieselschiefer
halten, dafür sprach außer dem Bruch besonders das Zerklüftete und das
von weißen Trümmern Durchsetzte der
Masse. (Ich zweifle nicht, daß auch Sie die Masse für
Kieselschiefer erklären wenn ich so glücklich bin, Ihnen
die abgeschlagenen Stücke zur Prüfung vorlegen zu kön-
nen:) Nachdem ich mich von der KieselschieferMasse
der Nester überzeugt hatte, erinnerte ich mich un-
willkührlich des Ihnen H. Professor im vorigen Brief
beschriebenen Vorkommens des Kieselschiefers im
Maas Thale.- Die hier gefundenen einzelnen Bruch-
stücke und jenes vollkommene Anstehen dort beydes
schien sich wechselseitig zu ergänzen, und ich gestehe
gerne daß mir nun der Fund wichtig genug schien
ein Stück abzuschlagen. Hier fand ich nun, daß der
dichte Kalk nur äußerlich durch Verwitterung jenes
Aschgraue Ansehen erhalten hatte, auf dem frischen
Bruche war er mehr bläulich schwarz; jedoch war derselbe
etwas erdig behielt aber dennoch seine große Ähnlich-
keit mit dem dichten Kalk bey.- Diese Erscheinung er-
gänzte mir klärte mir eine Erscheinung im Maas Thale.
Nicht gar zu weit von dem im vorigen Briefe erwähnten /
[95]
großen Marmorbruche im Maasthale, fand ich die dort
beschriebenen abwechselnden Lager von Kalk u. Kiesel-
schiefer. Der in dem Bruche gewonnene Marmor hatt[e]
eine schwarze Farbe, die mit dem Kieselschiefer abwech-
selnden Kalklager hatten ein unbestimmtes Grau zur Farbe.
Dieß schien mir ein Widerspruch, aber diese gefunden
außen aschgrauen innen blauschwarzen dichten Kalkstei-
ne lösen mir denselben und lassen mich schließen daß
auch die dort mit dem schwarzen Kieselschiefer abwech-
selnden Kalk Lager von schwarzer Farbe sind. Zweytens darf
ich nicht übergehen, daß äußerl[ich] an diesen hier
gefundenen Bruchstücken zwischen den mehr verwitterten
Kalk und den Kieselschiefernestern sich eine dritte fremd-
artige aber ebenfalls durch Verwitterung viel gelittene
Masse erschien, die sich besonders dad[urc]h auszeichnete, daß
sie gleichsam etwas zwischen den Kalk u. den Kieselschie-
fer hervorgetreten war. Auf dem frischen Bruche
hingegen war diese 3. Masse gar nicht zu erkennen,
vielmehr ging da der Kieselschiefer in die Kalkmasse
über und umgekehrt.-
Auf dem zweiten Haufen fand ich etwas was mir
in mancher Hinsicht noch merkwürdiger war. Es
waren Bruchstücke von derselben Kalkallmasse und auf gleiche Weise
Nester von Kieselschiefer in sich ein-
schließend, aber der Kalkstein war voller Belemniten
(ähnlich wie hinter Nivelles [Abschr.: Vivelles] auf dem Wege nach Mons) das
Merkwürdige nun war daß diese Belemniten nicht
nur durch die Kalkmasse sondern auch durch die
Kieselschiefermassen
gleichmäßig verbreitet waren.
Eine Erscheinung die wie mich dünkt ganz neu ist. /
[95R]
Es soll mich sehr freuen wenn ich die zu näherer Prüfung von
mitgenommenen Stücke Ihnen vorlegen kann und dad[urc]h
erfahre in wiefern meine Mittheilungen gegründet
sind. Werden Sie mit mir übereinstimmen, so wäre
dadurch wenigstens zunächst das ganz Gleichzeitige, ge-
wisser Veränderungen
der Kalkstein- und Kieselschiefer-
massen dargethan was ich in dem vorigen Briefe
als Schluß aussprach.- In den zuerst beschriebenen
Stücken ohne Belemniten ist vielleicht die Bildung der
Kieselschiefer- und Kalksteinmasse noch nicht so
vollkommen vollendet als dort im Maasthale, daher
hier die Ausscheidung auch noch unvollkommner noch in Nestern wo die Ausscheidung dort voll-
kommner in
bestimmten Schichten geschieht.-
Verzeihen Sie bester HErr Professor daß ich es
wage Ihnen diese rohen Andeutungen schon auszu-
sprechen. Ich will damit eigentlich nur meinen
sehnlichen Wunsch ausdrücken, diese und so viele
andere Erscheinungen in der unorganisirten Natur
mit Zeit und Vergleichung prüfen zu können.

