Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Hanau v. 16.9.1814 (Berlin)


F. an Christian Samuel Weiß in Hanau v. 16.9.1814 (Berlin)
(BlM II,28. Bl 116-117, Reinschrift 1 B 4° 4 S., zit. bei Halfter 1931 u. Neuhaus 1913)

Berlin den 16ten Septbr 1814.


Hochverehrter Herr Professor:

Ich hatte mich sehr darauf gefreut, nur durch Besorgung des mir vor Ihrer Abreise von
Ihnen aufgetragenen Geschäftes, Ihre Zufriedenheit bey Ihrer Rückkehr zu erwerben allein
die Umstände sind mir nichts weniger als günstig, erstlich habe ich kürzlich durch zwey
italänische Reisende einige Tage verlohren und nun habe ich sogar von dem Departem:
den Befehl erhalten: in dem n[euen] Münzgebäude das Auditorium, das Vorzimmer vor
demselben und das kleine Zimmer wo die schlesische Sammlung steht, nebst der Haus-
flur unvorzüglich von den Mineralien rc: räumen zu lassen: Der Finanzminister
fordert nämlich dringend die Räumung des n[euen] Münzgebäudes um <Büreaux> die
sich jetzt noch in dem alten Münzgebäude in sehr ungesunden Localen, so daß schon mehre-
re Angestellte krank geworden seyn sollen, befinden, dahin zu verlegen. Der Herr
Staatsr.: Uhden ließ mich deßhalb vor einigen Tagen zu sich kommen, sagte mir die For-
derung des Herrn Finanzministers und fragte mich zugleich: ob sie mir im Falle der
nöthigen Räumung des Münzgebäudes während Ihrer Abwesenh[ei]t Verhaltungsbefehl
gegeben hätten?- Ich sagte daß Sie mir blos das künftige Auditorium auf den
Fall daß der Schreiner Schränke abliefre bezeichnet hätten. Um übrigens die Fort-
schaffung von Mineralien gänzlich bis zu Ihrer Rückkehr zu vermeiden, sagte ich
daß ein Zimmer (das wo Ihres Herrn Br[u]de[r]s Bücher standen) schon gänzlich leer stehe
und daß ein zweytes (das lange Zimmer welches an das vorige stößt) nur noch
wenig besetzt sey. Hierauf mußte ich d. H. Staatsr.: nicht nur jene zwey
Zimmer sondern das ganze noch von Mineralien besetzte Locale im N[euen] Münzgebäude
zeigen. Er sprach dann mit H: GeneralDirector Gödeking um ihm einstweilen
jene beyden gedachten Zimmer abzutreten, allein dieser forderte das Auditorium rc
als die zunächst nöthigsten Zimmer. Was gegen die Räumung dieser Zimmer noch
vor Ihrer Rückkehr, während Ihrer Abwesenheit, an sich schon klar genug am Tage
lag, sprach ich dennoch wiederholt aus, sowohl daß sie Ihnen höchst unangenehm
seyn würde, als auch daß ich ganz allein sey: es wurde zwar alles als wahr
anerkannt, aber mir immer die dringende Forderung des Finanzministers entgegnet. /
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Da ich zuletzt noch den Mangel an Platz dagegen einwandte, so kam der Herr Staats-
rath selbst und besahe sämtliche Zimmer, er sagte mir ich sollte die Sachen jetzt
nur hinstellen wo Platz wäre, wenn sie auch bey der förmlichen Einrichtung
wieder hin und her getragen werden müßten. Zugleich sagte er mir, daß ich
einen schriftlichen Befehl vom Minister nebst einer Anweisung zum Vorschuß zur
Bestreitung der Transportkosten erhalten würde, wogegen sich nun freylich nichts mehr
sagen ließ.
Dem nun erhaltenen Befehl zu folgen habe ich mit der Räumung des Auditorii den Anfang
machen lassen zuerst mit den Schränken der Modelle, dann dem der Kalk- und Baryt[-]
Gattungen, dann den der Schwefelerze und jetzt stehe ich bey den Metalloxyden
Kurz ich lasse die Kästen so nehmen wie sie in den Schränken der genannten Folge
nach kommen und werde in dieser Ordnung Schrank für Schrank vornehmen, daß also
auf die metallischen die Kieseln und dann die Thonfossilien rc folgen. Ich habe diese
Ordnung bey behalten weil ich glaube, daß ich so am leichtesten Irrung vermeide.
In das Auditorium habe ich bis jetzt noch nichts setzen lassen, werde es auch so viel
als möglich vermeiden weil ich glaube daß Ihnen dieß am liebsten ist, damit Sie
nach Ihrer Zurückkehr an der Schnellen Einrichtung des Auditorii nicht gehindert
werden; dagegen habe ich in der kleinen Stube zunächst des künftigen Audit: gerad
der meinigen gegen über mit Aufstellung der Mineralien den Anfang machen lassen.
Ich lasse nämlich immer 12 Kästen (so viel sind in einer senkrechten Reihe) senkrecht auf
einander setzen, und diese senkrechten Reihen so auf einander setzen wie sie in den
Schränken nach der oben bestimmten Folge, folgen; ob ich zur Ersparung des Raumes und
um sämtl. Kasten der Schränke des Audit: in ein Zimmer zu bringen, auch Mitten
durch diese Stube eine längsreihe jener Schichten setzen lasse bin ich noch unschlüssig.
Da die Sehr Ist dieß Zimmer voll so werde ich das zunächst anstoßende größere
