Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt am Main v. 22.8.1814 (Berlin)


F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt am Main v. 22.8.1814 (Berlin)
(BN 492, Bl 29, Reinschrift 1 Bl 4° 2 S., ed. H V, 83-85)

       Berlin den 22ten August 1814


Gnädige Frau;

Sollte der Herr Professor Weiss der gefällige Überbringer dieses, sich auf seiner Reise nach
dem Rheine einige Zeit in Frankfurt aufhalten, so hoffe ich sicher, daß er mir das Ver-
gnügen machen wird, es persönlich an Sie abzugeben. Da derselbe an der nicht ungünstigen
Entwicklung meines Schicksals seit Anfang vorigen Jahres, den wesentlichsten Antheil
hat, so wird es mich sehr freuen, wenn sich dann Gelegenheit fände, daß mein dank-
bares Erkennen seiner freundschaftlichen Verwendung für mich, ihm von Ihnen ausgespro-
chen würde, um darinne einen Beweis zu finden, wie sehr ich sie nach Verdienst würdige.
Diese Rücksicht nur kann mich bey Ihnen entschuldigen, jenen Wunsch Ihnen ausgesprochen
zu haben.-
Sie sagten mir gnädige Frau, daß Arndt, um seiner Schrift: Geist der Zeit, mehr Vollendung
zu geben, einen zweyten Theil dazu geschrieben habe; daher werden Sie es natürlich finden, wenn
das Unvollendete wünscht, durch Verein mit dem Vollendeteren selbst vollendeter und voll-
kommener zu werden. Diesen natürlichen und gerechten Wunsch, kann ich nun dem ersten Theil
von Arndts Geist der Zeit, den ich noch aus der schönsten Zeit meines Lebens besitze, auf
keine andere Weise, aber auch nicht schöner erfüllen, als wenn ich Sie gnädige Frau
bitte, ihm einen Platz neben dem zweyten Theil zu vergönnen, wenn es Ihnen nicht schon
gelungen seyn sollte sich denselben frühern zu verschaffen.- Ich wünsche meinem Arndt Glück
zu dieser Stelle, weil, indem er an Bedeutsamkeit und Vollkommenheit gewinnt, auch zugleich
in seine ursprüngliche Heymath kommt; denn wahre Vollkommenheit und Vollendung ist doch
nur durch die Rückkehr zur Heymath bedingt.-
Von den Büchern welche nach meinen [sc.: meinem] Abgang von Frankfurt für mich abgeliefert wor[-]
den sind, und welche ich jetzt mit genommen habe, muß ich die 1ste Abtheilung des 4ten /
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Bandes der biblischen Anthropologie von Oberthür ohne Zweifel in der ehemaligen
Wohnstube des Hofhauses, dem jetzigen Bücherzimmer haben liegen lassen, das Buch
ist roth eingebunden und wird in weißes Papier eingeschlagen seyn; sollte
es sich gelegentlich finden, so bitte ich Sie gnädige Frau, so gütig zu seyn, < > es bis
zu einer passenden Gelegenheit hieher an meinen lieben Adolph abzugeben, der dann
wohl so gefällig ist die Mühe zu übernehmen, es an mich zu besorgen. Sollte es
sich vielleicht schon gefunden haben, so brächte mir es wohl der Herr Professor
Weiss mit.
Durch dessen gefällige Vermittelung werde ich noch früher, als die für mich in dem
Universitäts-Gebäude bestimmten Zimmer ausgebaut seyn werden in das Univer-
sitäts-Gebäude ziehen, und zwar in den allerersten Tagen, weil mir einstweilen ein
Wohnzimmer daselbst angewiesen worden ist. Ich gestehe zwar aufrichtig, daß es mir
in meiner jetzigen Lage nicht ganz lieb ist, jetzt schon eine gewisse eigene häus-
liche Einrichtung anfangen zu müssen, und daß mir die Verbindlichkeit dazu wirklich
etwas schneller kommt als ich erwartet habe, allein da es einmal mein fester Vor-
satz ist: die äuße Entwicklung des äußern Lebens ruhig erwartend aufzunehmen
so gehe ich mit vertrauensvoller Zufriedenheit der Zukunft entgegen. In den näch-
sten 10 Tagen ist ja auch das schwerste überstanden.
Verzeihen Sie gnädige Frau, daß dieser Brief gar nichts anders als Gegen-
stände des äußern Lebens enthält. Fürchten Sie nicht noch einen solchen zu er-
halten, ich werde mir es sicher nicht erlauben, auch hoffe ich zu Gott, daß
bald wieder ein höheres reines Leben, ein Leben des Geistes in mir beginne,
und sich kräftig ausbilden werde.
Daß ich jetzt nicht ganz geschickt bin meinen [sc.: meinem] lieben Adolph zu schreiben werden
Sie natürlich finden, deßhalb bitte ich Sie mich bey denselben [sc.: demselben] zu entschuldigen. Herz-
lichst grüße ich sämtlich meine jungen Freunde. Unterthänig empfehle ich mich dem
Herrn von Holzhausen. Erlauben Sie gnädige Frau, daß ich Ihnen meine innigste
Hochachtung und Verehrung aussprechen darf. Leben Sie recht wohl
A Fröbel