Melden den 27ten May 1814. Durch die Verlegung unseres Standq:[uartiers]
hieher wurde es mir noch möglich die Steingrube von Carmont
zu besuchen. Carmont liegt auf einer der Anhöhen die sehr mannig-
fache, besonders freundliche und faunareiche und frische Landschaften
bildenden Hügelkette die sich längs dem rechten Scheldeufer
herab zieht, ohngefähr 3/4 Stunden näher hieher als der Clös-
berg
(:Montagne de la Clus:) Von verschiedenen Punkten
in der Nähe des Dorfes hat man lieb ausgebreitete Aus-
sichten in das von gut bebauten Feldern, fetten Wiesen und freund-
lichen
wohlhabenden Dörfern und zahlreichen Meyereyen über-
deckte lachende Thal, durch welches sich die wasserreiche,
/
[96]
wenn auch nicht breite, jedoch oft von vielen Barken bedeckte
Schelde, <liebl[ich] gelegen> langsam hindurch windet.-
Die Steingrube als solche entsprach meinen Erwartungen nicht.
Nach der Masse von Steinen welche man bisher schon dort
gewonnen haben muß erwarte ich Gruben von beträchtlicher
Tiefe und Umfang. Jedoch fand ich erstlich nur eine Grube
und diese dann weder in Hinsicht auf Tiefe und Umfang beträchtl.
Der Grund des letzteren ist, daß die Steingräber sogleich
die kurz vorher zur Gewinnung der Steine gemachten Grube
mit dem Schutte der jetzigen Förderung, sogleich wieder
ausfüllen. Von dem Vorkommen und der Lagerung der
Steine selbst war daher wenig zu sehen und dieses
Wenige undeutlich, da es seit langem geregnet hatte
und daher die Grube ziemlich zugeflutet war.-
Die Steinmassen mögen ohngefähr 4 gute Fuß unter
der Erdoberfläche liegen. Ich glaube Es scheynt, daß sie in einer
entweder ziemlich horizontalen oder nach der
Neigung der Anhöhe gebogenen Lage bilden liegen.
Daß sie eigentliches Lager bilden, glaube ich nicht
sagen zu dürfen, da die Steinmassen sich in einzelnen
durch Klüfte abgesonderten Massen findet; ob übrigen[s]
die Klüftungsflächen der verschiedenen neben ein-
ander liegenden Stücke zu einander als Eine Kluft
bildend, in Beziehung gestanden haben u. noch stehen
kann ich wegen dem geringen Umfang der Grube
aus dem Zufluten durch Erde nicht sagen. So klein
jedoch die Grube selbst war, desto größer war
nach Verhältniß bey Weitem der ausgeförderte
Steinvorrath, welchen ich nun so viel mir die Zeit er-
laubte um so mehr zu meiner Belehrung durchsuchte.-
Alle geförderte Steine sind in Stücke zu ohngefähr 4 – 5II /
[96R]
in Würfel zerschlagen, da sie größtentheils zum Pflastern
der Chausseen gebraucht werden. Die Steinmasse ist ein
fester Flötzsandstein mit rein quarzigem Bindemittel
von der Art wie der von H-n [sc.: Hausmann] sogenannte Quarzfels
oder die Art Sandstein, welche hie und da den Namen
Schinkenstein hatte - Er ist hart, giebt am Stahl vieles Feuer, ist
schwer zersprengbar <klingt>. Die Bruchstücke sind eigentl[ich] unbestimmt <adrig> oft sehr scharfkan-
tig; doch kann der zerschlägt der geübte Steingräber
die gegrabenen Massen in kubische Stücke mit im
Allgemeinen mit fast gleichlaufenden Seiten und
fast rechten Winkeln; aus solchen mehr oder
minder kubischen Stücken von fast gleicher Größe
bestehen daher alle Haufen der zur Abfahrt bereit
