Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Fritz von Holzhausen in Frankfurt/M. v. <Mitte/nach 9.> 5.1815 (Berlin)


F. an Fritz von Holzhausen in Frankfurt/M. v. <Mitte/nach 9.> 5.1815 (Berlin)
(BN 710, Bl 5-6, undat. Entwurf 1 B fol 2 S., mehrere Teile/Reihenfolge: 6R links/6R rechts/5V unten/5V oben/6R rechts/6V, auf Entwurf an das Preußische Innenministerium, Dep. für Kultus u. öffentlichen Unterricht v. 15.3.1815, ed. Hoffmann 1952, 43-45. Datierung aufgrund Partnerbrief v. 9.5., Situation erfordert schnelle Beantwortung durch F.)

[6R links]
Des Freundes Theilnahme und Liebe naht sich Dir
in Beykommen[dem] u
bittet Dich in Beykommendem auf
Deinem Kriegeslaufe begleiten zu dürfen
nim[m] es gütig auf und versage Ihnen
ein[en] Platz ihn[en] in Deinem Gepäck ihnen nicht.
Die Kunst die unnennbare bewahrt sich
gerne in dem Herzen des vortreffl. <Jüng[lings]> der
bey dem Gedanken an Thaten welche für künftige
Geschlechter in Sagen zerfließen Mannes[-]
kraft in seinem Arm fühlt, ein heimisches
Örtchen daß sie den Theuren in den Zeiten der
Mühen <stärke>, in den Zeiten der <Erschöpfung>
u Ab<spannung> Erqu[ic]ke u erhebe, daß in den Zeiten ohne äußerer That ihm er edle Beschäftigung werde finde u daß
wenn der Kampf in seinen Gestalten ohne
Zahl ihm entgegen tritt er durch sie immer
des Sieges gewiß sey. So bin u erscheine
ich mir selbst hier u unmerklich für diesen blos als ihr Werkzeug, was
mir gehört, ist die Wahl, aber ich bitte Dich
deßhalb keine Erklärung von mir zu fordern
denn ich kann Dir darüber nichts sagen. Buch u Bild
sind mir lieb sehr lieb und ich beredete mich
<immer daß> daß Dein zarter Sinn Deine <kindl.>
Empfindung
die Zartheit Deiner Gefühle, die
Tiefe Deiner Empfindung mir nicht ganz fremd
sey u so hoffte ich daß auch Buch u Bild auch Dir etwas
auch Deiner Liebe etwas werth lieb werden
würden. Im Buche steht viel sehr viel
was Du nicht verstehen wirst deßhalb lege es nicht gleichgültig an die Seite auch ich
verstehe sehr viel in demselben nicht, deßhalb
ist es mir dennoch sehr lieb u ich freue mich durch dasselbe
wenigstens zu wissen daß dem Gemüth noch
viel zu erfassen dem Geiste noch viel
zu wissen erkennen übrig ist. Lege also das
Buch jenes öfte[r]n Nichtverstehens halber nicht gleich
gleichgültig aus der Hand suche, und findest Du nur
etwas was Dir lieb ist, so hat es seinen Zweck
erreicht. Zu dem Bilde kein Wort als <an ihm> einen ruhigen Blick.
Wäre ich Mahler so hätte ich Dir Du noch einen
BlumenKranz von
. Gerne hätte ich Dich ge[-]
beten etwas aus meiner <d.h.> der Steinwelt
von mir anzunehmen aber weise ist wer die Schranke in seinem
Handeln nicht weiter geht als ihm die Kraft dazu vergönnt

erkennt welche seinem Handeln gesetzt sind /
[6R rechts]
ist. Aber Doch Du wirst ihn finden den <köstl.>
Stein u. ihn Dir selbst geben an Deine Brust heften <u so wird>
Dich er Dir unendlich lieber seyn, als <wenn>
auch ich ihn Dir ihn hätte geben können u innigst
theilnehmend werde ich mich freuen wenn dann von er
Deine reine Brust überstrahlt die Strahl[en]

