Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in < ? > v. 24.9.1814 (Berlin)


F. an Christian Samuel Weiß in < ? > v. 24.9.1814 (Berlin)
(BlM II,29, Bl 118-119, Reinschrift 1 B 8° 3 ½ S., zit. Halfter 1931, 427f.)

Berlin den 24sten 7br. 1814.


Hochverehrter Herr Professor:

Die Räumung der in dem vorigen, nach Hanau addressirten Brief bestimmten
Zimmer in dem Neuen Münzgebäude, ist nun bis auf Kleinigkeiten beendigt, so daß
künftigen Mondtag das Münzdepartement davon Besitz nehmen kann. Ich habe dieß
sowohl dem H. Staats R. Uhden als bey dem Münzdepartement angezeigt. Dem Befehle
des Cult[us]departements habe ich auf folgende Weise Genüge zu leisten gesucht.
Ich habe mit der Räumung des Auditorii begonnen. Die Kästen der Schränke habe
ich in derselben Reihefolge, von den Modellen beginnend, in das kleine Zimmer
nächst dem künftigen hiesigen Audit. setzen, die dazu gehörigen Schränk[e], aber,
in das Zimmer bringen lassen in welchem die Nahesche Sammlung aufgelegt liegt,
weil diese Schränke in vordere Zimmer zu bringen jetzt unmöglich war. Die
Kästen aus den Schränken des Vorzimmers habe ich mit dem Schrank der äußeren
Kennzeichen Sammlung beginnend, in das vorgedachte Zimmer stossende
Eckzimmer bringen lassen. Die dazugehörigen Schränke aber ebenfalls in das schon gedachte Zimmer der Naheschen Sammlung. Die Kästen aus den Schränken des kleinen
dem ebenerwähnten Vorzimmer gegen überliegenden Zimmer, in
welchem die Modelle der Schlesischen Gebirge standen, und welches englische
schottische, schwedische asiatische u (nicht <rein / eine> schlesische) Sammlungen ent-
hielt, diese Kästen habe ich ebenfalls in das schon gedachte Eckzimmer bringen
lassen; die dazu gehörigen Schränke aber in das große Zimmer in welchem
ich bald nach meiner Ankunft schlesische Sammlungen aus den vordern Zimmern
brachte. Die Sachen aus dem Hausflur endlich habe ich in das kleinere
lange Zimmer bringen lassen, welches an das Zimmer der Naheschen
Sammlung stößt. Die mit Mineralien noch angefüllten Kisten aber habe ich
da es mir an Platz mangelte unter die große Haupttreppe im Univer-
sitatsgeb[äude] bringen [lassen], weil mir der Portier versicherte, daß sie dort ganz
sicher lägen.- Sie werden bester Herr Professor, wenn Sie kommen sehr /
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viele Nachsicht mit mir haben müssen, dieß werden Sie schon aus dieser kurzen
Darstellung sehen, aber ich muß Sie doch recht sehr darum bitten, denn das
Geschäfte war wirklich gar zu groß für mich allein, da ich ohne alle Anweisung war,
und da mir Niemand Rath geben konnte. Ich sehe wohl ein, daß ich mit den
Schränken manches verbauen mußte, daß vieles hin- und hergerückt und getragen
werden muß, allein da es einmal Befehle war das die gedachten Sachen
jetzt mit einemmale hierher sollten, so schien mir die Anordnung die ich wählte
die am wenigsten, die am wenigsten mehrfache Arbeit verursachende.
Der Transport der großen Schränke war besonders schwierig, was sie dabey
litten, das versicherte der Tischer sey leicht auszubessern. Sie kennen die großen
Schwierigkeiten einer solchen Dislocation deßhalb hoffe ich mit der Bitte um Ihre
gütige Nachsicht keine Fehlbitte zu thun. Der Herr Staats R. Uhden wird näch-
ster Tagen sich persönlich unterrichten wie ich den Befehl des Dep: an
welches ich Mondtags darüber Bericht erstatten werde erfüllt habe.
Der Bau im Hause rückt wie mich dünkt
sehr langsam fort. Außer der Wohnung für den Aufw[ärter] beym zoologis[chen] Museum ist
noch keine fertig. Es soll sich wegen des Schornsteins nur mit Schwierigkeit Ihre