liegenden Steine.- Wie dieser geübte, mit gewissen
Vortheilen die Steinmassen zerschlägt, so sind die Bruch-
flächen
fast eben, schlägt man aber ohne letzteren
Stücke ab, so sind die Bruchflächen im Großen
flachmuschlich sich ins Ebene wohl verlaufend, im
Kleinen feinsplittrig; die Kanten sind dann oft schneidend
die Ecken stechend scharf.- Die Kanten sind sehr
stark durchscheinend. Der Glanz der Bruchfläche ist
ein Fettglanz - glänzend.- Die Farbe ist ein unbe-
stimmtes (?) grauliches Grün, suche ich unter den Farbenbenennungen
eine dafür so finde ich keine mehr passend als pistati-
engrün, doch ist vielleicht der Name licht grünlich grau
am passendsten.- Diese Färbung scheint ihre Ursache
in vielen einzeln kleinen dunkeln Punkten zu haben die man
in der Masse an den durchscheinenden Stellen häufig
allgemein verbreitet entdeckt. Man entdeckt und
sieht diese Punkte auch wenn man dem Quarz durch
Schlagen das Durchgehen der Lichtstrahlen benimmt, so /
[97]
daß er dann weiß und unturchsichtig erscheint. Die dunkeln
Punkte erscheinen überall ohne G[l]anz, für ihre Farbe finde ich keine besse-
re Benennung als pistatziengrün; diese dunkeln
Punkte scheinen nicht Plättchen, sondern Körnchen zu seyn. Ihre
Größe ist gleich der feiner Nadelstiche.- Wenn das quar-
zige Bindemittel verwittert so bleiben (wovon ich nachher
noch sprechen werde) so bleiben diese Punkte unverwittert
zurück.- Außer dieser allgem. Färbung der Stein-
massen finden sich dieselbe auch zu weilen gestreift
und zwar in 3-6 abwechselnden farbenreichen
gleichlaufend nach den Seiten des gefundenen gegra-
benen Bruchstückes z.B.  [*Zeichnung*].  Die Streifen
sind ohngefähr fingerbreit und verlaufen sich aus einem
Braun u. dunkleren Grau in die Grundfarbe. Die
Zeichnung scheint ihren Grund in Einwirkung von
Außen zu haben, was wofür das Gleichlaufen mit den
Seiten spricht; sind die Seiten ungleichlaufend so
ist auch die Zeichnung krummlienig, doch immer im All-
gemeinen concentrisch z.B.  [*
  Zeichnung*].
Ausgeschieden finden sich in der Sandsteinmasse
zu Zeiten Nestern eines calcidonartigen Quarzes (Gleich-
sam ausgeschiedene Massen des
An der Absonderungfläche
eines Stückes fand ich sehr bestimmte obgleich schwache
achatartige (fortifationsartige) [Abschr.: fortificationsartige] Zeichnungen. In einem
Durch Ein Stück setzte ein Glim[m]er Gang oder
<Tertium> eines dunkel braunrothen Jaspisartigen Gesteins.
In mehreren Stücken fanden sich einzeln sehr gut erhaltene Muscheln:
zum Theil Muschelkerne, zum Theil Abdrücke derselben
zum Theil aber auch Muschel beyde oft mit dem einem g[an]z vollkommen
erhaltenen perlmutterartigen Häutchen überzogen. /
[97R]
Außer diesem noch vollkommen erhaltenen N noch genau zu
bestimmenden Muscheln finden sich auch in sehr vielen
Stücken zu Zeiten zugleich mit jenen unkenntliche, wurm-
förmige Gestalten eingeschlossen, ihre Dicke ist die einer
kleinen Federkiele, ihre Länge 1-1½ Zoll; ihre Masse
eine weißere S weniger feste Sandsteinmasse.
Was diesen Sandstein noch ganz besonders auszeich-
net ist seine Verwitterung im Innern, und deß-
halb ist er mir noch besonders bemerkenswerth.
