Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Preußische Innenministerium, Department für Kultus und öffentlichen Unterricht, in Berlin v. 15.3.1815 (Berlin)


F. an das Preußische Innenministerium, Department für Kultus und öffentlichen Unterricht, in Berlin v. 15.3.1815 (Berlin)
(BN 710, Bl 5-6, dat. Entwurf 1 B fol 3 S. - Der Bogen enthält außerdem Briefentwurf an Fritz v. Holzhausen v. Mitte Mai/Juni (nach 9.5.) 1815)

Berlin am 15ten März 1815.

An
das Departement für den Cultus
und öffentlichen Unterricht im
Ministerio des Innern.

Nur schüchtern wage ich abermals
eine unterthänige Bitte an das
hochpreißliche Departement; eine
Bitte zu welcher mir die Dauer meiner
Dienstzeit freylich wohl noch kein
Recht giebt, zu welcher mich aber
die Gesammtheit meiner Lage auf
das dringendste auffordert:
Ich wage es das hochpreißl. Dep:
um eine gnädige Vermehrung meines
Gehaltes unterthänig zu bitten.
Glücklich würde ich mich preißen
zwänge mich meine Lage nicht zu dieser
Bitte, und <mit> zufrieden würde ich
die Zeit erwarten wo eine längere
Dienstzeit sie mir ein Recht dazu zu thun
mir erlaubte; allein ich bin ohne
das geringste eigene Vermögen
was mir - außer dem bey meiner
Anstellung gnädigst gesicherten Nah-
rungsunterhalt - die Bestreitung
der andern unvermeidlichen und
dringendsten Lebensbedürfnisse: /
[5R]
der unentbehrlichsten Wäsche und
Kleidungsstücke möglich macht, so
daß mir bey meiner jetzigen Lage
eine Zeit zu nahen droht, wo diese Bedürf-
nisse für mich unerschwinglich seyn
werden.
Dennoch würde ich jetzt noch nicht
vor dem Hochpreißlichen Departem[ent]
mit jener unterthänigen Bitte er-
scheinen, ich würde vielmehr
ferner wie bisher durch pri-
vat Unterricht von jenen Bedürf[-]
nissen < ? gezogen> die unum-
gänglichsten zu befriedigen suchen,
würde ich nicht immer mehr über-
zeugt, daß die, für den Gehilfen
an dem mineralogischen Museum
bestimmten Geschäfte die Zeit desselben ganz und unge[-]
theilt fo[r]derten, und dieß um so
mehr bey mit dem Beginn der < > ganz neuen
Einrichtung desselben. Da aber
das mineralogische Kabinet eben
so wie das zoologische Museum
fo[r]dert, daß der Gehilfe sich ihm
ungetheilt widme, und da es
nur bey einer, von den drückken-
den Sorgen für die ersten Unter-
halts- und LebensBedürfnisse
befreyten Lage möglich wird /
[6]
diese Fo[r]derungen desselben zu erfüllen
und sich ihnen ungetheilt zu widmen
so hoffe ich daß das hochpreißliche
Departem[ent] die Bitte:
mich mit dem Gehülfen am zoologi[schen]
Museum an im Gehalte gleich zu setzen
nicht unziemend finden wird.
Der gnädigen Erfüllung meiner
unterthänigen Bitte sehe ich um
so vertrauensvoller entgege[n]
als unumwunden ich die Gründe
derselben dem Hochpreißlichen
Departement vorlegte.
Mit der tiefsten Ehrerbietung
bin ich
des hpn. Dep.
          unterthä[n]iger

AFr.