einnehmen müssen. Da die Schränke die Haupttreppe herauf gebracht werden
müssen, und da der Schreiner, bey welchem ich mich Raths erholen wollte, mir
gesagt hatte, daß in das künftige Audit: lauter neue Schränke kommen, so bin /
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ich fast Willens, die Schränke nach den zwar größentheils schon besetzten Garten
zimmern bringen und dort ohne die Kästen stehen zu lassen, weil ich glaube ich
vermeide dad[urch] am ersten zu unnöthiges und beschwerliches Hin- und Hertragen.
Bis jetzt bin ich noch immer selbst mit den Trägern hin und her gegangen. Die
Tragen werden unmittelbar vor den Schränken beladen und so die große Treppe behut
sam herabgetragen. Ich glaube nicht so wohl zugl[eich] mit den Tragen daß
auf diese Weise die Sachen am meisten geschont werden, denn es verrücken
sich ja doch auch die einzelnen Stücke bey dem Tragen der Kisten in der
Hand durch eine bedeutende Strecke hindurch, und ich habe dad[urc]h den großen Vor-
theil gewonnen, daß ich die Sachen und die Träger immer in den Augen habe, denn
mit dem alten Adler ist ja gar zu wenig anzufangen.- Die Schränke werde ich
auf dieselbe Weise her<fahren> lassen als nach Ihren Befehl ges[ch]ehen ist.
Hier im Hause hat nun der Bau der wohl etwas langsam ging, auch inneres
Leben erhalten, denn man reißt jetzt hier unten auch schon ab,obgleich es oben
noch lange nicht fertig ist. Der Aufw[arter] am zool[ogischen] Museum wohnt bis jetzt noch
ruhig in seiner Wohnung.
Mit dem Waschen der Mineralien bin ich nun mit der Familie der Thone zu Ende, auch
habe ich noch einige Kasten vom Kalkspath durchzugehen: Es thut mir recht leid
daß ich in dieser Wascherey unterbrochen worden bin, denn es ist nicht zu
läugnen daß durch diese Totalreinigung viele Sachen doch sehr gewonnen haben.
Ich werde nun sehen ob sich noch etwas vor Ihrer Ankunft thun läßt.
Wir haben hier schon ganz unglaublich rauhe kalte und auch stürmische Tage gehabt,
und diese höchst widrige Witterung mag wohl auch an dem Treiben des H Finanz-
ministers eine bedeutende Ursache seyn. Fast bin ich überzeugt hatten wir
immer so schönes Wetter gehabt als wir heute hatten, er würde seinen Wunsch
noch nicht so bestimmt ausgesprochen haben.
Vor[ge]fallen ist sonst während Ihrer Abwesenh[ei]t nichts. Ein gewisser H.
Schmid, der bey Ihnen Naturphilosophie gehört hat, wollte von Ihnen ein Zeug-
niß darüber zu seinem Examen.- Schon zweymal bin ich in der Maurer- /
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schen Buchhandlung gewesen, allein da H. Gräfe verreist ist, so scheinen die
andern Herrn gar keine Lust zu haben die Sache übernehmen zu wollen, sie
wiesen mich an den <Packsof>: Bis Mondtag wird Herr Gräfe zurück seyn
dann will ich suchen ihn selbst zu sprechen.
Vom Departem. kam gleich Tags nach Ihrer Abreise eine Resolution
an Sie; da solche nicht wichtig seyn, sondern blos die Abgabe einer Silber-
stufe an Sie betreffen soll, so lege ich sie nicht bey, sondern dagegen einen
kleinen Brief der vor einigen Tagen an Sie durch die Post angekommen ist.
Ein gewisser aus Petersburg kommender H. v. Engelhard, wie er sagen ließ ein
besonders guter Freund von Ihnen wünschte das Min:Cabinet zu sehen; ich mußte
es natürl[ich] ablehnen, da ich eben mit dem Ausräumen beschäftigt war.
Vor einigen Tagen sprach ich He[rr]n Jahn, welcher seit Kurzem verheyrathet ist,
er trug mir auf Sie zur Theilnahme an einem Feste einzuladen, welches die in
Berlin ansessigen Sachsen bey der Vereinigung Sachsens mit Preusen geben werden.
Da ich ihm sagte daß Sie verreist wären, so hoffte er, Sie würden bis zum Tage
des Festes schon wieder zurück kommen.
Es heißt, daß der König in wenigen Tagen nach Wien abgehen werde, die Vor-
spannpferde stehen schon im Lustgarten bereit.
Sie waren so gütig mir bey Ihrer Abreise zu erlauben mir vom Herr[n] DrKrause
den 1n u. 2te Theil der Übersetzung des Hany nebst dem Kupferband geben zu lassen
derselbe hat mir aber blos den 2n Theil zurück gegeben, weil er versichert den 1en Kupferband nicht von Ihnen erhalten zu haben.
Zur Beendigung Ihrer Reise wünsche ich Ihnen fortdauernd so vortreffliches Wetter als wir die letzteren Tage hatten, damit Sie die Störung in Ihrem Plan
vergessen und recht vergnügt zurückkehren mögen.
Ich sehe mit Freuden Ihrer baldigen Rückkehr entgegen.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung empfehle ich mich Ihnen gehorsamst
Darf ich Sie wohl bitten mich den H. GeheimRath Leonhard gehorsamst zu empfehlen?
A Fröbel.