Wie ich schon sagte ist die Steinmasse sehr hart und das
Bindemittel reiner Quarz; man sollte daraus schließen
daß er sehr schwer verwitterbar sey, und dennoch
zeigt sich dieses Verwittern sogar im Innern der
Steinmassen beginnend ohne daß man den Zutritt
einer äußern Ursache leicht annehmen kann;
denn die verwitterten Kerne mit ihren unbestimmten
Gränzen sind rund herum noch mit ganz frischen
Sandstein umgeben. Dieses Verwittern verliehrt
sich oft so in das noch fris[ch]e, daß die Grenzen zwischen
beyden gar nicht zu bestimmen sind.- Es scheint
als wenn die Verwitterungen von einem bestimmten P[un]kte
der Mitte
ausgegangen sey und sich so allmählig nach
den äußern verbreitet hatte, dafür spricht erstl:
daß der Grad der Verwitterung nach außen ab-
nimmt u. daß zweitens dagegen die Mitte jedes
solches Nestes am meisten verwittert ist.
Es lassen sich in verschiedenen Exemplaren Rheihe-
folgen der Verwitterung aufstellen.- Durch diese Ver-
witterung wird der sonst so feste Sandstein sehr
leicht zerreibl.- Ich glaube es läßt sich zwischen
dieser Verwitterung und der früher beym Feuer-
stein erwähnten eine Paral[l]elle ziehen und dar[au]s /
[98]
ein Schluß über chemische Processe der Erde ziehen
nämlich den, daß in den unorganisierten Massen der
Erde, groß durch die Zeit große und allgemeine Verän-
derungen vorgehen können ohne ein wirkende veränderten
Masse anzunehmen, es scheint auch hier um mich bildlich
deutlich zu machen nur einer Art Vaccination zu be-
dürfen. Überdieß muß man nicht vergessen daß
manche chemisch wirkende Kräfte in der Natur
jetzt nicht mehr mit der Macht wirken u. wirken können
als früher.
Schon in dem vorigen Brief zog ich eine Parallelle zwischen
dem Vorkommen gewissen Meeres Fossilien der Göttinger und
der hiesigen Gegend. Das Vorkommen des Jaspisartigen
Gesteins in dem Sandstein von Carmont erinnert wieder
an jene Paral[l]elle indem sich auch in dem Sandstein von
Mariaspring bey Göttingen Jaspis findet, freylich dort
in Nestern und heller von Farben.
Der in den vorigen Briefe erwähnte raseneisensteinartige Sand-
stein (Boresteen) des Clösberges findet sich nach Aussage eines Bauern
auch in den Bergen von Carmont und
Neukirchen (auf derselben Hügelkette wo Carmont li[e]gt, hin-
ter Meldes) [Abschr.: Melden] und längs der Straße welche von Oudenarden
nach Ronse (Rénay) [Abschr.: Renaix] führt sollen Haufen derselben liegen
welche in der Hügelkette gegraben werden. Hinter Melde[n]
Auf von dem Fahrwege nach Carmont dicht neben einem
Hause fand ich beträchtliche Klumpen derselben. Auch fand
ich an demselben Orte wieder Haufen solcher schwarzen
dichten Kalkstein mit Nester, von Kieselschiefer wie ich früher bey der Mühle von Leupen-
hein
[Abschr.: Lenpeylam] fand, doch ohne Belemniten-
kerne. Ein Bauer sagte mir, daß diese Steine von den Mauern
eingegangener Klöster waren, daß sie aber ursprüngl von
Doornik (Tournay) kämen. Manche von diesen Stücken
zerklüftet u. zeigten beym Zerschlagen und Reiben auf /
[98R]
auf der Kluftfläche einen starken Geruch nach Erdpech ja es
schien so gar als zeigte befände sich auf derselben ein Überzug davon.
Es scheint also [sc.: als] ob d[a]s Erdpech auch einen bedeutenden
Antheil an der Färbung des dichten schwarzen Kalksteins
(Marmor) habe welche sich in der Gegend der Maas
und Doornick (u Mons ?) findet. Durch dieses Erdpech
tritt daher ein neues Bindeglied zwischen der sich
in [{]Begleitung / der Nähe[}] des Marmors findenden Steinkohle ein.-
Gestern befanden sich auf dem Kanal der Schelde mehr als 12 große Kanal[-]
Barken mit Steinkohlen.- Mein
Noch darf ich nicht vergessen daß ich diesen einen ähnl[ichen] älteren
Sandstein wie ich bey Carmont gedacht schon früher
auf den Straßen bey Perronne Armentier Estaires
rc. bemerkt u. daß daher diese Steinart der hiesigen
Landschaft (Flandern u. einen Theil des Pardre S Dep: der Sambre Pas de Calais)
besonders eigen zu seyn scheint.

