Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt am Main v. 12.6.1815 (Berlin)


F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt am Main v. 12.6.1815 (Berlin)
(BN 492, Bl 35-36, 1.dat. Entwurf 1 B 8° 3 S., ed H V, 98-100; BN 492, Bl 37-38 2. Entwurf/Fragm. 1 Bl 8° ½ S.)

a) 1. Entwurf

Am 12ten Junius 1815/.·.
1815.
Am   12n Junius.
Als ich Ihnen den letzteren Brief schrieb welchen die das
irdische Leben läuternden Büchern begleiteten, stand lag die-
ses Leben und rein vor lag es rein in mir und ich war nur von
demselben erfüllt; aber wohl muß dieses in ihm der Keim eines
höheren über das irdische erhabenen Lebens gelegen ha enthalten seyn
denn ungeahndet ward das Gemüth sein Eigenthum und dieses dessen erleuchtete im Strahl desselben <mein Gemüth>
entfaltet[e] sich in demselben mit steigender Klarheit und
Freudigkeit und weihete es zu seinem bleibenden Eigenthum. Alle die vielen Fragen die am Ende und
beym Abgang des letzteren Briefes sich noch herbeydrängten und an Sie getan und
von Ihnen beantwortet zu werden diese seyn wollten, und selbst die
fragende Bitte die noch ganz am Ende der letztere
Brief Ihnen aussprach verleh lösten sich von der <Klar->
heit und Reinheit des höhern Lebens in ihr Nichts Einklang <Ihrer> [Hoffmann: und] Harmonie auf[.]
Wie konnten sie auch in einem höhern Leben, in jener Getrenntheit <da seyn> Bedeutung
behalten?- Ihnen Mehr jetzt andeutend darüber andeutend zu sagen wage bedarf ich jetzt
noch
nicht, und denn weßhalb wäre es auch nöthig, hat
es nicht das höchste heiligste Leben in dem Gemüthe der der zartsinnigen edle edelen Frauen seine
Wohnung, eigentlich seinen Tempel und seinen Thron?-
und wem anders als Ihnen, als Ihren hohen frommen <rein Ge> Sinn
und ihrem [sc.: Ihrem] reinen Gemüthe verdanke ich es, daß jenes Leben auch
be mein Leben werden und seyn will?- Wie könnte /
[35R]
was bleibt mir daher ihnen [sc.: Ihnen] darüber zu sagen noch übrig u wie könnte
ich es daher wagen diese noch zarten Keime in mir in ihrem entfalten [sc.: Entfalten] in mir durch, noch
kalte Worte zu tödten?-
Wie unvergänglich erscheint mir jetzt der Friede
der meine Seele erfüllt, da ich Härte und Persönlich[-]
keit und ihr ganzes Gefolge, immer klarer in ihrer
tödtenden und zerstöhrenden Eigenschaft erkenne.
Ich begreife selbst nicht wie es mir bisher gegangen
ist, daß ich Ihr hohes des Menschen höchstes Streben
jetzt erst so lebendig so klar anschaue da, Sie ihn
es
mir Ihr religiöser frommer Sinn doch seit so langer Zeit und so oft und in
den verschiedenen Gestalten so bestimmt und <sehnend> ausgesprochen haben haten [sc.: hat] und
ich mir wohl auch das Zeugniß zu geben zu dürfen
glaube, daß auch jenes Streben auch mir immer
und nur in immer in verschiedenen Stufen der Klarheit höchst[e]s
Streben war[.]
Seyn Sie nicht böse mit mir, daß ich Ihnen jetzt
nichts mehr ausspreche sage. Möge aus diesen Zeilen
Ihnen wenigstens die feste Glaube sichere Hoffnung hervorgehen
daß ich mich nun unverwand dem Ziele nähern werde
welches Ihre theilnehmende Huld rein uneigennützig wie jede edle Seele das bleibende Wohl des Strebenden wollend
wornach mich so sehr verlangt mir in den so reinsten
Vorbildern so oft bittend im Hochgefühl seines einschließenden Himmels bittend bezeichnet hat.
Ihnen dieses auszusprechen, hielt ich für dem <stehe> Sie mir nun <u> bald recht bald höre ich nun gewiß auch wieder etwas von
Nun bitte ich Sie recht sehr um baldige Mittheilung von
Ihnen mit. Daß keiner meiner letzten Briefe bisher von
Ihnen beantwortet wurde finde ich sehr natürlich /
[36]
denn keiner bezeichnete {dem / einen} Standpunkt von
dem aus das höchste menschliche Streben möglich
war; und was war ehe ich diesen erreicht hatte mir ander[es]
zu sagen als[: ich] suche ihn zu erreichen und hatten Sie mir das
<nicht> schon so oft mit gütevol[le]m Sinn gesagt?
möchte[n] Sie ihn in diesem Briefe angedeutet finden daß ich ihn gefunden habe[.]
Grüßen sie [sc.: Sie] Innig verehrte edle Frau alle Ihre lieben Theueren auf das liebevollste <beyden> von <mir> und leben Sie recht wohl. u
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Vergeben Sie mir daß Sie gütevolle Frau in der letzten
Zeit so viele Briefe von mir erhielten Sie haben aber
gewiß in dem edlen Gefühl der Theilnahme bey jedem derselben lebhaft gefühlt empfunden
daß ich nicht auf dem Stufe <P[un]kt> stehen den jeder derselben bezeichnet bleiben dürfe daß
keiner derselben noch der Mittelp[un]kt des Menschlichen
Strebens Wollens u Thuns und so auch des meinigen war, wenn mein Streben
mir Ernst [ist] u so liegt in jenem Gefühl selbst die <Nathur>
der Folge u. darf ich es mir aussprechen - der feste Glaube <war> Ihrer Entschu Vergebung[.]
<Entschu> [Text bricht ab]

b) 2. Entwurf/Fragment

Am 12ten Juny 1815 /
Als ich Ihnen den letzteren Brief schrieb, welchen die, das
irdische Leben läuternden Bücher begleiteten, lag dieses
Leben rein in mir und ich war nur von demselben er-
füllt; wohl aber muß in ihm der Keim eines höhern
über das irdische erhabenen Lebens enthalten seyn, denn
ungeahndet erleuchtete ein Strahl desselben mein
Gemüth, und verklärte sich entfaltetend sich in alles Edle u Vortreffliche desselben erhellende mit steig-
ender Klarheit und
alles daß das Gemüth vor erhebender Freudigkeit erzitterte
und weihete das Gemüth zu seinem bleibenden Eigenthume.
Alle die vielen Fragen die sich am Ende und beym
Abgange des letzteren Briefes noch herbey dräng-
ten und an Sie gethan und von Ihnen beantwor- [Text bricht ab]
[37R/38VR]
[leer]