seine[n] erleuchtenden Strahlen Dein <Inneres> Brust
<gemüt[h] zurückwirft
Deiner reinen Brust In[ner]stes Friedung
erglänzt.
Nun lebe recht wohl laß recht bald
etwas von Dir hören, allein über diese
kleinen Gaben pp
[hierhin wohl Rest von 6R links:]
Schreibe mir über diese kleinen Gaben nichts bis sie Dir etwas
lieb geworden sind oder bis Du wenigstens glaubst
daß sie Dir lieb etwas lieb werden werden[.]
Vergiß im Laufe Deines Kriegeszuges nie
daß Dir ein Freund lebt der alle die
Beschwerden u. Mühen des Krieges kennt
u selbst in hohem Grade ertragen hat u.
sich dennoch hoch beglückt schätzen würde
wenn er diese u des Kampfes Gefahren
ungetrennt von Dir mit Dir theilen
könnte. Möge Dir dieser Gedanke <etwas> zu
eigen[er] erhebung dienen.
Trifft Dich dieser Brief noch im elterl.
Hause was ich wohl wünsche so grüße
herzl. alle die lieben u Theuren Personen
desselben von mir. Bleibe in Liebe
gewogen Deinem <tre[uen] / Freun[d]> Frdr.
Nimm Papier u Bleystift mit ins Feld damit
Du die liebgewordene Gegenden rc.
dadurch der Vergessenheit entreißen
kannst, denn es findet sich dazu im Felde öfter[s]
Aufforderung Zeit u Gelegenheit als als man
glaubt. Überhaupt zeigen
sich dem edeln Krieger außer seinem
erreichten Zweck, dem besiegten Feind
als freundl. Ersatz für seine unsägl. Auf[-]
opferung u Entbehrung rc. noch
andere höhere Freuden wenn er sie nur zu
würdigen u zu finden versteht.
So Noch muß ich Dich hier
[5V unten]
aufmerksam machen auf keine Gelegenheit zu versäumen die Orte aufzusuchen
wo Kunstschätze aufbewahrt sind, so z.B. vergiß nicht in
Cöln, kommst Du dahin Dir im Dom ein köstliches
Gemählde einer Madonna zeigen zu lassen.
Der Meister ist unbekannt. Deine kunstliebende
Mutter wird Dir mehr davon sagen[.] Fühlst Du Dich
im Anblick der herrl. Gestalt selbst erhoben, dann gedenke Deines
Freundes Wunsch dieser <Erfahrung> Anschauung sich nochmals
mit Dir zu <schreiben> u. besonders mit [Dir] zu erfreuen[.] /
(5V oben)
Kommt der Krieger mit dem Bürger zusammen, so
haben alle meine Waffengefährten mit mir die
Erfahrung gemacht, daß letzterer gewöhnl[ich]
einen sehr feinen Takt den Gebildeten heraus
zu heben u ihn dieser Bildung gem[äß] auszuzeichnen [hat].
Der Freund der Musik findet öfters reine
Freude spendende Gemüther[.]
[6R rechts]
(wieder 6R rechts)
Aus Deinem letzten Brief sehe ich daß Du mir
auf meinen vorletzten vom Januar geant-
wortet hast ich aber den Brief nicht erhalten
halten [2x] habe; es ist mir unbegreifl[ich] da ich /
[6V]
mir selbst im Felde kein Brief ver[-]
lohren gegangen ist aber noch mehr thut
es mir leid ihn entbehren zu müssen.
Ist der Brief richtig in M[einin]gen auf die
Post gegeben worden so muß er auch <wenn> viel[-]
leicht auf der Aufschrift meine Wohnung nicht bemerkt
war dahin zurück gegegangen [sc.: gegangen] seyn.
Ich will Dir nun nur gestehen daß
ich da ich so lange keine Nachricht von
Dir erhielt glaubte vermuthete jener mein letzter Brief
habe Dich sehr gelangweilt u Du war[-]
tetest nun mit dessen Beantwortung um
dadurch Dir nicht so bald wieder einen ähnl[ichen] Brief
Antwort von mir zu erhalten so sehr als mögl. zu <verspäten>. In diesem [sc.: dieser] Glauben
Vermuthung lag die Ursache daß auch ich
Dir so lange nicht wieder schrieb[.]
Mit Trauer sehe ich daraus, wie leicht sich
zwischen entfernte Freunde etwas
Trennendes legen kann -- Jetzt schäme ich
mich jener Vermuthung[.]
Nun nochmals ein herzl. Lebe wohl[.] /