Melden den 31 May. Mein Spatzirgang war nach der Chausse[e]
die von Oudenarde durch Neukirchen nach Ronse (Renaix)
führt um selbst die Klumpen des oft gedachten eisenhaltigen Sand-
stein zu sehen welche sich in Massen an derselben finden sollten.
An der Straße selbst fand ich sie nicht wohl aber nachher
häufig seitwärts des Weges welcher von Ronse nach
Sulsique (Scholßeck) führt.
In Neukirchen selbst fand ich zuerst links rechts der
Straße v. Oudenarden eine Sandgrube, ihre größte
Tiefe möchte 12-14 Fuß seyn, das Profil was sie zeigte ohn-
gefähr 150 Quadrat Fuß. Es zeigte Lager eines losen dicht liegenden Sandes
welcher in Entfernungen von 1-2 Fuß, von
ganz dünnen Lagen eines sehr feinen Thones durchzogen
waren. Der Sand so wie der Thon hatte[n] eine grünl graue
Farbe. Es scheinen finden sich in dem Sand einzeln feste und kleine Bruch Stücke
des bey Carmont beschriebenen Sandsteines[.] /
[99]
Bald hinter dieser Grube an derselben Seite der Chaussee findet sich eine bey weitem Ggrößere.
Das Profil was sie zeigt mag
in seiner größten Höhe 16 Fuß seyn, im Allgemeinen 6-3 Fuß.
Die Länge desselben gegen 40 Fuß.- Zu meiner großen Freude
sahe ich hier, was ich so sehr wünschte, das wahre
Vorkommen des bey Carmont beschriebenen Sandsteines.
[E]s liegen jene feste Massen in dem (: durch Verwitterung,
[Zer]setzung u Auflösung:) losen Sande unverrückt an ihrer Geburtsstätte in ihrer
ursprünglichen Lage
.
Dieß wird dadurch unleugbar bewiesen, daß sich
von den ganz festen noch unzersetzten Kernmassen ein
stetiger Übergang der Verwitterungs Grade bis
zu dem ganz losen leicht mit dem Finger zerreibl.
Sande zeigt und daß sich zersetzte Steinmassen
mit allen Kennzeichen der Beygemengtheile und des
Zusammenvorkommens des noch ganz frischen festen finden.- So gut sich so
etwas durch eine Bley-
zeichnung darstellen läßt habe ich das Ganze durch
<vorliegende Zeichnung> wenigstens um mir den Eindruck desselben
[Lücke] desto besser wieder zu erinnern durch
einige Linien auf Papier gezeichnet, und ich hoffe
daß meine mündliche Erklärung nicht [?] das Mangel-
hafte der Darstellung einigermassen ersetzen soll.
Die hier aus dem losen Sand ausgegrabenen
Klumpen sind, was aus Obigem folgt natürlich
knollige Massen mit einer dicken Zersetzten
Rinde der zersetzten Masse überzogen.
Übrigens finden sich hier wie in Carmont einzelne Muscheln
in dem Sandstein so wie auf
kleinen Ganzen eine braunrothe Jaspisartige Masse. /
[99R]
Ein Theil des Profils der beschriebenen Grube
zu Neukerken.