Küche in dem mit Ihnen vom Herrn Prof: Rabe besprochenen Locale anbringen
lassen. Herr Professor Rabe war daher mit Herrn Staats R. Uhden Willens mit dem Bau Ihrer Küche sowohl
als mit meiner Wohnung, da ich auf dem Fall daß Sie einwilligen würden
auf eine Küche Verzicht geleistet habe, bis zu Ihrer Rückkehr zu
warten, um Ihre Entscheidung zu hören. Um den Bau hier in diesem Stad[ium]
dadurch nicht zu stöhren, sollte Ihre Aufwarterin einstweilen die für Adler
bestimmten Stuben beziehen und ich sollte mich da in den ersten Tagen des
nächsten Monats die Wand in der jetzt von mir bewohnten Stube einge-
schlagen werden soll einstweilen in einem der leeren Zimmer behelfen.
Wie ich höre soll sich jedoch der Herr Prof: Rabe entschlossen habe[n], ohngeachtet
jener Schwierigkeiten den mit Ihnen verabredeten Plan getreu fort-
bauen zu lassen. Was also noch geschehen wird weiß ich nicht, /
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so viel nur weiß ich, daß gar nichts gegen Ihre Verabredung vor Ihrer Rück-
kehr geschehen wird. Der Herr Prof: Rabe hat mich ersucht Ihnen zu schreiben
daß er Ihre Rückkehr wünsche, weil er verschiedenes mit Ihnen in Bezug
auf die Einrichtung des Locals für das größere Cabinet mit Ihnen zu besprechen habe.
Bey dem Tischer bin ich diesen Vormittag gewesen; noch ist gar nichts fertig, bis
Ende kommenden Monats sollen jedoch die 2 kleinen und der eine große Schrank
fertig werden. M[ei]ster Schmied eilt nicht sehr weil der Accord sehr knapp ist
und sich ihm jetzt einige mal Arbeit angeboten hat bey welcher er mehr ver-
dienen konnte. Wie er mir die Sache vorgestellt hat kann man ihn freylich
nicht sehr drängen ohne auf der einen Seite ihn entweder sehr zu drücken oder
auf der anderen Seite zu bewirken daß er leichte Arbeit liefert, was er,
ob gleich weil wie [ge]sagt der Accord zu knapp ist, dennoch selbst nicht wünscht.
Der Buchbinder hat einige Hundert neue Kästchen geliefert und 300 alte
überzogen.
Die Kisten an H. Dr. Siegward habe ich gestern durch einen Spediteur be-
sorgt; denn da ich endlich den H. Gräfe der übrigens sehr gefällig und dienst-
fertig war selbst sprach, war seine Fracht schon abgesandt, er wollte
zwar dennoch die Besorgung übernehmen allein da er mir versicherte, daß
auch die Schaffner besonders ein bestimmter, dergl. Geschäfte sehr gut besorgten,
so hielt ich es für Unrecht ihn damit zu bemühen. Die Kisten gehen von hier
direckt nach Tübingen.
Ein gewisser Herr Hofr: Demuth war vor einigen Tagen hier Sie zu besuchen.
Auch wünschte Sie gestern ein junger Mensch zu sprechen, welcher sich bey
H. Staats R. Uhden wie er mir sagte in Adlers Stelle gemeldet hat. Er
ist aus Altpreußen, hat im letzten Feldzuge als freywilliger Jäger gedient,
ist bey Großbehren in den rechten Arm geschossen worden, so daß die
rechte Hand zum Schreiben untauglich ist. Der Herr Staatsr: Uhden hat ihn
wie er mir sagte an Sie verwiesen.- Wie ich höre will sich auch
Buchwald bey Ihrer Rückkehr bey Ihnen zu Adlers Stelle melden. /
[119R]
Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen eine recht glückliche und angenehme
Beendigung Ihrer Reise. Möge Sie daßs so sehr schöne Wetter unver-
ändert bis zu Ihrer Rückkehr nach Berlin begleiten
Mit der ausgezeichnetsten Verehrung bin ich
Ihr

gehorsamster

AFröbel

Es liegt ein Brief an Sie hier
nach dem Couvert aus München
vom 12 7br, inliegend eine Steinprobe
ohne Werth; das Sigel hat die Buchstaben
A. F. G. Ich lege diesen Brief hier nicht
bey da er Sie doch erst in Leipzig erreichte.
Auch sendet eben H. Finanzrath Gerhard
eine Schachtel mit 4 St[ü]ck Mineralien an Sie.