Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 22.6.1814 (Frankfurt a. M.)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 22.6.1814 (Frankfurt a. M.)
(BlM II,24, Bl 109-110, Reinschriftfragment 1 B 8° 3 S.)

     Frankfurt a/m am 22. Juny 1814


Hochverehrter Herr Professor:

Heute bin ich zu meiner großen Freude, in dem ich Frank-
furth als einen halben Geburtsort für mich betrachte, hier
angekommen. Da es sich mit dem allgemeinen Abgang
der Freywilligen unseres Korps sehr in die Länge zu
ziehen schien so wagte ich es mit Benutzung der
militärischen Erleichterungen fast auf eigene Hand
nachdem ich meinen Abschied vom Corps erhalten hatte
zurück zu gehen, wenigstens bin ich von Elberfeld
über Cölln längs dem linken Rheinufer bis hieher
ganz allein gereist. Da ich zur Erleichterung meiner
Reise in ökonomischer Hinsicht, den Gesetzen eines
militärischen Marsches mich nicht entheben konnte,
so durfte ich freylich die Landstraße nur wenig
verlassen, dennoch habe ich auf meiner Rhein-
reise viel Unerwartetes und Belehrendes gesehen
und ich glaube daher daß sie deßhalb für die
Zukunft nicht ganz ohne bleibenden Nutzen seyn
wird, so sehr sie auch sonst blos ein Durchflug
war.
Den herzlichsten Dank sage ich Ihnen besonders
für Ihre gütigen Adressen nach Cölln. Bey H[errn]
Dr. <Pläcker> und Herrn Brassert habe ich einen /
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höchst angenehmen und belehrenden Tag verlebt.
Mit außerordentlicher Freundschaft und Zuvorkom-
menheit haben mir diese beyden Herrn, welche
Sie auf das schönste u. freundschaftlichste grüßen,
Ihre jetzt sehr vollständigen Sammlungen der Mine-
ralien ihrer nächsten Gegenden gezeigt. Die Zeit
erlaubt mir jetzt nicht etwas einzelnes von dem
vielen Vorzüglichen derselben auszuheben. Zu
Eutenich besuchte ich d[en] H[errn] Geheimenrath Nose welcher
mich auf Ihren Namen ebenfalls sehr gütig aufnahm.
Er gab mir den Auftrag mich in Mainz bey d[en] H[errn]
Gebrüdern Kertell zu erkundigen ob sie die
in der Mitte Mai an Sie für das Königl. Mi[neralogische] C[abinett] in Ber[lin]
abgeschickten 9 Kisten erhalten hätten; zu meiner
Freude hörte ich hier, daß sie schon am 27. May
nach Frankfurt a/m an J.A Trombitta abge-
schickt worden sind; morgen werde ich mich hier
wegen des weitern Abgangs derselben erkundigen
doch zweifle ich fast nicht, daß sie schon in Ihren
Händen sind, wenigstens bey Ankunft dieses
Briefes.- Auch an d[en] H[errn] He. Petazzi sowohl
als an d[en] H[errn] Canonicus Pick lernte ich durch
Ihre Güte sehr vortreffliche Männer kennen. /
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Ersterer läßt sich Ihnen auf das herzlichste empfehlen.
Er erinnert sich noch sehr dankbar des vielen Belehrenden
der mit Ihnen verlebten Tage.- Nöggerath war
nicht zu Hause sondern in Achen wo er durch das
jetzige Gouvernement eine Anstellung zu erhalten
hofft.- Bleibtreu hat jetzt eine Stelle in Saarbrücken.
Auf meiner Reise von Oudenarden über Brüssel
Mas Löwen, Mastrich, Achen, Jülich, Düsseldorf
nach Elberfeld habe ich den Petersberg bey Mastrich
auf einige Stunden besucht. Es ist wahr, wenn man
diese unterirdische straßenreiche Stadt (denn mit einer
solchen deren Straßen oben bedeckt wären, kann
diese 1000 und 1000, durch colossale bis zu 20 Fuß
entfernten und bis zu 60 und mehr Fuß hohen vier
kantigen senkrechten Pfeilern gebildeten Gänge wirklich in Beziehung
auf das Perspectivische u. Stereometrische verglich[en] [werden])
wenn man diese unterirdische Stadt, ohngefähr 1 Stunde
in der Länge, durchlaufen hat, was nach der Aussage
des Bergweisers Courtiens bey Weitem der kleinste
Theil derselben seyn soll, und man sich alsdann be-
müht sich einen Überblick des Ganzen zu verschaffen,
so ist es wahr das G dasselbe erscheint [Text bricht ab]