[Zeichnung mit
  Legende]
Acker
       Ackergrume
dicht liegender loser Sand, mit feinen Gängen
       (Adern), ohne Thonlagen
a
b
c
d
e
Dicht liegender loser feinerer Sand mehr thoniger Sand
als I mit seinen Thonlagen wie in erster Sandgrube
N.II und N.III sind hervorstehende Massen eines noch etwas
härteren Sandes als N.I in welcher a-b-c-d-e
eingeschlossene Kerne des bey Carmont beschriebenen
noch ganz frischen Sandsteines sind.- Von jedem
dieser Kerne findet in Bezug auf die Zersetzungs-
grade, wie ich schon erwähnte, ein stetiger Über-
gang in die allgemeine Sandmasse statt. Es läßt
sich nirgends eine Gränze finden wo ursprünglich loser
und ursprünglich fester auf Sand d.h. Sandstein ge-
legen hatte. Das Hervorstehen der Massen II und III
beweist blos, daß in diesen Punkten die Zersetzung
noch nicht bis zu den Graden beendigt ist, daß der
Regen die Massen leicht zerfallen macht.
Wie mir nun das Ganze in dieser Sandgrube er-
scheint möchte ich den bestimmten und sichern Schluß ziehen:
da[ß] aller Sand welcher sich jetzt daselbst in Lagen
[findet] also aller Sand N. I u IV ursprünglich
[so fes]ter Sandstein war als die Kerne a-b-c-d-e
noch b zeigen und daß dieser Sand noch ganz auf
derselben Stelle liegt, wo ursprünglich die Sandstein-
lager selbst lagen
. Es folgte also: Lager festest /
[100]
des festesten Sandsteines konnten auf ihrer Bildungstätte durch
innere und äußere Zersetzung sich so auflösen, daß sie jetzt als ein loser
leicht zerreiblicher Sand erscheinen. Setzt man diesen Schluß
progressiv fort, so geht daraus sehr ungezwungen die Mög-
lichkeit hervor, daß in dem Laufe der Zeit blos durch die einfachen
unaufhaltsam wirkenden Gesetze der Zersetzung und Auflösung
ganze Bergmassen zerfallen konnten, ohne daß man als
Ursache dieser Zerstörung große gewaltsam wirkende
Erdevolutionen anzunehmen genöthigt ist.- Ich möchte
noch weiter gehen und möchte von diesen festen Sandstein-
massen einen Schluß auf Granitmassen wagen. Ich
mögte darum einen neuen Beweis der schon einigemal
ausgesprochenen Meinung finden; daß die sich die Granit-
geschiebe u. Graniten oder im Blöcke, oder im Allgem: Urge-
birgsgeschiebe u. Blöcke, welche sich besonders an der
Ostsee u. besonders in gewissen Punkten Mecklenburgs
so häufig finden, Überreste der an diesen Stellen zerfal-
lenen Urgebirge sind, daß jene Massen keinesweges
durch Wasser weit hergeführt sind. Das Abgerundete
vieler Massen sowohl, als das Vorkommen der noch
scharfkantigen Blöcke läßt sich sehr einfach, wenn
wir einmal befugt sind eine solche allmähliche Zersetzung
in der Zeit anzunehmen - erklären. Abgerundet. Durch
die Zersetzung bleiben abgerundete Kernmassen (wie ich
in der Erfahrung zeigte) durch die durch das Zusammenstürzen
bewirkte <auch> Reibung, durch die den Zutritt Wirkung
des Wassers wurden die schon zersetzten Theile
abgenutzt und es blieben die rundlichen Kerne
zurück. Andere noch feste Massen zerbersteten [Abschr.: zerborsteten] in
dem nachher folgenden Zusammenstürzen und bildeten /
[100R]
[die] scharfkantigen Blöcke.- Zu diesen rohen Andeutungen
muß ich nur noch hinzufügen, daß ich glaube annehmen
zu dürfen daß diese Zersetzung großer Bergmassen
begann und auch wohl vollendet war, als gewisse
Distrikte noch ganz unter Wasser standen, und
daß das Zerfallen entweder nach dem Zurücktritt
des Wassers, oder als eine Wirkung der Schwere
wohl gar geschahe als die Wasserbedeckung dieses
Distriktes noch Statt fand, und das durch das
Zusammenstü[r]tzen selbst das Zurücktreten des
Wassers bewirkt wurde.
[Hier Einfügung jeweils vom Fuß von 100R, 101V, 101R:]
Bemerkt muß in dieser Beziehung immer werden, daß das
Meerwasser wenigstens, nach dem Zusammenstürtzen der Gebirge
zu welchen die Urgebirgsüberreste in Mecklenburg gehörten, nicht
lange mehr über dem Schutte, dem Gerölle gestanden haben kann
weil <sich ?> er, weil das Gerölle sich nicht mit Meeresabsatz
bedeckt findet, und in demselben auch keine Muscheln gefunden werden[.]
