Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Marsch in Potsdam v. 21.8.1814 (Berlin)


F. an Friedrich Marsch in Potsdam v. 21.8.1814 (Berlin)
(BlM II,27, Bl 114, Reinschrift 1 Bl 4° 1 ½ S., zit. Halfter 1931, 421f. - 114R enthält außerdem sprachspielerische Notizen zum "Reichtum". Das beiliegende Bl 115 enthält einen v. F. gezeichneten Schuldschein v. 23.8.1814 mit inhaltlichem Bezug zum Brief.)

Berlin den 21sten August 1814.


Mein lieber Freund Marsch;

Ich muß Ihnen nur gleich Anfangs aussprechen, daß ich dießmal mit einer Bitte an Sie
zu Ihnen komme, können Sie mir dieselbe erfüllen, so geschieht mir ein wesentlicher
Gefalle damit, ist es nicht, nun so darf es Ihnen aber auch nicht unangenehm seyn.
Meine Hoffnung hier in Berlin angestellt zu werden, ist früher, als ich in dem Ihnen
zu Ende v. M. geschriebenen Briefe glaubte in Erfüllung gegangen. Ich bin zunächst
als Gehülfe bey dem mineralogischen Museum der Universität angestellt. Meine jähr-
liche Einnahme ist zwar nicht bedeutend, aber es ist doch eine <fix.> Stelle, und ich
hoffe daß sich ja sonst noch hier Gelegenheit finden wird durch Unterricht, am liebsten
im naturhistorischen Fache in einer der obern Classen eines der hiesigen Gymnasien finden, meine
jährliche Einnahme so zu erhöhen, daß ich wenigstens sorgenfrey leben kann. Zunächst
macht mir es meine Stelle zur Bedingung in das Universitäts-Gebäude zu ziehen
wo ich freye Wohnung bekomme.- Diese scheinbare Erleichterung für mich setzt mich
aber jetzt in eine nicht kleine Verlegenheit, da ich genöthigt bin, wenn auch nur durch
Miethung für einige Möbeln zu s rc zu sorgen, und ich auch ohne alle Mittel dazu bin, und
zum Nachtheil für mich hier auch so allein, wenigstens von solchen Verhältnissen bin durch
welche ich mir sie verschaffen könnte. Ich muß mich daher überwinden Ihnen die
Bitte auszusprechen ob Sie mir vielleicht nur auf 2 Monate 5 oder 10 rth
durch Ihre Verhältnisse vorschießen können; nach diesen 2 Monaten hoffe ich
gewiß, was ich ja berechnen kann, in dem Stande zu seyn, diese mir gütig
vorgestreckte Summe Ihnen mit dem herzlichsten Dank wieder zurück zahlen
zu können. Da ich in den ersten Tagen der nächsten Woche einziehen muß so wird
mir ein großer Gefalle geschehen, wenn Sie mir baldigst einige gefällige Nachricht
geben können, ob ich Erfüllung meiner freundschaftlichen Bitte hoffen darf.-
Seyn Sie versichert bester Freund, ich habe mich, da ich diese Bitte niederschrieb
ganz in Ihre Lage gedacht, deßhalb darf es Sie auch gar im Mindesten nicht
leid thun wenn Sie mir meine Bitte abschlagen müssen, allein es könnte doch /
[114R]
auch möglich seyn, daß Sie auf die ausgesprochene Zeit jene Summe entbehren
oder mir solche vielleicht durch Ihr Verhältniß verschaffen könnten, deßhalb
war ich es mir doch auch schuldig diesen Weg nicht uneingeschlagen zu lassen.
Aber nochmals lieber Freund, es muß Ihnen nicht leid thun mir eine abschlägl[iche]
Antwort zu schreiben, da Sie ja versichert seyn können, daß ich aus eigener
Erfahrung genug die Verhältnisse kenne, die uns hindern auch unsere
Liebsten Wünsche uns nicht zu erfüllen.
Auf das herzlichste grüße ich Ihre gute liebe Frau und lieben Kinder.
Auch nach einer abschläglichen Antwort
Ihr
aufrichtiger Freund.

August Fröbel.
Krauffenstraße Nro 48.
2 Treppen hoch.

[Bleistiftnotizen:]
Was ist Reichthum?
Was ist reich?
Was sind Reiche
r - ei - ch
bl - ei - ch
schl - ei - ch
w - ei - ch
fl t - ei - ch /
[115]
[beiliegendes Blatt:]
Einen Doppelfriedrichsd'or durch H. für Herrn Marsch in Potsdam
richtig empfangen zu haben bescheinigt Berlin den 23sten August
AFröbel