Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 9.7.1814 (Meiningen)


F. an Georg von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 9.7.1814 (Meiningen)
(Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Autographensammlung, Brieforiginal 1 B 4° 3 S., ed. Nicolay / Richel 1929, 19f.)

Hochverehrter gnädiger Herr;

Sie haben mich durch die gütevolle Erlaubniß, abermals einige Tage in Ihrem
Hause erleben zu dürfen, sehr glücklich gemacht, ich danke Ihnen gnädiger
Herr, auf das herzlichste dafür; denn es giebt für das Gemüth nichts
erhebenderes als die Fortdauer der kindlichen Zuneigung von welcher
mir Ihre lieben reinen Kinder so sprechende Beweise gaben. Es gewährt
nichts höheren Genuß als wenn man sieht wie solche Kinder, unter
der ununterbrochenen elterlichen, väter- und mütterlichen Sorgfalt
immer mehr gedeihen! Ja erlauben Sie mir hochverehrter gnädiger Herr
Ihnen aussprechen zu dürfen wie innig ich mich darüber gefreut habe
daß Sie so oft aus dem Kreise Ihres Geschäftslebens liebevoll mit
väterlicher Gedult [sc.: Geduld] in den Kreis Ihrer guten Kinder herabstiegen.
So groß aber auch der Dank ist, welchen ich Ihnen gnädiger Herr
für Ihre gnädige Aufnahme in Frankfurt schuldig bin, so ist doch
der nicht geringer den ich Ihnen für die gütige Einwilligung Ihren
lieben guten Fritz hier aufzusuchen, sche sagen muß. Ich gestehe es /
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Ihnen, dem liebenden Vater, gern, der innige, herzliche Empfang desselben
hat mich tief gerührt, und Sie werden mich sicher nicht mißverstehen,
wenn ich Ihnen ausspreche, daß ich auf denselben stolz bin, denn es
giebt für den reifen, durch die Läuterungsschulen des Lebens hindurch
gegangenen Mann kein erhebenderes Gefühl, als wenn das reine
Gemüthe, was ihn in den Jahren der kindlichen Empfindung mit Liebe
empfing, sich in den JünglingsJahren mit Bewußtseyn und Freyheit
inniger und fester an ihn anschließt. Ihr lieber Fritz ist seit ich ihn
nicht gesehen hatte ein herrlicher vortrefflicher Jüngling [ge]worden; die Ge-
sundheit von Seele seiner Seele und seines Geistes blüht wie die seine[s] Körpers
sein Gemüth ist tief, wie er körperlich groß ist. Sie gnädiger Herr sind
glücklich zu preisen, Vater eines solchen Sohnes zu seyn; Sie sind viel-
fach glücklich, denn alle Ihre lieben Kinder wetteifern mit ihm und un[-]
ter sich, Ihnen, ihrem theuern Vater, ihren geliebten Eltern in jeder Hinsicht
Freude zu machen.
Ich empfinde jetzt doppelt welche Freude ich mir versagen mußte, da
ich die frohe Rückkehr Ihres ältesten Herrn Sohnes nicht abwarten konnte
von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen Glück da zu derselben, denn einen
seine Pflichten ganz erfüllten sich schon bey seinem ersten Tritt in die
Welt so männlich betragenen, und dabey eine so warme kindliche Liebe
gegen die theuren Eltern bewahrten Sohn, so wie Ihren lieben Carl wie-
der zu sehen, muß den reinsten Lebensgenuß gewähren. Grüßen /
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Sie verehrter gnädiger Herr, denselben auf das herzlichste und freundschaft-
lichste von mir.
Erlauben Sie hochverehrter gnädiger Herr, daß ich mich Ihnen und
der verehrungswürdigen gnädigen Frau, Ihrer Frau Gemahlin auf das
beste zu fernerem gütigen und gnädigen Wohlwollen empfehlen darf.
Mit der ausgezeichnetsten und vollkommensten Verehrung habe
ich die Ehre zu seyn
      Ew: Hochwohlgeborn
unterthäniger Diener
      AFröbel /
Meiningen
den 9ten July 1814.
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