[101]
Annehmen ließe sich vielleicht daß das Zusammenstürzen der Ge-
birge welche früher der Schutt im nördl. Deutschland bildete, durch
einen ungeheuren Wasserdruck aus dem Innern des Landes
mit bewirkt worden wäre. Hierzu ließe sich vielleicht
ein Ger Beweis in der Lage der Gerölles und besonders in
der Folge des gröbern u. feinern Gerölles, der größern und
kleinern Geschiebe finden.- Zu untersuchen wäre immer auf
welchem Boden, welchem Grunde eigentlich jener Schutt ruht
welchen Boden er bedeckt.- Andeutungen dazu sind vielleicht
die wie Inseln im Meer aus den Sandwüsten hervor- /
[101R]
ragenden Kalk- u. Gipsfelsen z. B. hinter Berlin, bey Lüneburg
und im Hollsteinschen. Aus dem Wenigen von mir gesehenen
Küsten-Land des Nord- oder deutschen Meeres glaube ich doch folgern
zu können, daß dasselbe durch langsames Zurücktreten
des Meerwassers entblöst worden ist. Überhaupt muß
eine Vergleichung der Küstenländer des Ostsee u. des Nord-
meeres, und eine Vergleichung der Bedingungen beyder
zur wechselseitigen Erklärung ihrer Verschiedenheit
und Entstehung dienen.
[100R]
Es liegen in diesem Augenblick mehrere Erscheinungen der
Erdoberfläche in einer Einheit vor mir, die durchzu-
führen mir jetzt die Zeit und der Mangel an Hülfs-
mitteln nicht erlaubt.
Andeutungen. Die Gerölleschiebe eines älteren Sandsteines (Quarzfelses)
bey Havelberg u. Lüneburg.
< ? > <Regenierter> Granit (sogenannter): Rehberger
Graben.- Die Granitblöcke nach dem Ilsenthal und
auf dem kleinen Brocken:- Hausmann über die Gesetze
der Verwitterung verschiedener Gebirgsarten.-
Von Neukerken ging ich auf der Straße bis nach Ronse (Renay) [Abschr.: Renaix]
fort in der Hoffnung irgend wo das Lagerungs Verhältniß
des bey Carmont u eben bey Neukerken beschriebenen Sand-
steins und des bunten Sandsteines (Borresteens) zu
entdecken, doch wurde sie nicht erfüllt. Ich bemerkte
blos, daß dießseits Ronse, bey den beiden Windmühlen /
[101]
der Boden bis zu einer beträchtlichen Tiefe miteinander
in höchsten Grade ocherig wurde. Dieser Boden war ein
höchst <eisenschäftiger> Sand mit ebenso <eisenschäftigen> Lehm
bedeckt, in beyden lagen Bruchstücke des beschriebenen
Borresteens, doch ein Lagerungs Verhältniß konnte
ich nicht entdecken sondern sahe blos, daß ich nun seiner
ursprünglichen Lagerstätte näher seyn mußte. Von
Ronse ging ich über Sulsique (ausgesprochen Scholßeck)
zurück wo mich noch einige Zeit der <eisenschäftige> Boden
begleitete welcher sich aber nachher mehr südwestlich
hin zu ziehen schien.

Am 1sten Juny. Um etwas bestimmtes über das Lagerungs Ver-
hältniß der beyden gedachten Steinarten zu <entdecken>, ging ich
heute wieder nach Carmont. Ich besuchte dort zuerst /
[101R]
wieder den Steinbruch fand aber nichts neues; nur in
Bezug auf die früher erwähnten farbigen Zeichnungen bemerk-
te ich, daß der Gang, das Fortschreiten der Auflösung
des festen Steines und die Farbenzeichnungen selbst in Bezieh-
ung standen; die Farbenzeichnungen des festen Steinkernes haben nähmlich nach
außen zu
immer mehr und mehr
die Biegungen und Form, welche die Grenze des aufgelösten
Gesteins hatten ohngefähr  *Zeichnung*][  Die Zeichnung scheint
hiernach <-> durch das relativ von Außen nach
Innen wirkende Auflösende, Zersetzende bedingt zu seyn.
Das Concentrische der Zeichnung läßt sich hiernach gut er- /
[102]
[klären.] Es bleibt dabey je[doch nur merkwürdig darin daß]
das die Zersetzung bedingende, so tief in die frischen, festen Steine ein[wir]-
ken kann ohne an demselben dem Anschein
nach etwas anderes als die Farbe zu verändern.
Von dem Steinbruche aus ging ich durch das Dorf durch und
dann bey der ersten Windmühle, den Weg rechts welcher nach
Rulsnaque [Abschr.: Peulsnague] führt. Ohngefähr eine kleine ½ Stunde vor der
Kirche geht der Weg welcher immer im Wald herabläuft durch
einen Hohlweg durch. Die beyden gegenüber stehenden Profile
so welche er in seiner größten Tiefe zeigte, so klein ihn und
so undeutlich sie auch an vielen Stellen durch das von
oben nachgestürtzte Erdreich sie auch waren schienen
mir jedoch zu beweisen, daß der Borresteen auf dem
Sandstein von Carmont u. Neukerken aufgelagert
sey. Der Borresteen welcher sich hier findet, liegt in
dünnen Lagen wa[a]grecht zwischen den andern gebl. [sc.: gelblich] und grünlich grauen
sehr zerreiblichen Sandstein. Dieser Sandstein
zeigt besonders an der rechten Seite des Weges solche
gleichlaufende Zeichnungen als ich in dem Sandstein auf
meiner Elbfahrt im vorigen Jahre Quitzöbel gegenüber
bemerkte.
Die eigentliche Lagerstätte der großen Massen des Borre-
steen
von 1 - 1½ Ctr konnte ich noch nicht finden. Durch
die Bauern kann man sich leider nicht unterrichten, sie sagen
sie finden sich in den Bergen und es scheint da ich sie fast
auf allen Punkten der Hügel kette zwischen den Clösberg
und Ouden: fand, daß sie aus ihrer Lagerstätte gerissen
in den Bergen zerstreut liegen, doch spricht dawieder
erstlich der ganz <eisenschäftige> District bey Ronse
dann zweytens daß die Hügelkette wirklich
Sandsteinlager <-> zur Grundmasse zu haben scheint. Rich-
tiger dünkt mich daher daß die Lagerstätte des Borre- /
[102R]
[steen südlich] an der Südlichen Seite der Anhö-
he ist die sich vom Clösberg nach Ronse zieht. Dahin
soll nun mein nächster Spazirgang seyn.
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Ich fühle tief daß Mittheilungen wie diese, weitschweif[ig]
besonders so unbestimmt und über dem Unterrichteten
längs bekannte Gegenstände - für Sie zu lesen mehr als
ermüdend seyn müssen, doch Sie waren so gütig mir zu
erlauben in diesen Briefen an Ihnen so reden zu dürfen
wie ich mich gegen mich selbst ausspreche. Lege ich hier
auf irgend eine Erscheinung eine Bemerkung einen gewissen
Werth, so geschieht dieß blos auf in Bezug auf den
geringen Grad der Unterrichtetheit in dem ich mich
leider noch befinde. Ich theile Ihnen den Eindruck jeder
Erscheinung und das dadurch in mir Angeregte frey
mit; wie es in mir entsteht. Sie sehen hierdurch
leicht das Viele was mir noch fehlt, die großen
Lücken die in meiner wissenschaftlichen Bildung sich
noch befinden, allein es entgeht Ihnen vielleicht
auch nicht, daß ich gerne so weit es in meinen Kräften
ist, so weit sich nur Mittel darzu die Hand biethen, auch
des <Lebens Breite> zu meinem Unterrichte verar-
beite. Sie werden vielleicht das Streben: Einheit
in das Wenige von mir bis jetzt Erkannte zu bringen
nicht verkennen. Sie werden es natürlich finden, daß
mein einziges Streben zunächst dahin gehen muß
mir für die Zukunft eine Lage zu verschaffen,
welche mir Gelegenheit und Mittel zur Ausbildung
darreicht.